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  • Publizist und Freier Dozent, von Hause aus Ingenieur sowie gelernter Mechaniker und gelernter Maurer, Querdenker, Naturfreund und -nutzer, technisch interessiert aber auch technikkritisch, glaube nicht alles was mir erzählt wird.
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Andreas Quiring  

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Biohof-Gemeinschaft Baum des Lebens

14. Februar 2011 1 14 /02 /Februar /2011 12:24

Gestern war in der Schweiz Volksabstimmung über die Aufbewahrung von Waffen in Privathäusern. Wenn auch selbst die Schweizer sich sonst Scheibchen für Scheibchen von ihrer Demokratie und Freiheit abschneiden lassen, haben sie den aufgeregten Gutmenschen und berufsbetroffenen Frauenbewegten diesmal doch eine lange Nase gedreht: Das eh' schon beschnittene Recht der Eidgenossen auf Waffenbesitz bleibt vor weiterer Aushöhlung erst einmal verschont.

  Jetzt ist nicht nur bei den Initiatoren der lächerlichen Kampagne gegen angebliche Schusswaffengewalt Schweizer Männer gegen ihre Frauen und Kinder der Jammer groß, sondern auch bei uns wird in den systemhörigen Medien über die bösen, bösen alpinen Waffenfetischisten gebarmt. Schon am Morgen wurde in SWR2 Schadensbegrenzung versucht und die üblichen halben Wahrheiten (die ja bekanntliche gerne ganze Lügen sind) über den privaten Waffenbesitz aufgekocht. Nett kommentiert hat das übrigens Bloggerkollege Jürgen Kremser.

 Schlimm jedoch, wenn auch die Sache an sich noch einmal gut gegangen ist, ist die Tatsache, dass nur 57% der Schweizer, welche gestern "abgestummen" (so heißt "abgestimmt"  auf Schwyzerdütsch), gegen eine Verschärfung des Waffenrechts waren. Offensichtlich ist die politisch korrekte Verdummung des Volkes mittels medialer Gehirnwäsche auch in der Schweiz bereits weit fortgeschritten.

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7. Dezember 2010 2 07 /12 /Dezember /2010 15:23

Auch unsere Hunde - und unsere anderen Haustiere natürlich auch - sind manchmal gesundheitlich nicht ganz auf der Höhe. Wie bei uns Menschen auch, gibt es im Veterinärbereich als Ergänzung und Alternative zu den herkömmlichen Medizinmännern die Heilpraktiker.

Gerade hat eine Freundin meiner Frau hier bei uns in Aalen eine Tierheilpraxis aufgemacht und ist mit einer hübschen Website im Netz vertreten. Guckt also ruhig einmal vorbei und berücksichtigt sie, wenn demnächst mal bei Euren Lieblingen etwas nicht ganz in Ordnung ist.

 

Hier geht's zur Tierheilpraxis von Petra Meier

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25. Juli 2010 7 25 /07 /Juli /2010 09:39

Für den Menschen gilt der Frühling ja als Zeit der Liebe, obwohl Wissenschaftler herausgefunden haben wollen, dass eigentlich der Sommer dafür besser geeignet sei. Bei wild lebenden Tieren hingegen liegt die Paarungszeit in der Regel so, dass die Jungen im Frühjahr zur Welt kommen.

Derzeit, also etwa von der zweiten Julihälfte bis in den August hinein, sind bei uns die Rehe mit ihrer Paarungszeit dran. Diese Zeit wird von uns Jägern nicht wie bei Rot-, Dam- und Sikawild Brunft, sondern Blattzeit genannt, weil man den Rehbock anlocken kann, indem man auf einem Buchenblatt Lautäußerungen von Geiß und Kitz nachmacht. Heute gibt es dafür auch Gerätschaften, so dass man die hohe Kunst des eigentlichen Blattens gar nicht mehr beherrschen muss.

Am einfachsten ist wohl der Kitzfiep nachzumachen, der den Rehbock anlockt, weil er weiß, dass bei einem Kitz immer auch ein Geiß dabei ist. Schon etwas schwieriger sind die verschiedenen Laute der Geiß selbst oder gar das zornige Geschrei eines Rehbockes, mit dem man laut der Aussage einiger Jäger einen andern Bock, der in der Nähe ist, todsicher anlocken kann, weil er denkt das da ein Nebenbuhler am Werk ist.

Rehböcke sammeln nicht wie Hirsche eine Harem um sich, sondern treiben sich zumindest in ihrer Jugend gewissermaßen als Vagabondo del Amor umher, um paarungsbereite Geißen zu finden. Deswegen hat man auch an allem möglichen und unmöglichen Stellen die Chance bei der Blattjagd zum Schuss zu kommen. Gute Jäger wissen aber natürlich, wo in ihrem Revier die besten Plätze sind und wo die Chancen gut stehen, auch einen starken Bock zu bekommen.

  Die Paarungszeit des Rehwildes gab den Jägern lange Zeit Rätsel auf: Seinen biologischen Gegebenheiten zufolge, müsste die Tragezeit des Rehwildes etwa fünf oder sechs Monate dauern. Tatsächlich jedoch sind es etwa zehn oder sogar etwas mehr . Es gab allerhand Spekulationen darüber, beispielsweise glaubten manche Jäger, die sommerliche Blattzeit sei nur eine Scheinbrunft und die tatsächliche Paarung fände heimlich, still und leise im Winter statt.   

Klarheit gab es, nachdem den Forschern Mikroskope zur Verfügung standen, mit denen man nach der Brunft die befruchtete Eizelle in er Geiß entdecken konnte. Sie ruht nämlich über vier Monate, bis sie sich etwa um oder nach Weihnachten zu entwickeln beginnt. Dann braucht der Fötus tatsächlich auch die für das Reh plausiblen knappen sechs Monate, bis im Frühsommer ein Kitz daraus geworden ist.

  Der Grund für diesen Trick des Lieben Gottes ist wohl der, dass der Rehbock aufgrund seiner geringen Körpergröße durch die physische Belastung der Brunft in großer Gefahr wäre zu sterben würde, wenn sie im Winter stattfinden würde. Selbst beim sehr viel größeren Rothirsch kommt es ab und zu vor, dass einer nach der Brunft im Herbst an Entkräftung stirbt, weil er seine Reserven vor dem Winter nicht mehr ergänzen konnte. Nach seiner Blattzeit im Hochsommer hat der vom Liebesleben geschlauchte Rehbock jedoch genügend Zeit, sich im Spätsommer und Frühherbst wieder dick und rund zu äsen, damit er gut über den Winter kommt.  

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1. Mai 2010 6 01 /05 /Mai /2010 11:58

Ich habe im Augenblick ein bisschen wenig Zeit und so bin ich eine Weile nicht dazu gekommen, auch mal wieder in die "Wild und Hund" zu gucken. Gestern nahm ich dann zufällig die Ausgabe vom 1. April in die Hand und musste eine bereits sechs Wochen alte, traurige Nachricht lesen: Heribert Kalchreuter ist tot.

 

   Der bekannte Jagdwissenschaftler und Autor zahlreicher Bücher ist, so erfuhr ich, am 14. März verstorben. Besonders traurig macht mich das, weil ich ihn und seine Bücher sehr schätze und bereits seit einiger Zeit vorhatte, einmal wieder Kontakt mit ihm aufzunehmen.

   Vor vielen Jahren habe ich mich mit ihm am Telefon unterhalten, als ich einen Artikel über ihn schrieb. Das war noch bevor ich selbst den Jagdschein machte, mich aber bereits für die Jagd interessierte. Ich hatte sein Buch "Die Sache mit der Jagd" gelesen und dabei festgestellt, dass er, wie ich auch, in Heidenheim an der Brenz geboren ist, was ich als Anlass nahm, einen Artikel über ihn für die "Heidenheimer Neue Presse" zu schreiben.

  Am Telefon hatte ich den Eindruck, dass er zunächst recht vorsichtig war, was ich natürlich mittlerweile sehr gut verstehe, nachdem ich die Szene kenne und über die Art Bescheid weiß,in der viele Journalisten bar jeder Ahnung von der Sache gegen unsere Jagd schreiben. Trotzdem unterhielten wir uns gut, er merkte wohl, dass ich der Jagd ganz und gar nicht ablehnend gegenüber stand. Er schickte mir dann auch noch sein Buch "Zurück in die Wildnis", welches mich wirklich begeistert hat, vor allem auch, weil ich nicht gedacht hatte, das in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhundert noch solche Erlebnisse wie Kalchreuter sie hatte auf diesem Planeten möglich waren. Leider habe ich vergessen, ihn um eine Widmung in dem Buch zu bitten.

  Ich schäme mich natürlich nicht, zuzugeben, dass der Grundstock meines Wissens über Jagdökologie und meiner Argumente zur Berechtigung der Jagd von Heribert Kalchreuter stammen. Wer heute auf die Jagd geht, sollte zumindest "Die Sache mit der Jagd" gelesen haben, damit er weiß, was er tut und warum er es tut.

Ich hätte gerne noch einmal mit Heribert Kalchreuter gesprochen, ihm stolz erzählt, dass ich mittlerweile auch schon einige Dreijahresjagdscheine gelöst habe und war gespannt, ob er wohl mein Buch "Jagdgegnerbehauptungen - Eine Richtigstellung" gelesen hatte und was er dazu wohl gesagt hätte.

   Leider ist es dazu nun zu spät. Gerade wir Jäger wissen ja, dass man nicht ewig auf dieser Welt lebt und der Tod alter Leute etwas ganz Natürliches ist. Allerdings ist man mit 71 heute noch nicht wirklich alt und man hätte sicher noch einiges von Heribert Kalchreuter gehört, der noch lange nicht wirklich im Ruhestand war.

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11. Juli 2009 6 11 /07 /Juli /2009 15:23

Heute nun – nach einer längeren Pause – der dritte Teil meines Essays über den Sinn der Jagd in unserer Zeit. Nachdem im zweiten Teil von Jagdgegnern die Rede war, geht es heute um Jagdkritiker. Obwohl Kritik an der Jagd im Prinzip gut und wichtig ist, denn ohne Antithesen zu bestehenden Thesen kann nichts vorankommen, geht von vielen Jagdkritikern eine fast noch größere Gefahr für die Jagd aus als von erklärten Jagdgegnern.

 Jagdkritiker sind Menschen, die zwar nicht grundsätzlich gegen die Jagd, jedoch auch nicht damit einverstanden sind, wie sie heute betrieben wird. Sie sind großenteils Anhänger des Ökologischen Jagdverbandes (ÖJV), einer Organisation, die sich als Alternative zum der traditionellen Jägerei verbundenen Deutschen Jagdschutz Verband (DJV) versteht.

Die Devise „Wald vor Wild“

 Im Grunde ist es natürlich legitim Kritik zu üben. Allerdings sollte eine solche auch fundiert sein, wenn man erwartet, ernst genommen zu werden. Jagdkritiker und Öko-Jäger sind zu einem großen Teil jedoch Förster und Waldbauern, die der Devise "Wald vor Wild" anhängen und daher nicht besonders gut auf Rehe und anderes Schalenwild zu sprechen sind, ausgenommen Schwarzwild, welches praktisch keinen Forstschaden macht, sondern sogar das Rehwild – in Öko-Försterkreisen auch schon mal als "kleiner roter Waldfresser" tituliert – dezimiert, indem es dessen Kitze verspeist.

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 Diesen Umstand merkt man auch der Propaganda der Öko-Jäger deutlich an. Sie verlangen eine erhebliche Reduktion der Schalenwildbestände und zwar durch Drückjagden, die massiv während stark verkürzter Jagdzeiten durchgeführt werden sollen. Auch das – den Förstern eigentlich genehme – Schwarzwild, also das Wildschwein soll dezimiert werden, damit will man wohl gut Wetter bei den Bauern machen, denen wiederum diese Wildart starken Schaden verursacht.

Jagen Öko-Jäger Niederwild?

 Die Jagd auf Niederwild steht bei den Öko-Jägern nicht besonders hoch im Kurs. Interessant ist, dass der ÖJV offensichtlich pluralistisch geführt wird und seinen einzelnen Landesverbänden eigene Positionen erlaubt. Dies wird deutlich wenn man sich die Positionspapiere des ÖJV Sachsen und des ÖJV Baden-Württemberg liest. Während der erste zum Beispiel die Bejagung von Beutegreifern, also Raubwild als Hegemaßnahme kategorisch ablehnt, räumt der zweite der Bejagung des Fuchses in dieser Hinsicht eine gewisse Berechtigung ein. Zur Pelzgewinnung lassen beide die Jagd auf ihn sowie auf einige andere Haarraubwildarten gelten, möchten den Rest jedoch samt den Greifvögeln aus dem Jagdrecht nehmen.

Hanebüchenes von Leuten, die es besser wissen sollten

 Die beiden wohl bekanntesten Jagdkritiker sind Elisabeth Emmert, die Vorsitzende des ÖJV und Wilhelm Bode, ein Nabu-Aktivist und hochrangiger Mitarbeiter des saarländischen Umweltministeriums. Die beiden haben ein Buch namens "Jagdwende" geschrieben, in welchem sie eine grundlegende Novellierung unseres Jagdgesetzes verlangen und zu begründen versuchen:

Wilhelm Bode, Elisabeth Emmert (1998): Jagdwende. Vom Edelhobby zum ökologischen Handwerk. München: Beck ISBN 3-406-42042-7.

 Einige Forderungen der Öko-Jäger respektive der Jagdkritiker sind durchaus bedenkenswert, das Positionspapier des ÖJV Baden-Württemberg sogar im großen und ganzen recht vernünftig. Mit ihrem Buch leisten Bode und Emmert jedoch dem Gedanken einer ökologischen Jagd einen Bärendienst. Ähnlich wie die Publikationen von Jagdgegnern ist es gespickt mit Halbwahrheiten, Polemik und unwahren Aussagen.

... aber auch da, wo die Landschaft noch ein wenig strukturiert ist, darf man auf die Bejagung des Haarraubwildes nicht verzichten. Hecken und andere Strukturen bieten dem Haarraubwild genauso Deckung wie dem Friedwild

 Zum Beispiel muss die Jagd der Kaiserzeit und vor allem die Schießpraxis von Kaiser Wilhelm II als Argument gegen unser heutiges, bewährtes Revierjagdsystem herhalten. Es wird dort behauptet, dass die Adligen der Kaiserzeit mit Hilfe dieses Revierjagdsystems die Feudaljagd von vor 1848 restauriert hätten. Dazu muss man folgendes wissen: Vor 1848 bestand das sogenannte fürstliche Jagdregal, welches dem Adel das alleinige Jagdrecht, auch auf dem Grund und Boden ihrer Untertanen zusprach. Seit der 1848er Revolution steht das Jagdrecht im Prinzip jedem Grundeigentümer selbst zu.

