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  • : Blog von Volker Wollny
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  • Publizist und Freier Dozent, von Hause aus Ingenieur sowie gelernter Mechaniker und gelernter Maurer, Querdenker, Naturfreund und -nutzer, technisch interessiert aber auch technikkritisch, glaube nicht alles was mir erzählt wird.
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Andreas Quiring  

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Biohof-Gemeinschaft Baum des Lebens

11. Januar 2009 7 11 /01 /Januar /2009 10:03

 Leimen ist im Gegensatz zum Kleben die „klassische“ Methode Holzverbindungen durch aushärtende Zusatzstoffe herzustellen. Da es das Leimen schon in vorindustrieller Zeit gab, gibt es auch Leim ohne Chemie, den althergebrachten Heißleim, von dem weiter unten noch die Rede sein wird.

 

Wenn man etwas feinere Dinge wie z.B. Möbel aus Holz bauen will, wird man um das Verleimen nicht mehr herumkommen

 

Arbeitstechnik

  Beim Verleimen von Holz wird der Leim auf die möglichst passgenauen Verbindungsflächen beidseitig dünn aufgebracht. Die Teile werden zusammengefügt und mit Zwingen und hohem Druck zusammengehalten bis der Leim ausgehärtet ist. Für Probleme sorgen kann dabei der erforderliche, hohe Druck. Je nach Art des Werkstückes kann es sein, dass dieses z.B. nicht oder nur sehr schwer ohne Beschädigung zusammen gespannt werden kann, dass keine rechten Ansatzpunkte für die Schraubzwingen vorhanden sind (schräge Flächen, Leisten etc. auf der Leimfläche gegenüberliegenden Seite) oder daß ganz einfach nicht genügend Schraubzwingen zur Hand sind. Daher sollte man sich bei der Planung einer Arbeit auch darüber Gedanken machen, in welcher Reihenfolge etwa Einzelteile und „Baugruppen“ zu verleimen oder sonstwie zu verbinden sind.

 

Dispersions- oder Weißleim

Der bekannteste Vertreter dieser - auch als Kaltleime (im Gegensatz zum weiter unten besprochenen Heißleim) bezeichneten - Leime ist sicherlich die Marke „Ponal“ der Firma Henkel. Der „leimende“ Stoff in dieser Art Leim ist Polivinylacetat aus der Gruppe der Polivinylester. Diese ist in Wasser fein verteilt, da her auch der Name „Dispersionsleim“.

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Polivinylacetat soll ungiftig sein, was aber nichts über die Vorgänge bei seiner Herstellung besagt (Großchemie). Außerdem soll es trotz seiner Unschädlichkeit nicht ins Abwasser gelangen, da es schwer abbaubar ist.


Von den Weißleimen gibt es verschiedene Ausführungen:

* Universalleim für ganz normale Leimverbindungen, wie z.B. an Möbeln

* Wasserfesten Leim (Außenbereich, Holz in Feuchträumen )

* Schnellbindender Leim


 Der Einsatz des ganz normalen Weißleimes ist mit Naturprodukten sehr leicht zu umgehen. Schwieriger wird es, wenn die Forderung nach Wasserbeständigkeit besteht. Wenn auch der normale Dispersionsleim ungiftig sein mag, fragt sich immer noch, mit welchen Stoffen die Wasserbeständigkeit erreicht wird.

Auf schnellbindenden Leim wird man in der Regel verzichten können, da für den Heimwerker meist unerheblich ist, ob er die Zwingen erst am nächsten oder noch am gleichen Tag von einem verleimten Werkstück nehmen kann.

 

Reaktionsleime

Reaktionsleime werden meist aus zwei Komponenten zusammengemischt. Wie bei den 2-Komponenten-Klebern reagieren diese Stoffe miteinander und ergeben dann eine sogar wasserfeste Verbindung. Diese Leime werden im allgemeinen nur in Industrie und Handwerk, allenfalls wohl noch von „Profi-Heimwerkern“ wie Bootselbstbauern und ähnlichen Spezialisten angewendet. Spanplatten und Sperrholz werden zum Beispiel mit solchen Leimen hergestellt.

Den offenbar bestechenden technischen Eigenschaften steht jedoch eine erhebliche Umweltproblematik gegenüber. Reaktionsleime sind teilweise hochgiftig, beim Abbinden erfolgt häufig eine große Formaldehydemission und  auch später können solche Verleimungen dieses Gift noch ausgasen, wie man vor einigen Jahren bei dem Skandal um Spanplatten erfahren konnte.

 

Bio-Leime

Wer die Anwendung von harter Chemie bei seinen Holzarbeiten vermeiden möchte, hat gerade im Bereich des Leimens gute Möglichkeiten dies zu tun. Mit etwas Mehrarbeit kann er sogar Verbindungen schaffen, welche denen, die mit chemischem Leim hergestellt werden, in Festigkeit und Dauerhaftigkeit nicht oder nur wenig nachstehen.

 

Der „klassische“ Heißleim: Haut- und Knochenleim

Dieser Leim wahr bis vor einigen Jahrzehnten „der“ Leim schlechthin. Er gelangt in trockenem Zustand in den Handel und wird mit heißem Wasser angemacht. Der Leimtopf auf dem Ofen gehörte früher unabdingbar zum Bild einer Schreinerwerkstätte.

Der Leim wird heiß verarbeitet, dabei müssen gegebenenfalls die Werkstücke ebenfalls vorgewärmt werden. Dies ist recht aufwändig, lohnt sich aber, da man feste und dauerhafte Verbindungen erhält.

Wie die Bezeichnung „Haut- und Knochenleim“ bereits sagt, wird dieser Leim aus Häuten und Knochen gewonnen und zwar durch Auskochen. Daher auch die Begriffe „Leimsieden“ und „Leimsieder“. Die tierische Herkunft macht den ansonsten aus gesundheitlicher und umweltschützerischer Sicht idealen Leim allerdings problematisch für konsequente Vegetarier, zumindest für diejenigen, die sich aus Tierliebe für eine vegetarische Lebensweise entschieden haben.

 

Kasein-Kaltleime

Wer Vegetarier ist und aus diesen Gründen das Tierprodukt Heißleim ablehnt, Milchprodukte jedoch toleriert, kann mit Kasein-Kaltleim zum Ziel gelangen. Ein weiterer Vorteil dieser Art Leim ist, daß er etwas weniger aufwändig als Heißleim zu verarbeiten ist.

Trotzdem erzielt man damit gute Verleimungen, da dieser Leim nach DIN 68 602 die Anforderung der Belastungsgruppe B2 erfüllt und somit auch gerne für stark belastete Verbindungen verwendet werden kann. Dazu ist dieser Leim ökologisch unbedenklich

Kasein-Kaltleim erhält man als Trockenstoff, der in Wasser angerührt wird. Allerdings - dies ist der Nachteil gegenüber dem chemischen Kaltleim - ist dieser Leim nicht haltbar. Ein weiterer kleiner Nachteil ist, daß er längere Presszeiten erfordert, dafür aber eine längere Topfzeit hat, also nicht so schnell verarbeitet werden muss.

Durch die geringe Haltbarkeit des angerührten Leimes ergibt sich die Notwendigkeit, das Leimen von Werkstücken etwas zu planen und sich zu orientieren, wieviel Leim man anrühren muss. Denkbar ist auch - wenn die Anzahl der vorhandenen Schraubzwingen es zulässt - einige zu verleimende Werkstücke zusammenkommen zu lassen, bis sich das Anmachen einer Mischung Leim und das Starten einer Leimaktion lohnt. Die erwähnte längere Topfzeit von Kasein-Kaltleim kommt dieser Vorgehensweise entgegen.

Für ganz konsequente Vegetarier - für Veganer also - ist der Kasein-Kaltleim jedoch problematisch, da er wie bereits angedeutet, im Grunde ein Milchprodukt ist.

 

Naturharzdispersionsleime

Für den konsequenten Veganer, der aber auch kein chemisches Produkt einsetzen möchte bleiben - unter Vorbehalten - diese Leime als letzte Alternative. Sie sind von verschiedenen Naturfarbenherstellern zu erhalten.

Dispersionsleime müssen nämlich nicht notwendigerweise Kunststoff enthalten. Es können auch Naturharze zum Einsatz gelangen. Allerdings ist es bisher noch nicht gelungen, diesen Produkten die Festigkeit zu geben, die für anständige Leimverbindungen, wie man sie etwa bei Stühlen oder Tischzargen benötigt, erforderlich ist. Für wenig beanspruchte Leimverbindungen jedoch mag diese Art Leim wohl angehen.

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10. Januar 2009 6 10 /01 /Januar /2009 14:50

Jagen gilt landläufig immer noch als teure Sache und wird von vielen als etwas "für Reiche" angesehen. Beim genauen Hinsehen wird dem einen oder anderem aber einfallen, dass er "auch ganz gewöhnliche Leute kennt", die auf die Jagd gehen: Arbeitskollegen, Bekannte, Verwandte. Schnabulieren solche Leute etwa daheim den Kitt aus den Fensterscheiben, weil alles Geld für die Jagd draufgeht und nichts mehr fürs Essen übrig bleibt? Eine interessante Frage, die vor allem denjenigen bewegen wird, der sich mit dem Gedanken trägt, das Jagen anzufangen und nicht gerade ein Onkel Dagobert ist.

 Ja nun, wie sieht es mit dem Kosten für Kurs und Ausrüstung aus, wenn man Jäger werden (und sein) will? Nun, Jagen ist preisgünstiger als viele denken, zumindest wenn man nicht zu anspruchsvoll ist, was die Beute angeht. Wenn man einen unentgeltlichen Begehungsschein hat, ist das teuerste an der ganzen Jagd meist der Sprit, den man braucht um ins Revier zu kommen. Mit einem Pirschbezirk beim baden-württembergischen Staat ist man mit etwa 250 bis 400 Euro pro Jahr dabei, wenn man es schafft, die erlegten Rehböcke mit Abschüssen von Geißen, Kitzen, Frischlingen und Überläufern "abzuarbeiten". Für je zwei Stück von diesen darf man nämlich einen Rehbock umsonst erlegen, ansonsten kosten sie extra und zwar nach Trophäengewicht. Außerdem bekommt man das Wildbret ein wenig billiger als der Normalbürger, mithelfende Jäger bezahlen beim Forstamt die Wildbretpreise, die auch für pensionierte Förster und Waldarbeiter im Ruhestand gelten.

 

Grundsatz "Entweder spottbillig oder richtig teuer": Für die Kleinkaliber-Selbstladebüchse im oberen Bild tut�s das preisgünstige Bushnell-Zielfernrohr mit der einfachen Aufschubmontage. Für den Drilling geht man aber besser keine Kompromisse ein: Swarowski 3-12x56 mit Suhler Einhakmontage. Letztere muss zwar nicht unbedingt sein, es gibt auch preisgünstigere gute Montage - aber sie ist halt mal schöööön....

Schießstandbesuche

  Was tatsächlich ein wenig ins Geld geht, sind die Schießstandbesuche, die man eigentlich öfter mal machen sollte, damit man beim Schießen nicht aus der Übung kommt. Deswegen sollte man auch wenigstens eine Waffe in einem verbreiteten Kaliber besitzen, für die es dann auch preisgünstige Patronen gibt, denn großkalibrige Büchsenpatronen sind recht teuer. In den verbreiteten Kalibern - vor allem 8x57JS, .308 Winchester und 30-06 Springfield - gibt es jedoch eine große Auswahl an Patronen, darunter auch sehr preisgünstige. Auf der Jagd schießt man dagegen nicht so oft; daher spielt es für die Waffen, die man nur im Revier führt, keine so große Rolle, ob die Patrone einen oder fünf Euro kostet. Sport-Schrotpatronen für das jagdliche Schießen auf Tontauben hingegen sind zwar relativ preisgünstig, dafür verbraucht man jedoch viele, so dass das Schrotschießen auch nicht gerade billig ist. Insgesamt kann man sagen, dass ein Tag auf dem Schießstand mit Kugel- und Schrotschießen wohl Kosten in der Größenordnung eines Essens zu zweit in einem nicht ganz schlechten Restaurant verursacht, nämlich so etwa 60 Euro oder etwas mehr. Und etwa so oft wie einen Restaurantbesuch sollte man sich einen Schießtag auch gönnen.

 

Pächter oder revierloser Jäger?

 Die laufenden Kosten für die Jagd sind also, wenn man kein eigenes Revier pachtet, durchaus erschwinglich. Auch beim Pachten kann man manchmal ein Schnäppchen machen, aber hier ist man besser vorsichtig: Ein Pachtvertrag läuft mindestens neun Jahre und man weiß ja nicht unbedingt, wie sich das eigene Einkommen entwickelt. Außerdem gibt es da noch die mögliche Kostenfalle Wildschaden, welcher schnell mal mehr Geld verschlingen kann als die Pacht; gerade Reviere die man billig pachten kann, sind hier verdächtig. Mit dem Pachten eines eigenen Revieres kann man sich jedoch durchaus Zeit lassen. Zunächst muss man drei Jahre einen Jagdschein besessen haben, bevor man überhaupt pachtfähig ist. Aber auch dann hat man oft noch nicht die notwendie Erfahrung um ein guter Revierleiter zu sein. Irgendwann kommt aber vielleicht eine gute Gelegenheit, ein kleines Niederwildrevier auf dem Lande ist doch immer wieder mal zu einem erschwinglichen Preis zu haben. Vor allem, wenn mal die Kinder aus der Ausbildung sind und das Haus abbezahlt, ist auch bei Normalverdienern dieser kleine Traum oft erfüllbar.

 

Dicke Knochen haben ihren Preis...

Tatsächlich teuer wird es, wenn man scharf auf repräsentative Trophäen ist. Gute Rothirsche, Muffelwidder und wirklich starke Keiler kosten als Einzelabschuss erkleckliche Abschussgebühren und Reviere, die solches Wild zu bieten haben kosten richtig Kohle, wenn man sie pachten oder dort auch nur einen Begehungschein haben möchte. Auch wenn man meint, im Ausland auf exotisches Wild wie Löwe, Büffel, Bär und so etwas jagen zu müssen, darf man recht tief in die Tasche greifen. Das muss aber keineswegs sein, denn auch das Waidwerk auf Reh, Fuchs und Sau kann herrliche Jagdstunden und -tage bringen. Nicht die Größe der Trophäe ist entscheidend, sondern das Jagderlebnis. Und gerade an diesem mangelt es bei den teuren Abschüssen halt oft, weil man nicht wirklich selbst jagt, sondern von einem Profi auf das zu schießende Stück geführt wird.

Wenn man kein eigenes Revier pachtet und auch nicht unbedingt dauernd Renommiertrophäen geschossen haben muss, verursacht die Jagd also keine übermäßig hohen, laufenden Kosten. Was aber kostet der Einstieg? Ganz billig ist der tatsächlich nicht, aber er fällt ja nur einmal an und wenn man ein wenig schlau ist, braucht man nicht unnötig viel dafür auszugeben.

