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  • Publizist und Freier Dozent, von Hause aus Ingenieur sowie gelernter Mechaniker und gelernter Maurer, Querdenker, Naturfreund und -nutzer, technisch interessiert aber auch technikkritisch, glaube nicht alles was mir erzählt wird.
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Andreas Quiring  

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Biohof-Gemeinschaft Baum des Lebens

2. Januar 2009 5 02 /01 /Januar /2009 18:44

Überlebenstechniken müssen beileibe keine bierernste Sache sein, auch wenn sie den ernsten Hintergrund haben, einem im Fall des Falles dabei zu helfen, in gefährlichen Lagen Leben und Gesundheit zu behalten. Beim Erlernen und Trainieren hat man in aller Regel das, was dem typischen Zivilisationsmenschen am meisten fehlt: Bewegung an frischer Luft und die Erfahrung, dass man auch eigenständig etwas zustande bringen kann. Das Überlebenstraining ist daher bereits für viele Menschen sinnvolle Freizeitbeschäftigung und kann sogar zu einer Lebenseinstellung werden.

 Ein zünftiges Lagerfeuer anzünden zu können ist eine feine Sache und im Ernstfall lebenswichtig. Feuer machen zu können ist aber auch bei ganz unspektakulären Gelegenheiten oft eine nützliche Kunst.

(Dieses Bild basiert auf dem Bild Campfire 4213.jpg aus der freien Mediendatenbank Wikimedia Commons und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. Der Urheber des Bildes ist Dirk Breyer)

Feuer machen und Knoten

 Auch im Alltag helfen Survivaltechniken oft weiter. Ein typisches Beispiel ist das Feuermachen nach der "Indianermethode": Man muss das erste Flämmchen ja im Alltag nicht unbedingt stilecht mit Stahl, Stein und Zunder oder dem Feuerbohrer machen und kann statt trockenem Pflanzenmaterial auch Papier nehmen. Das entscheidende daran ist das kegelförmige Anlegen der Hölzchen um das Zündmaterial - und das funktioniert nicht nur beim Lagerfeuer. Auch in der Schublade des Räucherofens, auf dem Grill und im Schmiedeherd erspart diese Technik stinkige Grillanzünder bzw. das gefährliche Hantieren mit Spiritus oder gar Benzin. Ganz nebenbei kann man auf diese Art und Weise aus dem profanen Anzünden des Grills auch noch eine spannende Aufgabe für Kinder machen.

 Ein weiteres Beispiel sind die berühmten (Seemanns-)Knoten, die ein ganz wichtiger Bestandteil des Überlebenswissens sind und daher z.B. auch bei den Pfadfindern einen hohen Stellenwert besitzen. Sie lassen sich in allerhand Situationen des Alltags, vor allem im Haushalt und beim Heimwerken immer wieder anwenden. Der Palstek etwa, mit dem man eine Schlinge macht, die sich nicht zuzieht, hält nicht nur die Wäscheleine auf dem Haken der Wäschestange, sondern verwandelt jedes hinreichend feste und lange Stück Seil in ein zuverlässiges Abschleppseil. Beherrscht man nun auch noch den Roring- oder den Webleinenstek wird auch die Befestigung an der Abschleppöse zunftgerecht, auch wenn man keinen Schäkel zur Hand hat. Notfalls kann man aber den Palstek auch durch eine Abschleppöse machen. Er ist fast der wichtigste Knoten, denn man kann mit ihm unheimlich viel machen.

 Weitere nützliche Knoten mit denen man sich helfen kann, sind der Zimmermannstek und das sachgemäße Aufschießen von Leinen. Mit dem ersten kann man einen Balken an einer Leine anstecken, damit man ihn hochhieven kann. Gerade beim Selbermachen sind solche alten Handwerkskniffe sehr hilfreich, da man ja meist keine moderne Profi-Ausrüstung zur Verfügung hat und oft arbeiten muss "wie die Alten". Die zweite Technik, das Aufschießen, dient dazu, eine Leine in ein handliches Bündel zu verwandeln, das sich nicht von selbst aufwickelt. Damit kann man nicht nur alle Seile ordentlich aufräumen, sondern auch lose Verlängerungskabel, die sich sonst immer ärgerlich verwursteln.

 

Ungemütliche Situationen verbessern

 Das Feuer und die Knoten sind nur zwei Beispiele von sicherlich vielen für die hilfreiche Anwendung von Survival bzw. Outdoor-Wissen im Allltag der Zivilisation.Es gibt aber auch Grenzfälle, bei denen man zwar nicht in Lebensgefahr gerät, aber die unangenehme Folgen wie eine saftige Erkältung haben können, die man durch ein paar Kenntnisse im Überleben vermeiden kann: Zum Beispiel eine Autopanne bei Kälte mit längerer Wartezeit auf den Pannendienst oder den angerufenen Kumpel mit dem Abschleppseil.

 

Der Palstek ist nicht nur in Überlebenssituationen, sondern oft auch im Alltag eine hilfreicher Knoten (Bild: Markus Bärlocher,PD)

 

 Wenn man das Fahrzeug noch von der Fahrbahn bringen kann, z.B. in die Einfahrt eines Wald oder Feldweges, wäre das Verbleiben im  Auto gar keine so dumme Idee, denn das erfüllt wichtige Anforderungen an den Kälteschutz: Kein Kontakt mit dem kalten Boden, Schutz vor Auskühlung durch Wind und Abstrahlung. Bleibt das Fahrzeug aber auf der Fahrbahn stehen, vor allem auf der Autobahn, dann funktioniert das nicht. Das allerwichtigste ist jetzt nämlich: Runter von der Fahrbahn!

 Jetzt muss man aber wissen, wie man sich im Freien gegen die Kälte schützt: Vor Wind und Abstrahlung schützen die Buschstreifen die meist an der Autobahn vorhanden sind. Natürlich geht man aber nur so weit, dass man das Auto im Auge behalten kann und sieht, wenn der Gelbe Engel eintrifft. Da man im Sitzen einerseits besser gegen Auskühlung durch Wind und Abstrahlung geschützt ist, andererseits aber mehr Kontakt mit dem kalten Boden hat, braucht man eine isolierende Sitzunterlage. Zweige helfen hier weiter, am besten natürlich mit einer Decke darüber. Ein echter Survival-Freak hat eine solche sowie ein kräftiges Meserr und/oder ein Handbeil nebst ein paar weiteren Dingen natürlich im Auto, ansonsten muss man sehen, wie man sich behilft.

 Natürlich ist jetzt auch das Feuermachen gefragt, aber bitte darauf achten, dass man damit nicht vorbeifahrende Kraftfahrer irritiert oder neugierig macht und so womöglich eine Massenkarambolage verursacht. Echte Experten kennen aber auch Möglichkeiten, ein Feuer so zu machen, das es nicht weithin leuchtet.

 Auf den ersten Blick erscheint das beschriebene Vorgehen vielleicht ein wenig lächerlich. Aber abgesehen davon, dass man sich eine eventuelle Erkältung spart, vermeidet man auf jeden Fall untätiges Warten in der Kälte, Langeweile und das Gefühl, dass einem Zeit gestohlen wird. Ist man alleine, stärkt man auf  jeden Fall sein Selbstbewusstein und übt die angewendeten Techniken ein, ganz abgesehen davon, das man dabei Spaß hat. Hat man Kumpels dabei, kann man natürlich mit seinen Kenntnissen glänzen und aus dem ärgerlichen Aufenthalt vielleicht sogar eine Mordsgaudi machen. Ist man in weiblicher Gesellschaft, kann das ganze sogar recht romantisch werden, anstatt dass man als Depp dasteht, der noch nichtmal ein gescheites Auto hat. Das passt übrigens auch gut zum Survival-Prinzip, aus jeder Situation das beste zu machen, welches übrigens eines der wichtigsten Dinge darstellt, die man aus dem Survival ins Alltagsleben mitnimmt.

 

Zum Survivaltraining muss man nicht in fremde Länder reisen: auch der heimische Wald bietet Gelegenheit genug (Bild: Botaurus, PD)

 

 Hat man jedoch Kinder dabei, hat man die Chance, aus einer äußerst unangenehmen Situation mit Quengelei, Tränen und vorwurfsvollen Blicken der Mami ein echtes Abenteuer zu machen. Nicht nur, dass dadurch die Nerven ganz allgemeimn geschont werden: Ist es nicht besser, vor seinen Kindern als Mann der tausend hilfreichen Künste dazustehen, anstatt als hilfloser Hampelmann, der nur jämmerlich frierend auf fremde Hilfe warten kann?

 Apropos Mann: Die letzten Zeilen waren zugegebenermaßen stark aus männlicher SIcht geschrieben, so dass man den Eindruck gewinnen könnte, ich hielte Survival für Männersache. Ganz und gar nicht! Selbstverständlich sollte keine Frau vor "Männerdingen" zurückschrecken. Deswegen ist Survival unbedingt auch etwas für Frauen, so wie Fischen, Jagen, Segeln und tausend andere Dinge auch, bei denen manche Männer immer noch ein wenig dumm gucken, wenn ein Frau sie betreibt. Schon gerade deswegen!

 

Ein preisgünstiges Hobby

 Survival ist sowohl etwas für EInzelgänger als auch für gesellige Leute. Man kann alleine Feuer machen, sich nach dem Kompass orientieren oder eine Notunterkunft bauen, man kann es aber auch zu mehreren machen. Im letzteren Fall werden über das Lernen der Fertigkeiten hinaus auch noch Teamfähigkeit und andere soziale Fähigkeiten geschult. Deswegen schicken Firmen auch gerne Leute zur Persönlichkeitsentwicklung zu Survival-Aktivitäten.

 Wenn man Survival nur aus den Massenmedien kennt, kann man leicht den Eindruck gewinnen, es sei ein kostspielige Angelegenheit: Von einschlägigen Schulen werden Aktivitäten angeboten, die nicht ganz billig sind, zumal sie zum Teil auch in irgendwelchen fernen Leändern statt finden. Das muss aber nicht sein. Man kann sich auch ganz einfach die Bücher von "Sir Vival" aka Rüdiger Nehberg besorgen, notfalls aus der Stadtbücherei, hinaus gehen und die Dinge ausprobieren, die darin beschrieben sind. Dabei ist man an der frischen Luft, bewegt sich und hat jede Menge Spaß. Kinder und Jugendliche haben es dabei besonders einfach: Die guten, alten Pfadfinder bieten prakisch die Inhalte des Survivalgedankens an und taten dies schon lange evor überhaupt jemanddas Wort "Survival" kannte.

 Auch im Internet gibt es eine Menge Informationen über Survival, sowohl Websites als auch Videos bei YouTube. Kontakt zu Gleichgesinnten wird man ebenfalls über das Internet finden, wenn man das will und sich im eigenen Umfeld niemand dafür interessiert. Insgesamt ist Survival weit mehr als ein Rüstzeug für Notfälle, die hoffentlich nie eintreten; nicht nur eine Summe von Kenntnissen und Fertigkeiten, mit denen man sich als Jäger, Fischer, Wanderer und dergleichen den Aufenthalt im Freien komfortabler macht, sondern es ist bereits für sich selbst gesehen eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung, ein spannendes Hobby. Und es ist eine Lebenseinstellung, die sehr gut zum Selbstversorgergedanken passt: Sich selbst helfen zu können, anstatt von anderen abhängig zu sein, ein eigenständiger Mensch zu sein, selbst leben anstatt gelebt zu werden.

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Published by Fokko - in Überleben
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1. Januar 2009 4 01 /01 /Januar /2009 23:25

Die Jägerprüfung gilt als eine der schwierigsten Prüfungen, die man für die Erlaubnis von Tätigkeiten ablegen muss, die man in seiner Freizeit ausübt. Viele bezeichnen sie sogar als das "Grüne Abitur". Sicherlich scheuen einige Menschen, die an sich gerne auf die Jagd gehen wollen, deswegen davor zurück, einen Jägerkurs zu absolvieren, weil sie übermäßig Angst vor der Jägerprüfung haben. Tatsächlich verlangt diese Prüfung eine aufwendige Vorbereitung, sie ist aber dennoch zu schaffen. 

 

Bis es das erste Mal so weit ist, ist es ein weiter Weg. Aber er ist zu schaffen! (Foto: Alexander Breyer)

Grünes Abitur?

 Auch wenn ich damit vielleicht dem einen oder anderen ans Bein pinkle, der stolz auf seinen Jagdschein ist: Die Bezeichnung "Grünes Abitur" halte ich für Blödsinn. Warum? Nun beim Abitur kommt es in einigen Fächern, vor allem in Mathe und Physik, darauf an, die Prinzipien zu verstehen, die hinter Dingen stecken und sie dann auf neue Aufgabestellungen anzuwenden. Wer z.B. verstanden hat, warum die kinetische Energie eines bewegten Körpers von seiner Masse und seiner Geschwindigkeit abhängt und warum die Geschwindigkeit im Quadrat eingeht, braucht sich die Formel nicht mehr zu merken, denn er kann sie sich jederzeit wieder herleiten. Dazu gehört nun aber das, was man gemeinhin als Intelligenz bezeichnet, wohl auch ein bisschen Fantasie und Mut zum eigenständigen Denken..

 Bei der Jägerprüfung liegen die Verhältnisse jedoch anders: Man muss kein EInstein sein, um sie zu bestehen; es reicht, dass man sich Fakten gut merken kann und/oder das Sitzfleisch hat, einen Haufen Stoff so lange zu büffeln, bis er sitzt. Vor allem aber braucht man Zeit und Geduld. Leider sind das zwei Dinge, die uns heute nur allzu oft fehlen, was möglicherweise der Hauptgrund für die hohen Durchfallquoten bei der Jägerprüfung ist.

