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Nachdem in den drei vorangegangenen Teilen dieser kleinen Artikelserie allegemeine Grundlagen der Waffentechnik sowie Kugel- und Schrotwaffen Thema waren, geht es heute um kombinierte Waffen. Waffen mit mehreren Läufen haben zwar viele Vorteile, sind aber immer gewissermaßen eierlegende Wollmilchsäue. Deswegen gibt es auch Nachteile, die man bei der Wahl seiner Waffe abwägen muss, sei es beim Kauf, sei es, wenn man vor einem Jagsausflug vor dem Waffenschrank steht und das Glück hat, die Qual der Wahl zu haben.
Jagdwaffen I
Jagdwaffen II
Jagdwaffen III
Jagdwaffen V
Grundsätzlich kann man sagen, dass man mit einer Flinte vor allem auf kleines Wild schießt, welches sich bewegt und nicht weit entfernt ist. Dadurch dass der Schrotschuss streut, trifft man solche Ziele mit der Flinte leichter.
Der Schrotschuss tötet idealerweise auch nicht durch Eindringen und Verletzen lebenswichtiger Strukturen, sondern durch den Schock des Aufpralls. Seine Vorteile sind also das leichtere Treffen und die geringere Wildbretzerstörung. Das wird aber damit erkauft, dass der Schrotschuss weit weniger weit reicht als der Kugelschuss.
Für Schalenwild hingegen benötigt man die Büchse, mit der man auch auf weitere Entfernungen präzise treffen kann und deren Geschoss tief in den Wildkörper eindringt und dort teils durch direktes Zertrennen tötet, teils durch die zerstörende Wirkung der entstehenden Druckwelle und teils auch wieder durch den Schock, der durch die Druckwelle entsteht.
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| Übliche Laufanordnungen bei kombinierten Jagdwaffen |
Aus diesem Sachverhalt lässt sich ablesen, dass man mit einer Büchse oder einer Flinte nicht immer richtig angezogen ist, da man ja jederzeit an Wild geraten kann, für welches sich die jeweilige Waffe nicht eignet. Außerdem kommt es oft vor, dass man bei einem Besuch im Revier zwei Jagdarten nacheinander betreiben möchte: Es ist durchaus möglich, dass man vor Sonnenaufgang ins Revier geht um am Waldrand auf Rehwild anzusitzen und anschließend am Vormittag ein wenig nach Hasen stöbern will.
Dazu braucht man zuerst eine Büchse und später dann eine Flinte. Im Prinzip könnte man zwar zwei Gewehre mitnehmen, aber das hat sein Tücken: Schleppt man beide mit sich herum, ist das arg unbequem, lässt man die jeweils nicht benötigte Waffe im Auto, handelt man illegal, weil sie dort nicht ausreichend gegen Wegnahme durch Unbefugte gesichert ist.
Für solche Problem gibt es jedoch Lösungen: die sogenannten kombinierten Waffen. Genau genommen bezeichnet man mit diesem Ausdruck nur Waffen, die zwei oder mehr unterschiedliche Läufe aufweisen, schließt also Doppelbüchsen- und Flinten aus, die man dann unter einem Sammelbegriff wie "mehrläufige Waffen" zusammenfassen könnte. Allerdings wollen wir hier nicht so pingelig sein, sondern alle mehrläufigen Waffen miteinander betrachten, zumal es bei diesen Waffen technische Probleme und Besonderheiten gibt, die sowohl bei mehrläufigen Waffen mit ein und demselben Kaliber auftreten, als auch bei kombinierten Waffen.
Es gibt jede Menge Möglichkeiten Schrot- und Kugelkaliber miteinander zu kombinieren. Eine der verbreitetsten mehrläufigen Waffen ist die Doppelflinte. Wer gerne Zeichentrickfilme anschaut, kennt sicher die Flinte von Elmer Fudd, der nie weiß ob Hasen- oder Entenjagd ist. Hierbei handelt es sich um eine Doppelflinte, bei der die beiden Läufe nebeneinander liegen, eine sogenannte Querdoppel- oder kurz Querflinte.
Liegen die Läufe übereinander, spricht man von einer Bockdoppelflinte (BDF), die sich heute gegenüber der Querflinte durchgesetzt hat. In der Regel lässt man den Zusatz "Quer-" weg wenn man eine Waffe mit nebeneinander liegenden Läufen meint, nur bei der Doppelflinte wird er verwendet, da heute die meisten Doppelflinten Bockdoppelflinten sind und man daher betont, wenn man doch einmal tatsächliche eine mit nebeneinander liegenden Läufen meint.Genauso, wie es Doppelflinten gibt, gibt es auch Doppelbüchsen. Hier ist die verbreitetere Form die in Querbauweise, so dass der Ausdruck Doppelbüchse schlechthin eine solche Waffe meint und man betont, wenn man eine Bockdoppelbüchse meint.
Bei Doppelbüchsen und -flinten hat man zwar insgesamt immer nur zwei Schuss ohne Nachladen zur Verfügung, hat dafür aber den zweiten Schuss mindestens so schnell zur Verfügung wie bei einer Selbstladewaffe - und sicherer, denn es kann keine Ladehemmung geben, wie sie bei Selbstladewaffen gerne auftritt. Das ist bei der Flinte sehr nützlich, da man hiermit vor allem auf kleine, bewegte Ziele schießt; bei der Doppelbüchse kann es lebensrettend sein, dann nämlich, wenn man auf wehrhaftes Wild schießt.
