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  • Publizist und Freier Dozent, von Hause aus Ingenieur sowie gelernter Mechaniker und gelernter Maurer, Querdenker, Naturfreund und -nutzer, technisch interessiert aber auch technikkritisch, glaube nicht alles was mir erzählt wird.
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Andreas Quiring  

IT / EDV - Lösungen
Theodor-Veiel-Str. 17
70374 Stuttgart - Bad Cannstatt

Biohof-Gemeinschaft Baum des Lebens

15. März 2010 1 15 /03 /März /2010 12:50
Regionalgeld scheint derzeit im Trend zu liegen. Fast überall in Deutschland bilden sich Organisationen, die ein regionales Geld in Form von umlaufgesichertem Freigeld herausgeben, welches man bei den angeschlossenen Unternehmen ausgeben kann. Eines dieser Regionalgelder und doch wieder noch ein wenig etwas anderes ist das Rheingold. Es hebt sich durch die eine oder andere Besonderheit von der Masse der Regionalgelder ab und hat bei genauem Hinsehen das Potential, herkömmliches Geld, zumindest in vielen Bereichen, vollwertig zu ersetzen.

   Im Zusammenhang mit Wirtschaftskrisen machen immer wieder Regionalgelder auf sich aufmerksam. Gut funktionierende Regionalgelder bzw. Freigelder wie die Wära in Deutschland und der Wörgler Schilling wurden von staatlicher Seite unterbunden, warum, mag sich jeder selbst denken. Fakt bleibt, dass mit umlaufgesichertem Freigeld in Zeiten der 1929er Wirtschaftskrise Regionen wie Schwanenkirchen oder Wörgl wirtschaftlich erheblich belebt werden konnten und nach der erzwungenen Abschaffung der alternativen Währung wieder im allgemeinen Elend versanken. Heute werden Tauschringe und Regiogelder zwar behördlich geduldet und vorgeblich sogar gefördert, es drängt sich jedoch der Eindruck auf, dass dies nicht zuletzt geschieht um guten Willen zur Lösung der Globalisierungs- und EU-bedingten wirtschaftlichen Probleme unseres Landes vorzutäuschen und gleichzeitig die jeweiligen Initiativen unter Kontrolle zu haben.

Rheingold

   Ein auf den ersten Blick ganz gewöhnliches Regiogeld ist das Rheingold. Es wurde zunächst als Regionalgeld für den Raum Düsseldorf, als Kunstprojekt und Kulturexperiment geschaffen, ist aber mittlerweile auch in Köln und Berlin im Gebrauch. Außerdem wird es an verschiedenen anderen Orten in Deutschland von einzelnen Personen bzw. Firmen genommen und verwendet. 
   Seine volkswirtschaftliche Bedeutung ist zwar bisher noch, so wie die aller derzeitigen Regionalgelder, relativ gering; es kann jedoch aufgrund seiner Besonderheiten als Prototyp für ein funktionierendes Freigeld und seine Anwender als Testgruppe für einen auf einer alternativen Währung beruhenden Wirtschaftskreislauf dienen. Um zu verstehen, was das Besondere an Rheingold ist, muss man sich zunächst klarmachen, wie Freigeld im allgemeinen funktioniert und wie Freigelder und herkömmliche Währungen gedeckt werden können.

Wie Freigeld funktioniert

   Freigeld ist in der Regel umlaufgesichert und zwar dadurch, dass es in barer Form an Wert verliert indem es an Stichtagen verfällt („verrufen wird“). Es muss dann entweder mit Abschlag umgetauscht oder durch eine Wertmarke im Wert eines gewissen Prozentsatzes seine Nennwertes neu gültig gemacht werden. Dadurch vermeiden die Leute es, Geld zu behalten und geben es schnell wieder aus, was nichts anderes bedeutet, dass sie andere verdienen lassen, also Arbeit ermöglichen. Das ist jedoch keine „Arbeitsbeschaffung“ im anrüchigen Sinne einer Art Beschäftigungstherapie, da hierbei Sachwerte geschaffen werden, die konsumiert werden können. Der Anreiz, Geld auszugeben erhöht die Verfügbarkeit des vorhandenen Geldes und lässt Waren und Dienstleistungen fließen. 
  Wer sich unsere derzeitige Wirtschaftskrise genauer ansieht, wird feststellen, dass diese letztendlich genau daher rührt, dass kein flüssiges Geld vorhanden ist, weil Banken und andere Geldverleiher einen erheblichen, wenn nicht den weit überwiegenden Teil des vorhandenen Geldes durch Zinsnahme und Kreditschöpfung an sich gezogen haben, sodass es im Wirtschaftskreislauf fehlt. Deswegen können Waren und Dienstleistungen nicht fließen, die durchaus vorhandenen Ressourcen also nicht in ein entsprechend hohes Sozialprodukt umgesetzt werden. Die „Wunder“ von Wörgl und Schwanenkirchen waren so betrachtet im Grunde gar keine, sondern ganz natürliche Vorgänge, die vorher zu sehen waren und von den jeweiligen Initiatoren ja auch vorhergesehen wurden.

Wie Geld gedeckt wird  

   Die Umlaufsicherung eines Geldes ist eine Sache. Ein weiterer Aspekt ist jedoch die Deckung. Unser heutiges Geld ist Fiat-Geld (fiat: lat. „es werde“), das bedeutet, dass dieses Geld durch nichts gedeckt ist, als durch die staatliche Vorschrift, dass jeder es als gesetzliches Zahlungsmittel annehmen muss. Diese Vorschrift ist aber im Ernstfalle das Papier des Gesetzbuches nicht wert, in dem sie steht, denn letztendlich kann niemand gezwungen werden, für Geld eine Leistung zu erbringen. Wenn beispielsweise ein Maler keine Lust hat, einem Kunden das Zimmer zu tapezieren und den Auftrag ablehnt, hat der Kunde keine Handhabe dagegen. Auch der Staat kann für dieses Geld nicht in Anspruch genommen werden, denn weder gibt es dazu ein Vorschrift, noch besitzt der Staat irgendetwas, dass er gegen das von ihm ausgegebene Geld herausgeben könnte. Es kommt aber noch besser: Der größte Teil des im Umlauf befindlichen Geldes ist ja kein Bargeld, sondern Buchgeld, das gar nicht vom Staat, sondern von den Banken durch Kreditschöpfung und Zinsnahme erzeugt wurde und daher vom Staat de facto so gut wie gar nicht kontrolliert werden kann.
   Tatsächlich soll Fiat-Geld wie der Euro oder der US-Dollar durch die wirtschaftliche Leistung des jeweiligen Wirtschaftsraumes gedeckt werden, weil man damit etwas dort Produziertes kaufen kann. Das soll durch den Status einer Währung als gesetzliches Zahlungsmittel im jeweiligen Land sichergestellt werden. De jure steht also jede einzelne geschäftsfähige natürliche oder juristische Person im Euro-Land für den Euro gerade, de facto aber wiederum nicht, denn in der Praxis kann ja niemand wirklich gezwungen werden, für Euro eine Leistung zu erbringen oder eine Ware herauszugeben.  

Wie kann Regionalgeld gedeckt werden?

   Wie soll nun aber ein regionales Freigeld gedeckt werden? Im Prinzip könnte „da ja jeder kommen“, Geld machen und in Umlauf bringen. Irgendwo muss eine Deckung da sein und das ist das Problem der Regionalgelder. Das eine oder andere Regionalgeld wird sogar mit Euros gedeckt, was ein besonders großer Blödsinn ist: Ein Freigeld soll ja gerade da zur Verfügung stehen, wo keine Euros sind. Außerdem muss man schon ganz schön idealistische sein, wenn man knappe, wertbeständige Euros besitzt und diese in sich ständig in seinem Wert minderndes Freigeld umtauscht. Auf diese Weise kann man zwar „Freigeldwirtschaft spielen“ aber nicht die regionale Wirtschaft durch Erzeugung zusätzlicher Liquidität beleben.
   Früher deckte man Währungen mit Gold, was bedeutet, dass jede Banknote ein Gutschein für eine gewisse Menge Gold und die Zentralbank verpflichtet war, diesen Gutschein auch einzulösen. Das gute an der Idee ist, dass es eine Stelle gibt, die für den Wert des Geldes gerade stehen muss. Die Nachteile bestehen darin, dass Gold realwirtschaftlich einen sehr viel geringeren Wert hat als es kostet, sein Preis daher selbst auch nur zu einem kleinen Teil durch seine Verwendbarkeit als Werkstoff gedeckt ist und dass man überhaupt wahrscheinlich gar nicht genug Gold hätte, um den heutigen Geldbedarf zu decken.
   Der Vorteil des Fiat-Geldes ist, dass es im Prinzip durch Leistung, sprich, durch Waren und Arbeitskraft gedeckt ist. Der Nachteil: Es gibt keine Stelle, an der man den Gegenwert einer Euro- oder Dollarnote wirklich einfordern kann, auch wenn es sich dabei um gesetzliche Zahlungsmittel handelt.
   Es gab und gibt nun bereits Ansätze dazu, die Vorteile beider System zu verbinden: Im alten Ägypten gab es in Form von Tontäfelchen eine Art Geld, welches mit Getreide gedeckt war und in den USA gibt es Regionalgeld, dass ebenfalls mit haltbaren Lebensmitteln gedeckt ist. In beiden Fällen wurde bzw. wird garantiert, dass man für das Geld jederzeit eine bestimmte Menge Lebensmittel bekommt. Allerdings ist das auch noch nicht die Lösung, denn bei dem Regionalgeld in den USA werden die Lebensmittel mit Dollars eingekauft, die man wiederum bezahlen muss, um das Regionalgeld zu bekommen.
   Wenn eine Stadt, ein Landkreis oder ein Regierungsbezirk ein offizielles, durch Waren gedecktes Regionalgeld einführen wollte, müsste er eine Art Zentralbank in Form eines großen Lagerhauses unterhalten, in dem er eine große Anzahl unterschiedlichster Waren aufbewahren und sicherstellen müsste, das man jederzeit gegen das Geld waren bekommen würde. Das wäre eine außerordentlich schwierige Sache und würde – wenn sie überhaupt praktikabel wäre – sehr viel Geld kosten. 

Es geht aber viel einfacher...

   Die Lösung kling verrückt, ist es aber nicht: Leistungsgedecktes Geld wird nicht von irgendwelchen staatlichen oder nichtstaatliche Institutionen ausgegeben, sondern von einzelnen Unternehmen. Und das ist bei Rheingold der Fall. Für den Wert einer Rheingold-Note steht ein ganz bestimmtes Unternehmen gerade, welches diese Note in Umlauf gesetzt und sich damit verpflichtet hat, gegen diese Note bestimmte Waren oder Dienstleistungen zu liefern.
   Im Prinzip ist eine Rheingold-Note also ein Waren- oder Dienstleistungsgutschein, der von einer bestimmten Firma ausgestellt wurde, die sich damit verpflichtet hat, gegen diesen eine bestimmte Leistung zur erbringen. Ein Händler könnte sich beispielsweise ohne weiteres weigern, eine Ware gegen Geld zu verkaufen, denn niemand kann ja gezwungen werden, ein bestimmtes Geschäft zu machen, außer er hat es selbst angeboten. Hat der Händler jedoch einen Gutschein ausgestellt, ist er verpflichtet, zu liefern.