 

Zeit haben

 Als ich meinen Jägerkurs machte, sagt einer der Dozenten am Anfang zu uns: "Lassen sie ein schönes Bild von sich machen und schenken sie es ihrer Frau bzw. ihrem Mann, damit sie bzw. er es sich auf den Nachttisch stellt. Sie bzw. er wird sie nämlich in den nächten Monaten sehr wenig zu Gesicht bekommmen!"

 Und damit hatte er Recht: Das wichtigste bei einem Jägerkurs ist, sich die Zeit zu nehmen, sämtliche Kursveranstaltungen zu besuchen und fleißig zu Hause, eventuell auch mit anderen aus dem Kurs in einer Arbeitsgruppe zu lernen. ich persönlich habe höchstens in den jeweils letzten Wochen der ersten zwei Semestern meines Studiums (wo mit Technischer Mechanik und Mathematik, wie es so schön heißt, "rausgeprüft" wird) so gnadenlos gebüffelt wie ab einem gewissen Zeitpunkt während des Jägerkurses. Allerdings war es eine andere Art des Lernens: Für meine Klausuren in Mathematik und Technische Mechanik übte ich das Lösen von immer neuen Aufgaben ein, für die Jägerprüfung büffelte ich Fakten, Fakten, Fakten...

Warum ist das eine Rehfährte und keine von der Sau? So etwas muss ein Jäger wissen - und erst recht jemand, der erst noch einer werden will...

 

Den eigenen Lernstil entdecken

 Das bedeutet aber nicht, dass Intelligenz und Pfiffigkeit bei der Jägerprüfung nicht hilfreich wären. Zunächst einmal hilft es, wenn man seinen persönlichen "Lernstil" entdeckt. Hier zahlt sich auch Kreativität aus, nicht zuletzt etwa, wenn man Zeitnischen entdeckt, die man nutzen kann, um etwas für den Jägerkurs zu tun: Wartezeiten, Fahrzeiten in öffentlichen Verkehrsmitteln und was es da so alles gibt. Mancher kann Fakten behalten, wenn er sie einfach liest, ein anderer wiederum tut sich leichter, wenn er sie etwa aus einem Text herauszieht und in Tabellenform bringt. So sollte jeder seinen eigenen Lernstil entdecken und entwickeln.

 

Wissen systematisieren und aufbereiten

 Wenn man die belebte Natur auch nicht so systematisieren kann, wie das etwa bei der Physik der Fall ist, hilft Systematik dennoch oft weiter. Natürlich kann aus der Zahnformel eines Luchses nicht die eines Marders exakt ableiten. Man behält beide aber leichter, wenn man sich klar macht, dass sie sich ähneln müssen, weil beide Tierarten ganz ähnlich fressen. Ich persönlich bin z.B. so weit gegangen, mir das Gebiss des Allesfressers (Wild-)Schwein mit seinen 44 Zähnen als universelles "Grundmodell" vorzustellen, von dem sich die anderen Gebisse als Spezialisierungen ableiten: Der Mensch frisst das gleiche, hat aber weniger Platz im Kiefer, braucht also die gleichen Zähne, nur weniger davon. Raubtiere brauchen stark ausgebildete Eckzähne zum Packen der Beute und zu Reißzähnen umgebildete Backenzähne mit denen sie Fleischfetzen abreißen können. Pflanzenfresser brauchen leistungsfähige Mahlzähne, mit denen sie die harte, stark zellulosehaltige Nahrung aufschließen können.

 Ähnlich verhält es sich mit den Paarungs- und Setzzeiten: Die Logik sagt einem, dass Tiere in aller Regel ihre Jungen aus Gründen der Überlebenschance im Frühjahr bekommen und dabei z.B. der Fuchs früher dran sein kann als das Reh, weil er einen Bau hat, die Mutter die Tiere wärmen kann, weil Fuchsrüden den Fähen mit Welpen Nahrung bringen und Fleischfresser im Spätwinter und zeitigen Frühjahr mit der Nahrung nicht so knapp dran sind wie Pflanzenfresser. Aus der Setzzeit kann man auf die Paarungszeit schließen, wenn man die Tragedauer kennt, die ihrerseits wieder mit der Größe der Tierart zusammenhängt und wohl auch damit, wie weit die Jungen bei der Geburt bereits entwickelt sind.

 Sich so an das Thema heran zu arbeiten, ist spannend, macht Spaß und versüßt die "harte Arbeit", sich die tatsächlichen Zahnformeln, Paarungs-, Setz- und Tragezeiten und was es da sonst noch alles gibt, dann auch zu merken. Vor allem lassen sich aber scheinbar willkürliche Werte gut merken, wenn man sie in logische Zusammenhänge bringt und verknüpft. Auch Eselsbrücken helfen oft weiter. Eine nicht ganz stubenreine von mir erleichtert es z.B. , sich zu merken, dass man beim Damhirsch den Pinsel sieht, beim Sikahrisch jedoch nicht: "Beim Damhirsch gibt es für die Damen etwas zu sehen..."

Welches Eisen bedient man wie und zwar so, dass niemandem etwas passiert? Die Waffenhandhabung ist sicherheitsrelevant und daher wichtiger Prüfungsteil

 

Vom Allgemeinen zum Speziellen

 Überhaupt hat es sich bei mir bewährt, den Stoff zunächst allgemein und dann immer spezieller zu erarbeiten. In der ersten Zeit bestand die häusliche Arbeit darin, meine Lehrbücher von vorne bis hinten zu lesen, und zwar in der Zeit, in der ich sonst andere Sachen, z.B. Romane las. Dadurch war ich etwa nach der Hälfte des Kurses einmal grob duch das ganze Stoffgebiet gekommen. Zu diesem Zeitpunkt bekamen wir vom Kursleiter die Aufgabenblätter von alten Prüfungen. Zu meiner Zeit mussten wir in Baden-Württemberg nämlich noch selbst Antworten zu den Prüfungsfragen formulieren. Alte Prüfungsbögen zu bearbeiten ist eine bei Studenten beliebte und bewährte Methode der Prüfungsvorbereitung.

 Ich wandte dabei wiederum eine eigene Methode an: Ich versuchte die Fragen zunächst mit meinem eigenen Wissen zu beantworten. Wenn das nicht klappte, sah ich aber nicht gleich im Lösungsbogen nach, sondern versuchte zunächst die Antwort in meiner Literatur zu finden; oft musste man dabei sogar an mehr als einer Stelle nachsehen. Dadurch prägt man sich nicht nur den Stoff wesentlich besser ein, als wenn man ihn einfach nur als fertig formulierte Antwort liest, sondern man findet darüber hinaus meist noch eine Reihe zusätzlicher Informationen, die einem an anderer Stelle wieder weiter helfen.

 Für die wichtigsten harten Fakten zu den einzelnen Wildarten habe ich mir teilweise Tabellen gemacht (welche für Haarwild habe ich gerade erst wieder gefunden und unten verlinkt) und ließ mich von meiner Frau abfragen. Damit ich ihr dabei nicht zu viel Zeit stahl, nahm ich ihr einfach nach dem Essen den Abwasch ab, so das sie mich abfragen konnte, während ich das Geschirr spülte. Das wiederum ist auch Beispiel dafür, wie man mit Kreativität Zeitnischen finden und zum Lernen nutzen kann.

Jagd ohne Hund ist sowieso Schund: Ein gewisses Grundwissen über Jagdhunde ist für den Jäger unerlässlich.

 

 Besonderes Augenmerk sollte man noch auf eine Reihe von berühmt-berüchtigten Fragen richten, die immer wieder in den Prüfungen auftauchen, wie etwa die nach der Verwechslungsgefahr bei den Kalibern 8x57 J und 8x57 JS oder wie sich diese bewusste Sache mit den Kalibern .357 Magnum und .38 Special verhält.. Auf diese speziellen Stolpersteine werden gute Ausbilder im Lehrgang auch immer wieder hinweisen. Es sind nicht viele, aber die paar die es gibt, sollte man kennen.

 

Multiple Choice und die Tücken

 Mittlerweile gibt es auch bei uns in Württemberg Multiple-Choice-Prüfungen, was einen leicht dazu verführen könnte, einfach den Fragenkatalog zu büffeln. Das sollte man zwar auf jeden Fall tun, denn die Fragen mit den Kästchen haben ihre Tücken, denn oft sind sich richtige und falsche Antworten sehr, sehr ähnlich. Schon bei der Führerscheinprüfung habe ich so lange gebüffelt, bis mir jede Frage mit samt ihren eventuellen speziellen Tücken bekannt vor kam. Trotzdem sollte man auch den Stoff wirklich beherrschen: Zunächst mal, weil man bei der mündlichen Prüfung doch wieder individuell formulierte Fragen frei beantworten muss; aber vor allem, weil sich die richtigen Antworten wesentlich leichter merken lassen, wenn man mehr als nur ein bisschen Ahnung von der Materie hat.

 Es könnte tatsächlich möglich sein, dass man mit einem entsprechenden Polster aus der schriftlichen Prüfung ein Fiasko bei der mündlichen ausgleichen kann. Wenn dann bei der Waffenhandhabung nichts schief geht und auch das Schießen geklappt hat, hätte man die Prüfung mit dem minimalen Aufwand des Büffelns eines Fragenkataloges, Sicherheit in der Waffenhandhabung und einer ausreichenden Schießleistung bestanden. Dass das klappt, kann ich aber keineswegs garantieren.

 Zur Zeit der schriftlichen Prüfung mit den ausformulierten Antworten war das in Württemberg theoretisch in der Tat möglich. Allerdings nur theoretisch, denn wer im Schriftlichen so gut abschnitt, dass ihm das Mündliche nicht mehr das Genick brechen konnte, wusste so viel, dass er dort erst gar nicht mehr komplett ahnungslos dastehen konnte. Außerdem gibt es in der mündlichen, eigentlich heißt sie "mündlich-praktische Prüfung" noch eine andere Klippe zu umschiffen: Die Waffenhandhabung.

 Das Problem dabei besteht darin, dass, wenn hier Mist gebaut wird, der Ofen absolut aus ist: Man kann beim Schießen jeweils das höchstmögliche Ergebnis bei Schrot und Kugel gehabt haben, in der schriftlichen und im Rest der mündlichen eine glatte Eins - wenn der Prüfer bei der Waffenhandhabung etwa ins Schrotrohr guckt, weil man die Waffe versehentlich auf ihn gerichtet hat, ist es für diesmal aus und vorbei mit dem Jagschein.

 Aus diesem Grunde ist die Waffenhandhabung ein ganz wichtige Sache und ein entscheidendes Qualitätsmerkmal eines Jägerkurses. Bei meinem Kurs traf man sich einige Male zu besonderen Terminen, bei denen verschiedene Leute alle möglichen und unmöglichen Schießapparate zur Verfügung stellten, die wir allesamt erklärt bekamen, selbst in die Hand nehmen und  deren Bedienung üben durften. Einschließlich des berühmt-berüchtigten Schweizer Geradzugrepetierers, von dem die Legende geht, dass man mit seiner Hilfe früher Aspiranten durchfallen ließ, die aufgrund des Nasenfaktors keine Jäger werden sollten.

 Die  Willkür bei der Jägerprüfung ist aber, wenn es sie einmal gegeben haben sollte, heute normalerweise vorbei. Mittlerweile hat es wohl schon einige Prozesse wegen solcher Fälle von Willkür gegeben, weil die Leute heute klagefreudiger sind; vor allem aber sind die Jägervereinigungen bestrebt, die Aspiranten am Ort zu halten, seit man sich aussuchen kann, in welchem Bundesland man seine Jägerprüfung macht.

 

Mit Kraut und Lot...

 Eine weitere Sache ist das Schießen. Ein alter Spruch sagt: "Ist die Kugel aus dem Lauf, hält kein Teufel sie mehr auf!" Das gilt auch bei der Prüfung. Daneben ist nun einmal daneben, da kann man nicht nachbessern oder durchstreichen wie bei der schriftlichen Prüfung. Insofern ähnelt die Schießprüfung der praktischen Führerscheinprüfung, zumal man in beiden Fällen mit durchaus nicht ungefährlichen Dingen hantiert. Schießen ist aber vor allem  Übungssache. Es gibt zwar ab und zu Leute, denen das Schießen Können angeboren ist. Mein Vater war  zum Beispiel so einer; ich glaube er konnte gar nicht daneben schießen, selbst wenn er das gewollt hätte...

Ein guter Schuss ist mehr wert, als ein gutes Gewehr, eine gute Patrone und ein guter Hund dazu: Schießtraining ist ein unverzichtbarer Bestandteil der Jägerausbildung

 

 Solche Naturtalente sind aber Ausnahmen. Normalerweise kommt gutes Schießen durch Routine. Es gibt da so einen Spruch darüber, dass einer sein Gewicht in Kraut und Lot, also Pulver und Blei verschossen haben sollte. Ganz soviel Munition wird man bei der Schießausbildung des Jägerkurses zwar niocht verballern, aber:  Üben, üben und noch einmal üben its dennoch angesagt. Auch wenn es teuer ist, denn eine nicht bestandene Jägerprüfung ist teurer. Mit der Routine kommt auch die Sicherheit, die verhindert, dass einem bei der Prüfung die Nerven einen Streich spielen oder zumindest bewirkt, dass man auch mit flatternden Hosen doch noch einigermaßen trifft.

