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  • Publizist und Freier Dozent, von Hause aus Ingenieur sowie gelernter Mechaniker und gelernter Maurer, Querdenker, Naturfreund und -nutzer, technisch interessiert aber auch technikkritisch, glaube nicht alles was mir erzählt wird.
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Andreas Quiring  

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Theodor-Veiel-Str. 17
70374 Stuttgart - Bad Cannstatt

Biohof-Gemeinschaft Baum des Lebens

24. Februar 2009 2 24 /02 /Februar /2009 10:12

Bei dem ganzen Geschrei um den angeblichen Treibhauseffekt ist es in den letzten Jahren sehr still um ein tatsächlich wichtiges Umweltanliegen geworden: Immer noch wird der Regenwald.auf unserem Planeten zerstört. Mit Hilfe der Suchmaschine Forestle kann aber jeder ein kleines Bisschen dabei helfen, diese Entwicklung zu stoppen.

Eine Suchmaschine für den Regenwald: Mit den Werbeeinahmen von Forestle können pro Suchvorgang 0,1 qm Regenwald angekauft und so vor der Vernichtung bewahrt werden

 Das Prinzip ist einfach: Die Suchmaschine Forestle verdient, wie viele Websites, Geld mit Werbung. Dieses Geld wird dafür verwendet, mit Regenwald bestandenes Land zu kaufen und so vor der Zerstörung zu schützen.

 Mit jeder Suche, das haben die Leute von Forest ausgerechnet, wird so 1/10 Quadratmeter Regenwald gerettet. Das klingt nicht nach besonders viel, doch summiert sich das ganz schön: Bereits mit 1000 Suchvorgängen kommt so ein Ar, also 100 Quadratmeter zusammen. Rechnet man weiter, ist es bei 100000 Suchvorgängen bereits ein ganzer Hektar Regenwald mit all seinen Tieren und Pflanzen, der vor der Vernichtung bewahrt wird.

Zu diesem Zweck arbeitet Forestle mit dem Programm "Adopt an Acre" der Naturschutz-Organisation The Nature Conservancy zusammen.  Den Benutzer kostet das alles nichts, allerdings sollte man ab und zu auch mal auf die Anzeigen klicken, damit Forestle auch tatsächlich EInnahmen erzielt. Übrigens sucht es sich auch sehr gut mit Forestle. Die Suchmaschine arbeitet schnell und liefert die Ergebnisse in einem übersichtlichen und ansprechenden Layout.

 

Und hier gehte es zur Regenwald-Rettungs-Suchmaschine Forestle

 

 

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21. Februar 2009 6 21 /02 /Februar /2009 13:44

Sein wissenschaftlicher Name lautet meles meles und in der Fabel heißt er Grimbart: Der Dachs oder, genauer: Der Europäische Dachs. Er ist bei uns wieder zu einem häufigen Tier geworden und zum Glück auch nicht bedroht.

 

Ein ganz typisches Tier unserer Wälder, auch wenn man ihn nicht so leicht zu sehen bekommt: Der Dachs, hier in einer Darstellung von Walter Heubach

Ein nachtaktiver Geselle

Während aufmerksame Spaziergänger Rehe und Hasen, ja sogar Fuchs und Wildschwein immer einmal wieder zu Gesicht bekommen, haben nur relativ wenig Leute jemals einen Dachs in freier Wildbahn gesehen. Das liegt ganz einfach daran, dass unser größter Marderartige nachtaktiv ist.

In aller Regel verlässt er seinen Bau erst spät abends und kommt daher praktisch nur Jägern und ambitionierten Tierbeobachtern unter die Augen.Wenn der Winter so streng ist, dass der Fuchs seine Raubzüge bis in den hellen Vormittag hinein ausdehnen muss, bleibt der Dachs ganz zu Hause. Daher verrät er sich, anders als andere Marder und der Fuchs, auch kaum durch seine Spuren im Schnee.

 

Winterruhe und Nahrungsspektrum

Meister Grimbart hält nämlich eine Winterruhe. Die ist flexibler als der Winterschlaf, die Vitalfunktionen werden dabei wesentlich weniger zurückgefahren; so kann sie bei günstigem Wetter ohne weiteres unterbrochen werden. In sehr milden Wintern kann sie auch durchaus einmal ganz ausfallen. Dahinter steckt wohl die Strategie, auch während des Winters die Perioden zu nutzen, die sich vom Wetter her zur Nahrungssuche eignen.

 

Obwohl er viel gedrungener genaut ist als seine Verwandten, gehört der Dachs zu den Mardern (Bild: US NPS, PD)

So kann das Tier mehr Energie aufnehmen als ein richtiger Winterschläfer, der allerdings andererseits wesentlich mehr Energie einspart als der Dachs mit seiner Winterruhe. Offensichtlich funktionieren beide Methoden sehr gut, denn der Erfolg gibt sowohl dem Dachs als auch Winterschläfern wie dem Bär und dem Murmel recht.

Wenn der Dachs auch ein Marder ist und sein Gebiss ihn als Mitglied der Ordnung der Carnivora, der Raubtiere also, ausweist, ist er doch ein Allesfresser. Er jagt praktisch gar nicht sondern sammelt sich seine Nahrung gemächlich. Er frisst zwar viel (ca. 75%) pflanzliches, verschmäht aber tierische Nahrung keineswegs: Würmer, Schnecken und Mäuse stehen genauso auf seiner Speisekarte wie die Brut von Bodenbrütern und junge Hasen.

Insgesamt kann man das Nahrungsspektrum des Dachses durchaus mit dem des Wildschweins vergleichen. Auch die Art der Nahrungssuche ist bei den beiden ganz unterschiedlichen Tierarten ähnlich. Daher versuchen ab und zu knitze Jäger, einen Schwarzwildschaden dem Dachs in die Schuhe zu schieben, denn Schaden, der von diesem angerichtet wurde ist in der Regel nicht ersatzpflichtig.

Allerdings kann man bei genauem Hinsehen leicht feststellen was Sache ist: Meister Grimbart kann schon einmal nie im Leben so große Schäden anrichten wie die Schwarzkittel. Außerdem unterscheiden sich die Fährten bzw. Spuren beider Wildarten erheblich und auch die hinterlassene Losung (der Kot), ist eine eindeutige Visitenkarte der jeweiligen Wildart.

 

Verbreitung und Lebensraum

Der europäische Dachs ist ein typisches Tier der gemäßigten Zonen, wobei er mit seiner Möglichkeit zur Winterruhe dem Nahrungsengpass der kalten Jahreszeit angepasst ist. Sein Verbreitungsgebiet lässt sich im wesentlichen mit den gemäßigten Zonen von Europa und Asien umschreiben, wobei er auf der einen oder anderen Insel, wie z.B Korsika und Sardinien fehlt.

Der Dachs ist weit verbreitet: Hier in Exemplar, das auf Kreatauf genommen wurde (Bild: Lemur12, lizensiert nach GNU FDL)

Sein typischer Lebensraum ist der Wald. Selten trifft man in Städten an, wenn dann am ehesten noch in Parks.

 

Körperbau

Beim Dachs fällt bei genauerem Hinsehen vor allem auch auf, dass er zu den wenigen Säugetieren gehört, die auf der Unterseite dunkler, in diesem Falle schwarz gefärbt sind als auf der Oberseite. Die ist bei Grimbart silbrig-grau; besonders auffällig sind die schwarzen Streifen, die auf beiden Seiten in Höhe der Augen der Länge nach über den ansonsten weißen Kopf gehen.

Ein Körperbau ist massig, wobei seine Läufe recht kurz sind. Die Vorderbranten sind groß, breit und eignen sich gut zum Graben. Ein ausgewachsener Dachs erreicht eine Körperlänge von ca. 90 cm und wird bis zu 15, teilweise auch 20 kg schwer. Die Rüden sind etwas stärker als die Fähen.

Eine Besonderheit des Dachses ist der Knochenkamm, der im hinteren Bereich auf dem Schädel sitzt. Er dient als Ansatz für die starken Kiefermuskeln. Sein Kiefergelenk ist so konstruiert, dass es auch ohne Muskeln in der Pfanne hält, also der Unterkiefer auch am skelettierten Schädel noch fest angelenkt ist und sich nur mit Gewalt abnehmen lässt.

Ein Dachsschädel: Deutlich erkannt man den Knochenkamm auf dem Scheitel, der als Ansatzfläche für die enormen Kiefermuskeln dient (Bild: Phil41, PD)

Diese Bauweise ermöglicht in Verbindung mit den entsprechend starken Kiefermuskeln die enorme Beißkraft des Dachses. Der ansonsten gemütliche Geselle kann sich damit effektiv seiner Schwarte wehren, sollte er einmal angegriffen werden. Man sagt auch, das die schwarz-weiße Gesichtsfärbung von Meister Grimbart als Signal diene, dass man sich mit dem Besitzer eines derartigen Gebisses besser nicht anlegen sollte.

In der Tat ist der Dachs auch ein gefährlicher Gegner für Bodenhunde. Vernünftige Baujäger versuchen daher, Konfrontationen ihrer Hunde mit Dachsen nach Möglichkeit aus dem Weg gehen und sie nicht in Baue einschliefen zu lassen, in denen Dachse stecken können.

Die Vorderbranten des Dachses sind stark ausgebildet, breit und mit kräftigen Klauen versehen. Das macht sie zu effektiven Grabwerkzeugen, die Meister Grimbart als fleißiger Tunnelbaumeister auch braucht.

Wie andere Marder auch, besitzt der Dachs eine Duftdrüse, die zwischen Waidloch und Pürzel sitzt. Man nennt sie Stinkloch, Schmalzröhre oder Saugloch. Früher dachte man, dass Meister Grimbart sich hier das eigene Fett absaugen und sich im Winter davon ernähren würde. Tatsächlich dient sie jedoch den sozialen Kontakten durch olfaktorische (geruchliche) Verständigung.

 

Lebensweise und Fortpflanzung

Außerhalb des Baues gehen Dachse in aller Regel alleine ihrer Wege. Daher hielt man Meister Grimbart lange Zeit für einen brummigen Einzelgänger. Mittlerweile hat man jedoch herausgefunden, dass er das überhaupt nicht ist. In seinem Bau pflegt er nämlich ein ausgesprochen geselliges Familien- und Sippenleben.

Der Bau ist gewissermaßen der Lebensmittelpunkt des Dachses. Anders als der Fuchs, hält er sich viel im Bau auf und ist auch der fleißigere Baumeister. Der Fuchs gräbt nämlich gar nicht so gerne selbst, sondern bezieht nach Möglichkeit bereits vorhandene Wohngelegenheiten. Sehr gerne zieht er auch beim Dachs ein, der ihn in nicht mehr von ihm selbst benutzten Teilen seiner Burg durchaus duldet.

Weibliche Dachse bleiben gerne zu hause wohnen, wodurch die Sippschaften entstehen. Es gibt ein dominantes Paar, also gewissermaßen einen Clanchef und eine Clanchefin. Das Paar bleibt lebenslang zusammen, wobei der Boss aber auch die rangniedrigeren Fähen nicht verschmäht. Die jungen Rüden wandern hingegen ab.

 

Wenn man den Dachs außerhalb seines Baues antrifft, ist er in aller Regel alleine. Deswegen wusste man auch lange nicht, dass er in Wirklichkeit ein sehr geselliges Tier ist

Der Zuwachs, den so ein Dachs-Clan erhält, erfordert es, dass die Burg immer wieder erweitert wird. Die benutzten Teile werden tadellos in Schuss und sauber gehalten. Meister Grimbart polstert seine Kessel, die Wohnhöhlen, sorgsam mit geeignetem Material aus, vor allem für den Winter. Ist der überstanden, gibt es einen zünftigen Frühjahrsputz, bei dem das alte Polstermaterial hinaus geschafft wird.

Meister Grimbart ist überhaupt ein reinliches Tier: Sein großes Geschäftchen macht er stets außerhalb des Baues; er gräbt dazu Löcher, die sogenannten Dachsaborte. An ihnen und an dem beim Putzen heraus geschafften Erdreich und altem Polstermaterial erkannt man, dass ein Bau vom Dachs bewohnt, oder, wie der Jäger sagt, befahren ist.

Die Paarungszeit heißt beim Dachs, wie bei anderen Mardern auch, Ranz. Junge Fähen kommen im Juli oder August in die Ran, ältere bereits im Frühling. Eine unterschiedlich lange Keimruhe sorgt dafür, dass die Welpen immer im Frühjahr zur Welt kommen.

Beim Erwachsenwerden geht es der Dachs geruhsam an: Der Nachwuchs kommt blind zur Welt und wird lange gesäugt. Die Welpen sind zunächst ganz weiß und bleiben lange im Bau, bis Mami Dachs sie das erste Mal ausführt. Ein Wurf Dachswelpen besteht typischer Weise aus zwei Jungen, es können aber bis zu sechs sein, manchmal aber auch nur eines.

 

Dachs und Mensch

Wohl weil man den Dachs selten zu sehen bekommt, ist er auch nicht so stark in der Sprache, in Redewendungen und in Geschichten präsent wie etwa Fuchs und Hase. Es gab die Redewendung, dass sich einer „wie der Dachs vom eigenen Fett nährt“ und den Ausdruck „Frechdachs“ hört man ab und zu. Warum ausgerechnet der Dachs besonders frech sein soll verstehe ich allerdings nicht. Vielleicht hat der Ausdruck ja aber auch gar nichts mit dem Tier zu tun und ist eine Verballhornung von etwas ganz anderem.

