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Euro und EU sind angeblich „alternativlos“, hören wir derzeit ständig; der gemeinsame Markt sei von existenzieller Wichtigkeit und der Löwenanteil unserer Exporte würde in Länder der EU gehen. Zeit also, sich einmal klar zu machen, was Währungsunion und gemeinsamer Markt eigentlich bewirken und wie sie funktionieren.
Wir, also Deutschland, würden, so wird uns ferner derzeit erzählt, am meisten vom Gemeinsamen Markt profitieren und müssten daher jetzt Opfer bringen – also zahlen – damit Euro, EU und der Gemeinsame Markt gerettet würden. Da scheint insofern richtig zu sein, als das wir tatsächlich sehr viel Umsatz mit Ländern dieses Gemeinsamen Marktes machen. Als kleiner Mann merkt man jedoch nichts von den Vorteilen dieser Eurozone, jedenfalls nicht in Form von mehr Geld in der Tasche – so wie ja auch der jüngste „Aufschwung“ nicht in dieser Form bei uns angekommen ist. Was also ist faul an der Sache mit dem Euro und der Eurozone,dem so genannten Gemeinsamen Markt?
Um das „Wunder“ der tollen Umsätze und Gewinne zu erklären, die in letzter Zeiten mit Exporten in Länder gemacht wurden, mit denen früher nichts oder nicht viel zu verdienen war, muss man sich zunächst einmal klar machen, wie Währungen eigentlich funktionieren. Der (Außen-)Wert der Währung eines Landes, ihr Wechselkurs, ist – abgesehen von Einflüssen durch Spekulationen – davon abhängig, inwiefern das jeweilige Land Dinge liefern kann, die in anderen Ländern gefragt sind.
Wir in Deutschland stellen allerhand Dinge her, die im Ausland gerne gekauft werden. Daher nahm man zu ihrer Zeit unsere DM gerne überall an; schließlich konnte man dafür viele schöne Dinge bekommen. Anders ist es etwa mit pakistanischen Rupien oder türkischen Lire: Diese Länder haben nicht viel, dass sie ins Ausland verkaufen können, daher will niemand ihr Geld haben, es hat daher auch einen niedrigen Wechselkurs.
Das bedeutet realwirtschaftlich betrachtet nichts anderes als dass solche Länder viel von ihren eigenen (wenig gefragten) Waren hergeben müssen um wenig (begehrte) Waren aus anderen Ländern zu bekommen. Dieses Verhältnis nennt man übrigens auch „Terms of Trade“. Die Terms of Trade kann z.B. an solchen Dingen ablesen wie der Menge Kaffee, die ein äthiopischer Kaffeepflanzer erzeugen muss, um sich einen Traktor aus Europa zu kaufen.
Auch in Europa gab es Länder, die schlechtere Terms of Trade hatten. Man erkannte sie daran, dass man dort billig Urlaub machen konnte, weil man dort für sein Geld viel mehr bekam als bei uns. Griechenland und Italien zum Beispiel waren solche Ländern. Ich war beispielsweise 1973 einmal in Italien und musste für eine Lira etwa 0,4 Pf. bezahlen. Die von mir damals gefühlte Kaufkraft einer Lira war aber in etwa die eines ganzen Pfennigs – zumindest hinsichtlich der Dinge, für die ich als voll verpflegter Zeltlagerteilnehmer mein Geld so ausgab: Zigaretten, Getränke, Kneipe, Eis... Mit Nahrungsmitteln, Restaurantbesuchen, Übernachtungen usw. kann es jedoch nicht sehr viel anders gewesen sein, denn sonst wäre Italien ja kein billiges Urlaubsland gewesen.