 Die Teilnahme an den Veranstaltungen des Jägerkurses ist Voraussetzung zur Zulassung zur Prüfung. Sie ist aber noch aus einem anderen Grunde wichtig: Jägerprüfungen haben gerne ein gewisses Lokalkolorit. Die Ausbilder im Kurs kennen aber die Prüfer und wenn sie etwas taugen, versorgen sie die Aspiranten mit den notwendigen Tipps, auf was man bei diesem oder jenem Prüfer zu achten hat, auf was er speziellen Wert legt und was er absolut nicht sehen oder hören will.

 Nun, der Jägerkurs kostet viel Zeit. Es wäre aber grundfalsch diese Zeit als verlorene Zeit zu verbuchen bzw. den Jägerkurs als notwendiges Übel zu bertachten. Auch das Jagen nimmt Zeit in Anspruch; wenn man passioniert und engagiert jagt, kann das sogar eine Menge Zeit sein. Auch der Jägerkurs gehört schon zum Jägerleben und sollte Spaß machen. Er tut das auch, nicht zuletzt, weil er nicht nur aus sturem Büffeln besteht: Man lernt zunächst einmal allerhand neue Leute kennen. Auf dem Schießstand, beim Hochsitzbau, bei der Waffenhandhabung und anderen derartigen Terminen ist man zwanglos mit den anderen Teilnehmern , den Ausbildern oder "fertigen" Jägern, die einfach wieder einmal vorbeischauen zusammen und hat in aller Regel eine Menge Gaudi.

 Wenn man so mit Freude bei der Sache ist, wird es einen um die vielen Stunden nicht leid sein, die man aufwendet, bis man den ersten eigenen Jagdschein in der Hand hält. Man sieht viel Neues, lernt Leute kennen und zwar durchaus auch solche, die einem später nützlich sein können, wenn man z.B. eine Jadggelegenheit sucht  Ich jedenfalls bin recht gerne zu den Veranstaltungen gegangen, es war eine schöne Zeit, an die ich gerne zurück denke.

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31. Dezember 2008 3 31 /12 /Dezember /2008 21:26

Viele Menschen halten das Reh für "die Frau vom Hirsch", was aber nicht stimmt. Das Reh ist zwar mit dem Rothirsch verwandt, aber eine eigene Art, bei der es natürlich Männchen und Weibchen gibt. Es ist eine unserer häufigsten Wildarten und ist praktisch überall in Deutschland vorhanden. Obwohl es der Redensart zufolge scheu sein soll, kann es immer wieder auch von Spaziergängern beobachtet werden.

Ein weibliches Reh in einem Rapsacker (Bild: Hedwig von Ebbe, PD)

Aus der Familie der Hirsche

 Das Reh heißt mit wissenschaftlichem Namen capreolus capereolus und gehört zur Familie der Hirsche (Cervidae) aber nicht wie der Rothirsch zur Unterfamilie der Echthirsche, sondern zu den Trughirschen. Zu diesen gehört unter anderem auch der Elch, mit dem es von der Systematik her eher verwandt ist als mit dem Rothirsch. Diese systematische Einordnung des Rehs gründet sich auf die Form von Relikten der zurückgebildeten Mittelfußknochen, anhand derer Trug- und Echthirsche unterschieden werden. Von der sonstigen Anatomie her weißt das Reh jedoch auch Merkmale der Echthrische auf, so dass es durchaus Argumente gegen diese Einordnung gibt.

 Ausgewachsene männliche Rehe werden etwa 15...30 kg schwer, bis gut einen Meter lang und erreichen eine Schulterhöhe von bis zu 90 cm; weibliche Stücke sind etwa 10..15% schwächer. Die Farbe der Decke - so lautet der waidmännische Ausdruck für das Fell - ist im Sommer rotbraun, im Winter fast grau.

 Der Lebensraum des Rehs ist eigentlich die Waldrandzone, für die sein Körperbau auch ausgelegt ist: Es ist relativ klein, hinten etwas höher als vorne und hat kein ausladendes Geweih, so dass es sich auch in dichtem Buschwerk recht gut bewegen kann. Rehe fühlen sich aber auch in der Feldflur wohl, sofern es genügend Deckung in Form von Gebüschen, Hecken und Feldgehölzen gibt.

Zwei weibliche Rehe (Gemälde von Franz Marc)

 Im Winter finden sich Rehe zu kleinen Rudeln, der Fachausdruck heißt "Sprünge", zusammen. Ab Mai etwa beziehen die Böcke ihre Einstände, als ihre Reviere und verteideigen sie gegen gleichgeschlehtliche Eindringlinge. Da weniger dominante Böcke von rabiateren verjagt werden, sind um diese Jahreszeit viel Böcke unterwegs, so dass man jetzt gerne auf einen "Maibock" ins Revier geht. Die Geißen setzen bald darauf  ihre Kitze und halten sich dann eher einzeln und in deren Nähe auf.

Als Mitglied der Familie der Hirsche trägt das Reh auch ein Geweih, das gemeinsame Merkmal dieser Tierarten. In der Jägersprache wird das Geweih des Rehes allerdings als Gehörn bezeichnet, im bajuwarischen Sprachraum früher auch als "Gewichtl". Es handelt sich biologisch gesehen jedoch in der Tat um ein Geweih, denn es wird jedes Jahr neu gebildet und wächst nicht wie die Hörner der Boviden (z.B. des Muffels) lebenslang weiter.

 Ein Gehörn hat beim Reh normalerweise nur das männliche Tier, der Bock. Weibliche Rehe heißen bei uns in Süddeutschland Geißen, in Norddeutschland Ricken. Ausnahmsweise können auch Geißen mal ein Gehörn haben, z.B. kommt das bei alten Stücken vor, die nicht mehr fruchtbar sind. Das ist eine Folge der hormonellen Umstellung; man sich das etwa so vorstellen, wie den "Witwenbart" bei Menschenfrauen, ein Damenbart, der sich durch die verminderrte Produktion weiblicher Hormone nach den Wechseljahren einstellen kann.

Junge Rehe nennt man im ersten Jahr Kitze, sie weisen ganz am Anfang die bekannte "Bambi"-Zeichnung auf (Bild: Zumthie, PD)

Nahrung

 Wie seine ganzen Verwandten aus der Familie der Cervidae ist das Reh ein Wiederkäuer und gehört daher mit anderen Familien, wie etwa den Boviden (Rinderartige) zur Unterordnung der Wiederkäuer und zur Ordnung der Paarhufer. Innerhalb der Wiederkäuer ordnet man das Reh beim Typ des Konzentratselektierers ein. Das bedeutet, dass es gezielt nährstoffreiche Pflanzenteile aufnimmt, also junge Triebe, Knospen und dergleichen, im Gegensatz zu Rauhfutterfressern, die mit weniger gehaltvollem Futter, wie z.B. trockenem Gras, auskommen, wenn sie nur entsprechend große Mengen davon erhalten.

 Seine Vorliebe für junge Triebe macht das Reh auch bei Förstern und Waldbesitzern unbeliebt: Es frisst, die Jäger sagen:äst, nämlich gerne die Spitzen von jungen Bäumen ab, die man als Terminaltriebe bezeichnet. Ein solcher Baum muss zwar nicht unbedingt absterben, bekommt aber eine Verkrüppelung oder gabelt sich, weil einer (oder auch zwei oder gar mehrere) der obersten Seitentriebe in diesem Fall die Rolle des Terminaltriebes übernimmt. Ein solcher Baum sieht zwar interessant aus und ist biologisch gesund, liefert aber keinen "Schreinerstamm" fürs Sägewerk, sondern nur noch Brennholz.

 Herzlose Förster, bei denen die Devise "Wald vor Wild" geht, nennen das Reh deswegen oft den "kleinen, roten Waldfresser" und finden, dass "nur ein totes Reh ein gutes Reh" sei. Es gibt aber auch Jäger, die das Rehwild hätscheln und tätcheln, weil es für sie der Hirsch des kleinen Mannes ist. Da ist der Ärger zwischen den beiden Arten von Grünen Männern natürlich vorprogrammiert: Vor allem behaupten die Jäger gerne, dass es keine Rehe mehr gäbe, weil die bitterbösen Förster alle tot geschossen hätten. Warum man heutzutage nicht mehr so viel Rehe sieht, steht im Artikel "Die verschwundenen Rehe".

 Vernünftige Förster - und auch die gibt es Gott sei Dank noch - gestehen dem Reh jedoch auch ein Lebensrecht zu, schließlich gehört es zu unseren Ökosystemen, wie viele andere Tierarten auch. Vernünftige Jäger sehen ein, dass es nicht zu viel Rehe geben darf, weil der Wald ja schließlich anständiges Holz produzieren soll - und lassen sich von den Förstern zur Rehwildjagd einladen. (Die, die immer auf die Förster schimpfen, gehen aber schon auch hin, wenn sie eingeladen werden, so groß ist die Abneigung dann auch wieder nicht.)

 

Jagd auf Rehwild

 Die Förster schießen die Rehe vor allem bei Drückjagden. Dabei lässt man ein paar Treiber und Hunde durch den Wald marschieren, die sich aber nicht so laut gebärden sollen wie bei einer Treibjagd auf Hasen und Füchse, sondern eher wie Spaziergänger oder Pilzsammler. Dadurch werden die Rehe nicht so erschreckt, dass sie in panischer Flucht davon preschen, sondern treten eine Art geordneten Rückzug an. Debei benutzen sie ihre Wechsel (also ihre Wege), die der Revierleiter natürlich kennt und dort sein Jagdgäste hin gestellt hat. Weil die Rehe nicht besonders schnell kommen, kann der Schütze sie gut ansprechen, also sehen, ob da ein Reh kommt, dass er schießen darf. Im Spätherbst und Winter, wenn die Drückjagden sind, darf man nämlich keine Böcke schießen und auch keine Geißen, die Kitze haben.

Hier fühlen Rehe sich wohl: Dichtes Unterholz oder Gebüsch sind ihr eigentlicher Lebensraum

 Die andere übliche Art der Rehwildjagd ist der Ansitz. Der Jäger setzt sich dort, wo er vermutet, dass Rehe kommen, auf einen Hochsitz oder eine andere Sitzgelegenheit. Man kann auf Rehe auch pirschen; dazu schleicht man durch den Wald dahin, wo sich Rehe aufhalten. Das kann man sich heute aber nicht mehr oft gönnen. Die Jagdreviere sind so klein geworden, dass man bei häufigem Pirschen zu oft die selbe Gegend beunruhigt und die Rehe - und anderes Wild - dauerhaft vergrämt, also verjagt. Man sagt deswegen: "Es sind schon mehr Reviere leer gepirscht worden als leer geschossen".

 Wie bei vielen anderen WIldarten auch, jagt man bei den Rehen die männlichen besonders gerne in ihrer Paarungszeit. Bei den Rehen heißt sie Brunft oder Blattzeit und ist Ende Juli, Anfang August. Man nutzt dabei die bekannte Tatsache aus, dass bei männlichen Wesen meist das Gehirn auf Sparbetrieb schaltet, wenn zwei Stockwerk tiefer bestimmte Relais fallen und sie sich dann gut austricksen lassen. Menschliche Männer kostet dieser Effekt zuweilen die Brieftasche, Rehböcke dagegen sind schlimmer dran, für sie endet Liebesbrunst zum falschen Zeitpunkt meist tödlich.

 Der geschickte Jäger macht mit den Lippen, auf einem Buchenblatt (deswegen "Blattzeit" und "Blattjagd") oder auf einem besonderen Instrument bestimmte Lautäußerungen des Rehs nach: Er fiept wie eine Geiß oder ein Kitz (der Bock denkt dann nämlich: "Wo ein Kitz ist, ist auch ein Geiß"). Oder er ahmt den Ruf nach, den die Geiß ausstößt, wenn sie zunächst (wie die meisten Frauen), uninteressiert tut und vor dem Rehbock davon rennt; dann denkt der Rehbock: "Da ist ja schon einer zugange, na warte!", genauso wie wenn der Jäger das Zorngeschrei des Bockes nachmacht.

 Hat der Jäger die jeweilige Lautäuerßung gut nachgemacht und/oder ist der sexuelle Notstand beim Bock entsprechend ausgeprägt und hat er - vor allem - den Jäger nicht gewittert, kann es sein, dass er den letzten Fehler seines Lebens macht und dem verlockenden Geräusch nach geht...

 

Fortpflanzung

 Natürlich kostet nicht jeder Paarungsversuch den Bock das Leben, sonst gäbe es ja keine Kitze mehr. Wird einer geschossen, ist das für die Population nicht weiter schlimm, denn es findet sich immer ein anderer, der den Job übernimmt, da Rehwild keine festen Paarbindungen eingeht. Aus dem gleichen Grund schimpfen die Förster auch auf Jäger, die nur Böcke erlegen und nach alter Väter SItte "nicht auf Frauen und Kinder schießen". Die Jagd auf männliche Stücke tut der Bestandsentwicklung nämlich keinen Abbruch, da man nie alle erwischt und die verbleibenden ohne Probleme den Job der verblichenen Artgenossen mit erledigen und daher  trotzdem alle weiblichen zu ihrem Nachwuchs kommen.