Jagdlich genutzt wird der Dachs heute kaum mehr. Er richtet auch selten wirkliche Schäden an, so dass man ihn in aller Regel auch gar nicht bejagen muss. Durch die unseligen Fuchsbaubegasungen der 60er und 70er Jahre des letzten Jahrhunderts war weniger der Fuchs als vielmehr der Dachs arg dezimiert worden. Zum Glück entging er der Ausrottung, vielleicht nur, weil seinerzeit Jäger erfolgreich gegen die Pflicht zu Baubegasung klagten und dieser Sauerei ein Ende machten.

Das Wildbret des Dachses kann man durchaus essen, allerdings soll es etwas ungewöhnlich schmecken. Bei Ganghofer kann man lesen, dass die alpinen Berufsjäger seinerzeit Dachse schießen und behalten durften. Da diese Leute nicht besonders gut verdienten, war diese Sachleistung für sie offenbar eine Möglichkeit, den sonst kargen Speisezettel mit Fleisch aufzubessern.

In China ist der Dachs eine Delikatesse. Auch hierzulande gibt es Leute, die Dachsbraten und Dachsschinken mögen. Weil der Dachs auch Fleisch frisst, muss sein Wildbret auf Trichinen untersucht werden bevor es zum Verzehr gelangt.

Auch die Haare des Dachses werden genutzt. Gute Rasierpinsel werden aus Dachshaar gefertigt und auch zu hochwertigen Pinseln für Kunstmaler kann man es gebrauchen. Der Bedarf an diesem Material wird aber aus China gedeckt, wo Dachse als Fleischlieferanten gezüchtet werden.

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18. Februar 2009 3 18 /02 /Februar /2009 09:06

Jetzt im Februar ist für die meisten Menschen der biologische Tiefpunkt des Jahre erreicht. Die Energiereserven vom Sommer sind aufgebraucht, aber der Frühling mit mehr Sonne, Vitaminen und mehr frischer Luft lässt noch auf sich warten. Ganz ähnlich geht es den Tieren draußen, auch für sie beginnt jetzt die härteste Zeit des Jahres.

Das Idyll trügt: Auch für das Schwarzwild ist das zeitige Frühjahr eine besonders harte Zeit

  Die Pflanzenfresser unter unseren Wildtieren müssen in aller Regel den ganzen Winter über in der einen oder anderen Weise vom reichen Angebot des Sommers und des Herbstes zehren. Zum Teil legen sie, wie das Eichhörnchen etwa, Vorräte an, andere, wie etwa Reh- und Rotwild, speichern den Nahrungsüberschuss der warmen Jahrerszeit in Form von Fettvorräten am eigenen Körper. Diese Reserven - das Feist, wie es der Jäger bei Reh- und Rotwild nennt - sind aber jetzt schon fast aufgezehrt.

 Ergänzt werden die angefressenen Reserven durch die spärliche Äsung, die sich auch im Winter finden lässt. Sie wird aber gegen Ende des Winteres auch immer knapper, da um diese Jahreszeit ja nichts nachwächst. Dazu kommt, dass der Winter oftmals jetzt erst so richtig einsetzt oder schon länger eingesetzt hat und nicht enden will.

 Hunger und Kälte schwächen die Tiere so stark, dass sie jetzt an Krankheiten oder Entkräftung verenden oder Beutegreifern zum Opfer fallen. Es ist gut denkbar, dass die geschwächten Beutetiere einer der Gründe dafür sind, dass z.B. der Fuchs jetzt schon seine Welpen zur Welt bringen kann: Im Bau sind sie gut geschützt vor der Kälte und der säugenden Mutter mangelt es nicht so leicht an Nahrung, vor allem wenn ein Rüde sie versorgt.

 So mancher geschwächte Hase wird dem Familienvater zur leichten Beute und oft wird er noch nicht einmal jagen müssen: Reineke verschmäht ja kein Aas und nimmt daher auch gerne bereits verendete Tier mit. Diese Bedingungen sind sicherlich der Grund dafür, dass die Füchse jetzt oft vor Gesundheit strotzen und wie gemalt aussehen.

 Während wir die Frühjahrsmüdigkeit oft schon mit den ersten warmen Sonnenstrahlen abschütteln, bedeutet der Frühling für die Tiere noch nicht gleich ein Ende der Hungerzeit: Schließlich ist ja nach der Schneeschmelze noch nicht schlagartig Nahrung vorhanden, sondern sie braucht erst noch Zeit zum Wachsen. Daher sehen die Rehe oft noch bis weit in das Frühjahr hinein abgehärmt und verhungert aus.

 Mit dem Ende des Winters verschwinden die letzten Eicheln, Bucheln und Kastanien, da sie ihrer Bestimmung folgen und keimen. Dadurch sind sie als Nahrung verloren und fehlen z.B. dem Wildschwein. Die Schwarzkittel haben aber andererseits dafür einen Ausgleich, denn wenn jetzt der Boden auftaut, können sie wie wieder "unterirdisch" nach Nahrung suchen. Da außerhalb des Waldes das Erdreich schneller auftaut, kann man um diese Zeit auch öfter Wildschweine in Waldrandnähe auf der Wiese beobachten. Sehr zum Leidwesen von Landwirten und Jägern, denn dadurch entstehen erhebliche und teure Wiesenschäden.

 Insgesamt sind der späte Winter und das zeitige Frühjahr also eine harte Zeit für die Tierwelt. Man sollte daher auch ein wenig Rücksicht nehmen und beim Spazierengehen darauf achten, dass man Tiere nicht unnötig aufscheucht und sie dadurch noch mehr von den onehin bereit knappen Reserven verbrennen lässt.

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14. Februar 2009 6 14 /02 /Februar /2009 16:30

Ein bei uns sehr verbreitetes Tier ist der Fuchs, genauer: der Rotfuchs. So nennt man unseren Reineke, wenn man ihn von seinen nahen und entfernteren Verwandten abgrenzen will, die er fast überall auf der Welt hat und die unter diesem Sammelbegriff firmieren. Abgesehen von Luchs und Wolf, die erst in jüngerer Zeit und bis jetzt auch nur an wenigen Stellen bei uns wieder auftauchen und den wenigen Bären, ist er der größte Raubsäuger in Deutschland und seiner näheren Umgebung

 

Der Rotfuchs, bei uns einfach nur als Fuchs bezeichnet (Bild: Agostino64, lizensiert nach GNU FDL)

Ein sehr häufiges Tier
 Dafür ist er aber auch ein sehr häufiges Wildtier. Vulpes vulpes, so sein wissenschaftlicher Name, kommt mittlerweile nicht nur in Wald und Feld vor, sondern auch innerhalb größerer menschlicher Ansiedlungen. Weil er sehr vielseitig ist, was seinen Speisezettel anbelangt, kann er unter den unterschiedlichsten Bedingungen überleben. Er kommt daher mit Veränderungen seines Lebensraumes meist gut zurecht und tut sich leicht mit der Erschließung neuer Lebensräume, die sich ihm auftun.

 So dürfte die Wohlstandsgesellschaft auch eine wichtige Ursache dafür sein, dass es den Fuchs heutzutage vermehrt in die Stadt zieht: Es wird sehr vieles weggeworfen, was für den Fuchs noch verwertbar ist, so dass er sich in menschlichen Ansiedlungen quasi aus dem Müll ernähren kann. Der Fuchs gehört seinem Gebiss nach eindeutig zu den Carnivora, den Fleischfressern also; auch sein Körperbau weist ihn als Raubtier aus.

Eigentlich ein sympathischer Bursche: Gewitzt und schlau sieht er aus, der Überlebenskünstler vulpes vulpes, kein Wunder, dass er heute auch viele Freunde hat - ernsthaft will ihn nicht einmal der Jäger missen... (Bild: Karelj, PD)

Reinekes Speisezettel
Trotzdem ist er de facto aber ein Allesfresser und kann daher so ziemlich alles verwerten, was der Mensch an Essensresten und Nahrungsabfällen fort wirft. Seine Vielseitigkeit bei der Nahrungssuche dürfte auch ein Hauptgrund dafür sein, dass er ein riesiges Verbreitungsgebiet hat: Außer in Europa gibt es ihn in weiten Teilen Nordamerikas und Asiens und – als Neubürger – auch in Australien. In der Feldflur und im Wald spielen die Mäuse eine wichtige Rolle für ihn. Im Wald punktet er damit bei den Förstern, die ihn oft nicht ungern sehen, da Mäuse gerne an die Wurzeln junger Bäume gehen. Mäuse sind eigentlich immer vorhanden und sichern sein Überleben auch dann, wenn die Populationen andere Beutetiere zurückgehen, weil sich der Lebensraum verändert.

 Dadurch wird er aber gerade für solche Tiere zum Problem: Der Feldhase zum Beispiel leidet unter der modernen Landwirtschaft und ist stark zurückgegangen. Die wenigen Hasen die es noch gibt, leiden zu allem Überfluss unter einer gestiegenen Zahl von Füchsen. Der Fuchs ist auf den Hasen als Nahrungsquelle nicht angewiesen, schnappt sich aber dennoch gerne einen, wenn er seiner habhaft werden kann. So ist die Chance des einzelnen Fuchses zwar recht gering, eine Hasen zu erwischen. Umgekehrt aber ist das Risiko des einzeln Hasen recht groß, in einem Fuchsmagen zu enden. Daraus erklärt sich auch die Tatsache, dass Hasen bei Untersuchungen recht selten in Fuchsmägen gefunden werden, was immer wieder als Argument für die unsinnige Behauptung herhalten muss, dass der Fuchs keine Hasen fressen würde.

 

Wie eigentlich alle Tierkinder sind auch Fuchswelpen verspielt und drollig (Bild: U.S. Fish and Wildlife Service, PD)

 Der Fuchs kann jagen, muss das aber nicht immer tun, denn er kann auch vieles verwerten, was er auf bequeme Weise findet, wie etwa Aas. Wie das bei allen Hunden, zu denen der Fuchs gehört, der Fall ist, ist ihm auch die Kunst des Mäusefangs angeboren, der typische „Mäuselsprung“, den man auch bei Haushunden beobachten kann. Als „De-Facto-Allesfresser“ verschmäht Reineke aber auch vegetarische Kost keineswegs. Beeren und Wildobst nimmt er sogar sehr gerne. Ich habe zum Beispiel einmal Anfang August einen Fuchs mit einer großkalibrigen Büchse geschossen, der dabei aufplatzte. So konnte ich sehen, dass der Bursche den Wanst voll mit Himbeeren hatte, was durchaus nichts ungewöhnliches ist.

 

Aussehen
 Wie ein Fuchs aussieht, weiß eigentlich jeder. Sein Körperbau entspricht dem typischen Habitus der Hundeartigen, seine verhältnismäßig langen Läufe ermöglichen es ihm, schnell und ausdauernd zu laufen. Sie sind aber nicht so stark wie etwa bei Katzen und Bären. Daher kann er weder so geschickt klettern wie diese, noch Brantenschläge austeilen, auch wenn er immerhin für einen Hundeartigen recht gut klettern kann.

 Auch der Kopf des Rotfuchses sieht im Prinzip aus wie der eines Hundes: Die beweglichen Ohren ermöglichen es ihm, die Quelle von Geräuschen zu lokalisieren und mit seinen nach vorne gerichteten Augen kann er räumlich sehen. Sein Gebiss gleicht ebenfalls dem des Hundes, er hat sogar die gleiche Zahnformel.

 

Im Winter ist das Fell des Fuchses am schönsten, deswegen hat ihn Gustave Courbet wohl auch so gemalt

 Das Fell des Fuchses ist, wie sein Name sagt, an der Oberseite in der Regel rötlich, wobei der Farbton von dunkel bis hell variieren kann, die Unterseite ist weißlich oder grau. Die Rückseiten der Ohren und die unteren Teile der Läufe sind schwarz. Wie bei vielen Tieren gibt es aber auch Farbvarianten: Sehr helle Füchse bezeichnet man als Birkfüchse, sehr dunkle als Kohlfüchse, ein Fuchs mit einem dunklen Streifen auf dem Rücken heißt Kreuzfuchs und einer mit dunkler Kehle und Schulterpartie heißt Brandfuchs. Silberfüchse sind grau oder sogar fast schwarz.

 Ein typisches Merkmal des Fuchses ist sein langer, buschiger Schwanz, die so genannt Lunte. Dieser Körperteil war zumindest noch vor Jahren ein beliebter Artikel: Man kann daraus einen Fellbesatz für die Kapuze von Anorak oder Parka machen oder ihn als Verzierung irgendwo dranhängen. Vor etwa 20 Jahren war der legendäre Fuchsschwanz an der Antenne ein unverzichtbares Accessoire eines ordnungsgemäß ausgerüsteten Opel Manta.

 Ausgewachsene Fähen, also Weibchen, werden bis ca. 5 ½ kg schwer, Rüden bis gute 6 ½ kg. Die Länge eines ausgewachsenen Rotfuchses beträgt ca. 70 cm ohne die Lunte, welche noch einmal etwa 40 cm misst, wobei die Fähen etwas kleiner sind, auch bei der Schulterhöhe,welche bei den Rüden um die 38 cm beträgt.

