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  • Publizist und Freier Dozent, von Hause aus Ingenieur sowie gelernter Mechaniker und gelernter Maurer, Querdenker, Naturfreund und -nutzer, technisch interessiert aber auch technikkritisch, glaube nicht alles was mir erzählt wird.
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Andreas Quiring  

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Biohof-Gemeinschaft Baum des Lebens

3. Januar 2009 6 03 /01 /Januar /2009 15:51

Der Drilling – Technik, Geschichte und jagdlicher Einsatz

 Sowohl der Schrot- als auch der Kugelschuss gehören von alters her zum Rüstzeug des Jägers. Das gilt ganz besonders in Niederwildrevieren, wo meist auch Reh- und heutzutage sehr oft auch Schwarzwild vorkommt. Zur Zeit der Vorderlader war dies kein großes Problem: je nach Bedarf stopften die alten Jäger und Förster ihre glattläufigen Schießprügel mit Schrot oder Kugel. In alten Berichten über Zusammenstöße zwischen Wilderern und Jagdhütern liest man des öfteren, dass die Waffen sogar mit beiden Munitionsarten gleichzeitig geladen wurden, wenn es um Leben und Tod ging.

 

Schrot- und Kugelschuss aus der gleichen Waffe

 Da in der Spätzeit der Vorderlader bereits gezogene Läufe bekannt waren, war der Kugelschuss aus einem glatten Lauf bereits im 19. Jahrhundert eher nur ein Notbehelf. Bereits um 1850 wurden darum in Süddeutschland Vorderladerdrillinge gebaut, um mit ein und derselben Waffe außer Schrot- auch präzise Kugelschüsse abgeben zu können. Diese Waffen setzten sich aber nicht mehr durch, wohl weil sie erst ganz am Ende der Vorderladerzeit aufkamen.

Als Hinterlader und Lefaucheux-Patronen, ab den 1860er Jahren dann auch moderne Zentralfeuerpatronen auf den Markt kamen und sich durchsetzten, musste man sich auf jeden Fall vor jedem Jagdausflug entscheiden, welche Art von Waffe man mitnehmen wollte. Auch heute noch macht mancher Waidmann die leidvolle Erfahrung, dass ausgerechnet ein Stück Wild in Anblick kommt, für welches er nicht die geeignete Waffe dabei hat. Diesem Missstand half der Münchner Büchsenmacher Oberhammer ab, als er 1878 den Hinterlader-Drilling erfand und sich patentieren ließ: Unter die beiden Schrotrohre einer Doppelflinte setzte er einen Kugellauf und schuf damit eine Jagdwaffe, mit der man im Revier fast immer richtig angezogen ist.

Der Drilling (unten) ersetzt, so sagt man, einen ganzen Waffenschrank, nämlich die drei Waffen, die darüber abgebildet sind: Büchse, Flinte und Kleinkaliber (v.o.n.u.)

 Im Gegensatz zu den Vorderlader-Drillingen setzte sich Oberhammers Erfindung schnell durch und ist auch heute noch sehr beliebt. Wenn auch der eine oder andere jüngere Jäger das Dreirohr gerne als „Altmännerwaffe“ belächeln mag, ist es doch der beste – halt nein, natürlich nur der zweitbeste – Freund des Waidgenossen, nach seinem besten nämlich, dem treuen Hund.

 

Laufanordnungen

 Neben die klassische Form des Drillings mit dem unten liegenden Kugellauf traten im Laufe der Zeit abgewandelte Bauformen für verschiedene jagdliche Gegebenheiten: Der Waldläuferdrilling – manche nennen ihn auch Schienendrilling – ist quasi eine Doppelflinte mit einem kleinkalibrigen Kugellauf in der Schiene. Er eignet sich für reine Niederwildjagden und ermöglicht es etwa, zwischendurch einen sitzenden Hasen für die eigene Küche mit der Kugel zu erlegen, bei dessen Genuss man nicht auf Schrotkörner beißt – oder auch eine schlaue Elster zu erwischen, die einen wohlweislich nicht auf Schrotschussentfernung herankommen lässt.

 Einen Bockdrilling kann man sich als Bockbüchsflinte vorstellen, die zusätzlich an der Seite einen kleinen Kugellauf besitzt. Mit einer solchen Waffe hat man einen großen und einen kleinen Kugel- sowie einen Schrotschuss zur Verfügung und ist damit für Hoch-, Nieder- und auch Raubwild gerüstet. Gewissermaßen das Gegenteil des herkömmlichen Drillings ist der Doppelbüchsdrilling: Bei einer derartigen Waffe ist ein einzelner Schrotlauf unter zwei Büchsenläufen des gleichen Kaliber angeordnet. Der stolzen Besitzer einer solchen Waffe verfügt nicht nur über zwei schnelle Kugelschüsse, die bei Drückjagden auf Schalenwild nützlich sind, sondern hat darüber hinaus immer einen Schrotschuss für Meister Reineke übrig, der auf solchen Jagden ja ebenfalls nicht selten vorkommt.

Verschiedene Laufanordnungen beim Drilling: Herkömmlicher Drilling (1), Waldläufer- oder Schienendrilling (2), Bockdrilling (3), Doppelbüchsdrilling (4) und einer, der eigentlich gar kein Drilling ist, der Vierling(4)

 Schließlich soll auch noch der Vierling erwähnt werden, der den klassischen Drilling mit dem Waldläufer in einer Waffe vereint: Außer dem großkalibrigen Kugellauf unter den Schrotläufen besitzt er noch einen kleinkalibrigen in der Schiene, so dass man sowohl eine kleine und eine große Kugel als auch zwei Schrotschüsse zur Verfügung hat. Der Nachteil dabei: Ein Vierling ist natürlich noch etwas schwerer als ein Drilling, dessen relativ hohes Gewicht ja einer der Hauptkritikpunkte seiner Gegner ist.

 Der Kugellauf kann durchaus nicht nur unter, sondern auch über den beiden Schrotläufen liegen. Derzeit weisen die aktuellen Drillinge der Firma Blaser eine solche Laufanordnung auf. Übrigens ist diese Lösung nicht so neu, wie mancher vielleicht denken mag: bereits Riesenthals Jagdlexikon von 1916 erwähnt diese Bauweise. Im Laufe der Geschichte des Drillings entstanden noch weitere Kombinationen aus Schrot- und/oder Kugelläufen: Kugeldrillinge, Schrotdrillinge, aber auch fast schon abenteuerliche Konstruktion, wie etwa eine, bei der je ein Schrotrohr über und unter dem Kugellauf lag.

 

Schlosskonstruktionen

 Die ersten Drillinge waren Hahndrillinge, so wie die Flinten der damaligen Zeit auch noch Schlosse mit außen liegende Hähne hatten, die direkt von denen der Vorderlader abstammten. Aus dem Hahnschloss entwickelte sich das Seitenplatten-Schloss, welches im Prinzip genau so aufgebaut ist, wobei jedoch der außen liegende Hahn durch ein innen liegendes Schlagstück ersetzt ist. Der Kugellauf wird entweder von einem der Schrotschlosse bedient, in der Regel vom rechten, oder er verfügt über ein eigenes, innen liegendes Schloss. Dafür eignet sich aufgrund der Platzverhältnisse in der Basküle eines Drillings vor allem das Blitzschloss, da seine wesentlichen Bauteile, anders als beim Kastenschloss nach Anson & Deeley, hinter dem Abzug sitzen.