Rheingold – ein ganz besonderes Regionalgeld

   Wer also Rheingold emittiert tut das gleiche wie jemand, der einen Gutschein ausstellt: Er verpflichtet sich, aus seinem Sortiment in Höhe des Wertes der emittierten Rheingold zu liefern oder zu leisten. Nicht anders als ein Händler, der einen Geschenkgutschein ausstellt oder Warengutscheine als Rabatt oder Werbemittel ausgibt. Der Unterschied besteht darin, dass die Rheingold, anders als herkömmliche Warengutscheine, nicht nur bei dem eingelöst werden können, der sie ausgegeben hat, sondern auch bei anderen Rheingoldern. Nun ist auch ein Rheingolder genauso wenig verpflichtet ist, für beliebige Rheingold zu leisten wie er das für Euro oder Dollar ist. Gegen Rheingold-Noten, die er selbst ausgestellt hat, muss er jedoch leisten, genauso, wie jemand herkömmliche Gutscheine einlösen muss, die er selbst ausgestellt hat – so wie früher eine Notenbank verpflichtet war, ihre Währung jederzeit gegen Gold einzutauschen.
   Was nun beim Rheingold bisher noch nicht vorhanden ist, ist die Umlaufsicherung. Es ist zwar vorgesehen, dass Rheingold-Noten irgendwann auch einmal ungültig werden, doch das wurde vorerst ausgesetzt. Bei dem noch relativ kleinem Rahmen, in dem das Rheingold-Projekt derzeit läuft und den daher kleinen Druckauflagen, wäre es, so Jost Reinert, der Kurator des Projektes, noch zu teuer, die im Umlauf befindlichen Rheingold-Noten turnusmäßig zu ersetzen, so dass ein unverhältnismäßig hoher Wertabschlag erhoben werden müsste. Trotzdem funktioniert Rheingold recht gut.
   Ein weiteres kleines Problem besteht darin, dass Rheingold ja nicht zuletzt ein Kunstprojekt ist, was sich darin äußert, dass die Rheingold-Noten künstlerisch hochwertig gestaltet und hergestellt werden. Das könnte bewirken und tut das wohl auch, dass bestimmte Leute zwar sehr gerne Rheingold als Zahlungsmittel annehmen, sie dann aber nicht mehr ausgeben, weil sie sie sammeln. Allerdings ließe sich dieses Problem auch sehr leicht lösen, wenn einmal die Umlaufsicherung des Rheingoldes aktiviert wird. Man könnte beispielsweise die gegen Abschlag umgetauschten Noten, anstatt sie zu vernichten, lediglich als Zahlungsmittel ungültig machen, sie aber dann dem Einlieferer zurückgeben, damit sie ins Sammelalbum wandern können. Sinnvoll wäre es auch, die Entwertung so zu gestalten, dass die Noten zwar als Zahlungsmittel erkennbar ungültig werden, ihr Sammelwert jedoch nicht leidet, sondern eher erhöht wird: zum Beispiel durch einen Entwertungsstempel, der die Note künstlerisch vervollständigt.  
   Bislang tun diese beiden kleine Nachteil des Rheingolds der Funktion noch keinen Abbruch. Offensichtlich erstreckt sich der Gebrauch des alternativen Geldes derzeit noch vor allem auf eine zwar wachsende, aber doch relativ geschlossene Gruppe von Unternehmern, Kulturschaffenden und Intellektuellen, die damit die Befriedigung gewisser Kultur- und Luxusbedürfnisse bezahlen. Dadurch ist das Rheingold auch in einem überschaubaren und gut beobachtbaren Raum unterwegs, so dass es seiner Funktion als Kulturexperiment Genüge tun kann: Es lassen sich Erkenntnisse über die Funktionsweise und Wirkung von Freigeld gewinnen, die für eine spätere Einführung eines solchen Geldes im größeren Stil recht wertvoll sein dürften.  

Einsatzmöglichkeiten von Rheingold

   Rheingold kann natürlich innerhalb der Rheingold-Gemeinde als ganz normales Zahlungsmittel verwendet werden, ist jedoch noch mehr. Wer räumlich von den drei hauptsächlichen Verbreitungsgebieten abseits ist, kann es dennoch verwenden: Zum Beispiel als Warengutschein. Der große Vorteil gegenüber herkömmlichen Warengutscheinen ist dabei, dass die Druckkosten von Rheingold nicht in Euro bezahlt werden müssen, sondern in Rheingold beglichen werden können. Das sieht in der Praxis so aus, dass von der emittierten Summe 15% für die Herstellungskosten einbehalten werden. Man braucht also keine Rheingold um Rheingold zu bekommen, sondern emittiert beispielsweise 200 Rheingold, von denen man 170 ausbezahlt bekommt, während 30 als Herstellungskosten einbehalten werden.
   Während die Vorderseiten der Rheingold-Noten immer ein einheitliches Motiv je Wert zeigen, kann man auf die Rückseite ein eigenes Motiv drucken lassen. So kann man mit dem selbst emittierten Rheingold auch noch für das eigene Unternehmen Werbung machen.
   Wenn man als Händler Rheingold zum Beispiel verwendet um bei großen Einkäufen oder treuen Kunden Rabatt zu gewähren, hat man wie bei einem Warengutschein den Vorteil, dass man nicht auf bares Geld in Höhe des Verkaufspreises verzichtet, sondern lediglich Ware, also Arbeit bzw. Geld in Höhe der eigenen Gestehungskosten liefern muss. Kehren die Rheingold-Noten zu einem zurück, kann man sie erneut als Gutscheine einsetzen. Genauso wie die eigenen Noten kann man aber auch fremde Rheingold, die man statt Euro angenommen hat, als Bonus an gute Kunden ausgeben. Der Knackpunkt dabei ist immer wieder, dass man für ausgegebene Rheingold nicht in barem Geld, sondern immer nur in Naturalien leistet.
   Nicht zu unterschätzen ist auch der Aufmerksamkeitswert der Rheingold: Man kann sie zum Beispiel mit Werbebriefen an Kunden verschicken, wobei zum Beispiel gerade der Umstand, dass man jetzt auch Rheingold annimmt, ein wunderbarer Aufhänger für einen solchen Werbebrief ist. Außerdem sieht eine Rheingold-Note, anders als ein herkömmliche Warengutschein nicht ganz so sehr danach aus, dass man den Kunden in den Laden locken möchte.
   Was ist nun aber der Haken beim Rheingold? Nun, genau genommen gibt es gar keinen. Man muss zwar für die selbst emittierten Rheingold in Naturalien geradestehen, aber eben nur in Naturalien. Und auch nur, wenn man die Rheingold tatsächlich ausgegeben, also dafür etwas erhalten hat, denn anders können sie ja nicht zu einem zurückkehren. Das größte „Risiko“ dabei ist, dass die 15% der eigenen Emission zu einem zurückkehren, die für die Herstellung einbehalten wurden. Wenn man zum Beispiel 500 Rheingold emittiert hat, wären das 75 Rheingold. Da ein Rheingold dem Wert einer Deutschen Mark entspricht, wären das 37,50 Euro, für die man arbeiten oder Ware liefern müsste – wobei man diese Rheingold dann ja auch wieder hätte und sie als Zahlungsmittel oder Gutschein einsetzen könnte.

Wie wird man nun Rheingolder?

  Das ist ganz einfach: Wenn man Rheingold annehmen will, braucht man lediglich seine Kunden darauf hinzuweisen, etwa mit einem Aufkleber an der Ladentür und/oder einem Banner auf der Website. Wenn man selber Rheingold emittieren will, wendet man sich an das Rheingold-Projekt und bestellt seine eigenen Rheingold. In diesem Falle sollte man aber die Empfehlung eines Rheingolders haben, denn schließlich muss ja ein Stück weit sicher gestellt ein, dass ein Emittent auch für die von ihm emittierten Rheingold „gut ist“.


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28. Februar 2010 7 28 /02 /Februar /2010 10:58

Meinen Lesern wird aufgefallen sein, dass sich der Fokko derzeit recht intensiv mit Geld befasst und damit, was es tut, nicht tut, tun sollte und nicht tun sollte. Ein wichtiger Aspekt dabei ist, dass Geld ständig in Bewegung sein muss. Wenn man diesen Grundsatz bewusst etwas freier auslegt, kann man auch sagen, dass es sich derzeit von den Großbanken fort bewegen sollte und genau dass will eine neue Bewegung, die in den USA schon Schule macht.

  Gerade bin ich in einem Kommentar auf diese Sache hingewiesen worden und gebe sie gerne weiter. "Move your Money" will nichts anderes, als dass die Leute ihr Geld den Großbanken fortnehmen und auf Volks- und Genossenschaftsbanken legen. Ein einfacher, aber wirkungsvoller Trick, der das Casino schließt, in dem mit anderer Leute Geld gezockt wird. Im Grunde sind wir ja nämlich alle selbst schuld, wenn wir abgezockt werden, ganz einfach weil wir es uns gefallen lassen. Daher sollten wir ganz einfach den Spieß umdrehen und nicht mehr mitspielen, in diesem Falle eben, indem wir den Zockern unser Geld wegnehmen. 

Mehr dazu gibt es auf der Website  Move Your Money, die von der Attac-Gruppe Frechen bei Köln betrieben wird. Ein kleiner, Gedanke dazu noch von mir: Was würde eigentlich passieren, wenn viel Leute den Geld-Transfer nicht per Überweisung machen, sondern die ganze Asche bar abheben und bei der neuen Bank bar einzahlen? ;-)      

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26. Februar 2010 5 26 /02 /Februar /2010 11:15

Noch ist die Globalisierung in aller Munde, aber es gibt bereits deutliche Trends in die entgegengesetzte Richtung: Kleinräumige Wirtschaftskreisläufe zeigen, dass sie funktionieren und werden in Zukunft hoffentlich  mehr und ihre Überlegenheit beweisen. Sie sind besser dazu geeignet, für den Wohlstand aller zu sorgen als Europa und Globalisierung, was mehr und mehr Leuten klar wird, die durch die Entwicklung der letzten Jahrzehnte praktisch nur Nachteile hinnehmen mussten.   

Die Globalisierung kommt nicht, sie ist bereits da. Jeder spürt ihre Auswirkungen, einige positiv, die meisten jedoch negativ. Deswegen wächst die Ablehnung der Menschen und auch die Bereitschaft, sich auf regionale Projekte einzulassen. Oft sind jedoch nicht einmal politische Gründe das Motiv für den Griff zum regionalen Produkt, sondern einfach der Wunsch, etwas zu essen, das „Bio“ ist und mit möglichst wenig Tierleid produziert wurde. Genau das geht aber am besten, wenn verbrauchernah produziert wird. Hofläden und regionale Vertriebsinitiativen sind also nicht nur „Notwehr“ der Bauern, sondern kleine und größere Bollwerke gegen die Globalisierung.

Knackpunkt Energie

Wenn man näher hinsieht, stellt man fest, dass die ganze schöne neue Welt der Globalisierung im Grunde am dünnen Faden der Erdölversorgung hängt. Wohl kann ein Unternehmen in Deutschland mit Hilfe der modernen Informationstechnologie spielend leicht etwa Zulieferteile in China bestellen, doch die Lieferung steht und fällt mit der Verfügbarkeit von Erdöl für den Antrieb der Transportmittel. Ist es tatsächlich so, dass unser Erdöl aus urzeitlichen Tieren entstanden ist und daher sehr bald zur Neige geht, sieht es für die heutige Form der planetaren Arbeitsteilung düster aus: Ohne Öl fährt kein Schiff und fliegt kein Frachtflugzeug, was bedeutet, dass der interkontinentale Warenaustausch mit der heutigen Technologie davon abhängig und ohne diesen Energieträger unmöglich ist.

   Ohne fossile Brennstoffe muss man Energie aus regenerativen Quellen gewinnen. Wind, Sonne und Biomasse gibt es jedoch überall; deswegen können Kraftwerke, die daraus Strom machen klein sein und dort stehen, wo man den Strom braucht. Tatsächlich geschieht die Erzeugung und Verteilung von Wind- und Biostrom auf der Ebene des Mittelspannungsnetzes, die von Solarstrom sogar auf der Ebene einzelner Haushalte. Biomassekraftwerke gehören typischerweise einzelnen Landwirten („Energiebauern“), Windparks werden in der Regel mit Fonds finanziert, an denen vornehmlich Kleinanleger beteiligt sind. Solaranlagen gehören vor allem Haushalten und Firmen, die damit elektrische Energie für den Eigenbedarf erzeugen. Energie aus regenerativen Quellen ist also „Bürgerenergie“ im Sinne von „Energie in Bürgerhand“ und gleichzeitig regional.

   Deswegen ist sie großen Stromkonzernen auch ein arger Dorn im Auge, denn deren Geschäft ist die zentrale Erzeugung von Strom in großen Mengen und dessen Verteilung. Die regionale und lokale Erzeugung von Strom gräbt ihnen also das Wasser ab, wogegen sie sich nach Kräften wehren, etwa durch Lobbyarbeit oder mit der Idee von Offshore-Windparks, deren einziger Zweck es ist, die Stromversorgung weiterhin zu zentralisieren und für die Konzerne kontrollierbar zu machen. Ähnlich sieht es beim Kraftstoff für Fahrzeuge aus: Erzeugt man ihn aus Biomasse, geschieht dies auch wiederum lokal und regional. Das ist nicht nur für Erdöl exportierende Länder eine ungute Sache, sondern vor allem auch für die Ölkonzerne: Wo man Biogas und Rapsöl beim landwirtschaftlichen Lagerhaus tankt, schaut der globale Ölkonzern mit dem Ofenrohr ins Gebirge.