 War der Beschlag, so nennt der Jäger die Paarung, erfolgreich, passiert - zunächst einmal gar nichts. Der Keim, die befruchtete Eizelle also, ruht erst einmal ohne sich weiter zu entwickeln. Erst um Weihnachten herum beginnt die Frucht zu wachsen. Das liegt daran, dass die eigentliche Tragzeit beim Reh aus biologischen Gründen etwa fünf Monate beträgt und - wie bei den meisten unserer Tiere - das späte Frühjahr ein guter Zeitpunkt zum Setzen der Kitze ist, da sie dann bis zum Herbst genügend Zeit haben, groß genug zu werden um im WInter eine reelle Überlebenschance zu haben.

Trotzdem jährlich Hunderttausende von Rehen geschossen werden, nimmt ihre Zahl kaum ab

 Aus diesen Gründen müsste die Rehbrunft also um Weihnachten stattfinden. Da die Blattzeit aber für den Bock eine recht stressige Zeit ist, würde er sie mit hoher Wahrscheinlichkeit in der kalten Jahreszeit nicht überleben. Selbst für den viel größeren Rothirsch hat sein Brunftstress im Herbst oft tödliche Folgen, wenn er sich vor dem WInetr nicht mehr davon erholen kann. So aber hat der Rehbock nach der Blattzeit noch genügend Gelegenheit, sich wieder ordentlich Feist, also Fett, anzufressen um gut über den WInter zu kommen.

 Bis man vor etwa 150 Jahren mit Hilfe des Mikroskops nachweisen konnte, dass beim Rehwild diese Keimruhe stattfindet, war die Rätselei unter den Jägern groß. Es gab damals in Fachzeitschriften und dergleichen heiße Diskussionen über dieses Mysterium. EIn gängige Theorie war, dass die Blattzeit nur eine Scheinbrunft sei und das Rehwild sich im Dezember noch einmal heimlich, still und leise der Paarung hingebe, wobei dann tatsächlich der Nachwuchs gezeugt werde. Eine solche Nachbrunft gibt es beim Reh übrigens tatsächlich ab und zu; dann nämlich, wenn eine Geiß bei der regulären Brunft nicht aufgenommen hat, kann sie im Dezember noch einmal brunftig werden. Wahrscheinlich wurde das ab und zu beobachtet, was dann zur Theorie der stillen Brunft im Winter geführt haben mag.

 Auf jeden Fall aber setzt die Geiß im späten Frühjahr oder Frühsommer ihre Kitze. In der Regel sind es zwei, seltener eines oder gar drei. Am Anfang legt sie ihre Kitze immer ab, wenn sie selbst äst und kommt immer wieder bei ihnen vorbei um sie zu säugen. Aus Gründender "Risikostreuung" legt die Rehmutter ihre Kitze auch nie zusammen ab. Da sie das aber auch gerne in Wiesen tut und man dort heute bereits sehr früh mäht sind die Kitze sehr gefährdet.

 Abgesehen von den durch den Menschen verursachten Gefahren des Ausmähens und natürlich des Straßenverkehrs haben Rehkitze - wie große Säuger im allgemeinen - eine recht gute Überlebenschance. Im Laufe des Herbstes und des Winters werden sie immer unabhängiger von ihrer Mutter und nehmen im Jahr nach ihrer Geburt, als Schmalreh bzw. Schmalgeiß oder Jährlingsbock bereits an der Brunft teil, so dass das weibliche Reh mit zwei Jahren das erste Mal Mutter und damit zu einer Geiß wird.

 

Das Gehörn

 Das männliche Kitz entwickelt bereits im Herbst seines Geburtsjahres sein erstes, in der Regel noch unscheinbares Gehörn. Dieses wird nach einer Weile abgeworfen, worauf ein neues zu wachsen beginnt, welches dann regulär im Winter abgeworfen und neu gebildet wird. Wir der Rehbock älter, wirft er sein Gehörn immer früher ab und hat auch früher ein neues. Manche jungen Reböcke behalten ihr erstes Gehörn auch bis zum Herbst des nächsten Jahres und werfen es etwa dann ab, wenn die anderen das  zweite Gehörn abwerfen, überspringen also einen Gehörnabwurf.

 Das Gehörn - eigentlich ist es ja, wie gesagt, ein Geweih - ist eine Knochenbildung. Solange es wächst, ist es von einer Haut überzogen, der so genannten Basthaut. Sie stirbt ab, wenn das Gehörn voll entwickelt ist und der Bock streift sie durch Schlagen und Scheuern gegen Zweige und junge Baumstämmchen ab, er fegt, wie der Jäger sagt.  Dabei wird die Rinde in charakteristischer Weise beschädigt, so dass man anhand dieser Fegestellen sehen kann, wo ein Rehbock seinen EInstand hat, also "wohnt". Ist das Gehörn ganz frei von der Basthaut, sagt man, der Bock habe verfegt.

 Das erste Gehörn besteht meist nur aus zwei Spießen, einen solchen Bock nennt man Spießer. Später wird das Gehörn größer und bekommt mehr Enden, bei zwei Enden pro Stange spricht man von einem Gabler, bei dreien von einem Sechser. Wird der Bock älter, schiebt er wieder weniger gute Gehörne, man sagt, dass er dann zurücksetzt. Mehr als sechs Enden sind selten, wenn es sie gibt, sind sie meist die Folge von Verletzungen des Gehörns beim Wachsen oder der Rosenstöcke, der Knochenanlagen aus denen das Gehörn herauswächst.

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30. Dezember 2008 2 30 /12 /Dezember /2008 13:45

Wenn sich auch ohne Kleber und Leime allerhand mit Holz bewerkstelligen läßt, erweitern sie jedoch die Möglichkeiten, hölzerne Bauteile zu verbinden erheblich. Bei manchen Dingen, wie zum Beispiel beim Aufbringen von Furnieren wird man ohne Leim oder Kleber überhaupt nicht zurechtkommen. Wenn wir zwar auch meist sprachlich zwischen „Leimen“ und „Kleben“ unterscheiden, wird den meisten von uns jedoch nicht so ganz einwandfrei klar sein, worin nun der eigentliche Unterschied besteht, zumal es hier offenbar auch einen Übergangsbereich gibt.

 

Das Verbinden von Holzteilen mit mechanischen Techniken wie Schrauben und Nageln hat seine Grenzen: Im Möbelbau ist dann vor allem das Leimen gefragt

 

Das Leimen

 Das klassische Leimen zeichnet sich vor allem dadurch aus, daß die Leimfuge sehr dünn, praktisch „gar nicht vorhanden“ ist. Miteinander verleimte Teile müssen an den Berührflächen daher sehr genau zusammenpassen, eben deswegen, da „gar keine Fuge“ vorhanden sein soll. Zumindest der ohne Druck abgebundene Leim ist immer noch relativ weich, wie man feststellen kann, wenn man nach dem Fertigstellen und Aushärten einer Leimverbindung den beim Zusammenpressen ausgetretenen und nun abgebundenen Leimüberstand entfernt. Eine dicke Leimfuge würde daher eine unzulässige Flexibilität und Instabilität der Verbindungsstelle erzeugen, den Leim kann nicht füllen, schon gar nicht mit einer dem Holz entsprechenden Festigkeit.

 Leime werden im Holzbereich immer unter hohem Druck ausgehärtet. Das ist - technisch gesehen - die Hauptproblematik für den Einsatz von Leim im Bastel- und Heimwerkerbereich. Denn um diesen hohen Druck zu erzeugen benötigt man eine Menge Schraubzwingen bzw. -knechte. Als (Schraub-)Knechte bezeichnen Holzhandwerker die richtig großen Zwingen, die man beim Verleimen von entsprechend großen Werkstücken einsetzt.


Als Kennzeichen des Verleimens können wir uns folgende Kriterien merken:

Die Fugen müssen sehr dünn sein, das heißt, die zu verleimenden Werkstücke müssen sehr gut zusammenpassen

Leimverbindungen müssen unter Druck aushärten, daß heißt, die Bauteile müssen für die Dauer des Abbindevorganges zusammengespannt werden.


  Wenn man größere Verleimungen ausführen will, braucht man tatsächlich unglaubliche Mengen von Schraubzwingen. Leider sind diese nicht ganz billig und stellen daher eine beachtliche Investition in die Heimwerkstatt dar. Allerdings halten gute Schraubzwingen auch sehr lange und stellen daher eine „Anschaffung fürs Leben“ dar.

 

Das Kleben

Wirklich wasserfeste Kleber sind meist chemische Keulen. Im Innenbereich brauchen wir sie auch garnicht; wo es aber auf  Wasserfestigkeit ankommt, wie beim Bootsbau, haben sie durchaus ihre Berechtigung.

 Klebstoffe sind in ihrer Anwendungs- und Wirkungsweise den Leimen recht ähnlich, unterscheiden sich jedoch teilweise grundlegend von diesen. Klebeverbindungen weisen im Gegensatz zu Leimverbindungen oft größere Fugen auf, was jedoch nicht für alle Kleber gilt. Cyanacrylat-Kleber („Sekundenkleber“) zum Beispiel halten - wenn überhaupt - nur, wenn der Spalt entsprechend dünn ist, die zu verbindenden Teile also passgenau zugerichtet sind. Andere Kleber, z.B. Epoxydharz kann, wenn es mit entsprechenden Füllstoffen versehen ist, durchaus größerer Fugen überbrücken. Der Übergang zu einer modellierbaren Spachtelmasse ist hier mit steigendem Gehalt an Füllstoffen fließend. 
 Ein weiterer Unterschied ist, das beim Kleben die Teile im allgemeinen nicht unter hohem Druck zusammen gefügt werden. Auch hier bestätigen Ausnahmen die Regel: Kontaktkleber erfordern ein kurzes, dafür aber starkes, Zusammenpressen der Teile. Die umfassendste Definition für "Kleber" könnte man daher als "alles was klebt, aber kein Leim ist" formulieren.

 Kleber vollbringen heutzutage wahre Wunderdinge - aber leider mit Hilfe der Chemie. Ob es dabei immer umweltfreundlich zugeht, darf stark bezweifelt werden. Epoxidharze etwa verwenden in aller Regel richtig giftige Härter, so dass man diese sicherlich nicht im Innenbereich haben möchte. Man braucht sie hier auch gar nicht, denn wer so feucht wohnt, dass sogar die Leimfugen der Möbel aufgehen, sollte sich besser schleunigst nach einer anderen Bleibe umsehen.

 Kleber aus unbedenklichen Stoffen, wie etwa Stärke, halten meist nicht viel und sind nicht wasserfest. Das brauchen sie im Innenbereich aber auch nicht, daher lässt sich zum Beispiel selbstgemachter Kleister aus Mehl durchaus im Innenbereich da verwenden, wo die Festigkeit einer handwerksgerechten Leimverbindung nicht erforderlich ist, typischerweise etwa beim Bekleben von Holz mit Papier.

 Wo es aber auf Feuchtigkeitsresistenz ankommt, bestechen manche Kleber durch ihre EIgenschaften derart, dass man die giftige Chemie in Kauf nehmen kann: Im Außenbereich und vor allem beim Bootsbau. Gerade hier ist Epoxidharz zum Kleben und Beschichten erste Wahl. Schimmelpilze im Schiff sind sicherlich keine Alternative zu eventuellen, geringen Ausdünstungen von Resthärter oder dergleichen auf einem Holzschiff, welches durch sachgemäße Verwendung von  Epoxid bei Bau oder Instandsetzung trocken ist.

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29. Dezember 2008 1 29 /12 /Dezember /2008 16:25

Jetzt im Winter ist wieder die Zeit der zugefrorenen Autoscheiben und der einfrierenden Wisch-Waschanlagen gekommen. Scheibenenteiser und Waschanlagenfrostschutz sind gefragt. Doch wie funktioniert der Frostschutz und kann man ihn eventuell selber machen?

 

Gerade bei tiefstehender Sonne im Winter ist eine saubere Frontscheibe wichtig. Damit man die immer hat, darf die Scheibenwaschanlage nicht einfrieren

 

Vereiste Scheiben

Das morgendliche Scheibenkratzen kann man sich natürlich sparen, wenn man das Auto abends in die Garage stellt. Aber nicht jeder hat schließlich eine und auch wenn man eine hat, ist sie so manchem viel zu schade um schnöde den fahrbaren Untersatz hinein zu stellen, weil sie sich doch auch für tausend andere Dinge eignet, die man nicht draußen erledigen oder aufbewahren kann, während das Auto auch sehr gut im Freien schläft.

 Der einfachste und billigste Trick gegen vereiste Scheiben ist ein hinreichend großer Pappendeckel, denn man Abends unter die Wischer klemmt. Der leistet übrigens auch im Sommer gute Dienste, da man ihn dann als Schattierung einsetzen kann, damit man sich nicht beim Losfahren jämmerlich die Hände am Lenkrad verbrennt.

 Sind die Scheiben dennoch zugefroren, nehmen viele Leute ein Scheibenenteiser-Spray anstatt zu kratzen. Die Scheibe wird es vielleicht danken, der Geldbeutel weniger, denn die Verwndeung von Scheibenenteiserspray gleicht dem sprichwörtlichen Zuckerkauf in der Apotheke. Konzentriertes Frostschutzmittel für die Scheibenwaschanlage tut es auch. man füllt es einfach in eine Sprühflasche, z.B. vom Fensterputzmittel.