 Zunächst wurde das tatsächlich so gehandhabt, dass jeder auf seinem Grundstück - und wenn es auch nur wenige Hektar groß war - selbst jagen durfte. Das hatte katastrophale Folgen für den Wildbestand und so schuf man in den 1850er Jahren das bei uns heute noch bestehende Reviersystem: Jeder, der zusammenhängenden Grundstücke von seinerzeit 300 preußischen Morgen, das sind in etwa die heute gültigen 75 Hektar, besitzt, verfügt damit über einen sogenannten Eigenjagdbezirk, den er selbst bejagen oder verpachten und den Erlös daraus selbst behalten kann.

 Kleinere Grundflächen werden nach jagdlichen Gesichtspunkten zu sogenannten gemeinschaftlichen Jagdbezirken zusammengefasst, die mindestens 150 Hektar groß sein müssen, wobei jedoch eine Größe von mindestens 250 Hektar angestrebt wird. Die Eigentümer der zusammengefassten Grundstücke bilden die sogenannte Jagdgenossenschaft, welche die Bejagung organisieren oder den Jagdbezirk verpachten kann. Wildbret- oder Pachterlöse werden - abzüglich der Unkosten - unter den Jagdgenossen verteilt so diese nicht beschließen, sie anderweitig zu verwenden.

 Dieses seit etwa 150 Jahren bewährte System wird nun von Jagdgegnern und auch von den Jagdkritikern wie Bode und Emmert als als Wiedereinführung bzw. Fortsetzung der Feudaljagd bezeichnet. Als Beleg dafür führen sie an, wie in der Kaiserzeit im Staatswald und in den privaten Forsten adeliger Großgrundbesitzer gejagt wurde und behaupten, der Kaiser und der Adel hätten hier die Feudaljagd fortgeführt.

 Was die Autoren dabei jedoch geflissentlich übersehen ist die folgende Tatsache: Sowohl die Staatsforsten als auch der private Großgrundbesitz wurden und werden aufgrund des Jagdrechtes auf dem eigenen Grund und Boden, wie es seit 1848 gilt, von den Besitzern bejagt bzw. verpachtet. Auch ohne das in den 1850er Jahren eingeführte Reviersystem mit dem Zusammenschluss kleiner Grundstücke zu gemeinschaftlichen Jagdbezirken hätten sowohl der forstliche Fiskus als auch die adeligen Großgrundbesitzer weiterhin in den staatlichen bzw. privaten Forsten in ihrem eigenen Stil jagen können.

 Auch wenn sie an Traditionen und - soweit das noch möglich war - an Jagdarten festhielten, die während der Feudaljagd entwickelt worden waren, änderte das nichts daran, dass sie nur noch auf ihrem Grund und Boden jagten und nicht mehr auf dem ihrer Untertanen. Die ganzen Schilderungen der Jagd in der Kaiserzeit tun also nichts zur Sache, sondern dienen lediglich dazu, auf polemische Art und Weise Stimmung gegen das gültige Jagdrecht zu machen, denn was bitte, hat die Form, in der Kaiser Willem Zwo vor hundert Jahren in den Staatsforsten jagte und irgendwelche Fürsten in ihren privaten, damit zu tun, wie heute in gepachteten Revieren durch die Pächter und ihre Mitjäger gejagt wird und ob das gut oder schlecht ist?

Kritiker sollten nur plausibles behaupten

 Da Bode und Emmert die bäuerliche Jagd, wie sie nach 1848 tatsächlich aufkam, jedoch als Leitbild für eine moderne Form der Jagd ansehen, kommen sie nicht umhin, zuzugeben, dass diese bereits damals existierte, soweit die Bauern es nicht vorzogen, ihre Jagdbezirke zu verpachten um damit auch den Wildschaden auf den jeweiligen Pächter abzuwälzen, so wie das heute noch üblich ist.

 Natürlich hat diese Bauernjagd existiert, denn natürlich hat seit 1848 niemand als die Grundbesitzer selbst zu entscheiden, wer auf ihrem Boden jagt. Bode und Emmert führen in ihrem Buch auch noch die Einschränkung bzw. das Verbot der Jagd an Sonntagen als Maßnahme an, mit der man den Bauern erschweren wollte, ihren eigenen Grund und Boden selbst zu bejagen. Falls dies tatsächlich beabsichtigt war, war die Maßnahme ein absolutes Eigentor: Zuvor wird nämlich im gleichen Buch erwähnt, dass mit dem Revierjagdystem der "Sonntagsjäger" aufkam, der Städter nämlich, der es sich leisten konnte auf dem Lande ein Revier zu pachten, dort aber aufgrund der damaligen Arbeitszeiten und Verkehrsmittel nur sonntags jagen konnte. Genau dieser wurde nämlich durch ein sonntägliches Jagdverbot an der Jagd gehindert und nicht etwa der Bauernjäger, der vor Ort wohnt und noch dazu seine Zeit frei einteilen kann, so dass er auch damals bereits unter der Woche auf die Jagd konnte.

 Im Zusammenhang mit dem Lob der Bauernjagd (bei der bis zum Reichsjagdgesetz von 1934 in der Regel alles vom Singvogel bis zum Hirsch mit der Flinte, also mit Schrot, geschossen wurde) ist den beiden wackeren Streitern für die Ökojagd dann auch noch eine ulkige Peinlichkeit unterlaufen: Auf der Seite 133 des besagten Buches ist solch ein Bauernjäger des 19. Jahrhunderts abgebildet. Beim genauen Hinsehen stellt man fest, dass dieser außer der obligatorischen Flinte ein Schlageisen für Raubwild trägt, eine Falle also.

 Dazu muss man wissen, dass der Ökologische Jagdverein die Fallenjagd strikt ablehnt. Sieht man noch genauer hin, stellt man fest, dass es sich sogar um ein Tellereisen handelt, eine Falle, die nicht sicher tötet, sondern in der Regel nur den Körperteil zerschmettert und festklemmt, mit dem das jeweilige Tier in die Falle geraten ist. Aus diesem Grund ist diese Art von Falle auch bereits seit 1935 verboten und wird nicht nur von Jagdgegnern und Jagdkritikern, sondern auch von "konventionellen" Jägern abgelehnt.

Hier war Meister Bockert am Werk, der Biber. So erfreulich seine Rückkehr an unsere Gewässer ist, es gehen bereits die ersten Klagen über Schäden ein. Über kurz oder lang wird man sich wieder Gedanken über eine Bejagung machen müssen. Oder sollen wir statt "Bejagung" lieber "Management" sagen, weil dieser Ausdruck weniger nach Pulver und Blei riecht?

 

Jagdgesetz-Novelle: Hintertür zur Jagdabschaffung

 Eine Änderung unseres Jagdgesetzes ist absolut unnötig. Diejenigen Forderungen der Jagdkritiker, die tatsächlich berechtigt sind, ließen sich auch ohne Änderungen des Bundesjagdgesetzes erfüllen. Soweit tatsächlich eine Überhege von Schalenwild stattfindet, kann gegen diese auch auf dem Boden unseres derzeitigen Jagdrechtes vorgegangen werden. Einer dessen Grundsätze besagt nämlich, dass die Wildstände so zu halten sind, dass eine ordnungsgemäße Land- und Forstwirtschaft stattfinden kann.

 Eine detailliertere Regelung ist auf dem Gesetzeswege gar nicht möglich, da die tragbare Wilddichte nicht landes- oder gar bundeseinheitlich ist, sondern von den ökologischen Verhältnissen abhängt und von Revier zu Revier schwankt. Dem wird dadurch Rechnung getragen, dass für jedes Revier ein individueller Abschussplan aufgestellt wird, an dem nicht nur die jeweiligen Jäger, sondern auch die Land- und Forstwirte mitwirken. Die Besitzer und Leiter land- und forstwirtschaftlicher Betriebe haben also bereits ein effizientes Werkzeug in der Hand um gegensteuern zu können, wenn sie der Ansicht sind, dass ein zu hoher Wildstand auf ihrem Grund und Boden unverhältnismäßig hohe Schäden verursacht.

 Ein weiterer beliebter Punkt der Jagdkritiker ist die Forderung nach Einstellung der Jagd auf Wildarten, die selten geworden oder sogar gefährdet sind. Dazu sollen diese Arten aus dem Jagdrecht herausgenommen und dem Naturschutzrecht unterstellt werden. Auch diese Forderung ist schlicht und ergreifend Blödsinn. Dass eine Tierart als Wild im Jagdgesetz aufgeführt wird, bedeutet noch lange nicht, dass sie auch tatsächlich gejagt werden darf. Die Jagd- und Schonzeiten der einzelnen Wildarten sind flexibel und können daher den jeweils aktuellen Verhältnissen angepasst werden, was von jagdfeindlichen Politikern auch schon mal missbraucht wird: Zum Beispiel wurde die Jagdzeit der absolut nicht gefährdeten Ringeltaube auf den Zeitraum zusammengekürzt, in dem sie als Zugvogel in den meisten deutschen Revieren gar nicht anzutreffen ist. Als Begründung dafür wurde die europäische Vogelschutzrichtlinie vorgeschoben, die jedoch kaum wirklich verbindlich sein kann, denn in England wird die Ringeltaube weiterhin scharf bejagt, da sie erheblichen Schaden in Gartenbaubetrieben anrichtet.

 Fakt ist aber, dass die Streichung der Jagdzeit einer Wildart bei ihrem Zurückgang gesetzgeberisch sehr viel einfacher ist, als die Überführung in das Naturschutzgesetz - und natürlich auch die Wiedereinführung der Jagdzeit, wenn die Wildart sich erholt hat. In der Regel ist dies aber noch nicht einmal nötig, denn selten gewordene Wildarten werden von der Mehrheit der Jäger sowieso nicht bejagt sondern lieber gehegt, da sich die meisten Jäger nicht nur am Erlegen des Wildes erfreuen, sondern auch daran bestimmte Wildarten – vor allem seltene – zu "haben". So wird das Rebhuhn in den meisten Revieren, in denen es noch gelegentlich vorkommt, freiwillig geschont und auch beim Feldhasen hält man sich sehr zurück und schießt allenfalls dann und wann einen Küchenhasen.

 Schlussendlich erlegt die Tatsache, dass eine Tierart als Wild im Jagdgesetz steht, auch ohne dass sie eine Jagdzeit hat, dem Jäger eine Hegeverpflichtung auf, der er um sie lieber nachkommt, als ja Hoffnung besteht, dass es wieder einmal eine Jagdzeit für die betreffende Art geben wird, wenn die Bemühungen um sie erfolgreich sind.

 Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Jagdkritik Bode-Emmer'scher Observanz letztlich nicht einer wie auch immer gearteten Reform der Jagd dient, sondern deren Abschaffung. Soweit Jagdgegner mit Jagdkritikern zusammen arbeiten, tun sie dies nur, um eine Einschränkung der Jagd als ersten Teilerfolg zu erreichen. Im Endeffekt wollen die Jagdgegner natürlich auch noch den Öko-Jägern das Jagen verbieten. Die darunter befindlichen Förster dürfen dann, anstatt zu jagen, die Schalenwildbestände regulieren, indem sie dem Wild Antybabypillen verabreichen, wie von Jagdgegnern bereits allen Ernstes gefordert wurde.

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3. Juni 2009 3 03 /06 /Juni /2009 09:40

Heute gibt es mal wieder eine Jagdgeschichte. Es ist zwar eine erfundene Handlung, aber eine Nachsuche läuft in der Tat etwa so ab, wie ich es beschreiben habe. Insofern ist die Story also nicht nur unterhaltsam, sondern auch informativ.

Ein später Anruf 

„Bergmann...“

Manfred lehnte sich zurück und grinste. Er dachte sich schon, was jetzt kommen würde. Es gab nicht viele Gründe, ihn um Dreiviertel Zwölf in der Nacht anzurufen: Er war weder Arzt noch Pfarrer – aber Jagdpächter. „Manfred?“

„Ja...“ „Sven hier.. Hmmmm.... äh....“

„Lass mich raten: Du hast auf eine Sau geschossen?“

„Ja, äh....“

„Lass mich weiter raten: Sie ist mit der Kugel abgegangen?“

Pause. Dann: „Äh... Hmmmm... ja, genau. Mit der Kugel abgegangen... ist sie. Woher weißt Du das schon wieder?“

  Manfred lachte gutmütig: „Es gibt nicht viele Gründe, mich um diese Zeit anzurufen. Nachdem ich weiß, dass Du heute auf Sauen draußen hockst und nicht gerade begeistert klingst, gab es nicht kaum etwas anderes, wegen dem Du mich hättest anrufen können.“

„Schöner Scheiß....“

„Naja, jetzt beruhige Dich mal. Du bist nicht der erste, dem mal ein Schlumpschuss passiert und Du wirst auch ganz gewiss nicht der letzte sein.“

Familienleben bei Familie Sau

Manfred Bergmann grinste innerlich von einem Ohr zum anderen. Sven Hemmler, der niemals fehlschoss, seines Zeichens Jungjäger – im „Zivilberuf“ Werkzeugmachermeister, daher Präzisionsmensch und Perfektionist. Selten einmal landeten seine Kugeln auf dem Schießstand außerhalb der Zehn. Aber Schießen im Revier ist eben anders als auf dem Schießstand.

  Nicht dass Sven im Revier grundsätzlich daneben schoss: Bislang hatte er saubere Schüsse auf Fuchs, Frischling und schwaches Rehwild abgegeben. Auch konnten sich seine Trefferprozente bei der Jagd mit der Schrotflinte durchaus sehen lassen Sven war daher schon dabei gewesen, ein wenig hochmütig zu werden. Jetzt hatte ihn offensichtlich doch einmal das Jagdfieber gepackt, geschüttelt und ihm seine Grenzen gezeigt. Deswegen war Manfred in gewisser Weise auch erleichtert – er wollte gute, waidgerechte Jäger in seinem Revier, aber keine lebenden Denkmäler.

„Was für ein Stück war es denn?“

„Eine Überläuferbache, die zweitgrößte aus der Rotte.“

„Wie meinst Du, bist Du abgekommen?“

„Naja, sie stand gut und ich hab gewartet, bis sie mir Gelegenheit gab, einen sauberen Blattschuss anzutragen. Aber offensichtlich ist das ja wohl vorbeigelungen...“

Manfred wusste, dass Sven „durchs Feuer sehen“ konnte, also das Zielauge auch offen ließ, wenn der Schuss brach. Sven konnte wirklich gut schießen, er hatte keine Angst vor der Büchse, muckte nicht. Aber bei starker Dämmerung und im Dunkeln sieht man beim Schuss auch mit offenen Augen nichts, da der Feuerball an der Mündung alles überstrahlt, was in dem Sekundenbruchteil nach dem die Kugel aus dem Lauf ist zu sehen wäre.