 

Lebensweise und Fortpflanzung

 Der Fuchs galt lange Zeit als typischer Einzelgänger, weil man ihn in der Regel alleine antrifft. Mittlerweile weiß man aber, dass Füchse bei gutem Nahrungsangebot und daher fehlender Konkurrenz auch in Familienverbänden, in kleinen Rudeln also leben. Einen Hinweis auf derartiges Verhalten findet man übrigens auch schon bei Carl Emil Diezel, der von zwei Fuchspärchen berichtet, die einträchtig im Bau ihre Gehecke aufzogen.

 Der Altmeister geht zwar auf diese Beobachtung nicht weiter ein, wohl aber auf die Frage, ob der Fuchsrüde bei der Aufzucht seiner Jungen helfe. Dieses Thema war zu seiner Zeit offenbar Gegenstand der heißesten Diskussionen in Jägerkreisen. Damals war es noch üblich, Tiere nach menschlichen Maßstäben zu bewerten und natürlich galt der Fuchs als ein äußerst kriminelles und bösartiges Subjekt, dem viele die Rolle des treu sorgenden Familienvaters nicht zutrauten.

 Diezel versichert, dass er Zeit seines Jägerlebens gewusst habe, dass der Rüde bei der Versorgung der Fuchswelpen mit hilft – und zwar aus eigener Beobachtung. Darüber hinaus entkräftet er auch schlüssig das Argument, dass ein so verdorbener und hinterhältiger Zeitgenosse wie Reineke kein guter Familienvater sein könne: Schließlich, so Diezel, gäbe es ja auch verschlagene und bösartige Menschen, die sich ungeachtet dessen dem eigenen Nachwuchs gegenüber treu und verantwortungsvoll verhielten.

 Dass Fuchsrüden sogar für fremde verwaiste Welpen sorgen, sie füttern und auch bei Bedarf außer Gefahr bringen, weiß Diezel ebenfalls zu bereichten.. Da wir heute wissen, dass Tiere sich nicht nach menschlichen Maßstäben verhalten, ist dies auch nicht weiter verwunderlich: Das Jammern der Welpen löst ganz einfach bei erwachsenen Füchsen beiderlei Geschlechts den ganz normalen Brutpflegeinstinkt aus. Gedanken darüber, ob es sich um seinen eigenen oder fremden Nachwuchs handelt, kann er sich ja nicht machen.

 Die Paarungs- oder Ranzzeit des Fuchses liegt von Ende Dezember bis Anfang März. Die Rüden sind in dieser Zeit ständig zeugungsfähig, die Fähen nur einmal für zwei oder drei Tage. Daher folgt der Rüde einer ausgewählten Fähe über längere Zeit, um zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort zu sein. Je nachdem, wie es sich durch die Populationsdichte und die jeweilige Sozialstruktur ergibt, kann sowohl ein Rüde mehrere Fähen decken als auch eine Fähe von mehreren Rüden gedeckt werden. Die Jungen in einem Geheck können daher durchaus mehrere Väter haben.

 

Das ist zum Glück heute verboten: Fuchsfang in einem Eisen, das nicht sofort tötet (Gemälde von Gustave Courbet)

 Die Ranzzeit ist auch die beste Jagdzeit auf Füchse.Einerseits haben sie zu dieser Zeit den begehrten reifen, also voll entwickelten Winterbalg; andererseits sind sie viel unterwegs. Der Fuchs wird heute aber nur noch von wenigen Jägern ernsthaft bejagt, da sein Balg kaum noch Geld bringt.

 Heute sind durch die Propaganda von „Tierschützern“ Pelze aus der Mode gekommen und der verbliebene, geringe Bedarf wird von Tierfarmen gedeckt. Früher hingegen waren gute Fuchsbälge eine begehrte Ware. Aus Erzählungen meines früheren Jagdherrn weiß ich, dass ein guter Fuchsbalg noch in den frühen1980er Jahren dem Jäger einen Hundertmarkschein einbringen konnte.

 Dafür lohnte es sich beiden damaligen Löhnen und Preisen durchaus, ein paar Stunden in der nächtlichen Kälte zuzubringen. Seit aber der Fuchsbalg nichts mehr gilt, mag sich kaum noch jemand den Unbequemlichkeiten des winterlichen Fuchsansitzes aussetzen. Das ist auch einer der Hauptgründe dafür, dass der Fuchs in den letzten Jahrzehnten erheblich zugenommen hat.

 Die Fuchsfähe wölft ca. 50 Tage nach der Paarung ihre Welpen. Da diese am Anfang ihre Körpertemperatur noch nicht selbst regeln können, muss die Mutter möglichst die ganze Zeit bei ihnen bleiben und sie wärmen. Hier ist es ein großer Vorteil, wenn ein Rüde als Versorger da ist, welcher der Fähe und später auch den Jungen Fraß zuträgt. Auch die bereits erwähnte Verhaltensweise, dass zwei Fähen ihre Welpen in einer Art Wohngemeinschaft aufziehen, dürfte hier vorteilhaft sein: Wenn die Fähen abwechselnd auf Nahrungssuche gehen, kann die jeweils andere die Welpen warm halten.

 Wenn die Jungen älter werden, bekommen sie von den Eltern lebende Tiere gebracht und lernen dabei das Töten. Andere Verhaltensweisen, die sie in ihrem Leben brauchen werden, üben sie im Spiel untereinander ein.

 Irgendwann dürfen sie dann auch vor dem Bau in der Sonne spielen und später mit auf die Jagd um die praktische Anwendung ihrer spielerisch erworbenen Künste zu lernen. Im Herbst schließlich verlassen die Jungfüchse in der Regel die Familie und suchen sich eigene Reviere. Vor allem junge Fähen bleiben aber auch manchmal bei den Eltern und helfen im nächsten Jahr bei der Aufzucht der neuen Welpen.

 

Der Fuchs in der Folklore
  Wie der Hase ist auch der Fuchs ein sehr volkstümliches Tier, das es bis in Sprichwörter und Redewendungen gebracht hat. Als Roter Räuber, Erzschelm und listiger Dieb ist der Fuchs dem Menschen zwar oft lästig, weil er ihm Hühner, Gänse und Enten stiehlt. Trotzdem wird ihm von alters her schon eine gewisse mehr oder weniger heimliche Sympathie, ja sogar Bewunderung entgegengebracht, denn er steht für Schläue, Wagemut und Verwegenheit. Früher war er ja lange nicht der größte Räuber im Wald und zeigte daher, dass auch der kleine Mann mit Intelligenz, Mut und Listenreichtum durchaus seinen Schnitt machen kann.

 In neuerer Zeit hat Reineke das kriminelle Image praktisch ganz abgelegt und steht hauptsächlich für Durchblick und Schläue. Typisch für diese Anschauung sind die Comic-Figuren Fix und Foxi, die mit Hilfe von Einfallsreichtum und Schläue jedes noch so haarsträubende Abenteuer bestehen. Auch in der Werbung kommt der Fuchs noch heute vor und symbolisiert den schlauen und sparsamen Verbraucher, der kritisch auswählt und seinen Vorteil wahrt.

 In Wirklichkeit ist der Fuchs sicher nicht unser intelligentestes Wildtier; wahrscheinlich gebührt dieser Titel nämlich dem Wildschwein. Trotzdem ist er ein interessantes Tier und gehört zu unserer Landschaft. Auch wenn man ihn scharf bejagen muss, wird ihn doch wohl kein richtiger Jäger ernsthaft in seinem Revier missen wollen.

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7. Februar 2009 6 07 /02 /Februar /2009 13:42

Lepus europaeus, der Feldhase, ist in der Fabel als „Meister Lampe“ bekannt und eines der bekanntesten Tiere unserer Heimat. Trotzdem verwechseln ihn viele Leute mit seinem – gar nicht mal so nahen – Verwandten, dem Wildkaninchen. Auch dessen domestizierte Form, das Hauskaninchen, wird oft, aber fälschlicherweise als „Stallhase“ bezeichnet. Hasen und Kaninchen sind jedoch zwei völlig unterschiedliche Arten, die lediglich zur gleichen biologischen Familie, jedoch zu unterschiedlichen Gattungen gehören.

Als früher sehr häufiges Wild findet man den Hasen natürlich auch häufig in Darstellungen von Jagdkünstlern, wie hier von Walter Heubach

Lebensraum
Außer in Europa kommt der Feldhase auch im angrenzenden Asien und in Nordafrika vor. Er ist eigentlich ein Steppentier, das bei uns mit dem Aufkommen des Ackerbaus und den dadurch entstehenden Feldfluren Fuß fassen konnte. Dementsprechend sind die Lebensraumanforderung des Hasen, der es vor allem gerne warm und trocken mag. Vor allem für seinen Nachwuchs sind Nässe und Kälte das pure Gift. Sein erster Satz Junge, der im Spätwinter oder zeitigen Frühjahr geboren wird, hat daher nur geringe Überlebenschancen. Aus dem gleichen Grund sind warme, trockene Jahre gute und nasskalte Jahre schlechte Hasenjahre.

Artenreiche Vegation wie man sie auf nicht zu früh gemähten Wiesen findet ist, ist unerlässich für das Wohlbefinden des Hasen

Wenn man den Hasen auch hin und wieder im Wald findet, ist doch sein eigentlicher Lebensraum die Agrarlandschaft. Sie bietet ihm, die richtigen, steppenähnlichen Bedingungen, auch wenn er stark unter den Veränderungen der letzten Jahrzehnte zu leiden hat.

 

Ernährung und Lebensweise
Leider ist das bei uns ehemals sehr verbreitete Tier in den letzten Jahrzehnten selten geworden. Das liegt nicht an der Jagd, sondern an der Veränderung seines Lebensraumes, der bäuerlichen Kulturlandschaft. Dazu kommt, dass eben diese Veränderung gleichzeitig einige seiner Fressfeinde begünstigt, wie etwa den Fuchs.

 

Der Feldhase ist eigentlich eine sehr häufige Art, derzeit aber duch Umweltveränderungen dezimiert und gefährdet (Bild: Nordelch, Wikimedia, lizensiert nach GNU FDL)

Der Hase ist ein vornehmlich nachtaktives Tier. Tagsüber ruht er in seinem Lager, der so genannten Sasse. Sie kann sich an Wald- oder Heckenrändern, aber auch im freien Feld befinden. Dabei liegt er immer mit dem Kopf in Windrichtung um herannahende Gefahren wittern zu können. Abends verlässt er sein Bett und geht auf Nahrungssuche.

Der Hase benötigt zu seinem Wohlbefinden die so genannte „Hasenapotheke“, die sprichwörtlichen „siebenundsiebzig Kräutlein“, wobei diese Zahl jedoch nicht wörtlich zu nehmen ist. Wichtig ist für ihn aber in der Tat, dass er eine große Anzahl verschiedener Futterpflanzen benötigt, die ihm eine ausgewogene Ernährung ermöglicht und ihn gesund erhält.

Deswegen leidet der Feldhase besonders unter der Artenverarmung in unserer Feldflur. Große Monokulturen und Herbizide spielen hier eine Rolle; aber ein wichtiger Grund ist auch der frühe Grasschnitt zur Herstellung von Silage. Über Jahrhunderte wurde bei uns auf den Wiesen erst im Juni Heu gemacht, so das sich auf den Wiesen eine Artengemeinschaft bildete, die aus Pflanzen bestand, die bis dahin ihre Samen gebildet hatte. Außerdem blieb auch die Nachkommenschaft der Hasen jedes Jahr bis zu diesem Zeitpunkt unbehelligt von menschlichen Eingriffen.

 

Gefährdung
Da heute bereits im Mai für Silage Gras geschnitten wird, sind diejenigen Pflanzen die Verlierer, die erst später aussamen. Sie verschwinden und fehlen dann auf dem Speisezettel von Meister Lampe. Dadurch leidet seine Gesundheit, in der Folge natürlich auch seine Überlebenschance und damit seine Häufigkeit. Dazu kommt, dass durch das maschinelle Mähen ganz junge Hasen getötet werden, die noch in der Sasse gesäugt werden und nicht flüchten können.Ebenfalls äußerst ungünstig ist, dass mit moderner Mähtechnik das Gras extrem kurz über dem Boden abgeschnitten werden kann, den jungen Hasen also keine Chance bleibt, den Messern zu entgehen.

Flüchtender Hase: Seine kräftigen Hinterläufe ermöglichen ihm blitzschnelles Beschleunigen (Bild: Rosenzweig. lizensiert nach GNU FDL)

Diese Praxis des frühen und extrem kurzen Grasmähens ist übrigens auch tödlich für bodenbrütende Vögel. Leider hat sie sich durch die an sich sehr positive Zunahme der energetischen Biomassenutzung in Biogasanlagen noch verstärkt. Die Bauern schneiden sich übrigens mit dem kurzen Mähen auch noch ins eigene Fleisch: Wie bei Pflanzen allgemein üblich, sitzen auch in den Wiesenpflanzen die Reserven im unteren Bereich. Was zu kurz geschnitten wird wächst daher schlecht nach.

Für den Hasen ist es also immer ein Glück, wenn irgendwo noch ein Stück Wiesenland in traditioneller Weise zur Heuproduktion genutzt wird. Vor allem auch Pferdehalter pachten sich öfter eine Wiese um Heu für ihre Pferde zu gewinnen und helfen damit, oft wohl ohne es überhaupt zu wissen, dem Hasen. Das sollten wir Jäger – nebenbei gesagt - bedenken, wenn wir uns das nächste Mal über Reiter ärgern.