Bedienelemente eines herkömmlichen Drillings

 Seitenschlosse sind eine kostspielige Angelegenheit, vor allem, da die darin verbauten Bugfedern aufwändig herzustellen sind. Man findet sie daher in Drillingen der oberen Preisklasse; bei kostengünstigere Waffen hingegen werden auch die Schrotläufe von Blitzschlossen angesteuert. Es gibt auch Drillinge mit sogenannten Seitenplatten, die äußerlich wie Seitenschlossdrillinge aussehen. Diese Platten dienen aber lediglich der Optik, da sie Platz für Gravuren bieten; dahinter stecken ganz gewöhnliche Blitzschlosse. Auf den ersten Blick kann man einen Drilling mit Seitenplatten für einen Seitenschlossdrilling halten, spitze Zungen mögen daher behaupten, dass diese Bauteile einen solchen vortäuschen sollten. Vor allem beim Gebrauchtkauf kann das schon einmal zu Probleme führen: Vor einigen Jahren war von einem Fall zu hören, bei dem ein Jäger einen Seitenplattendrilling in dem Glauben erstanden hatte, dass es sich um einen Seitenschlossdrilling handele, was im Nachhinein für eine Menge Ärger sorgte.

 Eine besonders edle Konstruktion ist der sehr seltene Kronendrilling in der Bauart nach Fückert. Dabei handelt es sich um einen Hahndrilling, bei dem das Schloss des Kugellaufes über ein hahnartiges Schlagstück verfügt, welches mit einem Fortsatz oben aus der Basküle herausragt. An diesem Fortsatz kann man dass Schloss mit dem Daumen in der gleichen Weise spannen wie die Schrotläufe mit ihren Hähnen, so dass sich alle drei Läufe unabhängig voneinander und ohne Öffnen der Waffe spannen und entspannen lassen. In der Draufsicht erinnern die Hähne und der Fortsatz des Schlagstücks den Betrachter an die Zacken einer Krone, was den Ausdruck Kronendrilling oder Kronengewehr erklärt.

Aufgeklappter Bockdrilling, von hinten 

(Dieses Bild basiert auf dem Bild BlaserBD98.jpg aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. Der Urheber des Bildes ist Joachim Bäcker)

 Anders als einem Hahnschloss, sieht man einem Schloss mit innen liegendem Schlagstück nicht an, ob es gespannt ist. Damit man leicht erkennen kann, welche Schlosse der Waffe gespannt sind, verfügen Drillinge über Signalstifte oder Signalwellen, an deren Stellung man dies erkennen kann. Durch die Bauart bedingt kommen bei Seitenschlossen Signalwellen zum Einsatz, bei Blitzschlossen Signalstifte.

 Als Argument gegen den Drilling wird gerne angeführt, dass seine Bedienung kompliziert sei, was leicht zu Unfällen führen könne. Dies gilt aber, wenn überhaupt, eher für Drillinge, bei denen alle Schlosse gemeinsam beim Öffnen der Waffe gespannt werden. Das Problem dabei besteht vor allem darin, dass immer auch das Schloss des Kugellauf gespannt wird, auch wenn man nur mit Schrot schießen möchte. Unter Umständen kann dabei das sogenannte Doppeln auftreten, also sich der Schuss aus dem Kugellauf lösen, wenn man einen der Schrotläufe abfeuert. Dies ist in der Tat eine gefährliche Sache, denn eine für einen Schrotschuss sichere Richtung muss nicht notwendigerweise auch für einen Kugelschuss sicher sein. Doppeln ist daher eine ernste Funktionsstörung und die betroffene Waffe gehört unverzüglich in die Hände des Büchsenmachers.

Verschluss eines S 53 von Sauer & Sohn

 

 Allerdings gibt es schon lange Drillinge mit separater Kugelspannung, bei denen man das Kugelschloss mit einem Schieber auf dem Kolbenhals spannt und dabei gleichzeitig auf Kugel umschaltet. Da dies bei einer sauber gearbeiteten Mechanik auch geräuschlos gehen sollte, braucht man die Waffe erst dann zu spannen, wenn man tatsächlich Dampf machen will. Da dies einen erheblichen Gewinn an Sicherheit darstellt, hört man dann und wann auch noch die etwas altmodische Bezeichnung „Sicherheitsdrilling“ für einen Drilling mit separater Kugelspannung. Beim Kronendrilling ergibt sich bereits aus der Konstruktion die Möglichkeit zum separaten Spannen und Entspannen des Kugellaufes, da ja alle drei Hähne unabhängig voneinander bedient werden können. Die beste Sicherung allerdings ist immer noch der geöffnete Verschluss. Daher sollte man seinen Drilling, wie jede Kipplaufwaffe, gebrochen tragen, wenn man nicht gerade unmittelbar jagt. Bei Gesellschaftsjagden ist es vorgeschrieben, aber auch im jagdlichen Alltag keineswegs ein Fehler.

 

Laufbündel

  Die Baugruppe, die sich aus den drei Läufen eines Drillings zusammensetzt, wird als Laufbündel bezeichnet. Die einfachste Möglichkeit, die Läufe miteinander zu verbinden, besteht darin sie weich mit einander zu verlöten. Hartlöten oder gar Schweißen ist hier nicht möglich, da dabei zu große Wärmespannungen und in der Folge Verzug entstehen würde. Beim klassischen Drilling mit nur einem Kugellauf stellt sich die Frage, ob die Läufe zusammenschießen, nur in Hinsicht auf den Schuss mit dem Flintenlaufgeschoss. Man behilft sich hier aber ganz einfach, indem man ausprobiert und sich merkt, wie die Treffpunktlage des dafür verwendeten Schrotlaufes von der des Kugellaufes abweicht.

 Schwieriger wird es bei Drillingen mit mehr als einem Kugellauf. Bock-, Doppelbüchs- und Kugeldrillinge machen hier die gleichen Probleme wie Doppelbüchsen und Bergstutzen. Das Ein- und das Umschießen auf andere Munition ist hier ohne Hilfe eines Fachmannes wenig ratsam.

(Weich) verlötetes Laufbündel eines herkömmlichen Drillings (mit mündungslangem Einstecklauf), von vorme gesehen

 Eine weitere, für Drillinge typische Erscheinung ist das Klettern. Durch die Wärmedehnung des Kugellaufes biegt sich das Laufbündel nach der Schussabgabe ein wenig nach oben. Ein kurz darauf abgegebener zweiter Schuss sitzt darum etwas höher als der erste. In jagdlichen Situationen ist diese Abweichung des zweiten Schusses zwar praktisch vernachlässigbar; sie macht aber das Einschießen eines Drillings zu einem Geduldspiel: Man muss nach jedem Schuss erst einmal warten bis die Waffe wieder ausgekühlt ist.

 Drillinge mit frei schwingenden Läufen vermeiden sowohl das Klettern als auch die Probleme mit dem Zusammenschießen von mehreren Kugelläufen. Bei dieser Bauweise werden die Läufe an ihren Mündungen von einer Brille zusammengehalten und lassen sich in ihrer Lage zueinander verstellen.

 

Visierung

 Mit einem Drilling schießt man einerseits wie mit einer Büchse, andererseits aber auch wie mit einer Flinte. Dem muss sowohl die Schäftung, die ein Mittelding zwischen Büchsen- und Flintenschäftung darstellen sollte, Rechnung tragen, als auch die Visierung. Daher besitzt der klassische Drilling zunächst eine Laufschiene, über die man beim Schrotschuss hinwegsieht, so wie man das bei einer Flinte auch tut und natürlich auch ein Korn. Für den Kugelschuss ist in der Regel eine Kimme vorhanden, deren Blatt heruntergeklappt und in der Schiene versenkt ist, wenn die Waffe auf Schrot gestellt ist. Schaltet der Schütze auf Kugel um, stellt sich dabei das Blatt auf und es kann über Kimme und Korn geschossen werden.

Auch auf einen älteren Drilling gehört eine (einigemaßen) zeitgemäße Optik, zumindest wenn es auch auf Sauen gehen soll. Eine Suhler Einhakmontage ist fein, muss aber nicht unbedingt sein.