Das Problem mit dem Export in Länder mit schlechten Terms of Trade ist nun das, dass deren Währungen nicht stabil sind, sondern meist im Kurs fallen. Wenn man nun in ein solches Land exportiert ist dabei nicht viel zu verdienen: Für den Preis in Drachmen, den man beispielsweise für eine Lieferung nach Griechenland vereinbart hatte, bekam man nach Lieferung der Ware und Erhalt der Bezahlung weniger DM als man mit dem Wechselkurs zum Zeitpunkt der Lieferung kalkuliert hatte.
Im Prinzip war es bei Lieferung in Länder wie Griechenland also so, als wenn man einen armen Kunden hat, dem man jeweils nachträglich von der Rechnung etwas erlassen muss, weil er nicht in der Lage ist, den vollen Preis zu bezahlen. Dass solche Länder so keine interessanten Märkte für Firmen aus den wirtschaftlich starken Ländern sind, lässt sich leicht denken.
Nun wollen Firmen jedoch möglichst viel verdienen, müssen dazu möglichst viel umsetzen und sind daher immer daran interessiert, neue Märkte zu erschließen. Die ärmeren EU Länder wären tolle Märkte gewesen, nur bestand mit ihnen da beschriebene Problem, dass man schließlich mit dem Euro – und zuvor schon ansatzweise mit der Währungsschlange – „löste“.
Nachdem jetzt beispielsweise auch Griechenland den Euro hatte, konnte man bei einem Exportgeschäft mit einem griechischen Unternehmen einen Preis vereinbaren, liefern und nahm dann mit Bezahlung der Rechnung die vereinbarte Summe ohne Kursverluste auch tatsächlich ein. Dadurch war für deutsche Unternehmen mit Exporten nach Griechenland und ähnliche Länder der Eurozone alles in bester Ordnung, man konnte mit diesen Ländern endlich auch einmal richtig Geld verdienen.
Nun kam aber wohl niemand – zumindest keiner, dem man dafür in den Medien ein echtes Podium gab – auf die Idee, zu fragen, wieso Länder wie Griechenland jetzt auf einmal zahlungskräftige Kunden, also tolle Märkte waren. Schließlich hatte die Einführung des Euro nichts, aber auch gar nichts an der griechischen Realwirtschaft geändert: Die erzeugte nämlich jetzt auch nicht mehr im Ausland Gefragtes als vorher.
Man muss bei derartigen Betrachtungen nämlich immer eines im Auge behalten: Handel ist immer Tauschhandel, auch wenn das in Zeiten von Finanzierungen, Geldanlagen und angeblich „arbeitendem“ Geld gerne vergessen wird. Der Umstand, dass man Geld als Hilfsmittel einsetzt, ändert nichts an der Tatsache, dass ein Land mit schwacher Realwirtschaft nur wenig im Austausch gegen importierte Güter geben kann. Das ist nicht anders als bei einem Bauernhof zu Zeiten des Tauschhandels. Wer auf seinem Hof, z.B. aufgrund geringer Größe und/oder schlechter Klima- und Bodenbedingungen nur wenig und mäßig Gefragtes produzieren konnte, konnte dafür auch nur wenig von den Gütern eintauschen, die er nicht selbst herstellte und war daher in der gleichen Lage, in der heute Länder mit wenig entwickelter Realwirtschaft sind.
Nun ist also klar, dass die scheinbar guten Geschäfte, die man mit Griechenland seit der Einführung des Euro machen konnte, ganz einfach nicht gedeckt waren: Griechenland hat von den stärkeren EU-Ländern Güter bekommen, ohne dass diese dafür im gleichen Wert Güter aus Griechenland bezogen hätten. Im Grunde haben wir daher Güter, also Waren und Dienstleitungen dorthin geliefert, ohne dafür voll bezahlt zu werden.
Trotzdem haben die Unternehmen, die nach Griechenland exportiert haben, zunächst nichts verloren. Das liegt daran, dass die Griechen dafür in Euro bezahlt haben und nicht wie früher in Drachmen. Die Tatsache, dass man einen Teil der nach Griechenland gelieferten Güter in letzter Konsequenz verschenkt hat, ganz einfach weil wir mehr exportieren als importieren, fiel so zunächst überhaupt nicht auf.