 

Gute Messer müssen nicht teuer sein: Nur knappe 50 Euro hat dieses feststellbare Klappmesser von Herbertz gekostet

Der Jagdschein

 Kaum etwas sparen kann man beim Erwerb des Jagdscheines, denn hier liegen so ziemlich alle Kosten fest, da es sich zum einen Teil um feste Gebühren handelt, zum anderen um Dinge, an denen man nicht sparen sollte. Mit etwa 2500 bis höchsten 3000 Euro sollte man aber hinkommen, bis man den ersten eigenen Dreijahresjagsdschein in der Hand hält. Für die Lehrgangs- und Prüfungsgebühr, sowie für Literatur und Schießkarten sind so an die 1400-1500 Euro am Anfang fällig, der Rest geht während des Kurses drauf, für Patronen, das eine oder andere Stück zusätzliche Literatur, Sprit und das drauf, was man in den diversen Kneipen verzehrt, in denen die Kursveranstaltungen stattfinden bzw. die man nach Waldbegehungen und dergleichen noch aufsucht - und ganz am Schluss für die Jagdscheingebühr und die Jagdhaftpflichtversicherung, etwa 250-300 Euro für drei Jahre. Die gute Nachricht: Ein erheblicher Teil dieses Geldes wird an anderen Stellen eingespart. Während des Jägerkurses hat man nämlich kaum Zeit, für irgend etwas anderes Geld auszugeben.

 

Waffen

  Hat man dann den ersten Jagdschein, benötigt man natürlich außer einer Jagdgelegenheit auch eine Jagdausrüstung. Hier geben viele Leute Unsummen aus, was aber nicht unbedingt notwendig ist. Grundsätzlich gilt hier mit wenigen Ausnahmen der Grundsatz: Entweder spottbillig oder richtig teuer. Halbe Sachen kosten zuviel Geld als dass man den Preis verschmerzen könnte, erfüllen aber oft nicht den Zweck, dem sie dienen sollten. Leider gibt es, von wenigen Ausnahmen abgesehen, aber keine ganz billigen Waffen. Besser als ein neues "preiswertes" Produkt ist meist der Gebrauchtkauf einer Nobelmarke. Das gilt vor allem für Waffen samt Zieloptik: Jagdwaffen nutzen sich wenig ab, weil man nicht jeden Tag etwas schießt und die meisten Jäger viel zu geizig sind, um oft auf den Schießstand zu gehen. Oft hat einer einen ganzen Schrank voll Waffen, von denen er aber fast immer die gleichen ein oder zwei im Revier herumschleppt. So kommt es, dass man nicht selten Jahrzehnte alte Jagdgewehre sieht, die fast neu sind. Solche Waffen kommen auf den Markt, wenn alte Jäger "den Waffenschrank ausräumen" oder vom allerobersten Jagdherrn in die ewigen Jagdgründe abberufen wurden. Wenn man gebrauchte Waffen von Privat kauft, sollte man jemand mitnehmen, der davon etwas versteht. Es lohnt sich aber auch, sich bei Büchsenmachern und in Waffenläden umzusehen, denn die müssen auch für gebrauchte Waffen gewährleisten und haben noch dazu einen Ruf zu verlieren. Es werden beim Neukauf oft gebrauchte Waffen in Zahlung gegeben, die man dann verhältnismäßig günstig erwerben kann. Waffen veralten nicht so schnell wie Autos und nutzen sich auch nicht so rasch ab. Eine Waffe hat man ein Leben lang, eine gute, wenn man sie ein wenig pflegt, sogar dann, wenn man sie tagtäglich bei Wind und Wetter im Revier mit sich herumschleppt - und sie bei der Anschaffung schon gebraucht war. Und wer, außer den Leuten, die einen schon länger kennen, weiß, dass man seinen alten, aber hochwertigen Drilling nicht schon seit Jahrzehnten führen oder von seinem Vater oder Großvater übernommen hat?

 Sich als erste Waffe einen Drilling anzuschaffen ist keine schlechte Wahl, zumindest, wenn man im Revier Schrot und Kugel braucht. Wenn er noch einen kleinkalibrigen Einstecklauf in einem der Schrotläufe hat, ersetzt er praktisch einen ganzen Waffenschrank. Weitere Waffen kann man sich dann später anschaffen - wenn man will, unbedingt brauchen wird man sie meist nicht, außer vielleicht für's Herz. Ausnahme: Eine Flinte, wenn man Gelegenheit hat, auf Niederwild zu jagen und/oder gerne auf Tontauben und Kipphasen schießt. Eine Erwerbsgenehmigung für so ein Ding kann man übrigens auch schon während des Jägerkurses bekommen.

  Ein anständiger, neuer Drilling mit einem guten, mündungslangen Einstecklauf kostet samt ordentlichem Zielfernrohr neu so etwa 6000 bis 7000 Euro. Gebraucht bekommt man ihn für die Hälfte oder noch etwas billiger. Wenn er ein veraltetes Glas und keinen Einstecklauf hat, kostet er zwar wesentlich weniger, wird aber im Endeffekt meist teurer, weil man dann doch ein modernes Glas montieren lässt.

 

Ein Bowie Knife von Herbertz mit einer selbstgebauten Lederscheide: Ein großes Messer ist zwar ab und zu etwas unbequem zu tragen, aber es leistet oft gute Dienste.

 Falls die Daumenbreite nach dem Jägerkurs aber doch erstmal zu stark abgenutzt ist, kann man den Kauf eines Drilling auch ein wenig aufschieben. In den meisten Fällen - auf Schwarzwild wird man nämlich fast immer Gelegenheit haben - ist eine Büchse das wichtigste. Die bekommt man relativ günstig und zwar sollte man eine mit 98er-System nehmen (siehe Seite "Jagdwaffen"), das ist und bleibt das Nonplusultra. Darauf gehört ein anständiges Zielfernrohr, für die Saujagd muss es eine große, lichtstarke "Sternwarte" sein, unter 56 (als junger Mensch) oder wenigsten 50  Millimeter (als älteres Semester) Objektivdurchmesser sollte man es nicht tun.

 Variable Gläser - z.B. 2,5-10x56 oder 3-12x56 - haben eine etwas schlechtere Lichtausbeute als solche mit fester Vergrößerung (8x56 ist hier das gängige Maß), geben einem aber auch bei Drückjagden eine Chance. Dort braucht man ein größeres Gesichtsfeld und das bekommt man, wenn man die Vergrößerung herunterdreht. Auf Sauen jagt man bei Nacht und durch ein zu schwaches Glas, sieht man da zwar schwarz, aber kein Wild in dieser Farbe. Kauft man sich so eine Waffe neu, ist das Glas teurer als die Waffe und man gibt zwischen 1500 und 2000 Euro für das ganze Ding aus. Gebraucht kann man einen Repetierer im 98er-System mit einem guten Glas aber schon mal für weniger als 1000 Euro ergattern. Diese Waffen sind vor allem im Kaliber 8x57 JS zu haben und das ist gut so. Hier gibt es viel Auswahl bei den Patronen und es sind auch preisgünstige Produkte dabei. Mit etwas Glück findet man eine aufwendigere Patrone für die Jagd und eine preiswerte für den Schießstand, die aus der jeweiligen Waffe verschossen in etwa die gleiche Trefferpunktlage haben.

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  Bei der Schrotflinte kann man von dem Grundsatz "ganz billig oder ganz teuer" abweichen, aber da muss ich  dann auch die Marke nennen: Miroku-Flinten sind preiswert aber von exzellenter Qualität. Für ungefähr 600 Euro können sie hier ein gutes gebrauchtes Stück ergattern, neu gibt es sie ab etwa dem doppelten Preis.

 Andere Waffen kauft man sich dann nach und nach, so wie man Bedarf, Lust und Geld hat. Eine Kurzwaffe wird eventuell irgendwann her müssen, für's Revier ist hier ein Revolver unbedingt vorzuziehen, denn der schießt immer. Wer je einer angebleiten Sau gegenüberstand und eine Selbstladepistole mit Ladehemmung in der Hand hatte, wird mir dass bestätigen - wenn er noch etwas bestätigen kann.

 Wer gerne im Feld auf Füchse jagt, wird sich dafür vielleicht eine Büchse im rasanten Kaliber .222 Remington anschaffen, wie sie auch in der Schießausbildung und im jagdlichen Sportschießen gerne verwendet wird, da sie einerseits, wie für diese beiden Dinge gefordert, rehwildtauglich ist, andererseit aber die Munition preisgünstig zu haben. Weil dieses Kaliber aber eben recht rasant ist, beschränkt sich die Rehwildtauglichkeit auf den jagdrechtlichen Aspekt (mindesten 1000J Geschossenergie auf 100m). In der Praxis entstehen mit .222 Remington üble Blutergüsse, die beim Fuchs egal sind, nicht aber beim Reh, da sie viel Wildbret entwerten.

 

Beim Ansitz in der Kälte tut ein warmer Schluck gut. In den Jägerrucksack gehört daher auch eine Thermosflsche und zwar am besten eine aus Edelstahl.

Sonstige Ausrüstung

 Die restliche Jagdausrüstung kann man sich nach und nach zusammenstoppeln. Das schont nicht nur den Geldbeutel sondern vermeidet auch Fehlkäufe. Wenn man sich ein Stück immer erst dann anschafft, wenn man es tatsächlich benötigt, weiß man eher auf was man achten muss, als wenn man auf blauen Dunst hin alles auf einmal kauft. Man muss sich auch nicht auf einmal komplett für die Jagd einkleiden und schon gar nicht sämtliche Kleidungstücke im Jagdbedarfsladen kaufen. Die alte NATO-grüne Ausführung der Bundeswehr-Moleskinhosen sind preiswert, strapzierfähig und nicht umsonst bei Jägern beliebt. Die Bundeswehrtroyer Marke Elbe sind warm, auch in der Ausführung aus echter Wolle nicht zu teuer und es gibt sie außer in Marineblau auch in grün, letztere Farbe derzeit aber anscheinend nur bei der Mischgwebe-Ausführung. Vielleicht lassen sich aber doch noch irgendwo Restbestände der grünen Variante in reiner Schurwolle auftreiben, es wäre schade, wenn es diesen schönen Pullover wirklich nicht mehr gäbe.

 Wer auf die Jagd gehen will, ist wohl gerne draußen und kauft deswegen sowieso strapazierfähige Kleidung. Wenn man sich hier etwas neues anschafft, kauft man es eben ab jetzt in Grün: Wachsjacke, Hosen, Pullover, T-Shirts. Die Wanderschuhe, die man vielleicht bereits hat, eignen sich auch für die Jagd. Selbst bei ALDI und LIDL findet man für die Jagd geeignete Kleidungsstücke und auch die Märkte der landwirtschaftlichen Lagerhäuser führen brauchbares, z.B. preisgünstige Parkas und feste Schuhe. Für den Ansitz sollte man noch etwas warmes haben das nicht knistert wenn man sich bewegt. Für den Anfang tut es hier eine Parka, auf die Dauer wird man sich aber einen Faserpelz zulegen. An diesem sollte man nicht sparen. Sehr nützlich ist auch eine Weste mit möglichst vielen Taschen, wie sie von Anglern getragen wird. Auch die gibt es immer mal wieder irgendwo im Sonderangebot.

Außerdem braucht man noch ein Messer, welches wiederum eine Ausnahme von der Regel "ganz billig oder ganz teuer" darstellt: Ganz billige Messer taugen nichts und ganz teure sind unnötig oder doch zumindest eher etwas für die Vitrine als fürs Revier. Auch hier nenne ich mal wieder ein Marke: Herbertz-Messer haben ein exzellentes Preis-Leistungsverhältnis. Für 50 Euro kann man hier bereits wunderbare Klappesser mit feststellbarer Klinge erhalten. Solch ein Messer kann man auch im Alltag ständig in der Tasche und bei Bedarf zur Hand haben, in dieser Beziehung ist es den feststehenden Messern eindeutig überlegen. Für die Jagd allgemein tut es so ein Messer. Wer als Saujäger ein großes Jagdmesser zum Abfangen benötigt oder aus sonstigen Gründen eine Seitenwaffe führen möchte, sollte sich die Bowie-Messer von Herbertz ansehen.

 Außer seinen Waffen benötigt ein Jäger auch ein Fernglas. Hier gilt der Grundsatz "ganz billig oder richtig teuer" unbedingt. Ich besitze ein russisches Fernglas, welches ich einmal geschenkt bekommen habe und welches wohl nicht viel mehr als 50 Euro gekostet haben dürfte. Nach Dafürhalten eines Jagdfreundes,welcher auf eine der beiden Nobelmarken für Optik schwört, ist es "gar nicht einmal so schlecht". Auf jeden Fall wachsen mir keine grauen Haare darüber, dass es ständig in meinem, oft (natürlich nur, wenn sich keine Waffe darin befindet) nicht abgeschlossenen Jagdwagen liegt.

Einen guten Jagdrucksack wird man sich über kurz oder lang auch zulegen, möglichst einen geräuschlosen ohne Metallteile die klimpern können. Den wird man wohl nur im Jagdausrüstergeschäft bekommen, aber der Inhalt - Thermosflasche und Flachmann zum Beispiel - kann auch aus anderen Läden stammen. Die Thermosflasche sollte aus Edelstahl sein, sie lohnt den höheren Anschaffungspreis durch eine wesentlich längere Lebensdauer. Bei den herkömmlichen Thermosflaschen zählte diese bei mir traditionell oft nur nach Wochen, wohingegen ich meine erste Edelstahl-Thermosflasche Jahre hatte und sie mich beim Jagen, Fischen und im Beruf treu begleitete.

Eine leicht transportable Sitzgelegenheit, ein Dreibeinklappstuhl bzw. ein Sitzstock, ist auch eine hilfreiche Sache, die man aber nicht unbedingt sofort braucht. Er wird ab dem Herbst interessant, wenn man auf Treib- und Drückjagden nach dem Anstellen öfter mal länger warten muss, bis es tatsächlich losgeht. Man sollte bei einem solchen Utensil auf Qualität achten und ins Jagdausrüster-Fachgeschäft gehen. Man kann sich Ausrüstungsgegenstände auch schenken lassen, aber dann sollte derjenige, der einen beschenken will - sofern er nicht selbst Jäger ist - in ein gutes Fachgeschäft gehen in dem man selbst bekannt ist und dort sagen, für wen das Geschenk gedacht ist.

 

Preisgünstiges Arbeitspferd fürs Revier: Der Lada Niva ist bei Jägern beliebt

Jagdwagen oder Familienkutsche?

 Einen Jagdwagen braucht man nicht unbedingt, viele Jäger fahren mit dem PKW in´s Revier. Viele Förster übrigens auch, doch diese haben Zugriff auf einen gut ausgestatteten Maschinenpark samt Maschinisten falls sie einmal etwas irgendwo herauszuziehen haben. Für den Jäger kann der Allrader hilfreich sein, vor allem wenn man ein eigenes Revier hat oder als "Reviergustav" der eigentliche Betreuer ist. Man sollte sich so ein Ding vor allem dann anschaffen, wenn man auch sonst Spaß daran hat. Falls man den Geländewagen nicht auch noch braucht um schwere Anhänger zu ziehen und/oder die ganze Familie samt Hund und Urlaubsgepäck darin unterbringen muss, sollte man einen mit kurzem Radstand wählen. In diesem Falle gilt der Grundsatz "ganz billig oder ganz teuer" besonders: Der Lada Niva ist der billigste Geländewagen und besser im Gelände als er ist erst wieder der Mercedes, aber der kostet auch uralt noch einen Haufen Geld. Der Niva kommt praktisch überall durch; dafür ist er aber für längere Strecken unzumutbar, da sein Innengeräuschpegel an den eines Unimogs erinnert. Er ist in der Versicherung spottbillig, aber ein unverschämter Säufer. Und nicht zuletzt: Er ist einfach geil, auch wenn es öfter etwas daran zu schrauben gibt. Dafür sind die Ersatzteile billig und die Technik von vorgestern, so dass man ohne Probleme selbst Hand anlegen kann. Er bietet genug Platz für zwei Mann, zwei Gewehre und zwei Hunde, auch dann noch, wenn man die wichtigsten Revierwerkzeuge wie Kettensäge, Zimmermannskiste etc. an Bord hat. Die kleinen Suzukis - Samurai & Co. - sind auch nicht schlecht, aber teuerer als der Niva und bieten erheblich weniger Platz.

