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  • Publizist und Freier Dozent, von Hause aus Ingenieur sowie gelernter Mechaniker und gelernter Maurer, Querdenker, Naturfreund und -nutzer, technisch interessiert aber auch technikkritisch, glaube nicht alles was mir erzählt wird.
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Andreas Quiring  

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Biohof-Gemeinschaft Baum des Lebens

3. Oktober 2011 1 03 /10 /Oktober /2011 10:16

Euro und EU sind angeblich „alternativlos“, hören wir derzeit ständig; der gemeinsame Markt sei von existenzieller Wichtigkeit und der Löwenanteil unserer Exporte würde in Länder der EU gehen. Zeit also, sich einmal klar zu machen, was Währungsunion und gemeinsamer Markt eigentlich bewirken und wie sie funktionieren.

    Wir, also Deutschland, würden, so wird uns ferner derzeit erzählt, am meisten vom Gemeinsamen Markt profitieren und müssten daher jetzt Opfer bringen – also zahlen – damit Euro, EU und der Gemeinsame Markt gerettet würden. Da scheint insofern richtig zu sein, als das wir tatsächlich sehr viel Umsatz mit Ländern dieses Gemeinsamen Marktes machen. Als kleiner Mann merkt man jedoch nichts von den Vorteilen dieser Eurozone, jedenfalls nicht in Form von mehr Geld in der Tasche – so wie ja auch der jüngste „Aufschwung“ nicht in dieser Form bei uns angekommen ist. Was also ist faul an der Sache mit dem Euro und der Eurozone,dem so genannten Gemeinsamen Markt?

Der Wert einer Währung

   Um das „Wunder“ der tollen Umsätze und Gewinne zu erklären, die in letzter Zeiten mit Exporten in Länder gemacht wurden, mit denen früher nichts oder nicht viel zu verdienen war, muss man sich zunächst einmal klar machen, wie Währungen eigentlich funktionieren. Der (Außen-)Wert der Währung eines Landes, ihr Wechselkurs, ist – abgesehen von Einflüssen durch Spekulationen – davon abhängig, inwiefern das jeweilige Land Dinge liefern kann, die in anderen Ländern gefragt sind.

   Wir in Deutschland stellen allerhand Dinge her, die im Ausland gerne gekauft werden. Daher nahm man zu ihrer Zeit unsere DM gerne überall an; schließlich konnte man dafür viele schöne Dinge bekommen. Anders ist es etwa mit pakistanischen Rupien oder türkischen Lire: Diese Länder haben nicht viel, dass sie ins Ausland verkaufen können, daher will niemand ihr Geld haben, es hat daher auch einen niedrigen Wechselkurs.

Terms of Trade

   Das bedeutet realwirtschaftlich betrachtet nichts anderes als dass solche Länder viel von ihren eigenen (wenig gefragten) Waren hergeben müssen um wenig (begehrte) Waren aus anderen Ländern zu bekommen. Dieses Verhältnis nennt man übrigens auch „Terms of Trade“. Die Terms of Trade kann z.B. an solchen Dingen ablesen wie der Menge Kaffee, die ein äthiopischer Kaffeepflanzer erzeugen muss, um sich einen Traktor aus Europa zu kaufen.

   Auch in Europa gab es Länder, die schlechtere Terms of Trade hatten. Man erkannte sie daran, dass man dort billig Urlaub machen konnte, weil man dort für sein Geld viel mehr bekam als bei uns. Griechenland und Italien zum Beispiel waren solche Ländern. Ich war beispielsweise 1973 einmal in Italien und musste für eine Lira etwa 0,4 Pf. bezahlen. Die von mir damals gefühlte Kaufkraft einer Lira war aber in etwa die eines ganzen Pfennigs – zumindest hinsichtlich der Dinge, für die ich als voll verpflegter Zeltlagerteilnehmer mein Geld so ausgab: Zigaretten, Getränke, Kneipe, Eis... Mit Nahrungsmitteln, Restaurantbesuchen, Übernachtungen usw. kann es jedoch nicht sehr viel anders gewesen sein, denn sonst wäre Italien ja kein billiges Urlaubsland gewesen.

Export in Länder mit schlechten Terms of Trade

   Das Problem mit dem Export in Länder mit schlechten Terms of Trade ist nun das, dass deren Währungen nicht stabil sind, sondern meist im Kurs fallen. Wenn man nun in ein solches Land exportiert ist dabei nicht viel zu verdienen: Für den Preis in Drachmen, den man beispielsweise für eine Lieferung nach Griechenland vereinbart hatte, bekam man nach Lieferung der Ware und Erhalt der Bezahlung weniger DM als man mit dem Wechselkurs zum Zeitpunkt der Lieferung kalkuliert hatte.

   Im Prinzip war es bei Lieferung in Länder wie Griechenland also so, als wenn man einen armen Kunden hat, dem man jeweils nachträglich von der Rechnung etwas erlassen muss, weil er nicht in der Lage ist, den vollen Preis zu bezahlen. Dass solche Länder so keine interessanten Märkte für Firmen aus den wirtschaftlich starken Ländern sind, lässt sich leicht denken.

Das (scheinbare) Wunder des Euro

   Nun wollen Firmen jedoch möglichst viel verdienen, müssen dazu möglichst viel umsetzen und sind daher immer daran interessiert, neue Märkte zu erschließen. Die ärmeren EU Länder wären tolle Märkte gewesen, nur bestand mit ihnen da beschriebene Problem, dass man schließlich mit dem Euro – und zuvor schon ansatzweise mit der Währungsschlange – „löste“.

   Nachdem jetzt beispielsweise auch Griechenland den Euro hatte, konnte man bei einem Exportgeschäft mit einem griechischen Unternehmen einen Preis vereinbaren, liefern und nahm dann mit Bezahlung der Rechnung die vereinbarte Summe ohne Kursverluste auch tatsächlich ein. Dadurch war für deutsche Unternehmen mit Exporten nach Griechenland und ähnliche Länder der Eurozone alles in bester Ordnung, man konnte mit diesen Ländern endlich auch einmal richtig Geld verdienen.

Eine gemeine Frage und eine unangenehme Tatsache

   Nun kam aber wohl niemand – zumindest keiner, dem man dafür in den Medien ein echtes Podium gab – auf die Idee, zu fragen, wieso Länder wie Griechenland jetzt auf einmal zahlungskräftige Kunden, also tolle Märkte waren. Schließlich hatte die Einführung des Euro nichts, aber auch gar nichts an der griechischen Realwirtschaft geändert: Die erzeugte nämlich jetzt auch nicht mehr im Ausland Gefragtes als vorher.

  Man muss bei derartigen Betrachtungen nämlich immer eines im Auge behalten: Handel ist immer Tauschhandel, auch wenn das in Zeiten von Finanzierungen, Geldanlagen und angeblich „arbeitendem“ Geld gerne vergessen wird. Der Umstand, dass man Geld als Hilfsmittel einsetzt, ändert nichts an der Tatsache, dass ein Land mit schwacher Realwirtschaft nur wenig im Austausch gegen importierte Güter geben kann. Das ist nicht anders als bei einem Bauernhof zu Zeiten des Tauschhandels. Wer auf seinem Hof, z.B. aufgrund geringer Größe und/oder schlechter Klima- und Bodenbedingungen nur wenig und mäßig Gefragtes produzieren konnte, konnte dafür auch nur wenig von den Gütern eintauschen, die er nicht selbst herstellte und war daher in der gleichen Lage, in der heute Länder mit wenig entwickelter Realwirtschaft sind.

Was der Euro bewirkte

   Nun ist also klar, dass die scheinbar guten Geschäfte, die man mit Griechenland seit der Einführung des Euro machen konnte, ganz einfach nicht gedeckt waren: Griechenland hat von den stärkeren EU-Ländern Güter bekommen, ohne dass diese dafür im gleichen Wert Güter aus Griechenland bezogen hätten. Im Grunde haben wir daher Güter, also Waren und Dienstleitungen dorthin geliefert, ohne dafür voll bezahlt zu werden.