Warum ist diese Sache eigentlich nicht aufgefallen? Das lässt sich erklären, wenn man die Rolle des Zinses berücksichtigt und die Tatsache, dass auch wir, die wirtschaftlich stärkeren EU-Länder, hoch verschuldet sind. Dadurch floss ein großer Teil der Einnahmen aus Exporten nach Griechenland aus den Kassen der exportierenden Länder in Form von Zinsen zu Banken und „Investoren“.
Diese Geld konnte daher nicht in Form von Lohn an die Arbeitnehmer verteilt werden. Das ist übrigens nicht nur bei Exporten nach Griechenland der Fall, sondern ganz allgemein: Weil immer mehr Geld als Zins aus dem Umlauf abfließt, hat niemand mehr welches. Das schmälert schon einmal die Einnahmen der Unternehmen, weil sie immer billiger werden müssen, da niemand mehr Geld hat. Von den verbleibenden Einnahmen müssen aber auch die Unternehmen immer mehr Zinsen bezahlen, so dass immer weniger für die Löhne übrig bleibt. Das ist der Grund dafür, dass wir immer mehr für immer weniger Geld arbeiten sollen.
Wäre der Zins nicht, hätte übrigens die ganze Sache mit dem Euro-Beitritt von Griechenland und den anderen wirtschaftlich schwächeren Staaten vielleicht sogar klappen können: Mit den Euros aus den Erlösen der Exportgeschäfte mit diesen Ländern hätte man genau dort ja wieder Waren nachfragen können. Dass dies auch tatsächlich passiert wäre, dafür hätte man ja eventuell mit geeigneten EU-Subventionen sorgen können.
Vielleicht war das ja in etwa auch so gedacht. Unter den gegebenen Umständen jedoch konnte es so nicht klappen, da zu viel von den Exporterlösen aus schwächeren Ländern durch den Zins aus dem Geldkreislauf abgezogen wurde und zu wenig unter die Leute kam, als dass dadurch zusätzliche Nachfrage nach Gütern aus Griechenland und Co. entstehen konnte, die eine Entwicklung der Realwirtschaften dieser Länder stimuliert hätte.
Ehrlich gesagt, mir geht das Messer in der Tasche auf, wenn ich höre, dass der Masse der einfachen Leute in einem Land gesagt wird, sie hätten „über ihre Verhältnisse“ gelebt. Genau das haben die Griechen jedoch getan, was jedoch keineswegs rechtfertigt, die griechischen Normalbürger als „Pleite-Griechen“ zu diffamieren: Zum einen kann man es keinem Arbeitnehmer vorwerfen, wenn er das Geld annimmt, das man ihm für seine Arbeit bietet bzw. wenn er dafür so viel verlangt, wie er nur bekommen kann. Zum anderen blieb den Griechen ja gar nichts anderes übrig, denn natürlich stiegen mit der Einführung des Euros dort auch die Preise.
Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass mehr Geld aus Griechenland in die Kassen der Unternehmen in anderen EU-Ländern floss, als griechische Unternehmen mit Exporten ins Land brachten. Es flossen also auch mehr Güter nach Griechenland, als die Griechen nach außen lieferten. Trotzdem sah alles toll aus, denn die Exporte der Länder mit stärkeren Realwirtschaften wurden ja auf heller und Pfennig bezahlt. Da wir die stärksten Hersteller von Gütern in der EU sind, sah es daher natürlich so aus, als wenn wir tatsächlich vom Euro und dem Gemeinsamen Markt erheblich profitierten.
Die große Frage, die allerdings keiner stellte, ist nun die, woher nun das ganze Geld kam, dass die Griechen für Importe ausgaben, aber gar nicht mit Exporten verdienten.Die traurige Wahrheit: Es war gepumpt.
