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  • : Blog von Volker Wollny
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  • Publizist und Freier Dozent, von Hause aus Ingenieur sowie gelernter Mechaniker und gelernter Maurer, Querdenker, Naturfreund und -nutzer, technisch interessiert aber auch technikkritisch, glaube nicht alles was mir erzählt wird.
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Andreas Quiring  

IT / EDV - Lösungen
Theodor-Veiel-Str. 17
70374 Stuttgart - Bad Cannstatt

Biohof-Gemeinschaft Baum des Lebens

31. März 2012 6 31 /03 /März /2012 09:29

Gerade lese ich, dass Ver.di den öffentlichen Arbeitgebern eine satte Lohnerhöhung abgerungen hat. 6,5% waren gefordert, 6,3% haben sie herausgeholt. Gratulation!

Offenbar stimmt der alte Sozialistenspruch immer noch:

 

Mann der Arbeit aufgewacht
Und besinn dich deiner Macht!
Alle Räder stehen still,
Wenn dein starker Arm es will!


   Streik ist also offenbar immer noch ein probates Mittel, wenn es darum geht, die Interessen der einfachen Leute durchzusetzen. Vielleicht fällt jetzt so manchem auch wieder ein, dass "die da oben" ganz einfach das zu tun haben, was wir wollen. Und wenn sie das vergessen, sollten wir ihen zeigen, wo es lang geht, unter anderem auch damit, dass wir dort streiken, wo es weh tut.

   Die schlechten Löhne - beileibe nicht nur im öffentlichen Dienst - sind eine Sache, sinnlose, zerstörerische Bauprojekte wie dieses unsägliche Stuttgart 21 eine weitere, Bespitzelung, staatliche Gängelung und Beschneidung der Meinungsfreiheit eine dritte. Alle drei sind aber nur einzelne Facetten einer gigantischen Fehlentwicklung, die sich so umschreiben lässt: Wir sind endmündigt, bekommen für unsere Arbeit nicht das, was uns zusteht und was nach der Entwicklung der Produktivität in den letzten Jahrzehnten drin sein müsste, und wir werden zwecks Bereicherung einiger weniger vorne und hinten abgezockt.

   Hoffen wir also, dass der Tarifabschluss von Ver.di nicht nur eine erfreuliche Sache für Busfahrer, Klärwärter, Kindergartentanten und all die anderen Menschen bleibt, die dafür sorgen, dass unsere Welt funktioniert. Er sollte vielmehr als Signal gesehen werden, dass es offenbar immer noch möglich ist, etwas zu bewegen, wenn man nur zusammenhält, aufsteht und zeigt, was Sache ist.

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8. März 2012 4 08 /03 /März /2012 19:19

Poker spielt in den USA als beliebtes Kartenspiel in etwa eine Rolle, wie sie bei uns Skat spielt. Wie Skat ist Poker kein reines Glücksspiel und wird auch gerne in geselliger Runde gespielt. Ähnlich wie beim Skat, gibt es beim Poker auch Wettkämpfe und sogar Meisterschaften. Nicht zuletzt wohl, weil man Poker online spielen kann, ist dieses Kartenspiel in letzter Zeit auch bei uns bekannt geworden und bei vielen Leuten beliebt.

 Hunde beim Poker Spielen2

Poker kann offenbar tierisch Spaß machen... (Quelle: Wikimedia Commons/PD)

 

   Poker existiert in einer ganzen Reihe von Variationen, von denen die derzeit wohl beliebteste die Variante Texas Holdem ist. Grundsätzlich geht es beim Poker darum, bestimmte Kombinationen aus bis zu fünf Karten zu bekommen. Diese Kombinationen, auch Hands oder Hände genannt, sind durch die Spielregeln in einer Rangfolge geordnet und es gewinnt derjenige Spieler, der entweder die Hand mit dem höchsten Rang oder als einziger nicht gepasst hat.

Glück, Mathematik und Psychologie

   Die grundsätzliche Funktionsweise von Poker lässt sich an der älteren und früher sehr beliebten Variante Five Card Draw gut erklären. Zu Beginn des Spiels muss jeder Spieler einen Grundeinsatz, das so genannte Ante leisten und erhält fünf Karten, die er verdeckt hält. Normalerweise kann er davon eine festgelegte Anzahl ablegen und dafür neue kaufen.

   Nun wird reihum geboten. Dabei hat man mehrere Möglichkeiten: Man kann passen, mitgehen oder erhöhen. Wenn man passt, verliert man natürlich seinen Einsatz. Wenn alle Spieler bis auf einen passen, gewinnt dieser. Ansonsten erfolgt, wenn niemand mehr erhöht, der Showdown und es gewinnt der Spieler, der die höchstwertige Hand hat. Der Gewinner streicht natürlich den gesamten Einsatz – den Topf oder Pot – ein.

     Das Prinzip beim Poker besteht also letztendlich darin, darauf zu wetten, dass man selbst die höchstwertige Hand hat. Weil man die Höhe des Einsatzes erst bestimmt, wenn man bereits seine Karten hat und somit seine Chancen abschätzen kann, ist Poker kein reines Glücksspiel, obwohl es rechtlich als solches gesehen wird. Ob man eine gute Hand bekommt, ist Glückssache, abzuschätzen, wie viel man darauf setzen kann, ist Mathematik.

   Die Kunst des Pokerns besteht nun auf jeden Fall einmal darin, je nach der eigenen Hand den richtigen Betrag zu setzen, so dass man mit schlechten Händen möglichst wenig verliert und mit guten möglichst viel gewinnt. Da die Stochastik dafür sorgt, dass gute und schlechte Hände auf lange Sicht einigermaßen gleichmäßig verteilt sind, gewinnt ein guter Pokerspieler mehr als er verliert, kann also beim Pokern Geld verdienen.

     Spielt man nicht im Internet, sondern „life“, kommt eine psychologische Komponente hinzu: Man kann versuchen, die anderen Spieler zu „lesen“, also anhand ihres Gesichtsausdrucks, ihrer Körpersprache und so weiter abzuschätzen, ob sie gute oder schlechte Karten haben. Umgekehrt setzt ein versierter Pokerspieler das sprichwörtliche Pokerface auf, um seine eigenen Emotionen zu verbergen. Er kann sogar so weit gehen, mit subtilen Signalen eine schlechte oder gute Hand vorzutäuschen und die anderen Spieler im ersten Fall zu hohen Einsätzen zu verleiten und im zweiten zu entmutigen, so dass sie aufgeben. Das ist das berühmte Bluffen beim Poker.

     Dieser zweifellos reizvolle – und zusätzliche Gewinnchancen für echte Pokerfaces bietende – Aspekt der Pokerspiele fehlt natürlich beim Online Poker weitgehend, sieht man von den Chats ab, die in Online-Pokerräumen oft vorhanden sind und davon, dass sich auch das Setzverhalten der anderen Spieler deuten lässt. Da die meisten Spieler jedoch keine ausgekochten Kartenhaie sind, ist dies aus Sicht des Normalspielers sogar eher als Vorteil zu sehen.

Texas Holdem und andere Varianten  

   Beim Five Card Draw hat jeder Spieler sehr wenig Informationen. Er kennt die eigene Hand und damit gleichzeitig fünf – oder wenn er abgelegt und gekauft hat, etwas mehr – Karten, die logischerweise keiner der anderen Spieler haben kann. Das ist aber auch schon alles. Der Reiz liegt hier vor allem im psychologischen Bereich und ist in gewisser Weise auch daran gekoppelt, dass es um Geldbeträge geht, die nervös machen.

     Anders ist es bei Varianten, bei denen ein Teil der Karten offen liegt. Hier hat man nun mehr Informationen und entsprechend mehr Möglichkeiten, zu spekulieren, was die anderen Spieler haben könnten. So wird Poker wie Skat, Binokel und dergleichen nicht nur auch dann reizvoll und interessant, wenn man um geringe oder rein virtuelle Einsätze wie Spielmarken oder Zündhölzer spielt, sondern es lässt sich so auch gut online spielen, so wie andere Spiele auch, bei denen das Können eine Rolle spielt.

   Eine früher übliche Variante ist Five Card Stud, bei der die Karten während der Bietrunden ausgeteilt werden. Wer bis zum Schluss mitgeht, hat vier offene und eine verdeckte Karte vor sich. Der Knackpunkt ist hier, dass man während des Bietens immer mehr Informationen bekommt und dabei über das eigene Blatt so viel oder so wenig weiß wie über die Blätter der anderen. Um diese Variante geht es übrigens auch in dem Film „Cincinatti Kid“ mit Steve McQueen.

   Es gibt auch eine Variante namens Seven Card Stud. Hier bekommt jeder Spieler, der bis zuletzt dabei ist, vier verdeckte und drei offene Karten. So wie bei allen Pokerspielen mit mehr als fünf Karten werden hier jedoch nur bis zu fünf Karten gewertet.

     Die derzeit wohl beliebteste Poker-Variante ist Texas Holdem, die wie auch andere Pokerspiele von vielen Online-Casinos angeboten wird. Das Kennzeichen der Holdem-Varianten ist, dass die Hand nicht nur aus den eigenen Karten gebildet wird, sondern dass auf dem Tisch Gemeinschaftskarten liegen. Beim Texas Holdem liegen fünf Gemeinschaftskarten, so genannte Board Cards, offen auf dem Tisch und jeder Spieler hat zwei eigene Karten, die Hole Cards, die er verdeckt hält. Zum Bilden seiner Hand stehen jedem Spieler also insgesamt sieben Karten zur Verfügung, von denen er die fünf besten auswählt.

   Eine andere Holdem-Variante ist Omaha Holdem. Hier liegen ebenfalls fünf Gemeinschaftskarten offen auf dem Tisch, die Spieler bekommen jedoch jeweils vier Hole Cards. Die Hände werden aus jeweils zwei der vier eigenen und drei der fünf Board Cards gebildet.

Mit Poker Geld verdienen?

   Roulette und Lotto beispielsweise sind reine Glücksspiele. Sie stellen so genannte Laplace-Experimente dar, bei denen jeder Ausgang gleich wahrscheinlich ist. Zum Zeitpunkt des Setzens hat man außerdem keinerlei Anhaltspunkt für den Ausgang. Bei dieser Art von Spielen gewinnt auf lange Sicht immer nur der Veranstalter: Entweder er schüttet wie beim Lotto nur einen bestimmten Teil der Einsätze als Gewinne aus oder er hat wie beim Roulette einen „eingebauten“ Vorteil.

   Beim Poker, ob im „richtigen“ oder im Online-Casino, hingegen verdient der Veranstalter, indem er ein Art Miete oder Spielgebühr erhebt: Er bekommt einen gewissen Prozentsatz von jedem Einsatz, der getätigt wird. Daher nehmen Spieler, die viel gewinnen, dem Veranstalter auch nichts weg sondern lassen ihn sogar mehr verdienen: Da zu hohen Gewinnen natürlich auch hohe Einsätze gehören, ist auch der Anteil des Veranstalters entsprechend hoch, wenn ein Spieler so richtig abräumt.

   Wie bereits erläutert hat es der Spieler beim Poker in der Hand, seine Einsätze den jeweiligen Gewinnchancen anzupassen. Daher kann er mit der richtigen Strategie tatsächlich auf längere Sicht und dauerhaft mehr gewinnen als verlieren und so unter dem Strich Geld verdienen. Professionelle Spieler spielen sehr viel Online-Poker, da sie hier ihre Spielzeiten sehr flexibel gestalten und vor allem auch an mehreren virtuellen Tischen gleichzeitig spielen können.

   Hinsichtlich der Tatsache, dass man mit entsprechendem Können damit Geld verdienen kann, ähnelt Poker dem Wetten auf Pferde. Der Pferdewettprofi sollte aber selbst ein Pferdenarr und Liebhaber des Pferderennsports sein und Spaß daran haben, viel Zeit auf der Rennbahn, in den Ställen und mit den Leuten dort zu verbringen, um stets die aktuellen Informationen zu besitzen. Beim Profi-Poker hingegen kommt es darauf an, einmal das Spiel verstanden zu haben sowie die Strategien zu kennen und anwenden zu können. Online Poker kann man auch von zuhause aus spielen und immer dann, wenn man gerade Zeit hat.

   Keinesfalls sollte man jedoch denken, dass man mit dem Online Poker so eben mal reich werden kann. Professionelle Pokerspieler arbeiten nach dem Motto „Der Profi lebt vom Doofi“: Ihr Gewinn resultiert aus den Verlusten der weniger guten Spieler. Wer also wirklich mit dem (Online-)Pokern Geld verdienen will, muss entsprechend gut sein, damit er nicht zu denen gehört, welche die Gewinne der Profis aufbringen. Aber auch dann ist Online Poker zeitaufwendig und damit Arbeit, denn man verdient ja immer nur die Differenz zwischen den Gewinnen und den Verlusten, wovon dann auch noch die Gebühren des Veranstalters abgehen. Die Suchtgefahr sollte man ebenfalls bedenken, die dem Poker natürlich, wie allen anderen Glücksspielen auch, innewohnt.

   Es gibt Möglichkeiten, im Internet an kostenlosen Pokerspielen teilzunehmen und so zu üben, ohne Geld zu riskieren. Trainieren kann man im Prinzip auch mit Poker-Software, wobei das Problem ist, dass es keine wirklich guten Poker-Programme gibt. Das liegt daran, dass Pokern nicht nur aus Mathematik, sondern auch aus Psychologie besteht: Selbst beim Online Poker kann man aus dem Setzverhalten eines Spielers Rückschlüsse auf dessen Hand ziehen. Diese intuitive Komponente lässt sich jedoch kaum mit einem Computerprogramm abbilden.

     Wer nun mehr über das Pokern, Strategien und Online-Pokertische wissen will, kann bei einem Poker-Portal wie Pokerzeit.com anfangen. Dort gibt es Links zu Poker-Seiten und Poker-Turnieren sowie vor allem auch Informationen über Pokerregeln und -strategien.

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8. Dezember 2011 4 08 /12 /Dezember /2011 20:43

Wenn unser offenbar aus den Fugen geratenes Finanzsystem kritisiert wird, fällt neben dem Wort „Fiat Money“ oft auch der Begriff „Schuldgeld“. Das unser Geld auf Schulden beruht, ist nach Meinung vieler der Grund für unsere wirtschaftlichen Probleme. Genau genommen beruht aber jedes Papier- oder Buchgeldsystem auf Schulden. Man muss dabei jedoch differenzieren wer bei einem Geldsystem wem etwas schuldet.

   Sieht man einmal von Kurrantmünzen und anderen Formen des Geldes ab, die einen eigenen „inneren“, also einen Materialwert besitzen, besteht jede Form des Geldes aus einer Art Gutscheinen, also Schuldscheinen. Am einfachsten ist das bei einer durch Gold gedeckten Währung zu erkennen, die ja derzeit auch von einigen Leuten wieder gefordert wird: Als zu Kaisers Zeiten die Mark noch durch Gold gedeckt war, stellte jede Banknote einen Gutschein dar, gegen den die Reichsbank ein bestimmt Menge Gold auszuhändigen hatte – also nichts anderes als einen Schuldschein.

Mit Gold gedecktes Geld

   Genau auf diese Art sind Banknoten ja auch entstanden: Wer in alten Zeiten  eine Reise nach, sagen wir mal, Italien machte und keine Lust hatte, einen Sack Gold mit sich zu schleppen, der lieferte dieses Gold zum Beispiel bei der Ulmer Niederlassung eines Handels- oder Bankhauses ein und erhielt dafür eine Quittung, ein Banknote also. Mit der konnte er sich dann beispielsweise bei einer Niederlassung des selben Hauses in Florenz oder Venedig wiederum Gold auszahlen lassen.

   Zweifelsohne stellte eine solche Banknote einen Schuldschein dar. Da sie durch das hinterlegte Gold gedeckt war, bürgerte sich ein, solche Scheine auch direkt als Zahlungsmittel anzunehmen. Und schließlich entwickelte sich daraus das staatliche, durch Gold gedeckte Papiergeld – das wie bereits angedeutet logischerweise auch nichts anderes war als Schuldscheine.

Leistungsgedecktes Geld

   Leistungsgedecktes Geld ist noch wesentlich älter als goldgedecktes. Im alten Ägypten konnte man Korn in staatliche Kornspeicher einliefern und bekam dafür Tontäfelchen als Quittung. Diese Tontäfelchen wurden auch als Zahlungsmittel verwendet. Der Gut- bzw. Schuldscheincharakter dieser Täfelchen ist offensichtlich: Man konnte sie jederzeit bei den staatlichen Kornspeichern vorlegen und gegen die entsprechende Menge Korn einlösen.

