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Andreas Quiring  

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Biohof-Gemeinschaft Baum des Lebens

28. März 2009 6 28 /03 /März /2009 09:34

 Eine nicht nur bei radikalen Jagdgegnern, sondern auch bei Kritikern aus der Öko-Jagsszene sehr beliebte Behauptung ist die, dass "konventionelle" Jäger grundsätzlich Nazis seien. Als Begründung  dafür wird angegeben, dass das Bundesjagdgesetz ein Nazi-Gesetz sei, da es im  wesentlichen dem 1934 eingeführten Reichsjagdgesetz entspricht, dass von Hermann Göring, dem damaligen Reichsjägermeister, Ministerpräsident von Preußen und Minister für alles mögliche erlassen worden sei.

  Diese Behauptung ist - wie übrigens vieles, was in der radikalen Tierrechtlerszene so verzapft wird - ein ganz typisches Beispiel für eine Halbwahrheit. Und halbe Wahrheiten sind ja bekanntlich - ganze Lügen.

 

Jagdgegner - hier auf einer nicht gar so toll frequentierten Demonstration in Berlin - unterstellen Jägern gerne Nazis zu sein (Bildquelle: Wikimedia Commons)

Das Jagdgesetz - ein Nazigesetz?

 Was aber ist nun tatsächlich dran an der Geschichte vom Reichsjägemeister Hermann Göring, seinem Reichsjagdgesetz und den heutigen Jägern, die angeblich immer noch seine treuen Adepten sein sollen? Um die Entstehung des Reichsjagdgesetz und die Rolle der Jagd in der Nazizeit zu verstehen, muss man ein wenig weiter ausholen und die Geschichte der Jagd sowie die des Deutschen Reiches und den Lebenslauf Hermann Görings bemühen.

 Das Reichsjagdgesetz von 1934 hat übrigens einen direkten Vorläufer in einer Preußischen Verordnung über die Jagd, die bereits wichtige Aspekte des Reichsjagdgesetzes vowegnahm und tatsächlich von einem jagenden preußischen Ministerpräsidenten erlassen wurde. Nur hieß der zum Zeitpunkt des Erlasses dieser Verordnung noch nicht Hermann Göring, sondern Otto Braun. Otto Braun war der letzte preußische Ministerpräsident vor der Machtübernahme der Nazis. Er war auch Jäger und, tja, es tut mir fast leid das sagen zu müssen: Sozialdemokrat. Aber er hatte sich diese Preußische Jagdverordnung auch nicht selbst ausgedacht, denn die Geschichte dieser Jagdverordnung und des Reichsjagdegesetzes ist wesentlich älter.

Die Jagd in der Weimarer Zeit

  Der Gedanke eines einheitlichen Jagdgesetzes für das Deutsche Reich geht zurück bis zur Gründung des Kaiserreiches 1871. Da ab diesem Zeitpunkt weitgehend Schluss war mit der Kleinstaaterei sahen die Jäger die Zeit reif für eine solche rechtliche Grundlage auf welche die deutsche Jagd gestellt werden sollte. Tatsächlich dauerte es aber noch eine ganze Weile bis dieses Reichsjagdgesetz Wirklichkeit werden sollte und besonders in der Weimarer Zeit waren die Ausichten dafür nichts weniger als rosig.

ist diese Jagd im württembergischen Staatsforst etwa in Wirklichkeit eine Nazi-Versammlung?

  Das Problem bestand damals darin, dass es neben einer großen Anzahl regionaler Vereinigungen zwei konkurrierende Jagdverbände in Deutschland gab. Die waren so verfeindet, dass jedesmal, wenn von einem gegenüber Staat und Gesetzgeber ein Vorstoß in Richtung Reichsjagdgesetz unternommen wurde, der jeweils andere ihm sofort Knüppel zwischen die Beine warf, auch wenn er eigentlich die gleichen Ansichten vertrat - nur weil der Vorschlag nicht vom eigenen Verband kam, sondern von den anderen.

Erste Schritte in Richtung Jagdgesetz

 So traten die Bemühungen um ein Reichsjagdgesetz mehr oder weniger auf der Stelle, bis dann gegen Ende der Weimarer Zeit die beiden Verbände doch noch aufeinander zugingen und sich unter der Leitung von Ulrich Scherping, einem Forstmann, versöhnten. Nun konnten die Bemühungen gebündelt werden und der erste Teilerfolg war die bereits erwähnte Preußische Jagdverordnung.