„Hat sie geklagt?“

„Nein.“

„Hm, dann hast Du sie entweder noch in der Kammer erwischt oder weich. Bei einem Knochentreffer, einem Leber- oder Nierenschuss hätte sie geklagt. „Am Anschuss warst Du nicht?“

„Nein natürlich nicht. Ich weiß doch ganz genau, dass es an der Kirrung war. Da brauche ich doch nicht im Dunkeln die Pirschzeichen zu vertrampeln.“

„Sehr schön. Du hast was gedacht bei der Arbeit.“

Sven atmete hörbar auf. „Was machen wir den jetzt?“

„Ganz einfach: Wir suchen die Sau morgen früh nach.“

„Ja, natürlich...“

„Ich läute den Werner an, Revierförster Seidel, und mache mit ihm einen Termin für morgen früh aus. Anschließend rufe ich Dich zurück und sage Dir wann und wo wir uns treffen“

Schwarzwildschaden im Mais

Manfred war sich zwar ziemlich sicher, dass Frieda, seine bewährte Deutsch Drahthaarhündin, die Sau auch finden würde. Aber zum einen hatte sie diese Woche bereits zwei Nachsuchen geleistet, beide nicht ganz einfach. Nachsuchen auf der roten Fährte sind sehr anstrengend für einen Hund, da hatte sich die gute, alte Frieda mal ein wenig Ruhe verdient.

Außerdem war es für Manfred Ehrensache, seinen Jungjägern möglichst viel zu zeigen und beizubringen. Dies war eine schöne Gelegenheit, einmal zu sehen, wie ein Nachsuchen-Profi mit einem echten Schweißhund arbeitet. Werner hatte auch darum gebeten, ihn hin und wieder zu berücksichtigen, wenn eine Nachsuche anstand. In seinem Forstrevier hatte Selma, die bayrische Gebirgsschweißhündin, derzeit nicht allzuviel Arbeit: Der Förster hatte sich eine Gruppe von gut schießenden Mitjägern herangezogen, so dass relativ selten einmal etwas danebenging.

Manfred ging Richtung Küche um sich ein Bier zu holen. Sein Frau Gudrun streckte den Kopf aus der Schlafzimmertür.

„Wer war denn das so spät noch?“

„Sven, er hat eine Sau angeflickt.“

Manfred kniff Gudrun in die Backe und drückte ihr einen Kuss auf.

„Knackig siehst Du übrigens aus in dem kurzen Hemdchen....“

Gudrun tat verlegen: „Ach, dass sagst Du doch bloß wieder weil... Naja, Du musst da doch sicher wieder früh raus, diese angebleite Sau nachsuchen?“

Gudrun grinste jetzt spitzbübisch und Manfred fiel plötzlich auf, dass er eigentlich gar keine Lust mehr auf ein Bier hatte.

„Oh, ja! Schrecklich früh! Und deswegen muss ich jetzt auch furchtbar schnell zu Dir in´s Bettchen... Ich ruf nur noch kurz den Werner an, der soll nämlich mit seiner Selma morgen nachsuchen; Frieda hat dieses Woche schon genug geleistet.“

Gudrun verschwand kichernd im Schlafzimmer während Werner fix – oder besser gesagt: in verdächtiger Eile - noch einmal zum Telefon ging und ein bemerkenswert kurzes Gespräch mit seinem Freund Werner Seidel, dem Revierförster führte, mit dem er sonst bekannterweise stundenlang quatschen konnte und ein noch kürzeres mit Sven, dem er nur knapp mitteilte, wann und wo man sich am nächsten Morgen treffen wollte.

Am anderen Morgen

Natürlich musste Manfred nicht sooo früh aus den Federn, wie er offensichtlich hinein gemusst hatte. Das Jahr war bereits soweit fortgeschritten, dass es nicht mehr schon mitten in der Nacht hell wurde und vor Tag sucht man keine Sau nach. Besser sei es sogar – so sagen zumindest manche - wenn man wartet, bis die Sonne den Tau getrocknet hat.

Daher war es bereits schon eine Weile heller Tag, als Manfred in seinem alten Mercedes G ins Revier gerattert kam. Die Sonne verjagte die Frühnebel und verhieß einen jener goldenen Oktobertage, die er schon in seiner Kindheit geliebt hatte.

Ein aufgedockter Schweißriemen

Wenn der Wald bei uns auch nicht buchstäblich flammt wie in Kanada, da das Laub der bei uns herrschenden Buchen sich lediglich braun und nicht in allerhand Rot- und Gelbtönen färbt, gibt es in unserem Herbst auch viele Farbtupfer: Das Gelb der Birken und des Ahorns, einige Spritzer Rot, das Grün der Eschen. Und wenn die Sonne scheint, bekommen selbst die Buchen einen goldenen Schimmer, auch wenn ihr Laub im grauen Licht nebliger Herbsttage nur ein langweiliges, tristes Braun zeigt.

Sven stand am vereinbarten Treffpunkt neben seinem wie immer auf Hochglanz gewienerten Suzuki Samurai. Obwohl er sich alle Mühe gab, die gleichmütige Miene eines alten Waidmannes sehen zu lassen, fiel Werner auf, dass er ziemlich nervös war: Er trat nämlich unbehaglich von einem Fuß auf den anderen.

„Na, Du Held, dann wollen wir also gleich mal beibügeln, was Du heute Nacht versiebt hast.“

Als Sven schuldbewußt zusammenknickte, haute ihm Werner jovial auf Schulter: „Na komm, lass die Flügel mal nicht so hängen! Wer den Schaden hat, spottet bekanntlich jeder Beschreibung – äh, braucht für den Spott nicht zu sorgen. Ich hab Dir doch schon heute Nacht am Telefon gesagt, dass so etwas jedem passieren kann... Ach, schau mal, da kommt ja schon der Herr Forstrat!“

Ein alter Landrover kam um die Ecke einer Dickung und den Waldweg herauf und hielt bei den beiden. Heraus kletterte nicht etwa ein in Ehren ergrauter Förster vom Silberwald, sondern ein recht junger Bursche mit einem blonden Pferdeschwanz und mehreren Ringen im linken Ohrläppchen. Hinten im Landrover tobten eine zierliche Bayrische Gebirgsschweißhündin und ein struppiger Deutscher Jagdterrier, weil sie Frieda gesehen hatten.

„Hopps, raus mit Euch!“ rief der Pferdeschwanz-Förster und öffnete die Hecktür des Lanrovers, während Manfred seine Frieda schnallte. Augenblicklich fingen die drei Hunde an, miteinander über die Waldwiese zu toben.

„Sven, das ist Herr Revierförster Werner Seidel“, sagte Manfred mit einem vielsagenden Grinsen.

„Lass doch endlich mal den Revierförster in Ruhe“, lachte Seidel, boxte Manfred kräftig gegen den Oberarm und streckte dann Sven die Hand hin. „Unter Waidgenossen bin ich der Werner!“

„Freut mich, ich bin der Sven!“ Seine Laune besserte sich bereits, als er die Hand des Försters schüttelte.

  „Erst lassen wir die Hunde sich mal auslaufen. Besser als die das selbst erledigen, können wir sie auch nicht bewegen. Derweil können wir schon mal darüber reden, was uns auf der Fährte erwartet. Hast Du den Anschuss bereits gefunden und verbrochen?“

„Ja und Nein. Es war an der Kirrung, daher bin ich gar nicht erst dort rumgetrampelt und ein Bruch war auch nicht erforderlich.“

„Das ist schon mal gut! Was war es denn für ein Stück?“

„Die größte aus der Rotte nach der Leitbache.“

„Nicht die kleinste? Ah ja, verstehe: Manfred setzt auf Reduktion. Das sollten wir auch tun. Die bei uns angrenzenden Feldjagdpächter und die Bauern sind schon ganz schön stinkig wegen des Wildschadens, aber mein Chef hängt so an seinem Schwarzwildbestand. Damit die wichtigen Gäste bei den Staatsjagden auch immer schön was vor die Büchse bekommen, meint er.“

Förster und Sauen

In den Forstrevieren ist das Schwarzwild gar nicht so schlecht angesehen: Es hat dort kaum Möglichkeiten, wirtschaftlichen Schaden anzurichten, lockert aber durch sein Brechen nach Mast den Boden auf. Deswegen sind Förster und Waldjagdpächter immer in der Versuchung starke Bestände heranzuhegen um viel Wild für die Jagd zu haben.

Problematisch ist aber dennoch, dass Sauen als Allesfresser auch die Gelege von Bodenbrütern nehmen und dass zu hohe Bestände durch Seuchen gefährdet sind, namentlich durch Schweinepest. Bricht die einmal aus, wird es traurig: Möglichst der gesamte Bestand muss dann abgeschossen werden, wobei man das Wildbret nicht verwerten kann. Das Lebensmittelrecht verbietet die Verwertung von kranken Tieren, daher müssen solche kostspielig und/oder arbeitsaufwendig entsorgt werden.

Der Hund wartet abgelegt, während der Nachsuchenführer den Anschuss untersucht

Richtig problematisch wird es auch, wenn das im Wald herangehegte Schwarzwild in angrenzenden Feldrevieren zu Schaden geht. De facto wird dieser Schaden ja von den Inhabern der Waldreviere erzeugt. Es gibt jedoch keine juristische Handhabe, nach welchem sie direkt haftbar gemacht werden können; allerdings verlangt das Jagdgesetz, dass die Wildbestände keinen übermäßigen Schaden anrichten, ordnungsgemäße Land- und Forstwirtschaft erlauben sowie der sogenannten Landeskultur entsprechen sollen. Verheerte Felder sind jedoch das Gegenteil von Landeskultur und ordnungsgemäßer Landwirtschaft.

Daher ist ein Dialog zwischen Waldjägern, Förstern, Bauern und Feldjägern notwendig geworden und in letzter Zeit auch stellenweise schon in Gang gekommen. Teilweise muss man dabei auch mit liebgewonnenen Gewohnheiten brechen. Schon lange ist es erlaubt, auf Schwarzwild, anders als auf anderes Schalenwild, auch bei Nacht zu schießen. Und auch mit der alten Jägerregel, bei Hegeabschüssen von weiblichem Wild immer das schwächste Stück zu nehmen, wird teilweise gebrochen: Nur wenn man starke Frischlings- und Überläuferbachen schießt, nimmt man die Zuwachsträger aus dem Bestand und bremst damit die Vermehrung.

Werner stellt noch ein paar Fragen mehr zum Hergang des danebengelungenen Abschusses, wobei Manfred Sven hilft, diese zu beantworten, wo das nötig ist. Der Nachsuchenleiter muss genau wissen, was vor sich gegangen ist. Er untersteht sogar einer gewissen Schweigepflicht, hat über Mängel an der Weidgerechtigkeit und kleine Gesetzesverstöße hinwegzusehen.

Dies ist weise eingerichtet, denn wer wird einen revierfremden Nachsuchenführer hinzuziehen, wenn er rechnen muss, dass dieser ihm einen Strick aus den Details der Schussabgabe dreht? Da ließe der Sünder dann das angeflickte Stück lieber elend verenden, als es durch eine kompetente Nachsuche schnell von seinen Leiden – aber gleichzeitig womöglich sich selbst von seinem Jagdschein - zu erlösen.

Es geht los

Mittlerweile haben Werner und Manfred die Hunde wieder zurückgerufen und angeleint. Werner holt sein Handwerkszeug aus dem alten Landrover: Rucksack, Schweißhalsung nebst Schweißriemen, ein Päckchen Watte und einen kurzläufigen russischen Karabiner. Wer wird in Unterholz und Dickungen, beim Marsch über Stock und Stein und gar bei möglichen Stürzen eine wertvolle Jagdwaffe mit hochwertiger Optik in Gefahr bringen? Der kurze Karabiner ist handlich unter beengten Verhältnissen, robust, funktionssicher und in jedem gut sortierten Waffenladen für wenig Geld zu haben.

Gegenüber dem ebenfalls beliebten Revolver hat er noch den Vorteil, dass man sich mit ihm auch notdürftig eine Sau vom Leibe halten kann, wenn aus irgendeinem Grunde nicht geschossen werden kann. Werner setzt sich den Plesshut mit dem Saubart auf, das einzige Teil der offiziellen forstlichen Uniform, dass er trägt. Statt dem Rest der Dienstkleidung trägt er, wie viele „zivile“ Jäger auch, eine Bundeswehrhose, ein grünes T-Shirt und eine Fleece-Jacke. Seine Füße stecken in derben Bergschuhen.

Während sich der Förster noch nach weiteren Einzelheiten erkundigt, gehen die drei mit den angeleinten Hunden die paar Hundert Gänge zum Anschuss. Kurz vorher legt Werner Selma die Schweißhündin und Rudi den Terrier ab. Manfred behält seine Frieda an der Leine und bleibt mit Sven ebenfalls stehen, während Werner zum Anschuss geht.

Dort sieht sich der Förster zunächst um, geht dann hinunter und untersucht den Boden, ab und zu etwas murmelnd. Schließlich steht er auf, haut mit seinem Jagdmesser zwei Brüche von einer nahebei stehenden Jungfichte und legt sie zum Fährtenbruch aus: „Dorthin sollte unser Patient geflüchtet sein – ich bin gespannt, ob Selma auch dieser Ansicht ist.“

Nachdenklich kehrt er zu den anderen zurück. „Wie es aussieht, hast Du Dein Stück weidwund erwischt, ziemlich tief. Schweiß und Schnitthaar weisen darauf hin. Das kann eine eklige Nachsuche werden.“

  Sven guckt schuldbewusst zu Boden. „Na, Kopf hoch! So was kommt halt mal vor. Wenn ich jetzt mit dem Hund der Fährte nachhänge, machst Du etwa alle zehn Meter einen Wattebausch an einen Baumstamm oder etwas ähnliches. Hau Dir mit Deinem Jagdmesser auch Stücker zehn, fünfzehn Brüche, damit wir verbrechen können, wenn Selma uns etwas verweist. Außerdem nimmst Du jetzt Rudi an die Leine und schnallst ihn, wenn ich es Dir sage.“

Rudi ist sozusagen Selmas Bodyguard. Werner hat sich das von einem bekannten norddeutschen Rüdemann abgesehen. Die Nachsuche auf Schwarzwild ist gefährlich und der flinke, aggressive Terrier kann im Notfall ein Stück ablenken, welches den Schweißhund annimmt und dem Hundeführer die Zeit gewinnen, die er benötigt, den Fangschuss anzubringen oder das Stück mit der kalten Waffe abzufangen.

Jetzt geht Werner zu Selma, die ihn schon erwartungsvoll ansieht und mit ihrer Rute auf den Boden klopft. Werner lacht. „Ja, meine Gute, Du weißt schon, dass es Arbeit gibt.“ Der Hund leckt begeistert seine Hand.

„Ja, ja, meine Alte, ich weiß, Du kannst es kaum erwarten – noch einen kleinen Moment Geduld....“

Werner öffnet den aufgedockten Schweißriemen, wirft ihn aus. Dann ersetzt er Selmas normale Halsung durch die Schweißhalsung, führt sie zum Anschuss und legt sie zur Fährte. Selma bewindet zunächst den Anschuss. Stutzt, scheint einen winzigen Moment unschlüssig und beginnt dann in die Richtung zu arbeiten, die Werner verbrochen hat. Der nickt befriedigt und hängt dem Hund am Schweißriemen nach.

Auf der roten Fährte

Wäre Selma in eine andere Richtung gegangen, folgte ihr Werner genauso widerspruchslos wie er das jetzt tut: „Der Hund hat immer recht“, erklärt Manfred seinem Jungjäger, „seine Sinne sind feiner als unsere.“

Los geht es jetzt, über die Windbruchfläche, an deren Rand sich Hochsitz und Kirrung befinden. In einigem Abstand folgen die Jäger dem Hundeführer, der Sven bereits bedeutet hat, Rudi zu schnallen. Lustig tollt der kleine Kerl neben seiner großen Freundin her, wohl wissend, dass diese jetzt eine schwierige Arbeit ausführt und er sie dabei nicht stören darf.