   Auch modernes leistungsgedecktes Geld, das ich hier schon länger einmal in einem Artikel am Beispiel des leistungsgedeckten Regionalgeldes Rheingold erklärte habe, hat diesen Schuldscheincharakter: Der Emittent solchen Geldes verpflichtet sich, gegen dessen Vorlage Waren oder Dienstleistungen zu liefern. Sprich er schuldet diese Leistungen so lange, bis das von ihm emittierte Geld zu ihm zurückkehrt und er es einlöst – und zwar immer demjenigen, der eine solche Note gerade im Besitz hat.

     Das ist natürlich genau der gleiche Mechanismus wie beim durch Gold gedeckten Geld. Der Vorteil des leistungsgedeckten Geldes besteht darin, dass man die Geldmenge immer der Wirtschaftskraft anpassen kann und zwar auf der Ebene der einzelnen Unternehmen: Jedes Unternehmen darf zunächst Geld entsprechend seiner Wirtschaftsleistung ausgeben. Wächst ein Unternehmen, darf es zusätzliches Geld emittieren, schrumpft es oder wird gar geschlossen, muss es Geld aus dem Umlauf nehmen. Zu erklären, wie das in der Praxis bewerkstelligt werden kann, würde hier zu weit führen. Es steht aber in meinem einschlägigen Artikel „Bäcker und Metzger als Notenbank?“ auf Suite101.de.

  Kreditgeld oder Fiat Money  

   Geld, dass, wie heute allgemein üblich, durch Kreditaufnahme entsteht, funktioniert anders: Für den Kreditgeber ist es durch die Sicherheiten gedeckt, die er vom Kreditnehmer verlangt. Aber wie ist es für den gedeckt, der es dann irgendwann in der Hand hat, weil er es sich verdient hat? Die übliche, sehr vage Antwortet lautet: „Durch die Wirtschaftsleistung des Staates, in dem es gesetzliches Zahlungsmittel ist.“ Bei näherem Nachfragen kommt dann in der Regel die Einlassung, dass der Wert dieses Geldes auf Glauben beruht. Auf dem Glauben nämlich, dass dieses Geld auch tatsächlich als Bezahlung für Waren und Dienstleistungen angenommen wird.

   Das klingt so überzeugend wie es falsch ist: Fiat-Money ist in der Tat nämlich vom Prinzip her bombensicher gedeckt, wie ich schon in dem Artikel, „Wie unser Geld gedeckt wird“ gezeigt habe. Wenn man nämlich weiß, dass es zu jedem umlaufenden Euro jemanden gibt, der diesen Euro jemandem schuldet (mehr darüber zum Beispiel in meinem Artikel „Das Bank(Un-)Wesen“ und der Serie „Wo kommt eigentlich das Geld her?“) ist klar: Es gibt immer jemanden, der diesen Euro dringend benötigt, um Schulden zu bezahlen. Und jeder, der Schulden hat, die auf eine bestimmte Währung lauten, ist immer bereit gegen Bezahlung in dieser Währung zu leisten. Damit ist Fiat-Money also in letzter Konsequenz durch die Wirtschaftskraft derjenigen gedeckt, die Schulden haben. Es ist also bei genauerem Hinsehen leistungsgedecktes Geld!

Und wo ist der Haken beim Fiat-Money?

   Wo ist nun aber der Unterschied zum eigentlichen leistungsgedeckten Geld, wie es zum Beispiel Rheingold darstellt? Ganz einfach: Nehmen wir an, ein Bäcker hat sich Liquidität verschafft, indem er leistungsgedecktes Geld gezeichnet hat und hat damit etwas bezahlt. Dann schuldet er dem Rest der Wirtschaft – bzw. immer denjenigen, die gerade seine Noten in der Hand haben – „Bäckerleistung“ im Werte des von ihm ausgegeben Geldes. Wird ihm nun eine seiner Banknoten präsentiert ist er verpflichtet, dafür zu leisten, also Backwaren zu liefern. Dazu ist er aber jederzeit in der Lage, denn das ist ja sein Geschäft. Zudem hat er dann seinen „Kredit an die Allgemeinheit“ zurückbezahlt und kann mit der eingenommen Note selbst wieder Kredit erhalten, indem er die Note erneut ausgibt und damit etwas für seinen geschäftlichen oder privaten Bedarf kauft.

   Der Vorgang ist im Prinzip nichts anderes als wenn er eine Note eines anderen Unternehmers als Bezahlung für Backwaren angenommen hätte: Er hat etwas geliefert und dafür liegt jetzt Geld in der Kasse, das er wiederum ausgeben kann.

   Wenn sich unser braver Bäckersmann jedoch Liquidität verschafft hat, indem er, so wie das heute noch der Normalfall ist, einen Bankkredit aufgenommen hat, ist seine Lage wesentlich prekärer: Irgendwann kommt die Bank und will das geliehene Geld haben. Das ist kein Problem, wenn der Bäcker zwischenzeitlich genug Backwaren verkaufen konnte und dadurch Geld hat. Ist das nicht der Fall, bekommt er Ärger.

   Obwohl der Bäcker in beiden Fällen zu Anfang Schulden gemacht hat, da er Leistungen bezogen hat, bevor er selbst geleistet hat, bekommt er im ersten Fall keinerlei Probleme. Er kann seine Schulden immer mit etwas bezahlen, was er ständig zur Verfügung hat: Mit der Leistung seines Geschäftes. Im zweiten Fall muss er jedoch diese Leistung zunächst in Bargeld verwandeln, indem er Backwaren verkauft. Geht nun das Geschäft nicht so gut, kann es passieren, dass es ihm an diesem Bargeld mangelt und er deswegen immer tiefer in die Schulden rutscht, was ihm mit dem leistungsgedeckten Geld nicht passiert, obwohl er damit bei genauem Hinsehen zu Anfang auch Schulden gemacht hat.

Die Rolle des Zinses

   Bei alledem spielt aber auch der Zins eine Rolle. Wenn der Bäcker einen seiner selbst gezeichneten, durch seine Leistung gedeckten Geldscheine ausgibt, muss er dafür immer nur eine bestimmte Menge Backwaren liefern. Dabei ist es egal wie lange es dauert, bis dieser Geldschein einmal wieder zur ihm zurückkehrt.

     Leiht er sich jedoch Geld in der üblichen Weise, muss er dafür Zins bezahlen. Er und alle anderen, die sich Geld geliehen, ausgegeben und dadurch in Umlauf gebracht haben, müssen also mehr aus dem Umlauf „herausverdienen“, um ihre Schulden zu zahlen, als sie durch die Aufnahme dieser Schulden in Umlauf gegerbacht haben.

   Dadurch muss nicht nur das durch die Rückzahlung der Kredite aus dem Umlauf verschwindende Geld wieder neu aus geliehen werden, sonder zusätzliches, um die Zinsen zu bezahlen. Durch die so steigende Verschuldung fallen natürlich auch immer mehr Zinsen an; das heißt es wird immer mehr Geld durch das Bedienen der Kredite aus dem Umlauf abgezogen. Das ist der Grund, warum Geld knapp ist und und immer knapper wird, schwer und immer schwerer zu verdienen ist.

   Die Leistungen, die der Bäcker jedoch durch die Zeichnung und Ausgabe von leistungsgedecktem Geld, also quasi auf Kredit bezogen hat, begleicht er mit seiner eigenen Leistung. Genau genommen tut er das bereits in dem Moment, wenn er selbst Leistungen erbringt und Geld einnimmt: Wird er zufällig mit seinen eigenen Noten bezahlt, ist er in dieser Hinsicht schuldenfrei – der Anfangszustand ist wieder hergestellt.

   In der Praxis wird er aber häufiger mit Geld bezahlt, das andere Unternehmer emittiert haben. Dann haben zwar die augenblicklichen Inhaber seiner Noten immer noch Sachforderungen an ihn, er aber hat durch das eingenommene Geld seinerseits Sachforderungen in gleicher Höhe an die Emittenten dieser Noten. Seine Forderungen gleichen seine Verbindlichkeiten aus, er ist per Saldo auch wieder schuldenfrei.

   Gleichzeitig hat er aber das eingenommene Geld in der Kasse und kann also erneut dafür Sachleistungen beziehen – wiederum genau genommen auf Kredit, den er aber dann wieder ausgleicht, wenn er seinerseits etwas verkauft und Geld einnimmt. Diese Art von Geld ist also gewissermaßen eine Kreditlinie in deren Umfang man Sachleistungen beziehen kann.

   Nicht anders funktionieren übrigens die Tauschwährungen bei Tauschringen, egal ob ein neues Mitglied rechnerisch mit null Einheiten und einer Kreditlinie auf seinem Konto startet oder einen Anfangsbestand hat: Immer wenn er Tauscheinheiten ausgibt, bezieht er Leistung auf Kredit oder bekommt – je nach seinem Kontosaldo – geschuldete Leistung zurück, immer wenn er Tauscheinheiten einnimmt tilgt er diesen Leistungskredit oder leistet selber auf Kredit.

   Was bei der Tauschwährung und dem leistungsgedeckten Geld noch gleich ist, ist, dass die umlaufende Geldmenge weder mit Zinsen belastet noch an einen Außenstehenden zurückzuzahlen ist. Solange niemand Geld hortet, ist immer genug davon im Umlauf. Und auch das Horten von Geld kann man wirksam unterbinden: Durch einen Schwundmechanismus, wie ihn zum Beispiel der Wörgler Schilling hatte.

Wo ist nun der Unterschied?

   In beiden Fällen, sowohl beim leistungsgedeckten als auch beim derzeit üblichen Geld, dem Fiat-Money sind also Schuldverhältnisse im Spiel. Der eine Unterschied besteht darin, dass beim Fiat-Money immer diejenigen, die das Geld ausgeliehen haben, das umlaufende Geld einem Außenstehenden schulden, beim leistungsgedecktem Geld jedoch immer diejenigen, die für Geld Leistungen bezogen haben, es aber noch nicht zurückverdient haben, indem sie selbst wieder geleistet haben, diese Leistungen schulden.

   Der andere Unterschied ist derjenige, dass der Schuldner beim Fiat-Money immer bares Geld auftreiben muss, um seine Schulden zu begleichen, beim leistungsgedeckten Geld jedoch immer mit etwas bezahlen kann, das er jederzeit aufbringen kann, nämlich seiner eigenen Leistung.

   Und es gibt noch einen Unterschied: Das Geld, das man im Fiat-Money-System ausgibt, verschwindet zum Teil als Zins auf und Tilgung von Krediten aus dem Umlauf. Dadurch kann es nicht mehr vollständig zurück verdient werden, ohne dass jemand anders neues Geld aufnimmt. Das leistungsgedeckte Geld bleibt jedoch vollständig im Umlauf, vorausgesetzt man sorgt mit einem Schwundmechanismus dafür , dass es sich nicht lohnt, es zu horten. So kann ausgegebenes Geld immer wieder in voller Höhe zurück verdient werden, ohne dass irgendwo etwas fehlt.

Und was ist, wenn der Staat das Geld in Umlauf bringt?

   Eine weitere Alternative zum Fiat-Money ist Geld, das vom Staat in Umlauf gebracht wird so wie viele Leute denken, dass das geschieht. Wenn der Staat selbst Geld schöpft und damit Staatsausgaben bestreitet, geht er zunächst auch ein Schuldverhältnis ein: Er bezieht Leistungen gewissermaßen gegen Kredit. Das Geld, dass er dafür bezahlt ist wie alle Scheidemünzen und Geldscheine nämlich an sich nichts wert, sondern stellt eine Quittung für erbrachte Leistung, also einen Gutschein für Gegenleistung, mithin also auch wieder einen Schuldschein dar.

   Ein vom Staat geschöpftes Geld wäre zum Teil dadurch gedeckt, dass man damit Steuern, Abgaben und Gebühren bezahlen kann. Dadurch ist es gewissermaßen auch ein (teilweise) leistungsgedecktes Geld. Es kann so jedoch nie vollständig gedeckt sein: Die gesamte Geldmenge muss der Leistung der Wirtschaft entsprechen. Die Geldmenge im Umlauf muss immer so groß sein, dass man damit alle die Werte kaufen kann, die in dem Zeitraum geschaffen werden, in dem das Geld im Durchschnitt einmal weitergegeben wird. Da Steuern und Abgaben aber nur einen Teil der Wirtschaftsleistung abzweigen ist zunächst nur ein Teil des Geldes dadurch gedeckt, nämlich der Anteil der bei der Weitergabe des Geldes bei Käufen, Lohnzahlungen usw. in Form von Steuern und Abgaben an den Staat gehen muss.

   Ein weiterer aber wohl eher kleiner Teil ist durch die Leistungen des Staates gedeckt, für die man Gebühren bezahlen muss, denn diese sind im Grunde Dienstleistungen. Auch wenn sie oft genug sinnlos sind und wir zum Beispiel bei der gebührenpflichtigen Bearbeitung eines Antrages keinen wirklichen Gegenwert bekommen wie etwa bei einem Haarschnitt. In diesem Bereich ist der Staat dann auch gewissermaßen ein Teil der Wirtschaft, denn seine gebührenpflichtigen Leistungen sind wie Dienstleistungen von Unternehmen ja Teil des Inlandsproduktes. Das aber nur am Rande.

   Der Nachteil eines vom Staat geschöpften Geldes besteht also darin, dass es nicht automatisch gedeckt ist wie das bei leistungsgedecktem Geld der Fall ist, das von Unternehmen emittiert wird. Unabhängig davon braucht es auch wieder eine Umlaufsicherung, also eine Schwundmechanismus. Geld, das einen solchen nicht besitzt, wird – unabhängig davon, wie es geschöpft wurde – unweigerlich gehortet und dann gegen Zins verliehen. Dadurch entstehen dann große Geldvermögen, die das Geld genauso aus dem Umlauf saugen wie es die buchhalterischen schwarzen Löcher bei den Banken tun, aus denen Fiat-Money geschöpft wird.

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20. November 2011 7 20 /11 /November /2011 11:16

Allzuviel hört man ja von Gunter Gabriel nicht mehr, aber es gibt ihn noch. Vor einiger Zeit war er bei Markus Lanz zu Gast und sagte dort, was Sache ist, wobe er mir aus der Seele sprach. Man kann sich den Ausschnitt auf YouTube angucken, wo ich ihn auch aufgrund eine Links gefunden habe.

   Der Ansicht, dass man uns ständig einen Haufen Dreck andreht, um uns die Kohle aus der Tasche zu ziehen, bin ich ja schon lange. Früher glaubte ich, dass es dabei nur um die Profitgier von Herstellern und Handel ginge, was natürlich ein Stück weit stimmt - aber eben nur ein Teil der Wahrheit ist. Auch die Aussagen von Gunter Gabriel gehen nur so weit. Aber es ist doch schon einmal etwas, wenn jemand einmal deutlich sagt, dass wir einen großen Teil des Mists, denn wir ständig kaufen, gar nicht brauchen. 

   Mittlerweile weiß ich aber, dass da noch mehr dahinter steckt. Es gibt bei Unternehmen nicht nur die Gier, Profit zu machen, sondern auch einen Zwang dazu. Wenn man weiß, wie unser Geld funktioniert, kann man auch verstehen, warum dieses System ständiges Wirtschaftswachstum braucht: Die ständig wachsenden Schulden, aus denen unser Geld erzeugt wird, müssen besichert werdern. Dazu benötigt man so genannte dingliche Sicherungen, also Werte, die beliehen werden. Da nun die Schulden immer größer werden, müssen auch diese Sicherheiten wachsen, also die Unternehmen - und damit auch die ganze Wirtschaft, da die ja die Summe der Unternehmen ist.

   Sich mit Hilfe von Selbstversorgung; Tauschhandel und überlegtem Kaufverhalten mehr oder weniger aus diesem System auszuklinken, bedeutet also nicht nur mehr Lebensstandard mit weniger (Sklaven-)Arbeit. Es bedeutet auch ein Stück Widerstand gegen das Schuldgeldsystem und die Ausbeutung durch Schuldsklaverei.

   Mit dazu gehört natürlich auch, sich für Regionalisierung - nicht zuletzt bei der Energieversorgung aus regenerativen Quellen - einzusetzen. Der Gedanke der Regionalisierung gehört ja auch zur Philosophie der kleinen Kreisläufe und ist gewissermaßen Selbstversorgung auf einer etwas höheren Ebene.

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14. November 2011 1 14 /11 /November /2011 16:24

Auch als Selbstversorger benötigt man immer ein wenig Bargeld für die Sachen, die man partout nicht selbst machen kann oder möchte. Interessant in diesem Zusammenhang sind vor allem Minijobs oder andere Tätigkeiten, bei denen das Finanzamt nicht gleich die Hand aufhält. Wenn man nach so etwas sucht, wird man früher oder später auch einmal an (Online-)Glücksspiel denken. Deswegen hier ein paar Überlegungen dazu.

 altmodisch angezogene leute beim roulette

Roulette ist ein Spiel, bei dem allein das Glück entscheidet...