   Trotzdem haben die Unternehmen, die nach Griechenland exportiert haben, zunächst nichts verloren. Das liegt daran, dass die Griechen dafür in Euro bezahlt haben und nicht wie früher in Drachmen. Die Tatsache, dass man einen Teil der nach Griechenland gelieferten Güter in letzter Konsequenz verschenkt hat, ganz einfach weil wir mehr exportieren als importieren, fiel so zunächst überhaupt nicht auf.

Die Rolle der Banken und des Zinses

   Warum ist diese Sache eigentlich nicht aufgefallen? Das lässt sich erklären, wenn man die Rolle des Zinses berücksichtigt und die Tatsache, dass auch wir, die wirtschaftlich stärkeren EU-Länder, hoch verschuldet sind. Dadurch floss ein großer Teil der Einnahmen aus Exporten nach Griechenland aus den Kassen der exportierenden Länder in Form von Zinsen zu Banken und „Investoren“.

   Diese Geld konnte daher nicht in Form von Lohn an die Arbeitnehmer verteilt werden. Das ist übrigens nicht nur bei Exporten nach Griechenland der Fall, sondern ganz allgemein: Weil immer mehr Geld als Zins aus dem Umlauf abfließt, hat niemand mehr welches. Das schmälert schon einmal die Einnahmen der Unternehmen, weil sie immer billiger werden müssen, da niemand mehr Geld hat. Von den verbleibenden Einnahmen müssen aber auch die Unternehmen immer mehr Zinsen bezahlen, so dass immer weniger für die Löhne übrig bleibt. Das ist der Grund dafür, dass wir immer mehr für immer weniger Geld arbeiten sollen.

   Wäre der Zins nicht, hätte übrigens die ganze Sache mit dem Euro-Beitritt von Griechenland und den anderen wirtschaftlich schwächeren Staaten vielleicht sogar klappen können: Mit den Euros aus den Erlösen der Exportgeschäfte mit diesen Ländern hätte man genau dort ja wieder Waren nachfragen können. Dass dies auch tatsächlich passiert wäre, dafür hätte man ja eventuell mit geeigneten EU-Subventionen sorgen können.

   Vielleicht war das ja in etwa auch so gedacht. Unter den gegebenen Umständen jedoch konnte es so nicht klappen, da zu viel von den Exporterlösen aus schwächeren Ländern durch den Zins aus dem Geldkreislauf abgezogen wurde und zu wenig unter die Leute kam, als dass dadurch zusätzliche Nachfrage nach Gütern aus Griechenland und Co. entstehen konnte, die eine Entwicklung der Realwirtschaften dieser Länder stimuliert hätte.

Wohlstand auf Pump

   Ehrlich gesagt, mir geht das Messer in der Tasche auf, wenn ich höre, dass der Masse der einfachen Leute in einem Land gesagt wird, sie hätten „über ihre Verhältnisse“ gelebt. Genau das haben die Griechen jedoch getan, was jedoch keineswegs rechtfertigt, die griechischen Normalbürger als „Pleite-Griechen“ zu diffamieren: Zum einen kann man es keinem Arbeitnehmer vorwerfen, wenn er das Geld annimmt, das man ihm für seine Arbeit bietet bzw. wenn er dafür so viel verlangt, wie er nur bekommen kann. Zum anderen blieb den Griechen ja gar nichts anderes übrig, denn natürlich stiegen mit der Einführung des Euros dort auch die Preise.

   Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass mehr Geld aus Griechenland in die Kassen der Unternehmen in anderen EU-Ländern floss, als griechische Unternehmen mit Exporten ins Land brachten. Es flossen also auch mehr Güter nach Griechenland, als die Griechen nach außen lieferten. Trotzdem sah alles toll aus, denn die Exporte der Länder mit stärkeren Realwirtschaften wurden ja auf heller und Pfennig bezahlt. Da wir die stärksten Hersteller von Gütern in der EU sind, sah es daher natürlich so aus, als wenn wir tatsächlich vom Euro und dem Gemeinsamen Markt erheblich profitierten.

   Die große Frage, die allerdings keiner stellte, ist nun die, woher nun das ganze Geld kam, dass die Griechen für Importe ausgaben, aber gar nicht mit Exporten verdienten.Die traurige Wahrheit: Es war gepumpt.

   Dadurch, dass Griechenland im Euro war, konnte der griechische Staat auch Kredite in Euro aufnehmen. Über die Gehälter von Beschäftigten bei der Öffentlichen Hand und sonstige Staatsausgaben kamen diese gepumpten Euros unter die Leute und erzeugten die Nachfrage nach Importgütern – ließ Länder wie Deutschland also (scheinbar) von der Eurozone profitieren.

Irgendwann ist der Ofen aus

   Der griechischen Volkswirtschaft ging es also wie einem einzelnen Menschen, der sich mit geliehenem Geld mehr leistet als seinem Einkommen entspricht: Das geht ein Weile gut, denn zunächst kann er die bereits laufenden Kredite, wie seine überzogenen Ausgaben auch, aus immer neuen Krediten bedienen. Irgendwann wachsen ihm jedoch die Schulden über den Kopf und es kommt die große Pleite.

   Und genau das ist auch Griechenland passiert. Erschwerend kam hinzu, dass wie gesagt Griechenland kaum Möglichkeiten hatte, sich die für Importe ausgegebenen Euros von uns wieder zurück zu verdienen. Selbst wenn Griechenland von seiner Realwirtschaft her in der Lage gewesen wäre, verstärkt Güter in den Euroraum zu verkaufen, hätte das nicht geklappt: Ein großer Teil der von dort zu uns kommenden Euros landete durch unsere eigene Überschuldung in Form von Zins bei Banken und „Investoren“ und nicht in unseren Taschen, wo sie Nachfrage nach griechischen Gütern hätten erzeugen können.

   Wir hatten also kaum Möglichkeiten, die Griechen die Euros wieder zurück zu verdienen zu lassen, die wir von ihnen für unsere Exportgüter bekamen. Stattdessen mussten sie, wenn die Party weitergehen sollte, sich diese von genau den Banken und Investoren leihen, die sie uns aus der Tasche gezogen hatten. Und natürlich bleibt die Frage, ob Griechenland, selbst wenn uns mehr von den Exporterlösen geblieben wäre, auf absehbare Zeit in die Lage gekommen wäre, ausreichend zu exportieren, um seine Importe aus Exporterlösen bezahlen zu können.

Wer bezahlt die Zeche?

   Da nun der Punkt erreicht wurde, an dem die Griechen ihre Kredite nicht mehr bedienen konnten, ist das ganze Kartenhaus zusammengefallen. Die Forderungen an Griechenland leiden Not.

   Wenn ein ordentlicher Kaufmann mit Zitronen gehandelt hat, indem er jemandem Kredit gewährt hat, der ihn dann nicht bezahlen kann, muss er die Not leidenden Forderungen abschreiben. Es ist nun eben eine ganz normale Sache, dass man, wenn man verdienen will, unternehmerische Risiken selbst zu übernehmen und die Folgen zu tragen hat, wenn ein Geschäft nicht so ausgeht, wie man das gerne gehabt hätte. Nicht so jedoch die Banken: Die schreien jetzt lauthals nach dem Staat, damit er ihnen mit unseren Steuergeldern ihre Verluste ersetzt.

Seriös beschissen

   Man muss ja schon direkt den Hut davor ziehen, wie seriös wir mit dem Euro und der Eurozone, dem so genannten Gemeinsamen Markt beschissen werden. Seriös in dem Sinne, dass bei der ganzen Chose gegen kein einziges Gesetz verstoßen wurde und alles ganz toll und reell aussah, obwohl wir, die einfachen arbeitenden Menschen dabei nach Strich und Faden beschissen wurden: Wir haben den realwirtschaftlich schwächeren Ländern der Eurozone von uns erzeugte Güter geliefert, ohne dafür von ihnen erzeugte Güter im gleichen Wert zurück bekommen zu haben. Und jetzt sollen wir auch noch der Finanzindustrie den Schaden ersetzen, den sie davon hat, Geld an Länder verliehen zu haben, die es nicht zurückzahlen können. Geld noch dazu, dass sie uns in Form von Zinsen vorher aus der Tasche gezogen hat.