Immer wieder heftet Sven einen kleinen Wattebausch an die Rinde eines Baumstrunks oder eines daliegenden Baumstammes. Falls der Hund die Fährte irgendwo verlieren sollte, kann man ihn so auf dem bereits bekannten Teil wieder ansetzen.

Sauber buchstabiert Selma die Fährte aus, die meiste Zeit scheint sie einem dicken roten Strich auf dem Boden zu folgen, der ihr – aber nur ihr – genau sagt, wo die Sau entlang gezogen ist. Ab und zu scheint sie unschlüssig, windet, schlägt einen Bogen zurück zum bereits gearbeiteten Teil der Fährte um einen neuen Anlauf zu nehmen.

Damit sie die nötige Freiheit für diese Bewegungen hat, ist der Schweißriemen wesentlich länger als eine normale Hundeleine, zehn oder zwölf Meter misst er. Wo die Fährte für sie gut wahrnehmbar ist, stürmt Selma geradezu voran und zerrt mächtig am Riemen. Auf der Schweißfährte darf der Hund das, aus diesem Grunde ist die Schweißhalsung extra breit ausgeführt, so breit, dass sie den Hund nicht würgt.

Ein paar mal verweist Selma Schweiß, den Sven jeweils mit einem der mitgebrachten Brüche verbricht. Jetzt gibt Selma richtig Laut. Ein Wundbett! Am niedergedrückten Bewuchs wird es erkannt. Der Förster untersucht es und findet auch hier etwas Schweiß. Weiter geht es. Längst haben sie den Windbruch hinter sich gelassen und hängen jetzt durch ein lichtes Altholz der Fährte nach.

Immer mal wieder ein Tropfen Schweiß, der von Selma verwiesen und von Sven verbrochen wird. Stellenweise sind die Trittsiegel der Sau sogar zu sehen. Diese Stellen untersucht Werner genauer und kommt zu dem Eindruck, dass die Sau nicht mehr weit sein kann: „Sie schleppt sich nur noch dahin, ich denke mal, dass sie sehr krank ist.“ Jetzt wird das Unterholz dichter. Hat sich die Sau etwa hier irgendwo gesteckt? Nein – offenbar nicht, die Fährte geht weiter.

Das hätte dumm ausgehen können

Jetzt einen kleinen Abhang hinauf und über die Kante aus dem Altholz hinaus in eine der mittlerweile stark bewachsenen Windbruchflächen, die vom Orkan Wiebke aus dem 91er Jahr herrühren. Auf einmal prescht Rudi vor und gibt Standlaut. Da liegt die Sau unter einem Busch!

„Halt, warte!“ ruft Werner, als Sven zu seiner Beute eilt, sich zu ihr beugen will. Doch in diesem Moment wird die Sau hoch, will Sven annehmen. Der prallt entsetzt zurück als das Gebrech der Bache mit der Kraft von Kiefermuskeln zuschnappt, um die sie jeder Rottweiler beneiden würde. Sven strauchelt rückwärts, setzt sich auf den Hintern.

Der Terrier fährt der Sau mit giftigem Hals an den Teller. Mit zwei, drei langen Sprüngen ist Manfred heran, reitet auf der Sau und senkt ihr die kalte Waffe zwischen die Rippen. Einen Moment bleibt er noch auf der Sau sitzen, überzeugt sich, dass sie nun wirklich verendet ist. Dann steht er auf, holt tief Luft, klopft sich Grashalme und Laub ab.

Zu dem immer noch am Boden sitzenden Sven sagt er: „Du bist mir ein schöner Idiot! Und...“, er muss kichern, „genauso siehst Du auch aus!“ Jetzt prustet auch der Förster los, in einem wilden Gelächter der beiden Männer löst sich die Spannung der vergangenen Stunde und die Aufregung der letzten Sekunden dieser Nachsuche.

Sven guckt zuerst betreten und muss dann auch lachen. Manfred hilft ihm auf die Beine und Werner, der als Hundeführer bei der Nachsuche der Jagdleiter ist, holt einen Fichtenbruch und überreicht ihn dem Jungjäger. Der bricht ein Stück davon ab und steckt es Selma an die Halsung.

Nach kurzem Überlegen bricht er ein weiteres für Rudi ab: „Wenn auch die Brauchtumsvorschriften nichts über Brüche für Bodyguards von Schweißhunden aussagen – ich denke mal, er hat ihn sich verdient!“

Während Werner die Hunde abliebelt und mit Leckerchen verwöhnt, befestigt Sven den Rest des Bruches an seinem Hut. Unterdessen hat Manfred aus seinem Rucksack die berühmt-berüchtige Edelstahlflasche mit dem starken Feuerwasser hervorpraktiziert und lässt sie herumgehen. Sie enthält einen rabiaten Slibovitz, denn er von einem jugoslawischen Freund bekommt und von dem man sich erzählt, er würde jedes andere Behältnis als eben Werners Edelstahlflasche gnadenlos zerfressen.

Anschließend holt Sven noch zwei Brüche. Er dreht die Bache auf die rechte Seite, legt ihr den einen Fichtenzweig als Inbesitznahmebruch mit der gewachsenen Spitze nach vorn aufs Herz und klemmt ihr den anderen als letzten Bissen in das Gebrech. Dann nimmt er den Hut ab und setzt sich neben seine Beute.

Strafe muss sein!

„Wenn Du mit Deiner Totenwache fertig bist“, grinst Manfred und wirft ihm den Schlüssel zu, „dann latschst Du zurück und holst mein Auto. Strafe muss schließlich sein.“

Er kneift grinsend das eine Auge zu und wirft sich dann neben dem Förster ins Gras, der sich dort mittlerweile gelagert hat und ein Zigarettchen schmökt. Als Sven mit dem Auto zurück ist, muss er noch die Sau aufbrechen. Eigenhändig, das ist Ehrensache!

Manfred hilft ein wenig, zeigt ihm, wie er die Sau an einen Baum hängt und mit Brüchen gegen die Fliegen verblendet. Werner zaubert aus seinem Rucksack Brot, Speck, Pfefferoni und Wurst hervor –sowie einige Zehen „Jägervanille“, wie man auch scherzhaft zu Knoblauch sagt. In Manfreds Wagen findet sich wunderbarerweise auch eine Kühlbox mit Bier.

Eine Weilchen schmausen die drei Männer noch am Rande des Windbruchs in der goldenen Oktobersonne, blinzeln in die verschwenderische Farbenpracht des Herbsttages, sind einfach glücklich darüber, dass sie auf der Welt und jetzt gerade hier sein dürfen, Waidmannsheil hatten und keine Frauen sie anöden, weil sie einen Haufen Knoblauch gegessen haben. Dann laden Sie ihre Jagdbeute in den Geländewagen und rumpeln gemächlich über die Licht- und Schattenspiele des stillen Waldweges davon.

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23. Mai 2009 6 23 /05 /Mai /2009 15:03

Im fünften und letzten Teil meiner Artikelserie über Jagdwaffen geht es um ein zuweilen recht kostspieliges Thema: Visiereinrichtungen. Wie bei der Frage des "richtigen" Kalibers kann es hier unter Jägern heiße Diskussionen geben, zumindest um die Frage, welche Zielfernrohr-Marke die bessere sei - Swarowski oder Zeiss - worüber es ja auch einen bekannten Witz gibt.

Die anderen Artikel aus dieser Reihe gibt es übrigens hier:

Jagdwaffen I
Jagdwaffen II
Jagdwaffen  III
Jagdwaffen IV

Visiereinrichtungen

 Mit einer Waffe zu schießen ist eine Sache, damit auch ein Ziel zu treffen, eine andere. Um zu treffen, muss man die Waffe auf das Ziel richten. Dabei hilft die Visierung. Im Prinzip sorgt die Visierung dafür, dass der Schütze seinen Blick entlang der Schusslinie auf das Ziel und so auch die Flugbahn des Geschosses auf dieses richten kann.
 Visierungen sind also optische Hilfsmittel um den Lauf der Waffe auf das Ziel zu richten. Wie aber wird dies nun in der Praxis bewerkstelligt?

Drei Punkte lassen sich auf eine Gerade legen indem man sie optisch zur Deckung bringt

 Visieren im weitesten Sinne bedeutet, dass man eine Gerade durch drei Punkte legt indem man sie optisch zur Deckung bringt. Ein Vermesser z.B. verlängert eine Linie, in dem er auf ihr zwei Punkte mit Fluchtstäben markiert und dann seinen Gehilfen mit dem dritten einweist.

Dreidimensionales Visieren

 Beim Vermessen wird der dritte Punkt bewegt, um alle drei Punkte auf eine Linie zu bringen. Diese Lösung bringt beim Schießen nicht viel, denn das Wild wird sich vom Jäger wohl kaum dazu überreden lassen, eine geeignete Position in der verlängerten Laufachse seines Gewehres einzunehmen.

 Allerdings ist das nicht weiter schlimm, denn das Verfahren funktioniert auch umgekehrt: Wenn der dritte Punkt vorgegeben ist bewegt man die beiden anderen, also die bekannte Linie, um alle drei in optische Deckung und damit auf eine Gerade zu bringen.

 Beim Zielen bewegt man den Gewehrlauf und damit zwei Punkte, welche die Richtung der Schusslinie markieren und genau zu diesem Zweck auf der Waffe angebracht sind. Um dem Beispiel mit den Fluchtstäben zu folgen, könnte man nun beispielsweise auf dem Lauf der Waffe zwei Stifte anbringen, die man miteinander und mit dem Ziel optisch zur Deckung bringt. Damit hätte man aber erst das halbe Problem gelöst: Der Vermesser mit seinen drei Fluchtstäben arbeitet auf der Erdoberfläche und durch diese ist die Höhenlage der Punkte, die er mit seinen Stäben markiert bereits vorgegeben. Er muss sich bei dem Geschäft mit den Flucht stäben also nur um den Richtungswinkel kümmern, der Höhenwinkel ist ihm zunächst einmal egal.

 Dem Jäger ist dieser Höhenwinkel allerdings nicht egal. Es nützt ja schließlich noch gar nichts, wenn die Kugel zwar in die richtige Richtung abgefeuert wird, dann jedoch das Ziel über- oder unterfliegt.

 

Auch beim Zielen mit einer Waffe bringt man drei Punkte optisch zur Deckung und damit auf eine Gerade

 

 Deswegen muss das Ausrichten des Laufes beim Zielen nicht nur das Einstellen des Richtungswinkels umfassen, sondern auch das des Höhenwinkels. Die Markierungen der Visierung auf der Waffe müssen also derart beschaffen sein, dass man sie nicht nur in der Waagerechten, sondern auch in der Senkrechten zur Deckung bringen kann.

Kimme und Korn

 Die eine Möglichkeit, wie man diese Aufgabe lösen kann, besteht darin, dass man die Waffe mit einer Kimme und einem Korn versieht. Die Kimme ist im wesentlichen eine Aussparung, und das Korn eine kleine Kontur, die man in dieser Aussparung sehen sollte wenn man ein Ziel anvisiert.

 Steht das Korn für das Auge des Schützen einerseits in der Mitte der Kimme und andererseits vor dem Ziel, stimmt schon einmal der Richtungswinkel. Sind beide oben bündig, befinden sich ihre Oberkanten also auf der gleichen Höhe, dann stimmt auch der Höhenwinkel und man kann schießen. Kimme und Korn können in der Praxis unterschiedlich ausgeführt sein. Die Kimme kann eine rechteckige, V-förmige, oder halbrunde Aussparung sein, das Korn z.B. ein rechteckiger Kloben (sogenanntes Balkenkorn), eine kleine Spitze oder eine Kugel (Perlkorn).

 Am Prinzip ändert das aber nichts: Das Korn muss in der Mitte der Kimme zu sehen sein und beide müssen oben bündig abschließen. Dann trifft man - sofern die Waffe richtig schießt und man sie nicht beim Abdrücken verreißt.

Diopter

 Die andere technische Möglichkeit, den Waffenlauf mit Hilfe zweier Punkte auszurichten, ist der Diopter. Er besteht aus einer Lochblende anstelle der Kimme und einem kleinen Ring anstelle des Korns. Schaut man durch den Diopter, dann sieht man den kleinen Ring durch die Lochblende. Schaut man so durch den Diopter, dass man die Kreise konzentrisch sieht und richtet man die Waffe so aus, dass sich das Ziel im gemeinsamen Mittelpunkt der beiden konzentrischen Kreise befindet, dann trifft man das Ziel wenn man abdrückt.

Parallalen, Parabeln und Probleme

 Soweit nun die Theorie, in der Praxis wird es etwas problematischer: Zum einen fällt die Visierlinienicht mit der Laufachse zusammen, da man ja beim Zielen nicht durch den Lauf sieht. Die Visierung ist oben auf dem Lauf befestigt und daher liegt die Visierlinie ein klein wenig über der Linie, entlang derer die Kugel aus dem Lauf geflogen kommt. Man visiert also au einer Parallelen zur Geschossflugbahn.

Das Problem beim Zielen besteht darin, dass die Visierlinie zwar eine Gerade ist, die Geschossbahn aber eine Wurfparabel darstellt.

 

 Das wäre nun nicht so schlimm, denn wenn die Flugbahn des Geschosses eine Gerade wäre, dann hätte man mit ihr und der Visierlinie zwei Parallele, deren Abstand kaum 20 mm betrüge und sich definitionsgemäß bis ins Unendliche nicht ändern würde. Man würde also lediglich unabhängig von der Schussdistanz ein klein wenig tiefer treffen als man gezielt hat, und zwar genauso viel wie die Visierlinie über der Laufachse liegt. Damit könnte man leben.

 Das zweite, wesentlich schwerwiegendere Problem ist, dass die Flugbahn des Geschosses eben keine Gerade ist, sonder eine Parabel, genauer gesagt eine Wurfparabel. Das Schießen mit einer Waffe ist nämlich physikalisch gesehen nichts anderes als ein waagerechter bzw. schräger Wurf. Während die Kugel nach dem Beharrungsgesetz die lineare Bewegung weiter ausführt, die ihr von der Waffe mitgegeben wurde, fällt sie unabhängig davon nach dem Gravitationsgesetz gleichzeitig nach unten. Beide Bewegungen überlagern sich.

 Da die Bewegung nach unten immer schneller wird, hat die tatsächliche Flugbahn des Geschosses die Form einer Parabel, das heißt, sie zeigt immer steiler nach unten je weiter das Geschoss schon geflogen ist. Würde man nun tatsächlich parallel zur Laufachse visieren, würde man das Ziel unterschießen. Aus diesem Grunde ist die Visierung so ausgerichtet, dass die Laufachse ein klein wenig nach oben weist, wenn die Visierlinie waagerecht liegt. Die Geschossflugbahn steigt also zunächst an und schneidet kurz vor der Mündung die Visierlinie zum ersten Mal. Irgendwann fängt die Flugbahn dann an zu fallen und schneidet die Visierlinie zum zweiten Mal.