 

 In den alten Tagen reichte dies den meisten Jägern aus. Heutzutage sind Zielfernrohre zum Standard geworden und auch auf seinem Drilling möchte keiner mehr darauf verzichten. Aus diesem Grund ist die Kimme heute eigentlich unnötig und es wir auch oft auf die Automatik verzichtet, die das Kimmenblatt beim Umschalten auf Kugel selbsttätig aufstellt. Da der Drilling möglichst allen jagdlichen Situationen gerecht werden soll, wird man ihn wahrscheinlich auch beim Sauansitz in der Dämmerung oder gar bei Nacht verwenden. Aus diesem Grunde empfiehlt es sich, ein lichtstarkes Glas zu wählen, welches mit variabler Vergrößerung ausgestattet sein sollte. Die heute auf Repetierern für den Sauansitz üblichen 56er Gläser eignen sich durchaus, machen den sowieso nicht gerade leichtgewichtigen Drilling aber noch schwerer. Ein 50er Glas ist leichter und der Verlust an Lichtstärke durchaus zu verschmerzen, mit einer variablen Vergrößerung von 2,5–10 stellt es eine gute Lösung für die meisten jagdlichen Situationen dar. Da ein Drilling von vorne herein kein ganz billiger Spaß und in der Regel eine Anschaffung fürs (Jäger-)Leben ist, fällt die Wahl in aller Regel auf ein Produkt eines der renommierten Hersteller in der oberen Preisklasse.

 Auch bei der Montage wird meist nicht gespart: Zumindest auf hochwertigen Drillingen wird meist eine Suhler Einhakmontage zu finden sein. Das ist aber eher eine Geschmackssache, denn auch preisgünstigere Konstruktionen erfüllen hier ihren Zweck. Allerdings eignet sich andererseits die SEM eben auch besonders gut für Kipplaufwaffen. Sie erlaubt es auch meist, einen zweiten Vorderfuß für eine alternative Visierung anzubringen. So kann man etwa zwischen einem lichtstarken Zielfernrohr für den Ansitz und einer Drückjagdvisierung wechseln, was aber mit einer Schwenkmontage leichter und billiger zu erreichen ist.

 

Einsteckläufe

 Der technische Fortschritt bei Einsteckläufen hat dem klassischen Drilling sozusagen den letzten Pfiff gegeben und ihn so richtig zur universell einsetzbaren Jagdwaffe gemacht. Die Geschichte des Einstecklaufs beginnt mit kurzen Röhrchen, die man mehr als Behelf ansehen muss. Sie eigneten sich gerade mal dazu, einen notdürftigen kleinkalibrigen Kugelschuss abzugeben.

Zwei unentbehrliche Begleiter beim Reviergang: Hund und Drilling

 

 Das hat sich in den letzten Jahrzehnten gründlich geändert: Standard sind heute mündungslange Einsteckläufe, die in der Schussleistung durchaus den fest eingebauten ebenbürtig sind. Dazu kommt, dass die heutigen Modelle meist zudem noch von vorne verstellbar sind. Hat man nicht gerade zwei linke Hände, kann man einen solchen Einstecklauf ohne weiteres selbst zum großen Kugellauf justieren und braucht keinen Büchsenmacher zum Einschießen bzw. Umschießen auf andere Munition.

 Das für Füchse und Hasen durchaus geeignete Kaliber .22 Hornet hat die alte .22 lfB mittlerweile verdrängt. Damit hat man einen leistungsfähigen kleinen Kugelschuss zur Verfügung, was die große Beliebtheit der Hornet als Einstecklauf-Kaliber erklärt. Mittlerweile gibt es aber auch schon Einsteckläufe in rehwild- und sogar hochwildtauglichen Kalibern. Für solche Geschütze muss aber die Basküle des Drillings robust genug sein. Der Einbau eines Einstecklaufes erfordert jedoch sowieso einen Büchsenmacherer, weil beim ersten Einsetzen Anpassungsarbeiten und darüberhinaus auch ein Beschuss notwendig sind, so dass normalerweise kein großkalibriger Einstecklauf in einer Waffe mit unzureichend stabiler Basküle eingebaut werden dürfte.

 Wichtig ist es auch zu wissen, dass sich die Treffpunktlage der großen Kugel eines Drillings verändert, wenn man den Einstecklauf herausnimmt bzw. einsetzt. Das liegt daran, dass sich durch die Masse des Einstecklaufes das Schwingungsverhalten des Laufbündels ändert. Wer den Drilling ohne Einstecklauf mit einem Drückjagdvisier auf Treib- und Drückjagden führt, muss dieses daher ohne Einstecklauf einschießen. Verwendet man in beiden Fällen das gleiche Glas, muss man sich entweder merken, wo die Waffe jetzt hinschießt oder verstellen und die Klicks zählen. In beiden Fällen aber und auch dann, wenn man ohne Einstecklauf eine andere Visierung benutzt, sollt man nach dem Umrüsten die Waffe zur Probe schießen.

 

Kaliberfragen

 Die Kaliber der einzelnen Läufe entscheiden zu einem nicht unerheblichen Teil mit über das Gewicht der gesamten Waffe und auch darüber, wie schlank oder wuchtig sie aussieht. 12er Schrotrohre und ein Kugellauf in 9,3 x 74 R lassen sicherlich bei der Schussleistung wenig Wünsche offen, aber die Ausmaße einer solchen Schießmaschine wecken schon fast ein wenig Verständnis dafür, dass manche Leute den Drilling auch als „Bauernmöbel“ bezeichnen. Vor allem aber ist der Drilling ja nicht zuletzt eine Waffe für den Reviergang. Ein solches Gerät, dessen Gewicht durch ein leistungsfähiges Zielfernrohr und oft noch durch einen Einstecklauf weiter erhöht wird, will erst einmal kilometerweit getragen sein. Es läuft daher Gefahr, bei seinem Besitzer in Ungnade zu fallen und im Waffenschrank zu verstauben. Andererseits ist aber zu bedenken, dass eine schwere Waffe nicht nur das Treffen erleichtert, sondern auch den Rückstoß mildert.

Wo drei Jäger beisammen sitzen, gibt es vier Meinungen über die richtige Patrone: Beim Drilling muss man sich auch noch nicht nur für eine, sondern gleich für zwei oder gar drei entscheiden....

 

Das andere Extrem wäre mit 20er Schrotläufen und einem mit 6,5 mm gerade noch hochwildtauglichem Kaliber eine typische Damenwaffe. Ein guter Schuss ist nun bekanntlich mehr wert als ein gutes Gewehr, eine gute Patrone und ein guter Hund zusammen, daher wird ein entsprechend guter Schrot- und Kugelschütze an einem solchem Gewehrchen durchaus seine Freude haben. Solange es nur auf Rehwild geht und der Schrotschuss auf den Hasen vom Hochsitz und mit Zielfernrohr erfolgt, reicht eine solche Waffe allemal aus.

 Besser aber ist es, gewisse Reserven zu haben. Mittlerweile ist das Schwarzwild zur festen Größe in unseren Revieren geworden, so dass nicht mehr das Rehwild Maß aller Dinge ist. Statt dem früher sehr beliebten Kaliber 7x57R verwendet man heute eher dickere Pillen. Die 8x57JRS reicht einerseits für Schwarzwild aus und ist andererseits für Rehwild nicht zu stark, aber auch die 9,3x74R findet heute oft in Drillingen Verwendung. Bei den Schrotläufen ist Kaliber 16 ein guter Kompromiss, es lässt den Drilling nicht ganz so wuchtig erscheinen und dennoch ist die Anzahl der Schrote in der Patrone nicht gar zu knapp.