 

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7. August 2011 7 07 /08 /August /2011 12:38

Unlängst gab es ja eine saftige Tabasteuererhöhung, vor allem zu Lasten der Selberdreher und -stopfer: Mein 40-Gramm-Päckchen De Moriaan vom Aldi kostet jetzt 4,10 € anstatt 3,40 €. Wie man jetzt bei Spiegel Online lesen kann, ging diese Geschichte wenigstens für den Fiskus und die Zigarettenindustrie gründlich in die Hose, was mich diebisch freut, obwohl ich nichts davon habe.

     Wie man im oben verlinkten Artikel lesen kann, werden jetzt noch mehr geschmuggelte Zigaretten geraucht als vorher, was die Mehreinnahmen des Staates pro Schachtel legal gekaufte wieder aufzehrt. Recht so! Wer zu gierig ist, dem geschieht nur Recht, wenn er nachher weniger hat als vorher.

     Aber auch die Zigarettenindustrie barmt über Mindereinnahmen durch den Trend zum steuerfreien Glimmstengel vom freundlichen Mann an der Bahnhofsecke. Denen gönne ich das ebenfalls von Herzen, denn sie sind, wie ich schon länger einmal gelesen habe, einen Deal mit unseren Regierigen eingegangen: Für ihr Stillhalten im Vorfeld der Steuererhöhung wurden sie damit belohnt, dass die Steuer auf Tabak zum Drehen und Stopfen sowie auf Prekaretten (so nenne ich die Billig-Zigarillos, welche arme Leute anstatt Zigaretten rauchen) stärker erhöht wurde als die auf Aktive (fertige Kippen). Damit wollten die Glimmstengelmacher dem von den vorangegangenen, bereits mehr als unverschämten Steuererhöhungen verursachten Trend zu Prekaretten, Stopfen und Drehen entgegen wirken, was zu meinem außerordentlichen Vergnügen gründlich in die Hose gegangen ist.

   Ebenfalls ausgebremst hat sich Rabenvater Staat hinsichtlich seiner scheinheiligen Gesundheitsbemühungen: Bei der Schmuggelware gibt es natürlich keine Kontrolle der Nikotin- und Kondensatwerte. Und auch die Kids kommen leichter an Fluppen, denn der Mann mit den Jin Ling in den Innentaschen seiner Bomberjacke lässt sich keinen Perso zeigen.

   Ein weiterer unangenehmerer Effekt von Raucherhatz, Passivrauchhype und Steuergier bei den Kippen: Unser ach so weiser Staat hat damit eine neue kriminelle Industrie gezüchtet, die von den Ausmaßen her bereits mit dem illegalen Waffen- und Drogenhandel verglichen wird. Insgesamt lässt sich also die Raucher- undTabaksteuerpolitik der letzten Jahrzehnte unter dem folgen Titel zusammenfassen: "Wie man sich erfolgreich selbst auf die Schuhe pinkelt..."   

 

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2. Juni 2011 4 02 /06 /Juni /2011 14:59

Neben den etablierten Währungen gab und gibt es immer wieder alternatives Geld wie Regionalgelder oder Tauschringwährungen. Teilweise funktionier(t)en Sie recht gut wie seinerzeit der Wörgler Schilling, teilweise sind sie im Grund nur eine Spielerei, wie diverse derzeitige Regionalwährungen, die mit Euros hinterlegt sind.

   Die meisten alternativen Währungen haben noch relativ wenig Bedeutung, auch wenn sie natürlich im Prinzip immer Experimentierfelder darstellen, auf denen Erfahrungen mit Geldsystemen gewonnen werden. Diese Erfahrungen können wertvoll werden, dann nämlich, wenn es ernst wird, weil das "richtige" Geldsystem zusammenbricht und es darum geht, schnell alternatives Geld zu schaffen, um die reale Wirtschaft wenigstens in der Region am Laufen zu halten.

   Wie wenig die existierendenRegionalgelder derzeit noch bewirken, sieht man daran, dass sie von Staat und Banken geduldet, ja sogar wohlwollend behandelt werden. Wenn ein alternatives Geld anfängt, etwas zu bewirken, wird es sofort bekämpft, wie das seinerzeit beim Wörgler Schilling oder bei der Wära der Fall war. Wenn Staat und etablierte Finanzwirtschaft beginnen, sich für eine alternatives Geld zu interessieren, ist das daher ein sicheres Zeichen dafür, dass es das Potential besitzt, etwas zu bewirken.

   Genau das ist jetzt bei einem alternativen Geld passiert, das es schon seit 2009 gibt, das aber erst jetzt auf einmal in den Fokus der Medien und vor allen Dingen der vom derzeitigen Geldsystem Profitierenden gerückt ist.

   Es geht um den Bitcoin. Der Bitcoin ist eine alternative Währung, die wie Buchgeld nur in Computern existiert, dabei jedoch gleichzeitig die wichtigsten Eigenschaften von Bargeld hat: Es lässt sich nämlich nicht durch Kreditvergabe beliebig vermehren und es ist anonym.

   Ein Bitcoin ist im Grunde nichts anderes als eine Zahlenfolge, die bestimmte mathematische Bedingungen erfüllt. Diese Bedingungen sind so kompliziert, dass es einen gewaltigen Rechenaufwand erfordert, eine solche Zahlenfolge zu finden. Das Errechnen und Verwalten der Bitcoins besorgt eine Community, das Ganze ist nämlich ein Open-Source-Projekt.

   Im Prinzip ist das Ganze eigentlich nichts anderes als ein Buchungssystem, nur dass es eben anonym ist. So wie der Besitzer einer Summe Bargeld derjenige ist, der die jeweiligen Scheine oder Münzen besitzt, ist der Besitzer einer Summe in Bitcoins, derjenige, der die Kennungen der entsprechende Bitcoins kennt bzw. auf seinem Computer hat. Die Kennung eines Bitcoins wird verändert, wenn er ausgegeben wird, so dass man denselben Bitcoin sowie eine Münze oder einen Banknote immer nur einmal ausgeben kann.

   Die ganze Organisation der Generierung und Weitergabe von Bitcoins wird von einem verteilten System aus sehr vielen Rechnern erledigt, so dass sich der Fluss der Bitcoins genauso wenig überwachen lässt, wie der von Bargeld.

   Mittlerweile hat eine ganze Reihe von Experten festgestellt, dass dieses System funktioniert. Genau das ist wohl auch der Grund dafür, dass sich neuerdings eine ganze Menge von Leuten und Organisationen für den Bitcoin zu interessieren beginnt, unter anderem auch die CIA. Mit dem Bitcoin lassen sich nämlich im Prinzip sämtliche Kontrollmöglichkeiten aushebeln, die das herkömmliche Geldsystem staatlichen Stellen und Banken an die Hand gibt: Weder lässt sich die Menge der vorhandenen Bitcoins kontrollieren, noch können Konten eingefroren oder Wege von Zahlungen nachvollzogen werden.

    Das macht den Bitcoin natürlich für jeden interessant, der sich bei seinen Geldtransaktionen nicht in die Karten schauen lassen möchte. Außerdem fallen beim Gebrauch von Bitcoins keinerlei Überweisungs- oder Kontoführungskosten an. Nahezu unbemerkt von den Mainstreammedien hat sich der Bitcoin bereits zu einem gewissen Grade etabliert. Man kann schon an vielen Stellen damit bezahlen und es gibt Wechselkurse zu herkömmlichen Währungen. Übrigens hat die Hacker-Währung seit ihrer Entstehung gewaltige Kursgewinne verzeichnen können: Entsprach vor zwei Jahren ein Bitcoin zunächst nur wenigen Cents, ist er heute bereits mehrere Dollar wert.