Die Klappvisiere an alten Karabinern (Hier das von einem sowjetischen Mosin-Nagant) sollten das Schießen auf verschiedene, große Entfernungen ermöglichen

 Eine Waffe trifft also nur auf zwei Etnfernungen wirklich genau - der Fachmann sagt dazu, sie "schießt Fleck" - nämlich auf die beiden Entfernungen, bei denen die Geschossflugbahn die Visierlinie schneidet. Vor dem ersten und hinter dem zweiten Schnittpunkt schießt sie zu tief, dazwischen zu hoch. Im Grunde müsste man also die Entfernung zum Ziel kennen, damit man die Visierung entsprechend einstellen kann. Und zwar wird das umso wichtiger, je weiter man schießt, denn je weiter die Kugel auf der Parabel geflogen ist, um so steiler zeigt diese nach unten.

Klappvisiere

 Tatsächlich gibt es an Militärkarabinern sogenannte Klappvisiere. Die Kimme ist hierbei an einer Art Klappe befestigt. Unter dieser Klappe befindet sich ein Schieber, der diese immer mehr anhebt, je weiter man ihn nach vorne schiebt. Wenn die Kimme nach oben geht, muss der Schütze den Lauf vorne auch anheben um Kimme und Korn wieder zur Deckung zu bringen und sorgt so für die passende "Rohrüberhöhung" zur eingestellten Entfernung. Der Schieber wird nach einer Skala auf der Visierung eingestellt, welche die Entfernung zum Ziel in Metern angibt.

 Bei großen Entfernungen benötigt man tatsächlich auch eine solche "Rohrüberhöhung". Das Klappvisier am Karabiner stammt aus einer Zeit, als noch das Dogma vom Karabiner als dem "langen Arm der Infanterie" bestand. Die Verstellmöglichkeit solcher Klappvisiere reicht typischerweise bis 1000 m. Tatsächlich hat eine Karabinerkugel auf diese Entfernung noch eine erhebliche Durchschlagskraft. Ob man damit aber noch trifft, ist eine andere Frage: Wie jeder Schütze, der Disziplinen betreibt, bei denen auf 300 m Distanz geschossen wird, bestätigen kann, ist es bereits nicht einfach auf diese Entfernung noch zu treffen, nicht zuletzt deswegen, weil hier schon der Wind eine Rolle spielt.

 Sieht man einmal von der Gamsjagd im Hochgebirge ab, liegen die Entfernungen, auf die man bei der Jagd schießen hat, in aller Regel erheblich unter 300 m. Man kann daher auf eine verstellbare Visierung verzichten und behilft sich anders.

Die Günstigste Einschieß-Entfernung (GEE)

 In der Praxis ist es nämlich so: Bei den bei der Jagd verwendeten Kalibern macht sich die Parabelform der Geschossbahn auf die üblichen Schussentfernungen noch nicht so furchtbar bemerkbar. Außerdem kann man einen minimalen Hochschuss jederzeit tolerieren. Man schießt daher Büchsen auf die sogenannte Günstigste Einschieß-Entfernung (GEE) ein. Diese Entfernung variiert von Patrone zu Patrone und wird in den zugehörigen Datenblättern angegeben.

Ein preisgünstiges Zielfernrohr auf einer Kleinkaliber-Selbstladebüchse. Die einfache Montage,die man hier sieht, tut es für Luftdruck- und Kleinkaliberwaffen allemal: Die Montageringe sitzen mit passenden Aussparungen auf der 11-mm-Prismenschiene, die bei derartigen Waffen oben meist angefräst ist.

 Wenn man eine Waffe nun so einschießt, dass sie auf die GEE der verwendeten Patrone Fleck schießt, dann bedeutet das, dass der zweite Schnittpunkt der Geschossbahn mit der Visierlinie genau an dieser Stelle liegt. Die GEE ist jeweils so bemessen, dass der höchste Punkt der Geschossbahn 4 cm über der Visierlinie liegt. Typischerweise liegt die GEE bei den gängigen Patronen, die für die Jagd verwendet werden, zwischen 180 und 200 m.

 Mit anderen Worten: Wenn man ein Waffe auf die GEE Fleck einschießt, hat man von Null bis zur GEE, also bis in die Gegend von 200 m nirgends mehr als 4 cm Hochschuss. Damit kann man auf der Jagd sehr gut leben, denn in der Praxis bedeutet das, dass man sowohl an der Kirrung im Wald auf 30 oder 40 m als auch auf ein Feldreh in 150 oder noch etwas mehr Metern Entfernung schießen kann, ohne den Haltepunkt beim Zielen zu verändern.

 Nun gibt es nur noch das kleine Problem, dass man wohl kaum einen Schießstand finden kann, bei dem man die Scheibe auf eine Entfernung von z.B. genau 184 Meter einstellen kann, weil das eben die GEE der Patrone ist, auf die man seine Waffe einschießen möchte. Aber auch dieses Problem löst das Datenblatt der Patrone: Die typische Schießbahn ist 100 m lang und es wird angegeben, wieviel Hochschuss eine Waffe auf diese Entfernung haben muss, damit sie auf die GEE Fleck schießt.

Schnelles Zielen

 Ganz anders klappt das Zielen mit der Flinte: Genau genommen kann man hier gar nicht von Zielen im eigentlichen Wortsinne sprechen. Beim Flintenschuss geht es nicht so genau und nicht auf große Distanzen, sondern nur bis zu 35, allerhöchstens 50 m, aber dafür meist schnell. Daher gibt es bei der Flinte normalerweise keine Kimme sondern nur ein Korn. Dieses markiert die Mitte der Laufschiene, welche oben auf dem Lauf(bündel) sitzt. Man sieht über sie hinweg auf das Ziel.

 Dabei ist die Lage des Auges zur Waffe wichtig: Sie muss immer gleich sein. Daher ist beim Flintenschießen der Anschlag das A und O, wenn der stimmt braucht man das Ziel quasi nur über die Flinte hinweg anzusehen um es zu treffen. Für den Anschlag wiederum ist es entscheidend, dass der Schaft dem Schützen passt. Man sagt auch: "Die Läufe schießen, der Schaft trifft." Das Prinzip des Flintenschießens lässt sich in gewissem Maße auch auf den Schuss mit der Kugel auf bewegt Ziele übertragen: Es gibt sogenannte Drückjagdschienen, die man zum Schießen nach bewegten Zielen auf die für Bewegungsjagden verwendeten Waffen montieren kann und an denen man entlang sieht wie an der Laufschiene einer Flinte.

Grenzen der offenen Visierung

 Mit der offenen Visierung, also mit Kimme und Korn oder einem Diopter zu schießen geht im Prinzip recht gut, früher hatte man nichts anderes und noch vor einigen Jahrzehnten gab es allerhand Jäger, die nur so schossen. Die offene Visierung hat aber ihre Nachteile, was vor allem für Kimme und Korn gilt: Erstens gibt es typische Zielfehler, die durch optische Täuschungen bei den unterschiedlichen Richtungen entstehen können unter denen das Licht einfallen kann.

Hierfür muss (waid)man(n) schon um einiges tiefer in die Tasche greifen: Ein großes, variables Zielfernrohr, mit einer sogenannten Suhler Einhak-Montage montiert. Die Suhler Einhakmontage ist die aufwändigste Zielfernrohrmontage, das liegt daran, dass dabei eine ganze Menge Passflächen genau zueinander bearbeitet werden müssen. Deswegen ist der Preis auch so, dass jeder amerikanische Jäger dankend ablehnen würde, wenn er den Preis hört. Dem deutschen Waidmann jedoch ist sie lieb und teuer - letzteres im wahrsten Sinne des Wortes...

 

 Zweitens ist in der Dämmerung - und vor allem da jagt man ja heutzutage - schon recht bald Schluss mit dem Zielenkönnen. Und drittens schließlich werden halt leider auch wahre Adleraugen nördlich der Vierzig irgendwann schlechter und man schafft es dann nicht mehr, Kimme, Korn und Ziel gleichzeitig scharf zu sehen.

Zielfernrohre

 Hier schafft nun ein Zielfernrohr Abhilfe. Es nimmt dem Schützen schon einmal den ersten Teil der Arbeit beim Zielen ab, da er nicht mehr drei, sondern nur noch zwei Punkte zur Deckung bringen muss: Das Ziel und das sogenannte Absehen, das ist die Zielmarkierung, die man sieht, wenn man in ein Zielfernrohr guckt und die im Volksmunde auch "Fadenkreuz" genannt wird.

 Der zweite Vorteil besteht darin, dass man mit dem Zielfernrohr in der Dämmerung besser sieht, man hat länger das, was der Jäger als Büchsenlicht bezeichnet - ausreichend Licht zum Zielen. Das kommt daher, weil das Zielfernrohr vorne ein großes Objektiv hat, durch das viel Licht hereinkommen kann, wesentlich mehr als durch die Pupille des unbewaffneten Zielauges.

 Die Vergrößerung des Zielfernrohres bündelt das Licht vom Objektiv dann so zusammen, dass es durch die Pupille passt. Deswegen sieht man mit einem (Ziel-)Fernrohr bei starker Dämemrung auch noch etwas, wenn man mit dem bloßen Auge nichts mehr sieht.

 Der dritte Punkt schließlich, der dass man das Ziel größer sieht, ist eigentlich schon fast mehr ein Nebeneffekt: Das Ziel ist ja nicht wirklich näher und man muss die Waffe genauso ruhig auf den Zielpunkt halten wie ohne Zielfernrohr. Trotzdem ist aber auch die Vergrößerung hilfreich beim Schießen, man muss nur immer daran denken, dass das Ziel ja nicht wirklich näher ist als ohne Glas.

Licht ins Dunkel bringen

 Den Vorteil eines Ziehlfernrohres bei schlechten Lichtverhältnissen versucht man noch zu erhöhen, indem man Leuchtabsehen und beleuchtete Absehen einsetzt. Diese beiden Techniken sollen das Problem beheben, dass dadurch entsteht, dass man bei schlechtem Licht zwar oft noch die Umrisse des Wildkörpers gut im Glas erkennen kann, jedoch nicht mehr das Absehen vor dem Hintergrund dieses dunklen Wildkörpers. Dies ist besonders beim nächtlichen Ansitz auf Sauen ein Problem. Ein beleuchtetes Absehen wird von einer kleinen Lichtquelle angestrahlt, ein Leuchtabsehen besteht aus einer kleinen Lichtmarkierung am Zielpunkt des Absehens. Sie entsteht dadurch, dass das Licht einer Leuchtdiode an die entsprechende Stelle gespiegelt wird. Beide Einrichtungen lassen sich zu- und abschalten und Zielfernrohre mit Leuchtabsehen besitzen auch ein ganz normales Absehen, so dass sie auch als ganz gewöhnliche Zielfernrohre einsetzbar sind.

 Das Zielfernrohr erlaubt dadurch, dass man damit nur noch einen Punkt auf das Ziel richten muss, ein schnelles Auffassen des Zieles. Das macht sie ihm Prinzip auch für den Schuss auf ein bewegtes Ziel vorteilhaft, wie er bei Drückjagden erforderlich ist. Hierbei kommt aber ein Nachteil besonders zum Tragen, der mit der Vergrößerung einher geht: In dem Maße, in der die Vergrößerung erhöht wird, engt sich auch das Gesichtsfeld ein.

 Dieser Effekt mildert sich bei variablen Gläsern, da man hier die Vergrößerung herunterstellen und damit das Gesichtsfeld vergrößern kann. Bewegungsschüsse mit der Kugel sollte man sowieso nur auf Flintenschussentfernung oder wenig darüber abgeben und so ist eine Vergrößerung nicht erforderlich. Es gibt sogenannte Drückjagdgläser, variable Gläser bei denen die kleinste Vergrößerung nur 1,25 oder 1,5 mal beträgt und dadurch das Gesichtsfeld entsprechend groß ist.

Ein Leuchtpunktvisier auf einer Drückjagdwaffe. Es ist mit einer Weaver-Schiene montiert, was im Prinzip die stabilere, auch für großkalibrige Waffen geeignete Version der Montage auf der Prismenschiene von KK- und Luftdruckwaffen ist. Die Montageringe und die Schiene sind relativ preisgünstig und der Arbeitswaufwand bei der Montage beschränkt sich auf das Herstellen der Gewindelöcher. Der Nachteil: Eine so montierte Zielhilfe lässt sich nicht wie eine mit Suhler Einhak- oder ähnlichen Montagen schnell abnehmen und wieder aufsetzen ohne dass sich die Treffpunktlage der Waffe ändert.

 Dafür ist bei diesen Gläsern die größte Vergrößerung nur etwa Faktor 4 und der Objektivdurchmesser recht klein. Sie eignen sich daher außer für den Bewegungsschuss noch für den bei (Ansitz-)Drückjagden auch mal vorkommenden, weiteren Schuss auf stehendes oder langsam ziehendes Wild und eventuell noch für den Reh-Ansitz am Abend oder am Morgen, wenn das Wild schon bzw. noch bei recht gutem Licht kommt. Für den Nachtansitz oder den bei starker Dämmerung auf Schwarzwild oder Fuchs sind sie nicht geeignet und auch nicht gedacht.

 Eine andere Möglichkeit sind Leuchtpunktvisiere für Drückjagden. Das sind im Prinzip Zielfernrohre ohne Vergrößerung, die kein herkömmliches Absehen besitzen, sondern nur einen leuchtenden Punkt, der das Ziel markiert. Man kann mit ihnen schnell Ziele auffassen und das auch sehr gut ohne dabei ein Auge zuzukneifen und auch der Augenabstand zum Okular ist, anders als bei Zielfernrohren, variabel.

So sieht ein Weaver-Schiene aus. Diese hier wurde auf ein Passstück montiert, mit dessen Hilfe man sie in die Aufnahme für das Klappvisier an einem Mosin Nagant einsetzen kann

 Letzteres hat zwar für das Schießen weniger Bedeutung, da beim Bewegungsschießen der Anschlag wie beim Flintenschießen immer gleich ein sollte. Es erleichtert aber die Montage, da man ein solches Drückjagdvisier, wie im Bild zu sehen, weiter vorne montieren kann als ein Zielfernrohr, wo man eigentlich immer eine Befestigungsmöglichkeit für eine Weaver-Schiene findet.

Montagen

Stichwort Montage: Schließlich und endlich muss eine Zieloptik auch auf der Waffe befestigt werden. Unter "Montage" versteht man im Fachchinesisch der Büchsenmacher, Jäger und Schützen sowohl den Vorgang des Anbauens als auch die Konstruktion mit der eine Zieloptik an einer Waffe befestigt wird. Hier gibt es eine Menge unterschiedlicher Systeme, die sich zu allererst einmal in Festmontagen und abnehmbare einteilen lassen. Bei den Festmontagen kann man die Optik ohne Werkzeug nicht abnehmen und in der Regel muss die Waffe nach deren erneutem Anbau wieder eingeschossen werden.