 

Scheibenwasser-Frostschutz

 Selbst wenn das Auto in der Garage schläft und deswegen die morgendliche Scheibenenteisung nicht erforderlich ist, ist das Vehikel unterwegs - und bei strenger Kälte auch in der Garage - Minusgraden ausgesetzt. Deswegen muss man das Scheibenwaschwasser gegen Einfrieren schützen. Kochsalz, welches an sich ein sehr gutes Auftaumittel ist, scheidet hier natürlich aus, da es stark korrosiv wirkt, das heißt es würde das schöne Auto mächtig rosten lassen. Teurer als Kochsalz, dafür aber nicht korrosiv ist Alkohol, der ebenfalls den Gefrierpunkt von Wasser senkt.

 Es gibt schöne, meist blaue Produkte zu kaufen, welche im wesentlichen aus irgendeinem Alkohol (oder auch mehreren), irgendwelchen Duft- sowieangeblichen Pflegemittelchen und jeder Menge Wasser bestehen. Das entscheidende daran ist der Alkohol, denn der sorgt für die Gefrierpunktserniedrigung. Ein Liter Scheibenwaschanlagen-Konzentrat als Markenprodukt kostet etwa drei oder vier  Euro und gefriert typischerweise bei -30 °C. Um das gleiche Geld bekommt man aber auch einen Liter ganz gewöhnlichen Brennspiritus. Der riecht zwar nicht so toll wie das schöne, blaue Scheiben-Frostschutzmittel, kann aber mit Wasser auf das doppelte gestreckt werden, denn wie man aus der folgenden Tabelle entnehmen kann, liegt der Gefrierpunkt einer Mischung von 50% Ethanol und 50% Wasser bei -32°C:

 

Ethanolgehalt in Vol.%   10   20   30   40   50


Gefrierpunkt °C            -4   -9   -15  -23  -32

 

 Tatsächlich liegt der Gefrierpunkt der genannten Mischung etwas höher, denn Brennspiritus hat keine 100% sondern lediglich mindestens 94% Alkohol, also schätzungsweise auch bei ca. -30°C. In der Praxis wird man in unseren Breiten sogar oft mit einem Gefrierpunkt von -9°C (20% Alkohol), in milderen Gegenden eventuell sogar mit -4°C (10% Alkohol) auskommen, wenn wir nicht gerade mal wieder einen wirklich kalten Winter haben. Selbst wenn es in der Nacht kurzfristig einmal bis auf -10 oder -15°C hinuntergeht, wird es im Motorraum des Autos nicht unbedingt auch gleich so kalt.

 Je nachdem, wie spät man das Auto abgestellt hat, wirkt die Restwärme des Motors noch einen mehr oder weniger großen Teil der Nacht nach und darüber hinaus ist der Motorraum eines Autos auch gewissermaßen eine "geschützte Lage", denn die Motorhaube wirkt der Auskühlung durch Wärmeabstrahlung entgegen, abgesehen davon, dass eine eventuell vorhandene Antidröhn-Beschichtung auch ein wenig isolierend wirken dürfte. Am kältesten wird es übrigens meist um den Sonnenaufgang und da steht  das Auto wintertags bei vielen Leuten bereits längst mit mittlerweile wieder aufgewärmten Motor auf dem Firmenparkplatz.

 Benutzt man sein Auto eher selten, muss man mehr Alkohol oder Frostschutz nehmen, genauso während längerer Kälteperioden. Für die gelegentliche, kalte Nacht in einem sonst eher milden Winter sollten die oben angegebenen Werte jedoch reichen.Auf jeden Fall sollte man morgens vor dem Losfahren die Scheibenwaschanlage probieren. Es kann nämlich auch passieren, dass das Wasser erst auf der Scheibe gefriert, was brandgefährlich werden kann!

 Der Wasser-Spirtusmischung kann man übrigens auch noch ein wenig Geschirrspülmittel zugeben, damit sie besser reinigt und vielleicht auch der typische Spiritusgeruch ein wenig überdeckt wird. Man kann sich auch zusätzliche noch eine konzentriertere Spirtusmischung machen und diese in die Sprühflasche zur morgendlichen Scheibenenteisung füllen.

 

Billigangebote

 Eine andere Möglichkeit sind die Billigangebote, die man um diese Jahreszeit oft in Baumärkten und dergleichen Läden sieht. Hier bekommt man fünf Liter oft für drei Euro. Ich habe heute zwei Sorten um diesen Preis gesehen, das eine ging angeblich bin -15, das andere bis -30°C. Das erste käme also preislich in etwa der 20%igen Spiritusmischung gleich,  das zweite wäre ihr sogar erheblich überlegen. Allerdings ist es so, dass Tester schon festgestellt haben, dass bei Billig-Scheibenfrostschutz der Gefrierpunkt nicht den Angaben entsprach und manche dieser Produkte auch Methanol (als giftigen Methylalkohol) enthielten. Ein Vorteil des selbstgemachten Scheibenreinigers besteht also auf jeden Fall darin, dass man weiß was was drin ist, ein weiterer ist der, dass man sich auf den Gefrierpunkt verlassen kann, wenn man nach der obigen Tabelle mischt.

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Published by Fokko - in Auto
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28. Dezember 2008 7 28 /12 /Dezember /2008 20:54

Die Luft, welche wir atmen und die den grünen Pflanzen für Assimilation und Atmung zur Verfügung steht, besteht zu etwa 78% aus Stickstoff, zu 21% aus Sauerstoff und nur zu 0,04% aus Kohlendioxid. Aus diesem Bisschen Kohlendioxid stammt der ganze Kohlenstoff, den die Pflanzen zum Aufbau von organischer Materie benötigen. Trotzdem ist es nicht der Kohlenstoff, sondern der überreichlich in der Luft vorhandene Stickstoff, welche als eine Art Mangelware den Aufbau lebender Materie begrenzt.

 

Auch wenn Stickstoff mit seinem Anteil von 78% an der bodennahem Atmosphäre überreichlich vorhanden ist, ist er doch in natürlichen Ökosystemen eher Mangelware

 

Drei Lebensbausteine

 Lebende Organismen bestehen im Grunde aus drei chemischen Bausteinen, die auch die Komponenten unserer Nahrung bilden: Kohlenhydrate, Fette und Eiweiße. Zucker, eine Art der Kohlenhydrate erzeugen grüne Pflanzen durch die Photosynthese mit Hilfe des Blattgrüns, dem Chlorophyll aus Kohlendioxid und Wasser. Die nötige Energie dazu liefert das Sonnenlicht. Kohlenhydrate bestehen lediglich aus Kohlenstoff, Wasserstoff und Sauestoff. Sie lassen sich auch recht leicht in Fette umwandeln, was nicht nur Pflanzen können, sondern z.B. auch unser Körper: Das Insulin der Bauchspeicheldrüse wandelt überschüssigen Blutzucker in Fett um, welches als Energiereserve gespeichert wird. Auch Fette bestehen lediglich aus Kohlenstoff, Wasserstoff und Sauerstoff. 

Wie Kohlehydrate auch, stammen Eiweiße letztendlich aus Pflanzen

 Der dritte Baustein des Lebens, das Eiweiß hingegen enthält nun außer Kohlenstoff, Wasserstoff und Sauerstoff vor allem Stickstoff als wichtige, dritte Komponente, sowie einige andere Elemente, die zwar ebenfalls wichtig sind, quantitativ aber keinen so großen Anteil haben. Tiere - zu denen wir Menschen in diesem Zusammenhang auch zählen - decken ihren Eiweißbedarf ganz einfach, in dem sie eiweißhaltige Nahrung tierischer und/oder pflanzlicher Herkunft zu sich nehmen. Pflanzen jedoch nehmen das in ihrem Gewebe enthaltene Eiweiß in der Regel nicht auf, sondern erzeugen es selbst. Dazu müssen sie mit Ihren Wurzeln Stickstoff aus dem Boden aufnehmen. Ausnahme von der Regel sind die fleischfressenden Pflanzen: Sie leben typischerweise auf stickstoffarmen Böden, wie z.B. der Sonnentau auf seinem Moorboden und begegnen dem Stickstoffmangel dadurch, dass sie Insekten um ihres Eiweiß- und damit Stickstoffgehaltes willen anlocken, fangen und verdauen.

 Je mehr Eiweiß eine Pflanze enthält, desto mehr Stickstoff benötigt sie. Das weiß jeder Gärtner, denn er kennt die eiweißreichen Pflanzen wie etwa die verschiedenen Kohlsorten als so gennnte Starkzehrer, welche viel Stickstoff benötigen. Auch hier gibt es eine Ausnahme, denn Hülsenfrüchte sind sehr eiweißreich, benötigen aber dennoch nicht besonders viel Stickstoff. Warum das so ist, wird später noch klar werden.

 

Pflanzenverfügbarer Stickstoff

 Die ganze in unserer Atmosphäre enthaltene, unvorstellbar große Menge an Stickstoff nutzt nun die Pflanzen zunächst einmal genau nichts. Es handelt sich dabei nämlich um elementaren Stickstoff und den können Pflanzen nicht aufnehmen. So genannter pflanzenverfügbarer Stickstoff, also solcher, mit dem man Pflanzen düngen kann, ist in bestimmten Stickstoffverbindungen enthalten, die in der Natur eben eher rar sind. Dadurch wird der Aufbau von Eiweiß und damit von Biomasse überhaupt begrenzt.

 

Vor der Erfindung des Kunstdüngers war es für den Landwirt sehr schwierig, genügend Stickstoff in den Boden zu bekommen, um eine ausreichende Biomasseproduktion zu ermöglichen

(Dieses Bild basiert auf dem Bild Farmer_plowing.jpg aus der freien Mediendatenbank Wikimedia Commons und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. Der Urheber des Bildes ist Ralf Roletschek)

 Vor diesem Hintergrund wird auch klar, warum früher, zu Zeiten der Jäger und Sammler und auch des Ackerbaus vor der Erfindung des Kunstdüngers, Nahrung immer ein knappe Sache war. Zwar konnte ein Bauer auch früher seinen Acker mit Stall- und Abtrittdünger düngen; jedoch war dies lediglich Teil eines Kreislaufprozesses: Der Stickstoff im Dünger stammte aus der Nahrung von Mensch und Tier - und damit letztendlich wieder von irgendwelchen Pflanzen. Nicht anders verhält es sich in der Natur: Selbstverständlich düngen verrottende stickstoffhaltige Pflanzenteile, verwesende Tierkörper und Exkremente den Boden mit Stickstoff. Aber auch hier ist der Stickstoff zunächst einmal nichts anderes als Kreislaufmaterial, denn die Tiere haben ihn ja selbst wieder mit der Nahrun gaufgenommen, die letztendlich auch wieder von den Pflanzen des jeweiligen Ökosystems stammt.

 Da es nun aber bei diesem Kreislauf des Stickstoffs mit Sicherheit "undichte Stellen" gibt, an denen aus pflanzenverfügbarem Stickstoff  wieder elementarer wird, muss es auch Schnittstellen geben, an denen aus elementarem Luftstickstoff pflanzenverfügbarer Stickstoff wird, zumal der Augenschein ja durchaus lehrt, dass die Biomasse auf der Erde nicht ständig abnimmt, sondern eher die Tendenz zur Zunahme zeigt, was auch schon der Fall war, bevor der Mensch durch Kunstdünger vieleriorts für eine Überdüngung sorgte.

 Des Rätsels Lösung: Es gibt in der Tat solche Schnittstellen: Bestimmte Pflanzen, die Leguminosen nämlich, leben in einer Symbiose mit bestimmten Bakterien, den so genannten Knöllchenbakterien, welche in der Lage sind, elementaren Stickstoff aus der Luft in pflanzenverfügbaren umzuwandeln. Die Knöllchenbakterien sitzen an den Wurzeln der auch als Hülsenfrüchte bekannten Leguminosen und versorgen diese mit Stickstoff; im Gegenzug bekommen sie von der Pflanze andere Stoffe, die sie selbst benötigen.

 

Fruchtfolge und Brache

 Und damit ist jetzt auch das Rätsel um die Bohnen und Erbsen gelöst, die zwar viel Eiweiß enthalten, dennoch aber keine Starkzehrer sind und daher, anders als etwa Kohl, keine Stickstoffdüngung benötigen. Besser noch: Die Knöllchenbakterien versorgen nicht nur ihre "Partnerpflanze" mit Stickstoff - und uns dadurch mit nahrhaften Bohnen und Erbsen. Bei der Geschichte gelangt überdies noch allerhand pflanzenverfügbarer Stickstoff in das Erdreich, so dass man - wie jeder Gärtner weiß - im nächsten Jahr auf dem betreffenden Beet mit gutem Erfolg Starkzehrer wie etwa Blumenkohl anbauen und damit eine weitere nahrhafte Ernte einfahren kann. 

Bohnen sind nicht nur lecker und nahrhaft, sie reichern auch den Gartenboden mit Stickstoff an, was den Bedarf an entsprechendem Dünger verringert (Bildquelle:

(Dieses Bild basiert auf dem Bild Snijboon peulen Phaseolus vulgaris.jpg aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. Der Urheber des Bildes ist Rasbak)

 Es gibt unter den Leguminosen natürlich auch Wildpflanzen, welche in den natürlichen Ökosytemen für den Stickstoffnachschub sorgen. Solche Wildpflanzen aus der Familie der Leguminosen stellen sich auch auf Brachflächen ein, die sich von selbst begrünen, so dass in früheren Zeiten durch die damals übliche Brache in jedem dritten Jahr auch ein gewisser Stickstoffnachschub gewährleistet war, neben den anderen Erholungseffekten, welche die Brache dem Ackerland bringt. Später lernte man dann auch, Leguminosen wie den Rotklee in die Fruchtfolge einzubeziehen, so dass der Boden nicht nur besser mit Stickstoff versorgt wurde, sondern auch einen Nutzen in Form von Viehfutter brachte. Es gibt auch Ackerpflanzen, die nur zum Gründungen gepflanzt und gar nicht geerntet, sondern einfach untergepflügt werden.