   Das hat natürlich eine ganze Menge Leute aufgeschreckt. So hat beispielsweise der Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) das Projekt scharf kritisiert und ein gesetzliches Verbot gefordert. Und wie gesagt: Auch die CIA interessiert sich bereits dafür.

   Die Frage ist nur, ob sich ein gesetzliches Verbot des Bitcoin überhaupt durchsetzen lässt. Verbieten kann man nur etwas, das man kontrollieren kann und der Bitcoin wurde ja als ein Zahlungsmittel gemacht, dessen Gebrauch niemand kontrollieren kann. Einige Leute sehen ihn daher auch als Mittel, die totale staatliche Kontrolle des Zahlungsverkehrs durch ein Bargeldverbot wie es in Schweden bereits gefordert wurde zu unterlaufen. Das Lustige daran: Die schwedischen Argumente, für ein Bargeldverbot, nämlich die dort angeblich so häufigen Raubüberfälle, ziehen beim Bitcoin nicht. Wer den verbieten will, zeigt, dass es ihm um etwas anderes geht, nämlich um vollständige Kontrolle der Menschen. 

Mehr Infos zum Bitcoin

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20. Januar 2011 4 20 /01 /Januar /2011 11:42

     Eine der Seiten, auf die ich morgens immer als erstes einen Blick werfe ist mmnews.de. Nicht immer finde ich etwas wirklich Interessantes, aber doch so oft, dass es einen regelmäßigen kurzen Blick lohnt. Auch heute habe ich mal wieder etwas gefunden: Sozial ist, was Arbeit schafft? Das könnte so manchem, der heute noch blind den Parolen von Kostensenkung, Standortfaktoren und internationaler Konkurrenzfähigkeit nachläuft, einen Anstoß geben, einmal zu hinterfragen, was uns erzählt wird. 

     In die Hintergründe zu Geldsystem und Zins, auf die dort angespielt wird, kann man sich übrigens bei mir hier auf dem Blog einlesen und zwar in der Artikelreihe "Wo kommt eigentlich das Geld her?".

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3. Dezember 2010 5 03 /12 /Dezember /2010 13:36

Geld ist nur etwas wert, wenn es in der einen oder anderen Art gedeckt ist. „Gedeckt“ bedeutet, dass man mehr oder weniger eine Garantie dafür hat, etwas für sein Geld zu bekommen. Modernes Fiat Money, so sagt man leichthin, wird durch die Wirtschaftskraft des Landes gedeckt, dessen Banken es erzeugen. Doch wie genau funktioniert das? Kann es nicht passieren, dass das örtliche, gesetzliche Zahlungsmittel einfach von niemandem mehr genommen wird und es so seinen Wert verliert?

Verschiedene Möglichkeiten, Geld zu decken

   Eine Deckung im eigentlichen Sinne war zum Beispiel bei einer Art von Geld vorhanden, die es bei den alten Ägyptern gab: Man konnte damals Korn bei staatlichen Lagerhäusern einlagern und erhielt dafür als Quittung Tontäfelchen. Diese Tontäfelchen wurden auch als Zahlungsmittel eingesetzt, waren also eine Art von Geld. Geld, das durch Ware gedeckt war, denn man konnte sich ja für seine Tontäfelchen jederzeit die entsprechende Menge Korn abholen.

   Geld wurde früher auch sehr oft durch Edelmetalle gedeckt. Es gab Gold- und Silbermünzen, deren aufgeprägter Wert ihrem Metallwert entsprach beziehungsweise dadurch entstand. Da Gold und Silber schwer sind und es mühselig war große Geldbeträge in dieser Form zu transportieren, entwickelte sich die Banknote: Sie war zunächst nichts anderes als eine Quittung für Gold, das man bei einer Niederlassung eines Handelshauses hinterlegt hatte und mit der man bei einer anderen die entsprechende Menge abholen konnte.

   Daraus entwickelte sich das System der Golddeckung: Das Gold wurde bei einer Zentralbank gelagert und die gab auch die Banknoten aus. Sie garantierte dafür, dass man gegen Einlieferung dieser Banknoten jeweils die entsprechende Menge Gold bekam, was früher, zu Zeiten der Golddeckung des Dollars, zum Beispiel auch auf den amerikanischen Geldscheinen stand.

   Das System der Golddeckung des Geldes wurde aber mittlerweile praktisch überall schon wieder abgeschafft. Es hat tatsächlich einige Nachteile, von denen einer darin besteht, dass es heutzutage wohl überhaupt nicht mehr genug Gold gibt, um das viele Geld zu decken, das nötig ist um die vielen Werte zu bewegen, die es heute gibt.

   An Stelle des goldgedeckten Geldes ist heute weltweit das „Fiat Money“ getreten. „Fiat“ ist lateinisch und bedeutet „es werde“. Fiat Geld entsteht ganz einfach dadurch, dass Zentral- oder Geschäftsbanken Kredite vergeben, wie bereits in der Artikelreihe „Wo kommt eigentlich das Geld her?“ erläutert wurde.

Fiat Money ist genau genommen leistungsgedecktes Geld

   Gedeckt ist dieses Geld auf den ersten Blick lediglich dadurch, dass so gut wie jeder es akzeptiert und man damit praktisch alles kaufen kann. Hier muss man genau hinsehen: Ein gesetzlicher Zwang es anzunehmen existiert keineswegs, auch wenn das jeweilige Geld eines Landes – wie bei uns der Euro – den Status eines „gesetzlichen Zahlungsmittels“ hat.

   Tatsächlich ist jemand nur gezwungen, Euros anzunehmen, wenn ihm einer etwas schuldet. Ein Zwang, etwas gegen Euro zu verkaufen besteht vielleicht de jure, keineswegs jedoch de facto: Wenn ein Maler nicht bereit ist, mein Wohnzimmer gegen Euros zu tapezieren, kann ich ihn dazu nicht zwingen. Er muss lediglich, wenn er bereits gearbeitet hat, Euros zur Bezahlung seiner Rechnung annehmen und kann nicht etwa Schweizer Franken oder Dollar verlangen.

   Nun bringt die Tatsache, dass unser sämtliches vorhandenes Geld von den Banken geliehenes Geld ist, aber noch etwas mit sich, was wenig beachtet wird: Auch wenn viele Menschen ihr Geld nicht geliehen, sondern verdient haben, gibt es zu der gesamten Geldmenge Schuldner. Diejenigen nämlich, die sich das Geld ursprünglich ausgeliehen haben, um damit etwas zu kaufen, also andere etwas verdienen zu lassen und so diese Geld in Umlauf zu bringen. Diese Schuldner müssen ihre Kredite natürlich samt Zinsen in Euros zurück bezahlen und können daher Euros jederzeit gut gebrauchen. Und das wiederum bedeutet nichts anderes, als dass sie jederzeit bereit sind, für Euros zu arbeiten oder zu verkaufen.

   Beim genauen Hinsehen, auf den zweiten Blick also, stellt man fest, dass es im Grunde die Leute sind, die Schulden haben, die den Wert des heutigen Geldes, des Fiat Money, mit ihrer Wirtschaftskraft decken: Zwar kann niemand gezwungen werden, gegen Bezahlung mit dem jeweils gültigen gesetzlichen Zahlungsmittel zu leisten, er wird es, wenn er Schulden hat, jedoch jederzeit gerne tun, da er mit dem Geld seine Schulden tilgen und seine Zinsen bezahlen kann: Selbst wenn man sonst niemanden finden würde, der einem für Euros etwas gibt, würden es diejenigen tun, die Schulden in Euros haben. Und weil diese – so wie man früher bei der Notenbank immer Gold für sein Geld bekam – jederzeit für Geld zu leisten bereit sind, nehmen – ebenfalls wie zu Zeiten der Golddeckung – auch alle anderen dieses Geld.