Nicht zuletzt deswegen verlässt sich mancher Großwildjäger in Afrika auf seine klassische Doppelbüchse und nicht etwa auf einen Automaten. Da der Kipplaufverschluss einer großkalibrigen Doppelbüchse sehr hohen und noch dazu asymetrischen Beanspruchungen ausgesetzt ist, ist seine Herstellung teuer. Auch das Verlöten und Einschießen der beiden Läufe ist sehr aufwändig. Daher ist eine solche Waffe recht kostspielig.
Die typische Waffe eines Jägers oder Försters war früher und ist zum Teil auch heute noch der Drilling. Der klassische Drilling ist sozusagen eine Querflinte mit einem zusätzlichen Kugellauf in der Mitte unter den beiden Schrotläufen. In dieser Form - als nackter Drilling, wie man auch sagt, ist er z.B. die ideale Waffe für eine Treibjagd auf Fuchs und Hase, bei der aber auch Sauen vorkommen können und frei sind: Man hat zwei Schrotschüsse und kann fast wie mit einer Doppelflinte schießen. Kommt einem eine Sau, hat man auch einen Kugelschuss zur Verfügung.
Rechnet man in einem Treiben eher mit Schwarzwild als mit Fuchs und Hase, lädt man einen der Schrotläufe mit einem Flintenlaufgeschoss und hat dann zwei Kugelschüsse und einen Schrotschuss. Geht es bei einer Drückjagd nur auf Schwarzwild, stopft man eben beide Schrotläufe mit Flintenlaufgeschossen und hat drei Kugelschüsse zur Verfügung, was schon fast zu viel ist, denn bekanntlich triftt ein Schuss immer, zwei vielleicht - aber drei und mehr treffen nie.
Damit ist der klassische Drilling aber noch lange nicht am Ende: Man kann auch einen seiner Schrotläufe mit einem Einstecklauf ausrüsten. Ein Einstecklauf ist ein Kugellauf, meist in einem kleinen Kaliber, den man in einen Schrotlauf ein- und diesen damit zu einem Kugellauf umbaut. In diesem Falle hat man einen Schrotschuss, einen großen und einen kleinen Kugelschuss.
Ein Drilling, hier einer von Sauer&Sohn, ist eine Waffe mit der man so gut wie immer und überall richtig angezogen istBei einem ganz gewöhnlichen Drilling liegt der Kugellauf unten, was bedeutet, dass er das Laufbündel nach oben biegt, wenn er sich erwärmt. Gibt man mit einem Drilling mehrere Kugelschüsse kurz hintereinander ab, liegt jeder Treffer ein wenig höher. Man sagt, der Drilling klettert. Eine Doppelbüchse hingegen biegt sich zur Seite wenn man einen Lauf abgeschossen hat. Das muss beim Einschießen berücksichtigt werden und die Waffe trifft dann auch nur wirklich genau, wenn man die Läufe in der richtigen Reihenfolge abschießt.
Bei der Doppelbüchse und auch beim Bockdrilling kommt aber noch ein weiteres Problem hinzu, welches immer auftritt, wenn man mehr als einen Kugellauf in einem Laufbündel hat:
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| Mündungen eines Drillings mit Einstecklauf im rechten Schrotlauf |
Mit einem modernen Einstecklauf hat man einen kleinen Kugellauf, der nicht nur so lang ist wie der eines Bockdrillings und daher die entsprechende Leistung erbringt, sondern man ist auch nicht mehr auf das Kaliber .22 l.f.B. beschränkt. .22 Hornet dürfte das gängigste Kaliber für Einsteckläufe sein, es gibt aber mittlerweile auch Einsteckläufe in rehwildtauglichen Kalibern, wofür der Drilling aber ausgelegt sein muss. Ein Drilling mit Einstecklauf kann nicht nur jederzeit wieder in einen solchen mit zwei Schrotläufen zurückverwandelt werden, sondern man kann auch durch Wechseln des Einstecklaufes auf eine andere kleine Kugel umrüsten.
Man muss nach solchen Veränderungen die Waffe zwar immer wieder ein- oder zumindest kontrollschießen, aber bei einem jahreszeitlicher Wechsel der Bestückung ist dieser Aufwand nicht allzu groß. So kann man, wenn man etwa im Herbst oft auf Treibjagden eingeladen wird, den Einstecklauf - und das Zielfernrohr - weglassen und hat eine Doppelflinte mit einem zusätzlichen Kugelschuss für eventuell vorkommendes Schwarzwild. Geht es dann im Winter regelmäßig zum Sauansitz, wo auch ein Fuchs nicht verschmäht werden soll, baut man den Einstecklauf ein und montiert das Zielfernrohr.
Eine weitere Art des Drillings ist der Doppelbüchsdrilling, eine Doppelbüchse mit einem Schrotlauf unter den Kugelläufen. Selten ist der Waldläuferdrilling, auch Schienendrilling genannt; bei ihm sitzt ein kleinkalibriger Kugellauf über zwei Schrotläufen in der Laufschiene. Außerdem gibt es noch Kugeldrillinge und selbst Vierlinge findet man. Ein Vierling ist ein normaler Drilling, der über den Schrotläufen noch einen kleinen Kugellauf hat, er ist gewissermaßen herkömmlicher Drilling und Waldläuferdrilling in einem. Am verbreitetsten ist jedoch der ganz gewöhnliche Drilling.
Nun ist ein guter Drilling nicht gerade billig und außerdem recht schwer. Deswegen gibt es auch kombinierte Waffen mit nur einem Schrot- und einem Kugellauf, das sind die Büchsflinten. Am verbreitetsten ist heute die Bockbüchsflinte, die sozusagen den "Drilling für Arme" darstellt, oder den für Leute, die nicht gerne schwer an ihrer Waffe tragen. Man kann mit ihr in etwa das machen, was man mit dem Drilling machen kann, nur dass eben immer der eine Schrotlauf fehlt.