Regionales Geld

  Dass die Globalisierung den meisten Menschen in Deutschland mehr Nach- als Vorteile gebracht hat, wird den meisten mittlerweile mehr und mehr bewusst. Das Verschwinden der Konsumgüterindustrie in Billiglohnländer hat eine Menge Arbeitsplätze gekostet und der Euro brachte den meisten eine gefühlte Halbierung ihrer Einkommen. Am Beispiel der ins Ausland verschwundenen Arbeitsplätze wird den meisten klar, das man Kaufkraft möglichst in der Region halten sollte. Lokale und regionale Vermarktung von lokalen Ressourcen kann das zwar leisten, funktioniert aber nur, wenn Geld vorhanden ist, welches aber eben fehlt.

   Ein Lösungsansatz dazu sind die Tauschringe, die es mittlerweile fast überall gibt. Sie machen Ressourcen flott, die dadurch brachliegen, dass das Geld in Verbrauchernähe aufgrund globaler finanzieller Machenschaften knapp ist – und zwar auf verblüffend einfache Weise: Wer zum Beispiel keinen Job hat um „richtiges“ Geld für die Gitarrenstunden seiner Kinder zu verdienen, schneidet etwa die Hecke eines Vereinskollegen und bekommt dafür eine Art tauschringinternes Geld, mit dem er dann ein anderes Mitglied für den Unterricht bezahlt.

   Das Interessante daran ist auch, dass es zeigt, dass die Ressourcen vorhanden sind, sie aber nicht aktiv werden können, Waren und Dienstleistungen nur deshalb nicht fließen, weil die Globalisierung das offizielle Geld aus den Regionen abzieht. Der gleiche Gedanke steckt hinter dem Regionalgeld, welches mittlerweile schon in einigen Gegenden Deutschlands besteht. Auch hier werden in der Region fehlende Euros durch „Sterntaler“, „Chiemgauer“ oder „Rolands“ ersetzt, die als Tauschmittel Waren und Arbeitskraft zum Fließen bringen, die anders als das offizielle Geld, in der Regel überall reichlich vorhanden sind.

  Dieses regionale Geld hält nicht nur Kaufkraft in der Region, sondern hat in der Regel noch eine weitere Besonderheit: Es verliert an Wert bzw. muss durch eine Benutzungsgebühr „aufgefrischt“ werden. Daher eignet es sich nicht zum Horten und Spekulieren und bleibt deswegen im Umlauf – erfüllt seinen Zweck als Tauschmittel. Es gleicht darin dem „sich verschleißenden“ Geld der Brakteatenzeit, das (neben dem damals herrschenden wärmeren Klima) der Grund für diese mittelalterliche Blütezeit war.

  Ähnlich wie bei uns Wirtschaftswunder und Sozialstaat wurde der damalige Wohlstand der breiten Masse übrigens durch finanzpolitische Machenschaften zerstört: Kaufleute wie die Fugger sorgten dafür, dass man zu herkömmlichen Geld zurückkehrte, das gehortet und gegen Wucherzinsen verliehen werden konnte nicht anders als es noch heute der Fall ist.

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24. Februar 2010 3 24 /02 /Februar /2010 13:16
In der Wirtschaftskrise, die durch den 1929er Börsencrash ausgelöst wurde, wurden an manchen Orten erstaunliche Erfolge mit regionalen Zahlungsmitteln erzielt. Das wohl bekannteste Beispiel war das „Wunder von Wörgl“, der Stadt in Tirol, in der der Bürgermeister mit Hilfe eines umlaufgesicherten Regionalgeldes die lokale Wirtschaft erheblich beleben, die Arbeitslosigkeit senken und öffentliche Bauvorhaben bewältigen konnte. Auch heute gibt es bei uns an manchen Orten bereits wieder Regionalgeld, auch wenn diese Versuche nicht immer wirklich tauglich sind. 
Um zu verstehen, was Regionalgeld eigentlich bewirken soll und dass es das auch kann, muss man sich klar machen, dass Wirtschaftskrisen wie die derzeitige nichts anderes sind als ein Mangel an umlaufendem Geld: Die Wirtschaftskraft, also Ressourcen wie Arbeitskraft, Maschinen, Rohstoffe, Grund und Boden sind in vollem Umfange vorhanden, es fehlt lediglich am Tauschmittel Geld, welches ermöglicht, dass Waren und Dienstleistungen ausgetauscht werden. Wie das funktioniert, kann man übrigens in meinem Artikel „Was bitte ist eine Wirtschaftskrise?“ nachlesen.

Der Unterschied zwischen Inflation und Wirtschaftskrise

Ein einfaches und wirksames Mittel gegen die Wirtschaftskrise wäre, wenn der Staat die Notenpressen in Gang setzen, einen Haufen Geld drucken und auf irgendeine Art und Weise unter die Leute bringen würde. Das hört sich furchtbar unseriös an, zumal der Stabilitätspakt, der im Zusammenhang mit der Einführung des Euro geschlossen wurde, dies wohl auch unmöglich macht.
   Tatsächlich gilt das Anwerfen der Notenpresse schon immer als äußerst unseriöses Mittel, ja geradezu als Kapitulationserklärung eines Staates und wird in etwa angesehen wie der Griff eines Menschen mit Lebensproblemen zu Flasche oder Spritze. Das bei uns wohl bekannteste Beispiel dafür ist die 1923er Inflation, an die sich einige wenige sogar noch erinnern können, viele aus Erzählungen von Eltern und Großeltern kennen und der Rest aus Geschichtsbüchern und anderen Medien.
Was genau ist aber 1923 passiert? Das ist einfach erklärt: Durch den verlorenen Weltkrieg hatte Deutschland hohe Reparationszahlungen an die Siegermächte zu leisten. Natürlich wurden für das abgeführte Geld von den Empfängern Waren gekauft, so dass letztendlich nicht Geld, sondern Güter abflossen. Güter, die in Deutschland aufgrund von Kriegsschäden sowieso knapp waren. Dass der Staat nun versuchte, mit zusätzlich gedrucktem Geld das durch Reparationszahlungen abfließende zu ersetzen, führte dazu, dass immer mehr Geld im Umlauf war, ohne dass es auch mehr Dinge dafür zu kaufen gab. Und das ist nichts anderes als Inflation.
    Beim Börsencrash 1929 passierte jedoch etwas ganz anderes: Es löste sich nach dem in meinem bereits erwähnten Artikel beschriebenen Mechanismus eine Menge Geld schlicht und einfach in Luft auf. Geld, das zwar nur in Form von Guthaben und Forderungen in Büchern existiert hatte, nichtsdestotrotz jedoch durch Kreditvergabe praktisch wie physisches Geld bewegt worden war und damit für Liquidität gesorgt, Waren und Dienstleistungen hatte fließen lassen. Dadurch, dass das Geld als Tauschmittel fehlte, konnte nun auf einmal niemand mehr kaufen und verkaufen, alle Kapazitäten lagen brach.
    Und genau das gleiche wie 1929 ist nun wieder passiert: Es sind nach wie vor alle Ressourcen vorhanden, die nötig sind, um uns mit Waren und Dienstleistungen zu versorgen, aber es fehlt das Geld, welches es ermöglicht, dass die Wertschöpfungsketten ablaufen, produziert und konsumiert werden kann. Wohlgemerkt: Das fehlende Geld benötigen wir nicht, um irgendetwas von außen zukaufen zu können, sondern lediglich, um die Dinge, die wir bereits haben, untereinander austauschen zu können – also um Wirtschaft passieren zu lassen.

Wie man eine Wirtschaftskrise behebt

Die Lösung des Problems „Wirtschaftskrise“ ist also im Grunde watscheneinfach. Man muss lediglich Geld unter die Leute bringen. Ein bestimmter Geldbetrag, den man jemandem in die Hand gibt, der ihn ausgibt, wird von dem, der ihn eingenommen hat, wieder ausgegeben, vom nächsten wieder und so weiter. Er setzt dadurch eine Wertschöpfungskette in Gang, bewirkt, dass produziert und Dienstleistungen erbracht werden, also neue, reale Werte entstehen. Das ist das Paradoxe am Geld: es ist selbst nichts wert, kann aber, wenn es fließt, bewirken, dass Ärmel aufgekrempelt, Schaufeln in die Hand genommen, Land beackert, Drehbänke eingeschaltet – kurz: Sachwerte geschaffen werden.
    Die Wirtschaftskrise von 1929 wurde schlussendlich auf genau diese Weise behoben. Sowohl Hitlers Rüstung und Autobahnbau als auch der New Deal in den USA brachten ganz einfach Staatsknete unter die Leute, die damit Waren nachfragten und die Wertschöpfungsketten wieder in Gang setzten. Wohlgemerkt: wären die Ressourcen nicht da gewesen, hätten beide Programme nicht funktioniert. Dann nämlich hätten die Leute zwar gearbeitet, für das verdiente Geld jedoch nichts kaufen können und das ganze hätte lediglich eine Inflation bewirkt.
    Übrigens hätte der Staat in beiden Fällen das Geld finanztechnisch zunächst auf kurze Sicht auch ohne Gegenleistung unter die Leute bringen können um den gleichen Effekt zu erzielen, was ihm Falle von Hitlers Rüstung wohl auch tatsächlich sinnvoller gewesen wäre. Die Infrastrukturmaßnahmen des New Deal waren jedoch auf lange Sicht natürlich sinnvoller als ein Verteilen von Geld ohne Gegenleistung, da sie darauf abzielten die Bedingungen für die Wirtschaft und damit den allgemeinen Wohlstand zu verbessern.
    Beim Wunder von Wörgl passierte im Grunde nichts anderes. Auch hier brachte der Bürgermeister Geld unter die Leute und setzte damit brachliegende Ressourcen in Bewegung. Der Unterschied dabei bestand darin, dass die Staatsknete von Hitler und Roosevelt herkömmliches Geld war, das auf lange Sicht immer wieder bei Finanzunternehmen landet, der Wörgler Schilling jedoch etwas ganz anderes.

Die Wirkung von „alternativem“ Geld

Der Wörgler Schilling, wie man die Arbeitswertscheine der Gemeinde Wörgl auch nannte, war ein so genanntes umlaufgesichertes Geld. Er verlor langsam aber sicher an Wert, was dadurch bewirkt wurde, dass die Noten alle vier Monate ihre Gültigkeit verloren und dann mit einer Wertmarke im Wert von einem Prozent des Nennwertes wieder gültig gemacht werden musste.
    Dadurch wurde es sinnvoll, eingenommenes Geld schnell wieder auszugeben und damit den Fluss von Waren und Dienstleistungen – also nichts anderes als die Wirtschaft – in Gang zu halten. Geld anzuhäufen hingegen brachte einem den Nachteil, dass der ganze schöne Reichtum langsam aber sicher dahin schmolz. Hätte dieses Beispiel Schule gemacht – was es ansatzweise auch tat, denn aufgrund des Erfolges des Wörgler Schillings wollten viele Gemeinden eigenes, umlaufgesichertes Geld einführen – wäre das ein herber Schlag für alle gewesen, die vom Aufhäufen und Verleihen von Geld leben. Genau aus diesem Grunde wurde diese Idee auch im Keim erstickt, das Wörgler Geld verboten und das Verbot mit der Androhung militärischer Gewalt durchgesetzt.
    Eine weitere Wirkung von regionalem Geld ist, dass es Kaufkraft in der Region hält. Da es nur regional gültig ist, kann man damit nur Dinge aus der Region kaufen, derjenige, bei dem man kauft ebenfalls und so weiter, bis ein ausgegebener Taler, Gulden oder wie immer die Regionalwährung heißt, vom ersten Besitzer erneut verdient und gleich wieder auf eine neue Rundreise durch die Region geschickt wird. Diese Rundreisen sind sehr kurz, das Geld läuft schneller um und verbessert damit zusätzlich auch noch ein wenig den Güteraustausch.