  Der Niva ist ideal, wenn man einen kurzen Weg ins Revier hat und man seinen Jagdwagen auch sonst nicht für lange Strecken braucht. Ansonsten muss man einen Kompromiss eingehen, wenn einem ein Mercedes zu teuer ist. Ich selbst hatte auch schon  einen Niva, fahre aber jetzt einen alten Isuzu Trooper mit langem Radstand, da ich mit dem auch mein Boot ziehen kann und er Platz für Kinder, Hund und Gepäck bietet, wenn es zum Segelurlaub mal weiter weg gehen soll. Damit bin ich eigentlich sehr zufrieden, auch wenn er mit der Leistung im Gelände nicht an den Niva heranreicht.

Fazit: So wie ich es beschrieben habe, ist die Jagd tatsächlich kein extravagantes Hobby und durchaus auch für den Normalbürger erschwinglich. Wenn man dann und wann ein wenig Geld übrig hat, kann man sich ja auch einmal einen teureren Abschuss, eine Jagdreise oder ein hochwertiges Ausrüstungsstück gönnen.

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9. Januar 2009 5 09 /01 /Januar /2009 13:05

Rollos sind, zumindest für manche Leute, eine hübsche Alternative zu Vorhängen; an Dachfenstern sind sie sogar die einzige Möglichkeit für Schatten zu sorgen, will man aufwendigere Konstruktionen wie Rollläden vermeiden. Leider sind sie nicht billig und daher ist es ärgerlich, wenn so ein Ding kaputt geht.

Abb. 1: Ärgerlich: Im Laufe der Jahre ist der Rollostoff am unteren Ende entlang des Saums mit dem Stab gebrochen. Von dort aus haben sich zusäzlich Risse in Längsrichtun gebildet und schließlich riss der ganze Saum mit samt dem Stab ab.


Selbsthilfe ist Trumpf

 Ein echter Selbstversorger kauft nicht gerne gleich etwas Neues, sondern guckt erst einmal, ob sich das jeweilige Ding nicht doch noch reparieren lässt. Zum einen spart man damit in aller Regel eine Menge Geld, zum anderen ist es nicht einzusehen, dass Sachen so gemacht sind, dass sie möglichst bald kaputt gehen und der Hersteller ein neues Exemplar verkaufen kann. Unter diesen Umständen ist es geradezu Bürgerpflicht, instandzusetzen anstatt neu zu kaufen. Mir jedenfalls macht es ein diebische Freude, wenn ich durch eine solche Reparatur einen Neukauf vermeiden kann.

Abb. 2: Der Schnitt muss genau rechtwinklig zu den Seitenkanten und parallel zur Rolle verlaufen, daher kommt es auf ein sauberes Anzeichnen an. Man kann dabei den aufgerollten Stoff als Führung benutzen.

 

 Im Fall meines Rollos kann man aber noch nicht einmal allzu sehr meckern: Es ist schon über vierzehn Jahre alt und war die meiste Zeit der Sonne ausgesetzt. Ich muss es nämlich fast immer schließen, wenn ich tagsüber an meinem Computer arbeite, da ich sonst durch das Tageslicht nichts auf meinem Bildschirm erkennen kann. Und, das sei ebenfalls zu Nutz und Frommen des Hersteller gesagt, die Mechanik funktioniert noch einwandfrei.

 

Kein besonderes Werkzeug erforderlich

 Solange die Mechanik noch funktioniert, ist so ein Rollo tatsächlich ohne größeren Aufwand und sogar mit "Bordmitteln" zu retten. Man braucht dazu lediglich einen Kugelschreiber oder Filzstift, eine Schere und ein Nähmaschine. Ist letztere nicht vorhanden, müsste es eigentlich auch mit Nadel und Faden gehen  Wenn das Rollo nur unten verschlissen ist, wie im hier beschriebenen Fall, und sich noch genügend "Reserve" auf der Rolle befindet, braucht man nämlich noch nicht einmal neuen Stoff zu kaufen.

Abb. 3: Mit der Schere wird nun fein säuberlich entlang der angezeichneten Linie geschnitten....

 

 Wenn nicht, beschafft man sich ein Stück passenden Rollo-Stoff in einem Raumausstatter-Laden. In diesem Falle benötigt man noch ein scharfes Messer, Klebstoff und einen Tacker. Bei meinem Rollo besteht die Spindel aus einem hölzerne Rundstab, an dem der Stoff über die ganze Länge angeklebt sowie vorne und hinten zusätzlich mit je einer Klammer angetackert ist. Befestigt man einen neuen Stoff, muss man vor allen Dingen darauf achten, dass er rechtwinklig zugeschnitten ist und die Kante genau parallel zur gedachten Achse der Spindel befestigt wird.

 Kann man den alten Stoff weiterverwenden, weil er lang genug ist, ist es einfacher: in diesem Falle muss man den verschlissenen Teil sauber und rechtwinklick zu den Seitenkanten abschneiden. Dazu zeichnet man ihn mit dem Stift so an, wie das in Abb. 2 zu sehen ist: Wenn man das Rollo sauber aufgerollt hat, kann die so entsandene Rolle dabei als Führung für den Stift dienen.

Abb. 4: Wenn die Kante sauber geschnitten ist, sieht das nicht nur zum Schluss gut aus, sondern ermöglicht es auch, den Saum grade und rechtwinklig abzunähen


Exaktes Arbeiten ist wichtig

 Mit der Schere schneidet man nun, so wie das in Abb. 3 zu sehen ist, sauber entlang derangezeichneten Linie. Beim Schneiden mit der Schere kommt es darauf an, dass man immer ab- und wieder neu ansetzt bevor sich die Schere ganz geschlossen hat. Andernfalls bekommt man an den Ansätzen hässliche Zacken. Das gilt übrigens vor allem auch beim Schneiden von Papier und für die Arbeit mit der Blechschere ebenfalls.

 Nun näht man mit der Nähmaschine einen Saum an die Schnittkante. Dieser muss so breit sein, dass man den Stab des Rollos hindurchstecken kann und zur Innenseite des Rollos umgeschlagen werden, also auf der Seite, auf der auch die Rolle liegt  Natürlich muss er wieder rechtwinklig zu den Seitenkanten sein; das klappt auch ganz gut, wenn man schön rechtwinklig geschnitten hat. Notfalls kann man sich die Naht auch anzeichnen, sollte dabei aber bedenken, dass der Strich sichtbar bleibt und sich am Schluss auf der Innenseite des Rollos befindet.

Abb. 5: Jetzt erfüllt das instandgesetzte Rollo wieder seinen Zweck

 

 Anschließend rollt man das Rollo zusammen und setzt es wieder in die Halterung. Um dabei die richtige Vorspannung zu erhalten, damit das Rollo sich sauber aufrollt, gibt es einen einfachen Trick: Man lässt beim Einsetzen in die Halterung den Stab zunächst weg und rollt das Rollo sauber in der Hand zusammen. Nach dem Einsetzen dreht man die ganze Rolle einige Male, in die Richtung, in die das Rollo beim Schließen von der Rolle gezogen wird um dem Federzug die richtige Vorspannung zu geben, damit er das Rollo sauber hochziehen kann. Aus diesem Grund muss man den Stab zunächst weglassen, denn er verhindert im Betrieb, dass sich die Spindel weiter dreht , wenn das Rollo oben ist. Zum Schluss steckt man den Stab durch den Saum und prüft, ob die Vorspannung ausreicht und der Federzug das Rollo sauber hochzieht. Tut sie das nicht, entfernt man den Stab eben noch einmal und spannt noch etwas mehr vor.

 

 

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8. Januar 2009 4 08 /01 /Januar /2009 17:58

Selbstversorgung muss nicht bedeuten, dass man auf moderne Technik, wie etwa Computer verzichtet. Gerade das Internet ermöglicht es ja gerade, dass auch Leute mit sehr speziellen Interessengebieten, die jeweils nicht allzu viele Gleichgesinnte haben, einander finden und sich austauschen können. Auch Informationen zu von den Mainstream-Medien ignorierten oder gar vom System ungern gesehenen Strömungen kann man hier finden und verbreiten. Verfolgt man den Selbstversorgergedanken jedoch auch im Hinblick auf Informationstechnik konsequent, wird man sich wahrscheinlich erheblich an dem Umstand stören, dass die Computerei von einer einzigen Softwarefirma dominiert wird. Die Frage nach Alternativen liegt also nahe.

Der IBM 5150 Personal Computer ist der Urahn der heutigen PCs 

(Dieses Bild basiert auf dem Bild IBM PC 5150.jpg aus der freien Mediendatenbank Wikimedia Commons und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. Der Urheber des Bildes ist Boffy b)

Auch beim Computer kann man Abhängigkeiten vermeiden

 Die Alternative zu Software von kommerziellen Anbietern gibt es tatsächlich: Bereits seit fast 25 Jahren wird das freie Betriebssystem GNU entwickelt, welches selbst wenig bekannt ist und vor allem von Insidern verwendet wird. GNU ist wie das wesentliche bekanntere Linux im Grunde ein Unix, auch wenn die Buchstabenfolge die Abkürzung für „GNU's Not Unix“, also „GNU ist Nicht Unix“ darstellt.  
 Für den informationstechnischen Normalverbraucher hat GNU vor allem deswegen Bedeutung, da die Lizenz unter der es verwendet und weitergegeben werden darf, von vielen Entwicklern freier Software, auch solcher für andere Betriebssysteme und sogar für Bilder und Texte benutzt wird. Was unter der GNU-License publiziert wird, darf jedermann kostenlos benutzen, weitergeben und unter gewissen Bedingungen auch verändern, wobei das Urheberrecht des Autors jedoch nicht aufgegeben wird, wie das bei Public Domain der Fall ist. Für den Normalverbraucher bedeutet dies vor allem, dass er Programme, die unter dieser Lizenz stehen, herunterladen und kostenlos benutzen darf.
 Die GNU-License setzt den OpenSource-Gedanken um, welcher besagt, dass Software nicht nur für jedermann kostenlos benutzbar sein sollte, sondern vor allem auch der Quellcode veröffentlicht werden soll. Dadurch kann jeder, der sich in der jeweiligen Programmiersprache entsprechend auskennt, sehen wie das Programm funktioniert, daraus lernen, helfen es weiter zu entwickeln und eigene Programme darauf abstimmen, so dass sie zusammen damit funktionieren. Weil gerade bei freien Betriebssystemen wie LINUX der Quellcode bekannt gemacht wird, tun sich nicht nur diejenigen Leute leichter, die Programme dafür entwickeln, sondern es wird möglich, dass jeder beider Weiterentwicklung des Betriebssystem mitmachen kann, der über entsprechende Kenntnisse verfügt und Lust dazu hat. 
 Außerdem kann niemand in solchen Programmen irgendwelche Mechanismen einbauen, die etwa den Anwender ausspionieren oder Software von Konkurrenten behindern, was bei einem Betriebssystem eines kommerziellen Anbieters leicht möglich ist. Bei solchen Systemen wird nämlich der Quellcode in der Regel streng geheimgehalten und die Benutzerverträge verbieten das so genannte Reengineering, also das Zurückgewinnen und Analysieren des Quellcodes aus dem lauffähigen Programm. Selbst ein ausgebuffter Computerfreak hat also kaum eine legale Chance, festzustellen, was seine Software nebenher noch so alles treibt.


OpenSource-Programme für Windows
 Bei OpenSource-Programmen verderben die vielen Köche also keineswegs den Brei; sie sorgen vielmehr nicht nur dafür, dass er besonders gut wird, sondern verhindern auch, dass jemand etwas hinein rührt, was nicht hinein gehört. In der Tat stehen OpenSource-Programme in aller Regel der kommerziellen Konkurrenz nicht nach, sind oft sogar besser. Oft sind sie vollwertiger Ersatz für entsprechende kommerzielle Programme. Ein gutes Beispiel ist Open Office, welches eine kostenlose Alternative zu Microsoft Office darstellt: Es liest und schreibt nicht nur dessen Dateiformate, sondern wird bis auf Kleinigkeiten auch genauso bedient. Wenn man auf dieses Paket umsteigt, braucht man also weder Dokumente zu konvertieren, noch sich an eine neue Bedienung gewöhnen: Man arbeitet einfach mit dem neuen Paket weiter.

Vom Look and Feel sowei der Bedienung her keine große Umstellung von MSO: Open Office

 OpenOffice gibt e nicht nur für Linux, sondern auch für Windows, genauso wie GIMP, das bei Linux-Leuten bekannte und beliebte Grafikprogramm. Wenn auch die fortgeschrittenen Funktionen von GIMP eher etwas für Freaks sind, kann es der Normalanwender dennoch ohne weiteres zum einfachen Bearbeiten von Fotos verwenden, so das sich auch hier Download und Installation allemal lohnen.

 

Alternative Web-Browser

 Bei den OpenSource-Programmen für Windows darf natürlich der Web Browser Mozilla Firefox nicht fehlen. Allerdings bin ich persönlich mit diesem Programm derzeit ein wenig beleidigt: Beim letzten Mal, als ich ihn aktualisieren wollte, musste ich nämlich feststellen, dass man die Anwender zwingen wollte, die Version mit de Google Toolbar zu installieren, indem man beim Download der Version ohne Toolbar ein nervige Wartezeit eingebaut hatte. Google ist als übler Datensammler bekannt, deshalb habe ich keine Lust, auch noch Software von diesen Leuten auf meinem Rechner zu haben, die in einer von mir nicht kontrollierbaren Weise alles mögliche tun könnte, auch Dinge, die ich nicht möchte. Ich hoffe stark, dass die Firefox-Leute wissen, was sie tun und der Quellcode der Gogle-Tollbar offen liegt. Trotzdem ist es ein dicker Hund, den Anwendern so etwas aufzuzwingen zu versuchen. Für mich lässt sich so etwas in keiner Weise mit dem OpenSource-Gedanken vereinbarent. 
 Ob die Alternative Opera in dieser Hinsicht jedoch so viel besser ist, wage ich aber auch zu bezweifeln. Opera ist nämlich keine OpenSource-Software, auch wenn man das Programm kostenlos benutzen darf und stammt von einer Firma, nicht von ehrenamtlichen Programmierern. Da liegt natürlich die Frage nahe, was ein Unternehmen für einen Vorteil davon hat, ein kostenloses Programm anzubieten, welches dazu noch werbefrei ist, sprich: womit diese  Firma eigentlich ihr Geld verdient...
  Trotz allem sind beide Programme aber meiner Ansicht nach noch allemal besser als der Internet Explorer, vor dessen Sicherheitslücken Fachleute praktisch ständig warnen. Ähnlich ist es im EMail- und Newsgroup-Bereich: Auch hier gibt es kostenlose Alternativen zu Outlook, z.B. Thunderbird.