 

Körperbau und Sinne
Hasen werden etwa 60 bis 70 cm lang und etwa fünf, kapitale Exemplare auch bis zu acht Kilogramm schwer. Lepus europaeus ist ein Fluchttier, das seinen Fressfeinden dadurch zu entgehen trachtet, möglichst schnell eine möglichst große Entfernung zwischen sie und sich zu bringen. Das schlägt sich natürlich in seinem Körperbau nieder: Mit seinen im Verhältnis zur Größe sehr stark ausgeprägten Hinterbeinen kann er nicht nur aus der Ruhelage extrem stark beschleunigen, sondern auch Sprünge machen, um die ihn so manches Raubtier beneidet: Bis zu drei Meter hoch und bis zu sieben Meter weit kann ein Hase springen.

 

Schädel eines Hasen (aus einem alten Biologiebuch)

Diese Fähigkeiten erlauben es ihm, seine Tarnung voll auszureizen. Mit seiner bräunlichen bis rotbräunlichen Decke ist er in seiner Sasse, der Bodenkuhle, in der er ruht, recht gut getarnt, zudem er sich dabei auch noch dicht an den Boden drückt. Bei Annäherung einer Gefahr hält er lange aus und saust erst im allerletzten Moment mit rasender Geschwindigkeit davon. Dabei erreicht er gut und gerne seine 50, ja kurzzeitig sogar bis zu 70 km/h. Gleichzeitig ist er in der Lage, blitzschnell seine Richtung zu ändern, was als Hakenschlagen bezeichnet wird. Mit dieser Strategie hat er eine gute Chance, seinen Verfolgern zu entkommen und zu überleben wenn er einmal in seiner Sasse aufgespürt wird.

Mit seinen wesentlich weniger stark entwickelten Vorderläufen kann er jedoch nicht in der Art schreiten, wie es Vierbeiner mit gleich stark entwickelten Vorder- und Hintergliedmaßen tun. Wenn er sich langsam bewegt hoppelt er daher in der bekannten und typischen Weise.

Hasenspur im Schnee (Bildquelle: PD)

Sein Kopf ist ebenfalls seiner Lebensweise gut angepasst: Die seitliche Lage der Augen erlaubt ihm Rundumsicht, wobei aber die Sicht nach vorne in den unscharfen Randbereichen der Gesichtsfelder der beiden Augen liegt. Außerdem ist der Hase kurzsichtig. Typisch für ihn sind die langen Löffel, mit denen er sehr gut hören kann.

Was wenig bekannt ist: Auch die Witterung, das Riechvermögen ist beim Hasen gut ausgeprägt und dient auch zur Partnererkennung in der Rammelzeit. Er verfügt zudem über Duftdrüsen, deren Sekret er teilweise auch zur Fellpflege verwendet, wenn er sich putzt.

Seine Fresswerkzeuge entsprechen seiner Nahrung. Die gespaltene Oberlippe („Hasenscharte“) und die langen Vorderzähne eignen sich gut dafür, die vielerlei Arten pflanzlicher Nahrung abzuäsen, die er benötigt.

 

Fortpflanzung
Da der Hase, vor allem in jungen Jahren, recht gefährlich lebt, muss er auch eine hohe Fortpflanzungsrate aufweisen. Das ist tatsächlich der Fall, seine hohe Vermehrungsrate hat ihn sogar zum Fruchtbarkeitssymbol gemacht.

Der Hase sorgt nicht nur einmal, sondern gleich mehrere Male pro Jahr für Nachwuchs. Ab Januar wird die Häsin regelmäßig etwa alle 38 Tage für einen Tag „heiß“. Eine solche Häsin zieht die Rammler an, woraufhin sich das langwierige Paarungsspiel entwickelt. Dabei finden Rivalenkämpfe zwischen den Bewerben und Verfolgungsjagden statt.

Junger Hase (Gemälde von Albrecht Dürer)

Am Schluss bleibt dabei immer ein Rammler als Sieger übrig, dessen Preis in einem Begattungsakt mit der Häsin besteht. Das hat den Zweck, dass möglichst nur die stärksten und schnellsten Rammler zur Fortpflanzung gelangen. Nach einer kurzen Erholungsphase beginnt der Hasensex dann von neuem, so dass die Häsin an einem solchen heißen Tag mehrfach und auch von mehreren Rüden begattet werden kann.

Die Tragzeit beträgt etwa 42 Tage, wobei die Häsin kurz vor der Geburt schon wieder heiß wird und begattet werden kann. Sie kann nämlich ohne weiteres auch Embryonen in zwei verschiedenen Entwicklungsstadien tragen. In der Zeit zwischen den heißen Tagen hat die Häsin oft einen männlichen Hasen als Begleiter.

Die Jungen kommen behaart und sehend zur Welt und werden in einer Bodenkuhle abgelegt. Die Mutter kommt am Abend kurz zum Säugen, gelegentlich auch ein zweites Mal am Morgen. Dabei bleibt sie jeweils nur kurz, damit das Risiko gering bleibt, dass sie durch ihren stärkeren Geruch Fressfeinde anlockt. In dieser Zeit duldet die Häsin auch keinen männlichen Artgenossen in ihrer Nähe und schmettert deren Annäherungsversuche rigoros ab. Nach einigen Wochen können die jungen Hasen dann selbständig ihre Nahrung suchen und starten in ein Hasenleben, dass etwa zwölf Jahre dauern kann, wenn nicht ein Beutegreifer, eine Krankheit, der Straßenverkehr oder die Flinte des Jägers es vorzeitig beenden.

 

Der Hase in der Folklore

Der Hase ist ein sehr volkstümliches Tier, das als Meister Lampe in den Fabeln auftaucht und für viele Sprichwörter herhalten muss. Er gilt auch als Fruchtbarkeitssymbol und ist damit neben dem Ei typisch für die Osterzeit geworden. In afrikanischen Tiergeschichten wird er als sogar als schlau dargestellt, ähnlich dem knitzen Altrammler Mümmelmann aus den Geschichten von Hermann Löns.

Dass der Hase ein volkstümlicher Sympathieträger ist, mag daran liegen, dass der „kleine Mann“ sich in gewisser Weise in ihm wiedererkennen kann: Ständig bedroht von übermächtigen Feinden, gegen die er sich nicht wehren kann, ist er darauf angewiesen, ständig auf dem Quivive zu sein und seinen Widersachern durch Tricks, prompte Reaktion und Schnelligkeit zu entgehen um zu überleben.

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24. Januar 2009 6 24 /01 /Januar /2009 10:26

Manche halten ihn für den Mann vom Reh, aber wie bereits im Artikel über dieses Tier zu lesen steht, sind Rothirsche und Rehe zwei ganz verschiedene Arten, die jede für sich Männchen und Weibchen haben. Rotwild könnte bei uns an vielen Orten leben, wird aber von der Jagdgesetzgebung nur in ganz speziellen Gegenden, den so genannten Rotwildgebieten geduldet, da es viel Schaden in Land- und Forstwirtschaft anrichtet.


Der Rothirsch ist geradezu sinnbildlich für das deutsche Jagdwesen, darf bei uns aber nur noch in bestimmten Gegenden leben. (Bild: Heinz Seehagel, PD)


Was ist eigentlich ein Hirsch?

 Wenn man umgangssprachlich von Hirschen spricht, ist meist der Rothirsch Cervus Elaphus gemeint, wie ihn die Biologen auf Deutsch bzw. Latein nennen. Der Jäger versteht unter Hirsch jedoch immer ein männliches Stück, der Sammelbegriff der Jägersprache lautet Rotwild. Weibliche Stücke heißen in der Jägersprache bei allen Hirscharten Tiere („Kühe“ sagen nur die Biologen) und der Nachwuchs wird als Kälber bezeichnet: Das männliche Kalb heißt Hirschkalb und das weibliche Wildkalb.

 Es gibt bei uns noch andere Hirscharten, den Damhirsch und den Sikahirsch. Von ihnen wird an anderer Stelle die Rede sein. Der Rothirsch hat außerdem noch nahe Verwandte in Nordasien und Nordamerika, den Maral und den Wapiti. Diese beiden wurden früher als Unterarten des Rothirsches betrachtet, heute bilden sie eine eigene Art, namens Cervus Canadiensis, die in die amerikanische und asiatische Unterart aufgeteilt ist.


Eigentlich kein Waldtier

 In unserer heutigen Vorstellung verbinden wir den Rothirsch mit dem Wald, so wie auch die Jägermeisterflasche, auf deren Etikett er abgebildet ist. Schaut man sich so einen ausgewachsenen Burschen aber an, kommen einem doch gewisse Zweifel, ob sein Geweih im Wald nicht eher hinderlich ist. In der Tat lebt das Rotwild bei uns zwar praktisch nur in Waldgebieten, ist aber ursprünglich ein Tier der offenen und halboffenen Landschaft gewesen. In den Schottischen Highlands etwe lebt das Rotwild außerhalb von Wäldern und auch in Ungarn hegt man Rotwild in landwirtschaftlichen Gebieten, die ja auch ähnliche Bedingungen aufweisen wie die Steppe.

 

Das oftmals gewaltige Geweih, bei diesem Hirsch ist es noch im Bast, ist im Wald oft hinderlich und macht die Tatsache glaubhaft, dass das Rotwild eigentlich kein Waldtier, sondern eher eines der offenen und halboffen Landschaften, wie hier in Schottland, ist. (Bild: Mehmet Karatay, lizensiert nach CCL SA)
    

 Aufgrund der guten Ernährung in den ungarischenMaisfeldern entwickeln sich starke Hirsche mit gewaltigen Geweihen. Hirsche aus kargeren Gegenden, wie etwa den Alpen, können hier natürlich nicht mithalten. Wahrscheinlich, weil das Rotwild kein eigentliches Waldtier ist, richtet es im Wald viel Schaden an. Das Wildschwein z.B. richtet im Wald kaum Schaden an, möglicherweise, weil es tatsächlich dort hingehört.

 Weil sich das Zusammenleben von Mensch und Rotwild schwierig gestaltet, ist sein Hege auch so streng reglementiert. Einerseits kann man Land- und Forstwirten den Schaden kaum zumuten, den es anrichtet. Andererseits wollte man es wohl auch nicht ganz verbannen, da es doch zu unserem Land gehört und gewissermaßen das Sinnbild der Jagd schlechthin ist.


Rotwild und Mensch

 So fand man die Lösung mit den Rotwildgebieten. Dort darf das Rotwild leben, wird es anderswo angetroffen, muss es geschossen werden. Einzige Ausnahmen sind Kronenhirsche, die man zwischen den einzelnen Rotwildgebieten unbehelligt wandern lässt, damit für den Austausch von Genen gesorgt wird. Von einer Krone spricht man, wenn mindestens die drei obersten Enden des Geweihs an einer Stelle entspringen.

 

Die obersten vier Enden dieses Geweihs bilden das, was man eine Krone nennt (Bild: Pearson Scott Foresman, PD)

 Dieser Geweihaufbau ist erwünscht und daher lässt man Hirsche auch außerhalb von Rotwildgebieten leben, wenn mindestens eine der beiden Stangen eine solche Krone aufweist. Dass das Rotwild heute bei uns praktisch immer im Wald leben muss, liegt natürlich an uns.

 Ein ganz großes Problem dabei ist, dass wir durch Dinge wie Eisenbahnen und Straßen Barrieren geschaffen haben, welche die jahreszeitlichen Wanderungen des Rotwilds unterbinden. So würde das Rotwild im Berchtesgadener Land recht gerne im Winter an die Donau ziehen, wie es das früher getan hat. Wäre das noch möglich, könnte es im Winter im Bergwald des Nationalparks Berchetsgaden keinen Schaden anrichten.

 

Der Rothirsch vor dem Alpenpanorama gehört genauso wie Lederhose und Wildschütz zur Ganghofer-Romantik. Ökologisch ist er in den Alpen nicht unbedenklich, da er die wichtigen Bannwälder schädigen kann.

 Da wir aber die Landschaft stark zersiedelt haben, geht das nicht mehr. Damit der Nationalpark Berchtesgaden trotzdem seine Hirsche behalten kann, kommen sie über den Winter ins Gatter. Dadurch werden aber wiederum die Winterverluste gering gehalten und man muss das Rotwild bejagen damit es nicht überhand nimmt, obwohl im Nationalpark ja eigentlich gar nicht eingegriffen werden soll. Ein Beispiel dafür, dass auch vom Menschen nicht direkt beeinflusste Naturräume oft nicht mehr von alleine existieren können, da auch Veränderungen im näheren und weiteren Umfeld ihre Beziehungen zu anderen Lebensräumen stören.


Aussehen von Hirsch und Tier

 Das auffälligste am Rothirsch ist sein Geweih, woran ihn die meisten Leute auch sofort erkennen. Wie es sich für ein richtiges Geweih gehört, wird es jedes Jahr erneuert. Wie beim Rehbock, dessen Gehörn biologisch gesehen ja auch ein Geweih ist, besteht es aus Knochen. Wenn der Rothirsch im Spätwinter oder Frühjahr sein altes Geweih abgeworfen hat, beginnt das neue zu wachsen.

 Wie beim Rehbock auch, besteht es aus Knochen, der mit einer haarigen Haut, dem Bast überzogen ist. Ist das Geweih fertig, stirbt die Basthaut ab und wird durch Fegen abgestreift. Junge Hirsche bekommen gegen Ende ihres ersten Lebensjahr zunächst nur zwei unverzweigte Spieße, deswegen heißen sie auch Spießer. Mit jedem neuen Geweih kommen mehr Enden und mehr Masse, bis der Hirsch jagdbar ist. Das ist der Fall, wenn er etwa zehn Jahre alt ist. Später setzt er wieder zurück, das bedeutet, dass das Geweih im Alter wieder kleiner wird.