 Mit einer sehr einfachen Festmontage montiert man Zielfernrohre auf Luftdruck- und KK-Waffen: Diese Waffen haben auf der Oberseite des Systems in der Regel eine angefräste Prismenführung ("Schwalbenschwanz") und es gibt Montageringe, die unten jeweils eine dazu passende Aussparung besitzen. Mit diesen Ringen kann praktisch jeder ohne irgendwelche zerspanenden oder Lötarbeiten auf ganz einfache Art und Weise solch eine kleine Waffe "in Heimarbeit" mit einer Zieloptik versehen, in dem er sie einfach aufschraubt.

Swarovski 8x56 mit EAW-Schwenkmontage an einer Büchse im Mauser System 98: Hier ist auch zu erkennen, dass der Kammerstengel nach unten abgebogen wird, damit ihm beim Öffnen des Verschlusses nicht das Zielfernrohr im Weg ist.

 Der Nachteil dieses Systems ist, dass die ganze Montage in Längsrichtung lediglich durch Kraftschluss fixiert wird, nämlich durch die Klemmkraft und die daraus resultierenden Reibung der Aussparungen auf der Prismenführung. Bei dem geringen Rückstoß von KK-Waffen ist dies weniger problematisch. Bei Luftdruckwaffen jedoch erzeugt der Kolben einen ordentlichen Schlag beim Schießen, was dazuführt, dass die Montage sich mit der Zeit in Längsrichtung verschiebt.

 Abhilfe hat hier der Waffenhersteller Weihrauch geschaffen: Bei den Luftgewehren dieser Firma befindet sich im hinteren Bereich der Prismenführung eine Bohrung für einen Passstift mit dem der hintere Ring der Ringmontage formschlüssig mit der Waffe verbunden wird. Im Handel sind die dazu passenden Ringmontagen System Weihrauch erhältlich, bei denen ein solcher Passstift im Lieferumfang enthalten ist und der eine Ring eine entsprechende Bohrung im Fuß aufweist. Will man ein solche Montage auf eine Waffe eines anderen Herstellers montieren, lässt man einfach den Passstift fort,

Weaver- und Picatinny-Schienen

 Eine weitere Art der Festmontage ist die mit Weaver- oder Picatinny-Schienen. Hier wird eine Schiene auf die Waffe geschraubt, auf welcher dann das Zielfernrohr mit entsprechenden Elementen befestigt wird. Diese Schienen besitzen Aussparungen, in denen sich die Montageelemente in Längsrichtung abstützen können, so dass dieses System auch bei großkalibrigen Waffen schussfest ist. Es gibt auch abnehmbare Montagen auf der Basis von Weaver und Picatinny-Schienen, jedoch sind diese bei uns nicht sehr verbreitet.

 Außer den Zielfernrohren für Montageringe gibt es auch solche, an denen sich unten eine Schiene befindet, an welcher die Befestigungselemente der Montage angebracht werden können. Diese Konstruktion findet man oft bei größeren Zielfernrohren. An den Möglichkeiten für die Montage ändert sich im Prinzip dadurch nicht viel, nur dass man eben statt der Ringe Befestigungselemente für die Prismenschiene benötigt.

 Festmontagen sind einfach, schussfest und kostengünstig. Sie werden daher gerne von Sportschützen verwendet. Im Jagdbetrieb kann es sich jedoch immer einmal wieder ergeben, dass der Schuss über die offene Visierung dem Zielen mit dem Glas vorzuziehen ist. Für solche Fälle benötigt man eine abnehmbare Zielfernrohrmontage. Die Anforderung an so ein Montage bestehen darin, dass man das Glas ohne Werkzeug schnell abnehmen können muss und sich die Treffpunktlage der Waffe auch nach wiederholtem Abnehmen und Wiederaufsetzen des Glases nicht ändern darf.

Diese Frankonia-Austauschsicherung für 98er Systeme löst das Problem mit dem Original-Sicherungsflügel, dem das Objektiv des Zielfernrohres im Weg ist

Abnehmbare Montagen

 Hierfür gibt es verschiedene Konstruktionen, die sich vor allem in Einhak- und Schwenkmontagen einteilen lassen. Die edelste - und teuerste - Einhakmontage ist die Suhler Einhak-Montage, kurz als SEM bezeichnet. Sie ist so kostspielig, weil es ein hoher Aufwand ist, die vielen Passflächen dieser Konstruktion zu bearbeiten. Nicht jeder Büchsenmacher kann heute mehr so eine Montage reparieren oder gar komplett anfertigen.

 Bei der SEM hakt man zuerst die Vorderfüße in die dafür vorgesehene vordere Aufnahme und drückt dann die Hinterfüße in ihre Rasten. Zum Abnehmen kann man die Hinterfüße durch Zurückziehen eines Schiebers entriegeln, das Glas hochklappen und die Vorderfüße aushaken.

 Einhakmontagen waren ursprünglich für Kipplaufwaffen gedacht. Bei Repetierwaffen kommen heute sehr oft Schwenkmontagen zum Einsatz, von denen wohl die EAW("Ernst-Apel-Werk")-Schwenkmontage die bekannteste ist. Sie ist wesentlich günstiger als eine SEM und erlaubt ebenfalls das problemlose Abnehmen und Wiederaufsetzen des Glases.

 Bei der EAW-Schwenkmontage ist der Vorderfuß ähnlich wie ein Bajonettverschluss ausgeführt. Er wird in seine Aufnahme eingesetzt und die Montage um ihn als Drehpunkt eingeschwenkt, so dass der Hinterfuß in seine Aufnahme einrastet. Der Vorderfuß verriegelt sich dabei durch die Drehung. Zum Abnehmen kann man die Montage am Hinterfuß entriegeln, das Glas ausschwenken und dann den Vorderfuß aus seiner Aufnahme herausnehmen.

 Bei der Montage eines Zielfernrohres auf einen zu einer Jagdwaffe umgebauten Karabiner 98 ergeben sich gewisse Probleme mit den Bedienungselementen. Zum einen ist der Kammerstengel im Weg, da er beim Öffnen der Waffe senkrecht nach oben steht und zwar genau dort, wo das Zielfernrohr hin soll. Daher winkelt man beim Umbau dieser Waffen zu Jagdwaffen den Kammerstengel so ab, dass er bei geöffnetem Verschluss waagerecht zur Seite zeigt. Das zweite Problem ist der Sicherungsflügel hinten am Verschluss, der in senkrechter Stellung dem Objektiv im Wege ist. Mann muss das Zielfernrohr entweder sehr hoch montieren oder den Sicherungsflügel kürzen. Eine Alternative hierzu stellt die Frankonia-Sicherung für den 98 dar, bei welcher der Sicherungsflügel um eine senkrechte, nicht mehr um ein waagrechte Achse geschwenkt wird.

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16. Mai 2009 6 16 /05 /Mai /2009 19:24

Hier ist nun der zweite Teil meines Essays über die Frage, ob Jagen noch zeitgemäß ist. Für einen einzigen Blogeintrag war es mir doch zu lang, zumal es sich ja doch um einen recht trockenen Stoff handelt. Deswegen habe ich es in mehrere Teile aufgespalten, die aber auch für sich allein gelesen werden können. In diesem, dem zweiten Teil geht es um Jagdgegner und ihre Positionen.

Zum ersten Teil des Essays

Was wollen die Jagdgegner eigentlich?

  Jagdgegner verbreiten eine Menge Stuss über die Natur im allgemeinen und die Jagd im besonderen. Das lässt sich leicht feststellen, wenn man sich ihre Websites und anderen Veröffentlichungen ansieht und ihre Behauptungen prüft. Hier werden im wesentlichen biologische Tatsachen verdreht, unrichtige oder bestenfalls halbwahre Behauptungen aufgestellt und irgendwelche - zum Glück recht selten, aber eben doch dann und wann vorkommende - Jagdunfälle aufgebauscht und (aus Mangel an aktuellen Vorfällen) monate- oder jahrelang durchgekaut.

 Was in Jagdgegnern genau vorgeht kann man im einzelnen nicht sagen, denn psychiatrische Diagnosen lassen sich aus der Ferne kaum stellen. Der allgemeine Eindruck jedoch legt nahe, dass es sich hier z.B. um Menschen handelt, die aufgrund dessen, wie unsere Gesellschaft mit Natur und Kreatur umgeht, einen Schuldkomplex haben und hier etwas zu kompensieren versuchen. Teilweise kommen diese Leute wohl auch nicht damit klar, dass sie selbst einmal sterben müssen und versuchen daher den Tod zu verdrängen, wollen also nicht mit ihm konfrontiert werden, was ja bei der Jagd ständig der Fall ist.

Abstreichende Rebhühner im Feld in früheren Zeiten: Eine derartige, kleinräumig und vielfältig strukturierte Feldflur gibt es heutzutage kaum noch. Das ist aber nicht der alleinige Grund für den Rückgang des Niederwildes. Eine sehr große Rolle spielt dabei auch, dass heutzutage ein effizientes Kurzhalten der Beutegreifer auf legalem Wege kaum mehr möglich ist

Ein Gesellschaft von Weicheiern und Gutmenschen?

 Gemeinsam scheint ihnen jedoch eine gewisse Weltfremdheit zu sein: Sie sind der Natur und den normalen Lebensvorgängen entfremdet und verkennen, dass in der Natur nicht das Individuum zählt, sondern nur die Art bzw. die Population. Vor allem soweit sie sich mit den Gegnern des privaten Waffenbesitzes decken, spielt wohl auch eine gewisse Lebensangst eine Rolle. Auch wenn sich Waffengegner manchmal anarchistisch geben, so wollen sie doch von einer äußeren Macht, von Regeln und Gesetzen - keiner soll Waffen, große Hunde etc. besitzen dürfen - gesichert werden. Andere sollen ihre Probleme lösen, der Staat soll sie vor allen Risiken beschützen, dafür sind sie bereit, ihre Freiheit aufzugeben - das Gegenteil von mündigen Bürgern eben.

 Leider wird diese Haltung in unserer derzeitigen Gesellschaft durch Medien und Gesetzeskultur gefördert, weil ängstliche und unselbständige Menschen leicht regierbar und deswegen erwünscht sind. Die starke Verbreitung einer solchen Geisteshaltung ist wohl der Grund dafür, dass sich auch viele Menschen von den Jagdgegnern aufhetzen lassen, die eigentlich mit Veganismus und Antispeziesismus gar nichts am Hut haben, sondern fröhlich und mit gutem Appetit ihr Ei vom Batteriehuhn und ihr Schnitzel aus dem Schweine-Zuchthaus verputzen.

Tierverherrlichung und Ammenmärchen

 Gemeinsam ist den Jagdgegnern auch der Schmäh vom "Bruder Tier", ganz unabhängig davon, ob es sich im Einzelfalle um einen religiösen Fanatiker handelt oder um einen Atheisten, der in einer auch die Tiere umfassenden Nächstenliebe wohl eine Art Ersatzgott sucht. Jagdgegner verfolgen ihr Ziel mit sektiererischen Eifer auch wenn - oder gerade weil? - die Resonanz in der breiten Öffentlichkeit dann doch eher gering ausfällt.

 So hat etwa der Heilbronner Jagdgegner und "Biologe" Kurt Eicher schon mit Kleinanzeigen für die Website seiner "Initiative zur Abschaffung der Jagd" geworben um Besucher dorthin zu ziehen. Diese Website stellt eine reichhaltige Sammlung von Scheinargumenten und Hirngespinsten der Jagdgegner dar, welche jedoch allesamt nur auf wenige Grundbehauptungen zurückgehen und leicht widerlegbar sind.

 

So sieht sie leider meist aus, unsere heutige Agrarsteppe: Um nicht auch noch das letzte Niederwild oppurtunistischen Beutegreifern wie dem Fuchs zum Opfer fallen zu lassen, sollten diese wesentlich schärfer bejagt werden...

 

 Das habe ich übrigens auch in Form eines offenen Briefes an Eicher getan, welcher aber nie beantwortet wurde. Wenn man genauer hinsieht, wird man übrigens feststellen, dass Kurt Eicher auf seiner Website auch Literatur aus dem Verlag "Das Brennglas" bewirbt, einem Unternehmen, welches dem Dunstkreis der Sekte "Universelles Leben" (UL) um die "Prophetin" Gabriele Wittek zugeordnet wird. Diese Sekte wiederum ist der Grund dafür, dass Eicher und Konsorten bei ihren (vordergründigen) Gesinnungsgenossen der atheistischen Spielart keinen Blumentopf mehr gewinnen können und diese sie nicht mehr mit der Zange anfassen würden.

 Knatsch in de Jagdgegner-Szene

 Die atheistischen Jagdgegner der Tierrechtsinitiative "Maqi" etwa machen in den UL-gesteuertenJagdgegnern eine "Gefahr für die Tierrechtsbewegung" aus und unterstellen der Sekte garAntisemitismus und Nähe zu brauner Esoterik. Offenbar geben die Jagdabschaffer um Eicher kräftig zurück: Laut dem Maqi-Text, soll Kurt Eicher dem bekannten Tierrechtler Achim Stösser vorgehalten haben, dass er vor Jahren eine Frau vergewaltigt habe.

 Als die Verbindungen von Eicher & Co. zu UL bekannt wurden, sagten einige Tierrechts-Gruppierungen ihre Teilnahme an einem "Symposium zur Abschaffung der Jagd" im August 2003 ab, wie seinerzeit in einem Artikel auf der Website von Wild und Hund zu lesen stand. Aus diesem Text erfährt man auch, dass der Nabu die Termine zunächst auf seiner Website veröffentlicht hatte, sich aber von der Eicher-Initiative distanzierte als Presseberichte über deren Verflechtung mit UL erschienen.

Seltsame Gestalten allerorten

 Obwohl sich die Jagdgegner um Kurt Eicher Spinnefeind mit denen aus der grün-alternativ-vegetarisch-veganen Szene sind, gleichen sich doch die Argumente beider Spielarten - oder besser gesagt, das, was diese Leute als Argumente ausgeben. Ein Beispiel für die atheistischen Jagdgegner ist die Tierrechtsorganisation Maqi des bereits erwähnten Achim Stößer, ein anderes war die Anti-Jagd-Seite, bei der sich kein Hinweis auf den V.i.S.d.P in Form eines Impressums oder etwas ähnlichem finden ließen. Die Domain war seienerzeit auf einen Detlef Arndt aus Hannover registriert.

 Jägern, die sich schon länger an Diskussionen im Netz beteiligen, ist auch dieser Zeitgenosse kein unbekannter. Er machte sich bereits vor einigen Jahren in Diskussionsforen nach Kräften lächerlich. Ein von im selbst eingerichtetes Diskussions-Forum zum Thema "Jagd" auf parsimony.de wurde aufgrund von Beschwerden geschlossen: Er hatte systematisch kritische Beiträge aus dem Forum gelöscht. Anschließend gründete er ein neues Forum bei einem anderen Anbieter. Schreibberechtigung konnte man hier nur erhalten, wenn man sich mit der Kopie eines amtlichen Ausweispapieres anmeldete, so dass Arndt kritische Teilnehmer von vorne herein fernhalten konnte.