 

   Auf den ersten Blick sind die Vorteile eines Glücksspielgewinnes bestechend: Man erzielt ihn ohne viel Arbeit und er ist zunächst einmal steuerfrei. Das bedeutet jedoch nur, dass man keine Einkommenssteuer auf den Gewinn zu bezahlen braucht. Wenn jemand im Lotto eine halbe Million oder noch mehr Euro gewinnt, steht er bei der Einkommensteuererklärung für das betreffende Jahr besser da als einer der die gleiche Summe als „normales“ Jahreseinkommen, also Arbeitsentgelt oder Geschäftsgewinn verdient hat. Ab dem zweiten Jahr wird dieses Geld jedoch genauso behandelt wie jedes andere Geld auch: Man zahlt gegebenenfalls Vermögenssteuer und muss die Rendite aus einer eventuellen Anlage als Einkommen versteuern.

Reine Glücksspiele

   Was für den Lottogewinn gilt, gilt natürlich auch für den großen Coup im Casino. Auch wer beim Roulette oder Black Jack unverschämtes Glück hat, braucht den Fiskus zunächst nicht daran zu beteiligen. Allerdings hat das einen ernüchternden Hintergrund: Wenn das Finanzamt Glücksspielgewinne als steuerpflichtiges Einkommen ansehen würde, müsste es auch die Verluste am Spieltisch als steuermindernd akzeptieren. Und genau da liegt der Hase im Pfeffer: Natürlich weiß der Fiskus auch, dass beim Glücksspiel mit professionellen Anbietern im Schnitt mehr verloren als gewonnen wird.

   Auf diesen Umstand weisen zum Beispiel auch seriöse Casino-Portale wie CasinoTopLists hin. Das liegt natürlich daran, das Glücksspiele, die von einem kommerziellen Anbieter veranstaltet werden, so „konstruiert“ sind, dass die Bank auf die Länge gesehen immer gewinnt. Anders wäre ja auch kein Geld mit einem Kasino oder einer Spielbank zu verdienen.

   Beim Roulette zum Beispiel liegt es daran, dass es mit der Null insgesamt 37 mögliche Zahlen gibt, die Spieler aber nur auf 36 davon setzen können. Immer wenn die Null fällt, streicht die Bank den gesamten Einsatz ein. Da sich Gewinne und Verluste auf den übrigen Zahlen und Zahlengruppen auf die Länge ausgleichen, schüttet die Bank auf lange Sicht 36/37 der Einsätze aus und kassiert 1/37.

   Die in Gasstätten und Spielhallen aufgestellten Spielautomaten - „Geldspielgeräte“ heißen sie auf Amtsdeutsch – geben in der Regel noch weniger her. Ganz mies sieht es beim Lotto aus, denn hier entscheidet nicht die Statistik über die Gewinnquote des Veranstalters, sondern der schüttet von vorne herein nur einen gewissen Prozentsatz der Spieleinsätze aus.

Spiele, bei denen man dem Glück nachhelfen kann

   Es gibt nun Spiele, die man zwar auch um Geld spielt, die aber keine reinen Glücksspiele sind. Das gilt beispielsweise für viele Kartenspiele. Bei Spielen wie Skat kommt es nicht nur darauf an, was für Karten man zufällig bekommt, sondern vor allem darauf, „was man daraus macht“. Das sieht man schon daran, dass es bei solchen Kartenspielen gute und schlechte Spieler gibt. Wäre zum Beispiel Poker ein reines Glücksspiel, gäbe es bei Turnieren ständig andere Sieger. Grob verallgemeinert kann man sagen, dass es bei solchen Spielen um das Abschätzen der Möglichkeiten geht, die verbleiben, wenn man die Karten berücksichtigt, die man selbst hat bzw. von den anderen Spielern im Rahmen des Spielverlaufs gesehen hat.

   Das gegensätzliche Extrem zum reinen Glücksspiel sind Spiele, die im Prinzip vollständig durch Können entscheiden werden: Man kann ja beispielsweise auch Dart oder Billard um Geld spielen. Natürlich spielt auch hier das Glück eine gewisse Rolle, aber keine größere als sonst beim Sport und im Geschäft auch: Man kann etwa an überlegene Gegner geraten oder es passiert einem ein Missgeschick, genauso kann man einen Glückstreffer landen oder der Gegner Pech haben.

Bauern in alter Zeit beim Kartenspiel

... während bei vielen Kartenspielen auch das Können der Spieler eine Rolle spielt

   Auch bestimmte Wetten sind etwas, womit man auf lange Sicht Geld verdienen kann, wenn man sich mit der Sache auskennt. Sportwetten funktionieren in dieser Hinsicht ganz ähnlich wie finanzielle Spekulationen: Die Kenntnis der Materie spielt eine mehr oder weniger große Rolle, jedoch gibt es auch Unwägbarkeiten. Ich glaube zwar kaum, dass es Leute gibt, die mit Fußballtoto ihre Existenz fristen können, aber Leute, die von Pferdewetten leben, gibt es in der Tat, so wie manche Leute auch von Börsenspekulationen leben.

   Bei den Spielen, bei denen man dem Glück mit Können und/oder Kenntnissen nachhelfen kann, gilt der Grundsatz: „Der Profi lebt vom Doofi“: Gewinn kann man immer dann machen, wenn genügend Mitspieler da sind, die schlechter sind als man selbst. Offenbar ist das beispielsweise beim Pferderennen der Fall, denn sonst gäbe es die Pferdewettprofis nicht.

   Dass es Spiele gibt, bei denen man mit Können Einfluss auf den Spielverlauf nehmen und daher tatsächlich Geld verdienen kann, ist aber leider auch dem Finanzamt bekannt. Profi-Pokerspieler beispielsweise müssen ihre Gewinne als Einkommen versteuern. Es ist auch durchaus denkbar, dass Mitarbeiter des Finanzamtes öfter einen Blick auf Pferderennplätze werfen, ob da etwa Leute fast ständig anwesend sind und oft gewinnen. Wer allerdings als guter Skatspieler nur regelmäßig seine Biere und Schnäpse finanziert, die er beim wöchentlichen Skatabend in der Kneipe verdrückt, wird wohl weniger Angst vor dem Fiskus haben müssen.

Online-Casinos

     Auch im Internet kann man heute nach Herzenslust zocken. Reine Glücksspiele wie Roulette sind hier genauso vertreten wie Poker und Sportwetten. Wer sich einmal mit der Sache befassen will, findet auf der Regelseite des Portals CasinoTopLists einen ersten Einstieg in die Welt der Casino Strategie. Ob er es tatsächlich wagen möchte, mit reinen Glücksspielen sein Glück zu versuchen, oder mit Poker oder Wetten vielleicht sogar zu verdienen, muss allerdings jeder selbst wissen, denn man kann so oder so auch auf die Nase fallen.

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23. Oktober 2011 7 23 /10 /Oktober /2011 14:06

Wir leben, so hört man öfter, in Zeiten des Turbo- oder Raubtierkapitalismus – und das sei der Grund für die alltägliche Abzocke, die Verarmung breiter Bevölkerungschichten und das Verschwinden des Mittelstandes. Kapitalismus, so wusste Marx, führt zur Verelendung. Möglich wurde der Kapitalismus, so die Historiker, durch die Industrialisierung. Aber was genau ist Kapitalismus,wie funktioniert er und was ist das Problem dabei?

   „Im Kapitalismus beutet der Mensch den Menschen aus, im Sozialismus ist es umgekehrt“, lautet ein abgedroschener Kalauer, der allerdings mehr über das Wesen des Menschen als über die Funktionsweise gesellschaftlicher Systeme aussagt. „Im Kapitalismus besitzt der Kapitalist die Produktionsmittel und enthält dem Arbeiter den Mehrwert vor“, ist ein Schlagwort, das zwar tatsächlich etwas über den Kapitalismus als gesellschaftliches System aussagt, aber nicht ausreicht, um das Phänomen des Turbokapitalismus und seiner Folgen zu erklären.

   Richtiger wäre zu sagen: „Kapitalismus ist, wenn mit Geld Geld verdient wird.“ Das, was wir derzeit täglich aus Mainstream- und (hoffentlich auch) alternativen Medien über die „Finanzindustrie“ mitbekommen, passt zu dieser Aussage und legt nahe, dass es die Sache trifft. Allerdings ist diese Aussage selbst nur die Oberfläche, man sollte sie doch ein wenig hinterfragen und erforschen, wie Kapitalismus eigentlich funktioniert.

Kapitalismus und Feudalismus

   Soweit sich die Ausbeutung von arbeitenden Menschen durch Kapitalisten je allein oder überwiegend auf das Eigentum an den Produktionsmitteln – Maschinen, Fabriken usw. - gestützt hat, unterscheidet er sich nicht wirklich vom Feudalismus. Dem Kapitalist aus der Gründerzeit mit Zigarre und Zylinderhut ist der Eigentümer der Fabrik und entscheidet, wer bei ihm arbeiten darf. Da es mehr Arbeitskräfte gibt, als er benötigt, bestimmt er - Vogel friss oder stirb – den Preis der Arbeit. Wer nicht für den vom Unternehmer gebotenen Lohn arbeiten will, braucht ja schließlich nicht zu kommen. Deswegen kann der Fabrikant den Arbeiter um den so genannten Mehrwert prellen, also um den Betrag, den die Wertschöpfung des Arbeiters seinen Lohn übersteigt.

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So wie das Bild der Industrielandschaft...

 

   Diese Form des Kapitalismus unterscheidet sich jedoch nicht wesentlich vom Feudalismus. Auch in diesem System hatte der Ausbeuter, der Grundherr in diesem Falle, die Verfügungsgewalt über die Produktionsmittel. Wenn ihm das Land auch in vielen Fällen gar nicht selbst gehörte, weil er damit nur belehnt war, spielt das keine Rolle. Er hatte in jedem Falle die augenblicklich Verfügungsgewalt und konnte mit seinen Bauern machen was er wollte, so dass diese gezwungen waren, für das zu arbeiten, was der Grundherr ihnen nicht in Form von Abgaben abpresste. Dass die Bauern, anders als die Arbeiter im Kapitalismus, nicht nur aus praktischen Gründen, sondern auch rechtlich gezwungen waren, bei ihrem Ausbeuter zu bleiben, spielt dabei eigentlich gar keine Rolle.

   In beiden beschriebenen Fällen tragen die Ausbeuter auch gewisse unternehmerische Risiken. Sie können Verluste erleiden, die sie nur in gewissen Grenzen auf die Arbeiter bzw. Bauern abwälzen können. Ein Fabrikherr kann bei schlechter Marktlage zwar die Löhne kürzen, um seinen Gewinn nicht schmälern zu müssen. Wenn er aber gar nichts mehr verkaufen kann, ist er am Ende. Genauso kann der Feudalherr zwar trotz schlechter Ernte die üblichen Abgaben verlangen. Wenn aber etwa aufgrund einer außerordentlichen Naturkatastrophe oder Kriegseinwirkung gar nichts geerntet wird, bekommt auch er nichts. Wenn der Fabrikherr falsche unternehmerische Entscheidungen trifft, kann er sich ruinieren und auch ein Feudalherr kann sicherlich Fehler machen, die ihn sein Lehen kosten.

Ist der Kapitalismus schlecht?

   Der Kapitalismus in der beschriebenen Form ist, das darf man sagen, gar nicht einmal so schlecht. Die Entwicklung im 19. Jahrhundert ging ja dahin, dass immer mehr Fabriken gebaut und immer mehr Arbeiter gebraucht wurden, nicht nur ungelernte, sondern auch Facharbeiter. Dadurch sowie durch Solidarität und Organisation gelangten die Arbeiter in eine Position, in der sie gewisse Möglichkeiten hatten, über ihren Lohn zu verhandeln. Man muss auch bedenken, das in einem Land, das größtenteils für den Eigenbedarf produziert, die Arbeiter des einen Unternehmens das kaufen müssen, was andere Unternehmen produzieren. Daher hat der Unternehmer ein gewisses Interesse daran, dass die Arbeiter Geld verdienen, auch wenn der einzelne Fabrikant natürlich am liebsten möchte, dass nur die anderen mehr Lohn zahlen. Der Umstand, dass dies bei uns heute nicht mehr so ist, spielt für unsere derzeitige Lage übrigens auch eine Rolle, aber das habe ich in einem anderen Artikel bereits untersucht und will es daher hier nicht vertiefen.

   Man neigt heute in gewisser Weise dazu, die Kaiserzeit mit dem Dritten Reich über einen Kamm zu scheren. Dabei wird dann nicht nur vergessen, dass sich die Menschen damals bereits mehr und mehr demokratische Rechte erstritten, sondern auch, dass es bereits damals einen – zwar noch sehr bescheiden, aber immerhin – wachsenden Wohlstand auch bei Arbeitern gab. Dass ein gut verdienender Facharbeiter damals weniger hatte als heute ein Hartz-4-Empfänger, liegt daran, dass die Produktivität natürlich damals wesentlich geringer war als heute.

   Daher meine Aussage, dass der oben gedachte Kapitalismus gar nicht so schlecht sei. Vor allem ist es aber auch so, dass in einem solchen System immer ein gewisser Spielraum für das Erkämpfen von Teilhabe da ist. Diesen Spielraum gibt es jedoch im heute real existierenden Kapitalismus kaum noch wie wir gleich sehen werden.

Der moderne Kapitalismus oder Turbokapitalismus

     Wie der moderne Kapitalismus funktioniert und wie er sich vom „Kapitalismus alter Schule“ unterscheidet, macht man sich am besten an einem Beispiel klar. Nehmen wir an, jemand hat 500.000 Euro bar verfügbar und überlegt sich, was er mit diesem Geld anfangen könnte. Zunächst denkt er daran, sich selbständig zu machen und das Geld in die notwendige Ausrüstung zu investieren. Bei näherem Hinsehen stellt er jedoch fest, dass dies keine so gute Idee sei: Als Unternehmer trägt er ja Risiken. Wenn seine Pläne nicht aufgehen, kann er alles verlieren. Und außerdem müsste er als Unternehmer ja auch noch arbeiten, was ja schließlich nicht angeht, wenn man 500.000 Euro hat.

   Nun hat dieser Zeitgenosse einen Bekannten, der sich auch gerne selbständig machen würde, weil er mit seiner Situation als Arbeitnehmer unzufrieden ist. Er möchte mehr Geld verdienen, ein höheres Sozialprestige genießen und ist auch bereit, dafür entsprechend zu arbeiten. Er besitzt zwar ein Haus im Wert von 500.000 Euro, hat aber kaum nennenswert Bargeld für den Start in die eigene Existenz. Jetzt schlägt unser erster Freund ihm ein Geschäft vor: Er leiht ihm seine 500.000 Euro zu 7% Zins p.a. Als Sicherheit akzeptiert er das Haus.

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... hat sich auch der Kapitalismus gewandelt

 

   Das ist so ziemlich das beste Geschäft, dass unser schlauer Geldbesitzer machen konnte. Er hat jetzt aus seinem Geld ein Einkommen von 35.000 Euro im Jahr, ohne dass er dafür zu arbeiten braucht. Wenn das neue Geschäft von seinem Schuldner gut anläuft, wird dieser den Kredit in der vorgesehenen Zeit abbezahlen können, der Gläubiger hat dann sein Geld plus Zinsen zurück und kann nach einem neuen derartigen Geschäft Ausschau halten, wenn nicht gar der alte Schuldner dieses Geld gleich wieder ausleihen will, um sein Geschäft zu erweitern.

   Läuft es weniger gut und unser Existenzgründer nimmt nur soviel ein, dass er gerade mal die Zinsen bezahlen, nicht jedoch tilgen kann, ist das für den Gläubiger auch kein Problem: Solange die eigentliche Schuld noch in voller Höhe besteht, kassiert er ja auch jedes Jahr den Zins in voller Höhe.

   Schlecht zu schlafen braucht er auch nicht, denn wenn das Geschäft unseres Jungunternehmers irgendwann je so schlecht gehen sollte, dass der nicht mehr zahlen kann, sagt der Gläubiger ganz freundlich: „Mach dir mal kein Sorgen. Du gibst mir einfach dein Haus und dann bist du deine Schulden los....“ So hat er sein ursprünglich eingesetztes Kapital in Form des Hauses zurück, dass er, wenn er will, veräußern und den Erlös wiederum investieren kann. Und selbstverständlich hat er über die Jahre eine ganze Stange Geld in Form von Zinsen eingestrichen, ohne dass er dafür arbeiten musste.

   Unser Jungunternehmer hingegen hat die A....karte gezogen: Er hat jahrelang geschuftet, schaut dafür mit dem Ofenrohr ins Gebirge und sein Haus ist auch noch weg. Dafür weiß er aber jetzt genau, was Kapitalismus ist: „Kapitalismus ist, wenn mit Geld Geld verdient wird.“ Der Clou dabei: Es wird nicht nur der Arbeiter, sondern auch noch der Unternehmer ausgebeutet.