Kleinräumiges Wirtschaften bringt Vorteile

Großräumig oder gar weltweit gültiges Geld (und der Euro ist das in der Praxis) wird oft für Dinge ausgegeben, die nicht aus der Region stammen. Dadurch ist es erst einmal weg und kann dann in der Region nicht mehr für den Fluss von Waren und Dienstleistungen sorgen. Damit es wieder zurück kommt und das tut, braucht es Glück. Das Glück nämlich, etwas herzustellen zu können, was auch außerhalb der Region gefragt ist und das man nach auswärts verkaufen kann. Abgesehen davon, dass dadurch in vielen Fällen unnötiger Aufwand für und Umweltbelastung durch Transporte entsteht, ist man zum einen dem internationalen Konkurrenzdruck ausgesetzt und zum anderen verdienen unproduktive Zwischenhändler und natürlich auch wieder Finanziers mit, die alle das Verhältnis der aufgewendeten Arbeit zum damit erworbenen Nutzen verschlechtern.
    Dies ist aber nun noch der günstigere Fall, der ungünstigere besteht darin, das man in der Region nicht wirklich etwas herstellen kann, was auch außerhalb gefragt ist. Dann fließen die Euros für den Konsum ab und können nicht durch den Verkauf von produzierten Waren ersetzt werden. Die Menschen in einer solchen Region hängen dann am Tropf des Staates indem sie Hartz IV beziehen. Ihre Arbeitskraft und ihre Ressourcen liegen brach, weil das in die Region fließende Geld sofort wieder für (scheinbar) billigere Konsumgüter von auswärts ausgegeben wird, anstatt dass es in der Region zirkuliert und die regionalen Wirtschaftskreisläufe in Gang hält.
    Bekommt nun jemand in einer solchen Region regionales Geld in die Hand, kann er es nicht nach auswärts ausgeben, sondern kauft damit regional ein, auch wenn das regionale Produkt (scheinbar) etwas teurer ist als das von auswärts herbei gekarrte aus dem Supermarkt. Die Folge davon ist, dass regionale Anbieter, deren Waren in Euro nicht konkurrenzfähig sind, diese jedoch gegen regionales Geld verkaufen können – welche sie dann selbst wiederum für Produkte aus der Region ausgeben können und damit die regionalen Wirtschaftskreisläufe in Gang halten, die dafür sorgen, dass die Menschen selbst produzieren können und nicht ihre Güter für Hartz IV von auswärts kaufen müssen.  
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20. Februar 2010 6 20 /02 /Februar /2010 13:45

 Derzeit herrsche, so kann man in den Medien erfahren, eine Wirtschaftskrise. Sie, so hört man überall, sei verantwortlich für Geldmangel, Arbeitslosigkeit, Kurzarbeit - kurz: dafür, dass die Bürger (sprich die kleinen Leute, aber nur die) den Gürtel enger schnallen müssten. Komischerweise sind jedoch durch die Vorgänge, die zur Wirtschaftskrise geführt haben, gar keine wirklichen Werte vernichte worden: Es gab keine Missernte, es sind keine Fabriken abgebrannt, es ist niemand arbeitsunfähig geworden, keine Bergwerke abgesoffen. Alle Sachwerte und alles, mit dem Werte erzeugen kann,  ist noch da, aber trotzdem geht auf einmal nichts mehr.  Daher stellt sich derzeit eigentlich jedem die Frage, was eine Wirtschaftskrise nun ist und von was sie eigentlich kommt.


"Tate, mechtest du erklärn mir wos dos is, "prosperity" und "crisis" fragt der kleine Dovidl aus New York seinen Vater, der Börsenbroker an der Wallstreet ist.

  "No," sagt der Vater, "dos mecht sein ganz einfach zu erklärn: prosperity, dos is Champagner, Varietee und leichte Meedchen, crisis, dos  is Dosenbier, Fernsehn und deine Mame".


Was prosperity und crisis, also Aufschwung und Krise eigentlich sind, genauer gesagt, wo sie herkommen, möchte wohl so mancher wissen. Leider gibt uns der uralte jüdische Witz, der mir dazu eingefallen ist und den ich mir nicht verkneifen konnte. auch keine wirkliche Aufklärung, da er nur die Auswirkungen von Aufschwung und Krise erklärt, nicht aber die Mechanismen, die sie entstehen lassen.

  Wirtschaftskrisen werden von den meisten Leuten als quasi gottgegeben hingenommen, genauso wie die Grausamkeiten, die man ihnen damit begründet zufügt. Es ist eben Krise, man kann keine Lohnforderungen stellen, weil der Arbeitgeber selbst nichts hat und man muss ja sowieso froh sein, wenn man in diesen Zeiten noch einen Arbeitsplatz hat. Diese verbreitete Einstellung kommt nicht von ungefähr, sie ist erwünscht und deswegen sagt auch niemand, wo Wirtschaftskrisen tatsächlich herkommen, sondern verschleiert die Tatsachen mit finanztechnischen Fachausdrücken und viele schlauem Geschwätz von Zyklen, gesamtwirtschaftlichen Entwicklungen und dergleichen.

Im Grunde ist es aber ganz einfach zu verstehen, woher eine Wirtschaftskrise kommt - und genau deswegen sagt es auch niemand klar und eindeutig: Wer nämlich versteht, woher eine Wirtschaftskrise kommt, sieht auch ganz klar, was der Fehler an unserem hochgelobten Wirtschaftssystem ist und und kommt dahinter, warum es ihm immer schlechter geht während ganz bestimmte Unternehmen Rekordgewinne machen. Das darf natürlich nicht sein, denn das System braucht gläubige Untertanen, die es akzeptieren, dass nun einmal schlechte Zeiten sind und man ja im Übrigen sowieso keinen Anspruch darauf hat, dass man mit seiner Arbeit genug für ein akzeptables Leben verdienen kann.

Die Rolle(n) des Geldes

Um zu verstehen, wie und warum eine Wirtschaftskrise entsteht, muss man wissen, was Geld ist und was es tut bzw. tun soll - und vor allem auch, was es nicht tun soll.

Geld ist ganz einfach ein Tauschmittel, ein Werkzeug, das den Austausch von Waren und Dienstleistungen erleichtert, nicht mehr und nicht weniger. Es ist aber auch ein Schatzmittel, denn man kann eingenommenes Geld eine Weile aufheben und sich erst später etwas dafür kaufen.

Wie Geld funktioniert 

Stellen wir uns vor, ein Bauer hätte eine schlachtreifes Kalb und ein kaputtes Scheunendach. Der Wert des Kalbes würde etwa dem Aufwand für die Reparatur entsprechen und so hätte der Bauer im Grunde keine Not, sofern der Zimmermann, der ihm das Dach reparieren könnte, gerade ein Kalb gebrauchen könnte.

Ist das jedoch nicht der Fall, wird es schwierig: Der Bauer würde vielleicht zum Schuster gehen, der ein Kalb gebrauchen und ihm dafür ein paar Schuhe geben könnte. Die Schuhe würden vielleicht dem Schmied passen, der bereit wäre eine Axt dafür herzugeben. Diese Axt schließlich könnte der Zimmermann gebrauchen und wäre willens, dafür das Scheunendach unseres Bauern zu reparieren.

Man sieht, dass ohne Geld die zwei simplen Transaktionen, ein Kalb zu verkaufen und eine Dachreparatur in Auftrag zu geben, einen immensen Aufwand kosten würden. Viel Zeit also, die dem Bauern dann bei seiner eigentlichen Tätigkeit, der Landwirtschaft fehlen würde.

Mit Geld wäre die ganze Transaktion wesentlich leichter gegangen: Der Bauer hätte das Kalb dem Schuster verkauft und den Zimmermann mit dem Erlös bezahlt. Dass dann vielleicht auch der Schuster das Geld mit der Anfertigung von Schuhen für den Schmied und der wiederum mit der Axt für den Zimmermann verdient hätte, hätte für den Bauern keine Rolle gespielt, weil er sich darum nicht hätte kümmern müssen.

Mit Geld wäre jedoch noch eine andere Variante der Geschichte möglich: Der Bauer hätte das Kalb auch ohne kaputtes Scheunendach verkaufen und den Erlös zunächst aufheben können, bis vielleicht der Schaden am Dach entstanden oder vielleicht statt dessen der Geburtstag seiner Frau gekommen wäre, zu dem er ihr ein neues Kleid geschenkt hätte.

Was ist Geld wert?

Wenn auch das gedachte Geld des Bauern, vielleicht ein Taler, in unserem Beispiel scheinbar wahlweise ein Kalb, ein paar Schuhe, eine Dachreparatur, eine Axt oder ein Kleid "wert" ist, muss man sich dennoch im Klaren sein, dass Geld keinerlei Eigenwert besitzt. Das klingt für manchen vielleicht etwas komisch, wird aber sofort klar, wenn man sich vorstellt, dass der Bauer sein Kalb für Geld verkauft hätte, dann aber niemand da wäre, der willens und in der Lage ist, ihm etwas für dieses Geld zu verkaufen. Dann wäre das Geld wertlos, den unser Bauer könnte es weder essen, noch damit den kaputten Balken an seinem Scheunendach ersetzen.

Geld hat also keinen eigenen Wert, es ist lediglich ein Hilfsmittel für den Austausch von Waren, es spielt die Rolle eines Tauschmittels. Geld ist, wenn man es genau betrachtet, lediglich eine Art Informationsträger: Es zeigt an, dass sein Besitzer etwas geliefert hat und nun berechtigt ist, etwas in etwa gleichwertiges zu beziehen.

  Das Geld ermöglicht es aber auch, das Erbringen der eigenen Leistung vom Beziehen einer fremden Leistung zeitlich und räumlich zu trennen, gewissermaßen den Wert der eigenen, erbrachten Leistung aufzuheben. In diesem Falle spielt das Geld die Rolle eines Schatzmittels. Allerdings wird es hier bereits problematisch wie wir gleich sehen werden. Aber auch in diesem Falle ist das Geld im Grunde wiederum lediglich ein Informationsträger, der anzeigt, dass sein Besitzer Wert geschaffen hat und jetzt berechtigt ist, welche zu erhalten.

Arbeitet Geld?

Man hört immer wieder, das Geld arbeiten müsse. Stimmt das oder stimmt das nicht? Kann und/oder muss Geld arbeiten? Die Antwort lautet: Ja und Nein. Es kommt nämlich darauf an, was man unter dem Arbeiten des Geldes versteht.

Wenn man Arbeit als "seinen Zweck erfüllen" interpretiert, so wie ein Dynamo arbeitet, wenn er Strom erzeugt und ein Schreiner, wenn er Möbel baut, dann lautet die Antwort: Ja. Geld muss arbeiten indem es seinen Zweck erfüllt. Und der besteht darin, von Hand zu Hand zu gehen und den Austausch von Waren und Dienstleistungen - also Handel und damit letztendlich Wirtschaft - zu ermöglichen.

Versteht man unter Arbeit jedoch das Schaffen von Werten, muss die Antwort lauten: Nein! Geld ist weder ein Stück Boden, auf dem etwas wächst noch eine Kuh, die Milch gibt, noch eine Maschine, die Waren produziert. Da dies aber in aller Regel gemeint ist, wenn man davon spricht, dass Geld arbeite, handelt es sich bei der Behauptung, dass Geld arbeiten können und/oder müsse um eine der größten Lügen der Weltgeschichte: Wo angeblich und scheinbar Geld arbeitet, arbeiten in Wirklichkeit Menschen, die um den Wert ihrer Arbeit betrogen werden.

  Die tatsächliche Arbeit des Geldes, nämlich als Tauschmittel zu fungieren, ist jedoch unerlässlich für eine entwickelte Wirtschaft. Ohne Geld würde es notfalls in einem mittelalterlichen Dorf - wo unsere Geschichte mit dem Bauern, dem Kalb und dem defekten Scheunendach hätte passieren können - mit einem Haufen Bauern und ein paar wenigen Handwerkern klappen. Es kann aber in einer modernen Wirtschaft nicht funktionieren, wo jeder einzelne nur ganz bestimmte Dinge macht, vielleicht auf der einen Seite lediglich eine ganz bestimmte Art von Maschinen für ganz bestimmte Unternehmen herstellt - oder vielleicht sogar nur bestimmte Teile dafür - und auf der anderen Seite eine Vielzahl von Waren und Dienstleistungen für den beruflichen und privaten Gebrauch beziehen will. Hier kann nicht mehr Gut gegen Gut getauscht werden, sondern man benötigt das Geld als Zwischenmittel. Diese "Arbeit" des Geldes ist also unerlässlich.