   Das muss man sich einmal sinnig geben: Die Leute, die sich Geld bei einer Bank leihen um dafür etwas zu kaufen, sorgen dafür, dass überhaupt Geld entsteht, dass es in Umlauf kommt und die Wirtschaft laufen kann. Gleichzeitig decken sie mit ihrer Wirtschaftskraft dieses Geld. Und dafür bekommen sie nicht etwa etwas, sondern müssen, im Gegenteil, dafür noch in Form von Kreditzinsen an die Bank bezahlen!

   Überlegt man sich die Sache anders herum, wird klar, dass es gar nicht anders sein kann und Fiat Money ohne Schulden und Zinsen eine sehr wackelige Sache wäre. Würde der Staat das Geld einfach drucken und auf die eine oder andere Art unter die Leute bringen, wüsste man nicht wirklich, ob einem jemand etwas für dieses Geld gibt: Es wäre ja niemand da, der, so wie die Schuldner beim Fiat Money, dieses Geld immer gebrauchen kann.

   Das so etwas tatsächlich passieren könnte, kann man am Beispiel der Mark der DDR sehen: bestimmte Güter konnte man selbst in bestimmten staatlichen (!) Läden für sie nicht kaufen, sondern musste dafür Westmark oder Dollars hinlegen, weil die Besitzer der Ware einfach nicht bereit waren, sie gegen Mark der DDR herzugeben. Das konnten sie sich nur deshalb leisten, weil sie keine oder keine nennenswerte Bankschulden in Mark der DDR hatten, für deren Bedienung sie diese gebraucht hätten. Selbst wenn ein Verkäufer doch solche Schulden gehabt hätte, wäre das kein Problem gewesen: Weil im Grunde niemand die Mark der DDR wollte oder dringend brauchte, hätte er sie für „Däwiesn“ jederzeit günstig schwarz bekommen können.

Ist Fiat Money also eine tolle Idee?

   So gesehen ist das auf Schulden basierende Fiat Money eine geniale Idee. Nur hat es eben den Fehler, dass es nur eine endliche Zeitspanne funktionieren kann. Wie ich ja in der erwähnten Artikelreihe gezeigt habe, wird durch Zins und Zinseszins die Menge des frei zirkulierenden Geldes immer kleiner, weil dieser dafür sorgt, dass dieses Geld immer dorthin fließt, wo schon viel Geld vorhanden ist. Das bedeutet aber, dass Banken und Investoren mit der Zeit nicht nur die Wirtschaft, sondern schließlich auch sich selbst erwürgen. Ist nämlich erst einmal die Wirtschaft durch den Zins abgewürgt, ist nichts mehr da, das beliehen werden kann, um neues Geld als Ersatz für dasjenige zu erzeugen, das durch den Zins aus dem Kreislauf herausgezogen wird. Sprich: Es niemand mehr „gut“ für einen Kredit. Damit fällt auf dem Kreditsektor schon einmal das Neugeschäft der Banken aus.

   Zusätzlich können jedoch auch alte Forderungen der Banken nicht mehr vollständig bedient werden, denn das Geld dafür muss aufgrund des Zinses ja zum Teil aus neuen Krediten kommen. Sie werden zu Not leidenden Forderungen wie es im Jargon der Kaufleute heißt und müssen schließlich abgeschrieben werden, wenn ihnen keine Sicherheiten entgegenstehen, auf welche die Banken ihre Hand legen können. Dadurch machen die Banken dann buchhalterisch Miese – auch wenn sie 98% (bei den derzeit in der Eurozone gültigen 2% Mindestreserve) des Geldes, das ihnen jetzt fehlt, nie besessen haben: Es steht auf den Kreditkonten ihrer Schuldner und muss ausgeglichen werden – mit eigenem Geld, wenn es bei den Schuldnern nichts mehr zu holen gibt.

   Hat die Bank für einen auf diese Weise platzenden Kredit physische Sicherheiten, ist das nicht weiter schlimm: Die Miesen, die entstehen, weil das Kreditkonto nicht ausgeglichen wird, werden aufgewogen, weil die Sicherheiten – zum Beispiel Immobilien – in das Eigentum der Bank übergehen. Dadurch bleibt die Bilanz ausgewogen.

     Auch das muss man sich einmal sinnig geben: Einer leiht sich Geld von der Bank z.B. 100 000 € und setzt dafür eine Immobilie als Sicherheit ein. Er kann nun das Geld nicht zurückzahlen und die Bank legt ihre Hand auf die Immobilie. Damit hat sie praktisch eine Immobile im Wert von 100 000 € mit 2000 € Eigenkapital erworben. Darauf beläuft sich nämlich ihr tatsächlicher Einsatz an Geld, das sie selbst aufbringen musste: die 2% Mindestreserve, die sie haben musste um den Rest der 100 000 € beim Verleihen aus dem Nichts zu erschaffen!

Pleiten haben auch ihre guten Seiten

   Schlimmer wird es, wenn dem Kredit keine wirkliche Sicherheit gegenübersteht. Das kann der Fall sein, wenn die Sicherheit etwa aus Wertpapieren besteht, die inzwischen ihren Wert verloren haben. Dann hat die Bank buchhalterisch einen Verlust in Höhe der ausstehenden Forderung gemacht, obwohl sie ursprünglich nur 2% der Kreditsumme selbst eingebracht hat. Diese Geld fehlt in ihrer Bilanz und wenn sich solche faulen Kredite häufen gerät die Bank in Schieflage.

   Bei genauem Hinsehen sind solche geplatzten Kredite eigentlich ein Segen für die Wirtschaft: Die ursprüngliche Kreditsumme ist ja in den Wirtschaftskreislauf geflossen. Jetzt braucht sie nicht mehr zurückgezahlt werden und kostet auch keine Zinsen mehr. Sie ist im Prinzip zu Geld geworden, das tut was es soll, nämlich umlaufen und dafür sorgen, dass Waren und Dienstleistungen fließen können.

   Doch auch hier besteht nicht allzu viel Grund zu hämischer Freude: Wenn es nämlich ein große oder gar „systemrelevante“ Bank ist, die in Schieflage gerät, kommen ihre Manager zu Vater Staat gelaufen, damit er ihr Institut retten soll. Das tut der dann auch – und zwar mit unserem Steuergeld, das dann nicht mehr da ist um für anständige Schulen, Straßen, Kindergärten, Gesundheitswesen, Renten und all diese Dinge zu sorgen. Und er hält damit ein System am Leben, das dem arbeitenden Menschen, egal ob Unternehmer, Arbeiter oder Angestellter, von der Wiege bis zur Bahre das Geld aus der Tasche zieht, ohne dafür eine wirkliche Gegenleistung zu erbringen.

   Noch Fragen? Eigentlich müsste man ja den Hut vor denjenigen ziehen, die sich da etwas ausgedacht haben, mit dessen Hilfe wir so seriös beschissen werden...

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16. Oktober 2010 6 16 /10 /Oktober /2010 11:03

Beim Streit um das Bahnprojekt Stuttgart 21 einschließlich der Schnellbahntrasse Wendlingen – Ulm prallen Meinungen und Interessen aufeinander. Tatsächlich geht es hier aber nicht nur um ein Bauprojekt sowie die Veränderungen, die es für unsere Um- und Lebenswelt bedeutet. Es geht auch um viel Grundsätzlicheres.

   Natürlich verschandelt Stuttgart 21 das gewachsene und vertraute Stadtbild von Stuttgart, natürlich sind die Bedenken wegen der Mineralquellen mehr als berechtigt und natürlich sind die Kostenargumente gegen das Projekt erdrückend. Es geht aber um mehr: Stuttgart 21 beruht auf einem Paradigma, dass, wie sich mehr und mehr zeigt, ausgedient hat: Der Globalisierung und der Europa-Euphorie. Gleichzeitig ist es auch ein Auswuchs des verzweifelten Kampfes um Wirtschaftswachstum. Und der Zwang zum Wachsen ist, wie jedem klar sein sollte, der ein wenig logisch denken kann, wiederum die Folge unseres Geldsystems.