Ein Problem unserer Wirtschaft

   Zugegeben, dieses Beispiel ist ein wenig vereinfacht. In der Realität wäre sehr wahrscheinlich eine Bank dazwischen geschaltet, so dass der Gläubiger den Schuldner gar nicht zu kennen braucht. Dieser hätte sich das Geld von der Bank geliehen, dass der andere dort angelegt hat. Die entscheidende Wirkung dieses Mechanismus bleibt jedoch bestehen: Wer Geld hat, gründet nicht, sondern lässt gründen und kassiert Zinsen. So geht er keinerlei Risiko ein: Egal, ob die Firmen, in denen sein Geld letztendlich steckt, gut oder schlecht läuft, seine Zinsen verlangt er so oder so.

   Durch diese Form des Kapitalismus entsteht eine ganz andere Art von Klima, indem sich die Unternehmer bewegen. Ein „Kapitalist alter Schule“, dem die Fabrik selbst gehört, kann natürlich das Geld, was der Fabrikant auf Pump in Form von Zinsen für seine Schulden abführen muss, selbst einstecken. Er kann es reinvestieren und/oder Rücklagen bilden, mit denen er auch einmal über eine geschäftliche Flaute kommt, ohne wertvolle Fachkräfte entlassen zu müssen und eventuell auch besser bezahlen um bessere Leute zu bekommen. Kurz, er kann sein Unternehmen mit Blick auf die Zukunft und mit der gewissen Kontinuität führen, die das Kennzeichen einer soliden Firma ist.

   Der neumodische Fabrikant auf Pump hingegen hat seine Schulden im Genick und muss ständig auf kurzfristige Profite sehen, damit er seinen Kredit bedienen kann, anstatt auch Geld in Dinge zu stecken, die sich mittel- und langfristig auszahlen. Wenn das Geschäft gerade einmal nicht brummt, hechelt er den Zinsterminen hinterher und ist wesentlich schneller gezwungen, auch gute und wichtige Mitarbeiter zu entlassen.

   Genau das merkt man aber auch im Unternehmen: Wenn das auf kurzfristigen Profit aus sein muss, kann es seine Mitarbeiter nicht angemessen pflegen. Wenn man Mitarbeiter jedoch nicht hegt und pflegen, leidet die Arbeitszufriedenheit. Die Arbeitszufriedenheit jedoch ist der entscheidende Faktor für die Qualität der Erzeugnisse, auch wenn das nicht in der ISO 9000 ff. steht.

Arbeitnehmerrechte aushebeln leicht gemacht

   Wie hieraus klar wir, beutet der moderne Kapitalismus nicht nur den Arbeiter, sondern auch den Unternehmer aus. Da dieser aber nicht Unternehmer geworden ist, um zu darben, und auch die Möglichkeiten dazu hat, wälzt er seine Lasten auf seine Arbeiter ab. Er beutet sie einfach noch schärfer aus, damit ihm trotz schlechterer Bedingungen möglichst so viel bleibt, wie er sich eben unter dem angemessenen Einkommen eines Unternehmers vorstellt.

   Natürlich kommt es nicht besonders gut bei den Mitarbeitern an, wenn man heute aufgrund der schlechten Wirtschaftslage den Lohn kürzt und morgen schon wieder einmal mit einem fabrikneuen Daimler aufkreuzt. Sie können dagegen jedoch nichts machen, denn erstens gibt es genug Leute, die man einstellen kann, wenn welche die Nase voll haben und gehen. Zweitens ist es anderswo auch nicht besser.

   So verliert natürlich auch die schärfste Waffe des Werktätigen ihre Wirkung, der Streik. Wenn ein Unternehmer selbst, zwar auf hohem Niveau aber eben doch, von der Hand in den Mund lebt, kann man ihn kaputt streiken, ohne dass er höhere Löhne zahlt – ganz einfach, weil er nicht kann. Er ist im Grunde nicht mehr als ein gut bezahlter Großknecht der Anleger, deren Geld über die Bankkredite im Unternehmen steckt. Die verlangen ihre Zinsen nämlich so oder so, ob es dem Unternehmen schlecht oder gut geht.  Wenn man so will, ist die Trennung von Unternehmer und Kapitalgeber der Turbolader, der den "Kapitalismus alter Schule" vom Turbo-Kapitalismus unterscheidet.

   Da die Gelder der Anleger durch die Banken gebündelt und wieder verteilt werden, macht es noch nicht einmal etwas aus, wenn bei dieser Wirtschaftsform hin und wieder ein Unternehmen Pleite macht: Die Forderungsausfälle, die dann entstehen werden zumindest zu erheblichen Teilen durch die Sicherheiten gedeckt, welche die Fabrikanten auf Pump stellen mussten; ein weiterer Teil kommt aus der Verwertung des Sachvermögens bei der Insolvenz zurück. Und wenn am Schluss doch noch je ein paar Verluste übrig bleiben, wird das durch das mehr als kompensiert, was die verbleibenden Unternehmen in diesem System mit ihren Zinsen mehr an Gewinn ranschaffen als im „Kapitalismus alter Schule“.

Die Sinnlosigkeit dieses Systems

   Im Prinzip genauso wie der Mittelstand mit seinen Fabrikanten auf Pump funktionieren die Großunternehmen, die von Managern geführt werden und „Investoren“ gehören. Der Manager hat auch hier nicht für einen realen Wert, also echte Wirtschaftskraft seines Unternehmens zu sorgen, sondern für Shareholder Value, also angeblich verbesserte Rentabilität, die in Wirklichkeit meist eine Schädigung bedeutet, etwa wenn man Leute entlässt, damit Knowhow wegwirft und auf längere Sicht die Leistungsfähigkeit aushöhlt.

   Die Effekte dieses Systems kennen wir: Unternehmerische Entscheidungen werden nicht im Hinblick auf die nachhaltige Wirtschaftskraft eines Unternehmens getroffen, sondern dienen lediglich kurzfristigen Gewinnen, die oft genug bei näherem Hinsehen lediglich auf dem Papier gemacht werden. Der „Investor“ ist nicht an der längerfristigen Tragfähigkeit eines Unternehmens interessiert; er zieht einfach   sein Geld heraus, wenn die Rendite nicht mehr stimmt; was dann mit der Firma passiert, spielt für ihn keine Rolle.

   Das eigentlich Perverse an dieser Sache ist, dass heute, anders als im Feudalismus und im frühen Kapitalismus, gar nicht mehr persönliches Wohlleben der Zweck der Ausbeutung ist. Ob ein Unternehmen zehn oder hundert Milliarden wert ist, macht im Grunde für die Manager und Investoren schon gar mehr nichts aus: Sie haben so oder so alles, was man für Geld kaufen kann.

     Was bleibt, ist bei genauem Hinsehen lediglich ein sich Aufgeilen an immer höheren Zahlen, also nichts Anderes als ein Dienst am Götzen Mammon – und das auf Kosten der arbeitenden Menschen und derer die gerne arbeiten würden, aber in diesem System keinen Platz mehr haben, weil sie zwar längerfristig ein Gewinn für ein richtiges Unternehmen wären, aber den Shareholder Value nicht kurzfristig erhöhen. Und hinter all dem steckt in letzter Konsequenz der Zins, denn nur der ermöglicht es, mit Geld Geld zu verdienen.

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22. Oktober 2011 6 22 /10 /Oktober /2011 12:33

Mittlerweile sollte eigentlich jeder mitbekommen haben, dass sowohl unser Staat als auch die Wirtschaft in Schulden zu ersticken drohen. Das hauptsächliche Problem dabei ist der Zins, der nicht nur diese Schulden in der Gesamtheit ständig wachsen lässt, sondern den Geldumlauf massiv behindert, was der eigentlich Grund dafür ist, dass in der Wirtschaft „nicht mehr so richtig was geht“.

   Die Aussage ist zwar richtig, aber schwammig. Was unsere Verschuldung jedoch tatsächlich bewirkt, kann man abschätzen, wenn man die Zinslast in Zahlen betrachtet und ins Verhältnis zu Bevölkerungszahl und Einkommen setzt.

Die Staatsschulden

   Unser Staat hat derzeit etwa Zwei Billionen Euro Schulden. Letztes Jahr waren es gut 63 Milliarden Euro die er an Zins zu bezahlen hatte, wobei die Höhe der Schulden letztes Jahr noch niedriger war. Mit 800 Euro pro Jahr und Einwohner, das entspricht zwischen 65 und 70 Euro pro Monat darf man für dieses Jahr also rechnen.

   Jetzt muss man sich nur noch überlegen, was der Staat mit diesem Geld anfangen könnte. Wenn Eltern für ein Baby jeden Monat diese Summe ausbezahlt bekommen würden, wären damit die Pampers und ein erheblicher Teil der Babynahrung, wenn nicht gar alles, bezahlt. Wenn ein Kindergartengruppe mit 20 Kindern 1300 oder 1400 Euro im Monat zusätzlich bekäme, wäre der Träger sicherlich auch nicht böse, genauso wenig wie eine Schule mit 500 Kindern über zusätzliche monatliche Mittel in Höhe von an die 35000 Tausend Euro.

   800 Euro im Jahr würden eine ordentliche Brille für einen Erwachsenen bedeuten oder alle zehn Jahre zusammen mit dem, was die Kasse immerhin für Zahnersatz auch so noch zahlt, eine recht ansehnliche Esszimmerrenovierung. Diese Überlegungen könnte man beliebig fortsetzen, wenn man nicht auch so schon sehen könnte, wo das Geld bleibt, das der Staat uns durch Kürzung von Sozialausgaben in den letzten Jahrzehnten nach und nach abgezwackt hat.

Die übrigen Schulden

   Außer den Staatsschulden gibt es in Deutschland aber auch noch etwa sechs Billionen Euro andere Schulden, die auf Privatleuten, Firmen und anderen juristischen Personen lasten. Diese Schulden verzinsen sich mit einem im Durchschnitt wesentlich höheren Zinssatz als die Kredite des Staates. Rechnet man mit einem Zinssatz von etwa 8% sind das 480 Milliarden Euro pro Jahr oder 6000 Euro pro Jahr und Kopf, die wir Zinsen bezahlen. Das ist ein Schätzwert, da ich hierfür keine aktuellen Zahlen finden konnte. Ich weiß aber, dass die Zinslast bereits 2001 bei 382 Mrd. Euro pro Jahr lag; daher dürfte meine Schätzung nicht ganz schlecht liegen.

   Da nun der Durchschnittsmensch in Deutschland ca. 16000 Euro pro Jahr ausgibt und die gesamten Zinsen aus diesem Betrag bezahlt werden müssen, bedeutet das, das wir im Durchschnitt 37,5% unseres Geldes für Zinsen ausgeben. Das kann auch wiederum nicht allzu abwegig sein, denn Bernd Senf gab bereits für 1997 für diesen Anteil 30% an. Rechen wir aber der Einfachheit halber mit 33% bzw. einem Drittel.

   Natürlich stecken in diesem Anteil nicht nur die Kreditzinsen, die man für Hypotheken-, Konsumenten-, Disposition- und was weiß ich für Kredite direkt bezahlt. Wer selbst Schulden hat, ist in dieser Hinsicht noch viel ärmer dran als der Durchschnitt. Wer keine Schulden hat, ist besser dran, aber er bezahlt über die Preise der Waren und Dienstleistungen, die er bezieht, die Zinsen der Unternehmen mit, welche am Produktions- und Verteilungsprozess beteiligt sind. Für die sind nämlich diese Zinsen Kosten, welche in die Preiskalkulationen eingehen: Wenn man beispielsweise einen Liter Milch im Supermarkt kauft, steckt in dessen Preis unter vielem anderem ein Anteil am Zins, denn der Fuhrunternehmer, der die Milch angeliefert hat, für die Finanzierung des LKWs bezahlt, genauso wie der Zins, denn der Hersteller der Milchtüte für die Kredite auf seinen Maschinen bezahlt und noch vieles mehr.

Eine interessante Rechnung

   Ein Drittel durchschnittlicher Zinsanteil in den Preisen bedeutet nun aber nichts anderes, als dass wir im Durchschnitt ein Drittel weniger für unser Arbeitseinkommen kaufen können, als wir bekämen, wenn kein Zins auf der Wirtschaft lasten würde. Das wiederum bedeutet, dass uns durch den Zins ein Drittel der Werte vorenthalten wird, der uns als unser Anteil an der Wertschöpfung der gesamten Wirtschaft zusteht!

   Da nun aber der Kehrwert von 2/3 nach Adam Riese 3/2 oder 1 ½ ist, bedeutet das wiederum, dass wir im Durchschnitt um die Hälfte mehr für unseren Arbeitslohn kaufen könnten, wenn der Zins nicht wäre, also real, d.h. kaufkraftmäßig das 1½ fache verdienen würden. Wenn man sich das einmal klar gemacht hat, wundert man sich auch nicht mehr darüber, dass wir in den letzten Jahrzehnten zwar unsere Produktivität durch technischen Fortschritt und höhere Arbeitsbelastung immens gesteigert haben, dafür aber real (also an der Kaufkraft gemessen) kaum mehr verdienen.

 

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16. Oktober 2011 7 16 /10 /Oktober /2011 11:35

Was vor kurzem in den „Qualitätsmedien“ noch ein absolutes Tabu war, wird jetzt offen diskutiert: Eine Staatspleite Griechenlands. Es heißt jetzt auch, dass bereits Mittel bereitgestellt würden, um die Banken zu retten, die von einer Insolvenz Griechenlands in den Abgrund gerissen würden. Daran gewöhnt, von der hohen Obrigkeit und den Mainstream-Medien ständig Unfug erzählt zu bekommen, sollte man sich einmal darüber ein paar klare Gedanken machen, was tatsächlich passieren würde, wenn Banken Pleite gehen, weil Forderungen an Griechenland ausfallen.
   Angst ist ein probates Mittel um Macht auszuüben. Das Androhen fürchterlichster Katastrophen, um die Masse der Menschen gefügig zu machen, hat eine reichhaltige Tradition. Bei näherem Hinsehen sind die angeblichen Gefahren, die drohen, wenn sich das Volk nicht so und so verhält bzw. die Machthaber nicht das und das machen, in Wirklichkeit meist überhaupt nicht vorhanden.

Was man uns so erzählt

   Ein Beispiel ist die (angeblich menschengemachte) Erwärmung des Klimas. Der Zustand des Nordpolareises sei Besorgnis erregend und uns drohten die schlimmsten Dinge, wenn es auf unserer alten Erde noch etwas wärmer würde.

   Interessant in diesem Zusammenhang ist, dass jeder, der nur ein bisschen Ahnung von Geschichte hat, weiß, dass es vor ungefähr tausend Jahren noch deutlich wärmer war, als heute. Abgesehen davon, dass damals die Ausdehnung des Polareises noch wesentlich geringer gewesen sein muss als heute, deswegen aber keineswegs die Eisbären ausgestorben sind, heißt diese Zeit bei den Historikern jedoch nicht etwa „mittelalterliche Klimakatastrophe“ sondern „mittelalterliches Klimaoptimum“.
   Weder stand damals Norddeutschland unter Wasser, noch war Südeuropa eine einzige Wüste. Dafür konnte man auf Grönland Ackerbau und Viehzucht betreiben, in England und Norddeutschland Wein pflanzen und in ganz Europa so wohlhabend werden, dass man sich die tollsten Kirchen, Rathäuser und dergleichen bauen konnte. Dass dabei sehr wahrscheinlich auch ein sinnvolleres Geldsystem eine Rolle gespielt hat, sei hier nur am Rande erwähnt.

   Als dann schließlich das Klima in der so genannten kleinen Eiszeit wieder abkühlte – also das passierte, was man mit Glühbirnenverbot und Klima-Abzocksteuern erreichen will – brach über Europa ein tatsächlich finsteres Zeitalter herein: Der Dreißigjährige und andere Kriege, Missernten, Hungersnöte, Bauernaufstände usw. waren die historischen Ereignisse jener Zeit. Und ebenfalls nur am Rande, obwohl es uns zum eigentlichen Thema zurückbringt: Kriminelle Kaufleute hatten es geschafft, das sinnvolle Geldsystem des Mittelalters durch ein System mit Zins und Zinseszins zu ersetzen.

   Vergleicht man die historische Wirklichkeit also mit dem was man uns über Klimaerwärmung erzählt, stellt man fest, dass uns da kompletter Humbug aufgetischt wird. Das macht natürlich die Behauptungen unserer Öberen über die fürchterlichen Folgen einer Griechenland- und daraus folgender Bankenpleite ebenfalls sehr verdächtig. Grund genug, einmal nüchtern zu untersuchen, was bei einem solchen Crash tatsächlich passieren würde und was die Folgen wären.

Wie eine (Staats-)Pleite funktioniert

   Im Prinzip ist Griechenland bereits jetzt Pleite. Der Konkurs tritt nach buchhalterischen Verständnis dann ein, wenn jemand mehr Schulden hat, als sein Eigentum wert ist. In der Praxis dann, wenn er seine Schulden nicht mehr bedienen kann – und das ist bei Griechenland ja zweifelsohne der Fall.