 

Neu- und Gebrauchtkauf

 Die Auswahl des richtigen Drillings richtet sich vor allem nach den Reviergegebenheiten. Der Bockdrilling ist gewissermaßen überholt, da es heute ja Einsteckläufe gibt, die in der Schussleistung fest eingebauten Kugelläufen nicht nachstehen. Mit dem Einstecklauf im klassischen Drilling ist man aber variabel, man kann ihn ohne weiteres durch einen in einem anderen Kaliber ersetzen oder ganz fortlassen. Der einzige verbleibende Vorteil des Bockdrillings ist, dass er schlanker gebaut und damit eleganter ist als der klassische. Ein Doppelbüchsdrilling ist etwas für jemanden, der viel bei Drückjagden auf Schalenwild jagt und daher einen schnellen zweiten Kugelschuss zu schätzen weiß. Die meisten Jäger aber sind mit einem klassischen Drilling, also einem mit zwei Schrotläufen und einem Kugellauf, am besten beraten.

  Jagdwaffen haben allgemein eine hohe Lebensdauer, da mit ihnen wenig geschossen wird. Im Revier hat man nicht andauernd Gelegenheit dazu und auf dem Schießstand sieht man die meisten Jäger ja bekanntlich nicht allzu oft. Daher gibt es ständig ein breites Angebot an guten, gebrauchten Jagdwaffen auf dem Markt. Auch Waffengeschäfte haben in aller Regel Gebrauchtwaffen im Angebot. Der Vorteil beim Kauf einer „Gebrauchten“ im Fachgeschäft besteht neben der Beratung darin, dass der Händler hier genauso zur Gewährleistung verpflichtet ist, wie bei einer neuen Waffe. Wer sich noch nicht zutraut, eine Waffe selbst zu beurteilen, wird diesen Weg wählen. Wer in der Lage ist, Zustand und Wert einer Waffe zu bewerten, kann auch von Privat kaufen, wobei man meist den Preis weiter herunterhandeln kann als beim Händler. Feilschen sollte man aber in beiden Fällen.

 Eine der wichtigsten Fragen beim Kauf einer Waffe dreht sich um das Kaliber. Beim Neukauf kann man es, genau wie Marke und Modell der Optik, selbst bestimmen, beim Gebrauchtkauf muss man nehmen, was da ist. 8x57 JRS und 9,3x74 R sind die beliebtesten Kaliber bei neuen Drillingen und daher auch oft bei „jungen“ gebrauchten zu finden. Bei den 30er Kalibern gibt es nur eine Randpatrone, die .30 Blaser, es werden aber auch Drillinge für die randlosen Modelle .30-06 und .308 gebaut. Der Nachteil dabei ist, das die kleine Auswerferkralle für randlose Patronen einem sehr viel höheren Verschleiß unterliegt als der herkömmliche Auswerfer für Randpatronen.

Einen älteren, aber gut erhaltenen Drilling bekommt man, selbst mit guter Optik, durchaus für einen bezahlbaren Preis

 Bei älteren Drillingen findet man sehr oft noch die Kaliber 7x57R und 7x65R, teilweise auch 6,5x57R. Das liegt daran, dass früher eben das Rehwild das Maß aller Dinge war. Die beiden letzteren eignen sich aufgrund ihrer gestreckten Flugbahn besonders für Feldreviere. Man kann mit allen dreien durchaus auch auf Schwarzwild schießen, vor allem da den größten Teil der Strecke ja doch Frischlinge und Überläufer ausmachen. Eher schon problematisch ist, dass ältere Drillinge oft noch mit Zielfernrohren in 6x42 ausgerüstet sind. Diese Waffen sind recht günstig zu haben und für Ansitz und Pirsch auf Rehe gut geeignet. Sie aber nachträglich mit einer „Sternwarte“ für den Sauansitz zu versehen, lohnt sich kaum. Mit etwas Geduld lassen sich nämlich auch Exemplare finden, die bereits mit einem stärkeren Glas versehen sind. Dafür legt man weniger an als für eine noch nicht umgerüstete Waffe plus neuem Glas und Montage.

 Der Gebrauchtkauf empfiehlt sich vor allem dann, wenn es ein wenig an der Daumenbreite mangelt. Auch preisgünstigere Drillinge kosten soviel Geld, dass man einen Fehlkauf nicht so leicht verschmerzen kann. Für den Preis eines neuen No-Name-Drillings mit No-Name-Optik erhält man ohne weiteres auch eine gebrauchte, mit etwas Glück sogar eine annähernd neuwertige Waffe eines renommierten Herstellers mit entsprechendem Zielfernrohr. Und wenn man noch weniger Geld hat, wird man für etwa die Hälfte des Preises eines guten, neuen Drillings einen entsprechenden älteren finden. Jagdwaffen nutzen sich nicht nur wenig ab, sie veralten auch nicht so schnell. Viele Modelle sind seit Jahrzehnten auf dem Markt und wenn eine Waffe technisch in Ordnung ist, schadet es nicht, wenn man ihr ansieht, dass sie ihm Revier unterwegs war. Kleinere Schönheitsfehler dienen allenfalls als Argumente, den Preis einer ansonsten guten Waffe noch ein wenig weiter herunter zu handeln. Und wenn es auf das Prestige ankommt? Nun, wer sieht einer älteren Waffe an, ob ihr Besitzer sie nicht schon viele Jahre führt bzw. vom Vater oder Großvater übernommen hat?

 Ob nun neu oder gebraucht – grundsätzlich darf man durchaus sagen, dass mit einem Drilling jeder gut bedient ist, der als Revierpächter oder Begehungsscheininhaber bei einem großzügigen Jagdherrn nach eigenem Ermessen auf unterschiedliches Wild schießen darf. Wenn der Geldbeutel es nach dem Jägerkurs noch erlaubt, ist ein Dreirohr auch als erste Jagdwaffe eine gute Wahl. Mit einem Einstecklauf ausgestattet ersetzt er, wie es so schön heißt, einen ganzen Waffenschrank. Jedenfalls für den Anfang. Was das Jägerherz dann später noch alles begehren wird, steht ja auf einem ganz anderen Blatt...

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1. Januar 2009 4 01 /01 /Januar /2009 23:25

Die Jägerprüfung gilt als eine der schwierigsten Prüfungen, die man für die Erlaubnis von Tätigkeiten ablegen muss, die man in seiner Freizeit ausübt. Viele bezeichnen sie sogar als das "Grüne Abitur". Sicherlich scheuen einige Menschen, die an sich gerne auf die Jagd gehen wollen, deswegen davor zurück, einen Jägerkurs zu absolvieren, weil sie übermäßig Angst vor der Jägerprüfung haben. Tatsächlich verlangt diese Prüfung eine aufwendige Vorbereitung, sie ist aber dennoch zu schaffen. 

 

Bis es das erste Mal so weit ist, ist es ein weiter Weg. Aber er ist zu schaffen! (Foto: Alexander Breyer)

Grünes Abitur?

 Auch wenn ich damit vielleicht dem einen oder anderen ans Bein pinkle, der stolz auf seinen Jagdschein ist: Die Bezeichnung "Grünes Abitur" halte ich für Blödsinn. Warum? Nun beim Abitur kommt es in einigen Fächern, vor allem in Mathe und Physik, darauf an, die Prinzipien zu verstehen, die hinter Dingen stecken und sie dann auf neue Aufgabestellungen anzuwenden. Wer z.B. verstanden hat, warum die kinetische Energie eines bewegten Körpers von seiner Masse und seiner Geschwindigkeit abhängt und warum die Geschwindigkeit im Quadrat eingeht, braucht sich die Formel nicht mehr zu merken, denn er kann sie sich jederzeit wieder herleiten. Dazu gehört nun aber das, was man gemeinhin als Intelligenz bezeichnet, wohl auch ein bisschen Fantasie und Mut zum eigenständigen Denken..

 Bei der Jägerprüfung liegen die Verhältnisse jedoch anders: Man muss kein EInstein sein, um sie zu bestehen; es reicht, dass man sich Fakten gut merken kann und/oder das Sitzfleisch hat, einen Haufen Stoff so lange zu büffeln, bis er sitzt. Vor allem aber braucht man Zeit und Geduld. Leider sind das zwei Dinge, die uns heute nur allzu oft fehlen, was möglicherweise der Hauptgrund für die hohen Durchfallquoten bei der Jägerprüfung ist.