  Dann brach die Weimarer Republik zusammen und die Nazis kamen an die Macht. Die Verbandsfunktionäre um Ulrich Scherping erwarteten, dass mit der neuen, starken Regierung wieder Ordnung in die Staatsgeschäfte einkehren und konstruktive politische Arbeit möglich werden würde. Sie hielten daher die Zeit für günstig um mit ihrem Anliegen an die Regierung heranzutreten. Gemeinsam überlegten sie, wer von den neuen Machthabern wohl am ehesten dafür zu interessieren und als Schirmherr für ein Reichsjagdgesetz zu gewinnen wäre.

Göring und Hitler

  Dabei fiel ihre Wahl auf Hermann Göring. Wer aber war denn eigentlich dieser Hermann Göring? Seinen Namen kennt eigentlich fast jeder, aber kaum einer weiß von ihm viel mehr, als dass er ein dicker Mensch war, der den Mund gerne recht voll nahm.

  Das war zur damaligen Zeit anders. Hermann Göring war als erfolgreicher Kampfflieger des Ersten Weltkrieges bekannt und eine beliebte Persönlichkeit. Hermann Göring war Naturliebhaber, Bergsteiger und jagte auch ein wenig, ohne sich aber bis dahin in der Jagdpolitik hervorgetan zu haben. Nach außen hin war er zwar ein ausgeprägter Nazi, passte aber eigentlich nicht so ganz zu der Masse dieser Leute, die einen eher kleinbürgerlichen Hintergrund hatten.

 Hermann Göring entstammte nämlich, naja sagen wir mal: der sogenannten besseren Gesellschaft und war in adeligen Kreisen aufgewachsen, obwohl er selbst nicht adelig war. Gerade dieser Unterschied war jedoch der Grund dafür, dass er ein sehr enger Freund Adolf Hitlers wurde und zusammen mit diesem ganz nach oben gespült wurde: Göring hatte nämlich die Verbindungen zu einflussreichen Leuten mit Geld und die nötigen Kenntnis der Umgangsformen für diese Kreise, die Hitler - der ja aus kleinen Verhältnissen stammte - nicht hatte, aber dringend benötigte. Göring war es übrigens auch, der Hitler die deutsche Staatsbürgerschaft verschaffte.

 

Adolf Hitler hatte Göring einiges zu verdanken. Ließ er im vielleicht deshalb auch Freiheiten, bei Dingen, die er nicht so gut fand, wie Görings Auffassung von einer Deutschen Jagd? (Bild: PD)

  Hitler wiederum war der geniale Demagoge, der die Massen in seinen Bann ziehen konnte. Er tat das nach einfachen, selbst erstellten rhetorischen und programmatischen Regeln - die er, wie auch das, was er vorhatte, übrigens in seinem Buch "Mein Kampf" genau erklärt hat. Auch seine Stimme kann dabei eine Rolle gespielt haben; manche Wissenschaftler glauben nämlich, dass das Frequenzspektrum von Hitlers Stimme und die Art wie er es einsetzte einen besonderen Einfluss auf seine Zuhörer hatte.

  Die höheren Offiziere aus der Kaiserzeit - darunter waren ja noch viele Adelige - waren zwar patriotisch eingestellt und folgten Hitler aufgrund seiner Erfolge für Deutschland, lehnten ihn und seine Ideologie aber im Grunde ab. Sie erhofften sich von Hitlers Wirken eher eine Art Restauration des Kaiserreiches.

 Die Vorbehalte unter den deutschen Offizieren der alten Schule gingen soweit, dass - wie man ja weiß - einige von ihnen 1944 versuchten, Hitler zu beseitigen. Göring hingegen, der ja von seiner Biographie und Stellung als Kriegsheld des ersten Weltkrieges her betrachtet eigentlich eher zu diesen Leuten gepasst hätte, band sich aber sehr früh schon so eng an Hitler, dass dieser ihn nach der Machtübernahme mit hohen Ämtern ausstattete und sogar zu seinem Nachfolger ernannte. Göring sicherte sich unter anderem die Macht über die preußische Polizei und führte die Konzentrationslager ein.