Der Pinguin Tux ist das Maskottchen von Linux (Bild: PD)

Linux, ein kostenloses Betriebssystem

 Wer ganz auf das sonst allgegenwärtige Windows verzichten will, findet in Linux die Alternative, die wohl am besten für den Normalanwender geeignet ist. Linux ist ein Unix. Mit dem Begriff „Unix“ (außer dem Anfangsbuchstaben klein geschrieben) bezeichnet man Abkömmlinge des Stammvaters UNIX (komplett in Großbuchstaben), dem Anfang der 1970er Jahre bei den Bell Laboratories entwickelten Mehrbenutzer Betriebssystem, das zunächst für die damaligen Großrechner gedacht war. UNIX ist ein eingetragenes Markenzeichen der Open Group, daher dürfen nur die von diesem Konsortium zertifizierten Versionen so genannt werden, für andere unixartige Betriebssysteme verwendet man die Schreibweise „Unix“. Die Buchstabenfolgen „ix“ oder „ux“ am Ende des Namens eines Betriebssystems weisen auch darauf hin, dass es sich um ein Unix handelt: SINIX (von Siemens), HP-UX (von Hewlett Packard) oder eben Linux, dessen Erfinder mit Vornamen Linus heißt.
 Linux wird in verschiedenen Distributionen verbreitet, die man sich in der Regel kostenlos aus dem Netz holen kann. Man kann diese Distributionen auch als Pakete mit gedrucktem Handbuch und eingeschlossenem Support kaufen. Eine solche Distribution besteht aus dem Betriebssystemkern, den notwendigen Dienstprogrammen, Tools und einer meist reichhaltigen Auswahl an freier Software.

 

SuSE-Linux

 Ich persönlich arbeite mit SuSE-Linux, einer der bekanntesten Distributionen, obwohl mich derzeit ein wenig stört, dass es Verbindungen zwischen Novell, dem Eigentümer von SuSE und einer gewissen Softwarefirma aus Redmond in Washington gibt. Schließlich migriert man ja nicht zu Linux, damit einen womöglich irgendwann doch wieder Bill Gates aus dem Rechner angrinst. Ansonsten muss man aber zugegeben, dass SuSE-Linux eine handliche und alltagstaugliche Sache ist: Es gibt ein sehr komfortables Tool namens YaST („Yet another Setup Tool“), welches die Installation genauso einfach und komfortabel macht, wie man es von Windows kennt (bzw. kennen sollte *VBG*) und sie auch nicht länger dauern lässt. Der entscheidende Unterschied: Bei Linux ist nach der Installation schon eine mehr oder weniger große Sammlung von Softwarepaketen mit installiert, deren Komponenten man sich zu Beginn der Installation aus dem reichhaltigen Angebot aussuchen kann, welches in der Distribution enthalten ist. Weitere Software kann man sich jederzeit von den CDs bzw. der DVD der Distribution oder aus anderen Quellen nachinstallieren, genauso wie man Software auch wieder löschen kann. Dies geschieht wiederum mit dem Installationstool YaST und ist genauso einfach wie das Installieren und Deinstallieren von Software unter Windows.
SuSE-Linux verwendet ein besonderes Format der Softwarepakete zur Installation, dass RPM-Format. Da SuSE sehr verbreitet ist, gibt es praktisch alle Softwarepakete, die unter Linux laufen auch als RPM.
 Früher war Unix ein Betriebssystem für Freaks, da die Installation von System- und Anwendungssoftware sowie deren Anpassen an die jeweilige Hardware eine aufwendige Geschichte darstellte. Bei den derzeitigen SuSE-Linux-Versionen fällt aber sogar das in älteren Distributionen noch erforderliche Kompilieren des Kernels weg; sie arbeiten nach dem Plug-and-Play-Standard, wobei gängige Hardware fast ausnahmslos erkannt und installiert wird. Allenfalls bei Hardware von Herstellern, die sich mit technischen Informationen bedeckt halten, ist eine – zugegebenerweise etwas umständliche – separate Installation der nur von den Herstellern erhältlichen Treiber nötig.
 Für Linux gibt es mittlerweile eine grafische Oberfläche, sie heißt KDE, mit der Windows-Anwender praktisch sofort zurechtkommen. Man kann damit im Prinzip alles machen, was man mit Windows auch machen kann; in vielen Fällen geht es aber besser und außerdem gibt es einige Dinge, die Windows nicht kann – und die man schnell zu schätzen lernt.

 

Linux erfreut sich schon seit Jahren steigender Beliebtheit: Novell/SuSE beim Linux-Tag 2004 

(Dieses Bild basiert auf dem Bild Novell SuSE.jpg aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. Der Urheber des Bildes ist Igelball)

Alles, was man braucht...

 Die für die meisten wichtigste Anwendung, ein Office-Paket ist ebenfalls enthalten und zwar das bereits beschriebene Open Office. Als Browser ist Firefox vorhanden, man kann aber auch Opera installieren, da dieser Browser in der Linux-Version auch als RPM-Paket erhältlich ist. Selbstverständlich gibt es auch EMail, hier kann man sogar zwischen mehreren Programmen wählen. Für die normale Büroanwendung ist also alles vorhanden, egal ob im privaten oder im geschäftlichen Bereich. Ich persönlich verwende Linux und KDE schon lange im Büro und vertraue keiner Windows-Maschine mehr wichtige Daten an, einen Computer mit Windows gibt es bei mir zwar noch, aber der dient vor allem dazu, zu sehen, ob es noch Abweichungen zu Linux in der Darstellung gibt, wenn ich etwa Web-Seiten baue und für bestimmte grafische Arbeiten.  
 Selbst vermisse ich bei Linux nämlich noch vor allem ein gutes und vielseitiges Pixelgrafik-Programm. Ich komme zwar mit GIMP beim Aufbereiten von Fotos sehr gut zurecht, vermisse aber bestimmte Grafik-Werkzeuge, die ich von PaintShop Pro gewöhnt bin. Auch die Vektorgrafikprogramme können mir bis jetzt CorelDraw! nicht ersetzen. Das mag zum Teil aber auch an mir liegen, da ich mich durch jahrelange Benutzung wohl sehr in die Bedienung meiner Lieblingsprogramme eingefressen habe.

 Linux ist übrigens auch recht sicher im Hinblick auf Spyware, Trojaner, Viren und dergleichen. Das liegt zum einen am OpenSource-Konzept und der grundsätzlich mehr auf Sicherheit ausgelegten Unix-Architektur, zum anderen daran, dass noch nicht so viele Leute Linux benutzen. Da lohnt es sich weder für echte Ganoven noch für übele Witzbolde, irgendwelche Schadsoftware zu rogrammieren, ganz einfach, weil es wesentlich weniger potentielle Opfer gibt als bei Windows. Es zahlt sich also auch hier aus, nicht mit der Herde zu rennen.

 

Für Hardcore-Zocker weniger geeignet

 Wirklich schlecht sieht es bei Linux allerdings mit Spielen und Spielereien wie Videochats aus. Diese Art Software zielt auf die große Masse ab und wird daher noch kaum in Linux-Versionen angeboten. Es gibt die Möglichkeit, mit spezieller Adaptersoftware Windows-Anwendungen auch unter Linux zu betreiben. Das kostenlose und bei SuSe mitgelieferte Programm Wine schafft das mit Software die keine allzu aufwendige Grafik hat, für aufwändige Action-Spiele gibt es eine käufliche Lösung. Übrigens gilt die für das Softwarenagebot genannten Einschränkungen nur für den kostenlosen Bereich, es gibt nämlich für Linux auch bereits ein Menge kommerzielle Programme, die ich aber noch nicht ausprobiert habe, allerdings hauptsächlich für professionellen Einsatz wie etwa CAD.
 Wer noch nicht komplett umsteigen will, kann Linux auch neben Windows auf dem Rechner haben. YaST z.B. erkennt bereits vorhandene Systeme und installiert Linux problemlos daneben. Falls der Plattenplatz nicht ausreicht, installiert man eben eine zusätzliche Festplatte.
 Für den allerersten Kontakt gibt es verschiedene Linux-Versionen auch als so genannte Life-CDs bzw -DVDs von denen man das Betriebssystem direkt booten und ausprobieren kann, ohne dass man an der Konfiguration seines Rechners etwa verändern muss. Die bekannteste dieser Life-Distributionen ist Knoppix, welches immer wieder einmal Computerzeitschriften als Zugabe beiliegt. Man kann es sich aber auch als Image aus dem Netz saugen und sich die DVD selbst brennen.

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7. Januar 2009 3 07 /01 /Januar /2009 12:58

... ist bekanntlich verlassen. Dass solche alten Sprüche nicht nur Schall und Rauch sind, zeigt sich jetzt, als Russland der Ukraine und damit de facto auch uns den Gashahn zugedreht hat. Zwar beruhigt Bundeswirtschaftsminister Michael Glos die Verbraucher, doch die Angst vor kalten Wohnungen und auf dem Esbit-Kocher gewärmten Notmahlzeiten geht sicherlich bei einigen bereits um.

Gehen bei uns demnächst auch die Gasflammen aus? (Bild: George Shuklin, PD)

Gas-Transfer über die Ukraine komplett gestoppt 

 Wie Spiegel-Online heute berichtet, hat die Ukraine jetzt die Transitleitungen geschlossen, durch die das von Russland in die EU exportierte Gas sonst strömt. Noch bleiben die Öfen und Gasherde nicht kalt, denn natürlich gibt es Reserven. Da Russland aber auch das Geld braucht, welches es für das in die EU exportierte Gas bekommt, wird es früher oder später die Gaslieferungen wieder aufnehmen müssen. Es besteht also immerhin eine gewisse Hoffnung, dass wir gar keine Auswirkungen des derzeitigen Lieferstopps zu spüren bekommen.

 Anders sieht es natürlich aus, wenn Russlands Strategie darin besteht, die EU gewissermaßen als Geisel zu nehmen oder, besser gesagt,  zu zwingen, auf die Ukraine einzuwirken, im Gasstreit einzulenken. Dann könnten Esbit-Kocher und kalter Hintern durchaus bittere Wirklichkeit werden.

 In jedem Fall zeigt sich aber hier klar, wie problematisch es ist, bei wichtigen Rohstoffen von Importen abhängig zu sein: Selbst wenn man selbst gar keinen Streit mit dem Lieferanten hat, kann man schnell unter Vorkommnissen zu leiden haben, mit denen man direkt gar nichts zu tun hat.

 Natürlich freuen sich jetzt die Besitzer von Ölheizungen, die, wenn sie es nicht schon getan haben, sich durch den stark gefallenen Ölpreis derzeit noch günstig eindecken können und autark sind, solange das Öl im Tank reicht. Sie wiegen sich jedoch in einer trügerischen Sicherheit, denn auf die Länge gesehen, stehen sie nicht besser da, als diejenigen, die mit Gas heizen. Wirklich lachen können dagegen die Leute, die ihre Wohnungen mit regenerativen Energieträgern heimischer Herkunft warm halten:  Wer einen ordentlichen Brennholzstapel vor der Tür hat, darf  getrost davon ausgehen, dass in dem  Wald, aus dem sein Holz kommt, noch mehr davon ist - und nach menschlichem Ermessen auch in Zukunft sein wird.

 Ganz fein sind natürlich diejenigen raus, die ihr Brennholz erst gar nicht kaufen müssen, sondern aus dem eigenen Wald holen können, wie das bei vielen Bauern der Fall ist. Sie brauchen noch nicht einmal steigende Holzpreise zu fürchten. Wenn der Schlepper oder Unimog, mit dem man das Heizmaterial erntet, dann auch noch mit Raps vom eigenen Acker läuft,  ist die Freude perfekt: In diesem Falle ist auch noch der letzte größere Einfluss des Ölpreises auf die Heizkosten ausgemerzt. Noch autarker geht`s dann nur noch, wenn man das Holz statt mit dem Schlepper mit dem Pferd holt - was ja einige immer noch bzw. schon wieder tun.

 

Die vorhandene Erdgas-Infrastruktur ist auch mit Biogas benutzbar.

(Dieses Bild basiert auf dem Bild Gaskessel gr.jpg aus der freien Mediendatenbank Wikimedia Commons und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. Der Urheber des Bildes ist Igelball)


Autarkie verhindert böse Überraschungen

 

 Diese Überlegungen lassen sich aber auch auf höhere Ebenen übertragen: Wenn wir, statt Erdgas zu importieren, Biogas erzeugen, können wir die vorhandene Gas-Infrastruktur von den Gasbehältern bei den Stadtwerken bis zu den Heizkesseln und Herden in den Haushalten komplett weiter benutzen. Weder kommunale Energieversorger noch Verbraucher haben dadurch Geld in den Sand gesetzt. Die großen Investitionen in das Erdgasnetz waren also zukunftssicher, auch wenn das wohl gar nicht beabsichtigt war.

 Abhängigkeiten wie die von fremdem Erdgas bestehen aber auch an anderer Stelle. Vom Erdöl brauchen wir gar nicht zu reden; aber auch der Strom aus herkömmlichen Quellen macht abhängig: von der Willkür der Energie-Multis, deren Macht wir derzeit schmerzlich in Form überzogener Strompreise zu spüren bekommen. Energie aus erneuerbaren Quellen kommt nicht von den Multis, sondern von kleinen Gesellschaften, die lokal und regional operieren. Dadurch wird das ganze überregionale Höchst- und Hochspannungsnetz überflüssig, der Schnabel der Multis bleibt sauber. Altrnative Energie ist eben Bürgerenergie.

 Genau das ist es, was die großen Energieversorger an den Erneuerbaren Energien fürchten. Aus diesem Grunde setzen sie einerseits ihre Lobby ein, um den Öko-Strom nach Kräften zu behindern und versuchen andererseits, mit sinnlosen und sogar umweltschädlichen Projekten, eine Scheibe vom Kuchen abzubekommen. Die massive Behinderung der Windenergenie-Nutzung durch die Regierung in Württemberg ist ein Beispiel für die erste Strategie, der Hype um Off-Shore-Windkraftwerke eines für die zweite: Bei diesen Kraftwerken wird der Strom wiederum in großen Mengen an wenigen Stellen erzeugt und über die großen Netze der Multis verteilt. Damit würde die Abhängigkeit der Verbraucher von ihnen auch bei den erneuerbaren Energien festgeschrieben und die fröhliche Abzocke beim Strompreis könnte weitergehen.

 Das lässt sich aber verhindern - und zwar auf der Ebene der Kommunen und Kreise. Je mehr hier auf die Nutzung von regenerativen Energieträgern am Ort gesetzt wird, desto weniger haben die großen Energieversorger eine Chance, überzogene Strompreise zu verlangen. Dass aus dem Ganzen natürlich auch in anderen Bereichen, bei Kraftstoffen für Fahrzeuge etwa, ein Schuh wird, vesteht sich von selbst. Hoffen wir also, dass die Gaskrise wieder ein paar Leute mehr zum Umdenken in Richtung Erneuerbare Energieträger aus heimischer Herkunft bringt....

 

 



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6. Januar 2009 2 06 /01 /Januar /2009 15:39

An unseren Gewässern überwintern viele Vögel aus dem Norden

 

Der Itzelberger See in der Nähe von Heidenheim: im Winter findet man dort eine ganze Reihe von Wasservögeln, die man im Sommer bei uns nicht oder nur an wenigen Stellen sieht

Wer im Winter an einem etwas größeren Gewässer vorbei kommt, dem wird auffallen, dass es dort zu dieser Zeit viel mehr Wasservögel gibt als im Sommer. Bei genauerem Hinsehen stellt sich dann heraus, dass darunter allerhand Arten sind, die man bei uns immer Sommer nicht oder nur selten zu Gesicht bekommt. Wintergäste, meist aus dem Hohen Norden, haben sich eingestellt.

 So wie einige unserer heimischen Vogelarten vor dem Winter gen Süden ziehen, kommen in dieser Zeit gefiederte Gäste aus dem Norden zu uns. Viele Vögel, die in Nordosteuropa, in Skandinavien oder gar in Sibirien ihrem Brutgeschäft nachgehen, können dort im Winter nicht überleben. Sie suchen dann wärmere Gegenden auf wo das Nahrungsangebot besser ist und die Wasservögel vor allem auch eisfreie Gewässer finden. Dabei führt sie ihr Weg unter anderem nach Baden-Württemberg.

