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Die Hersteller von Windenergieanlagen sitzen, wie Enercon in Aurich, vornehmlich im Norden, bringen so Arbeitsplätze und Aufschwung in strukturell benachteiligte Regionen. Wichtige Zulieferer und Windpark-Betreibergesellschaften sitzen aber auch im Süden, in Baden-Württemberg etwa, dem Land der Erfinder, Tüftler und Techniker, wo übrigens bereits in den 1950er Jahren der erste moderne Windpark in Deutschland entstand. Doch den Windkraft-Pionieren geht es wie dem Propheten, der ja bekanntlich im Heimatland nichts gilt: Ungeachtet einer Bundespolitik, die sich klar zu erneuerbaren Energien bekennt, trotz vollmundiger Werbung des baden-württembergischen Wirtschaftsministeriums, dass das Land einer der führenden Standorte bei den Erneuerbaren Energien sei, ist Baden-Württemberg zusammen mit Bayern trauriges Schlusslicht bei der Nutzung der Windenergie.
Ausreden
Von offizieller Seite wird das mit dem Mangel an geeigneten, also hinreichend windhöffigen Standorten erklärt. Für den Energieversorger EnBW ist laut seinem Pressesprecher Ulrich Schröder Windenergie kein Thema, auch wenn das Unternehmen einige (Alibi-)Windkraftanlagen betreibt: „Wir setzen auf Wasserkraft, die ist im Land vorhanden.“ Dabei lässt er aber ganz nonchalant unter den Tisch fallen, dass einerseits die großen Wasserkraftquellen in Baden-Württemberg schon lange genutzt werden und es andererseits genügend windreiche Hochlagen gibt.
Gegenbeispiele
Steuerung von oben
Vordergründig kommen die Vorgaben der Regionalverbände natürlich auf demokratischem Wege zustande, denn es sind Vertreter der zugehörigen Landkreise, die hier abstimmen. Allerdings müssen eben auch Vorgaben der Landesentwicklungsplanung entsprechend dem Landesplanungsgesetz umgesetzt werden. Zudem gibt es, wie Pesch erläutert, hier auch noch Strukturen aus der Ära des ehemaligen Ministerpräsidenten Teufel, der ja nicht gerade für seine Aufgeschlossenheit gegenüber Erneuerbaren Energien sondern eher für seine Nähe zu Großunternehmen bekannt war. Zudem wird mit Windkraft eine dezentrale Energieversorgung möglich, was nicht im Sinne der Energieriesen sein kann; Windparks werden in aller Regel über Fonds von Kleinanlegern finanziert und graben so den Energieriesen ein Stück weit das Wasser ab. Klar, dass diese versuchen, die „Bürgerenergie Windkraft“ so gut wie möglich zu verhindern. Und zwar geschieht das über Lobby-Strukturen, über welche die Großunternehmen natürlich besonders in Ländern wie Baden-Württemberg verfügen, wo traditionell ein große Nähe zwischen Großunternehmen, Verwaltung und Regierung besteht.
Demgemäß ist die derzeitige Fassung des baden-württembergische Landesplanungsgesetz, welches die Verhinderung von Windkraftanlagen von oben her ermöglicht, auch eine recht neue Errungenschaft. Hannelore Reinbold-Mench etwa, Bürgermeisterin der Schwarzwald-Gemeinde Freiamt, hat sich dafür stark gemacht, dass dort zwischen 2001 und 2004 vier Windkraftanlagen mit insgesamt 7,4 MW Leistung gebaut werden konnten: „Wir konnten diese Anlagen seinerzeit noch als Einzelvorhaben genehmigen lassen.“ Die Anlagen haben die in sie gesetzten Erwartungen erfüllt und man ist in Freiamt froh, sie gebaut zu haben. “Heute, nach der Gesetzesänderung,“ so verrät die Bürgermeisterin, „wäre der Bau dieser Windkraftwerke jedoch nicht mehr so einfach möglich.“