 

Ein typischer Rothirsch in seinen besten Mannesjahren (Dieses Bild basiert auf dem Bild Silz cerf20.jpg aus der freien Mediendatenbank Wikimedia Commons und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. Der Urheber des Bildes ist Traroth)

 Man benennt die verschiedenen Geweihe in der Hauptsache nach der Anzahl ihrer Verzweigungen, die man Enden nennt. Hat eine der beiden Stangen mehr Enden, wird deren Anzahl verdoppelt und mit dem Zusatz „ungerade“ angegeben. Hat ein Hirsch z.B. an einer Stange vier und an der anderen fünf Enden, ist es ein ungerader Zehnender.

 Ein Ende zählt nach altem Brauch dann als Ende, wenn man sein Jagdhorn oder den Schweißriemen daran hängen kann. Neben der Anzahl der Enden wird oft auch noch ihre Anordnung angegeben: Man spricht z.B. von einem Eissprossen- oder Kronenzehner. Die Körpergröße und das Gewicht von Rothirschen schwanken von Biotop zu Biotop. Die Kopf-Rumpf-Länge kann bis über zwei Meter, das Gewicht bis nahe 170 kg betragen.

 Damit ist der Rothirsch unser größtes frei lebendes Säugetier. In weniger günstigen Biotopen, wie etwa im Hochgebirge, können die Stücke aber auch erheblich weniger stark sein. Rottiere sind etwa 10..15% schwächer als Rothirsche und haben kein Geweih. Das Haarkleid wird bei beiden Geschlechtern zwei mal im Jahr gewechselt, es gibt also eine Winter- und eine Sommerdecke.

 Die Sommerdecke ist, daher auch der Name Rotwild, rötlich braun. Das etwa doppelt so lange Winterhaar ist graugelblich bis graubraun und struppiger als das Sommerhaar. Frisch gesetzte Kitze weisen die bekannten „Bambi-Flecken“ auf, die sich im Laufe des Sommer verlieren. Der Hirsch trägt in der Brunftzeit in West- und Nordeuropa die so genannte Brunftmähne, die bis zu 15 cm lang sein kann. In Südosteuropa weisen die Hirsche nur ein schwach ausgeprägte oder gar kein Mähne auf.

 Ein weiteres Geschlechtsmerkmal am Haarkleid sind die dunkleren „Stirnlocken“ des Hirsches, die dem Tier fehlen. Die Hinterseite der Oberschenkel ist bei beiden Geschlechtern weißlich behaart, weist eine dunkle Umrandungt auf und wird als Spiegel bezeichnet. An ihm können bei der Fortbewegung im Rudel die hinteren Stücke sehen, wohin die vorderen laufen, damit das Rudel leichter beisammen bleiben kann.

 

Das - und nicht das Reh - ist die Frau vom Rothirsch: Ein Rottier, das gerade ein Kalb säugt (Dieses Bild basiert auf dem Bild Rothirsch säugend 070816.jpg aus der freien Mediendatenbank Wikimedia Commons und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. Der Urheber des Bildes ist BS Thurner Hof)

 Wie bei vielen Tierarten gibt es auch beim Rothirsch Exemplare mit abweichender Färbung. Es kann vorkommen, dass ausgewachsene Exemplare ihre „Bambi-Flecken“ nicht verlieren, es gibt verschiedene helle Abzeichen und auch komplett weiße Hirsche und Tiere kommen gelegentlich vor. Anders als beim Rehwild sind jedoch schwarze Stücke sehr selten.

 Öfter hingegen sieht man den Aalstrich, einen Streifen dunkler Haare entlang des Rückgrates. Wie alles Schalenwild gehört das Rotwild zu den Paarhufern und wie alle Schalenwildarten außer dem Schwarzwild auch zu den Wiederkäuern.

 Daher besitzt es, wie das Rehwild auch, vier Mägen, nämlich Pansen, Netz-, Lab- und Blättermagen. Anders als der Konzentratselektierer Reh tendiert das Rotwild stark zum Rauhfutterfresser, dass heißt es nimmt größere Mengen weniger gehaltvoller Nahrung auf und konzentriert sich weniger auf Knospen und frische Triebe als sein kleinerer Verwandter.

Die Sinnesorgane

 Dem bekannten Jägerspruch zufolge, der bereits im Artikel über das Schwarzwild erwähnt wurde, vernimmt das Rotwild das berühmte Haar, „welches vom Haupte des Jägers fällt“. In der Tat ist das Hörvermögen beim Rotwild gut ausgeprägt, wobei es sich aber auch stark nach dem Geruch, der Witterung also, orientiert. Allerdings kann es nicht so fein wittern wie das Schwarzwild.

 Was das Sehvermögen betrifft, ist das Rotwild ein Bewegungsseher. Es sieht nicht scharf und kann daher unbewegte Objekte nur schwer, bewegte dafür umso besser ausmachen. Die seitlich am Kopf befindlichen Augen passen hierzu, sie ermöglichen es, einen großen Teil des Umkreises zu überblicken und dort einen herannahenden Feind durch seine Bewegung frühzeitig zu entdecken.


Soziales Leben

 Rotwild lebt gesellig, die Sozialverbände bezeichnet man als Rudel. Die Alttiere, also diejenigen Tiere, die schon gesetzt haben, bilden mit ihren Kälbern Rudel. Zu diesen Rudeln gehören auch die Schmaltiere, also die Kälber vom Vorjahr, die noch nicht beschlagen sind. Weil die Stücke in diesen Rudeln keine Geweihe haben, spricht man auch von Kahlwildrudeln.

 

Tier, Kälber und Schmaltiere bezeichnet man als Kahlwild. Hier sieht man zwei Tiere mit Iihren Kälbern(Dieses Bild basiert auf dem Bild Rothirsch Kahlwildrudel 070618.jpg aus der freien Mediendatenbank Wikimedia Commons und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. Der Urheber des Bildes ist BS Thurner Hof)

 Vor allem die jüngeren und mittelalten Hirsche bilden ebenfalls Rudel, wobei die ganz alten auch als Einzelgänger leben. Solche einzelnen Hirsche haben aber sehr oft einen jüngeren Kumpel, den so genannten Beihirsch. So verbringt das Rotwild den größten Teil seiner Zeit also in recht beschaulicher Geselligkeit.

 Seine behaglichste Zeit ist wohl die Feistzeit, das späte Frühjahr und der Sommer. In diesen Wochen mangelt es nicht an Nahrung und alle äsen sich eine schöne Fettschicht, das so genannte Feist an. Die Hirsche sind in dieser Zeit recht heimlich, womit der Jäger meint, dass man sie kaum zu Gesicht bekommt.


Brunft

 Die Brunft, also die Paarungszeit, findet im Herbst statt und zwar je nach Gegend im September oder Oktober. Wenn diese Zeit naht, trennen sich die älteren Hirsche von ihren Herren-Clubs und suchen die Weiblichkeit auf um ihren geschlechtlichen Begierden zu frönen.

 Dabei kommt aber nicht automatisch jeder zum Zug. Der stärkste Hirsch gewinnt nämlich die Oberhand und sichert sich ein weibliches Rudel als Harem. Er versucht, alles aus der Nähe seines Rudel zu verjagen, was nach Konkurrenz aussieht. Weniger beherzte Hirsche lassen sich bereits von den Drohgebärden des Platzhirsches einschüchtern und halten Abstand, andere fassen sie als Aufforderung zum Duell auf und probieren ihr Glück.
 Der Kampf zweier Hirsche ist ein so genannter Kommentkampf, er dient dem Kräftemessen und nicht der Beschädigung des Gegners. Natürlich können dabei trotzdem Verletzungen auftreten, was auch häufig der Fall ist. Sie sind aber gewissermaßen Unfälle. Zuweilen kommt es sogar zu tödlichen Verletzungen; man schätzt, dass in Deutschland etwa 5% der Hirsche bei Brunfkämpfen zu Tode kommen.

 Zur Brunft gehört auch das Rufen der Hirsche, das Röhren. Diese Rufe dienen zum Drohen und begleiten auch andere brunfttypische Handlungen wie das Zurücktreiben der Tiere zum Rudel und die Kämpfe.Gibt es während der Brunft klare, kalte Nächte, hört man am meisten. Ist es milder und bedeckt oder gar feucht, läuft das ganze weit weniger geräuschvoll ab; man spricht dann von einer stillen Brunft. Die Brunftrufe einzelner Hirsche klingen übrigens unterschiedlich, so dass der Jäger in der Lage ist, "seine" Hirsche jeweils an ihrer Stimme zu erkennen.
 Da der Platzhirsch nicht nur die Tiere seines Rudels begatten, sonder auch noch sein eigener Haremswächter sein muss, ist die Brunft für ihn der pure Stress. Er kommt nicht mal genug zum Äsen und verliert dabei erheblich an Gewicht. Das versucht er nach Ende der Brunft wieder aufzuholen, was aber nur gelingt, wenn die Äsung nicht zu schnell knapp wird, weil der Winter kommt. Daher können die Stressfolgen für ihn durchaus auch tödlich sein.

 Diejenigen Hirsche, die sich kein Rudel sichern können, nehmen gewissermaßen als Zaungäste an der Brunft teil. Der gestresste Platzhirsch kann nicht überall gleichzeitig sein, so dass dem einen oder anderen Nobody doch auch einmal das Glück winkt und er zum Beschlag kommt.

Geburt und Aufzucht

 Die Tragezeit beträgt beim Rotwild ca. 230 Tage; die Kälber kommen daher im späten Frühjahr oder Frühsommer auf die Welt. Sie sind behaart, können sehen und schon wenige Stunden nach der Geburt auch stehen und langsam laufen. Zur Geburt zieht sich die Mutter zurück und schlägt das vorherige Kalb ab, verjagt es also.

 In der Regel setzt das Rottier nur ein Kalb; Zwillinge sind selten und haben geringe Überlebenschancen. Ganz junge Kälber werden von der Mutter abgelegt, die „Bambi-Flecken“ dienen dabei zu Tarnung. Das Rottier entfernt sich aber immer nur in Windrichtung von ihrem Kalb und auch nur so weit, dass sie es noch wittern kann. Hört sie es klagen oder reißt die Witterung ab, kehrt sie unverzüglich zu ihrem Baby zurück und sieht nach dem Rechten. Auch sonst sucht sie es immer wieder auf um es zu säugen.

Ein ganz junges Kalb, welches noch die weißen Tarnflecken hat (Dieses Bild basiert auf dem Bild Rothirsch Kalb 070816 7.jpg aus der freien Mediendatenbank Wikimedia Commons und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. Der Urheber des Bildes ist BS Thurner Hof)

 Wenn das Kalb nach einigen Tagen so weit ist, dass es seiner Mutter folgen kann, kehrt diese mit ihm zu ihrem Kahlwildrudel zurück. Im Laufe der nächsten Wochen verschwinden die weißen Tarnflecken des Kalbes weil dunklere Haare nachwachsen. Auch wenn es schon lange selbst äsen kann, trinkt das Kalb noch bei seiner Mutter. Wird diese nicht bei der nächsten Brunft im Herbst erneut beschlagen, kann sich die Säugezeit bis in den  Sommer des nächsten Jahres hinein ziehen.


Rotwild beobachten

Anders als das beim Reh und fast auch beim Wildschwein der Fall ist, gibt es Rotwild nicht überall bei uns in freier Wildbahn. Aber auch außerhalb der Rotwildgebiete gibt es allerhand Gehege und Wildparks, in denen Rotwild gehalten wird. In solchen Wildparks kann man Rotwild noch besser beobachten als in der freien Wildbahn. Auch die Brunft kann man hier miterleben. Das meiste spielt sich zwar bei Nacht ab, so das man oft nicht viel sieht, aber schon allein das, was man hört, lohnt einen abendlichen Abstecher wenn der Wildpark nicht zu weit entfernt ist. Ist er weiter weg, kommt man halt schon am Nachmittag, guckt sich alles an und bleibt über den Einbruch der Dunkelheit hinaus um noch ein wenig den Hirschen zuzuhören.

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20. Januar 2009 2 20 /01 /Januar /2009 12:40

Fabian und Sebastian am 20. und Vinzenz am 22. Januar sind bekannte Wetterlostage, aber auch die Tage zweier Heiliger, die als Schutzpatrone der Holzfäller gelten. Daher werden sie in waldreichen Gegenden auch heute noch oft gefeiert. Sebastaians- und Vinzenz-Vereine spielen bei dieser Tradition ein wichtige Rolle. 

Der Winter ist noch lange nicht vorbei, den Bauerregeln zufolge fängt er jetzt erst so richtig an. Im verborgenen bereitet sich aber die Natur bereits wieder auf den Sommer vor

"An Fabian-Sebastian...

... fängt Baum und Tag zu wachsen an!" lautet eine der alten Bauernregeln, die sich auf den Anfang des letzten Januar-Drittels beziehen.Sie weist auf zwei Dinge hin, die jetzt in der Natur passieren: Zum einen merkt man ab jetzt recht deutlich, dass die Tage wieder länger werden. Die finstere Zeit, die etwa zwei Monate um die Wintersonnenwende, in der sich die Tagelslänge nur wenig ändert, ist jetzt vorbei. Bis zur Tag- und Nachtgleiche wächst die Tageslänge jetzt immer schneller. Warum das so ist, steht übrigens im Artikel "Die Finstere Zeit".