Geld ist also nicht etwa das Blut, sondern die Nerven der Wirtschaft: Wie bereits gesagt, transportiert es die Information, das jemand in einem bestimmten Umfange geliefert und/oder geleistet hat und daher berechtigt ist, Leistungen und Lieferungen in Anspruch zu nehmen. So wie ein höherer Organismus nicht ohne Nerven existieren kann, kann auch eine entwickelte Wirtschaft nicht ohne Geld stattfinden.

Warum Geld scheinbar arbeiten kann

Dass man Geld scheinbar - oder genauer gesagt mit seiner Hilfe andere Leute - für sich arbeiten lassen kann, hat einen einfachen Grund: Den Zins. Zins ist eine Art Miete für Geld und so wird das Nehmen von Zinsen auch moralisch damit gerechtfertigt, dass der Kreditgeber ja anstatt Geld zu verleihen, etwas dafür kaufen und nutzen oder auch vermieten könne. Das ist zwar vordergründig richtig, doch hat der Zins zwei üble Eigenschaften: Er vermehrt die Geldmenge und er ist ein Anreiz, Geld zu horten und "anzulegen".

Es ist wenigen klar, dass sich Geld durchaus unkontrolliert vermehren kann. Dass das Herstellen von Geld nur dem Staat möglich sei, ist ein böser Irrtum: Jeder der einigermaßen kreditwürdig ist, kann im Prinzip Geld herstellen und zwar dann, wenn er etwas auf Pump kauft und z.B. über eine Bank finanziert Dem Lieferanten wird dann bei der Bank die Kaufsumme gutgeschrieben und kann von ihm ausgegeben werden, genauso, wie wenn der Käufer die Ware mit tatsächlichem Geld bezahlt hätte.

  Geld entsteht also nicht nur auf der Notenpresse der staatlichen Zentralbank, sondern auch durch die so genannte Kreditschöpfung von Banken. Im Grunde kann eine Bank sogar Geld verleihen, das sie gar nicht hat. Außerdem entsteht Geld auch durch Zins. Dass dies geschehen kann, liegt daran, dass ein (heutzutage sogar sehr großer) Teil des umlaufenden Geldes gar nicht in Form von Banknoten und Münzen existieren muss und existiert, sondern lediglich in Form von Guthaben und Forderungen, dem so genannten Buchgeld.

Während der Staat die Menge des physischen Geldes sehr leicht kontrollieren kann, weil er ja entscheidet ob Geld gedruckt und geprägt wird oder nicht, hat er auf die Menge des vorhandenen Buchgeldes sehr, sehr wenig Einfluss. Es gibt dafür zwar Instrumente, doch sind die recht wenig wirksam und wenn es für die Geschäfte der Banken opportun ist, sind diese in der Praxis trotz Mindesteinlagen, Diskont- und Lombardsatz in der Lage, eigentlich beliebig viel Buchgeld zu erzeugen.

  Kurz und gut: Banken können Buchgeld durch Kreditschöpfung und Zins erzeugen. Zins ist sozusagen die Miete für geliehenes Geld und dadurch gleichzeitig der Anreiz, Geld zu verleihen. Wer Geld hat, kann also damit Geld verdienen, indem er es gegen Zins verleiht. Derjenige, der sich das Geld ausleiht, investiert es, arbeitet mit den Investitionen - z.B. Maschinen oder eine Ladeneinrichtung - und verdient dadurch wiederum Geld von dem er - hoffentlich - den Zins und die Tilgung des Kredits bezahlen kann. Für denjenigen, der das Geld verleiht, sieht es also so aus, als ob das Geld arbeiten würde, während es in Wirklichkeit der Kreditnehmer ist, der arbeitet.

Warum sich Geld an wenigen Orten sammelt

Wir erinnern uns: Der Besitz von Geld ist nichts anderes als eine Art Anzeiger dafür, dass jemand irgendwelche Leistungen erbracht, also am großen Kuchen "Sozialprodukt" mit gebacken hat und deswegen berechtigt ist, Leistungen zu beziehen, sich also eine bestimmte Menge vom Kuchen abzuschneiden. Das Geld macht dieses Recht der Teilhabe am Sozialprodukt übertragbar und es daher auch möglich, dieses Teilhaberecht ohne Gegenleistung weiterzugeben, etwa in Form von Renten, Arbeitslosengeld, Taschengeld, Stipendien usw.

  Auch bei der Zinszahlung fließt Geld, ohne dass dabei Waren oder Dienstleistungen bewegt werden. Wer Geld verleiht, erwirbt mit dem Zins also das Recht, sich vom Kuchen  des Sozialproduktes etwas abzuschneiden, ohne dass er an diesem Kuchen mit gebacken hat. Er lebt also auf Kosten anderer. Einkommen ohne Arbeit gibt es schon lange, den auch in der Feudalzeit mussten die Untertanen Abgaben an die Adeligen bezahlen, die also auf Kosten der einfachen Leute lebten.

Im modernen Kapitalismus ist das aber noch etwas anders. Die Feudalherren in alten Zeiten brachten in aller Regel das Geld, das sie ihren Untertanen abknöpften auch schnell wieder unter die Leute, indem sie es für Prunkbauten, Gärten, protzige Feste und auch sonst für einen aufwendigen Lebensstil ausgaben. Daher hatten zwar die einen wenig und die anderen viel, aber weil das Geld floss, lief die Wirtschaft.

Auch in den Anfangszeiten des Kapitalismus war das im Prinzip noch so: Von dem verhältnismäßig Wenigem, was produziert wurde, nahmen die Kapitalisten den Werktätigen zwar viel weg, indem sie wenig Geld für viel Arbeit bezahlten. Sie gaben das Geld aber, ähnlich wie die Feudalherren zuvor, schnell wieder für Dienstboten, Häuser, Pferde und dergleichen aus, so dass der Fluss des Geldes und damit das Funktionieren der Wirtschaft gewährleistet war.

Heutzutage, im modernen Kapitalismus sind viele Unternehmen gar nicht mehr damit beschäftigt, Waren zu produzieren, sondern sie verleihen Geld gegen Zins, sind so genannte Investoren, die ihr Geld damit verdienen, dass sie anderen Leuten Geld leihen, die damit Investitionen für ihre Geschäfte bezahlen. Von dem Geld, das sie dort verdienen, müssen sie dann die Zinsen für ihre Kredite bezahlen.

Der Zins mehrt nun natürlich das Geld der Investoren und Banken, die so noch mehr Geld verleihen und noch mehr Zinsen verdienen können. Dadurch sammelt sich das Geld mehr und mehr bei den Banken und Investoren. Diese haben und verdienen schließlich viel, viel mehr Geld als sie jemals ausgeben können, zumal sie heutzutage ja nicht mehr einem dicken Kapitalisten mit Zigarre und goldener Uhrkette gehören, der sein leistungsloses Einkommen verprasst und damit das Geld wieder unter die Leute bringt, sondern irgendwelche Gesellschaften sind, die ihren Teilhabern möglichst wenig Rendite bezahlen um als Gesellschaft möglichst hohe Gewinne zu erzielen und immer mehr Kapital anzuhäufen.

Eines der großen Probleme dabei ist, dass der Zins für einen Kredit unabhängig davon entsteht, ob mit dem investierten Geld auch etwas produziert werden kann. Auch wenn ein auf Pump finanziertes Geschäft schlecht geht, wird der Zins auf die Kredite fällig; es entsteht Geld, das durch keine Waren gedeckt ist, die von der Firma produziert und in Umlauf gebracht worden wären.

Eine Blase entsteht       

  Ein weiteres Problem sind Spekulationen. Wenn jemand eine Sache billig einkauft, weil sie im Augenblick wenig wert ist, und hofft, dass sie mehr wert wird und er sie teuer verkaufen kann, nennt man das eine Spekulation. Man kann zum Beispiel einem Bauern im Winter seine Weizenernte vom nächsten Sommer abkaufen und dabei hoffen, dass der Weizen dann teurer verkauft werden kann, als man ihn jetzt einkauft. Das nennt man ein Spekulation auf Hausse, auf ein Preishoch. Man kann auch im Winter Weizen verkaufen, den man gar nicht selbst produziert und auch nicht eingekauft hat, aber zur Erntezeit zu liefern verspricht. Das nennt man einen Leerverkauf und man hofft dabei, dass man zur Erntezeit Weizen zu einem billigeren Preis kaufen kann, als man ihn im Winter verkauft hat und an der Differenz verdient. Das nennt man auf Baisse (auf ein Preistief) spekulieren.

Das gleiche funktioniert nicht nur mit allen möglichen Waren, die schwankende Preise haben, sondern auch mit Aktien und mit Währungen. Heutzutage geht man sogar so weit, dass man gar keine wirklichen Waren, ausländisches Geld oder Aktien mehr handelt, sondern Rechte, Waren, Aktien oder Währungen in bestimmten Mengen zu bestimmten Zeitpunkten zu kaufen oder zu verkaufen. Das nennt man Optionshandel und es ist bei  genauem Hinsehen überhaupt kein Handel mehr. sondern nichts weiter als ein Wette auf den Preis eines Gutes zu einem bestimmten Zeitpunkt - also ganz ordinäres Glücksspiel.

Oft werden solche Spekulationen auch gar nicht mit eigenem, sondern mit geliehenem Geld gemacht. Insgesamt entsteht durch diese Art von Geschäften eine ungeheuerliche Menge von Buchgeld, das sich bei Banken und Investoren ansammelt. Da diese aber auch Geld verleihen, kommt Geld in Umlauf, welches zunächst noch für Liquidität in der Wirtschaft sorgt. Allerdings nur zunächst: Das geliehene Geld muss ja mit Zinsen zurückgezahlt werden und so sammelt sich noch mehr Geld aus der Wirtschaft bei Banken und Investoren. Gerät nun ein Kreditnehmer aufgrund schlechter Marktlage in Zahlungsverzug, muss er noch mehr Zinsen bezahlen, die er gar nicht verdient, also auch wieder schuldig bleiben muss. Diese Schulden sind auf der Seite der Kreditgeber aber Forderungen und damit Buchgeld. So entsteht bei den Banken und Investoren eine immer größere Blase aus Buchgeld, das schon lange nicht mehr durch Waren gedeckt ist.

Die Blase platzt

Eine gewisse Zeit lang geht eine solche Geschichte gut. Es herrscht im Grunde bereits schon lange Inflation, da das Geld sich stärker vermehrt als das, was man dafür kaufen kann. Das fällt aber nicht auf, da dieses überschüssige Geld bei den Banken und Investoren ist, die damit nichts nachfragen, sondern immer mehr davon anhäufen. So lange noch Kredite gewährt werden können, läuft eine solche Wirtschaft sogar einigermaßen. Aufgrund der Zinslast können produzierende Unternehmen in solche einem Falle jedoch immer geringere Löhne bezahlen, was im Rahmen von Sparmaßnahmen dann immer wieder zu Entlassungen und damit zu Nachfrageausfällen führt. Es führt aber auch zu tatsächlichen und Quasi-Lohnkürzungen über stagnierende Löhne bei steigenden Preisen, Änderungskündigungen, Übergang von eigenen Beschäftigten zu Leiharbeitskräften. Da die Banken jedoch ungeheure Mengen von Geld haben, können sie in dieser Phase nicht nur Unternehmen, sondern auch den Privatleuten Geld leihen, so dass immer noch eine gewisse Liquidität besteht, auch wenn die Wirtschaft durch zu wenig frei verfügbares Geld bereits merklich gebremst wird.

Man muss jetzt im Kopf haben, dass das Geld der Banken zu einem erheblichen, ja wohl zum überwiegenden Teil aus Forderungen besteht, die nur so lange bares Geld bedeuten, wie man davon ausgehen kann, dass die jeweiligen Schuldner sie auch irgendwann bezahlen können. Brechen nun ein paar große Schuldner, vielleicht sogar nur ein einziger besonders großer, zusammen, sind die Forderungen seiner Gläubiger an ihn nichts mehr wert. Das Buchgeld verschwindet, so wie es aus dem Nichts gekommen ist, auch wieder genau dorthin. Es entsteht nun eine Kettenreaktion, denn auch die Forderungen der Gläubiger der Gläubiger eines zusammengebrochenen Unternehmens an diese Gläubiger sind nichts mehr wert und die der der Gläubiger der Gläubiger der Gläubiger ebenfalls - und so weiter und so weiter.