 Unter den überwinternden Vögeln sind eine Reihe von Singvögeln wie Seidenschwanz, Dompfaff und Bergfink. Sieht man von letzterem ab, der durch die großen Schwärme auffällig ist, in denen er hier im Winter zuweilen vorkommt, sind die Singvögel aber für den ungeübten Beobachter nicht so leicht zu entdecken. Viel auffälliger sind die Wasservögel, da sie an bestimmten Gewässern in großer Zahl vorkommen und dort leicht beobachtet werden können. Nicht nur das Bodenseeufer, sondern auch viele kleinere Seen im Land, etwa der May-Eyth-See in Stuttgart, der Itzelberger See bei Heidenheim oder das Naturschutzgebiet am Bucher Stausee bei Aalen, dessen Vorbecken im Herbst nicht abgelassen wird und als Vogelschutzzone ausgewiesen ist.

  An diesen und vielen weiteren Gewässern finden sich unterem anderem Grau- und Kanadagans, aber auch Knäck- und Reiherenten; die Tafelente kommt vor, wie auch Gänsesäger und Haubentaucher. Neben den Gästen von weither sind aber auch heimische Arten wie Stockente und Blässhuhn vertreten: „Da die kleineren Gewässer schneller zufrieren, wandern die Vögel von dort im Winter an die größeren“, erläutert Reinhard Bretzger vom NABU-Kreisverband Ostalbkreis, „dort finden sie am ehesten noch eisfreie Stellen.“ Ein Teil der Reiher- und Tafelenten stammt sogar von hier. Allerdings sind diese Arten bei uns nicht häufig, im Sommer muss man schon Glück haben oder sich ein wenig auskennen, wenn man sie sehen will. Die meisten der vielen Exemplare, die man ihm Winter sieht, sind aus dem Hohen Norden angereist.

Zum Teil Wintergast, zum Teil aber auch schon Brutvogel: Die Kanadagans ist bei uns auf dem Vormarsch

 

 Im Schlamm des bereits abgelassenen Hauptbeckens des Bucher Stausee konnte der erfahrene Vogelkundler, wie er erfreut berichtet, auch schon einen mittlerweile seltenen Vogel beobachten: die Bekassine. Sie wird im Volksmund auch Himmelsziege genannt, da sie mit besonders geformten Federn an ihren Schwingen im Sturzflug ein meckerndes Geräusch erzeugt. Die Verwandte der Waldschnepfe ist auf sumpfiges Gelände angewiesen und leidet daher stark unter dem Rückgang der Feuchtgebiete.

 Angst, dass man sich beim Winterspaziergang mit Vogelbeobachtung die Vogelgrippe holen könnte, braucht man übrigens nicht zu haben. Klaus Gossger, Leiter des Veterinärwesens beim Landwirtschaftsministerium in Stuttgart kann da nämlich beruhigen: „Die bei uns aufgetretene Variante des Virus geht nicht auf den Menschen über und auch die für uns gefährliche Abart wird nur bei innigem Kontakt zu den Tieren übertragen.“ Keinesfalls aber sollte man die Wintergäste beunruhigen indem man ihnen zu nahe auf das Federkleid rückt und sie schon gar nicht füttern. Zum einen ist der winterliche Nahrungsengpass für die Tiere eine ganz natürliche Sache und zum anderen belastet nicht aufgenommenes Futter den Sauerstoffhaushalt des Gewässers.

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5. Januar 2009 1 05 /01 /Januar /2009 13:30

Sowohl bei der Metall- als auch bei der Holzbearbeitung spielen spanabhebende Bearbeitungsmethoden eine wichtige Rolle. Für die Auswahl des jeweiligen Verfahrens, wie auch für das sachgemäße Schärfen von Werkzeugen ist es hilfreich, sich mit den berühmt-berüchtigten Winkeln an der Schneide ein wenig auszukennen.

(Update 02.05.09: Alle Metallbearbeitungsartikel sind ab jetzt auf der Leitseite Metallbearbeitung verlinkt)

 Wie das meist der Fall ist, erleichtern auch in der Metallbearbeitung einige theoretische Kenntnisse die Praxis erheblich; es gibt ja bekanntlich nichts praktischeres als ein gute Theorie. Daher ist es sowohl für den Holz- als auch für den Metallbearbeiter sinnvoll, sich zunächst mit dem Vorgang der Spanbildung zu befassen und dabei einige Begriffe und Größen kennenzulernen, die ihm später bei der Beschäftigung mit den einzelnen Arbeitsverfahren immer wieder begegnen werden.

 

 Abb. 1: Winkel an der Schneide

 

 Grundelement aller spanenden Werkzeuge - unabhängig davon, ob Metall, Holz oder sonst irgend etwas zerspant werden soll - ist die Keilschneide, wie sie in der Abbildung oben dargestellt ist. Entscheidend für die Spanbildung sind die drei in Abb. 1 mit  Alpha, Beta und Gamma bezeichneten Winkel. Einen solchen einfachen Schneidkeil finden wir z.B. an einem Meißel oder einem Stechbeitel. Der Winkel Alpha wird als Freiwinkel bezeichnet, die ihm zugewandte Fläche des Keiles als Freifläche. Er ist wichtig, da sein Vorhandensein es erst ermöglicht, dass die Schneide in den Werkstoff eindringt. Als Keilwinkel bezeichnet man den Winkel Beta. Ist er schlank, dringt das Werkzeug leicht in den Werkstoff ein, wird aber schneller stumpf, die Standzeit - die Arbeitszeit von einem Nachschärfen zum anderen - ist gering. Das sprichwörtlich scharfe Rasiermesser z.B. hat einen kleinen Keilwinkel, muss aber bekanntlich sehr oft geschärft werden. Das andere Extrem wäre ein Meißel, der einen großen Keilwinkel besitzt und dafür nur langsam stumpf wird. Kleine Keilwinkel gelangen bei weichen, große bei härteren Werkstoffen zum Einsatz.

Abb. 2: Schneiden und Schaben

 

 Der Winkel, den die Oberseite des Keiles, die sogenannte Spanfläche mit der Senkrechten zur Werkstückoberfläche bildet wird als Spanwinkel Gamma bezeichnet. Er kann positiv sein, wie in Abb. 1 und links in Abb. 2, dann schneidet der Keil. Ist er,  wie rechts in Abb. 2, negativ, dann schabt er.

 Ein typisches Werkzeug, welches schneidet wäre im Holzbereich der Hobel, ein schabendes die Ziehklinge. Bei den Metallern finden wir z.B. in Spiralbohrer (eigentlich muss er Wendelbohrer heißen) und Drehmeißel schneidende Werkzeuge, in der (gehauenen) Feile hingegen ein schabendes.

 Die Geschwindigkeit, mit der sich der Keil durch den Werkstoff bewegt, wird als Schnittgeschwindigkeit bezeichnet. Bei den Handarbeiten an Metall im Schraubstock und  eim manuellen Sägen, Hobeln un Stemmen von Holz brauchen wir uns keine Gedanken darüber zu machen, da sie hier ganz von selbst gering bleibt. Interessant wird sie für uns lediglich beim Bohren, da wir hier die Drehzahl dem Bohrerdurchmesser anpassen können und müssen.

Plandrehen: Der Drehmeißel schneidet...

 

 Diejenige Bewegung, die den Span erzeugt, nennt der Fachmann Hauptbewegung (sie erfolgt demnach mit der Schnittgeschwindigkeit). Die Bewegung, mit welcher der Schnitt durch das Werkstück fortschreitet ist die Vorschubbewegung oder kurz der Vorschub. Sehr gut läßt sich dies an einer Stichsäge beobachten: Die Hauptbewegung ist das von der Maschine erzeugte Hin- und Hergehen des Sägeblattes, der Vorschub entsteht durch das Weiterführen („Vorschieben“) der Maschine durch den Werkstoff mit der Hand.

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 Es gibt noch eine dritte Bewegung der Schneide: Die Zustellung oder Zustellbewegung. Sie beschreibt die Tiefe oder Breite, die in einem Durchlauf aus dem Werkstoff herausgearbeitet wird. Am einfachsten kann man sich das an einer Oberfräse beim Nuten vorstellen: Die Zustellung ist hier das Maß, um welches man die Nuttiefe je Durchgang vergrößert. Beim Sägen und Bohren gibt es keine Zustellung im eigentliche Sinne, sie wird gewissermaßen durch die Stärke des Sägeblattes bzw. den Bohrerradius gebildet.

... während die Feile schabt: Feilen einer Rundung ("Radiusfeilen")

 

 Zustellung und Vorschub bestimmen den Spanquerschnitt, der Zusammen mit der Schnittgeschwindigkeit sowie der Härte und Festigkeit des Werkstoffes über die Schnittkraft entscheidet - und damit über die Belastung von Werkstoff, Werkzeug und Maschine.  Wer tiefer in die Metallbearbeitung eindringt und sich mit Drehen und Fräsen befasst, für den sind Schnittgeschwindigkeiten, Vorschübe und Zustellungen wichtige Größen, die er berechnen können muss um einer Bearbeiitungsaufgabe gerecht zu werden. Werden sie zu hoch gewählt, werden Werkstoff, Maschine und/oder Werkzeug überlastet. Wählt man sie zu niedrig, wird nicht effektiv genug gearbeitet, also Arbeits- und Maschinenzeit verschwendet.

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4. Januar 2009 7 04 /01 /Januar /2009 12:10

Im allgemeinen denkt man im Zusammenhange mit Holz weniger an Kleber als an Leime. Jedoch gerade im Heimwerker- und Bastelbereich werden wir im Zusammenhang mit Holz immer wieder Einsatzgebiete für Kleber entdecken. Vor allem bei der Verbindung von Holz mit anderen Werkstoffen wie Textilien, Papier, Pappe und so weiter bieten sich Klebstoffe an. Da diese nun eine dankbare Spielwiese für die moderne Chemie sind, ist es wichtig zu wissen, was man im jeweiligen Falle eigentlich verarbeitet und nicht blind vertrauend die „Segnungen“ einer in erster Linie am Profit und weniger an der Gesundheit des Verbrauchers interessierten Industrie zu verwenden.

Alleskleber ist ein Beispiel für Kleber, die durch Verdunstung eines Lösungsmittels aushärten (Bild: Babi Hija, PD)

 

 Kleber begegnen uns im Zusammenhang mit Holz übrigens auch in Verbundwerkstoffen, das ist aber ein eigenes Thema, mit dem ich mich sicher auch noch beschäftigen werde. Die verwendeten Kleber werden jedoch bereits in diesem Artikel besprochen.

 Die Wirkungsweise von Klebern ist sehr unterschiedlich. Der Sinn ist jedoch immer, daß aus einer leicht zu verarbeitenden und durch Streichen, Spritzen oder Spachteln aufzubringenden flüssigen oder zähflüssigen Masse ein fester Körper wird, der die mechanisch mehr oder weniger feste Verbindung zwischen den zu verklebenden Teile herstellt. Dabei können folgenden Wirkungsweisen unterschieden werden:


* Aufbringen des Klebers im geschmolzenen Zustand und anschließendes Aushärten durch Erstarren (Heißkleben)

* Abbinden durch Verdunsten von Lösemitteln

* Erhärtung durch chemische Reaktion (Binder und Härter)


 Diese unterschiedlichen Wirkprinzipien begegnen uns teilweise in Variationen, so daß wir im folgenden die einzelnen Arten von Klebern besprechen, wie sie im allgemeinen eingeteilt werden.

 

Schmelzkleber

 Seit einigen Jahren sind sogenannte Schmelzkleber, die mit Heißklebepistolen verarbeitet werden, auf dem Markt. Glaubt man den Herstellern, stellt dieses Verfahren gewissermaßen das „Ei des Kolumbus“ für viele Anwendungsbereiche dar.

 Die eigentliche Wirkungsweise besteht darin, daß ein thermoplastischer - also schmelzbarer - Kunststoff mit einer elektrischen Heizung geschmolzen wird und dadurch auf die zu verbindenden Teile aufgebracht werden kann. Die Fragwürdigkeit der Haltbarkeit solcher Verbindungen begründet sich auf die folgende Überlegung:

 Der flüssige Kunststoff gelangt auf die mit Raumtemperatur doch verhältnismäßig kühlen Flächen der zu verbindenden Werkstoffe. Dabei kühlt die äußerste, dem Werkstück zunächst liegende Schicht der Masse naturgemäß als erste ab. Die Frage ist nun, ob der erstarrende Kunststoff überhaupt Zeit hat, sich richtig mit dem Werkstoff der zu verklebenden Teile zu verbinden.

 Ein weiterer Aspekt ist, daß es immer mit Vorsicht zu genießen ist, wenn Kunststoffe erwärmt werden. Bisher wurde noch nicht untersucht, ob und welche schädlichen Emissionen durch Heißklebepistolen entstehen. In jedem Fall ist jedoch der Einsatz von Kunststoff mit der gesamten, damit zusammenhängenden, Problematik seiner Herstellung, des Ressourcenverbrauchs und der Entsorgung gegeben.

 

Kontaktkleber

Die Bindemasse von Kontaktklebern besteht typischerweise aus synthetischem Kautschuk. Kontaktkleber binden durch Verdunsten des Lösemittels ab. Die Verarbeitung von Kontaktklebern - der bekannteste Vertreter dieser Klasse von Klebstoffen ist wohl der weitverbreitete Pattex von der Firma Henkel - dürfte bekannt sein: Die beiden zu verklebenden Flächen werden zunächst mit dem Kleber bestrichen und müssen anschließend ablüften. Dabei verdunstet das Lösungsmittel. Anschließend werden die Teile verpresst, wobei, wie uns die Original-Gebrauchsanweisung für Pattex erläutert, nicht die Dauer sondern die Höhe des Pressdruckes entscheiden für die Güte des Arbeitsergebnisses ist.

Kehlnaht aus Epoxy-Spachtel zur Verbindung zweier Platten


Problematisch sind beim Einsatz von Kontaktklebern vor allem die entstehenden Lösemitteldämpfe. Die Gefährlichkeit von Lösemitteln und ihre Wirkung im Stoffwechsel des Menschen ist erheblich. Vor allem beim Verkleben großer Flächen, werden Kontaktkleber in gewaltigen Mengen aus großen Gebinden mit der Spachtel aufgetragen. Das dies natürlich die beste Methode ist, die Lösungsmittel in Atemluft und Umwelt gelangen zu lassen, läßt sich leicht nachvollziehen. Das Verdampfen des Lösungsmittels ist ja auch gewollt, weil erforderlich um die Klebewirkung zu erzielen.

Beide Inhaltsstoffe, das Lösemittel sowie der synthetische Kautschuk sind natürlich wieder Produkte der Großchemie und unter diesem Aspekt zusätzlich umweltbezogen zu bewerten.

 

Reaktionskleber

Diese Art von Klebern ist unter dem volkstümlichen Namen „2-Komponenten-Kleber“ bekannt. Das Wirkprinzip besteht darin, daß der eigentliche Kleber, der sogenannte Binder zunächst flüssig bis zähflüssig und damit verarbeitbar ist. Kurz vor der Verarbeitung wird der sogenannte Härter hinzugefügt, der die Polymerisierung, also die Vernetzung der Moleküle und damit die Aushärtung des Kunststoffes anstößt.