Stuttgart 21: Bereits vor Baubeginn von der Zeit überholt 

   Vor diesem Hintergrund zerbröseln die Argumente für das idiotische Geldvergraben in der Innenstadt von Stuttgart und das Durchbohren der Schwäbischen Alb, wie sie zum Beispiel vom etwas naiven – wenn nicht böswillig desinformierenden – Schreiber dieses Artikels auf Spiegel Online vorgebracht werden. Er geht nämlich davon aus, dass Europa-Wahn und Globalisierungs-Hysterie etwas Gutes sind und bestehen werden. 
  Tatsächlich sind jedoch alle beide schon so gut wie tot und gleichen Fritzchens Opa aus dem Witz, den man ans Fenster gesetzt hat, um vorzutäuschen, dass er noch lebt. Tatsache ist jedoch, dass Globalisierung und Europa weder funktionieren noch, wie man uns weismachen will, naturbedingt sind. Sie sind vielmehr lediglich eine Folge des Zinssystems: Wenn dieses nämlich die Liquidität im Inland aufgefressen hat, muss neues Geld her. Und das muss von außen kommen, wird generiert indem man, vereinfacht gesagt, gewissermaßen die Ressourcen anderer Länder verpfändet.

Stuttgart 21: Lebensqualitäts- und Umweltkiller.

   Tatsächlich entstehen durch Europäisierung und Globalisierung neben den Verwerfungen, die wir alle bemerken, vor allem auch unnötige Transporte. Da diese aber für scheinbare Wertschöpfung – alles was bezahlt wird, erhöht nach der gängigen Sichtweise das Sozialprodukt – sorgen, erzeugen sie scheinbares Wirtschaftswachstum. Daher sind sie natürlich wiederum nützlich für das Zinssystem, denn sie helfen mit, die ständig zunehmende Geldmenge mit (scheinbarer) Wirtschaftskraft zu hinterlegen. Das Schlimme an der Sache ist, dass das Zinssystem und das dadurch nötige, erzwungene Wirtschaftswachstum nicht nur unserem Lebensstandard und unserer Lebensqualität schaden, sondern auch unsere Umwelt ruinieren.
   Projekte wie Stuttgart 21 machen daher allenfalls unter dem Paradigma von Europa und Globalisierung Sinn. Wobei speziell im Fall des Stuttgarter Hauptbahnhofes sogar unter dieser Sichtweise billigere Lösungen („optimierter Kopfbahnhof“) das Gleiche leisten können. Dass die Diskussion darüber unterdrückt wird, zeigt – nebenbei gesagt – auch, dass es hier gar nicht wirklich um Verkehrsanbindung geht, sondern vor allem um Immobiliengeschäfte mit dem Areal, auf dem sich bisher noch die Gleisharfe des Bahnhofs befindet. Und sicherlich auch darum, dass man, je teurer da ganze wird, umso mehr von unserem Geld damit abgreifen kann.  
   Tatsächlich heißt die Lösung jedoch „Regionalisierung“ und da sind „europäische Anbindungen“ und „Tore zur Welt“ oder wie immer man solchen Unfug wie Stuttgart 21 nennen mag schlicht und ergreifend obsolet. Die für einen – durchaus notwendigen – Außenhandel im vernünftigen Maßstab erforderlichen Verkehrsverbindungen nach außen besitzen wir nämlich bereits.

Stuttgart 21: Das Geld kann besser verwendet werden

   Ganz allgemein betrachtet gibt es im Übrigen für das Geld, das hier in Stuttgart und auf der Schwäbischen Alb vergraben werden soll, wesentlich bessere Verwendungsmöglichkeiten: Der Personennahverkehr und der Güterverkehr. Die gehören nämlich auf die Schiene, was von der Deutschen Bahn und der Verkehrspolitik schon seit langem ignoriert wird. Stattdessen setzt man auf unsinnige Prestigeprojekte wie ICE, Transrapid oder eben auch Stuttgart 21, die, wenn sie überhaupt funktionieren, allenfalls für einige wenige Bahnkunden die Reisezeit zwischen irgendwelchen Großstädten ein wenig verkürzen.
   Und wenn wir schon einmal dabei sind: Grundsätzlich sind alle Argumente hinsichtlich irgendeines Rechtes der Deutsch Bahn AG auf den Bau von Stuttgart 21 von vorne herein hinfällig wenn eine Mehrheit der Bevölkerung gegen das Projekt ist. Die Deutsche Bahn AG ist nämlich zwar privatwirtschaftlich organisiert, gehört aber zu 100% dem Deutschen Staat – und damit uns allen. Wir alle sind also gewissermaßen Aktionäre der DB. Und das bedeutet nichts anderes, als das dieser Rüdiger Grube zu tun hat, was wir wollen, da er nämlich unser Lohnknecht ist – wie im übrigen auch sämtliche Politiker, Beamte und was sonst noch zum Staatsapparat gehört. Das sollten wir nicht vergessen.

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11. September 2010 6 11 /09 /September /2010 09:27

Selbstversorgung macht ja nicht zuletzt auch Spaß, weil es schon seinen Reiz hat, Selbsterzeugtes auf den Tisch zu bringen. Aber nicht Jeder hat die Möglichkeit, selbst zu gärtnern, zu jagen oder zu fischen. Neben den "physischen" Möglichkeiten Jagd, Sammlerei und Landwirtschaft gibt es aber auch noch eine weitere, nicht ganz so direkte Möglichkeit, Leckeres gewissermaßen aus eigenen Erträgen auf den Tisch zu bringen: Geldanlagen, deren Rendite nicht in schnödem Bargeld, sondern in Naturalien ausgeschüttet wird.

   Diese Form der Anlage ist zwar nicht gerade alltäglich, aber es gibt sie auch nicht erst seit gestern. Eine Winzerin zum Beispiel, bietet schon seit 1994 Wein als Dividende für Kapital an, das man in ihr Weingut investiert. Das Prinzip ist einfach: Der Zins wird wie bei anderen Anlagen auch aus Zinssatz und und Kapital berechnet. Nur wird er eben nicht in Bar ausgezahlt, sondern der Anleger kann dafür aus dem Sortiment des Hauses bestellen.

  Genauso funktioniert es auch bei anderen Anbietern, die andere Produkte liefern, so dass man bei entsprechender "Kapitalstreuung" jedes Jahre einen hübschen, bunten Präsentkorb zusammen bekommt, der gewissermaßen mit Selbsterzeugtem gefüllt ist. So gibt es etwa auch Bauern, die einen Hofladen betreiben, in dem man für seine Dividende einkaufen kann. Das ist nicht nur variabler, sondern liefert anstatt Besonderem für besondere Gelegenheiten Alltägliches für die Küche.

  Ein interessanter Effekt dabei ist, dass bei der Ausschüttungs des Zinses in Naturalien der üble Effekt des Zinssystemes nicht auftritt, den ich in meiner Artikelreihe "Wo kommt eigentlich das Geld her?" erläutert habe: Da der Schuldner ja kein Bargeld zur Bezahlung der Zinsen auf das geliehene Kapital aufbringen muss, muss niemand neue Schulden machen, damit die Geldanlage bedient wird. Daher ist diese Anlageform auch volkswirtschaftlich gesehen eine tolle Sache, da es der fortschreitenden Ver- und Überschuldung durch den Zinseffekt entgegen wirkt.  

 Mehr über diese recht originelle Form der Geldanlage erfährt man in diesem Artikel auf Spiegel Online. Guten Appetit!

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28. Juli 2010 3 28 /07 /Juli /2010 07:15

Heute geht alles automatisch und elektronisch. Und oft auch schnell kaputt. Mancher fragt sich da, warum das eigentlich sein muss. Schließlich gibt es für viele Dinge auch einfache Lösungen.