   Der Konkurs eines Schuldners bedeutet, dass man im Extremfall mehr oder weniger alles verliert, was man von dem betreffenden Schuldner zu bekommen hatten. Um zu retten, was noch zu retten ist, kann man nun im Rahmen eines Konkursverfahrens verschiedene Dinge tun. Die radikalste Vorgehensweise ist, den kompletten Besitz des Schuldners zu Geld zu machen, normalerweise im Rahmen von Versteigerungen, und den Erlös unter den Gläubigern aufzuteilen.

   Einen Staat kann man jedoch nicht gut komplett verscherbeln, obwohl das in schleichender Form schon seit langem und nicht nur mit Griechenland passiert: Die so genannten Privatisierungen von Staatseigentum – Post, Bahn etc. - sind nichts anderes als Notverkäufe um den Geldmangel zu mildern, der durch die Staatsverschuldung entsteht. Auch wenn immer behauptet wird, das Privatisierungen gemacht würden, weil die entsprechenden Staatsbetriebe privatwirtschaftlich effizienter arbeiten würden.

   Zurück zum Thema: Eine komplette Abwicklung eines insolventen Staates ist nicht machbar, aber man kann das tun, was man beim Konkurs von Firmen auch manchmal tut, um sie dennoch zu erhalten: Man erleichtert die Schuldenlast. Das kann durch einen (teilweisen) Erlass der Schulden, durch Erleichterung der Bedingungen – kleinere Raten, längere Laufzeit – und/oder einem Verkauf von Teilen des Betriebsvermögens geschehen, so dass die Firma bzw. der Staat wieder in die Lage kommt, seine Schuldendienste aus den laufenden Einnahmen zu leisten.

Eine (Staats-)Pleite aus betriebswirtschaftlicher Sicht

   Die Gläubiger eines Staates oder eines Unternehmens, das insolvent wird verlieren natürlich meist Geld: Bei Totalverlust oder Reduzierung der Forderung auf die Konkursdividende auf jeden Fall; bei teilweisem Forderungsverzicht oder Streckung von Krediten könnte es im Endeffekt darauf hinauslaufen, dass die Gläubiger schlussendlich doch noch alles bekommen oder eventuell sogar besser abschneiden, letzteres nämlich wenn die Firma wieder auf die Beine kommt und man mit ihr wieder lukrative Geschäfte machen kann.

   Zunächst jedoch ist die Insolvenz eines Schuldners aus betriebswirtschaftlicher, nämlich aus der Sicht der Gläubiger im allgemeinen ein Nachteil: Man bekommt Geld, das man jetzt haben sollte gar nicht mehr, nur teilweise oder erst später. Vorteile hat man zu diesem Zeitpunkt allenfalls, wenn man sich aus dem Sachvermögen des Schuldners irgendwelche Sahnestückchen sichern kann.

Eine (Staats-)Pleite aus volkswirtschaftlicher Sicht

   Aus volkswirtschaftlicher Sicht hat eine Unternehmenspleite unterschiedliche Folgen: Als erstes denkt man da natürlich an den Verlust von Arbeitsplätzen beim Schrumpfen oder Verschwinden des Unternehmens. Weil dieses Argument immer sehr pauschal, sehr unreflektiert und auch ein Stück weit eher emotional – in Bezug auf die persönlichen Probleme der „freigesetzten“ Arbeitskräfte behandelt wird, soll hier kurz umrissen werden, was der Verlust von Arbeitsplätzen volkswirtschaftlich in erster Instanz bedeutet: Wenn ein Betrieb verschwindet, verschwindet vor allem seine Wertschöpfung; es liegen sowohl die Arbeitskraft der Entlassenen als auch die Kapazitäten der Produktionsmittel brach.

   Das bedeutet nun, dass die Wirtschaftsleistung sinkt, es wird weniger produziert und es kann daher weniger verteilt werden. Auf der Ebene des Geldes bildet sich dieser realwirtschaftliche Zusammenhang dahingehend ab, dass die weiterhin arbeitenden Menschen über Transferleistungen wie Arbeitslosengeld die Arbeitslosen mit unterhalten müssen.

   Im Fall einer Staatspleite bzw. bereits bei schlechter wirtschaftlicher Lage eines EU-Landes sieht das ganz ähnlich aus. Wir in den Geberländern der EU arbeiten ganz einfach für die Leute in den Nehmerländern mit, wie man in meinem Artikel über den so genannten Gemeinsamen Markt sehen kann – das tun wir aber schon lange.

   Bei genauem Hinsehen ist es also volkswirtschaftlich sinnvoll, sich von solchen Ländern zu trennen. Dass man das nicht tut, liegt daran, dass eben einzelne Unternehmen – sowohl der produzierenden als vor allem auch der Finanzwirtschaft – davon profitieren. Für sie ist es egal, dass das, was sie an zusätzlichen Geschäften aufgrund des Gemeinsamen Marktes mit schwachen EU-Ländern machen können, letztendlich von der Allgemeinheit in den wirtschaftlich stärkeren Ländern bezahlt wird.

   Soviel zu den realwirtschaftlichen Zusammenhängen. Um nun aber verstehen zu können, was eine Insolvenz und die daraus entstehenden Forderungsausfälle tatsächlich bewirken, muss man wissen, wie Geld funktioniert und wie es heute gehandhabt wird. Für den, der das nicht weiß, steht es z.B. in diesem Artikel.

Schuldenrückzahlung und Geldmenge

   Wer nun weiß, dass das umlaufende Geld im Prinzip vollständig aus Krediten stammt ist, versteht auch, dass die Rückzahlung von Schulden in sehr vielen Fällen die umlaufende Geldmenge vermindert. Man muss hier verschiedene Arten von Schulden unterscheiden:

   Geld, mit dem Schulden bezahlt werden, die auf Lieferungen beruhen, also aufgelaufene Rechnungen, Mietschulden und dergleichen, kommt in aller Regel schnell wieder in Umlauf, da der Gläubiger es ja wieder für Betriebsausgaben und in Form von Gewinn für sich selbst verwendet – bis auf einen eventuellen Teil dieses Gewinnes, der angelegt, also gehortet wird. Das gleiche gilt natürlich auch für rückständige Löhne und Gehälter.

   Geld, mit dem Bankkredite abbezahlt werden, die aus der Geldschöpfung der Zentral- und Geschäftsbanken stammen, hingegen füllt die Löcher im buchhalterischen Nirwana auf, die bei der Geldschöpfung durch Kreditvergabe entstanden sind. Dieses Geld verschwindet völlig aus dem Umlauf, dabei vermindern sich zwar die gesamten Schulden, aber eben auch die umlaufende Geldmenge.

   Dann gibt es noch Schulden, die letztendlich aus Geldanlagen von Privatleuten und Institutionen stammen, die keine Banken sind. Das sind zum Beispiel Staatsanleihen, aber auch der Teil von Bankkrediten, der aus Einlagen der Bankkunden anstatt aus der Zentralbank- und Giralgeldschöpfung stammt. Bezahlt man solche Schulden, vermindern sich zunächst die Gesamtschulden, aber auch die umlaufende Geldmenge. Dieses Geld gelangt in der Regel bald erneut in den Umlauf, weil der Anleger es ja wiederum verleiht, allerdings wieder gegen Zinsen und Rückzahlung.

   Auch das Geld aus Krediten, die von Banken geschöpft wurden und das daher bei der Rückzahlung im buchhalterischen Nirwana verschwindet, gelangt bei näherem Hinsehen gewissermaßen wieder in den Umlauf: Da die Schöpfung von Zentralbankgeld von gewissen Faktoren begrenzt ist, bedeutet die Rückzahlung von solchen Krediten in der Regel, dass neues Zentralbankgeld geschöpft werden kann, aus dem dann durch die wundersame Geldververmehrung der Geschäftsbanken, wieder die vielfache Menge an Giralgeld entsteht, dass aber eben mit Zinsen belastet und zurückzuzahlen ist.

   Auf den ersten Blick ändert die Rückzahlung von Schulden also zunächst nichts an der Geldmenge: Das Geld mit dem Lieferantenrechnungen und dergleichen bezahlt wird, wird wieder ausgegeben. Das Geld mit dem Anleihen von Anlegern zurückgezahlt werden, wird erneut angelegt, also verliehen und gelangt so erneut in den Umlauf. Für das Geld, mit dem Bankkredite zurückgezahlt werden und das dabei buchhalterisch verschwindet, kann neues Geld geschöpft werden. Auch das Geld, dass als Zinsen aus dem Umlauf an Anleger und Banken bezahlt wird, gelangt wieder in den Umlauf, denn es wird ja wieder angelegt bzw. verliehen.

Eine (Staats-)Pleite und ihre Auswirkungen auf die umlaufende Geldmenge

   Bei einer Pleite werden also ganz einfach Schulden nicht oder nicht vollständig bezahlt. Das kann zweifelsohne im Falle von Lieferantenrechnungen für die Gläubiger sehr weitreichende Folgen haben: Wenn das insolvente Unternehmen beispielsweise einem verhältnismäßig kleinen Lieferanten ein verhältnismäßig große Summe schuldet, kann das für diesen das Aus bedeuten. Jeder hat ja wohl schon von kleinen, an sich gesunden Unternehmen gehört, die aufgrund von Forderungsausfällen über die Wupper gegangen sind. Außerdem ist es natürlich eine Gemeinheit, wenn Menschen auf diese Weise um die Früchte ihrer Arbeit gebracht werden. An der umlaufenden Geldmenge ändert sich jedoch in einem solchen Falle nichts wie ich bereits oben gezeigt habe.

   Was aber passiert, wenn Banken und Geldanleger Geld durch einen Konkurs verlieren? Weiter oben sind wir dieser Frage ja bereits nachgegangen: Theoretisch eigentlich ebenfalls nichts, jedenfalls nicht, wenn das Geld im anderen falle aus dem Hort der Anleger erneut verliehen bzw. für im buchhalterischen Nirwana verschwundenes altes Kreditgeld neues geschöpft wird.

   Die Betonung liegt dabei jedoch auf dem „wenn“. Konkurse finden typischer Weise in wirtschaftlich schlechteren Zeiten statt. Dann sind zum einen Verleiher weniger geneigt Kredite zu vergeben, zum anderen trauen sich Privatpersonen und Unternehmen nicht so leicht, finanzielle Verpflichtungen einzugehen. Es kommt also weniger Geld durch Kreditvergabe in Umlauf; Geld, dass durch Rückzahlung von Krediten aus dem Umlauf verschwindet, wird daher nicht mehr vollständig durch neues Geld ersetzt. Damit verringert sich die umlaufende Geldmenge, was sich natürlich ungut auf die Realwirtschaft auswirkt und die wirtschaftliche Wetterlage weiter verschlechtert.

   Und jetzt kommt der interessante Effekt einer Insolvenz, über den kaum gesprochen wird: Wenn Schulden nicht bezahlt werden, bleibt die entsprechende Geldmenge im Umlauf. Das bedeutet nichts anderes, als dass im Prinzip Geld entsteht, welches nicht mehr durch Zinsen belastet ist und auch nicht mehr zurückgezahlt werden muss!

   Wenn Kredite nicht zurück bezahlt werden, wird also nicht nur in Zeiten der Rezession die Verringerung der umlaufenden Geldmenge gebremst, die auftritt wenn weniger neue Kredite gewährt als alte zurückgezahlt werden. Es wird in jedem Falle der entsprechende Anteil der umlaufenden Geldmenge von Zinsen und Rückzahlungspflicht befreit. 

   Das klingt im Grunde unglaublich, ist aber nur logisch, wenn man sich klar darüber ist, dass in unserem System Geld durch Schulden entsteht und durch Rückzahlung von Schulden wieder verschwindet. Ein konkretes Beispiel macht den Zusammenhang klar: Ein Unternehmen baut eine neue Fabrikhalle und finanziert diese mit einem Bankkredit in Höhe von einer Million Euro. Bei der Kreditaufnahme entsteht diese Million Euro aus dem buchhalterischen Nirwana und kommt in Umlauf, wenn das Unternehmen die Rechnungen der Firmen bezahlt, welch die Halle gebaut haben. Dadurch wird die umlaufende Geldmenge erhöht. Das Geld zirkuliert jetzt und muss von der Firma zurück verdient werden, damit sie ihre Schulden bezahlen kann. Dadurch verschwindet die ursprünglich ausgeliehene Million im buchhalterischen Nirwana, aus dem sie bei der Kreditaufnahme ja erschaffen worden war und die umlaufende Geldmenge schrumpft um diesen Betrag. Außerdem werden die Zinsen und Gebühren aus dem Kredit ebenfalls dem Umlauf entzogen, landen allerdings nicht im buchhalterischen Nirwana, sondern – im großen Geldsack der Bank, in ihrem Eigenkapital nämlich.

   Geht das Unternehmen nun in Konkurs, hat die Bank dieses Geld gesehen. Das bedeutet, dass sie es dem Umlauf nicht mehr entziehen kann und auch die Zinsen nicht mehr, die darauf bereits entstanden sind und bis zur Rückzahlung des Kredites noch angefallen wären. Dadurch hat sich die umlaufende Geldmenge quasi erhöht, weil die sonst erfolgte Verminderung um die Kreditsumme plus Zinsen durch den Konkurs des Schuldners ausgeblieben ist. Oder anders ausgedrückt: Durch den Konkurs ist im Umlauf Geld entstanden, dass weder verzinst noch zurückgezahlt werden muss.

   In der Praxis würde allerdings das für die Halle verwendete Geld nicht in voller Höhe zu unverzinstem und nicht rückzahlbaren, also gewissermaßen „freiem“ Geld im Umlauf werden, es sei den, der Schuldner hätte die Bank nach allen Regeln der Kunst ausgetrickst, so dass sie nicht die Hand auf die Halle legen kann. Wenn die Bank jedoch durch die Verwertung der Halle ihre Forderung nicht vollständig decken kann, wird dennoch Geld in der entsprechenden Höhe frei, genauso wie wenn die Halle in die Konkursmasse kommt und die Bank daraus nur einen Teil ihrer Forderung in Form einer Konkursdividende bezahlt bekommt. Der gleiche Effekt entsteht natürlich auch, wenn im Rahmen eines Konkursverfahrens das Unternehmen erhalten werden soll und Forderungen zum Teil erlassen werden.

   Leider ist der Effekt eines Konkurses in den Dimensionen eines mittelständischen Unternehmens auf die umlaufende Geldmenge sehr gering. Würden sich hingegen soviel Konkurse ereignen, dass sie eine spürbare Wirkung auf die umlaufende Geldmenge hätten, würde das noch einen anderen Effekt haben: Dann würde nämlich das Risiko bei der Kreditvergabe entsprechend ansteigen, was höhere Zinssätze und geringere Bereitschaft Kredite zu vergeben als Folge hätte – und damit natürlich eine Reduzierung der umlaufenden Geldmenge mit den bekannten Folgen für die Realwirtschaft.

   Trotzdem gibt es diesen Effekt und man sollte ihn kennen, wenn man sich über die Insolvenz von Staaten Gedanken macht. Bei sehr großen Konkursen kann dieser Effekt nämlich tatsächlich eine spürbare Rolle spielen.

Warum ist Griechenland pleite?

   Griechenland hat Schulden, weil es mehr importiert als exportiert hat. Normalerweise sollt man seine Importe mit den Erlösen seiner Exporte bezahlen und eine ausgeglichene Handelsbilanz haben. Exportüberschüsse sind eigentlich auch nicht gut, aber aufgrund unseres Geldsystems brauchen wir sie, genauso wie wir aufgrund der Geldschöpfung durch Kredite ständiges Wirtschaftswachstum brauchen. Wie das zusammenhängt, kann man in diesem Artikel und in dem über die Funktionsweise des so genannten gemeinsamen Marktes nachlesen.

   Besonders übel ist jedoch eine passive Handelsbilanz, bei der die Importe die Exporte überwiegen, denn dabei verschuldet ein Land sich unweigerlich. Griechenland hat mehr Geld für Importe ausgegeben als es mit Exporten eingenommen hat. Wenn man mehr ausgibt als man einnimmt, geht zuerst das Sparbuch drauf und dann macht man Schulden.

   Griechenland hatte kein Sparbuch, daher lieh sich seine Regierung gleich Geld – und zwar Euros. Das ging ganz einfach, weil man ja ein Euroland war und Staatsanleihen in Euro emittieren konnte. Über die Gehälter von beim Staat beschäftigten Personen und sonstige Staatsausgaben kamen die gepumpten Euros unter die Leute und wurden verwendet um sich Dinge zu kaufen, vor allem auch importierte Dinge.

   Das war natürlich very nice für die Unternehmen in denjenigen Ländern der Eurozone, die ordentlich etwas zu exportieren haben. Die konnten nun die Euros einnehmen, welche sich die Griechen gepumpt hatten, was natürlich die umlaufende Geldmenge in diesen Ländern vermehrte, was ja der Wirtschaft unter den gegebenen Umständen – ständige Verknappung des zirkulierenden Geldes durch Zinsbelastung – recht gut tat.

