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  • Publizist und Freier Dozent, von Hause aus Ingenieur sowie gelernter Mechaniker und gelernter Maurer, Querdenker, Naturfreund und -nutzer, technisch interessiert aber auch technikkritisch, glaube nicht alles was mir erzählt wird.
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Andreas Quiring  

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Biohof-Gemeinschaft Baum des Lebens

13. Februar 2010 6 13 /02 /Februar /2010 18:31
In der Zeit der Weltwirtschaftskrise fand in der Tiroler Stadt Wörgl ein interessantes Experiment mit Geld statt, das so gut glückte, dass es von davon betroffenen Kreisen schleunigst unterbunden wurde: Der Bürgermeister der Stadt führte eine lokale Währung ein und zwar ein regionales Freigeld, das der Gemeinde in einer Zeit allgemeiner Not und allgemeinen Elends einen erheblichen Aufschwung brachte. Banken sahen bereits ihre Felle davon schwimmen und bewirkten, dass den Wörglern ihr lokales Wirtschaftswunder mit der Androhung militärischer Gewalt ausgetrieben wurde.  

Unter Freigeld oder Schwundgeld versteht man Geld, dass mit der Zeit seine Kaufkraft verliert und zwar nicht etwa unbeabsichtigt durch Inflation, sondern gewollt durch eine Art eingebauten Mechanismus: Man muss es entweder nach einer gewissen Zeit umtauschen, wobei ein Wertabschlag entsteht, oder seine Gültigkeit muss durch den Kauf und das Aufkleben von Wertmarken regelmäßig erneuert werden. Diese Art von Geld wurde zum Beispiel von Silvio Gesell, dem Begründer der Freiwirtschaftslehre, empfohlen, ist aber nicht seine Erfindung. Bereits im Mittelalter gab es Geld, das zu bestimmten Terminen „verrufen“ wurde, also verfiel und gegen Abschlag umgetauscht werden musste. Dieses System war zwar nicht als Wirtschaftsförderung gedacht, sondern als genial einfacher Steuereinhebungsmechanismus, doch schreiben ihm einige Leute die wirtschaftliche Blüte des Hochmittelalters zu.

Zins und Spekulation

Die Stadt Wörgl litt 1932 erheblich unter der Weltwirtschaftskrise. Die Situation war im Prinzip die gleiche wie sie es auch heute wieder ist: Durch Spekulationen und Zinsgeschäfte hatten sich erhebliche Mengen von (Buch-)Geld bei Banken und Finanziers angesammelt und waren durch den Börsencrash am Schwarzen Freitag von 1929 vernichtet worden.

Durch den Mechanismus des Zinses vermehrt sich die Geldmenge laufend und sammelt sich bei Leuten, respektive Unternehmen an, deren Geschäft es ist, Geld zu verleihen. Dadurch wird das Geld dem Wirtschaftskreislauf entzogen und gelangt nur wieder durch Kredite in ihn zurück. Das ganze funktioniert so lange ganz gut, wie die Banken verleihen, obwohl der Zins für die Kredite die so finanzierten Unternehmen erheblich belastet und deren Gewinne sowie vor allem auch die Löhne ihrer Mitarbeiter empfindlich schmälert.

In dem Moment jedoch, wenn die Wirtschaftslage schlechter wird und die Banken vorsichtiger mit der Vergabe von Krediten, wird das Geld in der Wirtschaft knapp. Geld ist aber notwendig, um die Waren fließen zu lassen. Auch, wenn es als langfristiger Wertspeicher und vor allem als Mittel zum Erzeugen von neuem Geld missbraucht wird, hat es dennoch seine Funktion als Tauschmittel behalten. Wenn kein Geld vorhanden ist, können Ressourcen wie Waren, Rohstoffe und Arbeitskraft im Überfluss da sein und trotzdem läuft nichts in der Wirtschaft. Wirtschaft funktioniert nämlich nur, wenn die produzierten Waren auch ausgetauscht werden können und genau das geht in einer komplexen Wirtschaft nur mit Geld. Geld ist daher, obwohl es keinerlei Eigenwert hat(!), unerlässlich dafür, das die Wirtschaft läuft.