 

Zeit haben

 Als ich meinen Jägerkurs machte, sagt einer der Dozenten am Anfang zu uns: "Lassen sie ein schönes Bild von sich machen und schenken sie es ihrer Frau bzw. ihrem Mann, damit sie bzw. er es sich auf den Nachttisch stellt. Sie bzw. er wird sie nämlich in den nächten Monaten sehr wenig zu Gesicht bekommmen!"

 Und damit hatte er Recht: Das wichtigste bei einem Jägerkurs ist, sich die Zeit zu nehmen, sämtliche Kursveranstaltungen zu besuchen und fleißig zu Hause, eventuell auch mit anderen aus dem Kurs in einer Arbeitsgruppe zu lernen. ich persönlich habe höchstens in den jeweils letzten Wochen der ersten zwei Semestern meines Studiums (wo mit Technischer Mechanik und Mathematik, wie es so schön heißt, "rausgeprüft" wird) so gnadenlos gebüffelt wie ab einem gewissen Zeitpunkt während des Jägerkurses. Allerdings war es eine andere Art des Lernens: Für meine Klausuren in Mathematik und Technische Mechanik übte ich das Lösen von immer neuen Aufgaben ein, für die Jägerprüfung büffelte ich Fakten, Fakten, Fakten...

Warum ist das eine Rehfährte und keine von der Sau? So etwas muss ein Jäger wissen - und erst recht jemand, der erst noch einer werden will...

 

Den eigenen Lernstil entdecken

 Das bedeutet aber nicht, dass Intelligenz und Pfiffigkeit bei der Jägerprüfung nicht hilfreich wären. Zunächst einmal hilft es, wenn man seinen persönlichen "Lernstil" entdeckt. Hier zahlt sich auch Kreativität aus, nicht zuletzt etwa, wenn man Zeitnischen entdeckt, die man nutzen kann, um etwas für den Jägerkurs zu tun: Wartezeiten, Fahrzeiten in öffentlichen Verkehrsmitteln und was es da so alles gibt. Mancher kann Fakten behalten, wenn er sie einfach liest, ein anderer wiederum tut sich leichter, wenn er sie etwa aus einem Text herauszieht und in Tabellenform bringt. So sollte jeder seinen eigenen Lernstil entdecken und entwickeln.

 

Wissen systematisieren und aufbereiten

 Wenn man die belebte Natur auch nicht so systematisieren kann, wie das etwa bei der Physik der Fall ist, hilft Systematik dennoch oft weiter. Natürlich kann aus der Zahnformel eines Luchses nicht die eines Marders exakt ableiten. Man behält beide aber leichter, wenn man sich klar macht, dass sie sich ähneln müssen, weil beide Tierarten ganz ähnlich fressen. Ich persönlich bin z.B. so weit gegangen, mir das Gebiss des Allesfressers (Wild-)Schwein mit seinen 44 Zähnen als universelles "Grundmodell" vorzustellen, von dem sich die anderen Gebisse als Spezialisierungen ableiten: Der Mensch frisst das gleiche, hat aber weniger Platz im Kiefer, braucht also die gleichen Zähne, nur weniger davon. Raubtiere brauchen stark ausgebildete Eckzähne zum Packen der Beute und zu Reißzähnen umgebildete Backenzähne mit denen sie Fleischfetzen abreißen können. Pflanzenfresser brauchen leistungsfähige Mahlzähne, mit denen sie die harte, stark zellulosehaltige Nahrung aufschließen können.

 Ähnlich verhält es sich mit den Paarungs- und Setzzeiten: Die Logik sagt einem, dass Tiere in aller Regel ihre Jungen aus Gründen der Überlebenschance im Frühjahr bekommen und dabei z.B. der Fuchs früher dran sein kann als das Reh, weil er einen Bau hat, die Mutter die Tiere wärmen kann, weil Fuchsrüden den Fähen mit Welpen Nahrung bringen und Fleischfresser im Spätwinter und zeitigen Frühjahr mit der Nahrung nicht so knapp dran sind wie Pflanzenfresser. Aus der Setzzeit kann man auf die Paarungszeit schließen, wenn man die Tragedauer kennt, die ihrerseits wieder mit der Größe der Tierart zusammenhängt und wohl auch damit, wie weit die Jungen bei der Geburt bereits entwickelt sind.

 Sich so an das Thema heran zu arbeiten, ist spannend, macht Spaß und versüßt die "harte Arbeit", sich die tatsächlichen Zahnformeln, Paarungs-, Setz- und Tragezeiten und was es da sonst noch alles gibt, dann auch zu merken. Vor allem lassen sich aber scheinbar willkürliche Werte gut merken, wenn man sie in logische Zusammenhänge bringt und verknüpft. Auch Eselsbrücken helfen oft weiter. Eine nicht ganz stubenreine von mir erleichtert es z.B. , sich zu merken, dass man beim Damhirsch den Pinsel sieht, beim Sikahrisch jedoch nicht: "Beim Damhirsch gibt es für die Damen etwas zu sehen..."

Welches Eisen bedient man wie und zwar so, dass niemandem etwas passiert? Die Waffenhandhabung ist sicherheitsrelevant und daher wichtiger Prüfungsteil

 

Vom Allgemeinen zum Speziellen

 Überhaupt hat es sich bei mir bewährt, den Stoff zunächst allgemein und dann immer spezieller zu erarbeiten. In der ersten Zeit bestand die häusliche Arbeit darin, meine Lehrbücher von vorne bis hinten zu lesen, und zwar in der Zeit, in der ich sonst andere Sachen, z.B. Romane las. Dadurch war ich etwa nach der Hälfte des Kurses einmal grob duch das ganze Stoffgebiet gekommen. Zu diesem Zeitpunkt bekamen wir vom Kursleiter die Aufgabenblätter von alten Prüfungen. Zu meiner Zeit mussten wir in Baden-Württemberg nämlich noch selbst Antworten zu den Prüfungsfragen formulieren. Alte Prüfungsbögen zu bearbeiten ist eine bei Studenten beliebte und bewährte Methode der Prüfungsvorbereitung.

 Ich wandte dabei wiederum eine eigene Methode an: Ich versuchte die Fragen zunächst mit meinem eigenen Wissen zu beantworten. Wenn das nicht klappte, sah ich aber nicht gleich im Lösungsbogen nach, sondern versuchte zunächst die Antwort in meiner Literatur zu finden; oft musste man dabei sogar an mehr als einer Stelle nachsehen. Dadurch prägt man sich nicht nur den Stoff wesentlich besser ein, als wenn man ihn einfach nur als fertig formulierte Antwort liest, sondern man findet darüber hinaus meist noch eine Reihe zusätzlicher Informationen, die einem an anderer Stelle wieder weiter helfen.

 Für die wichtigsten harten Fakten zu den einzelnen Wildarten habe ich mir teilweise Tabellen gemacht (welche für Haarwild habe ich gerade erst wieder gefunden und unten verlinkt) und ließ mich von meiner Frau abfragen. Damit ich ihr dabei nicht zu viel Zeit stahl, nahm ich ihr einfach nach dem Essen den Abwasch ab, so das sie mich abfragen konnte, während ich das Geschirr spülte. Das wiederum ist auch Beispiel dafür, wie man mit Kreativität Zeitnischen finden und zum Lernen nutzen kann.

Jagd ohne Hund ist sowieso Schund: Ein gewisses Grundwissen über Jagdhunde ist für den Jäger unerlässlich.