Dadurch, dass Griechenland im Euro war, konnte der griechische Staat auch Kredite in Euro aufnehmen. Über die Gehälter von Beschäftigten bei der Öffentlichen Hand und sonstige Staatsausgaben kamen diese gepumpten Euros unter die Leute und erzeugten die Nachfrage nach Importgütern – ließ Länder wie Deutschland also (scheinbar) von der Eurozone profitieren.
Der griechischen Volkswirtschaft ging es also wie einem einzelnen Menschen, der sich mit geliehenem Geld mehr leistet als seinem Einkommen entspricht: Das geht ein Weile gut, denn zunächst kann er die bereits laufenden Kredite, wie seine überzogenen Ausgaben auch, aus immer neuen Krediten bedienen. Irgendwann wachsen ihm jedoch die Schulden über den Kopf und es kommt die große Pleite.
Und genau das ist auch Griechenland passiert. Erschwerend kam hinzu, dass wie gesagt Griechenland kaum Möglichkeiten hatte, sich die für Importe ausgegebenen Euros von uns wieder zurück zu verdienen. Selbst wenn Griechenland von seiner Realwirtschaft her in der Lage gewesen wäre, verstärkt Güter in den Euroraum zu verkaufen, hätte das nicht geklappt: Ein großer Teil der von dort zu uns kommenden Euros landete durch unsere eigene Überschuldung in Form von Zins bei Banken und „Investoren“ und nicht in unseren Taschen, wo sie Nachfrage nach griechischen Gütern hätten erzeugen können.
Wir hatten also kaum Möglichkeiten, die Griechen die Euros wieder zurück zu verdienen zu lassen, die wir von ihnen für unsere Exportgüter bekamen. Stattdessen mussten sie, wenn die Party weitergehen sollte, sich diese von genau den Banken und Investoren leihen, die sie uns aus der Tasche gezogen hatten. Und natürlich bleibt die Frage, ob Griechenland, selbst wenn uns mehr von den Exporterlösen geblieben wäre, auf absehbare Zeit in die Lage gekommen wäre, ausreichend zu exportieren, um seine Importe aus Exporterlösen bezahlen zu können.
Da nun der Punkt erreicht wurde, an dem die Griechen ihre Kredite nicht mehr bedienen konnten, ist das ganze Kartenhaus zusammengefallen. Die Forderungen an Griechenland leiden Not.
Wenn ein ordentlicher Kaufmann mit Zitronen gehandelt hat, indem er jemandem Kredit gewährt hat, der ihn dann nicht bezahlen kann, muss er die Not leidenden Forderungen abschreiben. Es ist nun eben eine ganz normale Sache, dass man, wenn man verdienen will, unternehmerische Risiken selbst zu übernehmen und die Folgen zu tragen hat, wenn ein Geschäft nicht so ausgeht, wie man das gerne gehabt hätte. Nicht so jedoch die Banken: Die schreien jetzt lauthals nach dem Staat, damit er ihnen mit unseren Steuergeldern ihre Verluste ersetzt.
Man muss ja schon direkt den Hut davor ziehen, wie seriös wir mit dem Euro und der Eurozone, dem so genannten Gemeinsamen Markt beschissen werden. Seriös in dem Sinne, dass bei der ganzen Chose gegen kein einziges Gesetz verstoßen wurde und alles ganz toll und reell aussah, obwohl wir, die einfachen arbeitenden Menschen dabei nach Strich und Faden beschissen wurden: Wir haben den realwirtschaftlich schwächeren Ländern der Eurozone von uns erzeugte Güter geliefert, ohne dafür von ihnen erzeugte Güter im gleichen Wert zurück bekommen zu haben. Und jetzt sollen wir auch noch der Finanzindustrie den Schaden ersetzen, den sie davon hat, Geld an Länder verliehen zu haben, die es nicht zurückzahlen können. Geld noch dazu, dass sie uns in Form von Zinsen vorher aus der Tasche gezogen hat.