Reaktionskleber härten durch Polymerisation aus, also durch Vernetzung der Makromoleküle des Binders: Links sind die Molekülketten des Binders dargestellt, rechts hat der Härter bereits die Brücken erzeugt

Die Problematik liegt darin, daß die Stoffe, mit denen man die beschriebene Reaktion erreichen kann, hochgiftig sind. Reaktionskleber basieren nämlich auf Epoxydharzen und Polyurethanen. Mit der gleichen Technik lassen sich außer Klebern auch Farben, Lacke und Spachtelmassen und Werkstoffe herstellen. Auch die als Spachtelmasse und glasfaserverstärkte Kunststoffe eingesetzten Polyester gehören hierher. Sie werden übrigens oft zusammen mit Holz eingesetzt, vor allem auch im Bootsbau. Davon ist aber dringend abzuraten:

 Zum einen ist Polyester hygroskopisch, das heißt, er zieht Wasser an. Deswegen werden Bootsrümpfe aus Polyester auch auf der Außenseite mit einer besonderen Schutzschicht, dem so genannten Gelcoat versehen. Trotzdem kommt es bei Pölyester-Bootsrümpfen oft zu der gefürchteten "Osmose", einer Zersetzung des Werkstoffs durch Reaktion mit eingedrungenem Wasser.

 Zum anderen ist Polyester spröde und reißt, wenn das Holz arbeitet. Dadurch dringt wiederum Wsser ein und lässt das Holz faulen. Manchmal werden marode Holzrümpfe mit glasfaserverstärktem Polyester beschichtet um sie zu retten. Das geht aber nicht lange gut, denn unter dem Polyester fault das Holz umso stärker und zieht durch die Feuchtigkeit auch die Beschichtung in Mitleidenschaft. Bereits nch kurzer Zeit löst sich das so "restaurierte" Schiff buchstäblich auf. Deswegen wird diese Technik in der Szene auch als "Leichenhemd" bezeichnet.

 Zum Einsatz mit Holz in feuchtem Millieu eigmen sich Epoxydharze wesentlich besser. Trotz Ihrer Gefährlichkeit muss man ihnen hervorragende technische Eigenschaften bescheinigen. Epoxydharze kann man in unterschiedlichen Formulierungen abgestimmt auf unterschiedliche Einsatzgebiete samt den zugehörigen Härtern kaufen. Sie lassen sich in reiner Form als lackartige Beschichtung für Holz und in fließendem Übergang mit steigendem Anteil an Füllstoffen als Kleber bis hin zur Spachtelmaße einsetzen.

 Wie in der Abbildung oben dargestellt, kann man Epoxy-Spachtel sogar benutzen um schweißnahtähnliche Holzverbindungen herzustellen. Dazu wird es mit geeigneten Füllstoffen auf die erforderliche Konsistenz gebracht. Als Füllstoffe für Epoxydharz finden z.B. pulverisierte Baumwollfasern (für leichte Viskositätserhöhung z.B. beim Streichen auf senkrechten Flächen und zum Kleben nicht genau passender Flächen), mineralische Zuschläge und dergleichen (für stärkeres Andicken bis hin zur Spachtelmasse) Verwendung. Die Zuschläge sind für sich gesehen teilweise schon High-Tech-Produkte: Sie sehen aus wie Staub, sind aber tatsächlich mikroskopisch kleine Kugeln, da mit kugeligem Zuschlag die besten Festigkeiten erzielt werden. Es gibt sogar Füller aus winzigen Hohlkugeln (Micro Balloons), um Gewicht zu sparen.

Bei Bau und Restaurierung von Holzbooten, hier ein restaurierter Lukendeckel, kann Epoxydharz seine Stärken entfalten

Epoxy kommt auch bei der Herstellung von formverleimtem Sperrholz zum Einsatz. Der Gebrauch von Epoxy als Kleber und Oberflächenversiegelung läßt sich dort verantworten, wo es tatsächlich auf eine wasserfeste Ausrüstung des Holzes ankommt. Vor allem im Bootsbau ist dies gegeben.

So verlockend die technischen Eigenschaften von Epoxydharz sind, sollte man doch im Wohnbereich darauf verzichten. Vor allem die Verarbeitung ist gefährlich. Die Arbeit mit Epoxydharz kann schwerste Allergieerscheinungen verursachen, daher sollten die Arbeitsregeln für giftige Arbeitsstoffe (Schutzkleidung, Atemschutz usw.) strengstens beachtet werden.

Der sinnvolle Einsatz von Epoxy wird sich vor allem auf den Bau und die Instandsetzung von Booten, Flugzeugen und Fahrzeugen erstrecken. In anderen Bereichen sind die von ihm ausgehenden Nachteile wohl selten durch entsprechende Vorteile aufzuwiegen.

Holz ist auf Schiffen hohen mechnischen Belastungen und dem Angriff von Feuchtigkeit ausgesetzt und wird daher mit Epoxy wasserfest gemacht.

 

Sekundenkleber

  Die unter diesem Namen bekannten „schnellen“ Kleber sind nicht ganz unbedenklich, da sie aus Cyanacrylsäureestern bestehen. Diese werden als erbgutschädigend und möglicherweise krebserregend angesehen.

 Sekundenkleber - auch als Cyanacrylat-Kleber bezeichnet - können gewissermaßen als Sonderform der Reaktions- oder 2-Komponenten-Kleber angesehen werden. Die zweite Komponente, der Härter, ist nämlich aus der Luftfeuchtigkeit stammendes Wasser. Da sie an der Luft abbinden spricht man auch von luftgebundenen Klebern.

 Damit sie auch mit der Luftfeuchtigkeit in Berührung kommen, gewissermaßen also der „Härter“ zugemischt wird, dürfen Sekundenkleber nur sehr dünn aufgetragen werden. Wie der Name bereits sagt, härten Sie dann schnell aus und sind auch nach kurzer Zeit belastbar.

 

Alleskleber

 Der bekannteste Vertreter dieser Gattung ist der mit dem Produktnamen „Uhu“. Alleskleber ähneln in der Wirkungsweise den Kontaktklebern, da auch hier das Abbinden durch Verdunstung des Lösemittels eintritt: Wie bei Pattex läßt sich auch mit Uhu am besten kleben, wenn man beide zu verklebenden Flächen einstreicht und ablüften läßt bevor man sie zusammenfügt.

 In den 70-80% Lösemitteln sind die Bindemittel gelöst, die wiederum aus Kunstharzen wie Polyester oder auch aus Nitrozellulose bestehen. Aufgrund der Inhaltsstoffe sind Alleskleber zwar alles andere als unbedenklich. Da man Sie beim Basteln jedoch meist nur in geringen Mengen verwendet, dürfte sich die von ihnen ausgehende Gesundheitsgefährdung in Grenzen halten.

 

Naturharzkleber

 Diese Kleber sind aus natürlichen Inhaltsstoffen zusammengesetzt. Sie sollen für den Verarbeiter unbedenklich sein. Soweit sie jedoch - wenn auch natürliche - Lösungsmittel enthalten, besteht jedoch die Lösemittelproblematik. Wie man auch am Beispiel des Terpentins sehen kann, sind auch natürliche Lösemittel nicht ganz ungefährlich. Wenn Sie auch die Umwelt nicht gefährden, können sie doch für den Menschen schädlich sein, der sich hohen Konzentrationen aussetzt oder - wie manche Terpentine - allergieauslösend sein. Daher sollte man auch bei der Arbeit mit Naturharzklebern stets für gute Lüftung sorgen.

 

Kork- und Teppichbodenkleber

 Unter diesem Begriff tummeln sich verschiedene Arten von Klebern, die zum Beispiel den Reaktions- und Kontaktklebern zuzurechnen sind. Zum Teil enthalten sie Lösemittel. Die lösemittelfreien Sorten sind Dispersionskleber, können aber auch gefährliche Stoffe - wie zum Beispiel Cyanacrylsäureester - enthalten. Teilweise gasen diese Kleber beim Abbinden auch Formaldehyd aus.

 Es gibt auch für diesen Bereich Naturharzkleber, wobei die als Dispersionen ausgeführten Produkte den lösemittelhaltigen vorzuziehen sind, vor allem, weil bei der Verklebung von Wandbelägen und Teppichböden naturgemäß große Fläche mit dem verwendeten Kleber eingestrichen werden und entsprechende Lösemittelemmissionen in die Umgebungsluft nicht zu vermeiden sind.

 

Dichtungsmassen

 Unter den Klebern sollen auch kurz die Dichtungsmassen besprochen werden. Bei ihnen sind oft weniger die eigentlich wirksamen Stoffe gefährlich, als die zusätzlich zugefügten Stoffe wie Fungizide. Relativ wenig bedenklich sind die Silikonkautschuke, die da angewendet werden können, wo eine hohe Belastung durch Feuchtigkeit besteht: Im Sanitärbereich und bei Isolierglasfenstern.

 Der üble Gestank dieser Massen zeugt nicht von Giftigkeit sondern stammt lediglich von der enthaltenen Essigsäure. Wenn man die - tatsächlich bedenklichen - Fungizide vermeiden will, kann man ganz einfach Dichtungsmasse für Aquarien benutzen, da bei diesen auf den Zusatz von pilzhemmenden Mitteln verzichtet wird, um die Fische nicht zu vergiften.

In manchen Bereichen, wie zum Beispiel beim Einbau von Küchen, kommt Holz auch in Verbindung mit Dichtungsmasse zum Einsatz. Auch hier gibt es Alternativen zur Chemie

 

 Für Fugen im Innenbereich, welche mäßig mit Feuchtigkeit beansprucht sind, gibt es Naturharz-Dichtungsmassen. Zum Eindichten ganz normaler Verglasungen schließlich tut es einfacher Fensterkitt, der aus Leinöl und Schlämmkreide besteht. Er versprödet zwar mit der Zeit und muss daher von Zeit zu Zeit erneuert werden, dafür ist er aber für die Umwelt und unsere Gesundheit unbedenklich. In Süddeutschland gab es früher sogar eine Redensart, welche die Ungiftigkeit von normalem Fensterkitt unterstreicht: Von armen Leuten sagte man, sie würden „den Kitt aus den Fensterscheiben fressen“. Hierbei mag der Umstand eine Rolle spielen, daß Leinöl früher auch als Nahrungsmittel benutzt wurde. Schließlich wird Leinsamen ja auch heute noch - oder wieder - gegessen.

 

Montageschäume

 Diese, auch als Ortschaum bezeichneten, Hilfsstoffe wollen wir ebenfalls zu den Klebern im weitesten Sinne rechnen, zumal sie sich gerade auch bei der Arbeit mit Holz, z.B. beim Selbsteinbau von Türen und beim sonstigen Innenausbau als scheinbare Wundermittel anbieten.

 Diese Mittel werden aus einer Art Spraydose in die Fugen rund um das zu montierende Einbauteil gespritzt. Sie dehnen sich aus und verkeilen und verkleben dieses in seiner Aufnahme. Es gibt diese Stoffe sowohl als Einkomponentenstoff wie zum Selbstanmischen aus zwei Komponenten.

 Auf den ersten Blick tatsächlich das Ei des Kolumbus für den Einbau von Fenstern, Türen und und und... Für die Bequemlichkeit dieser Mittel nimmt der Anwender jedoch hochgiftige Bestandteile in Kauf. Montageschäume bauen entweder auf Harnstoff-Formaldehyd- (UF) auf oder auf Polyurethanbasis (PU) auf. Also: Finger weg! Übrigens ist auch die Dauerhaftigkeit der mit diesen Mittelchen hergestellten Verbindungen fragwürdig, da noch keine Erfahrungen über längere Zeiträume vorliegen.

 Zudem geht allein schon von der mechanischen Wirkungsweise dieser Schäume - Ausdehnen und Erhärten - ein nicht zu unterschätzendes Gefährdungspotential aus. Ich wage mir nicht vorzustellen, was passiert, wenn ein Kind eine solche Dose z.B. mit einer Sprühsahnedose verwechselt und sich einen Schuss daraus in den Mund spritzt... Das „kindersichere“ Verwahren von gefährlichen Stoffen ist eine fragwürdige Sache. Am besten fährt man, wenn man erst gar nichts kauft, was Kindern gefährlich werden kann. „Kindersicher verwahren“ kann man nichts, Kinder kommen überall dran. „Kindersicher verwahrt“ ist höchstens das, was überhaupt nicht im Hause ist.

 Für den Einsatz von Ortschäumen gibt es je nach Aufgabe dauerhafte und handwerklich solide Alternativen. Sie mögen mehr Arbeit machen, man hat jedoch eine Lösung, die erprobt ist, und den Einsatz von Gift und Chemie vermieden. Übrigens können empfindliche Bauteile auch durch den Druck des Schaums verformt werden, so dass das tatsächliche Arbeitsergebnis nicht dem erhofften entspricht.

 

Kleister

 Der Vollständigkeit halber soll auch noch der Kleister erwähnt werden. Wenn man aus irgendwelchen Gründen Papier auf Holz aufziehen möchte, kann man sich einen Kleister, der garantiert keine Chemie enthält, selbst anrühren: Einfach aus Mehl und Wasser. Das Mehl wird in das Wasser eingerührt, bis eine gewisse Sämigkeit erreicht ist. Diesen Kleister kann man dann mit dem Pinsel verarbeiten. Mit diesem Kleber kann man sogar kleine Kinder arbeiten lassen, es macht nichts, wenn sie ihn essen. Allerdings sollte man keinen Zucker hineintun, sonst wird mehr vondem guten Kleister aufschnabuliert als verarbeitet.

 Für reine Holzarbeiten ist dieser Kleister sicherlich ohne Bedeutung, jedoch nützlich bei manchen Arbeiten, die auch mit Holz zu tun haben: Zum Beispiel wenn man bestimmte Strukturen auf Holzuntergrund mit Papiermaché nachahmen möchte: Mauerwerk oder Fels für Kulissen etwa oder Landschaften für Dioramen iund Modelleisenbahnanlagen.

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3. Januar 2009 6 03 /01 /Januar /2009 15:51

Der Drilling – Technik, Geschichte und jagdlicher Einsatz

 Sowohl der Schrot- als auch der Kugelschuss gehören von alters her zum Rüstzeug des Jägers. Das gilt ganz besonders in Niederwildrevieren, wo meist auch Reh- und heutzutage sehr oft auch Schwarzwild vorkommt. Zur Zeit der Vorderlader war dies kein großes Problem: je nach Bedarf stopften die alten Jäger und Förster ihre glattläufigen Schießprügel mit Schrot oder Kugel. In alten Berichten über Zusammenstöße zwischen Wilderern und Jagdhütern liest man des öfteren, dass die Waffen sogar mit beiden Munitionsarten gleichzeitig geladen wurden, wenn es um Leben und Tod ging.

 

Schrot- und Kugelschuss aus der gleichen Waffe

 Da in der Spätzeit der Vorderlader bereits gezogene Läufe bekannt waren, war der Kugelschuss aus einem glatten Lauf bereits im 19. Jahrhundert eher nur ein Notbehelf. Bereits um 1850 wurden darum in Süddeutschland Vorderladerdrillinge gebaut, um mit ein und derselben Waffe außer Schrot- auch präzise Kugelschüsse abgeben zu können. Diese Waffen setzten sich aber nicht mehr durch, wohl weil sie erst ganz am Ende der Vorderladerzeit aufkamen.