 

 Besonderes Augenmerk sollte man noch auf eine Reihe von berühmt-berüchtigten Fragen richten, die immer wieder in den Prüfungen auftauchen, wie etwa die nach der Verwechslungsgefahr bei den Kalibern 8x57 J und 8x57 JS oder wie sich diese bewusste Sache mit den Kalibern .357 Magnum und .38 Special verhält.. Auf diese speziellen Stolpersteine werden gute Ausbilder im Lehrgang auch immer wieder hinweisen. Es sind nicht viele, aber die paar die es gibt, sollte man kennen.

 

Multiple Choice und die Tücken

 Mittlerweile gibt es auch bei uns in Württemberg Multiple-Choice-Prüfungen, was einen leicht dazu verführen könnte, einfach den Fragenkatalog zu büffeln. Das sollte man zwar auf jeden Fall tun, denn die Fragen mit den Kästchen haben ihre Tücken, denn oft sind sich richtige und falsche Antworten sehr, sehr ähnlich. Schon bei der Führerscheinprüfung habe ich so lange gebüffelt, bis mir jede Frage mit samt ihren eventuellen speziellen Tücken bekannt vor kam. Trotzdem sollte man auch den Stoff wirklich beherrschen: Zunächst mal, weil man bei der mündlichen Prüfung doch wieder individuell formulierte Fragen frei beantworten muss; aber vor allem, weil sich die richtigen Antworten wesentlich leichter merken lassen, wenn man mehr als nur ein bisschen Ahnung von der Materie hat.

 Es könnte tatsächlich möglich sein, dass man mit einem entsprechenden Polster aus der schriftlichen Prüfung ein Fiasko bei der mündlichen ausgleichen kann. Wenn dann bei der Waffenhandhabung nichts schief geht und auch das Schießen geklappt hat, hätte man die Prüfung mit dem minimalen Aufwand des Büffelns eines Fragenkataloges, Sicherheit in der Waffenhandhabung und einer ausreichenden Schießleistung bestanden. Dass das klappt, kann ich aber keineswegs garantieren.

 Zur Zeit der schriftlichen Prüfung mit den ausformulierten Antworten war das in Württemberg theoretisch in der Tat möglich. Allerdings nur theoretisch, denn wer im Schriftlichen so gut abschnitt, dass ihm das Mündliche nicht mehr das Genick brechen konnte, wusste so viel, dass er dort erst gar nicht mehr komplett ahnungslos dastehen konnte. Außerdem gibt es in der mündlichen, eigentlich heißt sie "mündlich-praktische Prüfung" noch eine andere Klippe zu umschiffen: Die Waffenhandhabung.

 Das Problem dabei besteht darin, dass, wenn hier Mist gebaut wird, der Ofen absolut aus ist: Man kann beim Schießen jeweils das höchstmögliche Ergebnis bei Schrot und Kugel gehabt haben, in der schriftlichen und im Rest der mündlichen eine glatte Eins - wenn der Prüfer bei der Waffenhandhabung etwa ins Schrotrohr guckt, weil man die Waffe versehentlich auf ihn gerichtet hat, ist es für diesmal aus und vorbei mit dem Jagschein.

 Aus diesem Grunde ist die Waffenhandhabung ein ganz wichtige Sache und ein entscheidendes Qualitätsmerkmal eines Jägerkurses. Bei meinem Kurs traf man sich einige Male zu besonderen Terminen, bei denen verschiedene Leute alle möglichen und unmöglichen Schießapparate zur Verfügung stellten, die wir allesamt erklärt bekamen, selbst in die Hand nehmen und  deren Bedienung üben durften. Einschließlich des berühmt-berüchtigten Schweizer Geradzugrepetierers, von dem die Legende geht, dass man mit seiner Hilfe früher Aspiranten durchfallen ließ, die aufgrund des Nasenfaktors keine Jäger werden sollten.

 Die  Willkür bei der Jägerprüfung ist aber, wenn es sie einmal gegeben haben sollte, heute normalerweise vorbei. Mittlerweile hat es wohl schon einige Prozesse wegen solcher Fälle von Willkür gegeben, weil die Leute heute klagefreudiger sind; vor allem aber sind die Jägervereinigungen bestrebt, die Aspiranten am Ort zu halten, seit man sich aussuchen kann, in welchem Bundesland man seine Jägerprüfung macht.

 

Mit Kraut und Lot...

 Eine weitere Sache ist das Schießen. Ein alter Spruch sagt: "Ist die Kugel aus dem Lauf, hält kein Teufel sie mehr auf!" Das gilt auch bei der Prüfung. Daneben ist nun einmal daneben, da kann man nicht nachbessern oder durchstreichen wie bei der schriftlichen Prüfung. Insofern ähnelt die Schießprüfung der praktischen Führerscheinprüfung, zumal man in beiden Fällen mit durchaus nicht ungefährlichen Dingen hantiert. Schießen ist aber vor allem  Übungssache. Es gibt zwar ab und zu Leute, denen das Schießen Können angeboren ist. Mein Vater war  zum Beispiel so einer; ich glaube er konnte gar nicht daneben schießen, selbst wenn er das gewollt hätte...

Ein guter Schuss ist mehr wert, als ein gutes Gewehr, eine gute Patrone und ein guter Hund dazu: Schießtraining ist ein unverzichtbarer Bestandteil der Jägerausbildung

 

 Solche Naturtalente sind aber Ausnahmen. Normalerweise kommt gutes Schießen durch Routine. Es gibt da so einen Spruch darüber, dass einer sein Gewicht in Kraut und Lot, also Pulver und Blei verschossen haben sollte. Ganz soviel Munition wird man bei der Schießausbildung des Jägerkurses zwar niocht verballern, aber:  Üben, üben und noch einmal üben its dennoch angesagt. Auch wenn es teuer ist, denn eine nicht bestandene Jägerprüfung ist teurer. Mit der Routine kommt auch die Sicherheit, die verhindert, dass einem bei der Prüfung die Nerven einen Streich spielen oder zumindest bewirkt, dass man auch mit flatternden Hosen doch noch einigermaßen trifft.

 Die Teilnahme an den Veranstaltungen des Jägerkurses ist Voraussetzung zur Zulassung zur Prüfung. Sie ist aber noch aus einem anderen Grunde wichtig: Jägerprüfungen haben gerne ein gewisses Lokalkolorit. Die Ausbilder im Kurs kennen aber die Prüfer und wenn sie etwas taugen, versorgen sie die Aspiranten mit den notwendigen Tipps, auf was man bei diesem oder jenem Prüfer zu achten hat, auf was er speziellen Wert legt und was er absolut nicht sehen oder hören will.

 Nun, der Jägerkurs kostet viel Zeit. Es wäre aber grundfalsch diese Zeit als verlorene Zeit zu verbuchen bzw. den Jägerkurs als notwendiges Übel zu bertachten. Auch das Jagen nimmt Zeit in Anspruch; wenn man passioniert und engagiert jagt, kann das sogar eine Menge Zeit sein. Auch der Jägerkurs gehört schon zum Jägerleben und sollte Spaß machen. Er tut das auch, nicht zuletzt, weil er nicht nur aus sturem Büffeln besteht: Man lernt zunächst einmal allerhand neue Leute kennen. Auf dem Schießstand, beim Hochsitzbau, bei der Waffenhandhabung und anderen derartigen Terminen ist man zwanglos mit den anderen Teilnehmern , den Ausbildern oder "fertigen" Jägern, die einfach wieder einmal vorbeischauen zusammen und hat in aller Regel eine Menge Gaudi.

 Wenn man so mit Freude bei der Sache ist, wird es einen um die vielen Stunden nicht leid sein, die man aufwendet, bis man den ersten eigenen Jagdschein in der Hand hält. Man sieht viel Neues, lernt Leute kennen und zwar durchaus auch solche, die einem später nützlich sein können, wenn man z.B. eine Jadggelegenheit sucht  Ich jedenfalls bin recht gerne zu den Veranstaltungen gegangen, es war eine schöne Zeit, an die ich gerne zurück denke.