 Um Detlef Arndt ist es in letzter Zeit recht still geworden. Vor einiger Zeit war von ihm zu hören, dass er schwer krank gewesen - und ich meine sogar, mich daran zu erinnern, an den Rollstuhl gefesselt - sei. So etwas hätte natürlich nicht einmal ich ihm gewünscht, obwohl ich seinerzeit maßegblich daran beteiligt war, dass sein unsägliches Forum auf parsimony.de geschlossen wurde und sogar ein wenig freundliches, dafür aber sehr lustiges Gedicht über ihn geschrieben habe, das mir leider verloren gegangen ist. Gute Besserung Deti!

 Eine Gestalt aus der man nicht recht schlau wird, ist Dag Fromhold, der schon von beiden Fraktionen der Jagdgegner instrumentalisiert wurde. Er scheint ein besonderes Faible für Füchse zu haben und unterhält eine Website zu diesem Thema, auf der er allerhand wahres, aber auch hanebüchenen Schrott über diese Wildart verbreitet. Zum Beispiel behauptet er, dass Füchse von Natur aus gesellig leben würden, dies aufgrund des Jagddrucks aber bei uns heute nicht mehr täten.

Eine halbe Wahrheit ist ein ganze Lüge...

 Das ist ein typisches Beispiel für eine Halbwahrheit. Aus Halbwahrheiten - wenn nicht aus komplettem Unsinn - besteht so ziemlich alles, was von Jagdgegnern gerne verbreitet wird. Wie in Carl Emil Diezels "Erfahrungen aus dem Gebiete der Niederjagd", einem jagdlichen Standardwerk aus dem 19. Jahrhundert angedeutet wird, lebten Füchse damals möglicherweise tatsächlich teilweise gesellig. Der derzeitige Jagddruck kann es jedoch nicht sein, der dieses heute verhindert, denn zu Diezels Zeiten wurden - wie man demselben Buch entnehmen kann - Füchse wesentlich schärfer und rücksichtsloser bejagt als heute.

 Im übrigen operiert er, wie alle Jagdgegner, auc hsonst mit Halb- und Unwahrheiten: In seinem Appell für eine Anti-Jagd-Demo in Berlin, auf der bereits erwähnten WebSite von Kurt Eicher behauptete er z.B.: "In einigen Kantonen der Schweiz wurde die Jagd sogar vollständig abgeschafft, mit überaus positiven Folgen für Natur, Tiere und Menschen."

 Richtig ist vielmehr, dass die Jagd lediglich in dem jagdlich völlig unbedeutenden Mini-Kanton Genf abgeschafft wurde, was gründlich in die Hose ging. Wie allgemein bekannt, regulieren sich dort die Tiere keineswegs selbst, sondern werden von euphemistisch als „Umweltaufseher“ bezeichneten, angestellten (und mit Steuergeldern bezahlten) Tierabschießern bei Nacht und Nebel dezimiert.

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9. Mai 2009 6 09 /05 /Mai /2009 11:50

Nachdem in den drei vorangegangenen Teilen dieser kleinen Artikelserie allegemeine Grundlagen der Waffentechnik sowie Kugel- und Schrotwaffen Thema waren, geht es heute um kombinierte Waffen. Waffen mit mehreren Läufen haben zwar viele Vorteile, sind aber immer gewissermaßen eierlegende Wollmilchsäue. Deswegen gibt es auch Nachteile, die man bei der Wahl seiner Waffe abwägen muss, sei es beim Kauf, sei es, wenn man vor einem Jagsausflug vor dem Waffenschrank steht und das Glück hat, die Qual der Wahl zu haben.

Jagdwaffen I
Jagdwaffen II
Jagdwaffen III
Jagdwaffen V

Kombinierte Waffen

 Grundsätzlich kann man sagen, dass man mit einer Flinte vor allem auf kleines Wild schießt, welches sich bewegt und nicht weit entfernt ist. Dadurch dass der Schrotschuss streut, trifft man solche Ziele mit der Flinte leichter.

 Der Schrotschuss tötet idealerweise auch nicht durch Eindringen und Verletzen lebenswichtiger Strukturen, sondern durch den Schock des Aufpralls. Seine Vorteile sind also das leichtere Treffen und die geringere Wildbretzerstörung. Das wird aber damit erkauft, dass der Schrotschuss weit weniger weit reicht als der Kugelschuss.

 Für Schalenwild hingegen benötigt man die Büchse, mit der man auch auf weitere Entfernungen präzise treffen kann und deren Geschoss tief in den Wildkörper eindringt und dort teils durch direktes Zertrennen tötet, teils durch die zerstörende Wirkung der entstehenden Druckwelle und teils auch wieder durch den Schock, der durch die Druckwelle entsteht.

Übliche Laufanordnungen bei kombinierten Jagdwaffen

 

 Aus diesem Sachverhalt lässt sich ablesen, dass man mit einer Büchse oder einer Flinte nicht immer richtig angezogen ist, da man ja jederzeit an Wild geraten kann, für welches sich die jeweilige Waffe nicht eignet. Außerdem kommt es oft vor, dass man bei einem Besuch im Revier zwei Jagdarten nacheinander betreiben möchte: Es ist durchaus möglich, dass man vor Sonnenaufgang ins Revier geht um am Waldrand auf Rehwild anzusitzen und anschließend am Vormittag ein wenig nach Hasen stöbern will.

 Dazu braucht man zuerst eine Büchse und später dann eine Flinte. Im Prinzip könnte man zwar zwei Gewehre mitnehmen, aber das hat sein Tücken: Schleppt man beide mit sich herum, ist das arg unbequem, lässt man die jeweils nicht benötigte Waffe im Auto, handelt man illegal, weil sie dort nicht ausreichend gegen Wegnahme durch Unbefugte gesichert ist.

 Für solche Problem gibt es jedoch Lösungen: die sogenannten kombinierten Waffen. Genau genommen bezeichnet man mit diesem Ausdruck nur Waffen, die zwei oder mehr unterschiedliche Läufe aufweisen, schließt also Doppelbüchsen- und Flinten aus, die man dann unter einem Sammelbegriff wie "mehrläufige Waffen" zusammenfassen könnte. Allerdings wollen wir hier nicht so pingelig sein, sondern alle mehrläufigen Waffen miteinander betrachten, zumal es bei diesen Waffen technische Probleme und Besonderheiten gibt, die sowohl bei mehrläufigen Waffen mit ein und demselben Kaliber auftreten, als auch bei kombinierten Waffen.

Laufanordnungen bei Kombinierten Waffen

 Es gibt jede Menge Möglichkeiten Schrot- und Kugelkaliber miteinander zu kombinieren. Eine der verbreitetsten mehrläufigen Waffen ist die Doppelflinte. Wer gerne Zeichentrickfilme anschaut, kennt sicher die Flinte von Elmer Fudd, der nie weiß ob Hasen- oder Entenjagd ist. Hierbei handelt es sich um eine Doppelflinte, bei der die beiden Läufe nebeneinander liegen, eine sogenannte Querdoppel- oder kurz Querflinte.

Doppelbüchsen und -flinten

 Liegen die Läufe übereinander, spricht man von einer Bockdoppelflinte (BDF), die sich heute gegenüber der Querflinte durchgesetzt hat. In der Regel lässt man den Zusatz "Quer-" weg wenn man eine Waffe mit nebeneinander liegenden Läufen meint, nur bei der Doppelflinte wird er verwendet, da heute die meisten Doppelflinten Bockdoppelflinten sind und man daher betont, wenn man doch einmal tatsächliche eine mit nebeneinander liegenden Läufen meint.Genauso, wie es Doppelflinten gibt, gibt es auch Doppelbüchsen. Hier ist die verbreitetere Form die in Querbauweise, so dass der Ausdruck Doppelbüchse schlechthin eine solche Waffe meint und man betont, wenn man eine Bockdoppelbüchse meint.

 Bei Doppelbüchsen und -flinten hat man zwar insgesamt immer nur zwei Schuss ohne Nachladen zur Verfügung, hat dafür aber den zweiten Schuss mindestens so schnell zur Verfügung wie bei einer Selbstladewaffe - und sicherer, denn es kann keine Ladehemmung geben, wie sie bei Selbstladewaffen gerne auftritt. Das ist bei der Flinte sehr nützlich, da man hiermit vor allem auf kleine, bewegte Ziele schießt; bei der Doppelbüchse kann es lebensrettend sein, dann nämlich, wenn man auf wehrhaftes Wild schießt.

 Nicht zuletzt deswegen verlässt sich mancher Großwildjäger in Afrika auf seine klassische Doppelbüchse und nicht etwa auf einen Automaten. Da der Kipplaufverschluss einer großkalibrigen Doppelbüchse sehr hohen und noch dazu asymetrischen Beanspruchungen ausgesetzt ist, ist seine Herstellung teuer. Auch das Verlöten und Einschießen der beiden Läufe ist sehr aufwändig. Daher ist eine solche Waffe recht kostspielig.

Der gute, alte Drilling

 Die typische Waffe eines Jägers oder Försters war früher und ist zum Teil auch heute noch der Drilling. Der klassische Drilling ist sozusagen eine Querflinte mit einem zusätzlichen Kugellauf in der Mitte unter den beiden Schrotläufen. In dieser Form - als nackter Drilling, wie man auch sagt, ist er z.B. die ideale Waffe für eine Treibjagd auf Fuchs und Hase, bei der aber auch Sauen vorkommen können und frei sind: Man hat zwei Schrotschüsse und kann fast wie mit einer Doppelflinte schießen. Kommt einem eine Sau, hat man auch einen Kugelschuss zur Verfügung.

 Rechnet man in einem Treiben eher mit Schwarzwild als mit Fuchs und Hase, lädt man einen der Schrotläufe mit einem Flintenlaufgeschoss und hat dann zwei Kugelschüsse und einen Schrotschuss. Geht es bei einer Drückjagd nur auf Schwarzwild, stopft man eben beide Schrotläufe mit Flintenlaufgeschossen und hat drei Kugelschüsse zur Verfügung, was schon fast zu viel ist, denn bekanntlich triftt ein Schuss immer, zwei vielleicht - aber drei und mehr treffen nie.

Einsteckläufe

 Damit ist der klassische Drilling aber noch lange nicht am Ende: Man kann auch einen seiner Schrotläufe mit einem Einstecklauf ausrüsten. Ein Einstecklauf ist ein Kugellauf, meist in einem kleinen Kaliber, den man in einen Schrotlauf ein- und diesen damit zu einem Kugellauf umbaut. In diesem Falle hat man einen Schrotschuss, einen großen und einen kleinen Kugelschuss.

Ein Drilling, hier einer von Sauer&Sohn, ist eine Waffe mit der man so gut wie immer und überall richtig angezogen ist

 Damit kann man auf dem Ansitz außer dem Reh, hinter dem man eigentlich her ist und dessen Name auf der großen Kugel steht, auch einen verspäteten Hasen oder einen Fuchs erlegen: Auf kürzere Entfernung mit Schrot, auf größere mit der kleinen Kugel, geräuscharm und wildbret- bzw. balgschonend. Natürlich kann man auch bei einem Drilling mit Einstecklauf in den verbleibenden Schrotlauf statt der Schrotpatrone eine solche mit Flintenlaufgeschoss laden. Vielleicht hat man ja das Waidmannsheil aus der Rotte Sauen auf die man passt eine Doublette herauszuschießen...

Bockdrilling

 Es gibt auch Drillinge mit nur einem Schrottlauf, einem großen und einem kleinen Kugellauf. Einen solchen Drilling bezeichnet man als Bockdrilling. Wer keine Jagdarten betreibt, bei denen man zwei Schrotläufe benötigt ist mit einer derartigen Waffe gut bedient. Sie bietet die gleichen Möglichkeiten wie ein gewöhnlicher Drilling mit Einstecklauf, ist aber eben nicht variabel und verursacht die Probleme, die entstehen, wenn in einem verlöteten Laufbündel mehr als ein Kugellauf ist.

Problematisch: Mehrere Kugelläufe

 Traditionell sind die Laufbündel kombinierter Waffen nämlich miteinander verlötet, also fest verbunden. Dadurch entsteht zunächst einmal das Problem, dass der zweite Schuss aus einem Kugellauf nicht dort sitzt, wo der erste sitzt. Das liegt daran, dass sich der Lauf durch den Schuss erwärmt und ausgedehnt hat. Da aber die anderen Läufe kalt sind und sich nicht ausgedehnt haben, ist das Laufbündel nun krumm und schießt beim nächsten Schuss in eine andere Richtung als vorher.

 Bei einem ganz gewöhnlichen Drilling liegt der Kugellauf unten, was bedeutet, dass er das Laufbündel nach oben biegt, wenn er sich erwärmt. Gibt man mit einem Drilling mehrere Kugelschüsse kurz hintereinander ab, liegt jeder Treffer ein wenig höher. Man sagt, der Drilling klettert. Eine Doppelbüchse hingegen biegt sich zur Seite wenn man einen Lauf abgeschossen hat. Das muss beim Einschießen berücksichtigt werden und die Waffe trifft dann auch nur wirklich genau, wenn man die Läufe in der richtigen Reihenfolge abschießt.

  Bei der Doppelbüchse und auch beim Bockdrilling kommt aber noch ein weiteres Problem hinzu, welches immer auftritt, wenn man mehr als einen Kugellauf in einem Laufbündel hat:

Mündungen eines Drillings mit Einstecklauf im rechten Schrotlauf
Die Kugelläufe müssen zusammenschießen, dass heißt sie müssen beide die gleiche Treffpunktlage haben. Dies ist sehr schwer zu erreichen, da man die Läufe nur gegeneinander verschieben kann, wenn man die Lötnähte löst. Das Einschießen einer Waffe mit mehr als einem Kugellauf ist daher eine sehr aufwändige Sache und einer der Gründe dafür, dass solche Waffen sehr teuer sind.

Eigentlich haben Bockdrillinge heute kein Berechtigung mehr, da sie mittlerweile keine Vorteile gegenüber  einem gewöhnlichen Drilling mit Einstecklauf haben. Sie stammen aus einer Zeit, als ein Einstecklauf noch ein schlechter Notbehelf war, ein kurzes Ding, welches man in das Patronenlager eines Schrotlaufes steckte um notdürftig Kleinkaliberpatronen zu verschießen. Heute gibt es mündungslange Einsteckläufe, die sich nicht nur im Patronenlager sondern auch vorne in der Mündung abstützen. Hier können sie - ganz gute sogar von vorne, ohne den Lauf auszubauen - justiert werden, so dass man sie so einschießen kann, dass sie mit der großen Kugel zusammenschießen. 

 Mit einem modernen Einstecklauf hat man einen kleinen Kugellauf, der nicht nur so lang ist wie der eines Bockdrillings und daher die entsprechende Leistung erbringt, sondern man ist auch nicht mehr auf das Kaliber .22 l.f.B. beschränkt. .22 Hornet dürfte das gängigste Kaliber für Einsteckläufe sein, es gibt aber mittlerweile auch Einsteckläufe in rehwildtauglichen Kalibern, wofür der Drilling aber ausgelegt sein muss. Ein Drilling mit Einstecklauf kann nicht nur jederzeit wieder in einen solchen mit zwei Schrotläufen zurückverwandelt werden, sondern man kann auch durch Wechseln des Einstecklaufes auf eine andere kleine Kugel umrüsten.