   Ständig pumpen und mehr ausgeben, als man einnimmt geht allerdings nur eine begrenzte Zeit. Irgendwann kann man dann seine Schuldendienste nicht mehr leisten – und genau das ist Griechenland passiert.

Was passiert, wenn Griechenland auch offiziell pleite geht?

   Wenn Griechenland pleite geht, passiert im Prinzip das gleiche wie bei einer Unternehmenspleite oder einer Privatinsolvenz: Die Schulden werden ganz oder teilweise nicht mehr zurück bezahlt. Dann schauen zwar einige Leute, die bis jetzt dachten, sie hätten Geld, mit dem Ofenrohr ins Gebirge – nämlich diejenigen, die dieses Geld in griechischen Staatsanleihen stecken haben, aber es tritt auch der bereits beschriebene Effekt auf, dass Geld im Umlauf bleibt, dass durch die Bezahlung der Schulden aus diesem verschwunden wäre – also im Prinzip ein positiver Effekt für die Wirtschaft.

   Will man die Pleite Griechenlands verhindern, kann man das nur tun, indem man ihm Geld gibt, um sein Schulden zu bezahlen. Ob man dieses Geld gleich mit schwarzer Kreide in den Schornstein schreibt oder ob Griechenland es angeblich irgendwann einmal zurückzahlt, spielt dabei überhaupt keine Geige.

   Abgesehen davon, dass die Rückzahlung solcher Hilfen mehr als fraglich wäre, müsste das Geld so oder so jetzt aufgebracht werden und zwar aus Steuermitteln. Diese Steuermittel könnte der Staat dann jedoch nicht für andere Aufgaben verwenden. Dass dies bedeuten würde, dass der Staat von dringend notwendigen Straßenreparaturen über den Kauf von Computern für Schulen bis zur Zahlung von Fördergeldern für die Forschung Dinge unterlassen müsste, die er sonst tun könnte ist dabei noch das kleinste Übel. Das tatsächliche Problem dabei ist, dass dadurch bei uns Geld nicht in den Umlauf gelangt, das ohne Griechenlandhilfen bei uns in den Umlauf gelangt wäre und Geld ersetzt hätte, dass durch Schuldendienste aus dem Umlauf verschwindet.

   Fehlendes Geld im Umlauf bedeutet aber nichts anderes als Rezession. Der Staat müsste sich dann das Geld für Konjunkturprogramme dann wiederum leihen und das in einer Zeit, in dem er sowieso schon bis über die Ohren verschuldet ist und damit die sich so bereits immer schneller drehende Abwärtsspirale von Schulden uns Zins zusätzlich beschleunigen.

   Anders ausgedrückt: Die Leute, die Griechenland Geld geliehen haben, haben mit Zitronen gehandelt. Durch die Griechenlandhilfen ersetzten wir diesen Leuten indirekt ihre Verluste und müssen uns dann von ihnen wiederum das Geld leihen, das wir ihnen geschenkt haben, damit wir wieder welches im Umlauf haben und die Wirtschaft funktioniert.

Und was passiert dann mit den Banken?

   De facto ist Griechenland bereits pleite, denn das ist man, wenn man seine Schuldendienste nicht mehr leisten kann. Offiziell ist es das jedoch noch nicht und daher gelten seine Anleihen noch als Werte. Nehmen wir einfach der Einfachheit halber an, dass die griechischen Staatsschulden vollständig für null und nichtig erklärt würden und überlegen uns, was dann passieren würde. Bei einem nur teilweisen Erlass würden diese Effekte dann einfach in entsprechend schwächeren Maße auftreten.

Bank01

So würde die Bilanz einer Bank vereinfacht aussehen, wenn man sie wie ein Nichtbank-Unternehmen bilanzieren würde, was man in diesem Fall der Einfachheit halber machen kann. Was man leicht erkennt: Wenn der gelbe Bereich in der linken Säule schrumpft, weil Geldanlagen ihren Wert verlieren, wird die rechte Säule insgesamt niedriger. Weil  die linke Säule immer gleich hoch sein muss wie die rechte, schwindet zunächst das Eigenkapital der Bank. Wenn die rechte Säule niedriger wird als der rote Teil der linken, ist die Bank pleite.

     

   Wenn die griechischen Staatsanleihen nichts mehr wert sind, weil man Griechenland seine Schulden erlassen hat, verlieren die Besitzer Teile ihres Vermögens, nämlich das Geld, das sie in die Anleihen gesteckt haben. Für Privatanleger ist das bitter, für Banken kann es den Konkurs bedeuten.

     Ein Bank ist nämlich einfach ausgedrückt ein Konstrukt aus eigenem Geld, Verbindlichkeiten und Forderungen.  Die Forderungen sind das Geld das sie angelegt, also als Kredite verliehen, in Wertpapiere und was weiß ich alles gesteckt hat. Die Verbindlichkleiten sind das Geld, das die Kunden „auf der Bank haben“ sowie Kredite, die die Bank selbst aufgenommen hat. Das eigene Geld ist das Geld, das der Bank selbst gehört und kurszfirstig verfügbar ist wie z.b. das Bargeld im Tresor. Damit die Bank gesund ist, müssen das eigene Geld der Bank und die Forderungen mindestens soviel betragen wie die Verbindlichkeiten. Die Summe, um die die Forderungen und das eigene Geld der Bank die Forderungen, also die Einlagen der Kunden, übersteigen, ist das Eigenkapital, also der  Teil der Bank, der den Eigentümern der Bank selbst gehört. Die Verbindlichkeiten, also die Einlagen und selbst aufgenommen Kredite sind das Fremdkapital.  

   Wenn nun ein Teil der Forderungen aus griechischen Staatsanleihen besteht und diese wertlos werden, sinkt natürlich der Gesamtwert auf dieser Seite der Bilanz um den Betrag der in diesen Anleihen gesteckt hat. Wenn der Restwert zusammen mit dem Eigenkapital nun weniger ist, als die Einlagen der Bank betragen, ist sie pleite. Und zwar ganz einfach deswegen, weil sie weniger Geld hat, als ihre Kunden ihr insgesamt als Einlagen anvertraut haben.

   Das wäre im Grunde auch nicht weiter schlimm, den vor allem haben dann Leute Geld verloren, die soviel davon haben, dass sie es horten und dem Umlauf entziehen. Es ist realwirtschaftlich gesehen nämlich kein Schaden wenn solche Leute einen Teil ihres Vermögens verlieren. Das Dumme an der Sache ist aber, dass die Banken im heutigen Wirtschaftsleben mittels der bargeldlosen Zahlungsmethoden auch für den Geldumlauf sorgen. Daher lassen Banken, die ihre Schalter schließen, weil sie pleite sind, den Geldumlauf und damit die reale Wirtschaft stocken.

Was könnte der Staat tun?

   Der Staat könnte in so einem Fall mit gesetzlichen Regelungen in der Art von Notstandsverordnungen für einen Notbetrieb bei von einer derartigen Pleite betroffenen Banken sorgen, der die einzige sinnvolle Aufgabe der Banken, nämlich den Zahlungsverkehr zunächst sicherstellt. Wenn die Girokunden einer solchen Bank dann neue Bankverbindungen haben, so dass sie wieder Zahlungen empfangen und tätigen können, könnte man das Institut dann geordnet in Konkurs gehen lassen.

   Eventuell könnte man eine solche Bank auch zu retten versuchen, indem man einfach per Gesetz die verzinslichen Geldanlagen bei dieser Bank – also die Forderungen ihrer Kunden – um soviel kürzt, wie die Verluste durch griechische Staatsanleihen betragen. Damit wäre dann die Bilanz der Bank wiederum in Ordnung. Allerdings würde eine solche Bank vermutlich den daraus folgenden Imageverlust nicht überleben, weil sie anschließend an Kundemangel eingehen würde.

Was der Staat womöglich tatsächlich tut

     Tatsächlich steht jedoch zu befürchten, dass der Staat nicht die Geldanleger rasiert, sondern einfach den Banken soviel Geld schenkt, dass ihr eigenes Geld so viel wird, dass es zusammen mit den verbliebenen Geldanlagen wieder mindestens soviel ist, wie die Guthaben der Kunden betragen.

   Das dazu notwendige Geld kommt natürlich aus unseren Steuern und wird an notwendigen Dingen eingespart. Die Effekte sind dann im Prinzip die gleichen, wie sie oben in Bezug auf die Schuldenhilfe für Griechenland beschrieben wurden.

Fazit

   Eine Staatspleite Griechenlands muss unsere Wirtschaft keineswegs wirklich schädigen. Sie wird es aber tun, wenn unser Staat darauf in einer Weise reagiert, welche große Geldvermögen schützt, anstatt den Geldumlauf in der Realwirtschaft sicherzustellen.

   Da dies aber sehr wahrscheinlich versucht werden wird, wäre eine komplette „Kernschmelze“ vorzuziehen. In diesem Falle würden im Prinzip die Geldvermögen in die Schulden stürzen und sich gegenseitig vernichten wie Materie und Antimaterie. Zum Schluss wäre dann lediglich noch das Bargeld in den Portemonnaies, Sparstrümpfen und Kassenschubladen übrig, dass aber bei weitem nicht für den täglichen Zahlungsverkehr ausreichen würde.

   Das wäre dann natürlich das Ende des Euro und – hoffentlich – auch der EU. Nach dem was man bereits seit längerer Zeit aus immer ernster zu nehmenden Quellen hört, rechnen nicht nur Deutschland, sondern auch andere Euro-Staaten mit einer solchen Möglichkeit und haben womöglich tatsächlich bereits ihre neuen alten Währungen in der Schublade.

   Tatsächlich würden eine Währungsreform und die Zerschlagung der EU zwar eine Menge Geldvermögen vernichten, dafür aber der Realwirtschaft einen neuen Anfang ermöglichen, auch wenn kaum zu hoffen steht, dass man die durch eine Kernschmelze der Finanzwirtschaft entstehenden Chance auf eine sinnvolle Reform des Geldsystems nutzen wird.

   Altersarmut von Leuten, die bei einer Währungsreform ihre Ersparnisse verlieren, wäre dabei übrigens auch kaum zu befürchten zumindest nicht aus sachlichen Gründen. Erstens sind die in Geldwertanlagen angelegten Ersparnisse solcher Leute bereits jetzt weg, zweitens können wir unsere Rentner in 30 Jahren nicht mit dem Geld ernähren, das sie heute haben sondern müssen dass mit der realen Wertschöpfung tun, die unsere Wirtschaft dann zu leisten im Stande sein wird und die wir entsprechend verteilen müssen. Aber das ist bereits wieder eine Geschichte über eine andere Lüge...

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14. Oktober 2011 5 14 /10 /Oktober /2011 17:46

Seit vielen Jahren hören wir die gebetsmühlenartige Wiederholung von Phrasen, die besagen, dass wir Wirtschaftswachstum brauchten und das Exportüberschüsse etwas Gutes seien. Tatsächlich kann man aber keinen realwirtschaftlichen Grund dafür finden, dass ein ständiges Wachstum der Wirtschaft erforderlich wäre. Genauso ist eine positive Handelsbilanz, also ein Exportüberschuss, realwirtschaftlich gesehen, nicht nützlich, sondern schädlich.

   Wirtschaftswachstum ist natürlich eine schöne Sache, jedenfalls solange es nicht auf Kosten unserer Lebensgrundlage, nämlich dieses Planeten und seiner Ökologie geht und schon gar nicht auf Kosten von Menschen in anderen Teilen dieser Welt, die für unseren Wohlstand bezahlen müssen. Es ist aber keineswegs notwendig, damit eine Wirtschaft überleben kann – jedenfalls nicht, wenn alles mit rechten Dingen zugeht.

   Exportüberschüsse sind aus realwirtschaftlicher Sicht ebenfalls Blödsinn. Normalerweise exportiert man Dinge, um sich andere Dinge kaufen zu können, die man nicht selbst herstellen kann. Für die selbst erzeugten Waren, die man im Land nicht mehr kaufen kann, weil man sie exportiert hat, sind Importwaren ins Land gekommen. Gleichzeitig hat man das mit Exporten eingenommene Geld wieder für Importe ausgegeben. Am Verhältnis zwischen Geld und Waren im Inland hat sich nichts geändert, Geldwert und Preise bleiben stabil.

   Exportiert man hingegen wertmäßig mehr als man importiert, hat man im Inneren weniger Ware und mehr Geld. Das bedeutet aber steigende Preise, so dass die größere Geldmenge für die kleinere Warenmenge ausgegeben werden muss. Im Endeffekt hat man also Waren im Wert des Exportüberschusses verschenkt und sonst nichts. Auch das gilt immer, wenn alles mit rechten Dingen zugeht.

   Nun ist es aber tatsächlich so, dass wir ohne Wirtschaftswachstum und Exportüberschüsse nicht auskommen. Also geht ganz offensichtlich etwas nicht mit rechten Dingen zu. Um herauszufinden, was das nun ist, was da nicht stimmt, muss man sich klar machen, wie sich unser Geldsystem auf unsere Wirtschaft auswirkt.

Warum Wirtschaftswachstum (scheinbar) notwendig ist

   Ein Geldsystem wie das unsere, bei dem Geld nur durch Kreditaufnahme in Umlauf kommt, funktioniert nur, solange die Wirtschaft wächst und zwar immer um mehr als der durchschnittliche Zinssatz beträgt. Um das zu verstehen muss man den Mechanismus der Geldschöpfung kennen. Wer noch nicht weiß, wie der funktioniert, kann das in diesem Artikel nachlesen.

  Wenn man nun weiß, wie Geld gemacht wird, kann man auch verstehen, warum dazu ständiges Wirtschaftswachstum notwendig ist: Das durch Kredite in Umlauf gekommene Geld verschwindet bei der Rückzahlung und muss erneut ausgeliehen werden, damit Geld im Umlauf ist. Das umlaufende Geld reicht aber nur für die Tilgung der Kredite, also die Rückzahlung der ursprünglich ausgeliehenen Summen. Für den darüber hinaus fälligen Zins ist dann kein Geld mehr vorhanden. Damit der Zins auch noch bezahlt werden kann, muss ständig mehr Geld ausgeliehen werden.

   Da dieser Prozess der immer höheren Verschuldung kontinuierlich abläuft, ist nicht so leicht zu erkennen, wie er funktioniert. Leichter zu verstehen wird das Ganze, wenn man sich den Ablauf nicht kontinuierlich, sondern in einzelne Runden aufgeteilt vorstellt: Am Anfang der ersten Runde kommt eine Menge X an Geld dadurch in Umlauf, dass es als Kredit zu 5% p.a. Zins geschöpft wird. Am Ende der Runde müssen alle Schulden zurückgezahlt werden. Dafür reicht das vorhandene Geld jedoch nicht aus, denn es ist ja nur soviel im Umlauf, wie ursprünglich ausgeliehen wurde, nämlich die Menge X. Die ebenfalls fälligen Zinsen in Höhe von 5% der Menge X können nicht bezahlt werden.

   Damit nun der nächsten Runde wieder genauso viel Geld im Umlauf ist wie in der ersten, muss außer der Summe X noch einmal 5% von X ausgeliehen werden, damit die Zinsen aus der ersten Runden bezahlt werden können und trotzdem wieder die Menge X an Geld im Umlauf ist. Von Runde zu Runde wachsen so die Schulden und können systembedingt niemals vollständig zurückbezahlt werden. Dass dieser Vorgang nun in der Realität kontinuierlich abläuft und nicht in Runden, ändert an der Funktionsweise nichts.

  Damit die Kredite, durch die unser Geld in Umlauf kommt, aber auch abgesichert sind, müssen diejenigen, die sich das Geld ausleihen, „gut“ für die jeweiligen Summen sein, also über so genannte Bonität verfügen. Bonität bedeutet ganz allgemein, dass jemand (voraussichtlich) in einer Lage ist, eine bestimmt Summe, die er sich leiht, auch zurückzuzahlen. Er muss gewisse Sicherheiten zu bieten haben. Das kann ein Sachwert wie ein Haus sein, denn man als Sicherheit einsetzt, aber auch immaterielle Dinge, wie ein gut bezahlter Arbeitsplatz, ein Patent oder eine tragfähig erscheinende Geschäftsidee.

   Diese Dinge, die Banken und Investoren bewegen, Geld zu verleihen, sind aber im Endeffekt auch genau die Dinge, die in der Summe den Wert einer (Volks-)Wirtschaft ausmachen: Ihr Potential, Güter und Dienstleistungen zu erzeugen, also reale Werte zu schöpfen.

   Da nun die Geldsummen, die ausgeliehen werden müssen, ständig größer werden, muss auch die Bonität der Firmen und Privatpersonen, die sich dieses Geld ausleihen ständig größer werden. Und das bedeutet nichts anderes, als das der Wert der gesamten Wirtschaft ständig wachsen muss, damit die Schulden, aus denen die ständig wachsende Geldmenge generiert wird, gedeckt bleiben. Und genau das ist der Grund, aus dem wir ständiges Wirtschaftswachstum brauchen.