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7. Dezember 2008 7 07 /12 /Dezember /2008 16:40

Da kommt einer in den Wald, bringt ein Gewehr mit, schießt ein Reh und wird eingesperrt. Ein anderer tut das gleiche, aber der bekommt dafür vom Förster einen Fichtenzweig, den sogenannten Erlegerbruch, welchen er sich an den Hut steckt und stolz

 

Nach einer Staatsjagd überreicht der Forstamtsleiter den erfolgreichen Schützen die Erlegerbrüche. Wie aber kommt man dazu, jagen zu dürfen?

davongeht. Wo ist der Unterschied zwischen den beiden Männern? Ganz einfach, wird man sagen, der eine hat einen Jagdschein und war vom Förster zur Jagd eingeladen, der andere hat unerlaubt gejagt, ist also ein Wilderer und somit ein Straftäter. Aber 
wie bekommt man einen Jagdschein und wie eine Erlaubnis irgendwo zu jagen?
Eigentlich sollte man meinen, dass allgemein bekannt sei, wie man zu einem Jagdschein kommt. Wenn man aber die Propaganda der Jagdgegner liest und hört, gewinnt man einen anderen Eindruck. Die behaupten nämlich immer wieder, dass Jäger eine elitäre Menschengruppe seien, die sich selbst anmaßte, im Wald nach Belieben Tiere töten zu dürfen, andere aber am liebsten daraus verjagen würde. Weiterhin behaupten die Jagdgegner, Jäger würden mit Hilfe eines Nazi-Gesetzes, dem Bundesjagdgesetz, die Landeigentümer enteignen und gegen deren Willen auf deren Grund und Boden jagen. Und obendrein dürften sie noch, was sonst außer der Polizei fast keiner darf: Schwer bewaffnet in der Gegend herumlaufen und sogar schießen!
  Andererseits wird aber so gut wie jeder irgendwelche ganz gewöhnliche Leute kennen, die auf die Jagd gehen, Verwandte, Bekannte, Arbeitskollegen - Leute die nicht besonders reich sind, sondern Beamte, Facharbeiter oder kleine Selbständige, ja sogar Schüler, Studenten und Hausfrauen.... Um die Katze gleich aus dem Sack zu lassen: Jagen ist gar nicht so furchtbar teuer wie viele Menschen glauben. So wie andere ehemalige "Nobelhobbies", z.B. Reiten, Tennis oder Segeln ist es heute auch für Durchschnittsverdiener erschwinglich und keineswegs elitär. Die weitaus meisten Jäger sind ganz gewöhnliche Leute wie du und ich. 
  
Wie also wird nun aus einem ganz gewöhnlichen Menschen ein Jäger?
 Um das zu verstehen, muss man ein klein wenig etwas über unser Jagdrecht wissen und wie es entstanden ist. Und man sollte den Unterschied zwischen Jäger und Förster kennen, der offenbar auch vielen Leuten nicht geläufig ist. Wohl fast jeder Jäger ist im Wald wohl schon einmal einem Spaziergänger begegnet, der sich bei ihm über den Verkauf von Holz erkundigt hat, weil er ihn mit einem Förster verwechselte. Was also ist der Unterschied zwischen Jäger und Förster? Ganz einfach: Der Förster ist ein Beamter, der sich um den Wald zu kümmern hat und zwar vor allem um das Holz. Weil aber der Staat als Grundbesitzer im Staatswald auch das Jagdrecht hat, läßt er es von seinen Förstern ausüben. Deswegen wird von Förstern verlangt, dass sie während ihrer Ausbildung einen Jagdschein machen und im Staatswald die Jagd ausüben, was keineswegs mit dem gelegentlichen Erschießen eines Rehs oder Fuchses getan ist, sondern eine Menge Arbeit macht.
  Der Jäger hingegen ist ein Privatmann, der das Recht in einem bestimmten Gebiet zu jagen von den Grundeigentümern gepachtet hat oder selbst so viel Grund besitzt, dass er darauf jagen kann. Man sagt auch, er sei in dem jeweiligen Gebiet der Jagdausübungsberechtigte. Es kann auch sein, dass ein Jäger gar nicht selbst jagdausübungsberechtigt ist, sondern dass ihm lediglich ein Jagdausübungsberechtigter erlaubt hat, in seiner Jagd umsonst oder gegen eine Gebühr zu jagen.

Jägerausbildung und Jägerprüfung
 Um eine Jägerprüfung machen zu dürfen muss man in der Regel einen vorgeschriebenen Ausbildungskurs besuchen. Solche Kurse werden von kommerziellen Jagdschulen angeboten, aber auch von den Kreisjägervereinigungen. Die Kreisjägervereinigungen sind sozusagen die Clubs der Jäger, sie sind zu Landesjagdverbänden zusammengeschlossen und diese wieder zum DJV, dem deutschen Jagdschutzverband. Die organisierten Jäger sind also nicht direkt im DJV organsiert, sondern sozusagen um zwei Ecken herum. Alternativ zu den DJV-Verbänden und -Kreisjägervereinigungen gibt es noch den Ökologischen Jagdverband (ÖJV). Er versteht sich als Alternative zum DJV und sieht die Jagd etwas anders als dieser. Auch der ÖJV führt Jägerkurse durch, deswegen wird er hier erwähnt.

 

 


Das Jagdliche Schießen ist ein wichtiger Bestandteil der Jägerausbildung. Dabei soll jedoch nicht der Jagderfolg gesteigert, sondern sichergestellt werden, dass der neue Waidmann in der Lage ist, seine Beute schnell und möglichst schmerzlos zu töten

 Früher musste man die Jägerprüfung in dem Bundesland ablegen, in dem man wohnte. Das war ärgerlich für Leute, die in einem Land wohnten, das bei der Jägerprüfung strengere Maßstäbe anlegt, als andere. Manche nahmen aus diesem Grund wohl sogar pro forma für eine Zeit Wohnsitz in einem Land mit leichter Jägerprüfung - jedenfalls werben Jagdschulen, welche ihre Schüler zur Prüfung in "leichten" Bundesländern schicken, damit, dass kein Wohnsitzwechsel mehr notwendig ist. Heute kann man nämlich wenn man will die Jägerprüfung auch in einem anderen als dem Bundesland ablegen, in dem wohnt und vor allem private Jagdschulen nutzen diese Möglichkeit. Sie bieten eine regelrechte Jagdscheintouristik z.B. in das Saarland an, der Jägerkurs wird teilweise komplett mit Hotelunterbringung und Rahmenprogramm für die Ehefrau (falls die nicht auch gleich den Jagdschein macht) und Kinder angeboten. Das ganze geht dann, wenn man die Prüfung im ersten Anlauf schafft, in sechs Wochen über die Bühne.
 Private Jagdschulen machen es den Jagdscheinanwärtern also - so man der Werbung glauben darf - leichter, die Prüfung zu bestehen. Dafür sind sie aber auch wesentlich teurer als die nichtkommerziellen Jägerkurse der Verbände. Außerdem ist die Jägerprüfung auch in den Ländern mit scharfen Prüfungsanforderungen duchaus zu bestehen, bei uns in der KJV Aalen fallen sehr wenige Anwärter durch, was aber vielleicht auch an der guten Ausbildung liegt. Im Zweifelsfalle kann man sich ja auch einmal umhören, wie die Durchfallquoten im eigenen Landkreis sind und dann überlegen, ob man lieber zu einer kommerziellen Jagdschule geht oder zu einem Verbandsjägerkurs.
 Einen sehr großen Vorteil jedoch hat der Jägerkurs bei der örtliche KJV: Man kommt dadurch in die örtliche Szene und hat gute Chancen nach dem Bestehen der Prüfung auch eine Jagdgelegenheit zu bekommen. In der KJV Aalen z.B. ist es üblich, dass der Ausbildungsleiter versucht, die Jungjäger alle unterzubringen und man ist stolz darauf, dass ihm das in aller Regel auch gelingt.
  Was aber läuft nun ab beim Jägerkurs und bei der Prüfung? Die Prüfungsanforderungen sind, wie bereits erwähnt, von Bundesland zu Bundesland verschieden. Deswegen beziehen sich die folgenden Angaben auf das Beispiel Baden-Württemberg, eines der Länder mit eher höheren Prüfungsanforderungen.
  In Baden-Württemberg beginnt der Jägerkurs meist im Herbst und die Jägerprüfung findet im Frühjahr und Frühsommer statt. Als erstes wird die jagdliche Schießprüfung abgenommen, später folgt dann die schriftliche Theorieprüfung. Den Abschluss bildet im Mai oder Juni die mündlich-praktische Prüfung, bei der man allerhand Tierpräparate, jagdliche Gerätschaften, Pflanzen und dergleichen gezeigt bekommt, zu denen man dann Fragen der Prüfer beantworten muss. Vor allem aber auch die Waffenhandhabung wird hier geprüft. Macht man bei dieser einen erheblichen, sicherheitsrelevanten Fehler, hat man die Prüfung nicht bestanden, auch wenn man in allen anderen Teilen noch so gut wahr.
 Ansonsten hat man die Prüfung dann bestanden, wenn man beim Schießen die Anforderunge erfüllt und in der schriftlichen und mündlich- praktischen Prüfung in jedem der vier Teilgebiete mindestens eine Vier erreicht hat. Die Teilgebiete der Prüfung sind die folgenden:

