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"Wenn das Geld im Kasten klingt, die Seele aus dem Feuer springt!" Dass sich mit dem schlechten Gewissen anderer eine Menge Geld machen lässt, wussten die Ablassprediger der katholischen Kirche schon vor 500 Jahren. Da sich der Mensch im Prinzip nicht verändert und heute noch genauso tickt wie schon immer, funktioniert der alte Abzocker-Trick mit dem schlechten Gewissen auchim 21. Jahrhundert noch prima. Im Unterschied zu früher lässt Otto Normalverbraucher sich zwar nicht mehr mit Teufel und Hölle ängstigen, dafür aber mit der Verantwortung Umwelt und Klima. Und das wird in vielerlei Hinischt weidlich ausgenutzt, unter anderem beim Strom.
Mit Windkraftanlagen und aus anderen erneuerbaren Quellen wird mittlerweile auch im Binnenland an vielen Stellen bereits ein erheblicher Teil des lokal benötigten Stroms erzeugt: Helfen Öko-Stromtarif mit, dass das noch besser wird?
Schlechtes Gewissen als Geschäftsgrundlage
Wir Bewohner der westlichen Industriestaaten sind ja alle so böse, egoistische Umweltsünder, die dringend der heilsamen Buße bedürfen. Ein Problem, für das eine einfache und effiziente Lösung gefragt ist, man möchte schließlich wieder ruhig schlafen, aber, bitt'schön, ohne viel dafür tun zu müssen. Und diese Lösung besteht darin, dass man ganz einfach bezahlt und damit vermeidet, nachdenken oder gar sein Verhalten ändern zu müssen.
Das wussten schon weiland Tetzel und Konsorten, die als Ablassprediger durch die Lande zogen und der Schatulle des Papstes so manchen harten Taler einbrachten. Heute ist es unter anderem der Ökostrom, den man teurer verkauft als den aus konventioneller Gewinnung und damit ein gutes Geschäft macht. Der Kunde denkt dabei, mit dem Mehrpreis würde er die Mehrkosten des Öko-Stroms decken helfen und so etwas für den Ausbau der Erneuerbaren Energien tun.
Wo kommt der "Öko"-Strom her?
Ist das tatsächlich so? Nun, bei einzelnen Anbietern, vor allem bei solchen, die nur Ökostrom verkaufen, mag das tatsächlich zutreffen. Wirklich sinnvoll kann das aber nur dann sein, wenn der jeweilige Anbieter den Strom überwiegend bei lokalen Erzeugern kauft, die ihn aus erneuerbaren Energiequellen gewinnen.
Bei großen Energieversorgern führt jedoch eine einfache Überlegung zu einem erstaunlichen Ergebnis: Nach dem Gesetz über Erneuerbare Energien müssen die Stromanbieter den Produzenten von Öko-Strom diesen ja zu einem Garantiepreis abkaufen. Dadurch haben sie einen gewissen Anteil teureren Strom in ihrem "Stromsee", dessen Mehrkosten natürlich über den Strompreis wieder eingenommen werden müssen, damit der Gewinn nicht sinkt.
Gibt es nun genug Leute, die sich einen Öko-Tarif andrehen lassen und damit mehr für ihren Strom bezahlen, entlasten diese damit den Stromanbieter von den Mehrkosten, so dass dieser von den anderen Kunden weniger verlangen muss und/oder mehr Gewinn macht. Die Ökostrombezieher bezahlen also lediglich für diejenigen mit, denen die Umwelt wurscht ist, anstatt tatsächlich etwas für den Ausbau erneuerbarer Energien zu tun. Mehr zu diesem Aspekt findet sich in diesem Artikel des Tagespiegels
Außerdem ist es so, dass die Energieversorger zwar tatsächlich nachweisen müssen, dass sie einen entsprechenden Anteil an Öko-Strom einkaufen, doch müssen sie dies keineswegs beim Windpark um die Ecke oder beim netten Energiebauern von nebenan tun. Daher ist ein großer Teil des so genannten Öko-Stroms billiger Wasserkaftstrom aus dem Ausland. Norwegen etwa erzeugt mehr Strom aus Wasserkraft als es selbst benötigt. Dadurch kann es als Öko-Energie zertifizierten Strom günstig ins Ausland verkaufen. Zum einen bringt dies kein neues WIndkraftwerk, keine Biogasanlage und keinen Sonnenkollektor zusätzlich bei uns ans Netz und zum anderen muss man die Frage stellen, wer diesen Strom sonst bekommen würde und jetzt stattdessen wieder Öl- und Kohle-Strom verbraucht. Aus diesem Blickwinkel wird das Problem in diesem Artikel auf der Website von Readers Edition betrachtet.
Selbstverständlich ist Wasserkraft eine erneuerbare Energiequelle. Im Sinne der Nutzung Erneuerbarer Energien sollte sie aber nicht weiß Gott wo, sondern verbrauchernah genutzt werden. (Bild: United States Federal Government , PD)
Fazit und Alternative
Ganz offensichtlich ist die Wahl eines Öko-Tarifes nicht der richtige Weg, mitzuhelfen, dass in Zukunft der Strom regional aus erneuerbaren Energiequellen erzeugt wird und den Strom-Multis der Schnabel sauber bleibt. Wer dies möchte, der ist besser beraten, wenn er das Geld hierfür statt dessen anspart und sich davon Anteile an Fonds kauft, mit denen in seiner Region Öko-Kraftwerke finanziert werden. Das beste dabei ist, dass dieses Geld nicht nur nicht verloren ist, wie der Mehrpreis der "Öko"-kWh, sondern sogar Zinsen bringt. Und die kann man schließlich wiederum in Erneuerbaren Energien anlegen und damit noch mehr für die Umwelt tun.