  Da aber aufgrund dessen, dass die Banken den größten Teil des Geldes schon lange an sich gezogen haben und Liquidität, also Kaufkraft, in der Wirtschaft  nur noch aufgrund der Kredite - natürlich auch weit überwiegend in Form von Buchgeld - vorhanden ist, verschwindet diese Liquidität in dem Moment, wenn die Banken keine Kredite mehr geben können, weil sie selbst aufgrund geplatzter Forderungen weniger Buchgeld besitzen.

Nun fehlt jedem das geliehene Geld, mit dem er sonst bei anderen gekauft hat und der Fluss der Waren und Dienstleistungen stockt, obwohl wie eingangs erwähnt nach wie vor alles noch vorhanden ist, was zur Produktion von Waren und dem Erbringen von Dienstleistungen erforderlich ist. Anders ausgedrückt: Eine Volkswirtschaft, die aufgrund ihre Kapazitäten eigentlich ungeheure Mengen von Gütern produzieren sowie jedem Arbeit und Verdienst geben könnte, ist zur Untätigkeit verurteilt, weil Banken und Investoren durch ihre Geschäfte das eigentlich vollkommen wertlose aber für den Fluss der Güter unerlässliche Geld haben verschwinden lassen.

Und diesen Zustand nennt man Wirtschaftskrise.

Das Mittel, welches der Staat gegen die Wirtschaftskrise anwendet ist haarsträubend: Er schenkt den Banken Geld, ersetzt daher den Banken das schlechte Geld, das sie verloren haben, durch gutes Geld, welches er den Steuerzahler abgenommen hat. Da die Banken damit wieder Kredite geben können, entsteht Liquidität, Waren und Dienstleistungen können wieder fließen - bis zur nächsten Wirtschaftskrise. Würde der Staat das Geld anstatt den Banken, den Unternehmern und Privatleuten geben, würde dies ebenfalls für Liquidität und damit für Konjunktur sorgen, wäre das Problem genauso gelöst. So jedoch müssen die Leute - das muss man sich einmal sinnig geben - sich ihr eigenes Geld von den Banken leihen, damit die Wirtschaft angekurbelt wird!      

Es gäbe übrigens durchaus einfache Möglichkeiten, diese Situation zu ändern. Sie alle aber haben eines gemeinsam: Sie würden die Macht der Banken und Investoren  brechen und ihre Geldquellen versiegen lassen. Und genau deswegen verhindern die eigentlichen Inhaber der Macht, die Banken und Investoren, mit Hilfe ihrer Lakaien, den Politikern, dass man diese Möglichkeiten nutzt.  Und genau deswegen werden uns Banken und Investoren als Lösungen des Problems verkauft, das in Wirklichkeit genau sie selbst sind.

Weitere Gedanken zum Thema finden sich übrigens auch auf der Rheingold-Website  

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13. Februar 2010 6 13 /02 /Februar /2010 18:31
In der Zeit der Weltwirtschaftskrise fand in der Tiroler Stadt Wörgl ein interessantes Experiment mit Geld statt, das so gut glückte, dass es von davon betroffenen Kreisen schleunigst unterbunden wurde: Der Bürgermeister der Stadt führte eine lokale Währung ein und zwar ein regionales Freigeld, das der Gemeinde in einer Zeit allgemeiner Not und allgemeinen Elends einen erheblichen Aufschwung brachte. Banken sahen bereits ihre Felle davon schwimmen und bewirkten, dass den Wörglern ihr lokales Wirtschaftswunder mit der Androhung militärischer Gewalt ausgetrieben wurde.  

Unter Freigeld oder Schwundgeld versteht man Geld, dass mit der Zeit seine Kaufkraft verliert und zwar nicht etwa unbeabsichtigt durch Inflation, sondern gewollt durch eine Art eingebauten Mechanismus: Man muss es entweder nach einer gewissen Zeit umtauschen, wobei ein Wertabschlag entsteht, oder seine Gültigkeit muss durch den Kauf und das Aufkleben von Wertmarken regelmäßig erneuert werden. Diese Art von Geld wurde zum Beispiel von Silvio Gesell, dem Begründer der Freiwirtschaftslehre, empfohlen, ist aber nicht seine Erfindung. Bereits im Mittelalter gab es Geld, das zu bestimmten Terminen „verrufen“ wurde, also verfiel und gegen Abschlag umgetauscht werden musste. Dieses System war zwar nicht als Wirtschaftsförderung gedacht, sondern als genial einfacher Steuereinhebungsmechanismus, doch schreiben ihm einige Leute die wirtschaftliche Blüte des Hochmittelalters zu.

Zins und Spekulation

Die Stadt Wörgl litt 1932 erheblich unter der Weltwirtschaftskrise. Die Situation war im Prinzip die gleiche wie sie es auch heute wieder ist: Durch Spekulationen und Zinsgeschäfte hatten sich erhebliche Mengen von (Buch-)Geld bei Banken und Finanziers angesammelt und waren durch den Börsencrash am Schwarzen Freitag von 1929 vernichtet worden.

Durch den Mechanismus des Zinses vermehrt sich die Geldmenge laufend und sammelt sich bei Leuten, respektive Unternehmen an, deren Geschäft es ist, Geld zu verleihen. Dadurch wird das Geld dem Wirtschaftskreislauf entzogen und gelangt nur wieder durch Kredite in ihn zurück. Das ganze funktioniert so lange ganz gut, wie die Banken verleihen, obwohl der Zins für die Kredite die so finanzierten Unternehmen erheblich belastet und deren Gewinne sowie vor allem auch die Löhne ihrer Mitarbeiter empfindlich schmälert.

In dem Moment jedoch, wenn die Wirtschaftslage schlechter wird und die Banken vorsichtiger mit der Vergabe von Krediten, wird das Geld in der Wirtschaft knapp. Geld ist aber notwendig, um die Waren fließen zu lassen. Auch, wenn es als langfristiger Wertspeicher und vor allem als Mittel zum Erzeugen von neuem Geld missbraucht wird, hat es dennoch seine Funktion als Tauschmittel behalten. Wenn kein Geld vorhanden ist, können Ressourcen wie Waren, Rohstoffe und Arbeitskraft im Überfluss da sein und trotzdem läuft nichts in der Wirtschaft. Wirtschaft funktioniert nämlich nur, wenn die produzierten Waren auch ausgetauscht werden können und genau das geht in einer komplexen Wirtschaft nur mit Geld. Geld ist daher, obwohl es keinerlei Eigenwert hat(!), unerlässlich dafür, das die Wirtschaft läuft.

Bei einem Crash werden nun große Mengen von Geld vernichtet, die vorher lediglich als Posten in den Büchern (also heutzutage in Computerspeichern) von Banken existiert haben und die als Zins- und Spekulationsgewinne buchstäblich aus dem Nichts heraus erschaffen worden waren. Obwohl dieses Geld eigentlich überhaupt nichts wert war, da bei seiner Entstehung ja keine realen Werte erzeugt worden waren, die ihm gegenüber stehen und es decken würden, fehlt es nun im Wirtschaftskreislauf, da die Banken ja keine Kredite vergeben können, wenn sie selbst über keine Guthaben mehr verfügen.

Genau diese Situation haben wir heute und auch 1932 war die Stadt Wörgl damit konfrontiert: Es gab Dinge, die hätten getan werden sollen und Leute, die diese Dinge hätten tun können, Waren, die kauft werden konnten und Leute, die sie gerne gekauft hätten, aber es war kein Geld da, das den Austausch dieser Waren und Dienstleistungen ermöglicht hätte.

Wie man die volkswirtschaftlichen Folgen von Zins und Spekulation umgeht

Der Bürgermeister von Wörgl erkannte diese Situation und wusste auch, wie er Abhilfe schaffen konnte: Wenn kein Geld von außen kam, musste man eben sein eigenes schaffen, dass den Fluss der Waren und Dienstleistungen ermöglichte. Weil er Silvio Gesell gelesen hatte, wusste er auch, um den größten Fehler des herkömmlichen Geldes und schuf eine lokale Währung, die diesen Fehler nicht hatte.

Nach einer gewissen Vorbereitungszeit und klärenden Gesprächen zwischen den Stadtvätern war man soweit: Die Wörgler „Arbeitswertscheine“ wurden zunächst dazu verwendet um öffentliche Ausgaben zu bestreiten. Sie lauteten auf Österreichische Schilling, verloren aber nach vier Monaten ihre Gültigkeit und mussten dann durch Aufkleben einer Wertmarke, die ein Prozent des Nennwertes kostete, wieder aufgefrischt werden. Natürlich konnte man im Gegenzug alle Abgaben an die Gemeinde mit diesem lokalen Geld bezahlen und schnell wurden auch sie von den lokalen Geschäftsleuten als Zahlungsmittel akzeptiert.

Der Verlust, den man erlitt, wenn man solche Arbeitswertgutscheine über den Verfalltag hinaus behielt, war mit einem Prozent des Wertes zwar gering, sorgte jedoch trotzdem dafür, dass jeder zusah, dass er sie schnellstmöglich wieder ausgab. Das schaffte Nachfrage nach lokalen Gütern und Dienstleistungen und sorgte so für Arbeitsmöglichkeiten. In der folgenden Zeit sank daher in Wörgl die Arbeitslosigkeit von 21% auf 15%, während sie im Umland weiterhin anstieg. Außerdem konnten eine Reihe von öffentlichen Projekten wie der Bau einer Skisprungschanze und einer Brücke durchgeführt werden.

Wie das Wunder von Wörgl zerstört wurde

Die plötzliche Prosperität in Wörgl fiel auf und es sprach sich schnell herum, wie sie erreicht worden war. Nachdem sich weitere Gemeinden anschickten, ebenfalls ihre eigenen Währungen zu schaffen, wurde es den Bankstern Himmelangst und sie handelten: Die österreichische Nationalbank berief sich auf ihr alleiniges Recht, Geld herzustellen und verklagte die Stadt Wörgl auf Unterlassung. Tatsächlich wurde nach nur 13 Monaten das Wörgler Lokalgeld gerichtlich verboten und mit der Androhung militärischer Gewalt abgeschafft. Nicht nur der Erfolg des Versuches, sondern auch die Reaktion der etablierten Hochfinanz zeigten jedoch, wie richtig die Überlegungen des damaligen Wörgler Bürgermeisters waren.

Auch heute gibt es hier und dort regionales Geld, auch in Deutschland. Bisher sind die Umsätze, die mit solchen Währungen gemacht werden, noch gering und es gibt keine Proteste von Seiten der Banken. Was nun aber passiert, falls diese regionalen Währungen im weiteren Verlauf der wirtschaftlichen Entwicklung an Bedeutung gewinnen, bleibt abzuwarten.

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21. Januar 2010 4 21 /01 /Januar /2010 14:53
„Globalisierung“ ist ein Schlagwort, dass nunmehr bereits seit einigen Jahrzehnten verwendet wird und das, genauso wie „Europa“ bei einfachen Menschen für sich aufstellende Nackenhaare sorgt, weil beide Worte ganz offenbar Synonyme für „sinkende Reallöhne“ und „Sozialabbau“ sind. Im Grunde ist das sogar eine treffende Sichtweise, doch sollte man ein wenig mehr darüber wissen, was Globalisierung ist und was sie mit uns macht.

Die Nase voll von der Globalisierung...

Interessanterweise wird die Globalisierung heute eigentlich kaum noch als positiver Begriff daher, sondern wird als angeblich gegebene Tatsache zur Begründung der angeblichen Notwendigkeit von Sozialabbau, Lohnkürzungen und verlängerten Arbeitszeiten verwendet. Nach außen hin kam die Globalisierung ja zunächst als Zusammenwachsen der Welt zu einem freundlichen Dorf daher, in dem jeder das macht, was er am besten kann, jeder mit jedem redet und jeder jeden besucht. Dass das so nicht ist, geht in der Zwischenzeit immer mehr Leuten auf; es dürfte mehr und mehr klar sein, dass die Globalisierung ein ganz besonders perfide Methode ist, Leute bis zum Äußersten auszubeuten.Dass die Globalisierung außer einigen wenigen großen Unternehmen, vor allem Banken und anderen Finanzjongleuren, niemand etwas gebracht hat, steht mittlerweile fest:

* In den Industrieländern wurde Wohlstand abgebaut und die Lebensqualität verschlechtert
* Entwicklungsländer werden härter denn je ausgebeutet
* In Schwellenländern boomt zwar die Wirtschaft, aber um den Preis äußerster Ausbeutung der Arbeiter

Diese Erkenntnis allein genügt aber nicht, man sollte wissen, wie Globalisierung funktioniert, was sie bewirkt und wie die Erscheinungen, die man beobachten und am eigenen Leibe erfahren kann, in ihr System einzuordnen sind.