 Zum anderen bereiten sich die Gehölze jetzt so langsam auf die Vegetationsperiode vor. Sie erwachen langsam aus der Winterruhe, der Saft beginnt zu steigen. Früher schlug man Holz nur, wenn es nicht im Saft stand und hörte daher um diese Zeit mit der winterlichen Holzarbeit auf. Auch für St.. Vinzenz gibt es einen Spruch, der sich auf Gehölze bezieht und zwar erwähnt er speziell die Weinrebe: "An dem Tag Vinzenzius, jede Rebe treiben muss!".

 

... da fängt der rechte Winter an!"

 Obwohl Fabian-Sebastian bzw. Vinzenz in dieser Hinsicht gewissermaßen Vorboten des Frühlings sind, ist der Winter noch lange nicht vorbei. Nach den Bauernregeln fängt er jetzt nämlich erst richtig an, was auch sehr oft der Fall ist, wie in letzter Zeit die WInter 04/05 und 05/06 gezeigt haben. Die beiden Regeln "Sonnenschein zu Sebastian lässt den Tieren das Futter ausgah'n"" und "Auf St. Vinzenz Sonnenschein bringt uns reichlich Korn und Wein!" scheinen sich auf den ersten Blick zu widersprechen. Beim genauen Hinsehen zeigt sich aber, dass sie das nicht tun: Korn und Wein benötigen viel Sonne, das Futter, Gras und Klee nämlich, eher Regen

 Ein weitere Regel lautet:  "Hat der Vinzenz Wasserflut, ist es für den Wein nicht gut." Sie besagt das gleiche wie die vom Sonnenschein, ist aber noch in anderer Hinsicht interessant, weil sie von mildem Wetter im Winter spricht. Und zwar nicht als einzige: "Geht Barbara im Klee, kommt's Christkind im Schnee!" oder "Grünen am Christtag Feld und WIesen, wird sie zu Ostern Eis verschließen!" und noch eine ganze Reihe anderer Regeln tun dies auch. Das ist ein Indiz dafür, dass "unnormales" Wetter auch in früheren Zeiten etwas durchaus bekanntes war.

 

Waldarbeit war schon immer ein harter und gefährlicher Job. St. Sebastians- und St. Vinzenzbruderschaften boten den Waldarbeiter früher wenigstens ein Minimum an sozialer Absicherung. (Gemälde von Jean-François Millet)

Sebastians- und Vinzenz-Vereine

Auf dem Härtsfeld in Ostwürttemberg war es früher vielerorts der Heilige Vinzenz, unter dessen Schutz sich die Waldarbeiter stellten. Er wird vor allem im Alpenraum verehrt; nach Ostwürttemberg ist er nach dem Dreißigjährigen Krieg gekommen: Siedler brachten ihn mit, die von dort kamen. Die örtlichen Herren hatten sie gerufen um den durch die Kriegshandlungen teilweise entvölkerten Landstrich wieder neu zu beleben.

Im Aalener Teilort Ebnat beispielsweise lässt sich die St. Vinzenz-Tradition bis zum Jahr 1760 zurück verfolgen; möglicherweise besteht sie aber schon länger. Die Vinzenz- und Sebastiansbruderschaften stellten eine frühe Form der Sozialversicherung dar: Sie unterstützen durch Arbeitsunfälle invalide gewordene oder getötete Holzfäller bzw. ihre Familien. Das war bis weit ins zwanzigste Jahrhundert eine wichtige Funktion dieser Vereinigungen, da die Holzhauer früher als selbständige Unternehmer arbeiteten und auch noch lange nach Einführung der Sozialversicherung ihr hohes Unfallrisiko selbst trugen.

Heute dienen die Vinzenz- und Sebastians-Vereine vor allem der Geselligkeit. Mitglied kann jeder werden, der sich dem Wald verbunden fühlt. Die jährlichen Zusammenkünfte beginnen mit einem Gottesdienst, danach geht es ins Wirtshaus, wo jedes Mitglied namentlich aufgerufen wird und seinen Jahresbeitrag, in Ebnat z.B. sind das 20 Cent, zu entrichten hat. Nach dem kulturellen Teil, oft ist das ein Vortrag oder ein Film über ein waldbauliches Thema, klingt der Abend dann mit einem gemütlichem Beisammensein aus.

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17. Januar 2009 6 17 /01 /Januar /2009 11:56

Das Wildschwein, bei den Jägern wird es als Schwarzwild bezeichnet, ist in vielen Gegenden Deutschlands wieder sehr häufig geworden, nach dem es vielerorts längere Zeit völlig verschwunden war. Besonders interessant ist es unter anderem deswegen, weil es intelligent ist und eine ganze Reihe sozialer Verhaltensweisen hat. Unser Hausschwein stammt wahrscheinlich von ihm ab und ist mit ihm kreuzbar, deswegen gibt es immer wieder einmal Mischlinge zwischen Haus und Wildschwein, die auch fruchtbar sind. Auch gibt es (alte) Hausschweinrassen, wie z.B. das Wollschwein, denen man ihre Herkunft noch deutlicher ansieht, als den heute üblichen Schweinerassen.

Das Wildschwein lebt seit Urzeiten in unseren Wäldern und ist, nach dem es aus vielen Gegenden bereits verschwunden war, mittlerweile wieder weit verbreitet. In Wirklichkeit wird man einen alten Keiler aber  eher selten so nahe bei einer Rotte Bachen mit Frischlingen sehen, denn die alten Haudegen sind brummige Einzelgänger (Gemälde von Walter Heubach)

 Ein schlaues Viech..

 In Fabel und Märchen sowie auch in der Vorstellung vieler Menschen ist der Fuchs das schlaueste Tier im Wald. Tatsächlich dürfte dieser Titel jedoch eher dem Wildschwein zukommen. Seine Intelligenz, Anpassungsfähigkeit und seine Vielseitigkeit bei der Nahrungsaufnahme machen es zu einem wahren Überlebenskünstler. Deswegen leben Wildschweine zwar vor allem im Wald, ihrer eigentlichen Heimat, suchen aber zur Nahrungsaufnahme auch die Feldflur und sogar menschliche Siedlungen auf. Wenn es Wald als Einstand, also quasi als Wohnquartier, gibt, können die Schwarzkittel sogar in Stadtnähe und, wie in Berlin etwa, in den Außenbezirken von Großstädten leben.

 

Der Speisezettel

 Als Allesfresser hat es ein Gebiss, welches sich von dem des Menschen im Grunde nur duch die Anzahl der Zähne und ihre Stellung unterscheidet: Die unteren Schneidezähne, die in ihrer Form den menschlichen gleichen, stehen beim Wildschwein stark nach vorne, so dass sie wie eine Schaufel aussehen. Sie dienen bei der Nahrungssuche auch tatsächlich als eine solche: mit ihnen wird der Boden nach Würmern, Schnecken, Engerlingen, Wurzeln und dergleichen durchgearbeitet. Die Nahrung, die das Wildschwein auf diese Weise findet, nennt der Jäger Untermast, diejenige, die das Wildschwein über der Erde findet, ist die Obermast. Auch hier ist es nicht sehr wählerisch: Eicheln, Bucheln und Nüsse werden genauso genommen wie Aas, Getreide, Obst und so gut wie alles sonst auch, was nur irgendeinen Nährwert hat und nicht giftig ist.

Her Keiler genießt - immer noch im  schicken Wintermantel - einen Spaziergang in der noch zaghaften Frühlingssonne

 Der Grabvorgang wird als Brechen bezeichnet, das Maul des Wildschweins heißt daher Gebrech. Das Gebrech darf man nicht mit dem Gebräch verwechseln, denn dieses bezeichnet die Stelle an der Wildschweine brechen bzw. gebrochen haben. Im Wald schadet es nichts, wenn die Wildschweine den Boden fleißig umgraben, es ist sogar eher von Nutzen. Ärgernis erregen sie aber, wenn sie sich zur unterirdischen Nahrugsauffnahme  eine Wiese aussuchen. Die sieht dann aus wie die Teststrecke einer Planierraupenfabrik, was beim Jäger ein langes Gesicht verursacht: Entweder repariert er den Schaden mühselig mit Hacke und Schaufel (wenn das noch geht) oder er bezahlt dafür.

 Auch Weizen, Mais und neuerdings auch Raps schmecken dem Wildschwein und von den langen Grannen der Gerste lässt es sich entgegen einer verbreiteten Meinung auch nicht immer abschrecken. Da Wildschweine als gesellige Wildart meist zu mehreren kommen, sind die Folgen entsprechend. Hier gibt es natürlich keine Reparatur, der geplagte Waidmann muss das Portemonnaie öffnen - es sei denn, er kann den erzürnten Landmann vielleicht gerade noch mit Wildbret besänftigen, dass er ihm dafür kostenlos liefert. Das geht aber allenfalls wenn der Schaden nicht allzu groß ist.

 

Körperbau

 Außer den Schneidezähnen besitzt das Wildschwein Eckzähne, submolare und molare Backenzähne. Die Eckzähne sind bereits bei der Bache wesentlich länger als im menschlichen Gebiss und heißen Bachenhaken. Beim Keiler sind sie als sekundäre Geschlechtsmerkmale mehr oder weniger imposant ausgebildet. Sie stehen aus dem Gebrech als gebogene Keilerwaffen hervor und dienen auch zu diesem Zweck. Das untere Paar nennt der Jäger die Gewehre, dass obere bezeichnet er als Haderer. Die Waffen wachsen zeitlebens und sind deswegen umso größer, je älter der Keiler ist. Deswegen stellen sie neben dem Bart, der aus den Rückenhaaren gebunden wird, die Trophäe dar, die sich der Jäger aufhebt, der einen Keiler erlegt.

 Wohl, weil das Schwarzwild sich im Aussehen stark von anderen Schalenwildarten wie Reh- und Rotwild unterscheidet - es ist zwar auch ein Paarhufer, aber kein Wiederkäuer - bezeichnet die Jägersprache seine Körperteile (teilweise) anders als bei diesen. Das Fell heißt hier Schwarte statt Decke, das Fett darunter ist das Weiße und nicht das Feist wie bei Reh und Hirsch. Ein Stück Schwarzwild wird daher auch abgeschwartet und nicht aus der Decke geschlagen. Wer das schon einmal gemacht hat, weiß, dass der Vorgang auch ein etwas anderer ist: Während man bei einem Reh die Decke verhältnismäßig leicht abziehen kann - gegebenefalls hilft man mit der Faust nach, daher auch "aus der Decke schlagen" - muss man bei einer Sau die Schwarte durchgängig abschärfen, also mit dem Messer vom darunter liegenden Gewebe trennen.

Eine Bache mit noch gestreiften Frischlingen im Sommerkleid (Bild, Dave Pape, PD)

 Ein einzelnes Stück Schwarzwild unbestimmten Geschlechts nennt man eine Sau ( Mehrz.: Sauen), manchmal auch einfach Schwein. Die Ohren der Sau heißen nicht Lauscher, sondern Teller, der Schwanz nicht Wedel, sondern Pürzel. Wie anderes Schalenwild auch äugt es jedoch mit seinen Lichtern und bewegt sich bei nicht so ganz traditionsbewussten Jägern schon auch einmal auf Läufen statt auf Hämern (Einz.: Hamer).

 Weil das Wildschwein kein Wiederkäuer ist, hat es auch nur einen einzigen Magen, der als Waidsack bezeichnet wird. Die Hoden des Keilers werden heute meist, wie beim übrigen Schalenwild auch, als Brunftkugeln bezeichnet, genau genommem heißen sie aber Klötze oder Steine. Der Penis heißt nicht etwa Keilriemen wie ein uralter Kalauer behauptet, sondern Brunftrute. Das weibliche Gegenstück dazu ist das Feuchtblatt.

 Der Gesichtssinn ist bei Sauen, so wie bei vielen Tieren, nicht übermäßig ausgeprägt. Dafür haben sie ein äußerst feines Wittterungsvermögen. Der richtige Riecher hilft ihnen, interessante Nahrung im Boden aufzuspüren und mögliche Feinde auf größere Entfernungen auszumachen. Unter Jägern gilt der feine Geruchssinn als sprichwörtlich, denn sie sagen, dass ein Haar, das vom Haupt des Jägers fällt "vom Muffel eräugt, vom Rotwild vernommen und vom Schwarzwild gewittert" wird. Sauen vernehmen, also hören allerdings auch recht gut, doch nutzt sie das oft nicht viel, denn sie machen selbst gerne einen Heidenspektakel. Vor lauter Gegrunze und Geschmatze kann es dann passieren, dass sie den anpirschenden Jäger doch nicht vernehmen und der eine der sonst recht raren Chancen für einen Schuss auf ein Stück Schwarzwild erhält.

 

Fortpflanzung und "Familienleben"

 Dir Brunft heißt beim Schwarzwild Rauschzeit. Normalerweise werden die Bachen im Spätherbst oder Winter rauschig. Nach drei Monaten, drei Wochen und drei Tagen (genau genommen sind es zwar eher 120 Tage, aber Jäger lieben nun einmal solche Sprüche) frischt die Bache ihre Frischlinge, wie man die Ferkel des Wildschweins nennt. Je nach dem, wie alt die Bache ist, frischt sie mehr oder weniger Frischlinge. bei sehr jungen Bachen können es nur ein oder zwei, bei ausgewachsenen bis zu sieben oder gar acht sein. Für ihren Nachwuchs baut Mama Wildsau ein richtiges, hübsches Nest in einer Bodenmulde, dass mit herbei geschlepptem Pflanzenmaterial ausgepolstert wird und Wurfkessel heißt. Gibt es keine natürliche Mulde im Boden, wird ganz einfach eine gegraben.