Als Hinterlader und Lefaucheux-Patronen, ab den 1860er Jahren dann auch moderne Zentralfeuerpatronen auf den Markt kamen und sich durchsetzten, musste man sich auf jeden Fall vor jedem Jagdausflug entscheiden, welche Art von Waffe man mitnehmen wollte. Auch heute noch macht mancher Waidmann die leidvolle Erfahrung, dass ausgerechnet ein Stück Wild in Anblick kommt, für welches er nicht die geeignete Waffe dabei hat. Diesem Missstand half der Münchner Büchsenmacher Oberhammer ab, als er 1878 den Hinterlader-Drilling erfand und sich patentieren ließ: Unter die beiden Schrotrohre einer Doppelflinte setzte er einen Kugellauf und schuf damit eine Jagdwaffe, mit der man im Revier fast immer richtig angezogen ist.

Der Drilling (unten) ersetzt, so sagt man, einen ganzen Waffenschrank, nämlich die drei Waffen, die darüber abgebildet sind: Büchse, Flinte und Kleinkaliber (v.o.n.u.)

 Im Gegensatz zu den Vorderlader-Drillingen setzte sich Oberhammers Erfindung schnell durch und ist auch heute noch sehr beliebt. Wenn auch der eine oder andere jüngere Jäger das Dreirohr gerne als „Altmännerwaffe“ belächeln mag, ist es doch der beste – halt nein, natürlich nur der zweitbeste – Freund des Waidgenossen, nach seinem besten nämlich, dem treuen Hund.

 

Laufanordnungen

 Neben die klassische Form des Drillings mit dem unten liegenden Kugellauf traten im Laufe der Zeit abgewandelte Bauformen für verschiedene jagdliche Gegebenheiten: Der Waldläuferdrilling – manche nennen ihn auch Schienendrilling – ist quasi eine Doppelflinte mit einem kleinkalibrigen Kugellauf in der Schiene. Er eignet sich für reine Niederwildjagden und ermöglicht es etwa, zwischendurch einen sitzenden Hasen für die eigene Küche mit der Kugel zu erlegen, bei dessen Genuss man nicht auf Schrotkörner beißt – oder auch eine schlaue Elster zu erwischen, die einen wohlweislich nicht auf Schrotschussentfernung herankommen lässt.

 Einen Bockdrilling kann man sich als Bockbüchsflinte vorstellen, die zusätzlich an der Seite einen kleinen Kugellauf besitzt. Mit einer solchen Waffe hat man einen großen und einen kleinen Kugel- sowie einen Schrotschuss zur Verfügung und ist damit für Hoch-, Nieder- und auch Raubwild gerüstet. Gewissermaßen das Gegenteil des herkömmlichen Drillings ist der Doppelbüchsdrilling: Bei einer derartigen Waffe ist ein einzelner Schrotlauf unter zwei Büchsenläufen des gleichen Kaliber angeordnet. Der stolzen Besitzer einer solchen Waffe verfügt nicht nur über zwei schnelle Kugelschüsse, die bei Drückjagden auf Schalenwild nützlich sind, sondern hat darüber hinaus immer einen Schrotschuss für Meister Reineke übrig, der auf solchen Jagden ja ebenfalls nicht selten vorkommt.

Verschiedene Laufanordnungen beim Drilling: Herkömmlicher Drilling (1), Waldläufer- oder Schienendrilling (2), Bockdrilling (3), Doppelbüchsdrilling (4) und einer, der eigentlich gar kein Drilling ist, der Vierling(4)

 Schließlich soll auch noch der Vierling erwähnt werden, der den klassischen Drilling mit dem Waldläufer in einer Waffe vereint: Außer dem großkalibrigen Kugellauf unter den Schrotläufen besitzt er noch einen kleinkalibrigen in der Schiene, so dass man sowohl eine kleine und eine große Kugel als auch zwei Schrotschüsse zur Verfügung hat. Der Nachteil dabei: Ein Vierling ist natürlich noch etwas schwerer als ein Drilling, dessen relativ hohes Gewicht ja einer der Hauptkritikpunkte seiner Gegner ist.

 Der Kugellauf kann durchaus nicht nur unter, sondern auch über den beiden Schrotläufen liegen. Derzeit weisen die aktuellen Drillinge der Firma Blaser eine solche Laufanordnung auf. Übrigens ist diese Lösung nicht so neu, wie mancher vielleicht denken mag: bereits Riesenthals Jagdlexikon von 1916 erwähnt diese Bauweise. Im Laufe der Geschichte des Drillings entstanden noch weitere Kombinationen aus Schrot- und/oder Kugelläufen: Kugeldrillinge, Schrotdrillinge, aber auch fast schon abenteuerliche Konstruktion, wie etwa eine, bei der je ein Schrotrohr über und unter dem Kugellauf lag.

 

Schlosskonstruktionen

 Die ersten Drillinge waren Hahndrillinge, so wie die Flinten der damaligen Zeit auch noch Schlosse mit außen liegende Hähne hatten, die direkt von denen der Vorderlader abstammten. Aus dem Hahnschloss entwickelte sich das Seitenplatten-Schloss, welches im Prinzip genau so aufgebaut ist, wobei jedoch der außen liegende Hahn durch ein innen liegendes Schlagstück ersetzt ist. Der Kugellauf wird entweder von einem der Schrotschlosse bedient, in der Regel vom rechten, oder er verfügt über ein eigenes, innen liegendes Schloss. Dafür eignet sich aufgrund der Platzverhältnisse in der Basküle eines Drillings vor allem das Blitzschloss, da seine wesentlichen Bauteile, anders als beim Kastenschloss nach Anson & Deeley, hinter dem Abzug sitzen.

Bedienelemente eines herkömmlichen Drillings

 Seitenschlosse sind eine kostspielige Angelegenheit, vor allem, da die darin verbauten Bugfedern aufwändig herzustellen sind. Man findet sie daher in Drillingen der oberen Preisklasse; bei kostengünstigere Waffen hingegen werden auch die Schrotläufe von Blitzschlossen angesteuert. Es gibt auch Drillinge mit sogenannten Seitenplatten, die äußerlich wie Seitenschlossdrillinge aussehen. Diese Platten dienen aber lediglich der Optik, da sie Platz für Gravuren bieten; dahinter stecken ganz gewöhnliche Blitzschlosse. Auf den ersten Blick kann man einen Drilling mit Seitenplatten für einen Seitenschlossdrilling halten, spitze Zungen mögen daher behaupten, dass diese Bauteile einen solchen vortäuschen sollten. Vor allem beim Gebrauchtkauf kann das schon einmal zu Probleme führen: Vor einigen Jahren war von einem Fall zu hören, bei dem ein Jäger einen Seitenplattendrilling in dem Glauben erstanden hatte, dass es sich um einen Seitenschlossdrilling handele, was im Nachhinein für eine Menge Ärger sorgte.

 Eine besonders edle Konstruktion ist der sehr seltene Kronendrilling in der Bauart nach Fückert. Dabei handelt es sich um einen Hahndrilling, bei dem das Schloss des Kugellaufes über ein hahnartiges Schlagstück verfügt, welches mit einem Fortsatz oben aus der Basküle herausragt. An diesem Fortsatz kann man dass Schloss mit dem Daumen in der gleichen Weise spannen wie die Schrotläufe mit ihren Hähnen, so dass sich alle drei Läufe unabhängig voneinander und ohne Öffnen der Waffe spannen und entspannen lassen. In der Draufsicht erinnern die Hähne und der Fortsatz des Schlagstücks den Betrachter an die Zacken einer Krone, was den Ausdruck Kronendrilling oder Kronengewehr erklärt.

Aufgeklappter Bockdrilling, von hinten 

(Dieses Bild basiert auf dem Bild BlaserBD98.jpg aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. Der Urheber des Bildes ist Joachim Bäcker)

 Anders als einem Hahnschloss, sieht man einem Schloss mit innen liegendem Schlagstück nicht an, ob es gespannt ist. Damit man leicht erkennen kann, welche Schlosse der Waffe gespannt sind, verfügen Drillinge über Signalstifte oder Signalwellen, an deren Stellung man dies erkennen kann. Durch die Bauart bedingt kommen bei Seitenschlossen Signalwellen zum Einsatz, bei Blitzschlossen Signalstifte.

 Als Argument gegen den Drilling wird gerne angeführt, dass seine Bedienung kompliziert sei, was leicht zu Unfällen führen könne. Dies gilt aber, wenn überhaupt, eher für Drillinge, bei denen alle Schlosse gemeinsam beim Öffnen der Waffe gespannt werden. Das Problem dabei besteht vor allem darin, dass immer auch das Schloss des Kugellauf gespannt wird, auch wenn man nur mit Schrot schießen möchte. Unter Umständen kann dabei das sogenannte Doppeln auftreten, also sich der Schuss aus dem Kugellauf lösen, wenn man einen der Schrotläufe abfeuert. Dies ist in der Tat eine gefährliche Sache, denn eine für einen Schrotschuss sichere Richtung muss nicht notwendigerweise auch für einen Kugelschuss sicher sein. Doppeln ist daher eine ernste Funktionsstörung und die betroffene Waffe gehört unverzüglich in die Hände des Büchsenmachers.

Verschluss eines S 53 von Sauer & Sohn

 

 Allerdings gibt es schon lange Drillinge mit separater Kugelspannung, bei denen man das Kugelschloss mit einem Schieber auf dem Kolbenhals spannt und dabei gleichzeitig auf Kugel umschaltet. Da dies bei einer sauber gearbeiteten Mechanik auch geräuschlos gehen sollte, braucht man die Waffe erst dann zu spannen, wenn man tatsächlich Dampf machen will. Da dies einen erheblichen Gewinn an Sicherheit darstellt, hört man dann und wann auch noch die etwas altmodische Bezeichnung „Sicherheitsdrilling“ für einen Drilling mit separater Kugelspannung. Beim Kronendrilling ergibt sich bereits aus der Konstruktion die Möglichkeit zum separaten Spannen und Entspannen des Kugellaufes, da ja alle drei Hähne unabhängig voneinander bedient werden können. Die beste Sicherung allerdings ist immer noch der geöffnete Verschluss. Daher sollte man seinen Drilling, wie jede Kipplaufwaffe, gebrochen tragen, wenn man nicht gerade unmittelbar jagt. Bei Gesellschaftsjagden ist es vorgeschrieben, aber auch im jagdlichen Alltag keineswegs ein Fehler.

 

Laufbündel

  Die Baugruppe, die sich aus den drei Läufen eines Drillings zusammensetzt, wird als Laufbündel bezeichnet. Die einfachste Möglichkeit, die Läufe miteinander zu verbinden, besteht darin sie weich mit einander zu verlöten. Hartlöten oder gar Schweißen ist hier nicht möglich, da dabei zu große Wärmespannungen und in der Folge Verzug entstehen würde. Beim klassischen Drilling mit nur einem Kugellauf stellt sich die Frage, ob die Läufe zusammenschießen, nur in Hinsicht auf den Schuss mit dem Flintenlaufgeschoss. Man behilft sich hier aber ganz einfach, indem man ausprobiert und sich merkt, wie die Treffpunktlage des dafür verwendeten Schrotlaufes von der des Kugellaufes abweicht.

 Schwieriger wird es bei Drillingen mit mehr als einem Kugellauf. Bock-, Doppelbüchs- und Kugeldrillinge machen hier die gleichen Probleme wie Doppelbüchsen und Bergstutzen. Das Ein- und das Umschießen auf andere Munition ist hier ohne Hilfe eines Fachmannes wenig ratsam.

(Weich) verlötetes Laufbündel eines herkömmlichen Drillings (mit mündungslangem Einstecklauf), von vorme gesehen

 Eine weitere, für Drillinge typische Erscheinung ist das Klettern. Durch die Wärmedehnung des Kugellaufes biegt sich das Laufbündel nach der Schussabgabe ein wenig nach oben. Ein kurz darauf abgegebener zweiter Schuss sitzt darum etwas höher als der erste. In jagdlichen Situationen ist diese Abweichung des zweiten Schusses zwar praktisch vernachlässigbar; sie macht aber das Einschießen eines Drillings zu einem Geduldspiel: Man muss nach jedem Schuss erst einmal warten bis die Waffe wieder ausgekühlt ist.

 Drillinge mit frei schwingenden Läufen vermeiden sowohl das Klettern als auch die Probleme mit dem Zusammenschießen von mehreren Kugelläufen. Bei dieser Bauweise werden die Läufe an ihren Mündungen von einer Brille zusammengehalten und lassen sich in ihrer Lage zueinander verstellen.

 

Visierung

 Mit einem Drilling schießt man einerseits wie mit einer Büchse, andererseits aber auch wie mit einer Flinte. Dem muss sowohl die Schäftung, die ein Mittelding zwischen Büchsen- und Flintenschäftung darstellen sollte, Rechnung tragen, als auch die Visierung. Daher besitzt der klassische Drilling zunächst eine Laufschiene, über die man beim Schrotschuss hinwegsieht, so wie man das bei einer Flinte auch tut und natürlich auch ein Korn. Für den Kugelschuss ist in der Regel eine Kimme vorhanden, deren Blatt heruntergeklappt und in der Schiene versenkt ist, wenn die Waffe auf Schrot gestellt ist. Schaltet der Schütze auf Kugel um, stellt sich dabei das Blatt auf und es kann über Kimme und Korn geschossen werden.

Auch auf einen älteren Drilling gehört eine (einigemaßen) zeitgemäße Optik, zumindest wenn es auch auf Sauen gehen soll. Eine Suhler Einhakmontage ist fein, muss aber nicht unbedingt sein.

 

 In den alten Tagen reichte dies den meisten Jägern aus. Heutzutage sind Zielfernrohre zum Standard geworden und auch auf seinem Drilling möchte keiner mehr darauf verzichten. Aus diesem Grund ist die Kimme heute eigentlich unnötig und es wir auch oft auf die Automatik verzichtet, die das Kimmenblatt beim Umschalten auf Kugel selbsttätig aufstellt. Da der Drilling möglichst allen jagdlichen Situationen gerecht werden soll, wird man ihn wahrscheinlich auch beim Sauansitz in der Dämmerung oder gar bei Nacht verwenden. Aus diesem Grunde empfiehlt es sich, ein lichtstarkes Glas zu wählen, welches mit variabler Vergrößerung ausgestattet sein sollte. Die heute auf Repetierern für den Sauansitz üblichen 56er Gläser eignen sich durchaus, machen den sowieso nicht gerade leichtgewichtigen Drilling aber noch schwerer. Ein 50er Glas ist leichter und der Verlust an Lichtstärke durchaus zu verschmerzen, mit einer variablen Vergrößerung von 2,5–10 stellt es eine gute Lösung für die meisten jagdlichen Situationen dar. Da ein Drilling von vorne herein kein ganz billiger Spaß und in der Regel eine Anschaffung fürs (Jäger-)Leben ist, fällt die Wahl in aller Regel auf ein Produkt eines der renommierten Hersteller in der oberen Preisklasse.

 Auch bei der Montage wird meist nicht gespart: Zumindest auf hochwertigen Drillingen wird meist eine Suhler Einhakmontage zu finden sein. Das ist aber eher eine Geschmackssache, denn auch preisgünstigere Konstruktionen erfüllen hier ihren Zweck. Allerdings eignet sich andererseits die SEM eben auch besonders gut für Kipplaufwaffen. Sie erlaubt es auch meist, einen zweiten Vorderfuß für eine alternative Visierung anzubringen. So kann man etwa zwischen einem lichtstarken Zielfernrohr für den Ansitz und einer Drückjagdvisierung wechseln, was aber mit einer Schwenkmontage leichter und billiger zu erreichen ist.

 

Einsteckläufe

 Der technische Fortschritt bei Einsteckläufen hat dem klassischen Drilling sozusagen den letzten Pfiff gegeben und ihn so richtig zur universell einsetzbaren Jagdwaffe gemacht. Die Geschichte des Einstecklaufs beginnt mit kurzen Röhrchen, die man mehr als Behelf ansehen muss. Sie eigneten sich gerade mal dazu, einen notdürftigen kleinkalibrigen Kugelschuss abzugeben.

