Umweltfreundliche Energiegewinnung verstärkt möglicherweise Artensterben
Der Umstieg auf erneuerbare Energieträger ist eines der Hauptziele der aktuellen Umweltpolitik. Aus diesem Grunde werden unter anderem Biogasanlagen mit Abnahme- und Preisgarantien für den erzeugten Strom gefördert. Der Anbau von Energiepflanzen speziell für die Biogasgewinnung könnte aber zum Artenschutzproblem werden.
Die Biogaserzeugung fördert unter anderem den großflächigen Maisanbau und damit die durch Monokulturen verursachten Öko-Probleme
Ursprünglich wurden Biogasanlagen vor allem zur Verwertung von organischen Abfällen, vor allem Mist und Gülle eingesetzt. Wie Bruno Krieglstein vom baden-württembergischen Landwirtschaftsministerium berichtet, ist die Biogas-Technik zwar schon seit Jahrzehnten bekannt und alltagstauglich, wurde aber
Die Biogaserzeugung fördert unter anderem den großflächigen Maisanbau und damit die durch Monokulturen verursachten Öko-Problemebis vor kurzem nur von einzelnen Landwirten eingesetzt. Der derzeitige Boom bei Biogasanlagen ist, so Krieglstein, vor allem auf die Novellierung des Gesetzes über Erneuerbare Energien (EEG) im Jahr 2004 ausgelöst worden: „Vor allem die für die nächsten zwanzig Jahre garantierte Abnahme für den erzeugten Strom gibt den Bauern Investitionssicherheit und erleichtert die Finanzierung solcher Anlagen durch die Banken.“
So hat sich nach Angaben des Landwirtschaftsministerium die im Land in Form von Biogasanlagen in Baden-Württemberg installierte elektrische Leistung seit 2004 von 22 auf 96 Megawatt mehr als vervierfacht. Die „Energiebauern“ betreiben ihre Anlagen schon lange nicht nur mit Abfallstoffen, sondern auch mit Pflanzenmaterial wie Mais oder Grasschnitt. Grundsätzlich wird dies von Ökologen positiv gesehen, da es sich um erneuerbare Energieträger handelt. Allerdings befürchten Umweltschutzverbände wie der Naturschutzbund NABU und der Deutsche Verband für Landschaftspflege (DVL) auch negative Folgen: Noch mehr Mais-Monokulturen und noch früheren Graschnitt.
Matthias Roller von der Heidenheimer Naturschutzbehörde erläutert die ökologischen Zusammenhänge, die hinter den Bedenken der Naturschutzverbände stecken: „Seit dem die Bauern das Gras silieren anstatt Heu zu machen, wird viel früher gemäht, was sich negativ auf die Artenzahl der Pflanzen- und Tierwelt auswirkt, die sich über Jahrhunderte an das Mähen im Juni angepasst hat. Der große Bedarf an Biomasse kann nun dazu führen, dass die Bauern noch früher und noch kürzer mähen als bisher.“ Olaf Tschimpke, der Präsident des NABU, sieht darüber hinaus auch die Gefahr, dass Grünland in Maismonokulturen umgewandelt würden, mit allen negativen Folgen dieser Nutzungsform, sowie das Ansteigen der Pachtpreise und einen daraus folgenden Druck auf Naturschutzflächen. Nicht zuletzt befürchten die Naturschützer aber auch Image-Schäden für nachwachsende Rohstoffe.
Bedenken hat auch Dr. Stefan Rösler, Landesvorsitzender des NABU in Baden-Württemberg; beim Naturschutztag des Landwirtschaftsministeriums in Pforzheim arbeitete er nicht nur die Chancen sondern auch die Risiken des Anbaus von erneuerbaren Rohstoffen heraus. Neben den ökologischen Problemen sieht er auch strukturelle: Zum einen könne der Anbau von Energiemais und dergleichen zu Lasten der Nahrungsmittelproduktion gehen, zum anderen drohe die Gefahr, dass Großanlagen gebaut und so die Landwirte als reine Rohstofflieferanten in Abhängigkeit von den Betreibergesellschaften geraten würden.
Grundsätzlich aber sehen die Naturschützer die Biogas-Technik durchaus positiv. Für die daraus erwachsenden Probleme liefern sie Lösungsvorschläge: „Um den guten Ruf nachwachsender Rohstoffe in der Öffentlichkeit nicht zu gefährden, muss ihr Anbau naturverträglich erfolgen“, meint der Vorsitzende des DVL , Josef Göppel und fordert zusammen mit Olaf Tschimpke ökologische Mindeststandards für den Anbau erneuerbarer Rohstoffe.
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