Familienleben bei Wildschweins

 Normalerweise kommen die Frischlinge oder Frösche, die übrigens mit Borsten und offenen Augen geboren werden, also im Spätwinter oder Frühjahr zur Welt. Derzeit rauschen und frischen die Bachen bei uns aber das ganze Jahr. Einige Leute behaupten, dass käme davon, dass so viele Leitbachen geschossen würden. Die Leitbache, die Chefin einer Rotte Sauen, ist im Normalfall eine erfahrene alte Bache, die möglicherweise die Rausche gewissermaßen synchronisiert. Wird sie rauschig, tun das die anderen Bachen in der Rotte auch. Fehlt sie auf einmal, bricht nach dieser Theorie ein Rauschzeit-Chaos aus und die Bachen werden zu allen möglichen und unmöglichen Zeiten rauschig und frischen dementsprechend auch das ganze Jahr.

 Eine andere Erklärung ist viel einfacher: Durch das derzeitige milde Klima und das gute Nahrungsangebot können neugeborene Frischlinge praktisch zu jeder Jahreszeit überleben. Unter härteren Bedingungen würden die zur Unzeit geborenen Frischlinge sterben und könnten daher die Veranlagung zum unzeitgemäßen Rauschen nicht weitervererben. Selbst wenn also etwas dran ist an der Theorie mit den fehlenden Leitbachen, könnte sich dieser Effekt kaum auswirken, wenn nicht die Lebensbedingungen so sind, dass zur falschen Zeit geborene Frschlinge trotzdem überleben.

Kleine Meinungsverschiedenheiten kommen in den besten Familien vor

 Die Frischling bleiben natürlich zunächst bei Ihrer Mutter. Am Anfang weist ihre Schwarte die typischen Frischlingsstreifen auf, die sich später verlieren. Wenn sie zwischen ein und zwei Jahren alt sind, nennt man sie Überläufer. Die Bachen bleiben weiterhin normalerweise bei der Rotte ihrer Mutter, die jungen Keiler werden verjagt, wenn sie geschlechtsreif werden. Sie bilden dann zunächst eigene Rotten, bis sie sich dann mit dem Älterwerden zu Einzelgängern entwickeln, welche zur Rauschzeit die weibilchen Rotten aufsuchen um ihren Gelüsten zu frönen.

 Da die Bachen bei der Rotte ihrer Mütter bleiben, besteht eine solche Rotte aus Müttern, Töchtern, Schwestern, Tanten, Nichten, Cousinen und so weiter, nebst kleinen Brüdern, den jungen Keilern nämlich, die noch bei der Mutterrotte bleiben dürfen. Unter den Bachen einer Rotte sind nicht alle Bindungen gleich stark, es gibt  vielmehr besondere Freundschaftsverhältnisse und auch wohl  Antipathien. Es kommt nun immer wieder vor, dass Bachen mit der Leitbache Ärger bekommen und die Rotte verlassen. Normalerweise wird ein solche Bache aber nicht zur Ausgestoßenen, denn in der Regel hat sie ein paar gute Freundinen, die sich ihr anschließen. Auf diese Weise entsteht dann eine neue Rotte, die sich ein eigenes Revier sucht und durch Nachwuchs an Stärke zunimmt, da das Schwarzwild eine hohe  Vermehrungsrate hat. Zuammen mit dem Umstand, dass Wildschweine sehr mobil sind und im Bedarfsfall innerhalb von 24 Stunsden schon mal 50 oder 60 Kilometer zurücklegen können, ist das ganz offensichtlich eine erstklassige Strategie um neue, geeignete Lebensräume zu erschließen.

 

Ist das Wildschwein ein Dreckschwein?

 Auch wenn Wildschweine oft über und über mit Schlamm bedeckt sind, ist das ganz und gar kein Zeichen von nachlässiger Hygiene. Im Gegenteil: Das als Suhlen bezeichnete Wälzen in Schlammlöchern, stellt die Körperpflege der Sauen dar. Damit entfernen sie nämlich Parasiten, die sich zwischen seinen Borsten eingenistet haben. Die ersticken nämlich in der Schlammschicht, welche, wenn sie getrocknet ist durch Reiben an einem geeigneten Baum, dem Malbaum wieder entfernt wird. Solche Malbäume gibt es immer in der Nähe von Suhlen. Daran, wie hoch die Spuren der schweinischen Körperpflege daran reichen, kann der aufmerksame Naturbeobachter ablesen, wie groß die größten Exemplare des Publikums sind, welchs die jeweilige Suhle frequentiert.

Da soll noch mal einer was von "Dreckschwein" sagen: Selbst bei Schneelage wird die Badestube aufgesucht...

 Bei älteren Keilern bildet sich im Bereich des Blattes, also an der Schulterpartie aus Harz und Schlamm gerne eine Schutzschicht, die sich zu einem richtigen Panzer auswachsen kann. Ein solches Panzerschwein ist zwar nicht gegen die Kugel des Jägers gefeit, aber in alten Zeiten, als man Sauen noch mit der Saufeder, einer kurzen Lanze, jagte, dürfte der Panzer das schwierige und gefährliche Erlegen eines alten Keilers zusätzlich erschwert haben.

 An heißen Tagen ist die Suhle natürlich gleichzeitig eine willkommene Abkühlung. Offenbar macht das Suhlen den Sauen ein ähnliches Vergnügen wie uns Menschen das Baden. Sie singen dabei zwar nicht, aber an dem behaglichen Gegrunze kann man leicht feststellen, dass es ihnen offenbar sauwohl ist.

 Schweine sind also in Wirklichkeit sehr reinliche Tiere, genauso wie Gänse keineswegs dumm sind. Sie sind sogar stubenrein, wie man von Leuten weiß, die sich Schweine als Haustiere gehalten haben. Für die in der üblichen Weise im Stall gehaltenen Hausschweine muss es daher furchtbar sein, dass sie in der eigenen Sch... liegen müssen.

 

 Wildschwein und Mensch

 Wie ihre Verwandten, die Hausschweine, können Wildschweine ein Beziehung zum Menschen aufbauen, die der Beziehung eines Hundes zu seinen Leuten ähnelt. Das liegt daran, dass sie wie Wölfe in Gemeinschaften leben und daher soziale Fähigkeiten haben. Als Haustiere eignet sich das WIldschwein deswegen aber doch nicht so recht, denn genauso wie beim Wolf sind diese sozialen Fähigkeiten nicht 100%ig kompatibel zum Menschen. Der Hund hingegen hat in der langen Zeit, die er mit ihm zusammenlebt, sein Verhalten in gewisser Weise auf den Menschen abgestimmt. Dazu kommt, dass Keiler als Erwachsene zu EInzelgängern werden und auch Bachen ihre Tücken haben.

 Das Schwarzwild ist ein wehrhaftes Wild, damit ist gemeint, dass Sauen bei Gefahr nicht nur die Möglichkeit haben zu fliehen, sonder sich notfalls auch recht wirkungsvoll ihrer Haut wehren können und zwar problemlos auch, wenn es sich beim echten oder vermeintlichen Gegner um einen Menschen handelt. Dabei zeigen Keiler und Bache unterschiedliches Verhalten. Ersterer schlägt mit seinen Waffen zu, lässt aber meist von seinem Gegner ab, wenn dieses kampfunfähig und der Fluchtweg frei ist. Die Bache hingegen beißt zu und zwar mit einer Bisskraft, um die sie jeder Schäferhund beneiden würde. Sie lässt auch nicht ab, sondern tötet den Gegner, der hinterher unter Umständen sogar verspeist wird. Wie oft auch  bei den Menschen, ist hier also die holde Weiblichkeit im Ernstfall rabiater als die männlichen Exemplare.

 Die Gründe für das unterschiedliche Verhalten liegen auf der Hand: Normalerweise geht man im Tierreich jeder Verletzungsgefahr so gut es geht aus dem Weg. Der Keiler setzt daher den Kampf nicht fort, sobald er sich eine sichere Fluchtmöglichkeit geschaffen hat. Die Bache muss jedoch auch für die Sicherheit ihrer Frischlinge sorgen, die nicht so gut flüchten können. Also macht sie den Gegner ein für alle Mal unschädlich. Und warum soll man anschließend die gute, eiweißreiche Nahrung verkommen lassen?

 Das Wildschwein ist jedoch beileibe kein angriffslustiges Monster, welches Waldspaziergänge zu lebensgefährlichen Unternehmungen werden lässt. In der Tat geht von WIldschweinen - wie übrigens auch von Wölfen - eine sehr geringe Gefahr aus. Sie lassen es nämlich normalerweise erst gar nicht auf eine Begegnung mit dem gefährlichsten Raubtier, dem Menschen, ankommen. Es muss schon sehr dumm laufen, damit man versehentlich ein Wildschwein so überrascht, dass es keine Möglichkeit mehr zur Flucht sieht und angreift.

 

Das Wildschwein in der Küche

 Da das Wildschein in der Landwirtschaft arg zu Schaden geht, muss es scharf bejagt werden. Aus diesem Grunde ist sein WIldbret in den Gegenden, wo es vorkommt, reichlich auf dem Markt. Wer keinen Jäger kennt, bei dem er es kaufen kann, fragt am besten bei Forstämtern nach, denn die verkaufen ebenfalls anfallendes Wild. Im Artikel "Wild in der Küche" gibt es übrigens allgemeine Informationen über  Bezugsquellen, Möglichkeiten und Vorteile von Wildbret.

 Da Wildschweine heute oft einen großen Teil ihres Nahrungsbedarfes mit Getreide decken, schmecken sie leider oft kaum oder gar nicht anders als Hausschweine. Was allerdings immer noch vorhanden ist, sind die speziellen qualitativen Vorteile von Wildbret: Es ist feiner strukturiert als Haustierfleisch, da es langsamer gewachsen ist. Weil Wildschweine genug Bewegung haben ist das Fleisch auch fester und magerer. Wildfleisch ist natürlich gewachsen und enthält daher auch keine Rückstände von all den chemischen Mitteln, welche in der Schweinezucht verwendet werden um schnell viel Fleisch zu erhalten.

 Man kann aus Wildschwein übrigens alles machen, was man aus Hausschwein auch machen kann,ausgenommen diejenigen DInge, an denen Schwarte sein muss, wie Bauchspeck und Krustenbraten. Die Schwarte wird beim Wildschwein nämlich abgezogen und nicht nur, wie beim Hausschwein, rasiert.

 Wildschwein kann man übrigens auch mit einem besseren Gewissen essen als das bei Hausschwein der Fall ist: Im Gegensatz zu seinen domestizierten Verwandten hat es ein artgerechtes Leben gehabt und zufrieden im Wald vor sich hin gegrunzt, bis es von der Kugel des Jägers getroffen wurde und in den Kochtopf wanderte.

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14. Januar 2009 3 14 /01 /Januar /2009 13:47

Ab diesem Jahr soll nach dem Willen der EU – im Klartext bedeutet das immer: auf Wunsch der jeweiligen Lobby – die gute, alte Glühbirne aus den Fassungen und den Verkaufsregalen verschwinden. Eine preiswerte und einfache Technik soll nun per Ukas durch eine energetisch, ökologisch und gesundheitlich mehr als nur fragwürdige Alternative ersetzt werden. Das geschieht ganz offensichtlich deswegen, weil der Bürger in dieser Hinsicht auch nach jahrelanger Beaufschlagung mit Desinformation und scheinheiligen Appellen an das Umwelt-Gewissen nicht freiwillig auf den Leim der Wirtschaft kriechen wollte.

Geht es nach dem Willen der Elektro-Lobby, soll die gute, alte Glühbirne schon bald ausgeglüht haben. Die EU war den Herstellern von Leuchtmitteln zu WIllen und selbstverständlich wird der Ukas aus Brüssel bei uns auch umgehend umgesetzt. (Bildquelle: Wikimedia, PD)
 

Die neuste Bevormundung aus Brüssel

 Europa sorgt für den Normalbürger eigentlich nur permanent für Ärger. Gute Nachbarschaft und Zusammenarbeit unter Ländern mit gemeinsamer Kultur und Geschichte ist an sich eine sehr gute Sache; die Wirtschaft und die von ihr gesteuerte Politik haben es aber geschafft, damit ein Instrument zu schaffen, welches das letzte Bisschen Demokratie in den Mitgliedsstaaten vollends aushebelt. Was auf der Europa-Ebene beschlossen wir, entzieht sich weitestgehend jeglicher demokratischen Kontrolle und wird dann – ganz besonders bei uns – mit dem Hinweis auf die Verbindlichkeit europäischer Regelungen gegen den Willen der Bevölkerung in nationales Recht umgesetzt.

Das jüngste Beispiel dafür ist das Glühlampenverbot, gegen das sich bei uns bereits heftiger Widerstand regt. So genannte Energiesparlampen gibt es seit einigen Jahren; sie wurden in der Vergangenheit auch von nicht ganz wenigen, arglosen Zeitgenossen gekauft und eingesetzt, die glaubten, damit der Umwelt etwas gutes zu tun und gleichzeitig den eigenen Geldbeutel zu schonen.