     Natürlich spielt bei der Übertechnisierung unserer Lebenswelt die Tatsache eine Rolle, dass der Mensch dazu neigt, alles zu machen, was er machen kann. Und natürlich auch die, dass es noch immer jede Menge Deppen gibt, die alles kaufen, was neu und angeblich toll ist. Tatsächlich geht vieles mit einfacherer Technik billiger und oft genug auch besser: Mit einer 3D-Messmaschine kann man sich zum Beispiel nicht besonders gut am Rücken kratzen, mit dem guten, alten Zollstock jedoch exzellent.

schaettere haertsfeldbahn

Man muss ja nicht gleich zur Dampfeisenbahn zurückkehren wollen - obwohl sich die ja auch exzellent mit nachwachsenden Energieträgern betreiben lässt ;-) - aber für kurze Strecken tun es die früher üblichen, einfach ausgestatten Waggons allemal. Und der Öffnungsmechanismus der Fenster fällt auch nicht wegen zu großer Hitze aus, wie die Klimaanlagen in HighTech-Zügen...

 

  Es steckt jedoch noch ein anderer Grund hinter der Überfrachtung jeglicher Gebrauchsgegenstände mit unnötiger, oft genug sogar kontraproduktiver Technik: Der Zwang zum Wirtschaftswachstum, der wiederum daher rührt, dass die Wirtschaft mit der wundersamen Geldvermehrung durch Zins mithalten muss. Weil sich die Geldmenge durch den Zins ständig aufbläht, muss die Leistung der Wirtschaft mithalten, da sonst Inflation entstehen würde. Über den Mechanismus des Zinses und die Hintergründe unserer derzeitigen Probleme steht übrigens einiges in der Kategorie "Wirtschaft und Geld" auf diesem Blog, so dass ich hier nicht tiefer einsteigen will.

  Die Wirtschaft muss also wachsen. Das tut sie, wenn jedes Jahr mehr produziert und abgesetzt wird. Dabei ist es unerheblich, ob die produzierten Waren tatsächlich einen realen Nutzwert haben; sie müssen lediglich gekauft werden. Notfalls auch auf Pump.

  Die schöne, neue Welt des HighTech ist da natürlich eine wunderbare Möglichkeit, simple Sachen sowohl zu verteuern, als auch zu bewirken, dass vollkommen funktionstüchtige alte Dinge fortgeworfen und neu gekauft werden, nur weil sie angeblich nicht mehr zeitgemäß sind. Wo sich die Leute nicht von der Werbung genug verdummen lassen, um diese Dinge zu kaufen, hilft der Staat nach: Zum Beispiel mit unverschämten Strafsteuern auf Autos, die nicht der neuesten Euro XY Abgas-Norm entsprechen oder auch mit Abwrackprämien, damit einwandfreie und betriebsfähige Autos aus dem Verkehr gezogen und durch welche mit angeblich besserer Abgastechnologie ersetzt werden. Das diese dann zusätzlich noch durch noch mehr überflüssigen Schnickschnack überteuert sind, versteht sich von selbst.

 maishaecksler

Funktioniert auch: Maisernte mit einem einfachen Maishäcksler und einem noch nicht übertechnisierten Traktor. Man sollte ruhig einmal fragen, ob es die nicht die Übertechnisierung ist, die landwirtschaftliche Produkte verteuert und den Landwirten finanziell den Hals zudrückt

 

  Ähnlich verhält es sich mit dem ökologisch und volkswirtschaftlich geradezu kriminellen LKW-Transport: Alles was hier an unnötigen Kosten erzeugt wird, zum Beispiel der Bau von zusätzlichen Straßen und auch die Reparatur der durch die LKW bedingten Überlastungschäden an Autobahnen und Landstraßen, schlägt als Wirtschaftsleistung zu Buche, steigert das Sozialprodukt und sorgt für Wachstum.

  Der Zins sorgt also über die durch ihn bewirkte Geldvermehrung dafür, dass die Wirtschaft, die doch laut Definition Bedarf decken soll, zu einem Tanz um das goldene Kalb "Wirtschaftswachstum" verkommen ist. Daran kann sich jedoch nichts ändern, solange Geld mit Hilfe von Kreditschöpfung und Zins aus dem Nichts erzeugt wird.   

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27. Juli 2010 2 27 /07 /Juli /2010 08:24

Bei YouTube02 gibt es ein sehr interessantes Video: Prof. Dr. Bernd Senf erläutert in einem Vortrag die tatsächlichen Ursachen der Wirtschaftskrise. Ganz nebenbei erfährt man auch, wo und warum in unserem Geldsystem der Wurm steckt.

Ein sehr interessanter Vortag, allerdings muss man eine wenig Sitzfleisch mitbringen, denn natürlich lässt sich ein derart komplexes Thema nicht in einem Fünfminuten-Clip abhandeln. Trotzdem ist dieser Vortrag so kompakt, dass man das Entscheidende in relativer Kürze erfährt.

 

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12. Juni 2010 6 12 /06 /Juni /2010 19:43

Praktisch schon bereits seit seiner zwangsweisen Einführung Anfang 2002 wird der Euro von vielen Leuten sarkastisch als Teuro bezeichnet. Damit wird ausgedrückt, dass der Grund für die tatsächlich seit jener Zeit rapide gesunkenen Realeinkommen der Mittelschicht (aka Kleiner Mann) beim Wechsel zu der Europäischen Einheitswährung gesucht wird. Ist also der Euro tatsächlich der Grund für die derzeitige Misere?

   Tatsächlich scheint es neben der Euro-Teuro-Sache noch eine weitere interessante Koinzidenz in der Geschichte des Verfalls unseres Wirtschaftswunders zu geben: Nach dem Beginn der Ära Kohl 1982 begann die Schere zwischen Arbeitseinkommen und Unternehmergewinnen aufzuklappen, was man natürlich Birne und seinen Spießgesellen anlastete. Ganz abgesehen davon, dass es uns natürlich immer schlechter gegangen ist, je mehr Europa und Globalisierung es gab.

Seltsame Koinzidenzen

    Tatsächlich ist der Oggersheimer Saumagen-Liebhaber und Aussitz-Vizeweltmeister (Weltmeister war FJS - wer kennt ihn eigentlich noch?) aber eher ein Symptom als eine Ursache gewesen, genauso wie der Euro nur scheinbar die Ursache für die rapide Verarmung der Bevölkerung ist. Kohl wurde wohl eher an die Macht gehievt, weil er den tatsächlichen Kräften hinter der Politik konvenienter war als der intelligente Helmut Schmidt. Tatsächlich begannen in der Ära Kohl nämlich die Wirkungen der Globalisierung sicht- und spürbar zu werden, die man ihm nun wirklich nicht anlasten kann. Allerdings hat die erste für uns spürbare Auswirkung der Globalisierung, das Sterben unserer Konsumgüteindustrie, nicht erst in den 80ern begonnen, sondern mindestens schon in den 60ern mit dem Verschwinden unserer Textilindustrie, die von Importen aus Billiglohnländern verdrängt wurde.

Schuldenkurve

So etwa muss man sich die Entwicklung von Geldmenge, Verschuldung und damit natürlich auch Zinsbelastung vorstellen, wenn man von einer durchschnittlichen Verzinsung von ca. 5% ausgeht, was eine recht gute Näherung an die Realität darstellen dürfte

 

  Ähnlich wie mit dem scheinbaren Zusammenhang zwischen Verkohlung und Verarmung verhält es sich mit dem Euro, der möglicherweise schon bald Geschichte sein und als Teuro in diese eingehen wird. In der Artikelserie "Wo kommt eigentlich das Geld her" wird erklärt, warum der ständig wachsenden Geldmenge in unserer Wirtschaft ein stets etwas größerer Schuldenberg gegenübersteht, mit dem auch die Zinsbelastung steigt, unter der unsere Wirtschaft leidet: Ohne Schulden ist kein Geld im Umlauf und die Schulden können auch nie zurückgezahlt werden, da systembedingt immer weniger Geld da ist als die Schulden einschließlich der aufgelaufenen Zinsen betragen. Die Grafik oben zeigt idealisiert, wie sich diese Zinsbelastung bei einer im Durchschnitt 5%igen Verzinsung (eine Schätzung, welche die Sache recht gut treffen dürfte) von 1948 bis heute entwickelt hat und weiter entwickeln wird.