Der passende Schirmherr

 Was in Görings Kopf vorging kann man nur erahnen. Die Spekulation, dass es sein Traum war, Kaiser von Deutschland zu werden, ist nicht von der Hand zu weisen, aber eben eine Spekulation und als solche nicht wissenschaftlich. Fest steht jedoch, dass Göring gerne seine eigenen Süppchen kochte, die der offiziellen Linie von Partei und Führer nicht unbedingt entsprachen. Zum Beispiel betrieb er - obwohl er mit dem Auswärtigen Amt eigentlich wenig oder nichts zu tun hatte - eine eigene Außenpolitik, die erst von Joachim von Ribbentrop energisch unterbunden wurde als dieser den Posten des Außenministers erhielt.

 Man kann sich durchaus vorstellen, dass Göring im Gegensatz zu vielen anderen "Mein Kampf" gelesen (bzw. durch seine engen Verbindung zu Hitler wusste, was genau dieser plante) und erkannt hatte, dass das, was Hitler vorhatte, nicht funktionieren konnte. Seine außenpolitischen Bestrebungen in Osteuropa zielten auf den Aufbau einer Hegemonie, was natürlich Hitlers Vorstellungen zuwider lief, der eine Unterwerfung und Versklavung des Ostens anstrebte.

  Langer Rede kurzer Sinn: Göring war derjenige, der zwar einerseits als mächtiger Mann in der Nazi-Hierarchie politisch in der Lage war, ein reichseinheitliches Jagdgesetz durchzusetzen, sich andererseits aber aufgrund seiner Herkunft, Biographie und Persönlichkeit für das begeistern konnte, um was es Scherping und seinen Mitstreitern ging. Göring war zum einen - wie man ja an dem, wie er sich später jagdlich selbst darstellte, leicht ablesen kann - im Grunde mehr Feudalherr als Nazi, zum anderen am Naturschutzgedanken interessiert, wobei er jedoch nicht die jagdlichen und wildbiologischen Kenntnisse hatte, die er benötigt hätte, um ein Reichsjagdgesetz selbst zu entwerfen.

 Das, was sich Scherping und Konsorten unter einem Reichsjagdgesetz vorstellten, enthielt neben dem Hege- und Naturschutzgedanken nämlich auch tatsächlich noch gewisse feudale Aspekte, zumindest in Form des Gedankens, dass das Wild durch gezielte Hegemaßnahmen genetisch in Richtung Trophäenqualität beeinflusst und besonders geschützt werden sollte. Die Leute um Scherping sahen in Hermann Göring jemanden der ihr Anliegen verstehen konnte und beschlossen, ihn als Schirmherr für ihr Projekt eines Reichsjagdgesetzes zu gewinnen.

  Dabei muss man sich auch noch vor Augen halten, dass Hitler kein Freund der Jagd im Sinne der Leute um Scherping war und Göring das Reichsjagdgesetz mehr oder weniger gegen ihn und andere führende Nazis durchsetzen musste. Das, was Göring als Reichjägermeister veranstaltete wurde von Hitler sogar abgelehnt, da diese Art von Jagd kaum zum nationalsozialistischen Menschen- und Gesellschaftsbild passte.

Das Reichsjagdgesetz

  Was eher weniger bekannt ist, ist die Tatsache, dass es 1933 neben den Bemühungen der Leute um Scherping tatsächlich auch Bestrebungen gab, ein nationalsozialistisches Jagdgesetz zu schaffen, welches aber den Vorstellungen von Scherping und seinen Mitstreitern kaum entsprechen konnte. Eine nationalsozialistische Jagd hätte wesentlich anders ausgesehen, als das, was den alten Jägern vorschwebte.

Hermann Göring hatte nicht nur im Nazi-Kabinett einiges zu melden, sondern war auch bei der Bevölkerung sehr beliebt (Bild: PD)

  Daher lag Gefahr im Verzuge und Scherpings Team handelte. Man eichte Göring gewissermaßen auf die Trophäenjagd, indem man ihn zum Abschuss eines Hirsches in der Schorfheide einlud. Diese Rechnung ging glänzend auf, und Göring stellte sich nicht nur als Schirmherr zur Verfügung, sondern wollte das Ganze auch gleich leiten.

 Allerdings maßte er sich nicht an, fachlich in das Projekt hinein zu reden. Möglicherweise war er sich selbst bewusst, dass er soviel von der Jagd nicht verstand; sicherlich wäre es ihm aber auch zuviel Arbeit gewesen. Er beauftragte Scherping mit der Ausarbeitung eines Reichsjagdgesetzes und setzte dieses dann auch im Kabinett durch: 1934 wurde das Reichsjagdgesetz beschlossen und trat am 1. April 1935 in Kraft.