 

Kunstdünger und Stickoxide

 Einen Durchbruch in der Landwirtschaft brachte die Erfindung des Kunstdüngers: Nun konnte man Stickstoff in nahezu beliebiger Menge in den Boden bringen und so die Erträge erheblich steigern. Zunächst stammte der Stickstoff aus Salpeter, welcher vor allem in Chile abgebaut wurde, also aus einer sich nicht erneuernden Quelle. Mit der Erfindung des Haber-Bosch-Verfahrens wurde es dann sogar möglich, Ammoniak aus dem Luftstickstoff zu machen, welches den Salpeter als Grundlage der Kunstdüngerherstellung verdrängte. Das war übrigens auch der Todesstoß für die Segelschiffahrt, denn der nun größtenteils überflüssige Salpetertransport war die letzte Domäne der Windjammer gewesen.

 Unangenehme Folge des Kunstdüngers ist die Belastung der Umwelt mit Stickstoffverbindungen. Nicht aller mit dem Kunstdünger ausgebrachte Stickstoff wird auch von den Pflanzen aufgenommen, sondern es landet immer auch ein erheblicher Teil im Grundwasser und schließlich in den Gewässern, die dadurch überdüngt werden. Wenn man sich nun vor Augen hält, dass pflanzenverfügbarer Stickstoff ja von Natur aus eine recht knappe Ressource ist und das Gleichgewicht in der Natur mit auf diesem Umstand beruht, wird einem klar, dass eine solche Überdüngung einiges in Unordnung bringen kann.

Auch wenn es ihm selbst wahrscheinlich überhaupt nicht bewusst ist - hier düngt einer den Wald: Stickoxide aus Autoabgasen sind pflanzenverfügbarer Stickstoff

 Übrigens trägt auch der Straßenverkehr nicht wenig zur Überdüngung der Landschaft bei: Die Stickoxide aus den Abgasen sind eine Form von pflanzenverfügbarem Stickstoff. Aus diesem Grunde findet man heute auch im Wald einen Haufen Brennnesseln und Brombeeren. Beide sind typische Stickstoffzeiger und waren früher im Wald nicht besonders häufig.

 Gerade im Garten benötigt man eine Menge Stickstoff, vor allem wenn man gute Erträge an nahrhaften Starkzehrern erziehlen will, was ja gerade vor dem Hintergund des Selbstversorgergedankens interessant ist. Aus diesem Grunde schleppt man natürlich gnadenlos alles organische und möglichst stickstoffhaltige in den Garten, was man nur (umsonst) kriegen kann. Und dadurch hängt so mancher, der eigentlich total biologisch zu gärtnern vermeint, unwissentlich doch am Tropf der Kunstdüngerinsdustrie - oder glaubt Ihr, ein Bauer würde seinen Mist hergeben, wenn sein Boden nicht überreichlich durch Kunstdünger mit pflanzenverfügbarem Stickstoff versorgt wäre?

 Will man wirklich autark gärtnern, dürfte man genau genommen keinen Stickstoffdünger von außen einbringen. Man müsste allen Stickstoff durch eigene Leguminosen in den Boden bringen. Natürlich geht das auch im größeren Rahmen, wenn man nämlich eine autarke kleine Landwirtschaft hat und dort durch schlauen Fruchtwechsel und Gründüngung gewisse "Überschüsse" an Stickstoff in Form von Mist oder Kompostmaterial erzielt, die man für den Garten abzweigen kann.

 Aber päpstlicher als der Papst wollen wir ja nicht sein und ich selbst bin übrigens auch nicht besser: Ich schnorre gnadenlos von meinen Nachbarn Grasschnitt für meinen Kompost und zum Mulchen. Die sind froh, dass sie das Zeug nicht fort karren müssen und überlegen sich dabei aber gar nicht, dass sie mir damit nicht nur ihren Mutterboden, sondern auch noch das bare Geld über den Zaun werfen. Selbstverständlich ist Gras nämlich sehr stickstoffhaltig - wo käme denn sonst auch das Eiweiß in den Steaks her? Und wenn meine Nachbarn ihren Rasen nicht jetzt schon mit stickstoffhaltigem Rasendünger düngen, werden sie es irgendwann tun müssen.

 Genaugenommen ist es ja nicht richtig, auf Kosten anderer einen Vorteil zu erzielen... Aber ein Stück weit macht den Reiz der Selbstversorgerei doch auch aus, dass man dann und wann das Gefühl hat, ein wenig schlauer zu sein als die anderen, oder?

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27. Dezember 2008 6 27 /12 /Dezember /2008 14:44

Das Nageln ist an sich eine uralte Technik der Holzverbindung. Da Nägel früher jedoch teuer waren, weil man sie einzeln schmieden musste, wurden Nagelungen oft vermieden und durch andere Holzverbindungen wie Keile oder Dübel ersetzt. Seitdem Nägel jedoch billig geworden sind, weil man sie maschinell herstellt, ist ihre Anwendung zu einer der häufigsten Holzverbindungstechniken geworden.

 

Wie Nägel aussehen, weiß jeder. Um sie richtig ins Holz zu bekommen, so dass sie auch halten, muss man ein paar einfache Regeln beachten

(Dieses Bild basiert auf dem Bild Nails.jpg aus der freien Mediendatenbank Wikimedia Commons und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. Der Urheber des Bildes ist W. J. Pilsak)

 

Nagel. Hammer, Säge...

 Richtig zu nageln ist eines der ersten Dinge, die man lernen sollte, wenn man anfängt, sich mit Holz zu befassen. Das Nageln ist die typische Verbindgsart , nicht nur für Hochsitze und andere Jagdeinrichtungen, sondern auch für eher grobe Holzkonstruktionen in Haus und Garten: robuste Regale für Keller und Garage, Schuppen und Dachkonstruktionen, Gestelle, Gerüste, Betonschalungen und dergleichen mehr. In diesem Bereich kommt man mit Hammer, Säge, Beißzange und gegebenenfalls einem Nageleisen bereits recht weit;  ein ideales Betätigungsfeld also, wenn man mit der Holzbearbeitung anfangen will. Die genannten Werkzeuge sind nicht fuchtbar teuer, wenn nicht gar sowieso bereits im Haushalt vorhanden.

 

Was sich der Laie unter einem Hammer schlechthin vorstellt, ist ein Schlosserhammer (Bild: Klebeband, Public Domain)

 

 Zum Nageln gehört natürlich ein Hammer. Im Haushalt vorhandene Hämmer sind meistens Schlosserhämmer. Ein Schlosserhammer ist das, was man sich gemeinhin unter einem Hammer vorstellt: Einer, dessen Hammerkopf mit Bahn und Finne an ein schmales Haus mit steilem Dach erinnert und dem man daher die Abstammung vom Faustkeil des Steinzeitmenschen noch deutlich ansieht. Als Bahn bezeichnet man übrigens die  flache Stirnseite des Hammerkopfes, als Finne die andere, zu der hin sich der Hammer zweiseitig verjüngt.

Man kann mit einem solchen Hammer natürlich auch nageln. Schlosserhämmer werden nach dem Gewicht des Kopfes eingeteilt; einer mit 500 g ist ein guter Universalhammer, mit dem sich außer dem Einschlagen von Nägeln auch noch allerhand andere Arbeiten im Haushalt erledigen lassen. Daher wird ein solches Werkzeug sicher in vielen Haushalten herumliegen und für die ersten Nagelversuche genutzt werden. Wenn man zusätzlich noch eine Beißzange zum Herausziehen krumm geschlagener Nägel und eine Säge zum Ablängen der Hölzer besitzt, kann man schon allerhand anfangen. Als Säge eignet sich notfalls ein Fuchschwanz, der auch oft im Haushalt vorhanden ist; für stärkere Hölzer nimmt man eine Spannsäge oder eine Schwedensäge.

Zimmermannshämmer, einer mit hölzernem, einer mit metallenem Stiel, außerdem ein Zimmermannsbeil

 

 Es gibt aber Hammertypen, die speziell für das Nageln ausgelegt sind. Ein typisches Beispiel hierfür ist der Latt- oder Scherhammer, der den meisten unter dem Begriff  "Zimmermannshammer" bekannt ist. Er besitzt statt der Finne des Schlosserhammers einen Schwalbenschwanz zum Nägel heraus Ziehen, der einseitig zu einer Spitze verlängert ist, mit der man z.B. aufgenagelte Bretter oder Latten wieder loshebeln kann. Die andere Seite des Schwalbenschwanzes ist als kleine Schneide ausgeführt, hiermit kann man kleinere Hözchen spalten. An dem Ende mit der Bahn sollte der Latthammer eine kleine Vertiefung in Form eines Nagels aufweisen: Hier hinein kann man einen Nagel legen, wenn man ihn so weit über Kopf einschlagen will, dass man zwar noch mit dem Hammer, aber nicht mehr mit der Hand hinauf langen kann. Manchmal besitzt diese Nagelaufnahme sogar einen klinen Magneten, der den Nagel hält.

 Mit dem Latthammer schlagen Zimmerleute Nägel bis zu einer Läne von 80 oder 100 mm ein. Für größere eignet sich die Rückseite des Beils besser; für ganz große, z.B. Sparrennägel, nimmt man die Axt. Es gibt Latthämmer mit hölzernen Stielen und mit solchen aus Stahlrohr. Mit einem Holzstiel nagelt es sich besser, während der Stahlrohrstiel weniger leicht bricht wenn man Nägel herauszieht oder mit dem Zinken des Hammers angenagelte Hölzer löst, wie das etwa beim Ausschalen von Betonteilen vorkommt oder wenn man Hilfskonstruktionn entfernt. Ich persönliche besitze daher ein Exemplar von jeder Sorte.

 

Hammerführung, Nagellängen und Nagelbild

Typisches Beispiel für eine einfache Holzkonstruktion, die mit Säge und Hammer gebaut wird: Ein kleiner Hochsitz aus rohen Fichtenstangen

 

 Nageln ist  eine typische Verbindungstechnik für langfaserige Weichhölzer wie die Fichte, die auch überwiegend als Konstruktionshölzer, also für zimmermannsmäßige Arbeiten, eingesetzt werden. Hartholz nagelt sich schlecht, erstens weil es dem Eindringen des Nagels einen größeren Widerstand entgegensetzt und zweitens deswegen und eventuell auch aufgrund krürzerer Fasern (z.B. bei Buche) viel leichter reißt. Nagelt man Hartholz trotzdem, empfiehlt sich das Vorbohren der Nagellöcher.

Richtig zu nageln ist nicht besonders schwer, wenn man einige einfache Grundregeln beachtet. Zu allererst kommt es auf die richtige Führung des Hammers an. Bei Laien sieht man oft, dass der Hammer kurz hinter dem Kopf gefast und dann der ganze Arm auf und ab bewegt wird.

 Das ist natürlich falsch. Richtig ist es, denn Hammer die Arbeit tun zu lassen, anstatt sie selbst zu tun. Dazu muss man den Hammer "laufen lassen": Man fasst denn Stiel hinten an und lässt den Hammer ein Drehbewegung aus dem Handgelenk machen. Durch den Stiel wird der Radius vergrößert und so aus einer verhältnismäßig kleinen Bewegung des Handgelenks eine lange und schnelle Bahnbewegung des Hammerkopfs. Da sich die kinetische Energie aus der Masse und dem Quadrat der Geschwindigkeit errechnet, erhält der Hammer so eine hohe Auftreffwucht, ohne dass man sich besonders anstrengen muss.

 Ein alter Schreinertrick gegen das Krummschlagen von Nägeln besteht darin, immer auf den Nagelkopf zu sehen, d.h. mit dem Blick nicht dem Hammerkopf zu folgen. Außerdem muss der Hammer immer in Richtung des Nagelschaftes auftreffen und nie schräg. Es gehört allerdings etwas Übung dazu; selbst Profis schlagen ab und zu mal noch einen Nagel krumm (und beschweren sich dann über den Wind bzw. Zugluft, die das Missgeschick verursacht haben soll).

 Grunsätzlich nagelt man, wenn irgend möglich, immer das schwächere Holz auf das stärkere, also die Latte auf den Rahmenschammenschenkel, das Brett auf das Kantholz usw..Die Nagellänge wählt man dabei so, dass zumindest gut die Hälfte, besser zwei Drittel des Nagels in das untere Holz eindringen.

 Verzapfungen, Dübel und dergleichen halten durch Formschluss. Eine Nagelung hält jedoch, auch wenn es für Laien vielleicht anders aussieht,  durch Kraftschluss( wie eine Verschraubung übrigens auch): Die Nägel drücken die Hölzer zusammen und die Reibung zwischen den Berührungsflächen verhindert das Verrutschen. Deswegen muss der Nagel "ziehen", das heißt, dass er so fest sitzen muss, dass er die Hölzer mit einem gewissen Druck zusammenpresst.

 Wie stark ein Nagel eingeschlagen wird, darüber herscht Uneinigkeit: Viel schlagen ihn so stark ein, dass er "gut zieht", worunter sie verstehen, dass die Oberfläche des Kopfes tiefer liegt als die Holzoberfläche. Andere halten dagegen, dass in diesem Falle die Fasern an der Holzoberfläche eingedrückt und beschädigt werden und schlagen ihn lediglich so tief ein, dass der Kopf mit der Holzoberfläche bündig abschließt.