Wie funktioniert Globalisierung?

Die Grundlage der Globalisierung sind natürlich die modernen technischen Möglichkeiten, die einen schnellen weltweiten Informations- und Warenaustausch ermöglichen.Dadurch können Konzerne weltweit agieren, dass heißt, einzelne Teile ihrer Wertschöpfungsketten in ganz unterschiedlichen Ländern ansiedeln. Es spielt dabei keine besonders große Rolle, ob die einzelnen Firmen, die Teilaufgaben erledigen, dem jeweiligen Konzern gehören oder ihm auf Gedeih und Verderb ausgelieferte Subunternehmen sind. Entscheidend ist, dass die einzelnen Länder keine vollwertigen Volkswirtschaften mehr haben, sondern zu reinen Rohstoffquellen bzw. spezialisierten Werkbänken verkommen sind.

Soweit Produkte noch mehr oder weniger komplett in einem Land hergestellt werden, sind sie nicht mehr Teil einer breiten Palette an Erzeugnissen, die den größten Teil des inländischen Bedarfs decken, sondern Teil eines sehr schmalen Produktionsprogrammes, welches das jeweilige Land von Export und Import abhängig macht und sie damit der Gnade der „Global Players“, der weltumspannenden Hochfinanz ausliefert. Diese spielt nicht nur eine wichtige Rolle bei diesen Prozessen, sondern steckt letztendlich auch hinter der Globalisierung, die ihr Instrument zur Ausbeutung der Menschen ist.

Dass das so ist, kann man leicht erkennen, wenn man sich ansieht, was in verschiedenen Ländern heute noch hergestellt wird und was nicht (mehr). Ich habe ja bereits vor einigen Tagen hier ja aufgezeigt, dass die Konsumgüterindustrie zum größten Teil aus Deutschland verschwunden ist und welche Folgen das für uns hat.

Die Konsumgüterindustrie ist nun nicht die einzige Industrie, die verschwunden ist: Wenn man sich heute das Ruhrgebiet anschaut, sind es keineswegs nur nostalgische Gefühle, die einen die rauchenden Schlote vermissen lassen, sondern handfeste volkswirtschaftliche Überlegungen. Vor etwa 20 Jahren wurde mit fadenscheinigen Begründungen unsere Schwerindustrie abgewrackt und uns damit erheblicher Schaden zugefügt. Damals wurde das damit begründet, dass Stahl auf dem Weltmarkt billiger zu haben sei als er an Rhein, Ruhr und Saar hergestellt werden konnte. Heute leiden deutsche Unternehmen zeitweise unter der Stahlknappheit und konnten vor einigen Jahren bereits mindestens einmal nicht so loslegen, wie sie es entsprechend des Wirtschaftsklimas hätten tun können.

Im Ganzen gesehen, stellt man also folgendes fest: In Deutschland werden derzeit hauptsächlich Investitionsgüter hergestellt, die aber großenteils exportiert werden müssen, weil es keine inländische Konsumgüterindustrie als Abnehmer für Maschinen, Anlagen und dergleichen mehr gibt. Um diese Dinge zu bauen, muss man jedoch Stahl importieren, genauso wie Konsumgüter importiert werden müssen. Damit sind wir in einem wesentlich höheren Maße von Import und Export abhängig als wir es je waren. Auch elektronische Bauteile, vor allem Chips für Computer stellen wir nicht selbst her und sind dadurch auf diesem, heute so wichtigen Sektor unfrei, genauso, wie wir Öl zu Preisen kaufen müssen, die man uns diktiert.

Eine wichtige Rolle dabei spielen natürlich die hochgelobten ausländischen Investoren, für die man ja unbedingt „günstige Standortbedingungen“ - sprich: Arbeit zum Billigtarif - schaffen musste. Sie steuern mit ihren Investitionen praktisch unsere Wirtschaft und entscheiden, was hier produziert wird und was nicht, wodurch der Umbau der einstmals in einem recht hohen Maße autarken deutschen Volkswirtschaft zu einer spezialisierten Werkbank in den Wertschöpfungsketten global agierender Unternehmen möglich wurde. Und hinter diesen Investoren steckt letztendlich niemand anders als einige wenige globale Finanzunternehmen, die auf diese Weise steuern können, was wo und wie gemacht wird.

Globalisierung ist antidemokratisch

Demokratie funktioniert umso besser, je kleiner die Gruppe ist. Wenn es sich nur um eine Handvoll Menschen handelt, funktioniert in der Tat sogar Anarchie: Wie jeder weiß, braucht es in solchen kleinen Gruppen keinen Boss zu geben und es können gemeinsame Entscheidungen einvernehmlich getroffen werden, was nichts anderes ist als Anarchie.

Je größer eine Gruppe ist, umso schwerer tut sie sich mit der Demokratie. Dass bedeutet, dass ein Staatswesen umso weniger demokratisch ist, je zentralistischer es aufgebaut ist. Umgekehrt kann es umso demokratischer sein, je strukturierter seine Hierarchie, also je föderalistischer es aufgebaut ist. Das wussten bereits die absolutistischen Herrscher der frühen Neuzeit und das wusste Adolf Hitler, der mit seiner Gleichschaltung die als „Kleinstaaterei“ abqualifizierten föderalistischen deutschen Traditionen beseitigte um unumschränkt herrschen zu können. So unappetitlich es klingt: Wer im Rahmen der so genannten Föderalismusdiskussion an die Rechte unserer Bundesländer will, vertritt im Grunde nichts anderes als Nazi-Gedankengut – das aber nur am Rande.

Je mehr Entscheidungen in einem Gemeinwesen „ganz oben“ getroffen werden, um so leichter lässt es sich nicht nur von einem Diktator oder einer Junta regieren, sondern umso leichter haben es auch „Graue Eminenzen“, die Kontrolle darüber auszuüben. Es muss dabei noch nicht einmal mit offener Korruption zugehen, sondern auch ganz legale „Lobbyarbeit“ wird umso einfacher und wirksamer, je mehr Entscheidungen zentral getroffen werden: Bei sämtlichen Dingen, die als Europa(un)recht EU-weit geregelt werden, brauchen die Lobbyisten nicht mehr x nationale Parlamente im Sinne ihrer Klienten zu beeinflussen, sondern es reicht, in Brüssel den Hebel anzusetzen um sämtliche demokratischen Entscheidungen zu umgehen. Denn zur Konzentration der Entscheidungen kommt auch noch, dass in Brüssel sehr, sehr viel noch nicht einmal vom Europaparlament, sondern von Beamten entschieden wird, was es noch leichter macht, hier mit Geld und Macht Einfluss zu nehmen.

Das Gleiche gilt für die UN: Wenn diese auch offiziell (noch) nicht den Status einer Weltregierung hat, ist dennoch vieles, was dort entscheiden wird, de facto mehr oder weniger verbindlich für die Mitgliedsnationen. Die UN ist nämliches keinesfalls die „Quasselbude“,als die man ihren Vorläufer, den Völkerbund gesehen haben mag, sondern ein wirksames Werkzeug global operierender Konzerne zur weltweiten Durchsetzung ihrer Interessen.

Gegenbewegungen zur Globalisierung

Das, was ich bis jetzt hier erzählt habe, klingt gruselig und ist es auch. Es ist aber nicht ausgemacht, dass es so weitergeht, bis wir tatsächlich nur noch willenlose Produktionsroboter sind. Als Christ drängt sich mir zwar auf, hier die Anzeichen zu sehen, die in der Offenbarung beschrieben sind, aber die Hoffnung gebe ich deswegen nicht auf, denn, wie ebenfalls in der Bibel steht, gebührt es uns nicht „zu wissen Tag und Stunde“ der Wiederkunft Christi. Außerdem sollt man es immer mit dem guten, alten Martin Luther halten, der ja auch, wie er sagte, am Vortag des Weltuntergangs noch ein Apfelbäumchen gepflanzt hätte.

Tatsächlich ist es so, dass Bäume nicht in den Himmel wachsen; etwas, das zu groß wird, wird irgendwann auseinander fallen: Wer sich vor lauter Gier zu viele Eiskugeln aufs Waffelhörnchen klatschen lässt, dem fliegt sein Eis in den Dreck, genauso wie Atomkerne zerfallen, die aus zu vielen Protonen und Neutronen bestehen. Auch die Dinosaurier sind möglicherweise ausgestorben, weil sie zu groß waren. Tatsächlich sind die Gegenbewegungen zur Globalisierung bereits da. Viele interessante Dinge die heute passieren, sind hierzu zu rechnen, auch wenn sie nicht unter diesem Etikett daher kommen.

Regenerative Energien

Eine äußerst wichtige Sache in diesem Zusammenhang sind die regenerativen Energiequellen. Auch wenn die Stories über den anthropogenen Treibhauseffekt und die menschengemachte Klimaerwärmung Humbug sind, ist der Boom der regenerativen Energien zu begrüßen: Abgesehen davon, dass wir derzeit noch davon ausgehen müssen, dass Erdöl und Erdgas sehr begrenzt sind, machen Biomasse, Wind- und Sonnenenergie Gemeinwesen und Privathaushalte unabhängig von Energiekonzernen so wie sie Staaten aus der Kontrolle der Erdölindustrie befreien können. Die regenerativen Energien werden von den Globalisierern daher gar nicht gerne gesehen. Mit der Klimahysterie, einer ebenfalls im Zuge der Maßnahme zur Globalisierung entwickelten Volksverdummung, hat man hier offenbar Geister gerufen, die man nun nicht mehr beherrschen kann.

Die Kontrolle über das Erdöl ist einer der Hebel, mit dem die globale Hochfinanz bestimmt, was wo geschieht. Der andere, vielleicht noch wichtigere, ist das Geld – mit dem ja auch das Öl bezahlt wird. Der Euro kommt genauso wenig von ungefähr wie die Tatsache, dass die meisten von uns, anders als früher, ständig zu wenig Kohle haben. Geld bekommt man vor allem für Arbeit und die Möglichkeiten des Einzelnen, für Geld zu arbeiten, wurden genauso verringert, wie das Geld, das man ohne Arbeit bekommt: Rente, Arbeitslosengeld, Sozialhilfe...

Die Rolle des Geldes

Geld ist aber lediglich ein Hilfsmittel zum Austausch von Waren und Dienstleistungen. Wenn man jedoch das Geld kontrolliert, kontrolliert man die Güterströme. Ein wichtiges augenblickliches Problem ist daher, dass das ganze Geld in wenigen Händen ist und zwar nicht bei den Leuten, die es gerne ausgeben würden. Daher können die Güter, die vorhanden sind bzw. produziert werden könnten, nicht verkauft werden und wer arbeiten könnte und will, wird von niemandem eingestellt, da niemand Geld hat, ihn zu bezahlen.

Man kann sich das ganz einfach so vorstellen, wie beim Monopoly: Wenn ein Spieler in den Besitz der Schlossallee und der Parkstraße gelangt und vielleicht auch die grünen oder wenigstens die roten Straßen hat, geht sehr schnell gar nichts mehr: Er baut überall ein, zwei, drei, vier Häuser, schließlich ein Hotel und dann blechen die anderen Spieler nur noch, bis das ganze Geld bei diesem einen Spieler liegt und nichts mehr geht. Die derzeitige Wirtschaftskrise ist im Grunde nichts anderes.

Selbstversorgung

Das ganze System – und das muss man sich einmal klarmachen – funktioniert aber nur, wenn die Menschen auf das Geld fixiert sind und vergessen haben, dass die eigentlichen Werte Waren und Arbeit sind. Tatsächlich lässt sich das offizielle Geldsystem sehr leicht umgehen, wie allerhand derzeitige (und auch historische) Erscheinungen zeigen.

Ein erster Schritt in diese Richtung sind zum Beispiel die Hofläden, die man seit einer Weile sieht. Sie funktionieren zwar noch nicht ohne das „offizielle Geld“, haben jedoch bereits eine ersten, wichtigen Schritt vollzogen: Es wird das, was regional erzeugt wird, auch regional verkauft und zwar ohne dass irgendwelche Zwischenverteiler sich daran bereichern können. Der augenblickliche Haken an der Sache ist jedoch noch, dass hier eben bislang mit dem „von oben“ kontrollierten Geld bezahlt wird.

Ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung ist auch der Selbstversorgergedanke. Er bedeutet nämlich, dass man Arbeitskraft direkt in Sachwerte umsetzt, was es für Außenstehende unmöglich macht, daran zu schmarotzen: Wenn jemand seine Arbeitskraft einsetzt um sein Auto zu reparieren, Gemüse zu ziehen, ein Möbelstück zu bauen, ein Kleidungsstück zu nähen oder seinen Lieben die Haare zu schneiden, schafft er sich Sachwerte, ohne dass Finanzamt, Arbeitgeber oder Händler an seiner Arbeitsleistung mitverdienen.

„Alternatives Geld“

Der nächste Schritt ist hier, da man ja nicht alles selber machen kann, sich gegenseitig zu helfen: Du legst meine elektrischen Leitungen und ich repariere Dein Auto, ich schraube Dein Regal an die Wand und Du backst mir einen Kuchen... Das ist in dieser Form urtümlicher Tauschhandel und daher etwas schwerfällig. Dennoch lässt sich zumindest ein gewisser Teil des alltäglichen Bedarfs damit decken und es wird Geld frei für Dinge, die man auch benötigt oder gerne hätte, die aber bislang noch nur für offizielles Geld zu haben sind: Ein gesparter Pfennig ist ein verdienter Pfennig – und zwar ein steuerfrei verdienter.
  Beim Austausch von Dienstleistungen und selbst hergestellten Dingen helfen die Tauschringe, die es mittlerweile wohl fast überall gibt. Viele Leute die hier mitmachen und ihre Lage damit verbessern, wissen vielleicht gar nicht, dass sie damit ganz elegant die globale Ausbeutung aushebeln: Sie merken ganz einfach nur, das sie so an Dinge kommen, die sie sich sonst nicht leisten könnten, mehr „übrig behalten“ und dass es Spaß macht, für sich und für Freunde zu arbeiten.

Bei den Tauschringen geht man oft bereits einen Schritt über den reinen Tauschhandel hinaus und verwendet eine Art „alternatives Geld“, also Gutschriften. Damit kann – wie mit „richtigem“ Geld – eine Sache bezahlt werden, wenn man gerade nichts Geeignetes zum Tauchen hat. Der springende Punkt dabei ist, dass mit diesem „alternativen Geld“ weder Kaufkraft nach außerhalb einer solchen „Mini-Volkswirtschaft“ abfließen, noch sie sich durch Verzinsung irgendwo ansammeln und so dem kleinen Markt entzogen werden kann: Dienstleistungen und Waren könne immer fließen, weil immer „Geld“ zur Verfügung steht. Dazu kommt auch noch, dass der „Markt“ durch den freien Zugang zu den Tauschringen ungleich größer ist, als der im Verwandten- und Freundeskreis, welcher bei vielen Menschen heute sehr klein geworden ist.

Mancherorts ist man sogar bereits noch einen weiteren Schritt weiter gegangen und experimentiert mit Regionalgeld und zwar nicht nur in Deutschland sondern auch in den USA. Das gab es übrigens auch in den üblen Inflationszeiten der Weimarer Republik an manchen Orten, die damit die Folgen der immensen Reparationszahlungen erheblich mildern konnten: Auch damals war das Problem, dass durch die Kriegsreparationen Kaufkraft aus den Regionen abgezogen wurde, wie es heute durch die Mechanismen der Globalisierung geschieht. Regionalgeld, das nur in der Region ausgegeben werden kann, hält diese Kaufkraft dort und damit den Fluss von Waren und Dienstleistungen innerhalb der Region aufrecht. Übrigens würden gerade die bereits erwähnten Hofläden und ähnlichen Einrichtungen durch den Einsatz von Regionalgeld besonders viel Sinn machen.

Der Bankencrash und die Wirtschaftskrise

Man muss sich nur klarmachen, dass sich durch den Bankencrash, der die Wirtschaftskrise ausgelöst hat, lediglich Zahlen auf dem Papier – oder besser gesagt, in Computerspeichern – verändert haben. Dieser überaus schlimme Crash hat kein einziges Bergwerk absaufen lassen, keine Ernte vernichtet, keine Fabrik abbrennen lassen, keinen Menschen arbeitsunfähig gemacht – kurzum: Es sind nach wie vor sämtliche Ressourcen vorhanden, nur dass der Fluss der Waren und Dienstleistungen blockiert ist, weil der Bankencrash verliehenes (Buch-)Geld hat verschwinden lassen, das vorher den Fluss der Waren ermöglicht hat, während das „richtige“ Geld – also die Geldmenge, die dem Wert der Weltwirschaft entsprechen würde – an wenigen Orten gehortet ist und so seine Aufgaben nicht erfüllen kann. Das und nichts anderes steckt hinter der Wirtschaftskrise.

Fazit

Eine der derzeit gebrauchten Worthülsen heißt „Global denken – Lokal handeln“. Im Sinne des kreativen Missbrauchs kann man sie sogar zu etwas Brauchbarem ummünzen. „Global denken“ lässt sich auch interpretieren als „Beobachten, was die da oben auskochen“ und „Lokal Handeln“ kann bedeuten: „Im eigenen Umfeld entsprechend regieren und anpacken.“

Wenn sich die heutige Situation des „Kleinen Mannes“ auch teilweise mit der Situation der Arbeiter in der Zeit der Industrialisierung vergleichen lässt, gibt es doch einen wichtigen Unterschied: Damals mussten sich die Arbeiter zusammentun, denn einer allein kann nicht für mehr Lohn streiken und schon ein paar Streikbrecher konnten einen Streik nicht nur scheitern lassen, sondern zu einem hohen Risiko für die solidarischen Arbeiter machen. Es ist heute zwar auch angezeigt, dass sich die einfachen Leute gegen die Mächtigen solidarisieren, aber es muss niemand mehr darauf warten, dass dies geschieht. Im eigenen Leben kann man jederzeit selbst anpacken und sein Lage verbessern, in dem man sich einfach überall da, wo es in der persönlichen Situation sinnvoll und machbar ist, aus dem System ausklinkt. Ein wenig Tatkraft, Mut und Entschlossenheit gehören zwar dazu, aber es lohnt sich.

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16. Januar 2010 6 16 /01 /Januar /2010 18:34

Wer schon ein paar Jahre auf dem Buckel hat, denkt wohl gerne an die Zeit des Wirtschaftswunders zurück. Dabei stellt sich ganz automatisch die Frage, warum trotz der seit den 60er und 70er Jahren immens gestiegenen Produktivität unser Wohlstand nicht entsprechend gestiegen, sondern eher sogar zurückgegangen ist.

Natürlich vermutet fast jeder, dass das an Europa und Globalisierung liegt. Das ist zwar im Endeffekt richtig, aber es erklärt noch nicht den Mechanismus, der bewirkt hat, dass arbeitende Menschen zu Bittstellern verkommen sind, mit denen die Chefs machen, was sie wollen.

Um das zu verstehen, muss man sich zunächst klar machen, wie unsere angebliche Demokratie funktioniert. Das ist nämlich ganz einfach: Egal, wen wir wählen, gemacht wir immer das, was die Lobbyisten wollen. Unsere Abgeordneten haben zwar de jure kein imperatives Mandat, wohl aber de facto und man nennt das "Fraktionsdisziplin".

Die Diktatur der Lobbyisten

Weder im Reichs- noch in den Landtagen wird nämlich über Gesetzesvorlagen wirklich abgestimmt, sondern es wird ganz einfach nur durchgewunken, was in den jeweiligen Ausschüssen ausgekocht wurde. Und genau dort setzt die Lobbyarbeit an. Der Lobbyist, also der Vertreter einer Interessengruppe, muss hier nicht viele Abgeordnete auf seine Seite bringen, sondern es reicht, ein paar wenige Leute dahingehend beeinflussen, dass sie die Vorlage so gestalten, wie es seinen Auftraggebern angenehm ist. Dabei muss noch nicht einmal direkt Geld fließen. Es gibt ja immer auch eine Zeit nach dem Abgeordnetenmandat und da will man ja auch wieder hoch und trocken sitzen. Und wenn man sich wohl verhält, kann der Lobbyist dafür sorgen, dass man, wenn man nicht mehr gewählt wird, einen wohldotierten Job bei einer der Firmen die er vertritt, bei seinem Verband oder auch sonstwo bekommt.

Schön und gut. Aber dieser Mechanismus hat ja auch bereits früher funktioniert oder hätte zumindest funktionieren können. Warum also ging es uns in den 60ern und 70ern gut?

Was haben Mopeds mit Wohlstand zu tun?

Wenn einmal etwas genauer hinsieht, fällt auf, dass die steigenden Unternehmensgewinne bei sinkenden Reallöhnen und der massive Abbau von Arbeitnehmerrechten und Sozialleistungen ziemlich genau mit dem Verschwinden unserer Konsumgüterindustrie parallel läuft. Und das kommt nicht von ungefähr.

Vor, sagen wir einmal 40 oder 45 Jahren bestand ein erheblicher Teil unserer Industrie aus Firmen, die Konsumgüter herstellten: Textilien, Mopeds, Fernsehapparate, Kameras, Fahrräder, Waschmaschinen, Kühlschränke, Radios, Küchenmaschinen und selbst einfachere Dinge wie Küchengeräte, Öfen, Möbel und vieles mehr wurden im Land hergestellt. Und zwar tatsächlich hier hergestellt und nicht importiert und mit deutschen Typenschildern versehen.  Diese Industrien hatten natürlich auch ihre Lobby und zudem ein vitales Interesse, dass die breite Masse gut verdiente. Ansonsten hätten die Leute ja alle diese Produkte nicht kaufen können.

Auch die Hersteller von Investitionsgütern waren zu dieser Zeit in hohen Maße von der Kaufkraft des Volkes abhängig: Ihre Maschinen gingen ja zum großen Teil an Hersteller von Konsumgütern und dadurch hätte eine verminderte Kaufkraft der breiten Masse auch auf sie durchgeschlagen: Wenn die Leute keine Mopeds, Kühlschränke und Waschmaschinen mehr kaufen können, werden auch die Moped-, Kühlschrank- und Waschmaschinenfabriken keine Drehbänke, Fräsmaschinen, Pressen und so weiter mehr kaufen.

So musste die Industrie damals darauf bedacht sein, das bei der breiten Masse Kaufkraft da war. Durch die Globalisierung und Europa wurde dieses Gleichgewicht dann zerstört: Inländische Firmen setzten auf Absatz im Ausland und die heimischen Hersteller von Konsumgütern wurden durch Importe aus Billigländern kaputt gemacht. Das wurde möglich durch Erleichterungen im europäischen und weltweiten Handel, sprich durch Europa und Globalisierung.

Was Globalisierung tatsächlich bedeutet

Heute ist es so, dass wir Exportweltmeister sind. Das bedeutet nichts anderes, als dass wir Investitionsgüter für andere Länder herstellen und selbst nichts davon haben. Dafür, dass deutsche Maschinen in den USA, in Brasilien oder Thailand gekauft werden, ist es nicht notwendig, dass in Deutschland Kaufkraft bei der breiten Masse vorhanden ist. Im Gegenteil: Umso weniger man uns bezahlen muss, umso größer fallen die Profite der Unternehmen aus. Es besteht also kein wirkliches Interesse der Wirtschaft daran, dass in der Bevölkerung Kaufkraft vorhanden ist. Und deswegen wird bei der Lobbyarbeit in den Ausschüssen nur noch gegen die Interessen der arbeitenden Bevölkerung gearbeitet und unsere Einkommen, Sozialleistungen und Rechte immer weiter beschnitten.

Natürlich sind durch das Verschwinden der Konsumgüterindustrie auch jede Menge Arbeitsplätze weggefallen. Dadurch gibt es eine große Anzahl von Arbeitslosen, deren Leben man so unangenehm wie möglich macht, damit die Leute, die noch einen Job haben, furchtbare Angst davor haben, ihn zu verlieren und sich natürlich alles gefallen lassen. De facto sind wir in Deutschland also lediglich Sklaven, mit denen man Güter produziert, die auf irgendwelchen ausländischen Märkten verkauft werden, so dass sich kein Unternehmer Gedanken machen muss, wie es der Bevölkerung in Deutschland wirtschaftlich geht.

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