Ein Fachgesetz

  Im Gegensatz zu den Behauptungen der heutigen Jagdgegner und -kritiker enthielt das Jagdgesetz weder nationalsozialistische Ideologie (und noch viel weniger diejenigen Teile, die in das Bundesjagdgesetz übernommen wurden) noch hatte Hermann Göring es sich ausgedacht. Es war ein reines Fachgesetz über dessen sachlichen Wert man natürlich - wie überall in der Wissenschaft - zumindest bis zu einem gewissen Grade geteilter Meinung sein kann. Fakt ist jedoch, dass es dem damaligen Stand der Jagdkunde entsprach, in dem Sinne, dass es dem entsprach, was die Mehrheit der internationalen Fachleute zu diesem Zeitpunkt für richtig hielt.

  Fakt ist ebenfalls, dass sich genau aus diesem Grunde die internationale Fachwelt sehr anerkennend über das Gesetzeswerk äußerte und dass andere Länder ebenfalls ähnliche Gesetze erließen bzw. schon erlassen hatten. Man kann also durchaus sagen, dass es sich beim Deutschen Reichsjagdgesetz um ein unpolitisches und zeitgemäßes Gesetz gehandelt hat, welches vom Sachverstand der Experten zeugte, die es ausgearbeitet hatten.

 Sicherlich enthielt es auch Irrtümer. Das auffälligste Beispiel für einen solchen Irrtum ist die Behandlung des Rehwildes. Wohl aufgrund seiner physischen Ähnlichkeiten mit dem Rotwild und seiner daraus sich ergebenden Eignung als "Hirsch des kleinen Mannes" versuchte das Reichsjagdgesetz, das Rehwild nach den Grundsätzen der Rotwildhege zu bewirtschaften.

 Während sich die Rotwildhege jedoch bewährte, erlitt man mit der Rehwildhege nach dem gleichen Muster weitgehend Schiffbruch. Man hatte einfach noch nicht erkannt gehabt - oder nicht wahrhaben wollen? - dass beim Rehwild Standort- und Wetterfaktoren die Erbfaktoren überlagern und gute Trophäen weniger erblich als vor allem die Folge von günstigen Lebensumständen sind.

Wo steckt die Nazi-Ideologie? 

  Die Rotwildhege jedoch bewährte sich außerordentlich, wohl deswegen, weil die Jagdfachleute bei der Abfassung der Richtlinien ja einen Jahrhunderte alten Erfahrungsschatz verarbeiten konnten und nicht etwa weil hier eines oder wenige Genies am Werke gewesen wären, die alles auf eine neue Grundlage gestellt hätten. Man kann sich nun selbstverständlich aus weltanschaulichen Gründen an den grundsätzlichen Bestrebungen stoßen, den Habitus von Tieren durch Zuchtauswahl in eine gewünschte Richtung zu lenken.

 Wollte man dies jedoch als ein durch Nazi-Ideologie motiviertes Beginnen bezeichnen, müsste man gleichzeitig die Tierzüchter - und eigentlich auch die Pflanzenzüchter - aller Kulturen und Zeitalter als Nazis betrachten. Ferner könnte man sich aus ähnlichen Gründen dagegen aussprechen, die Methoden der Haustierzucht auf das Wild zu übertragen, aber dann würde man zumindest die europäische Jagdkultur seit Beginn einer gezielten Hege als nazionalsozialistisch bezeichnen. Schlussendlich kann man die Trophäenjagd an sich ablehnen, aber auch die kann man kaum als nationalsozialistische Erfindung bezeichnen.

Tierschutz und Waidgerechtigkeit

  Das Reichsjagdgesetz enthielt nun aber beileibe nicht nur irgendwelche Vorschriften zur "Aufartung" des deutschen Wildes. Einen sehr breiten Raum nehmen darin diejenigen Bestimmungen ein, die von der Waidgerechtigkeit und damit also letztendlich vom Tierschutzgedanken und dem Respekt vor der Schöpfung motiviert sind. Hier sei als eine der bekanntesten Vorschriften das Verbot des "rauhen", also des Schrotschusses auf Rehwild genannt. Es gibt mittlerweile eine ganze Reihe von "Öko-Jägern", die diese Methode nur allzu gerne wieder anwenden möchten um ihrem Grundsatz "Wald vor Wild" noch besser dienen zu können.