Einige Dinge, die man beim Nagel beachten sollte...

 Halten tut der Nagel selbst im Holz ebenfalls durch Kraftschluss: Weil er beim Einschlagen Holzfasern verdrängt, üben diese eine Druck auf ihn aus, was ihn im Holz festhält. Eben dieses Verdrängen der Holzfasern führt auch zum Reißen des Holzes beim Nageln. Deswegen stauchen manche Leute die Spitzen der Nägel an. Dadurch verdrängt der Nagel die Holzfasern weniger, sondern trennt sie eher durch. Damit vermindert sich aber auch der Druck auf den Nagel, was auf Kosten des festen Sitzes geht.

 Um das Reißen des Holzes zu vermeiden, hät man mit den Nägeln am besten einen gewissen Abstand zu den Kanten des Holzes, vor allem an der Schmalseite. Wenn es irgend geht, sollte man das Holz hier auch etwas überstehen lassen (Siehe Skizze oben). Nagelt man in Hirnholz, sollte man die Nägel abwechselnd nach beiden Seiten leicht schräg einschlagen, was übrigens auch sonst kein Fehler ist: Die Kräfte auf den Nagel wirken oft senkrecht zur Holzoberfläche, können ihn also nicht so leicht herausziehen, wenn er schräg ist. Sind die Nägel in verschiedene Richtungen schräg, kann auch eine schräg angreifende Kraft niemals in Längsrichtung aller Nägel wirken.

 Ein weiterer Punkt, denn es zu beachten gilt, ist das so genannte Nagelbild: Man schlägt nie zwei Nägel gleichzeitig in die gleiche Faser ein, sondern versetzt sie gegeneinander. Bei zwei sich kreuzenden Hölzern sieht das dann so aus, wie oben in der Skizze.

 Nagelt man gleich starke Hölzer zusammen, z.B. wenn man eine Brettertür oder einen Schalungsschild herstellt, kann man die Nägel auch vernieten: Beispielsweise verwendet man für zöllige (25 mm starke) Bretter 55er Nägel, so dass etwa 5 mm des Nagels auf der Unterseite herausschauen. Diesen Überstand schlägt man dann krumm. Tut man das quer zur Holzfaser, hält es besser, tut man es längs, verschwindet das überstehende Stück besser im Holz.

 Man kann auch noch längere Nägel nehmen, deren Spitze man auf der Unterseite um ein Stückchen Metall, z.B. um die Schneide eines Schraubenziehers, herumklopft und dann  wieder zurück in das Holz treibt, wie das in der Skizze oben dargestellt ist. Bei beiden Methoden braucht man jedoch eine harte Unterlage, damit man beim vernieten des Nagels diesen nicht wieder zurüktreibt und lockert.

 Man sieht, es gibt auch bei einer (scheinbar) einfachen Arbeit wie dem Nageln einiges, was man beachten sollte um wirklich gute Ergenisse zu erzielen  Ein Beispiel dafür, dass Theorie kein Blödsinn ist, sondern ein genaues Verständnis der jeweiligen Vorgänge viel zum Gelingen einer Arbeit beitragen kann.

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26. Dezember 2008 5 26 /12 /Dezember /2008 12:28

Ursprünglich als Universalöl für das Kaiserliche Heer entwickelt, sollte Ballistol nicht nur als Waffenöl und Lederpflegemittel, sondern auch zur Behandlung kleinerer Verletzungen dienen. In den üher 100 Jahren, die es das "Wunderöl" gibt, wurden aber noch viele, viele anderen Anwendungsmöglichkeiten entdeckt. 

Ballistol in der herkömmlichen Flasche und als Spray: Das Spray ist relativ teuer, für bestimmte Anwendungen uejdoch ganz geschickt. Es gibt außerdem noch eine 500ml-Blechflasche, mit der man einiges spart, wenn man Ballistol öfter anwendet.

(Dieses Bild basiert auf dem Bild 2005-28-01-ballistol.jpg aus der freien Mediendatenbank Wikimedia Commons und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. Der Urheber des Bildes ist Winfried Mueller RedRooster)

 

Nicht nur im Jägerhaushalt

 Obwohl es bessere Waffenöle geben soll, ist Ballistol für diese Anwendung auch heute noch vor allem bei Jägern beliebt. Möglicherweise liegt das daran, dass es sich eben nicht nur als Waffenöl, sondern für vielerlei andere Zwecke eignet und daher auch nicht nur bei Jägers daheim, sondern ganz allgemein nützlich in Haus. Garten un Werkstatt ist.

 Außer Waffen kann man damit alle möglichen (fein-)mechanischen Dinge ölen, beispielsweise Türschlösser, Angelrollen, bewegliche Möbelbeschläge wie etwa Scharniere und  Schubladenauszüge, Fahrräder, Nähmaschinen, Gartengeräte und dergleichen. Vor allem bei feinen Mechzniken wirkt es sich sehr vorteilhaft aus, dass Ballistol nicht verharzt. Nur von Messing, Bronze und Kupfer sollte man mit dem Wunderöl wegbleiben, denn hier wirkt es leicht korrosiv. Bei Stahl und Eisen jedoch kann Ballistol sogar als Rotschutzmittel eingesetzt werden.

 Auch in der Werkstatt verwende ich Ballistol, vor allem als Schneidöl beim Gewindeschneiden. Wenn man nur gelegentlich mal ein Gewinde z u schneiden hat, lohnt es sich nicht, teures Gewindeschneidöl vorzuhalten. Auch zum Ölen aller Werkzeuge mit beweglichen Teilen kann man natürlich Ballistol verwenden, obwohl ganz normales Maschinenöl es hier eigentlich auch tut.

 Zur Lederpflege eignet sich Ballistol ebenfalls wunderbar: Ich mache damit zum Beispiel meine Bergschuhe wasserabweisend, aber auch auch alle anderen Lederteile, wie Patronenetuis, Rucksackriemen und dergleichen pflegt man damit. Ich besitze einen Schweißriemen und eine Hundeleine aus Rindsleder, welches im neuen Zustand hellgelblich und sehr steif waren. Nachdem ich beide Teile gründlich mit Ballistol imprägniert hatte, wurden sie wunderbar geschmeidig und nahmen einen warmen, braunen Farbton an.

Dieser Schweißriemen samt Halsung wurde satt mit Ballistol imprägniert. Das gibt ihm nicht nur seinen schönen, braunen Farbton, sondern macht ihn auch geschmeidig und widerstandsfähig gegen Nässe.

 

 Ballistol kann auch als Holzpflegemittel und notfalls sogar als Kontaktöl in elektrischen Geräten verwendet werden, da es silikonfrei ist und daher bei Funkenbildung an den Kontakten kein Quarz entsteht. Allerdings sollte man Ballistol in diesem Bereich tatsächlich nur in Notfällen verwenden. Als Holzpflegemittel eignet es sich jedoch wunderbar und empfiehlt sich daher besonders auch für Dinge, die sowohl Holz- als auch Metallteile besitzen, wie Waffen und Messer.

 Als Hausmittel gegen allerhand kleine Molesten des Alltags bei Mensch und Tier  wird Ballistol von alters her ebenfalls gerne verwendet: Es als Wundsalbe für kleine Schnitte, Kratzer oder Hautabschürfungen zu verwenden, war ja einer der urprünglichen Zwecke. Man kann es aber auch als Alternative zu rezeptfreien Ohrentropfen gegen Ohrweh verwenden, Hundepfoten im Winter gegen Wundlaufen in EIs und Schnee schützen, ja mancher nimmt es sogar gegen Magenbeschwerden ein.

 

Grundlage: Eine Art flüssige Vaseline

 Da Ballistol kein Arzneimittel ist, darf der Hersteller diese Art Anwendungen, von denen es sicher noch wesentlich mehr gibt, jedoch nicht empfehlen und hat daher eine Variante von Ballistol entwickelt, das NeoBallistol. Ob das nun aber wirklich etwas anderes ist als die "klassische" Version, sei dahingestellt.

 Die Grundlage von Ballistol ist Weißöl, eine Mischung aus verschiedenen Paraffinölen und daher mit der Vaseline verwandt, die auch längerkettige Moleküle enthält und deswegen fettartig statt ölig ist. Auch für das ganz gewöhnliche Ballistol wird medizinisches, also besonders geeinigtes Weißöl verwendet, aus dem die aromatischen Kohlenwasserstoffe und der Schwefel entfernt wurden, welche in technischem Weißöl enthalten sind.

 Außerdem sind Ölsäure, Alkohole und ätherische Öle enthalten, die wohl nicht nur für die Wirkung, sondern auch für den charakteristschen Geruch verantwortlich sind. Der Geruch von Ballistol ist Geschmackssache: Die einen empfinden ihn als Duft, andere wieder eher unangenehm.

 Fest steht jedoch, dass Ballistol ein Mittel ist, welches vielseitig einsetzbar ist und teilweise sogar erstaunliche Ergebnisse erzielt. Im Selbstversorgerhaushalt, im Rucksack von Jäger und Waldläufer und an Bord von Booten sollte es daher seinen festen Platz haben.

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25. Dezember 2008 4 25 /12 /Dezember /2008 08:10

 Hammer, Amboss und Feuer sind die wichtigsten Dinge in einer Schmiede. Der Amboss ist dasjenige dieser drei Dinge, welches am schwersten zu beschaffen ist. Weder ist er, wie ein Hammer, für relativ wenig Geld zu haben oder sogar im Haushalt schon vorhanden, noch kann man ihn, wie ein Schmiedefeuer, mit einfachen Mitteln selbst bauen.

 

Ohne Amboss geht in der Schmiede gar nichts

 

Leider nicht ganz billig

 Dummerweise kostet ein Amboss nämlich richtig Geld und ist dazu auch noch schwer zu bekommen. Für einen ordentlichen Amboss kann man als Faustregel annehmen, dass man an sein Gewicht - eigentlich muss man "Masse" sagen - einen Null anhängen darf, um den Cirka-Neupreis in Mark zu erfahren. Anders ausgedrückt: Fünf Euro pro Kilogramm muss man für einen anständigen Amboss hinlegen. Ambosse unter 50 kg eignen sich allenfalls für kleine Arbeiten, ein Messerschmied etwa wird damit auskommen. 75 bis 80 kg sind empfehlenswert, mit einem solchen Amboss kommt man einerseits gut aus und andererseits lässt er sich auch noch einigermaßen transportieren. Das ist nicht nur wichtig, falls man mit seiner Schmiede einmal umziehen will: Schließlich muss man das gute Stück ja auch ersteinmal nachhause bringen. Ansonsten kann ein Amboss eigentlich nie schwer genug sein. Wer die Möglichkeit hat, ein solches Stück in seine Schmiede zu bekommen, ist durchaus auch mit einem Monstrum von 250 kg bestens bedient.

 Ein Amboss mit 80 kg z.B. ist für ca. 400 Euro zu haben und um dieses Geld klingt er dann auch wie eine Glocke. Allerding sollte man sich auch noch auf eine gewisse Lieferfrist einstellen, denn größere Ambosse werden nur auf Bestellung gefertigt. Für einen ordentlichen Amboss muss man also schon ein erkleckliches Sümmchen Geld in die Hand nehmen. Daran führt kein Weg vorbei und auch ein gebrauchter wird kaum unter der Hälfte des Neupreises zu haben sein. Das verwundert  kaum, denn ein Amboss verschleißt sehr wenig und selbst wenn ein hochwertiger Amboss schließlich doch einmal unansehnlich geworden ist, kann man ihn wieder aufarbeiten lassen, so dass er wieder wie neu wird.

 

Ein 80kg-Amboss, denn man wohl als einen von Böhmischen Typ ansprechen dürfte, mit dem zugehörigen, fertig gekauften Unterbau. Für so etwas legt man, ohne den Unterbau, ca. 400 Euro auf den Tisch des Hauses, aber das ist ein solches Stück auch wert.

 

 Aus diesem Grunde macht es auch absolut nichts, wenn ein Amboss schon hundert Jahre auf dem Buckel hat, wenn seine Kanten noch in Ordung und seine Bahn glatt und eben ist, wird man noch lange Freude an ihm haben. Bedenkt man, dass ein Amboss eine Anschaffung fürs Leben ist, relativiert sich auch der auf den ersten Blick hohe Preis, zumal, wenn man bedenkt, was man oft für Dinge ausgibt, die sehr viel weniger lange halten.

 Einen großen Nachteil hat ein gebrauchter Amboss dennoch, auch wenn dieser zum Glück genau dann entfällt, wenn man ihn schlussendlich ergattert hat: Er ist schwer zu bekommen. Zwar werden bei eBay ständig Ambosse angeboten, aber die sind meist überteuert. Das Grundübel aller Auktionen, sei es life oder im Netz, liegt nämlich darin, dass gefragte Dinge fast immer überteuert weg gehen. Auf Auktionen sollte man nur Dinge kaufen, die man selbst gerne haben möchte, an denen andere jedoch wenig interessiert sind. Einen Amboss wollen aber komischerweise viele Leute haben, wohl deswegen, weil er sich außer zum eigentlichen Schmieden auch zu einer Menge anderer Metallarbeiten eignet. Die besser Quelle sind daher Kleinanzeigen in Online- oder Printmedien oder - wenn man Zeit und Lust dazu hat - das Herumfragen auf dem Land.