* Tierarten, Wildbiologie, Wildhege und Land- und Waldbau
* Waffenrecht, Waffentechnik und Führung von Jagdwaffen (einschließlich Faustfeuerwaffen)
* Führung von Jagdhunden, Jagdbetrieb, Wildschadensverhütung, Behandlung des erlegten Wildes unter      besonderer Berücksichtigung der hygienisch erforderlichen Maßnahmen und Beurteilung der gesundheitlich  unbedenklichen Beschaffenheit des Wildbrets, insbesondere auch hinsichtlich seiner Verwendung als  Lebensmittel
* Jagd-, Tierschutz- sowie Naturschutz- und Landschaftspflegerecht

 Die schriftliche und die mündlich-praktische Prüfung zählen im Verhältnis 5:3 miteinander, was bedeutet, dass einem bei einem entsprechend guten Ergebnis im schriftlichen Teil nichts mehr passieren kann - vorausgesetzt, man baut nicht bei der Waffenhandhandhabung Mist. Allerdings erfährt man nicht, wie man im schriftliche Teil war, so dass man sich in jedem Falle auch gut auf den mündlichen Teil vorbereiten sollte.


Schießen

 Beim jagdlichen Schießen muss man sowohl mit der Flinte, als auch mit der Büchse bestimmte Leistungen erzielen. Mit der Büchse wird je fünf Mal stehend angestrichen aus 100 m auf den stehenden Rehbock und freihändig aus 50 oder 60 m auf den laufenden Keiler geschossen, zwei der Wildscheiben des DJV, die auch für jagdliche Schießsport-Wettkämpfe verwendet werden. Der laufende Keiler bewegt sich tatsächlich, die Scheibe wird von einer Maschine innerhalb von zwei Sekunden über eine sechs Meter breite Schneise gezogen. Beim Keiler zählt alles als Treffer, was im auf der Scheibe ausgewiesenen Trefferfeld liegt, beim Rehbock alles, was mindestens eine Acht ist. Insgesamt muss man bei diesen zehn Schuss fünf Treffer erzielen und zwar auf jede der Scheiben mindestens zwei, also entweder zwei beim Bock und drei beim Keiler oder umgekehrt.
 Mit der Flinte wurden früher acht Traptauben und acht Kipphasen beschossen. Traptauben sind eine Art Aschenbecher, die mit einer Wurfmaschine in die Luft geworfen werden um mit der Flinte darauf zu schießen. Sie steigen vor dem Schützen schräg von ihm fort aus einem Bunker in die Luft, und sind leichter zu treffen als Skeettauben die von der Seite geworfen werden. Für Wettbewerbe im jagdlichen Schießen fliegen die Traptauben in unterschiedlichen, zufälligen Winkeln, bei der Jägerprüfung aber immer gerade aus. Der Kipphase ist eine Hasensilhouette aus Blech, die in 35 m Entfernung vor dem Schützen vorbei fährt. Trifft man sie, fallen eines oder mehrere der drei Teile um. Bei Wettbewerben gibt es für die drei Teile unterschiedliche Punktzahlen, bei der Jägerprüfung ist es egal, welche und wieviele Teile umfallen. Mit den sechzehn Schrotschüssen müssen sechs Treffer erzielt werden, jedoch auch wieder bei jeder Disziplin mindestens zwei, also drei Hasen und drei Tauben, vier Hasen und zwei Tauben oder umgekehrt.

 

 

Ganz so schlimm wie auf diesem Bild wird die "hochnotpeinliche Befragung" bei der mündlich-praktischen Prüfung dann doch nicht: Wenn die Prüfer einen Prüfling lange ausquetschen, dann kaum, um ihn in die Pfanne zu hauen, sondern eher, um aus ihm doch noch etwas herauszuholen, was man so bewerten kann, dass er die Prüfung besteht.

 Mittlerweile wurde aber der Teil mit den Traptauben aus der Prüfung genommen, es genügt nun, wenn der Schießlehrer bestätigt, dass während der Schießprüfung eine bestimmte Anzahl Tauben beschossen wurde.

 

Endspurt zur Prüfung

 In der Regel finden während der Zeit bis zur schriftlichen Prüfung zwei reguläre Kursabende zu ca. zweieinhalb Stunden statt, einige Wochen nach dem Kursbeginn fängt das Schießen an, welches etwa alle zwei Wochen einen Samstag oder Sonntag beansprucht. An Wochenenden ohne Schießen gibt es zusätzliche Kurseinheiten wie Waldbegehungen, Hochsitzbau und Unterweisungen in Waffenhandhabung, die jeweils etwa einen Samstagnachmittag oder Sonntagvormittag ausfüllen, ab und zu kann auch einmal ein zusätzlicher Termin unter der Woche abends anfallen. Dazu kommt dann noch die häusliche Prüfungsvorbereitung allein oder in Arbeitsgruppen, sofern sich solche unter den Kursteilnehmern zusammen finden. Nach Weihnachten werden bei uns in Aalen Prüfungsbögen aus früheren Jahren samt den zugehörigen Musterlösungen ausgegeben, mit denen man dann zu Hause üben kann.
 Die Schießtermine enden logischerweise mit der Schießprüfung, die regulären Kursabende mit der schriftlichen Prüfung. Bis zur mündlich-praktischen Prüfung finden dann noch ein paar Sondertermine statt, vor allem zum gezielten Training für diese letzte Hürde.
  Nach der mündlich-praktischen Prüfung wird jedem Anwärter sein Ergebnis mitgeteilt und wer bestanden hat, bekommt eine Bescheinigung darüber ausgehändigt. Mit dieser, einem polizeilichen Führungszeugnis und einem Nachweis über den Abschluss einer Jagd-Haftpflichtversicherung kann man dann seinen ersten Jagdschein beantragen. Bei der Jungjägerfeier, die kurz darauf stattfindet, hat dann der oder die eine oder andere der frischgebackenen Waidmänner und -frauen bereits das erste Waidmannsheil gehabt, vielleicht sogar noch den Erlegerbruch am Hut und dann natürlich jede Menge zu erzählen - hoffentlich nicht schon das erste Jägerlatein, denn dafür ist es zu diesem Zeitpunkt wohl noch ein bisschen arg früh....

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