  Eine weitere sinnvolle Neuerung des Reichsjagdgesetzes war die Einführung einer Jägerprüfung um sicherzustellen, dass nur Leute auf die Jagd gehen können, die gewisse Mindestanforderungen an die Sachkunde eines Jägers erfüllen. Auch diese Vorschrift wird von Jagdkritikern angefeindet, denn ihre eigentliche Intention soll, so die Kritiker, darin bestanden haben, Bauernjäger aus der Jagd zu drängen.

 Man wird sich kaum vorstellen können, dass Bauern vor siebzig Jahren zu dumm gewesen sein sollen, eine Jägerprüfung abzulegen. Möglicherweise lag für sie das Problem darin, abends in die Stadt zu gelangen um an einem Jägerkurs teilzunehmen.

 Falls dieser Vorwurf aber je damals eine Berechtigung gehabt haben sollte, so ist sie heute hinfällig: Bauern sind nicht weniger gebildet als Städter, können aufgrund der allgemeinen Motorisierung heute auch jederzeit zum Jägerkurs in die Stadt gelangen um selbst den Jagdschein zu machen und sind daher keineswegs von vorneherein ausgeschlossen von der Bejagung ihres eigenen Grundes und Bodens, wie Jagdgegner und Jagdkritiker die Bevölkerung gerne glauben machen möchten.

Der Reichsjägermeister

 Kehren wir noch einmal zurück zur Person Hermann Görings, dem damaligen obersten Jagdherr aller deutschen Waidmänner. Einmal auf den Geschmack an der Jagd gebracht, murkste er zwar Scherping und den anderen Fachleuten glücklicherweise nicht unnötig in die Arbeit hinein, benutzte das Jagdwesen jedoch als Vehikel für seine Selbstdarstellung und für den fleißigen Bau an seiner Karriere.

 Der Geschichtsschreibung zufolge hat Göring eine ganze Reihe von Verbrechen selbst begangen und wohl noch mehr gebilligt. Dass er diese Dinge möglicherweise nicht wirklich für die Sache des Nazionalsozialimusses getan hat, sondern um seine persönlichen Ziele anzustreben, macht die Sache natürlich nicht besser sondern vielleicht sogar noch schlimmer.

 Es spricht einiges dafür, dass Göring kein Nazi im eigentlichen Sinne, weil nicht vom Nationalsozialismus überzeugt war, sondern lediglich mitmachte, weil er ihm seinen Zielen dienlich dünkte. Beim Nürnberger Tribunal äußerte er sogar, dass er sich für Ideologie eigentlich nie interessiert habe. Was Görings eigentliche Beweggründe waren, wissen wir nicht.

Was ging in Göring vor?

 Im besseren Falle ging es ihm um Deutschland und dessen Wohlergehen - dann war jedoch die Wahl der Mittel kriminell. Im schlechteren Falle ging es ihm um persönliche Macht und eigenes Wohlleben - dann war er womöglich sogar noch schlimmer als ein "richtiger" Nazi. Es wir auch gesagt, dass er persönlich gar nichts gegen Juden hatte - um so verwerflicher wäre dann aber, dass er sich aus Opportunismus an ihrer Verfolgung beteiligte.

Göring als Reichsjägermeister: Links hinter ihm Walter Frevert, rechts hinter ihm Ulrich Scherping (Bildquelle: Bundesarchiv über  Wikimedia)

  Möglich ist auch, dass er zunächst - wie viele Offiziere aus der Kaiserzeit - aus idealistischen Motiven Hitler folgte, weil er sich von ihm die Befreiung Deutschlands aus den Fesseln des Versailler Diktats und die Tilgung der Schmach des verlorenen ersten Weltkrieges erhoffte. Seine eigenmächtigen außenpolitischen Bemühungen, die im Gegensatz zu der offiziellen Linie des Nazi-Regimes standen, lassen - wie bereits erwähnt - vermuten, dass er recht früh erkannt oder erahnt hatte, dass das, was Hitler vor hatte, nicht zu einer Weltmacht Deutschland, sondern geradewegs in die Katastrophe führte.