   Die Sache mit dem Schuldgeld hat aber noch einen weiteren Haken: Damit das, was die reale Wirtschaft produzieren kann, auch gekauft werden kann, muss immer genug Geld im Umlauf sein. Wenn die Wirtschaft also wächst, müssen nicht nur immer neue Schulden aufgenommen – also Fiat Money, Kreditgeld geschöpft – werden, um die Zinsen zu bezahlen; es muss auch noch zusätzliches Geld geschöpft werden, damit sich die umlaufende Geldmenge vermehrt und die von der wachsenden Wirtschaft zusätzlich produzierten Güter auch gekauft werden können.

  Dummerweise hat in unserem System nun aber, obwohl die gesamte Geldmenge ständig wächst, die umlaufende Geldmenge die Neigung zu schrumpfen. Das kommt daher, dass aus ihr ja ständig der Zins für die Kredite abfließt, durch die überhaupt erst Geld im Umlauf ist.

  Dieser Effekt ist bei einer jungen Währung zunächst sehr gering, vor allem, wenn gleichzeitig auch für die Wirtschaft noch genug Raum zum Wachsen da ist. Das war bei uns nach dem zweiten Weltkrieg der Fall. Je länger die Sache mit der Geldschöpfung durch Schulden läuft um so schwieriger wird es jedoch. Wer schon eine Weile auf der Welt ist, hat sicher beobachtet, dass es schon seit längerer Zeit immer schwieriger wird, Geld zu verdienen. Das liegt ganz einfach daran, dass immer mehr von dem Geld, das einer ausgibt und ein anderer einnimmt nicht wiederum ausgegeben werden kann, sondern für Zinszahlungen verwendet werden muss. Dieser Anteil des Geldes verschwindet auf dem Umlauf, weil er entweder durch die Rückzahlung von Bankkrediten verschwindet oder in die Geldhorte von Anlegern geht, von wo er nur durch erneute Ausleihe wieder in den Umlauf kommen kann.

(Schuld-)Geldmenge und Rezession

   Das System der Geldschöpfung aus Schulden hat noch einen weiteren üblen Haken: Es reagiert sehr sensibel auf Schwankungen des Wirtschaftswachstums. Wenn sich aus irgendeinem Grund die wirtschaftlichen Aussichten eintrüben verschlechtert sich sozusagen die Bonität der ganzen Wirtschaft und es wird nicht mehr so viel Geld verliehen.

  Das lässt sich ohne weiteres auch im Kleinen beobachten: Wenn die gesamtwirtschaftliche Lage schlechter zu werden droht, sind auch die Aussichten einzelner Firmen schlechter, so dass die Banken ihnen weniger Geld leihen. Gleichzeitig werden Arbeitsplätze unsicher, und da Banker natürlich wissen, bei welchen Firmen Arbeitsplätze wackeln, werden sie deren Beschäftigten nicht mehr so leicht und so viel Geld für ein neues Auto oder dergleichen leihen. Wird einer gar arbeitslos, wird er kaum mehr einen Kredit bekommen (oder auch gar keinen aufnehmen wollen) und eine Firma, die Absatzeinbrüche zu verzeichnen hat, wird ebenfalls schlechter dran sein, wenn sie etwas finanziert haben will als ein mit vollen Auftragsbüchern.

  Da aber die die bestehenden Schulden weiter bezahlt werden müssen, verschwindet auch weiterhin Geld aus dem Umlauf. Dieses wird jetzt jedoch nicht mehr vollständig durch neue Kredite ersetzt, da die Bonität der Kreditkunden gesunken ist und weniger Geld verliehen wird. Daher vermindert sich die umlaufende Geldmenge, was nichts anderes bedeutet, als dass es weniger zu verdienen gibt. Dadurch verschlechtern sich die Gewinnaussichten der Firmen und die Aussichten der Privatleute auf Erhalt oder gar Verbesserung ihrer Einkommen.

  Schlechtere Verdienstmöglichkeiten von Firmen und Privatleuten bedeuten jedoch nichts anders als eine Verschlechterung ihrer Bonität, so dass noch weniger Geld verliehen wird und die umlaufende Geldmenge noch weiter schrumpft – und damit wiederum die Verdienstmöglichkeiten und so weiter und so fort...

  Bei einer jungen Währung und viel verbleibenden Raum zum Wirtschaftswachstum wird sich auch dieser Mechanismus noch nicht so stark aus. Daher kommt die Wirtschaft in dieser Phase auch relativ leicht wieder aus der Rezession heraus wenn es durch Dinge wie technische Fortschritte oder dergleichen Impulse gibt, die zunächst zumindest für einen Teil der Wirtschaft bessere Aussichten bedeuten. Die betreffenden Unternehmen haben durch ihre bessere Aussichten wieder eine bessere Bonität, und bekommen wieder eher und mehr Geld geliehen, das dadurch unter die Leute kommt und bessere Verdienstmöglichkeiten und damit auch Bonität für weitere Firmen bedeutet. Das gleiche passiert natürlich auch auf der Ebene der Privatleute: Arbeitsplätze werden sicherer, so dass deren Inhaber sich wieder eher Geld für neue Autos oder Möbel leihen oder gar bauen, Arbeitslose bekommen Jobs und stellen wieder solvente Kreditkunden dar.

  Je länger das System aber bereits läuft, umso tiefer werden solche Rezessionen und um so schwerer werden sie überwunden. Das kann man am Auf und Ab der Wirtschaft in den letzten 40, 50 Jahren sehen, schon allein daran, dass die Arbeitslosigkeit auf die Länge immer weiter gestiegen ist. Dass wir noch nicht ganz abgestürzt sind, liegt im Prinzip nur daran, dass durch den immensen technischen Fortschritt und dadurch, dass wir immer härter schuften, gleichzeitig unsere Produktivität unglaublich gesteigert haben. Und nicht zuletzt auch daran, dass Leute in Asien unseren Konsumkram, also Hightech-Krempel, Klamotten, sogar Möbel und was weiß ich was noch alles für Hungerlöhne zusammennageln.

Die Notwendigkeit von Exportüberschüssen und Globalisierung

   Auch dass wir Exportüberschüsse brauchen lässt sich als Folge des Systems der Geldschöpfung durch Schulden ganz einfach erklären: Die über die Kosten unserer Importe hinausgehenden Exporterlöse können die umlaufende Geldmenge ganz einfach deswegen nicht erhöhen, weil sie komplett für Zinszahlungen benötigt werden.

   Hätten wir keinen Exportüberschuss, wäre das Geld im Umlauf noch knapper. Wir verscherbeln also ständig Ergebnisse unserer Arbeit ins Ausland, nur um damit die Zinsen für das Geld zu bezahlen, dass wir uns leihen müssen, damit wir welches im Umlauf haben und unsere eigenen Güter austauschen können.

  Auch die angeblich notwendige Globalisierung ist nur eine Folge der Geldschöpfung durch Kreditaufnahme. Wenn ein solches System eine gewisse Zeit gelaufen ist, ist im Prinzip die komplette Wirtschaft an Banken und Investoren verpfändet. Das muss nicht einmal ausdrücklich geschehen, sondern passiert eigentlich ganz automatisch bei jeder Kreditaufnahme: Wenn ein Banker jemandem, sagen wir, einen Konsumentenkredit oder auch eine Kontoüberziehung von 5000 Eurillos gewährt, ohne formell eine Sicherheit zu verlangen, tut er das, weil er weiß, dass er sich dieses Geld im Ernstfall recht leicht auf dem Wege der Lohnpfändung zurückholen kann. Damit hat der Kreditnehmer also, ohne das ausdrücklich zu sagen, im Prinzip seine Arbeitskraft verpfändet.

  Etwas, das bereits verpfändet ist, kann man nicht noch einmal verpfänden. Wenn ein Land aufgrund seiner Geldschöpfung durch Kredite also komplett verpfändet ist, können die Banker und Investoren dort also kein Geld mehr aus Schulden erzeugen.

   Da dies mittlerweile praktisch in der ganzen Alten und Neuen Welt der Fall ist, muss nun die Dritte Welt herhalten. Man erzeugt Geld, indem man armen Ländern Kredite auf Werte gibt, die sie besitzen, aber aufgrund ihrer Armut nicht selbst nutzen können. Für das so entstandene Geld verkauft man ihnen irgendwelchen Krempel. Dann lässt man sie irgendwelches Zeug produzieren, für dass man ihnen möglichst wenig bezahlt, damit man möglichst viel davon für die Zinsen bekommt, die einem das Land bezahlen muss. Gleichzeitig hat man dann auch noch billige Produkte, mit denen man die Schuldsklaven in den Industrieländern bei Laune halten kann.

  Mit diesem Mechanismus kann man unterentwickelte Länder uferlos ausbeuten. Man muss lediglich aufpassen, dass diese Länder nie ihre Schulden los werden. Wenn sie nämlich keinen Schuldendienst in Devisen (sprich: US-Dollars) mehr zu leisten hätten, wäen sie auch nicht mehr gezwungen, ihre ganzes realwirtschaftliches Potential auf die Produktion von Gütern zu verwenden, die sie gegen diese Devisen zu einem diktierten und natürlich viel zu niedrigen Preis verkaufen müssen. Dann könnten sie ihre Arbeitskraft und ihre Ressourcen nämlich dazu verwenden, eine Wirtschaft aufzubauen, die ihre eigenen Bedürfnisse erfüllt – und eventuell sogar selbst am Weltmarkt als ernstzunehmender Spieler aufzutreten. Dass deswegen bestimmte Leute den immer wieder geforderten Schuldenschnitt oder den kompletten Schuldenerlass für Drittweltländer fürchten wie der Leibhaftige das Weihwasser, braucht daher auch nicht zu verwundern.

   Ein Beispiel für diese Methode ist Burkina Faso: Dieses arme afrikanische Land ist gezwungen, Baumwolle, Baumwolle und noch einmal Baumwolle anzubauen und zu einem Spottpreis zu verkaufen, um die Zinsen für seine Auslandsschulden zu bezahlen. Daher können die Leute dort keine vielseitige Wirtschaft aufbauen, die ihre eigenen Bedürfnisse deckt und bleiben daher arm wie Kirchenmäuse.

   Mit meinem bekannt losen Mundwerk bin ich in Versuchung, Globalisierung folgender Maßen zu definieren: Vor 150 Jahren hat man ohne Globalisierung in Afrika Neger geklaut um sie zuhause für sich arbeiten zu lassen, heute hat man mit der Globalisierung ganz Afrika geklaut und lässt die Neger dort für sich arbeiten...

 

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12. Oktober 2011 3 12 /10 /Oktober /2011 10:16

„Über Geld spricht man nicht: Entweder man hat es, dann braucht man nicht darüber zu sprechen oder man hat es nicht, dann kann man nicht darüber sprechen.“ Trotzdem wird in den letzten Tagen und Wochen sehr viel über Geld gesprochen, über den Euro nämlich, darüber, ob er es noch lange macht und auch darüber ob wir vielleicht schon demnächst unsere gute, alte D-Mark zurück bekommen. Banken sollen krachen, wenn Griechenland Konkurs anmeldet und das soll dann für uns alle gar fürchterlich sein. Schaurige Aussichten, aber auch eine gute Gelegenheit, sich ein paar Gedanken darüber zu machen, wie Banken und Geld eigentlich funktionieren.

    Geld ist furchtbar wichtig in unserer Gesellschaft. Jeder möchte es haben, wer wenig hat, gibt es nicht gerne aus und angeblich macht es zwar nicht glücklich, beruhigt jedoch. Was aber ist Geld, welche Rolle spielt es tatsächlich und warum brauchen wir es so nötig?

Was Geld tatsächlich ist

   Geld ist in letzter Konsequenz nichts anderes als eine Hilfskonstruktion für den Tauschhandel. Der Besitz einer bestimmten Summe (Bar-)Geld bedeutet nichts anderes, als dass der Besitzer gewisse Leistungen erbracht hat und nun das Recht hat, andere Leistungen im gleichen Wert zu beziehen. Theoretisch könnte man anstatt Münzen und Banknoten zu verwenden, auch Buch darüber führen, was jeder einzelne leistet und bezieht. Nichts anderes geschieht ja beim bargeldlosen Zahlungsverkehr – und zum Beispiel auch in Tauschringen.

   Beim Bargeldverkehr erspart man sich die zentrale Buchführung, indem man gewissermaßen am Mann vermerkt, was er beziehen darf: Münzen und Banknoten sind nichts anderes als Merker oder Signale dafür, dass ihr Besitzer das Recht hat, Leistungen in einem bestimmten Wert zu beziehen. Macht er nun von diesem Recht Gebrauch und kauft etwas, gibt er eine entsprechende Menge dieser Merker an den Verkäufer weiter, indem er die Ware oder Leistung bezahlt. Damit hat er Ansprüche in der entsprechenden Menge aufgebraucht. Dafür hat jetzt der Verkäufer das Geld in der Tasche, was das Kennzeichen dafür ist, dass er seinerseits geleistet hat und berechtigt ist, zu beziehen.

   Gleichzeitig ist das Geld ein (zwar zuweilen doch recht subjektiver, aber immerhin doch einer) Maßstab für den Wert von Dingen. Wie viele Hühner ist ein Schwein wert? Wie viele Kartoffeln gibt man für einen Zentner Getreide? Wie viele Fernsehapparate für eine Auto? Die Währungseinheit – Gulden, Krone, Mark usw. - stellt eine Einheit für den Wert von Dingen dar und macht sie vergleichbar, indem man den Preis einer Ware oder Dienstleistung darin ausdrückt.

  Auf diese Art und Weise ermöglicht das Geld einen problemlosen Tauschhandel um praktisch beliebig viele Ecken, ohne dass sich die Beteiligten untereinander kennen oder gar direkt miteinander kommunizieren müssen. Schon ab einer recht einfachen Arbeitsteilung in einer Wirtschaft funktioniert es gar nicht anders.

  Natürlich hat Geld aus sich selbst heraus keinen Wert. Dass ein Hunderteuroschein eben einhundert Euro wert ist, liegt lediglich daran, dass es Leute gibt, die ihn im Austausch für Waren oder Dienstleistungen annehmen. Trotzdem darf es an Geld nicht fehlen, es muss immer genug davon und zwar in ausreichend kleiner Stückelung im Umlauf sein. Und zwar genau so viel, dass damit alle Dinge bezahlt werden können, die in dem Zeitraum hergestellt werden, in dem das ganze Geld durchschnittlich einmal weitergegeben wird. Ist das nicht der Fall, werden Werte nicht geschöpft, die geschöpft werden könnten, sprich: Die Möglichkeiten der Realwirtschaft werden nicht ausgenutzt, wir haben weniger als wir haben könnten.

Wie Geld entsteht

   Wie Geld funktioniert, wenn es einmal im Umlauf ist, ist jetzt also klar. Wie jedoch entsteht es und wie gelangt es in den Umlauf?

   Früher verwendet man Dinge als Geld, die nicht ganz einfach zu bekommen waren: Gold, bestimmte Muscheln oder auch Salz, von dem übrigens das Wort „Salär“ herkommt. Diese Arten von Geld entstanden logischerweise dadurch, dass jemand die entsprechenden Dinge aus der Natur gewann, wofür einiger Aufwand und/oder Glück notwendig war. Daher war die Geldmenge immer begrenzt und das Geld behielt seinen Wert. Ein Problem dabei war, dass die vorhandene Geldmenge von Faktoren wie dem Erfolg der Goldgräber begrenzt war, die nichts mit der Leistungsfähigkeit der Wirtschaft zu tun hatten. Man konnte daher die Geldmenge nicht der jeweiligen wirtschaftlichen Leistung anpassen.

   Eine Lösung für dieses Problem ist die Schöpfung von Geld ohne Eigenwert: (Scheide-)Münzen und Geldscheine werden einfach geprägt bzw. gedruckt und sind selbst wesentlich weniger wert als ihr Nennwert. Man kann sie daher in praktisch beliebiger Menge herstellen. Ein verantwortungsvoller Staat wird natürlich dafür sorgen, dass nicht zuviel davon unter die Leute kommt. Deswegen war Geldfälschung auch schon immer ein schweres Verbrechen, das strengstens verfolgt wurde.

  Bereits die alten Römer kannten Scheidemünzen, also Münzen, deren Metallwert nicht dem Nennwert entsprach. Da sie im Gegensatz zu Kurantmünzen, deren Metallwert dem Nennwert entspricht, in praktisch beliebiger Anzahl hergestellt werden konnten, konnte der Staat die Geldmenge der Wirtschaftsleistung jederzeit anpassen. Dadurch wurde verhindert, dass Mangel an umlaufendem Geld die von den realwirtschaftschlichen Gegebenheiten her mögliche Wirtschaftsleistung ausbremste.