 

So sieht der Ersatz aus, den eigentlich niemand will: Eine besondere Bauform der Leuchtstofflampe mit all ihren üblen Nachteilen
(Dieses Bild basiert auf dem Bild Energiesparlampe 01a.jpg aus der freien Mediendatenbank Wikimedia Commons und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. Der Urheber des Bildes ist Armin Kübelbeck)

Was niemand will, wird zwangsweise verkauft

Im wirklich großen Stil konnten sich die verkleideten Leuchtstoffröhren – nichts anderes sind diese Dinger nämlich – nicht durchsetzen. Und zwar vor allem deswegen nicht, weil sie bereits auf den ersten Blick genau die Nachteile haben, die auch herkömmliche Leuchtstoffröhren aufweisen: Sie sind teuer und erzeugen ein unangenehmes Licht, welches bei vielen Leuten sogar zu Störungen des Wohlbefindens führt. Damit aber nicht genug: Die angeblichen Wunderwerke verursachen noch weit mehr Probleme, die Fachleuten bekannt sind, aber von offizieller Seite totgeschwiegen werden.

Wie ein Test der Zeitschrift Öko-Test zeigt, ist es z.B. mit der Energieeinsparung offensichtlich lange nicht so weit her, wie die Hersteller behaupten. Zudem enthalten die Lampen Quecksilber, eines der gefährlichsten Schwermetalle überhaupt. Seine Gewinnung und Verarbeitung ist äußerst gesundheitsschädlich, was wohl, neben den eingesparten Lohnkosten, auch ein wichtiger Grund dafür ist, dass die Herstellung von Energiesparlampen in Billiglohnländern erfolgt, wo sich niemand für Arbeitsschutz interessiert.

 

Umweltmonster

Während eine Glühlampe lediglich aus Glas und Metall besteht und daher watscheneinfach zu recyceln ist, sind ausgediente Energiesparlampen nicht nur Sondermüll, sondern auch noch wesentlich schwieriger wieder zu verwerten, da sie viel komplizierter aufgebaut sind. Ob die schön gerechneten Werte bei der Stromeinsparung überhaupt den hohen Aufwand bei Herstellung und Entsorgung übersteigen, sei einmal dahingestellt. Berücksichtigt man nun Ressourcenverbrauch und Umweltbelastung bei der Herstellung und Entsorgung, sieht die Umweltbilanz der angeblichen Klimaretter erst recht nicht mehr gut aus. Darüber hinaus ist aber auch damit zu rechnen, dass große Mengen ausgedienter Leuchtmittel im Hausmüll landen, anstatt entsorgt zu werden. Das ist bei Glühlampen zwar schade wegen der Verschwendung von Glas und Metall, bei Energiesparlampen jedoch verheerend, weil dadurch Quecksilber in die Umwelt gelangt.

Soviel Technik ist nötig, um eine simple, betriebssichere und gesundheitlich unbedenkliche Lösung wie die Glühbirne durch eine wesentlich schlechtere zu ersetzen, welche den Herstellern aber mehr Profit bringt: Die Elektronik, die sich in jedem Sockel einer so genannten Energiesparlampe befinden muss.(Dieses Bild basiert auf dem Bild ESLtopb.jpg aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. Der Urheber des Bildes ist Ulfbastel)


Die Elektronik im Sockel der Energiesparlampe erzeugt elektromagnetische Wellen und damit Elektrosmog. Ob dieser wirklich schädlich ist, ist zwar immer noch umstritten; dennoch ist es kein Fehler, wenn er erst gar nicht oder in geringerem Maße entsteht wie bei der Glühlampe. In jedem Falle aber ist die Elektronik unnötiger Aufwand und damit Verschwendung von Energie und anderen Ressourcen.

 

 

Von Unwohlsein und Kopfschmerzen...

Die unangenehme Wirkung des Energiesparlampen-Lichtes beruht auf nachweisbaren physikalischen Gegebenheiten, kann also nicht als Hirngespinst irgendwelcher Strahlen-Freaks abgetan werden: Dass Leuchtstofflampen ein anderes Lichtspektrum aussenden als Glühlampen, ist eine unbestrittene Tatsache. Wie auch Schulmediziner bestätigen, wirkt dieses „kalte“ Spektrum ungünstig auf den menschlichen Organismus, im Gegensatz zum „warmen“ des Glühlichts. Daran ändern auch so genannte Warmtonlampen nichts, denn diese fügen lediglich Frequenzen hinzu, entfernen aber die unangenehmen Blauanteile nicht. Es wird sogar behauptet, dass man mit Leuchtstofflicht schlechter sieht, da die optischen Gegebenheiten des menschlichen Auges besser für die Brechung von rotem Licht geeignet sind als für die von blauem.

 

Thomas Alva Edison hatdie Glühlampe zwar nicht erfunden, brachte sie aber zu Marktreife und führte sie im großen Stil ein. Das technisch einfache, preisgünstige, angenehme und gesundheitlich unbedenkliche Leuchtmittel hat sich seither in über 100 Jahren bewährt. Jetzt jedoch wirft es nicht mehr genug Profit ab und muss ersetzt werden. (Bild: US-Regierung, PD)

... bis zu Krebs und epileptischen Anfällen

 Da unser Stromnetz mit Wechselstrom in einer Frequenz von 50 Hz arbeitet, geht im Prinzip jede Lampe 100 Mal in der Sekunde an und aus. Weil der Glühfaden einer Glühlampe nicht so schnell erkalten kann, wird diese Erscheinung bei Glühlicht erheblich gedämpft. Eine Leuchtstoff- und damit auch eine Energiesparlampe reagiert aber schneller und flimmert tatsächlich in dieser Frequenz. Das kann man soagr beobachten:  wenn sich z.B. ein Speichenrad mit entsprechender Drehzahl in Leuchtstofflampenlicht dreht, kann man den Stroboskop-Effekt beobachten: Das Rad scheint zu stehen oder sich rückwärts zu drehen. Dieses Flimmern und das ungünstige Spektrum des Energiesparlampenlichts sind für bestimmte unangenehme körperliche Effekte verantwortlich, über die viele Menschen klagen, wenn sie Energiesparlampen benutzen: Kopfschmerz, Nervosität und Schlafstörungen etwa. Allgemein anerkannte Mediziner befürchten sogar, dass die Folgen des Energiesparlampenlichte schwerwiegende Krankheiten bis hin zu Krebs sein können, davon, dass Energiesparlampen auch epileptische Anfälle auslösen können, ganz zu schweigen.

 

Deckmäntelchen Klimachutz

 Die angebliche Stromersparnis, selbst wenn so groß wie von den Herstellern behauptet, fällt im übrigen kaum ins Gewicht. Schließlich hat die Beleuchtung lange nicht mehr den Anteil am Stromverbrauch, den sie zu Kaisers Zeiten hatte, als man den Begriff  "Licht-" als Synonym für "elektrisch" prägte. Heute sind es nur noch wenige Prozent des Stromverbrauches, die auf die Beleuchtung entfallen. Davon geht aber wiederum nur ein Teil zu Lasten von herkömmlichen Glühlampen, denn in vielen Bereichen werden sie gar nicht eingesetzt. Aucher dieser, an sich schon mickrige Anteil wird schließlich durch die Energiesparlampen keineswegs komplett, sondern nur zum Teil eingespart.

Man sagt zwar noch hin und wieder "Lichtmast" und "Lichtleitung",  doch ist die Beleuchtung schon lange nur noch für einen kleinen Teil des Stromverbrauches verantwortlich. Entsprechend gering ist hier auch das Einsparpotential, welches die die Risiken und Nachteile der so genannten Energiesparlampen nicht im entferntesten aufwiegt.

 Bedenkt man dabei noch, dass auch der gesamte Stromverbrauch nur ein Teil der von uns erzeugten und genutzten Energie ist, wird klar, dass die mit Energiesparlampen angeblich eingesparte Energie den CO2-Ausstoss kaum jemals messbar veringern kann. Nutzen bringt dieser angeblich so tolle Ersatz für die gute, alte Glühlampe daher nur den Herstellern. Hätten die Dinger nämlich wirklich Vorteile für den Verbraucher, würden sie von alleine gekauft und müssten nicht zwangsweise eingeführt werden.

 Nicht nur der Zorn der Verbraucher über Bevormundung und Abzocke, sondern auch die Bedenken  von Wissenschaftlern sind mittlerweile so groß, das selbst die etablierten Medien schon zum Teil darüber berichten, obwohl die Sprachregelung das doch gar nicht vorsieht:  Report München etwa hat einen Bericht darüber gedreht, in dem nicht etwa irgendwelche Spinner, sondern etablierte Fachleute - selbst aus den Reihen der offiziellen Klimaschutzprediger - der Energiesparlampe (und damit indirekt auch der EU) bescheinigen, was sie ist: teuer, sinnlos, gefährlich...

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6. Januar 2009 2 06 /01 /Januar /2009 15:39

An unseren Gewässern überwintern viele Vögel aus dem Norden

 

Der Itzelberger See in der Nähe von Heidenheim: im Winter findet man dort eine ganze Reihe von Wasservögeln, die man im Sommer bei uns nicht oder nur an wenigen Stellen sieht

Wer im Winter an einem etwas größeren Gewässer vorbei kommt, dem wird auffallen, dass es dort zu dieser Zeit viel mehr Wasservögel gibt als im Sommer. Bei genauerem Hinsehen stellt sich dann heraus, dass darunter allerhand Arten sind, die man bei uns immer Sommer nicht oder nur selten zu Gesicht bekommt. Wintergäste, meist aus dem Hohen Norden, haben sich eingestellt.

 So wie einige unserer heimischen Vogelarten vor dem Winter gen Süden ziehen, kommen in dieser Zeit gefiederte Gäste aus dem Norden zu uns. Viele Vögel, die in Nordosteuropa, in Skandinavien oder gar in Sibirien ihrem Brutgeschäft nachgehen, können dort im Winter nicht überleben. Sie suchen dann wärmere Gegenden auf wo das Nahrungsangebot besser ist und die Wasservögel vor allem auch eisfreie Gewässer finden. Dabei führt sie ihr Weg unter anderem nach Baden-Württemberg.

 Unter den überwinternden Vögeln sind eine Reihe von Singvögeln wie Seidenschwanz, Dompfaff und Bergfink. Sieht man von letzterem ab, der durch die großen Schwärme auffällig ist, in denen er hier im Winter zuweilen vorkommt, sind die Singvögel aber für den ungeübten Beobachter nicht so leicht zu entdecken. Viel auffälliger sind die Wasservögel, da sie an bestimmten Gewässern in großer Zahl vorkommen und dort leicht beobachtet werden können. Nicht nur das Bodenseeufer, sondern auch viele kleinere Seen im Land, etwa der May-Eyth-See in Stuttgart, der Itzelberger See bei Heidenheim oder das Naturschutzgebiet am Bucher Stausee bei Aalen, dessen Vorbecken im Herbst nicht abgelassen wird und als Vogelschutzzone ausgewiesen ist.

  An diesen und vielen weiteren Gewässern finden sich unterem anderem Grau- und Kanadagans, aber auch Knäck- und Reiherenten; die Tafelente kommt vor, wie auch Gänsesäger und Haubentaucher. Neben den Gästen von weither sind aber auch heimische Arten wie Stockente und Blässhuhn vertreten: „Da die kleineren Gewässer schneller zufrieren, wandern die Vögel von dort im Winter an die größeren“, erläutert Reinhard Bretzger vom NABU-Kreisverband Ostalbkreis, „dort finden sie am ehesten noch eisfreie Stellen.“ Ein Teil der Reiher- und Tafelenten stammt sogar von hier. Allerdings sind diese Arten bei uns nicht häufig, im Sommer muss man schon Glück haben oder sich ein wenig auskennen, wenn man sie sehen will. Die meisten der vielen Exemplare, die man ihm Winter sieht, sind aus dem Hohen Norden angereist.

Zum Teil Wintergast, zum Teil aber auch schon Brutvogel: Die Kanadagans ist bei uns auf dem Vormarsch

 

 Im Schlamm des bereits abgelassenen Hauptbeckens des Bucher Stausee konnte der erfahrene Vogelkundler, wie er erfreut berichtet, auch schon einen mittlerweile seltenen Vogel beobachten: die Bekassine. Sie wird im Volksmund auch Himmelsziege genannt, da sie mit besonders geformten Federn an ihren Schwingen im Sturzflug ein meckerndes Geräusch erzeugt. Die Verwandte der Waldschnepfe ist auf sumpfiges Gelände angewiesen und leidet daher stark unter dem Rückgang der Feuchtgebiete.

 Angst, dass man sich beim Winterspaziergang mit Vogelbeobachtung die Vogelgrippe holen könnte, braucht man übrigens nicht zu haben. Klaus Gossger, Leiter des Veterinärwesens beim Landwirtschaftsministerium in Stuttgart kann da nämlich beruhigen: „Die bei uns aufgetretene Variante des Virus geht nicht auf den Menschen über und auch die für uns gefährliche Abart wird nur bei innigem Kontakt zu den Tieren übertragen.“ Keinesfalls aber sollte man die Wintergäste beunruhigen indem man ihnen zu nahe auf das Federkleid rückt und sie schon gar nicht füttern. Zum einen ist der winterliche Nahrungsengpass für die Tiere eine ganz natürliche Sache und zum anderen belastet nicht aufgenommenes Futter den Sauerstoffhaushalt des Gewässers.

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Laufende Kosten zu hoch?

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