 

Ambossformen

Für die allerersten Schmiedeversuche wird oft empfohlen, ein möglichst schweres Stück Eisen zu suchen und es als Behelfs-Amboss zu verwenden. Auch ich persönlich habe mit einem von Museumseisenbahnern geschnorrten Stück Eisenbahnschiene angefangen. Eine Im Laufe vieler Jahrhunderte hat sich der Amboss aus einem einfachen Eisenklotz (die allerersten Ambosse werden wohl sogar aus Stein gewesen sein) zu seiner heutigen, typischen Form entwickelt, die auch in stilisierter Form von jedermann erkannt und als Symbol des Schmiedehandwerks gedeutet wird.

Ein Amboss aus dem Jahr 1736. Man sieht, dass die heute übliche Grundform noch gar nicht so alt ist, was wohl zumindest zum Teil, fertigungstechnische Gründe hat

(Dieses Bild basiert auf dem Bild Amboss 1736.jpg aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. Der Urheber des Bildes ist Lokilech)

 

 Einen Amboss in der auch heute noch üblichen Form schweißte man früher aus mehreren separat gefertigten Einzelteilen - Hörner, Füße usw. - zusammen und schweißte zum Schluss oben noch die Bahn aus härtbarem Stahl auf, die nach dem Härten schließlich plan geschliffen wurde. Etwa Mitte der Fünfziger Jahre des letzten Jahrhunderts wurde es möglich, den kompletten Korpus aus einem Stück zu gießen und nur noch die Bahn aufzusetzen. Seit etwa 1975 kann man sogar den kompletten Amboss in einem Stück gießen und den Bereich der Bahn selektiv härten.

  Wenn Ambosse heute auch eine auf den ersten Blick immer gleiche, ganz typische Grundform aufweisen, so gibt es dennoch ein paar Unterschiede zwischen den regionalen Typen. Abgesehen von Ambossen, die in neuerer Zeit von bekannten Schmieden entwickelt wurden, wie etwa der Habermann- und der Hofi-Amboss, werden Ambosse nämlich nach den Regionen benannt, in denen sie traditionell verwendet wurden bzw. werden.

 Der Norddeutsche Amboss zum Beispiel wirkt gedrungener als der Süddeutsche, wobei dieser vor allem recht schlank wirkt, wenn man in Längsrichtung darauf schaut. Beide haben außer dem Rundhorn auch ein Rechteckhorn, dessen obere Fläche eine Verlängerung der Bahn dartellt. Beim Süddeutschen Amboss geht die Bahn auch in das Rundhorn über, während dieses beim Norddeutschen gewissermaßen angesetzt wirkt. Der Süddeutsche Amboss hat in der Regel auch einen so genannten Stauch, dass ist ein massiver Klotz am Fuß, auf welchen man Stäbe zum Stauchen stößt. Der Steyrische und der Böhmische Amboss besitzen statt des Rechteckhorns eine Verlängerung der Bahn, wobei man den ersten an den treppenförmigen Absätzen am Fuß erkennt. Außer diesen vier Typen gibt es noch den Schweizer Amboss, den griechischen, den italienischen und wahrscheinlich noch mehr regionale Formen. Manche Ambosse, wie zum Beispiel den meinigen, der im ersten Bild auf dieser Seite zu sehen ist, kann auch gar nicht zuordenen. Möglicherweise sind solche Ambosse die Entwürfe einzelner Hersteller.

 

Ein amerikanischer Schmied in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts: Sein Amboss weist zwar schon Hörner auf, die aber im Gegensatz zu denen moderner Modelle noch recht schwach ausgeprägt sind.

 

In Nordamerika sieht man Ambosse, die eine charakteristische Eigenheit aufweisen: Sie haben auf der Seite mit dem Rundhorn, kurz vor dem Ende der Bahn einen scharfkantigen Absatz, die letzten paar Zentimeter liegen etwas tiefer als der Rest der Fläche. Ob diese Form sich nun tatsächlich in Amerika herausgebildet hat, oder ob sie aus England stammt, kann ich leider nicht sagen. In früheren Zeiten bezogen nordamerikanische Schmiede ihre Ambosse nämlich gerne aus England, da die englischen als besonders hochwertig galten.

 

Die Aufstellung des Ambosses

 Es reicht nicht aus, einen guten Amboss zu besitzen, sondern man muss ihn auch noch richtig aufstellen. Dazu dient ein geeigneter Unterbau. Die eigentliche Hauptaufgabe des Ambosses besteht darin, der Kraft, welche der Hammer beim Aufprall ausübt, eine gleichgroße Gegenkraft entgegen zu setzen, die dafür sorgt, dass die Energie des Hammerschlages möglichst vollständig in Verformungsarbeit im Werkstück umgesetzt wird.

Dies bewirkt zunächst einmal die Trägheit des Ambosses, die aus seiner möglichst großen Masse resultiert. Da aber kein Amboss eine unendlich große Masse (und damit Trägheit) besitzt, wird er in der Praxis aber doch durch den Hammerschlag beschleunigt, das heißt, er setzt sich nach unten in Bewegung. Dass diese Bewegung nun einerseits möglichst gering ausfällt, andererseits der Schlag auf den Amboss gedämpft und nicht unvermindert in den Untergrund weitergeleitet wird, dafür muss der Unterbau des Ambosses sorgen.

 

Bei diesem Amboss eines amerikanischen Schmieds kann man die typische Stufe in der Bahn der dort üblichen Form gut erkennen. Außerdem steht der Schmied - wie dort ebenfalls oft zu sehen ist - so, das er das Rundhorn auf der rechten Seite hat, obwohl er ganz offensichtlich Rechtshänder ist.

(Dieses Bild basiert auf dem Bild XBlacksmith at work02.jp  aus der freien Mediendatenbank Wikimedia Commons und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. Der Urheber des Bildes ist Fir002)

 

 Genau dies leistet nun der traditionelle (Hart-)Holzklotz, den man auch heute noch oft als Unterlage für Ambosse sieht. Die andere, heute auch oft angewendete Möglichkeit ist ein stabiles Gefäß, welches mit Sand, Split oder ähnlichem gefüllt ist, auf dem oben eine Hartholzplatte als Zwischenlage liegt. Das Gefäß kann ein eigens dafür hergestellter Metallkasten sein, aber auch ein altes Blechfaß oder ähnliches tut hier einwandfreie Dienste. Meiner Erfahrung nach nehmen sich beide Konstruktionen, der Holzklotz und das Sandgefäß, nichts. Der Vorteil der Sandkiste ist der, dass man damit die Arbeitshöhe recht leicht durch die Füllhöhe des Gefäßes einrichten kann. In der Literatur wird auch ein Betonklotz als weitere Möglichkeit genannt, aber damit habe ich noch nicht gearbeitet.

 Der Amboss sollte natürlich möglichst nahe beim Feuer stehen. Weiter als 1,5 allenfalls 2 m sollte der Weg nicht sein, da sonst einerseits das Eisen unterwegs zu sehr abkühlt, andererseits auch lange Wege ermüden und den Spaß an der Arbeit verderben. Außerdem stellt man den Amboss (als Rechtshänder) so auf, dass man das Rundhorn auf der linken Seite hat, wenn man daran arbeitet, Linkshänder machen es umgekehrt. Warum das so ist, merkt man, wenn man etwas über das Rundhorn rundet. In Nordamerika sieht man allerding recht oft auch, dass rechtshändige Schmiede das Rundhorn auf der rechten Seite hat. Ob es dafür einen besonderen Grund gibt und, wenn ja, welchen, habe ich noch nicht herausbekommen.

Ein weiterer Punkt, den man beachten sollte, ist die richtige Arbeitshöhe. Sie ist ganz einfach zu ermitteln: Wenn man aufrecht steht und den Hammerarm mit geballter Faust locker an der Seite hängen lässt, sollte sich die Faust gerade auf der Ambossbahn aufstützen lassen. Beachtet man die genannten Punkte, hat man die Voraussetzungen für ein angenehmes und sachgemäßes Arbeiten am Amboss und damit eine wichtige Grundlage für Erfolg und Spaß beim Schmieden geschaffen.

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Published by Fokko - in Schmieden
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24. Dezember 2008 3 24 /12 /Dezember /2008 15:38

An Weihnachten feiern wir den Geburtstag Jesu Christi, der uns durch seinen Tod am Kreuz von der Bindung durch die Sünde erlöst hat. Im Gegensatz zu Karfreitag und Ostersonntag wird das Weihnachtsdatum aber nicht durch die Bibel bestimmt.

 Die Krippe, das Sinnbild des Weihnachtsfestes

(Dieses Bild basiert auf dem Bild Weihnachtskrippe alle.jpg aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. Der Urheber des Bildes ist AlterVista)

Warum feiern wir Weihnachten im Winter?

 Das Osterdatum liegt durch biblische Überlieferungt fest: In den Evangelien wird berichtet, das sich die Kreuzigung und Auferstehung Jesu Christi am Passahfest ereigneten; dessen Datum - auch das ist aus der Bibel bekannt - ist  der erste Vollmond im Frühling. Über die Geburt Jesu Christi berichtet das Lukasevangelium zwar einiges, jedoch erfährt man daraus nichts über das Datum.

 Warum also feiern wir Weihnachten am 25. Dezember? Mir zum Beispiel wurde als Kind erzählt, dass dies mit dem Julfest der Germanen zusammenhinge: Um denen den Wechsel zum Christentum zu erleichtern, habe man die Geburt Jesu Christi einfach in die Zeit des Julfestes, der germanischen Wintersonnwende gelegt. Das klingt  zwar einleuchtend und ist nicht ganz falsch, aber auch nicht ganz richtig.

 Weihnachten ist ja nicht erst mit der Christianisierung der Germanen eingeführt worden, ebensowenig wie Ostern, obwohl sich unser Wort "Ostern" von der germanischen Frühlingsgöttin Ostera ableitet, die man eben im Frühling feierte. Bereits die römischen Christen feierten aber Weihnachten und zwar auch am 25. Dezember, welcher zu heidnischen Zeiten der Geburtstag des Sonnengottes war.

 Nun könnte man durchaus meinen, das man diese Feste einfach aus praktischen Gründen auf Festtage der alten Religionen gelegt hat, um den Bekehrten den Wechsel zu erleichtern. Ich persönlich aber glaube, dass die beiden Daten einen tieferen Sinn haben.

 

Verheißung und Erfüllung

Der Winter kommt zwar nach Weihnachten erst so richtig und kann sich noch lange ziehen, aber die Sonnwende im Dezember gibt einen Hoffnungsschimmer, denn ab dann werden die Tage wieder länger und die Sonneneinstrahlung stärker.

 

 Dass die christlichen Ostern genau mit dem jüdischen Passahfest zusammenfallen, kommt sicherlich genauso wenig von ungefähr, wie der Umstand, dass beide ausgerechnet im Frühling stattfinden: An Passah feiern die Juden nämlich den Auszug aus Ägypten und den Aufbruch ins Gelobte Land. Und so wie an Passah die Befreiung durch Gott aus der Knechtschaft der Ägpter stattfand, fand an Oster die Befreiung von Sünde und Tod durch Gottes Sohn statt. Beides könnte man auch mit der Überschrift "Befreiung und neues Leben" versehen - was wiederum sehr gut in den Frühling passt, wenn die Sonne immer wärmer scheint, alles aus der eisigen Umklammerung des Winters befreit und neues Leben in der Natur ermöglicht. Deswegen feiern wohl alle Menschen, die in Weltgegenden mit Frühling, Sommer, herbst und Winter leben, ein solches Frühlingsfest.

 Das jüdische Passah- und das christliche Osterfest erfüllen daher diese alte Naturfest mit neuem Sinn- und zwar in zwei Stufen. Während es beim Passahfest zunächst um die Befreiung aus irdischer Knechtschaft und irdisches Wohlergehen geht, geht Gott an Ostern den entscheidenden Schritt weiter: Mit dem Kreuzestod seines Sohnes wird der Mensch aus den Fesseln der Sünde befreit und erhält Anrecht auf das ewige Leben!

 

Die Geburt Jesu Christi in einer georgischen Bibel aus dem 12. Jahrhundert

 Was aber hat das ganze nun mit Weihnachten und seinem Datum zu tun? So wie das Osterfest, findet sich auch das Wintersonnwendfest schon in vorchristlicher Zeit. Ab der Wintersonnwende werden die Tage wieder länger und die Sonne steigt jeden Tag ein kleines Stückchen höher. Der Winter ist zwar noch lange nicht zu Ende, er kommt jetzt erst mal so richtig, aber man hat die Verheißung das es trotzdem wieder besser werden wird.

 Und genau so ist es auch mit Weihnachten: Noch ist der Erlöser ein hilfloses Neugeborenes in der Krippe, welches noch nichts bewirken kann. Aber das Versprechen ist eben da; Weihnachten bedeutet nämlich nichts anderes als das Versprechen von Ostern. So wie die Sonne nun jeden Tag mehr Macht gewinnt und irgendwann den Winter vertreibt, so wird der kleine Jesus wachsen und seinen Weg über Golgatha und das Totenreich zur Auferstehung und zur Rettung der Menschheit gehen.

 Und so passt Weihnachten eben wunderbar in die Zeit der Wintersonnwende, ganz egal, an welchem Tage der historische Jesus nun tatsächlich geboren ist: Das Licht scheint in die Finsternis, auch wenn es noch eine Weile dauert, bis es wieder ganz hell wird.

 

Ein frohes Weihnachtsfest und besinnliche Tage zwischen den Jahren

 

wünscht

 

Fokko

 

 

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