Wie das Geld unter die Leute kommen sollte

   Geld wird also in der Münze oder der Banknotendruckerei gemacht. Aber wie gelangt es in den Umlauf?

   Die meisten Leute haben eine schwammige Vorstellung in die Richtung, dass der Staat das Geld „irgendwie“ unter die Leute bringt. Tatsächlich sollte es auch so sein, dass der Staat neu geschaffenes Geld in Form von Staatsausgaben unter die Leute bringt. Er braucht das im Prinzip nur einmal zu tun, den das ausgegebene Geld gelangt ja immer wieder in Form von Steuern zu ihm zurück und kann erneut ausgegeben werden.

   In der Praxis kann es nun passieren, dass die Wirtschaft wächst und mehr Geld im Umlauf benötigt wird, damit die zusätzlich entstehenden Werte auch gekauft werden können. Dann kann der Staat zusätzliches Geld in Umlauf bringen, das er auch neu herstellen kann, wenn sein Vorrat nicht mehr ausreicht. Schrumpft die Wirtschaft, kann der Staat aber auch einen größeren Teil der eingenommen Steuern zurückbehalten indem er die Staatsausgaben senkt. Wenn dann die Wirtschaft wieder wächst und im Umlauf mehr Geld gebraucht wird, kann er seine Ausgaben erhöhen.

   So hat der Staat immer die volle Kontrolle über die Geldmenge und kann dafür sorgen, dass immer genau soviel Geld im Umlauf ist, wie benötigt wird, damit alles, was aufgrund der vorhandenen Kapazitäten in der Wirtschaft erzeugt werden kann, auch gekauft werden kann und damit auch erzeugt wird. Der Staat muss sich bei diesem System auch nie verschulden, denn er kann – in einem vernünftigen Rahmen, versteht sich – jederzeit Geld erzeugen, wenn er es braucht.

   Wenn der Staat nun aufgrund unvorhergesehener größerer Ausgaben – etwa Beihilfen für Opfer einer Naturkatastrophe – mehr Geld erzeugt, als er eigentlich sollte, ist das auch nicht weiter schlimm: Es entsteht dann eine gewisse Inflation. Inflation, so sagt man, sei Diebstahl, da sich der einzelne Bürger weniger von seinem Geld kaufen kann, als ihm aufgrund der dafür erbrachten Leistungen zusteht wenn zwischenzeitlich die Preise gestiegen sind. Das stimmt jedoch nur, wenn der Staat das „zuviel“ erzeugte Geld für unlautere Zwecke verwendet, indem er zum Beispiel Einzelne sich daran bereichern lässt. Verwendet er dieses zusätzlich Geld hingegen nur für legitime Ausgaben, ist diese Inflation sogar eine sehr gerechte Sache: Es wird dabei ja ganz automatisch jedem im Rahmen seines Geldvermögens genommen.

   Halt! Im Rahmen seines Geldvermögens? Dann werden ja die bevorzugt, die ihr Vermögen in Form von Sachwerten besitzen und daher nicht von der Inflation rasiert werden! Ist das nicht ungerecht? Keineswegs: Wer sein Geld in Sachwerten, zum Beispiel in Häusern oder Fabriken angelegt hat, oder sich auch nur ein neues Auto oder einen Fernsehapparat gekauft hat, hat es weitergeben, seinen Teil also dazu beigetragen, dass es im Umlauf bleibt und Wertschöpfung stattfinden kann. Oder wie man landläufig sagt: Er hat für Arbeit gesorgt.

   Wer Geld jedoch hortet, schadet der Wirtschaft, weil dieses Geld im Umlauf fehlt. Dadurch wird die Wertschöpfung ausgebremst. Oder anders ausgedrückt: Wer Geld hortet, erzeugt Arbeitslosigkeit. Da ist es nur gerecht, wenn solche Leute durch Inflation überproportional gerupft werden.

  Tatsächlich funktionierte dieses System des vom Staat geschöpften Geldes nicht nur bei den alten Römern, sondern auch zum Beispiel in den USA im letzten Jahrhundert. Tatsächlich würde es auch heute bei uns funktionieren, auch wenn das allermeiste Geld im Umlauf kein Bargeld sondern Buchgeld ist: Anstelle der Geldschöpfung mit Münze und Notenpresse können ohne weiteres auch Gutschriften bei der Zentralbank treten.

  Da dieses System des vom Staat „erzeugten“ Geldes jedoch eine einigermaßen gerechte Teilhabe aller an der Wertschöpfung der Wirtschaft ermöglicht, gefiel es denen nicht, die Geld verdienen wollen, ohne dafür zu arbeiten: Den Bankern und sonstigen Geldverleihern. Die suchten daher nach einem System, mit dem man die arbeitenden Menschen ständig schröpfen kann.

Wie das Geld nicht unter die Leute kommen sollte

   Viele Leute glauben ja, dass die Regierung das Geld in etwa so in Umlauf bringt wie oben beschrieben. Tatsache ist jedoch, dass Banken und „Investoren“ so nicht die immensen Gewinne einstreichen könnten, die sie tatsächlich machen. Deswegen kommt das Geld auch auf eine ganz andere Art unter Leute. Die traurige Wahrheit: Geld kommt in unserem System nur in Umlauf, wenn sich jemand welches ausleiht.

  Neues Geld entsteht zunächst dadurch, dass Geschäftsbanken sich bei der Zentralbank Geld leihen. Diese schöpft das Geld gewissermaßen aus dem Nichts, so wie der Geldwert von Banknoten und Scheidemünzen ja auch beim Drucken praktisch aus dem Nichts entsteht. Die Geschäftsbanken verleihen das von der Zentralbank geliehene Geld an Kreditkunden weiter und dadurch kommt es unter die Leute, da die bei der Bank aufgenommenen Kredite ja benutzt werden, um Dinge zu kaufen.

   Im 19. Jahrhundert gab es in den USA übrigens einen Kampf zwischen den beiden Systemen der Geldschöpfung. Es gibt Historiker, die sagen, dass hinter einigen Mordanschlägen auf Präsidenten und Präsidentschaftkandidaten die Bankenlobby steckte, welche natürlich wollte, dass die Geldschöpfung nicht beim Staat lag, sondern bei den Banken. Es wird außerdem auch behauptet, dass Präsident John F. Kennedy deswegen umgebracht wurde, weil er die Geldschöpfung wieder in die Hände des Staates legen wollte.

   Das Geld, dass ursprünglich von der Zentralbank geschöpft wurde, heißt übrigens Zentralbankgeld . Das Tollste daran ist, dass es sich in der Hand der Geschäftsbanken wie ein Stall voll Kaninchen auf wundersame Weise vermehrt.

   Wie aber geht nun das?

Giralgeld oder die wundersame Geldvermehrung

  Wenn eine Bank beispielsweise 100 Millionen als Kredit von der Zentralbank erhalten hat, darf sie diese Geld bis auf einen bestimmten Prozentsatz weiter verleihen. Den gesetzlich vorgeschriebenen Prozentsatz, den die Bank zurückhalten muss, nennt man Mindestreserve. Wenn die Mindestreserve zum Beispiel 50% beträgt, kann sie 50 Millionen davon an ihre Kunden verleihen.

  Dieses als Kredit verliehene Geld wird natürlich dafür verwendet, etwas zu bezahlen. Sprich: jemand nimmt es ein. Der legt es auf seine Bank und schafft dieser Bank damit eine Einlage von 50 Millionen, die wiederum bis auf die Mindestreserve verliehen werden und bringt damit weitere 25 Millionen in Umlauf. Die 50 Millionen bleiben dabei zur vollen Verfügung des Kontoinhabers, denn er kann sie jederzeit abheben.

  Das gleiche passiert mit den neuen 25 Millionen: Auch sie landen als Einlage wieder bei einer Bank, die dadurch 12,5 Millionen verleihen kann. Im nächsten Schritt sind es dann 6,25 Millionen, dann 3,125 Millionen und so weiter. Man müsste diese Reihe (½ + ¼ + 1/8 + 1/16 + 1/32 + … +1/n) unendlich weiterführen um tatsächlich auf die Zahl Eins zu kommen. Doch bereits nach einigen Schritten ist man sehr Nahe an der Eins, so dass man sagen kann, das aus der ursprünglichen Mengen Zentralbankgeld durch diesen Mechanismus noch einmal die gleiche Menge an so genanntem Giralgeld entstanden ist.

  Wäre die Mindestreserve nun tatsächlich 50%, würde also (knapp) soviel Giralgeld in Umlauf kommen, wie ursprünglich Zentralbankgeld ausgeliehen wurde, da man die Mindestreserve genau genommen nicht zur umlaufenden Geldmenge rechnen darf, da sie ja definitionsgemäß nicht ausgegeben werden darf.

  Nun beträgt die Mindestreserve aber keine 50% sondern sehr viel weniger. Bei einer Mindestreserve von 10% beispielsweise würde mit der Reihe (0,9 + 0,81 + 0,721 +...) aus dem Zentralbankgeld bereits knapp die neunfache Menge an Giralgeld entstehen. Tatsächlich aber haben wir derzeit im Euroraum eine Mindestreserve von 2%, so dass aus dem ursprünglich ausgeliehenen Zentralbankgeld annähernd die 50fache Menge an Giralgeld wird.

Die Rolle des Zinses oder: Wer soll das bezahlen?

  Das Problem bei dieser Geldschöpfung über Kredite ist das folgende: Vom Staat einmal geschöpftes Geld bleibt quasi immer und ewig im Umlauf, es macht lediglich immer wieder einmal vorübergehend in der Staatskasse Station, was dem Staat gleichzeitig ein hohes Maß an Kontrolle über die Geldmenge gibt, da er sie über das Verhältnis zwischen Steuern und Staatsausgaben regulieren kann. Bei der Geldschöpfung per Kredit hingegen verschwindet das Geld immer wieder, denn die Kredite müssen ja irgendwann einmal zurückgezahlt werden.

  Damit trotz dieser Rückzahlungspflicht beim kreditgeschöpften Geld immer Geld im Umlauf ist, muss die Zentralbank ständig neue Kredite gewähren – oder umgekehrt betrachtet: Würden alle Schulden zurückbezahlt, wäre kein Geld mehr im Umlauf. Denn so wie das Zentralbankgeld aus dem Nichts entsteht und sich durch Weiterverleih auf wundersame Weise zur -zigfachen Menge Giralgeld vermehrt schnurrt es bei der Rückzahlung der Kredite wieder zur ursprünglichen Menge Zentralbankgeld ein, die dann durch Rückzahlung des ursprünglichen Kredits an die Zentralbank wiederum im buchhalterischen Nirwana verschwindet.

   Es kommt aber noch besser: Bis hierher wäre das Geldsystem zwar unsinnig, würde den Banken jedoch nichts einbringen. Deswegen verlangen sie für das verliehene Geld eine Art Miete, den Zins. Das beginnt bei der Zentralbank, die für die Kredite an die Geschäftsbanken einen bestimmten Zinssatz verlangt. Dieser Zinssatz ist im übrigen praktisch das einzige Mittel, mit dem die Geldmenge bei diesem System gesteuert werden kann – und auch nur von der Zentralbank und nicht etwa von der Regierung, die nämlich der Zentralbank letztendlich genau nichts zu sagen hat.

   Die Geschäftsbanken verleihen das von der Zentralbank geliehene Geld nun zu einem höheren Zinssatz an ihre Kunden weiter. Außerdem verleihen sie die Einlagen ihrer Kunden weiter, natürlich ebenfalls zu einem Zinssatz, der natürlich auch wieder höher ist als der, den sie für die Einlagen bezahlen.

   Das Problem bei der Sache mit dem Zins ist nun das folgende: Das durch die ursprüngliche Schöpfung von Zentralbankgeld und dessen Vermehrung zu einem Vielfachen an Giralgeld in Umlauf gebrachte Geld reicht genau aus, um alle bei seiner Entstehung gewährten Kredite zu tilgen. Für den Zins, der zusätzlich fällig ist, ist gar kein Geld mehr da. Daher können niemals alle Kreditnehmer ihre Kredite aus dem umlaufenden Geld zurück bezahlen.

  Natürlich bringen viele auf Kredit gemachte Investitionen mehr ein, als für Zins und Tilgung erforderlich ist und die entsprechenden Unternehmen machen Gewinne. Das kann aber niemals bei allen gleichzeitig der Fall sein. Es ist wie bei der berühmten Reise nach Jerusalem, bei der immer ein Stuhl weniger da ist als Mitspieler.

  Damit nun alle Kredite doch zurückgezahlt werden können, muss immer irgendjemand zusätzliches Geld aufnehmen. Mittlerweile sind das schon lange nicht mehr nur Firmen, sondern auch Privatleute, die sich Geld für Konsumgüter leihen. Tatsächlich können weder private noch geschäftliche Kreditnehmer diese Kredite je vollständig zurückzahlen, denn verdient werden kann immer nur das Geld, das im Umlauf ist. Und das reicht genau für die ursprünglich aufgenommenen Kreditsummen, nicht jedoch für die Zinsen.

   Außerdem muss der Staat, anders als wenn er das Geld selbst schöpft, bei kreditgeschöpftem Geld Schulden machen, wenn er einmal einen höheren Geldbedarf hat als aus den Steuereinnahmen zu decken ist. Ist das einmal passiert, wird er kaum jemals wieder davon wegkommen, wie man derzeit bei uns nur zu deutlich sieht.

Woran Banken verdienen

  Die Zinsen sind natürlich gleichzeitig der Verdienst der Banken. Anstatt aber wie anständige Leute ihren verdientes Geld wieder auszugeben, damit andere es erneut verdienen können, verleihen sie es lediglich. Dadurch kommt es zwar zunächst auch wieder in Umlauf, verschwindet aber daraus wieder, weil die Kredite ja zurückgezahlt werden müssen. Und auch hier ist für die Zinsen kein Geld im Umlauf vorhanden; damit sie bezahlt werden können, muss wiederum neues Geld als Kredit geschöpft werden.

  Wenn eine Währung noch jung ist, wie unsere D-Mark zur Zeit des Wirtschaftswunders ist der Unterschied zwischen der im Umlauf befindlichen Geldsumme und den Schulden noch gering. Da aber ständig mehr Geld aufgenommen wird als zurückgezahlt wird, wachsen die Schulden in einer progressiven Kurve: Erst sehr flach, dann steiler und steiler und zum Schluss schießen sie fast senkrecht nach oben.

Und die Geldanleger?

  Auch das Horten von Geld in so genannten Geldanlagen, in denen es „arbeiten“ soll, erzeugt den den gleichen Effekt wir die „Geschäfte“ der Banken. Man könnte auch ganz grob sagen, Geldanleger beteiligen sich an der Abzocke der Banken. Dass sie – vor allem die kleinen – im Krisenfall als erstes über die Klinge springen und selbst über die Löffel balbiert werden, steht jedoch auf einem anderen Blatt. Zu erörtern, wie man mit Geldanlagen andere beklaut oder auch selbst beklaut wird, würde den Rahmen dieses Artikel jedoch sprengen.

Wirtschaftskraft und Geldumlauf heute

   Zusammenfassend lässt sich sagen: Aufgrund des Zinses und der Art unserer Geldschöpfung, also systemisch bedingt, ist ständig weniger Geld im Umlauf als dafür nötig wäre, dass die Realwirtschaft ihre volle Kraft entfalten könnte. Wenn eine Währung noch „jung“ ist, wie unsere D-Mark zur Wirtschaftswunderzeit, ist dieses zu wenig noch so gering, dass er nicht weiter auffällt. Je mehr jedoch durch die Wirkung des Zinses Geldvermögen und Schulden wachsen, umso mehr Geld zieht der Zins aus dem Umlauf und bremst damit die Wirtschaft immer stärker aus.

   Derzeit – und nicht erst seit gestern - sind wir in einem Bereich der Zins- und Schuldenkurve, in dem das Wirtschaftswachstum mit dem Wachstum der Schulden nicht mehr mithalten kann. Der Ausverkauf von Volkseigentum, die so genannten Privatisierungen von Post, Bahn etc. also, die wachsende Staatsverschuldung bei gleichzeitigen Sozialabbau und die Notwendigkeit, (realwirtschaftlich nicht sinnvolle) Exportüberschüsse zu erzielen, rühren allesamt daher, das man versucht die ausufernden Zinsen doch noch irgendwie bezahlen zu können.

   Und so langsam sind wir in der Lage eines Bauern, der seine Kühe verkaufen muss, um die Raten für die Melkmaschine zu bezahlen. Es klingt zwar nach einer verkürzten, sektiererischen Pauschalerklärung zum Verkauf einer Patenlösung für sämtliches Erdenweh, aber es ist wahr: der Grund für unser wirtschaftlichen Probleme ist einzig und allein das System der Geldschöpfung durch die Banken mithilfe verzinslicher Kredite bzw. der Zins überhaupt.

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