Kontrollschuss nach Konfigurationswechsel

 Man muss nach solchen Veränderungen die Waffe zwar immer wieder ein- oder zumindest kontrollschießen, aber bei einem jahreszeitlicher Wechsel der Bestückung ist dieser Aufwand nicht allzu groß. So kann man, wenn man etwa im Herbst oft auf Treibjagden eingeladen wird, den Einstecklauf - und das Zielfernrohr - weglassen und hat eine Doppelflinte mit einem zusätzlichen Kugelschuss für eventuell vorkommendes Schwarzwild. Geht es dann im Winter regelmäßig zum Sauansitz, wo auch ein Fuchs nicht verschmäht werden soll, baut man den Einstecklauf ein und montiert das Zielfernrohr.

 Eine weitere Art des Drillings ist der Doppelbüchsdrilling, eine Doppelbüchse mit einem Schrotlauf unter den Kugelläufen. Selten ist der Waldläuferdrilling, auch Schienendrilling genannt; bei ihm sitzt ein kleinkalibriger Kugellauf über zwei Schrotläufen in der Laufschiene. Außerdem gibt es noch Kugeldrillinge und selbst Vierlinge findet man. Ein Vierling ist ein normaler Drilling, der über den Schrotläufen noch einen kleinen Kugellauf hat, er ist gewissermaßen herkömmlicher Drilling und Waldläuferdrilling in einem. Am verbreitetsten ist jedoch der ganz gewöhnliche Drilling.

Der Drilling für Arme: Die Büchsflinte

  Nun ist ein guter Drilling nicht gerade billig und außerdem recht schwer. Deswegen gibt es auch kombinierte Waffen mit nur einem Schrot- und einem Kugellauf, das sind die Büchsflinten. Am verbreitetsten ist heute die Bockbüchsflinte, die sozusagen den "Drilling für Arme" darstellt, oder den für Leute, die nicht gerne schwer an ihrer Waffe tragen. Man kann mit ihr in etwa das machen, was man mit dem Drilling machen kann, nur dass eben immer der eine Schrotlauf fehlt.

Der Bergstutzen

  Eine weitere kombinierte Waffe, die hier nicht unerwähnt bleiben soll, ist der Bergstutzen. Das ist eine Bockdoppelbüchse bei welcher der untere Lauf ein kleineres Kaliber aufweist als der obere. Als Stutzen bezeichnet man ein Gewehr bei dem der Lauf nicht über den Vorderschaft hinausreicht damit die Waffe handlicher - man sagt "führiger" - ist. Ein Stutzen ist also die richtige Waffe um im Gebirge herumzuklettern und die Kombination aus großer und kleiner Kugel ist wohl ursprünglich vor allem für Reviere gedacht gewesen, in denen man auf Gams und auf Rotwild jagen kann. Als großes Kugelkaliber kann man dann eines wählen, welches sich für Rotwild eignet und als kleines ein rasantes für die auf Gams oft erforderlichen weiten Schüsse.

 Zusammenfassend lässt sich sagen: Kombinierte Waffen decken mehrere Einsatzbereiche ab, haben aber auch Nachteile. Zum einen sind sie teilweise schwer und oft auch kostspielig, was nicht nur auf die aufwändige Herstellung der Laufbündel zurückzuführen ist, sondern auch auf die teilweise recht komplizierte Mechanik. Zum Beispiel benötigt ein Drilling eben drei Schlosse, die mit zwei Abzügen bedient werden. Zum anderen haben die verlöteten Laufbündel ihre Tücken, was das genaue Schießen angeht. Mittlerweile gibt es aber auch kombinierte Waffen bei denen die Laufbündel nicht mehr verlötet sind. Man spricht hier von freischwingenden Läufen. Bei diesen Waffen sind die Läufe vorne in einer Brille gefasst, beinflussen sich gegenseitig nicht und können zueinander justiert werden. Damit ist der größte Nachteil der kombinierten Waffen beseitigt.
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2. Mai 2009 6 02 /05 /Mai /2009 13:55

Jeder weiß, dass die Jagd heute ein gutes Stück weit in Verruf gekommen ist. Das hat mit damit zu tun, dass – eigentlich zum Glück – der Tierschutzgedanke heute einen festen Platz in unserem Bewusstsein gewonnen hat, mit einer gewissen, realitätsfremden Naturromantik, aber auch mit der Lebensangst der Menschen, die, besonders nach Ereignissen wie dem von Winnenden, in Waffenbesitzern, also auch in Jägern, dafür eine Projektionsfläche finden. 

Der Buhmann der Nation? (Foto: A.K.)

 Vorbehalte gegen oder gar strikte Ablehnung der Jagd haben mit einer gewissen Distanz der Menschen zur Natur in einer urbanisierten Welt zu tun, aber auch mit Volksverdummung durch das etablierte System und nicht zuletzt dem Geltungsbedürfnis einiger Schwärmer und selbsternannter Heilsbringer, die das messianische Friedensreich auf eigene Faust erreichten wollen. Tatsächlich sollte man sich aber doch klar sein, was man tut, wenn man heute auf die Jagd geht und sein Tun auch begründen können.

 Andererseits sollten Menschen, die der Jagd skeptisch oder ablehnend gegenüberstehen, sich zunächst einmal mit ihr auseinandersetzen und die Beweggründe des Jägers ernsthaft und vorbehaltlos untersuchen, anstatt sie einfach nur als Mordlust, Ersatzbefriedigung, Machtgeilheit oder dergleichen abzutun. Daher will ich mit Hilfe einer kleinen Essay-Reihe einmal de Frage nachgehen, ob die Jagd heute noch zeitgemäß ist.

Natur schützen und/oder nutzen?

 Es gibt Menschen - sie nennen sich Tierrechtler, Jagdgegner und Antispeziesisten - die möchten die Jagd gänzlich abschaffen. Ihr harter Kern besteht aus Veganern. Teilweise erhalten diese Schützenhilfe von wohlmeinenden, aber unbedarften "Naturliebhabern", Umwelt- und Naturschützern, die versuchen, menschliche Maßstäbe auf die Natur anzuwenden.

 Die Notwendigkeit von Umwelt und Naturschutz sowie der Nachhaltigkeitsgedanke sind Naturvölkern oft ganz von selbst bewusst, was sich z.B. bei den Philosophien verschiedener Indianerstämme deutlich zeigt. Die Natur bzw. die Erde mit allem, was darauf ist, wird hier als ernährende Urmutter angesehen, der man dankbar sein und sich entsprechend verhalten muss.

Naturschutz ist wichtig

 Diese Dankbarkeit äußert sich vor allem darin, dass man nicht mehr entnimmt als nachwächst, also die natürlichen Ressourcen nachhaltig nutzt. Keineswegs jedoch verbietet diese Dankbarkeit das Töten von Tieren um sie zu essen oder anderweitig zu nutzen.

 In unserer Zivilisation wurde der Naturschutzgedanke mit der Industrialisierung dringend erforderlich. Von einigen wenigen - vor allem Jägern wie Hermann Löns - wurde er bereits früh aufgegriffen, der Masse der Menschen wurde jedoch erst mit dem Auftreten massiver Schäden mehr oder weniger klar, dass man mit der Natur nicht beliebig verfahren kann.

Jagdgegner und -kritiker bezeichnen die Jagd wie sie heute in Deutschland betrieben wird als feudal. Vor der Revolution von 1848 war sie es tatsächlich und wurde mit viel Pomp, Personal und Zeremonien zelebriert, wie hier auf einer Radierung von Johann Elias Ridinger

Wasser predigen und Wein saufen

 Der Schutz unserer Natur und Umwelt ist ein wichtiges Anliegen, dem immer noch zu wenig Bedeutung beigemessen wird. Es wird zwar einiges in dieser Richtung getan, doch ist vieles davon Scheinakktivität, Beschäftigungstherapie und - pure Volksverdummung. Aus der Umweltschutzbewegung der siebziger und frühen achtziger Jahre ist eine profitable Industrie geworden: Man verkauft den Menschen auf der einen Seite angeblich umweltfreundliche Produkte wie Katalysatoren, energiesparende Elektrogeräte und neue, angeblich sparsamere Autos indem man ihnen ein schlechtes Gewissen gegenüber der Umwelt macht.

 Gleichzeitig ignoriert man jedoch auf der anderen Seite wirklich zukunftsweisende, energiesparende bzw. nachwachsende Rohstoffe nutzende Technologien wie Eisenbahn, naturnahe Landwirtschaft und die Kombination aus Windkraft und Biogas. Ja, man hintertreibt sie sogar, da die etablierten Techniken - LKW, industrialisierte Landwirtschaft, Großkraftwerke usw. - für einige wenige so profitabel sind, dass diese die Umweltzerstörung und die erhebliche Minderung der Lebensqualität anderer billigend in Kauf nehmen.

Wer vergewaltigt die Natur?

 So ist es kein Wunder, dass eine Menge Leute unzufrieden sind. Gegen die wirklichen Verursacher dieser Unzufriedenheit glaubt man nichts tun zu können und sucht sich Sündenböcke. Als ein solcher bietet sich der Jäger - oder vielmehr das Zerrbild, welches von ihm gezeichnet wird - an: Reich und rücksichtslos legt er die Hand auf die Natur, tötet nach Belieben und aus Spaß an der Freude Lebewesen um sich Körperteile von ihnen als Siegeszeichen an die Wand zu nageln oder an den Hut zu stecken.

 Solange man keine Jäger persönlich kennt, sondern lediglich das Klischee, welches von uns in den Medien gezeichnet wird, wird man auch kaum verstehen können, was Jäger wirklich tun. Wird man Zeuge einer Jagdszene, scheint sich das Klischee zu bestätigen: Schließlich lässt sich nicht wegleugnen, dass der Jäger tatsächlich Tiere tötet um ihrer habhaft zu werden und sie zu nutzen.

Was sind Jäger für Menschen?

 Tja, was sind das nun für Menschen, die auf die Jagd gehen? Es mag wohl den einen oder anderen brutalen Zeitgenossen geben, der aus Spaß am Töten auf die Jagd geht, genauso wie es den beutegierigen Trophäenergatterer gibt und den reichen Protz, der sich ein kostpieliges Jagdrevier als Statussymbol hält. Die Masse der deutschen Jäger jedoch besteht aus gewöhnlichen Leuten, die sich ganz einfach den kleinen Luxus erlauben, Steinzeitmensch zu spielen, ihrem Jagdtrieb nachzugehen, die Befriedigung zu erleben, Beute zu machen und selbst erlegtes zu verzehren oder anderen Menschen auf den Tisch zu bringen. Man jagt nicht um zu töten, sondern tötet um gejagt zu haben, wie es der spanische Philosoph José Ortega y Gasset ausdrückte.

Etwas ganz natürliches: Der Jagdtrieb

 Das Ausleben des angeborenen Jagdtriebes ist also die Hauptmotivation dafür, Jäger zu werden. Daneben spielen aber oft auch andere Gesichtspunkte eine Rolle: Das Errichten von Hochsitzen und dergleichen zum Beispiel erinnert stark an das Budenbauen in der Kinderzeit und man bezeichnet die Jagd auch als "Abenteuerspielplatz für Erwachsene". Die Reviertätigkeiten sind für viele auch ein Ausgleich zum Alltag, bei dem man in Werkstatt, Büro oder Fabrik eingesperrt ist und sich nicht oder nur einseitig bewegt. Der Jäger ist im Revier an der frischen Luft, bewegt sich vielseitig und erfährt zu dem die Freude am Bauen und Gestalten.

Edelhobby Jagd?

 Die Geschichte vom reichen Jäger ist ebenfalls ein Ammenmärchen, auch wenn Jagdgegner mit den seltsamsten Erklärungsversuchen an der Statistik der deutschen Jagdscheininhaber herumzudeuteln versuchen. Der große Anteil an Landwirten wird damit zu erklären versucht, dass ja Großgrundbesitzer auch Landwirte sind und die Kaufleute unter den Jägern werden mit dem Hinweis darauf kommentiert, dass ja Firmeninhaber grundsätzlich Kaufleute im juristischen Sinne seien.

... und das ist die Jagd heute: Bestenfalls eine schlichte, aber doch stimmungsvolle Würdigung der Jagdstrecke - wenn auch nicht, wie Jagdgegner behaupten, unberechtigt oder anmaßend, so hat man doch Leben genommen und sollte ein wenig innehalten. Ist dies verbliebene Bisschen Tradition etwa feudal?

  Solche Spitzfindigkeiten sind schlichtweg lächerlich. Wären alle jagenden Landwirte Großgrundbesitzer, müsste Deutschland erheblich größer sein oder es bliebe zumindest kein Land mehr übrig, welches die nicht jagenden Bauern bearbeiten könnten.

Jagd ist ein Luxus...

 Sicherlich ist das Duchschnittseinkommen der Jagdscheininhaber höher als das der Gesamtbevölkerung und es finden sich dort prozentual mehr Menschen mit gehobenen Berufen als in der Gesamtbevölkerung. Für ganz arme Leute ist die Jagd tatsächlich nichts, jedoch will das nichts besagen: Ganz arme Leute fahren zum Beispiel auch nicht Auto oder Motorrad. Niemand wird jedoch deswegen den Besitz eines Autos und/oder eines Motorrades als Indiz für Reichtum werten – außer natürlich, wenn man im weltweiten Vergleich arme Länder mit einbezieht, aber dann ist selbst der Ärmste bei uns eigentlich noch reich.

... den sich (fast) jeder leisten kann

 Tatsache ist jedoch, dass man sich bereits mit einem durchschnittlichen Einkommen das Jagen durchaus leisten kann, was sich in etwa auch in der Statistik widerspiegelt: Außer den von Jagdgegnern beargwöhnten Kaufleuten und Landwirten gibt es unter den deutschen Jägern jede Menge Facharbeiter, einfachere Angestellte und Beamte wie Busfahrer, Meister, Steuergehilfen, Polizisten, Waldarbeiter und vieles mehr.

 Betuchte Leute findet man schon eher unter den Inhabern eines eigenen Revieres, denn ganz billig sind die Pacht, die laufenden Ausgaben für den Unterhalt und vor allem der Ersatz des Wildschadens an die Bauern nicht. Da Menschen mit überdurchschnittlichem Einkommen aber meist weniger Freizeit als andere haben, da sie in gehobenen Jobs oder als Unternehmer arbeiten, benötigen die meisten Revierinhaber für die Revierarbeiten Hilfe von anderen Jägern. Allerdings sind wiederum die wenigsten Inhaber eines Jagdrevieres so wohlhabend, dass sie sich bezahltes Jagdpersonal leisten können. Daher nehmen diese Jagdherren Mitjäger auf, die bei den Revierarbeiten zupacken und dafür umsonst jagen dürfen. Das ist der Grund dafür, dass das Jagen heutzutage für viele erschwinglich geworden ist.

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