 Wie er sich später, mit Fortschreiten und gegen Ende des Zweiten Weltkriegs benahm, sieht danach aus, dass er nach der Maxime "Nimm, solange du kriegen kannst!" handelte. Denkbar ist also durchaus, dass er zunächst glaubte, seine Vorstellungen von einem reichen und mächtigen Deutschland verwirklichen zu können und dann resignierte, als er sah, dass es nicht nach seinen Vorstellungen lief.

 Er äußerte sich übrigens gegenüber seiner Frau recht resigniert über den Ausbruch des Zweiten Weltkrieges, was für diese Vermutung spricht. Auch der deutliche Karriereknick, sein schwindendes Interesse an seinen Ämtern, seine sich mehrenden Misserfolge und die Tatsache, dass er schlussendlich bei Hitler in Ungnade fiel, weisen darauf hin, dass Göring nicht an einen Endsieg im Zweiten Weltkrieg glaubte.

Forst und Jagd in einer Hand

  1935, beim Inkrafttreten des Reichsjagdgesetzes jedoch befand sich Hermann Göring noch auf dem aufsteigenden Ast seines Lebensweges. Damit, dass er die Herrschaft über das gesamte deutsche Jagdwesen an sich zog, tat er den ersten Schritt zum Aufbau eins jagdlichen und forstlichen Imperiums, welches man durchaus als einen Staat im Staate bezeichnen konnte. Göring ernannte sich zum Reichsjägermeister, eine Stellung und ein Titel, den er übrigens nicht selbst erfunden hatte: Es hatte tatsächlich im Deutschen Reich einst einen Reichsjägermeister gegeben.

 Göring legte sich außerdem noch einen weiteren Titel zu, den des Reichsforstmeisters nämlich. Zu Görings Imperium gehörten außer den Jagdbehörden, den Forstbetrieben und der gesamten jagdlichen und forstlichen Hierarchie riesige Staatsjagdreviere mit prächtigen Jagdsitzen, über die er wie ein Feudalherr herrschte.

Was dachten die anderen darüber?

  Das Imperium welches Göring da aufbaute und auch die zugehörigenen jagdlichen Veranstaltungen, hatten nun tatsächlich recht wenig Ähnlichkeit mit einer nationalsozialistischen Jagd und gefiel den "richtigen" Nazis und auch Adolf Hitler absolut nicht. Wer sich das Menschen- und Gesellschaftsbild des Nationalsozialismus mit seiner Bauernverherrlichung einmal ansieht, wird feststellen müssen, dass hier nicht dazu passen konnte, was Hermann Göring veranstaltete.

 Vor allem in den Augen des linken Flügels der NSDAP erschien Görings feudale Prunkentfaltung als reaktionär. Offenbar war er aber so mächtig, dass selbst Hitler ihn vorerst nicht stoppen konnte, auch wenn man dem Gesicht des Führers auf der Reichsjagdausstellung 1937 mehr als deutlich ansehen konnte was er von dem hielt, was Göring da auf die Beine gestellt hatte.

Sind Naturschützer Nazis?

  Göring bemühte sich nun aber nicht nur um die Jagd, sondern auch - oh, wie peinlich für die heutigen Tier- und Naturschützer - um den Natur- und Tierschutz. Er erließ eine Verordnung, welche die Vivisektion - also Tierversuche(!) - verbot und drohte denjenigen öffentlich mit "Schutzhaft", also mit dem KZ, die immer noch glaubten "Tiere, als eine leblose Ware sehen zu können".

 Der Gedanke, dass Tiere nicht lediglich Sachen im Sinne des BGB sind und dass ihnen ein Lebensrecht zukommt, war also bereits bei Hermann Göring vorhanden. In unsere heutigen Gesetze wurde er aber erst viele Jahre nach Gründung der Bundesrepublik aufgenommen.

  Im Gegensatz zum Reichsjagdgesetz beruht das Reichsnaturschutzgesetz, der Vorläufer des Bundesnaturschutzgesetzes tatsächlich auf der Initiative Görings. Er zog den Naturschutz in seinen Verantwortungsbereich, weil, wie er sich äußerte, sich außer seinem Ministerium niemand darum kümmerte. Zur Hintergrundinformation muss man hier wissen, dass der Natur- und Umweltschutzgedanke ursprünglich von Jägern ausging, man findet ihn bereits beim Jagdschriftsteller Hermann Löns und auch die frühen Vogelschützer kamen vornehmlich aus den Reihen der Jäger.