Bei einem Crash werden nun große Mengen von Geld vernichtet, die vorher lediglich als Posten in den Büchern (also heutzutage in Computerspeichern) von Banken existiert haben und die als Zins- und Spekulationsgewinne buchstäblich aus dem Nichts heraus erschaffen worden waren. Obwohl dieses Geld eigentlich überhaupt nichts wert war, da bei seiner Entstehung ja keine realen Werte erzeugt worden waren, die ihm gegenüber stehen und es decken würden, fehlt es nun im Wirtschaftskreislauf, da die Banken ja keine Kredite vergeben können, wenn sie selbst über keine Guthaben mehr verfügen.

Genau diese Situation haben wir heute und auch 1932 war die Stadt Wörgl damit konfrontiert: Es gab Dinge, die hätten getan werden sollen und Leute, die diese Dinge hätten tun können, Waren, die kauft werden konnten und Leute, die sie gerne gekauft hätten, aber es war kein Geld da, das den Austausch dieser Waren und Dienstleistungen ermöglicht hätte.

Wie man die volkswirtschaftlichen Folgen von Zins und Spekulation umgeht

Der Bürgermeister von Wörgl erkannte diese Situation und wusste auch, wie er Abhilfe schaffen konnte: Wenn kein Geld von außen kam, musste man eben sein eigenes schaffen, dass den Fluss der Waren und Dienstleistungen ermöglichte. Weil er Silvio Gesell gelesen hatte, wusste er auch, um den größten Fehler des herkömmlichen Geldes und schuf eine lokale Währung, die diesen Fehler nicht hatte.

Nach einer gewissen Vorbereitungszeit und klärenden Gesprächen zwischen den Stadtvätern war man soweit: Die Wörgler „Arbeitswertscheine“ wurden zunächst dazu verwendet um öffentliche Ausgaben zu bestreiten. Sie lauteten auf Österreichische Schilling, verloren aber nach vier Monaten ihre Gültigkeit und mussten dann durch Aufkleben einer Wertmarke, die ein Prozent des Nennwertes kostete, wieder aufgefrischt werden. Natürlich konnte man im Gegenzug alle Abgaben an die Gemeinde mit diesem lokalen Geld bezahlen und schnell wurden auch sie von den lokalen Geschäftsleuten als Zahlungsmittel akzeptiert.

Der Verlust, den man erlitt, wenn man solche Arbeitswertgutscheine über den Verfalltag hinaus behielt, war mit einem Prozent des Wertes zwar gering, sorgte jedoch trotzdem dafür, dass jeder zusah, dass er sie schnellstmöglich wieder ausgab. Das schaffte Nachfrage nach lokalen Gütern und Dienstleistungen und sorgte so für Arbeitsmöglichkeiten. In der folgenden Zeit sank daher in Wörgl die Arbeitslosigkeit von 21% auf 15%, während sie im Umland weiterhin anstieg. Außerdem konnten eine Reihe von öffentlichen Projekten wie der Bau einer Skisprungschanze und einer Brücke durchgeführt werden.

Wie das Wunder von Wörgl zerstört wurde

Die plötzliche Prosperität in Wörgl fiel auf und es sprach sich schnell herum, wie sie erreicht worden war. Nachdem sich weitere Gemeinden anschickten, ebenfalls ihre eigenen Währungen zu schaffen, wurde es den Bankstern Himmelangst und sie handelten: Die österreichische Nationalbank berief sich auf ihr alleiniges Recht, Geld herzustellen und verklagte die Stadt Wörgl auf Unterlassung. Tatsächlich wurde nach nur 13 Monaten das Wörgler Lokalgeld gerichtlich verboten und mit der Androhung militärischer Gewalt abgeschafft. Nicht nur der Erfolg des Versuches, sondern auch die Reaktion der etablierten Hochfinanz zeigten jedoch, wie richtig die Überlegungen des damaligen Wörgler Bürgermeisters waren.

Auch heute gibt es hier und dort regionales Geld, auch in Deutschland. Bisher sind die Umsätze, die mit solchen Währungen gemacht werden, noch gering und es gibt keine Proteste von Seiten der Banken. Was nun aber passiert, falls diese regionalen Währungen im weiteren Verlauf der wirtschaftlichen Entwicklung an Bedeutung gewinnen, bleibt abzuwarten.

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