Die Zinsschraube dreht sich immer schneller 

      Am Anfang war der die Zinsbelastung kaum merklich und konnte mit dem Wirtschaftswachstum problemlos kompensiert werden - das war die Zeit des Wirtschaftswunders. Während der 80er Jahre wurde es bereits derber; Arbeitslosigkeit begann ein Problem zu werden und die nicht mehr ganz Jungen werden sich an das damals einsetzende Gebarme der Unternehmer um Maschinenlaufzeiten und Contischichten erinnern, welche helfen sollten, die teuren modernen Maschinen besser auszulasten und schneller zur amortisieren. Der tatsächliche Grund aber war natürlich die bereits damals sehr hohe Zinsbelastung der Unternehmer.

     In den 90ern wurde es mit Massenarbeitslosigkeit, sterbenden Branchen und Unternehmenspleiten immer schlimmer. Und in den letzten Jahren - etwa so lange, wie wir den Euro-Teuro haben - ist es ganz schlimm geworden, was aber eben nicht am Euro liegt, sondern daran, dass die Kurve nun so steil geworden ist, dass es richtig weh tut. Abgesehen von den unverschämten Preiserhöhungen, die manche Händler, Wirte und Dienstleister meinten mit der Einführung des Euro-Teuro kaschieren zu können, spielt der Euro aka Teuro dabei nur eine gewisse Rolle in dem Sinne, dass mit ihm der Stabilitätspakt kam. Der bremste die Inflation, die früher der Wirkung des Zinseszinses wenigstens ein wenig entgegenstand und das Geld in der Wirtschaft notdürftig am Fließen hielt.

   Das, was man dem Euro alias Teuro vorwirft, dass nämlich die wirtschaftlich schwächeren Euro-Länder auf unseren Trittbrettern mitfahren, war auch schon vorher der Fall: Die vorher existierende Währungsschlange der jetzigen Euro-Länder setzte die Wechselkurse ihrer Währungen in ein nahezu festes Verhältnis und außerdem blechten wir auch schon vor dem Euro kräftig für die ärmeren EU-Länder.

   Der einzige Unterschied zur jetzigen Situation war der, dass man Länder mit übermäßigen finanziellen Schwierigkeiten damals floaten lassen, also ihre Wechselkurse freigeben konnte. Das wäre wohl mit Griechenland in einer Situation wie der jetzigen geschehen. Allerdings hat das nichts mit dem unleugbaren Kaufkraftverfall in der breiten Masse zu tun, denn der ist ja nicht erst da, seit es Griechenland das Genick gebrochen hat.

 Der Euro: Born to be killed?

   In letzter Zeit verdichten sich die Gerüchte über eine bevorstehende Währungsreform mit einem Haircut, also einem größtenteils ersatzlosen Verfall von Geldwertanlagen. Das wäre eine Möglichkeit, Geldmenge, Schulden und damit die Zinsbelastung zur reduzieren, so dass wieder Geld in der Wirtschaft fließen und sie florieren könnte - und natürlich auch die Banken wieder verdienen würden.

   In dieser Hinsicht könnte einem sogar ein böser Verdacht kommen: Bei dem bestehenden Finanzsystem, das Geld aus Schulden erzeugt und durch Zinsen vermehrt ist von vorne herein klar, dass es irgendwann crashen wird. Im Klartext: Auch wenn D-Mark, Schllling, Gulden, Franc, Drachme und wie sie alle heißen, hießen oder wieder heißen werden geblieben wären, hätte es diesen Crash gegeben. Und es ist kaum vorstellbar, dass das den wirklichen Machern in der Hochfinanz nicht klar ist und sie ihn nicht auch eingeplant haben.

   Die stattgefunden habende Umstellung auf Euro hat aber in dieser Hinsicht einen unleugbaren Vorteil: Es ist nun eben dieser Euro der crasht und nach dem schmerzhaften Haircut kann jedes der betroffenen Länder wieder eine Währung aus der Abstellkammer holen, abstauben und zu neuen Ehren kommen lassen, deren Image nicht beschädigt ist, wie das der Fall gewesen wäre, hätte man sie bis zum unvermeidlichen Crash behalten.

Ob Euro II, Nord- und Süd-Euro oder DM 2.0: Ohne Haircut geht garnichts

   Wenn es nun tatsächlich zu einer Währungsreform kommt, wird das Entscheidende daran der Haircut sein, nicht der Name der danach geltenden Währung. So bitter das auch für die Besitzer kleiner und mittlerer Geldanlagen sein wird, die Verringerung der Geld- und Schuldenmenge wird der Zweck der Übung sein. Lebensversicherungen, Riester-Renten, Anleihen, offene Fonds und dergleichen werden dann nicht einmal mehr den Sekt wert sein, den sich die Finanzberater und Bankster auf die diesbezüglichen Abschlüsse genehmigt haben.

   Natürlich ist der kleine Mann dabei wieder einmal der Dumme. Wundert es jemanden? War es schon je anders?

   Was sich nun der bzw. die Mensch(en) erträumen, welche(r) die Website euroabschaffung.de in Netz gestellt hat(ben), ist vor diesem Hintergrund natürlich blanke Utopie. Eine Rückkehr zur DM mit geordnetem Umtausch und Übergangsfrist wie das bei der Einführung des Euro der Fall war wird es nicht geben. Ganz einfach deswegen nicht, weil damit keine Schulden verschwinden würden. Die Währungsreform wird eine Art kollektive Insolvenz sein, bei der natürlich die Schlauen ihre Sahnestückchen rechtzeitig beiseite geschafft haben.

     bei euroabschaffung.de ist man genau dem Irrtum aufgesessen, dass der Teuro die Ursache unserer heutigen Probleme sei und diese daher mit ihm auch wieder verschwinden würden. Tatsächlich ist es aber so, dass die Einführung des Euro lediglich zu dem Zeitpunkt kam, als die Exponentialkurve der Verschuldung und Zinsbelastung das mögliche reale Wirtschaftswachstum endgültig und gnadenlos abgehängt hatte. Tatsächlich ist es nicht der Euro, der unsere Waren teuer macht, sondern die in den Preisen steckenden Zinsen, die auch denjenigen, der selbst keine Schulden hat, unter den Belastungen durch Zins und Zinseszins leiden lassen. Ganz abgesehen davon, dass die Zinsen, die ein Arbeitgeber bezahlen muss, zu Lasten von Löhnen und Arbeitsplätzen gehen und die Zinsen, die den Staat schröpfen zu Lasten der Sozialleistungen.

  Wenn so erst einmal in der Wirtschaft gar nichts mehr geht, können natürlich Bankster und sonstige Investoren auch nichts mehr verdienen. Und dann werden sie eine Währungreform mit Haircut zulassen beziehungsweise sogar über ihre "Lobbyarbeit" herbeiführen. Wann das der Fall sein wird, lässt sich kaum sagen; die Währungsreform kann buchstäblich schon morgen kommen, sie kann aber auch noch einige Monate oder Jahre auf sich warten lassen.

Und was kommt nach der Währungsreform?

       Was man allerdings wissen sollte, ist Folgendes: Nach einem Haircut wird die Wirtschaft voraussichtlich zunächst wieder ordentlich laufen. Das Problem dabei ist jedoch, dass sich das System nicht geändert hat. Der nächste Crash wird wesentlich schneller kommen als dieser, denn die Wirtschaft kann nicht mehr so wachsen, wie sie das in den Jahren nach dem zweiten Weltkrieg getan hat. Wer also diesmal auf die Nase gefallen ist, sollte dann besser rechtzeitig in Sachwerte investieren, denn die sind unabhängig vom Wert der jeweils gültigen Währung.

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Laufende Kosten zu hoch?

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