  Folgt man der Argumentation der Jagdgegner- und Kritiker zum Jagdgesetz, wäre vor diesem also zu allererst das Naturschutzgesetz ein Nazi-Gesetz, da es im Gegensatz zu ersterem tatsächlich von Hermann Göring auf den Weg gebracht wurde. Auch der Grundgedanke der Tierrechtler, dass Tiere eine Würde als Lebewesen haben und keine Sachen sind, wäre dann Nazi-Ideologie, weil er von Hermann Göring verfochten wurde.

Das Bundesjagdgesetz

 Das Ende des Ganzen ist bekannt: Die Tausend Braunen Jahre waren in Wirklichkeit nur gute zwölf und im Mai 1945 war es vorbei mit dem Nazispuk. Herman Göring beging, wie einige andere Nazigrößen auch, Selbstmord, die anderen wurden aufgehängt. Übrigens war Göring ganz zum Schluss doch noch bei Hitler in Ungnade gefallen, als er Ende April 1945 die Staatsgeschäfte übernehmen wollte: Hitler ließ ihn verhaften, enthob ihn aller Ämter und schloss ihn aus der Partei aus.

  Ab 1945 ruhte die Jagd in Deutschland zunächst praktisch, da der Besitz von Waffen strengstens verboten war. Mit der Zeit normalisierten sich die Verhältnisse wieder und irgendwann konnte man auch wieder auf die Jagd gehen. Zunächst mussten die Jäger ihre Waffen noch vor der Jagd auf dem Rathaus abholen und danach wieder dort abliefern, aber auch das ging vorbei. Als so langsam fast alles wieder in geordneten Bahnen verlief, musste man auch die Jagd auf eine bundesrepublikanische Grundlage stellen und schuf daher Landesjagdgesetze und ein Bundesjagdgesetz.

  Da man wusste, dass das Reichsjagdgesetz im wesentlichen tatsächlich kein Nazigesetz, sondern ein reines Fachgesetz war, hatte man auch kein Problem damit, es als Vorlage für unser heutiges Jagdrecht herzunehmen, genausowenig wie man beim Naturschutzgesetz Bedenken haben musste. Das Bundesjagdgesetz ist dem föderalistischen Gedanken folgend ein Rahmengesetz, seine grundsätzlichen Vorgaben werden von den Landesjagdgesetzen im Detail ausgefüllt.

Braucht es eine Novellierung des Jagdrechts?

 Seit seinem Erlass 1953 hat sich das Bundesjagdgesetz bewährt und das Gleiche gilt auch für die Landesjagdgesetze. Eine Novellierung wird vor allem von Jagdgegnern angestrebt, die mit Hilfe der Salamitaktik die Jagd nicht reformieren, sondern ganz abschaffen wollen. Es lassen sich aber auch viele Jagdkritiker vor deren Karren spannen. Letztere sind großenteils zu den Wildbekämpfern zu zählen, die der Devise "Wald vor Wild" folgend, das Rehwild am liebsten ausrotten möchten.

 Diese und auch die Schwarmköpfe, die tatsächlich aus falsch verstandenem Tier- und Umweltschutz heraus eine Jagdreform befürworten, müssen sich den Spruch von den Kälbern ins Stammbuch schreiben lassen, die sich ihre Metzger selber wählen. Denn wenn es nach den Jagdgegner geht, werden weder diese noch ihrer angestrebten Form der ökologischen Jagd nachgehen können, noch jene ihren Wald vor Verbiss schützen können. Und der nichtjagende Bürger kann dann sonntags in einer verödeten Landschaft spazieren gehen, in der es einige wenige Tierarten geben wird, die als Opportunisten von der trostlosen Agrarsteppe profitieren.

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Kommentare

haegar-Kritiker 04/05/2009 11:10

Wo kann man das nachlesen ? oder hast Du das nur am Stammtisch gehört?

Eine nicht nur bei radikalen Jagdgegnern, sondern auch bei Kritikern aus der Öko-Jagsszene sehr beliebte Behauptung ist die, dass "konventionelle" Jäger grundsätzlich Nazis seien.

Fokko 04/08/2009 13:04



Da musst Du nur mal die einschlägigen Websites ein wenig anehen, dann wirst Du immer wieder mal auf diese Behauptung stoßen.


 


 



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