Zwei unentbehrliche Begleiter beim Reviergang: Hund und Drilling

 

 Das hat sich in den letzten Jahrzehnten gründlich geändert: Standard sind heute mündungslange Einsteckläufe, die in der Schussleistung durchaus den fest eingebauten ebenbürtig sind. Dazu kommt, dass die heutigen Modelle meist zudem noch von vorne verstellbar sind. Hat man nicht gerade zwei linke Hände, kann man einen solchen Einstecklauf ohne weiteres selbst zum großen Kugellauf justieren und braucht keinen Büchsenmacher zum Einschießen bzw. Umschießen auf andere Munition.

 Das für Füchse und Hasen durchaus geeignete Kaliber .22 Hornet hat die alte .22 lfB mittlerweile verdrängt. Damit hat man einen leistungsfähigen kleinen Kugelschuss zur Verfügung, was die große Beliebtheit der Hornet als Einstecklauf-Kaliber erklärt. Mittlerweile gibt es aber auch schon Einsteckläufe in rehwild- und sogar hochwildtauglichen Kalibern. Für solche Geschütze muss aber die Basküle des Drillings robust genug sein. Der Einbau eines Einstecklaufes erfordert jedoch sowieso einen Büchsenmacherer, weil beim ersten Einsetzen Anpassungsarbeiten und darüberhinaus auch ein Beschuss notwendig sind, so dass normalerweise kein großkalibriger Einstecklauf in einer Waffe mit unzureichend stabiler Basküle eingebaut werden dürfte.

 Wichtig ist es auch zu wissen, dass sich die Treffpunktlage der großen Kugel eines Drillings verändert, wenn man den Einstecklauf herausnimmt bzw. einsetzt. Das liegt daran, dass sich durch die Masse des Einstecklaufes das Schwingungsverhalten des Laufbündels ändert. Wer den Drilling ohne Einstecklauf mit einem Drückjagdvisier auf Treib- und Drückjagden führt, muss dieses daher ohne Einstecklauf einschießen. Verwendet man in beiden Fällen das gleiche Glas, muss man sich entweder merken, wo die Waffe jetzt hinschießt oder verstellen und die Klicks zählen. In beiden Fällen aber und auch dann, wenn man ohne Einstecklauf eine andere Visierung benutzt, sollt man nach dem Umrüsten die Waffe zur Probe schießen.

 

Kaliberfragen

 Die Kaliber der einzelnen Läufe entscheiden zu einem nicht unerheblichen Teil mit über das Gewicht der gesamten Waffe und auch darüber, wie schlank oder wuchtig sie aussieht. 12er Schrotrohre und ein Kugellauf in 9,3 x 74 R lassen sicherlich bei der Schussleistung wenig Wünsche offen, aber die Ausmaße einer solchen Schießmaschine wecken schon fast ein wenig Verständnis dafür, dass manche Leute den Drilling auch als „Bauernmöbel“ bezeichnen. Vor allem aber ist der Drilling ja nicht zuletzt eine Waffe für den Reviergang. Ein solches Gerät, dessen Gewicht durch ein leistungsfähiges Zielfernrohr und oft noch durch einen Einstecklauf weiter erhöht wird, will erst einmal kilometerweit getragen sein. Es läuft daher Gefahr, bei seinem Besitzer in Ungnade zu fallen und im Waffenschrank zu verstauben. Andererseits ist aber zu bedenken, dass eine schwere Waffe nicht nur das Treffen erleichtert, sondern auch den Rückstoß mildert.

Wo drei Jäger beisammen sitzen, gibt es vier Meinungen über die richtige Patrone: Beim Drilling muss man sich auch noch nicht nur für eine, sondern gleich für zwei oder gar drei entscheiden....

 

Das andere Extrem wäre mit 20er Schrotläufen und einem mit 6,5 mm gerade noch hochwildtauglichem Kaliber eine typische Damenwaffe. Ein guter Schuss ist nun bekanntlich mehr wert als ein gutes Gewehr, eine gute Patrone und ein guter Hund zusammen, daher wird ein entsprechend guter Schrot- und Kugelschütze an einem solchem Gewehrchen durchaus seine Freude haben. Solange es nur auf Rehwild geht und der Schrotschuss auf den Hasen vom Hochsitz und mit Zielfernrohr erfolgt, reicht eine solche Waffe allemal aus.

 Besser aber ist es, gewisse Reserven zu haben. Mittlerweile ist das Schwarzwild zur festen Größe in unseren Revieren geworden, so dass nicht mehr das Rehwild Maß aller Dinge ist. Statt dem früher sehr beliebten Kaliber 7x57R verwendet man heute eher dickere Pillen. Die 8x57JRS reicht einerseits für Schwarzwild aus und ist andererseits für Rehwild nicht zu stark, aber auch die 9,3x74R findet heute oft in Drillingen Verwendung. Bei den Schrotläufen ist Kaliber 16 ein guter Kompromiss, es lässt den Drilling nicht ganz so wuchtig erscheinen und dennoch ist die Anzahl der Schrote in der Patrone nicht gar zu knapp.

 

Neu- und Gebrauchtkauf

 Die Auswahl des richtigen Drillings richtet sich vor allem nach den Reviergegebenheiten. Der Bockdrilling ist gewissermaßen überholt, da es heute ja Einsteckläufe gibt, die in der Schussleistung fest eingebauten Kugelläufen nicht nachstehen. Mit dem Einstecklauf im klassischen Drilling ist man aber variabel, man kann ihn ohne weiteres durch einen in einem anderen Kaliber ersetzen oder ganz fortlassen. Der einzige verbleibende Vorteil des Bockdrillings ist, dass er schlanker gebaut und damit eleganter ist als der klassische. Ein Doppelbüchsdrilling ist etwas für jemanden, der viel bei Drückjagden auf Schalenwild jagt und daher einen schnellen zweiten Kugelschuss zu schätzen weiß. Die meisten Jäger aber sind mit einem klassischen Drilling, also einem mit zwei Schrotläufen und einem Kugellauf, am besten beraten.

  Jagdwaffen haben allgemein eine hohe Lebensdauer, da mit ihnen wenig geschossen wird. Im Revier hat man nicht andauernd Gelegenheit dazu und auf dem Schießstand sieht man die meisten Jäger ja bekanntlich nicht allzu oft. Daher gibt es ständig ein breites Angebot an guten, gebrauchten Jagdwaffen auf dem Markt. Auch Waffengeschäfte haben in aller Regel Gebrauchtwaffen im Angebot. Der Vorteil beim Kauf einer „Gebrauchten“ im Fachgeschäft besteht neben der Beratung darin, dass der Händler hier genauso zur Gewährleistung verpflichtet ist, wie bei einer neuen Waffe. Wer sich noch nicht zutraut, eine Waffe selbst zu beurteilen, wird diesen Weg wählen. Wer in der Lage ist, Zustand und Wert einer Waffe zu bewerten, kann auch von Privat kaufen, wobei man meist den Preis weiter herunterhandeln kann als beim Händler. Feilschen sollte man aber in beiden Fällen.

 Eine der wichtigsten Fragen beim Kauf einer Waffe dreht sich um das Kaliber. Beim Neukauf kann man es, genau wie Marke und Modell der Optik, selbst bestimmen, beim Gebrauchtkauf muss man nehmen, was da ist. 8x57 JRS und 9,3x74 R sind die beliebtesten Kaliber bei neuen Drillingen und daher auch oft bei „jungen“ gebrauchten zu finden. Bei den 30er Kalibern gibt es nur eine Randpatrone, die .30 Blaser, es werden aber auch Drillinge für die randlosen Modelle .30-06 und .308 gebaut. Der Nachteil dabei ist, das die kleine Auswerferkralle für randlose Patronen einem sehr viel höheren Verschleiß unterliegt als der herkömmliche Auswerfer für Randpatronen.

Einen älteren, aber gut erhaltenen Drilling bekommt man, selbst mit guter Optik, durchaus für einen bezahlbaren Preis

 Bei älteren Drillingen findet man sehr oft noch die Kaliber 7x57R und 7x65R, teilweise auch 6,5x57R. Das liegt daran, dass früher eben das Rehwild das Maß aller Dinge war. Die beiden letzteren eignen sich aufgrund ihrer gestreckten Flugbahn besonders für Feldreviere. Man kann mit allen dreien durchaus auch auf Schwarzwild schießen, vor allem da den größten Teil der Strecke ja doch Frischlinge und Überläufer ausmachen. Eher schon problematisch ist, dass ältere Drillinge oft noch mit Zielfernrohren in 6x42 ausgerüstet sind. Diese Waffen sind recht günstig zu haben und für Ansitz und Pirsch auf Rehe gut geeignet. Sie aber nachträglich mit einer „Sternwarte“ für den Sauansitz zu versehen, lohnt sich kaum. Mit etwas Geduld lassen sich nämlich auch Exemplare finden, die bereits mit einem stärkeren Glas versehen sind. Dafür legt man weniger an als für eine noch nicht umgerüstete Waffe plus neuem Glas und Montage.

 Der Gebrauchtkauf empfiehlt sich vor allem dann, wenn es ein wenig an der Daumenbreite mangelt. Auch preisgünstigere Drillinge kosten soviel Geld, dass man einen Fehlkauf nicht so leicht verschmerzen kann. Für den Preis eines neuen No-Name-Drillings mit No-Name-Optik erhält man ohne weiteres auch eine gebrauchte, mit etwas Glück sogar eine annähernd neuwertige Waffe eines renommierten Herstellers mit entsprechendem Zielfernrohr. Und wenn man noch weniger Geld hat, wird man für etwa die Hälfte des Preises eines guten, neuen Drillings einen entsprechenden älteren finden. Jagdwaffen nutzen sich nicht nur wenig ab, sie veralten auch nicht so schnell. Viele Modelle sind seit Jahrzehnten auf dem Markt und wenn eine Waffe technisch in Ordnung ist, schadet es nicht, wenn man ihr ansieht, dass sie ihm Revier unterwegs war. Kleinere Schönheitsfehler dienen allenfalls als Argumente, den Preis einer ansonsten guten Waffe noch ein wenig weiter herunter zu handeln. Und wenn es auf das Prestige ankommt? Nun, wer sieht einer älteren Waffe an, ob ihr Besitzer sie nicht schon viele Jahre führt bzw. vom Vater oder Großvater übernommen hat?

 Ob nun neu oder gebraucht – grundsätzlich darf man durchaus sagen, dass mit einem Drilling jeder gut bedient ist, der als Revierpächter oder Begehungsscheininhaber bei einem großzügigen Jagdherrn nach eigenem Ermessen auf unterschiedliches Wild schießen darf. Wenn der Geldbeutel es nach dem Jägerkurs noch erlaubt, ist ein Dreirohr auch als erste Jagdwaffe eine gute Wahl. Mit einem Einstecklauf ausgestattet ersetzt er, wie es so schön heißt, einen ganzen Waffenschrank. Jedenfalls für den Anfang. Was das Jägerherz dann später noch alles begehren wird, steht ja auf einem ganz anderen Blatt...

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3. Januar 2009 6 03 /01 /Januar /2009 13:11

Honig ist ein wertvolles Nahrungsmittel, das von manchen Menschen sogar als Arzneimittel, ja teilweise als wahres Wundermittel gegen tausend und ein Zipperlein gepriesen wird. Auf jeden Fall ist er, wenn er vom heimischen Imker stammt, ein naturbelassenens Lebensmittel, dessen Produktion, die Imkerei, ein wichtiger Bestandteil des Ökosystems ist: Mehr als ein Drittel unserer Kulturpflanzen kommt mit dem WInd als (alleinigem) Bestäuber nicht aus, sondern benötigt Insekten dazu. Hier spielt die Bienenhaltung eine wichtige Rolle.

 

Honig - eine Leckerei, die nicht nur die Zähne nicht angreift, sondern auch gut für das Zahnfleih ist (Bild:  United States Department of Agriculture, PD)

Ein Wundermittel?

 In den meisten Fällen lassen sich die unglaublichen Heilwirkungen, die so manchem einfachen Mittel aus der Natur von Enthuasiasten zugeschrieben wird, nicht wissenschaftlich einwandfrei beweisen, wobei man sich dabei natürlich im klaren sein muss, dass Schulmedizin und Pharmalobby kein Interesse daran haben, die Wirksamkeit von preisgünstigen Naturheilmitteln zu bestätigen. Doch selbst das, was sich wissenschaftlich nachweisen lässt  - böse Zungen mögen behaupten: von der Schulmedizin widerwillig zugegeben wird ;-) - ist in vielen Fällen erstaunlich. Und genau das ist auch beim Honig der Fall.

 Selbst eine zumindest im Anklang eher kritische Arbeit eines Arztes vom Universitätsklinikum Gießen bescheinigt dem Honig eine ganze Reihe von heilsamen Wirkungen: Von einer nachweislichen antibakteriellen und die Wundheilung fördernden Wirkung ist da unter anderem die Rede, von positiver Wirkung bei bestimmten Hauterkrankungen und von günstigem EInfluss auf Blutfettwerte. Weiterhin erfährt man, dass Honig keine Karies verursacht und gleichzeitig gegen Paradontose wirkt. Es scheint also tatsächlich einiges dran zu sein an den Geschichten die man über die Wirkungen des Bienenproduktes hört und auf jeden Fall ist der Honig ein gesundes, nahrhaftes und leckeres Lebensmittel.

 

Das kleinste Nutztier

 Sieht man einmal von Einzellern wie dem Essigsäurebakterium ab, dürfte die Honigbiene das wohl kleinste Nutztier sein, welches der Mensch hält. An sich ist die Imkerei ein sehr altes Handwerk, welches schon bei den Kulturvölkern der Antike bekannt war. Anhand gefundener Beuten, so nennt der Imker künstliche Bienenwohnungen und einschlägigen Darstellungen, konnten Archäologen nachweisen, dass bereits die alten Ägypter und sogar die Mesopotamier die Bienenzucht kannten. Offenbar ist diese Kunst aber später wieder zumindest teilweise in Vergessenheit geraten: Im Mittelalter begegnen uns nämlich anstatt der heutigen Imker zunächst die Zeidler als Honiglieferanten.

Der Zeidler war noch kein Imker im heutigen Sinne, denn er sammelte wilden Honig und schuf den Bienen lediglich Nistgelegenheiten, in denen sie sich von selbst ansiedelten, züchtete also nicht.

 

 Die Arbeit der Zeidler bestand darin, im Wald nach Nestern von wild lebenden Biene zu suchen und diese ausszuräubern. Außerdem schufen sie auch künstliche Nistgelegenheiten für die wilden Bienen in Bäumen. Honig war, abgesehen von dem ab ca. 1100 n.Chr. bei uns bekannten und damals immens teuren Rohrzucker, praktisch das einzige Süßungsmittel. Da auch Bienenwachs in großen Mengen, vor allem auch von der Kirche nachgefragt wurde, waren die Zeidler eine hoch angesehene Zunft. SIe hatten erhebliche Privilegien und durften sogar bewaffnet in den Wald gehen.

 

In der Lünebürger Heide wird auch heute noch ein wenig Korbimkerei betrieben, wobei das Heidekraut als Bienenweide dient 

(Dieses Bild basiert auf dem Bild Lüneburger Heide 110.jpg aus der freien Mediendatenbank Wikimedia Commons und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. Der Urheber des Bildes ist Willow)

 

 Neben der Zeidlerei entwickelt sich auch die Korbimkerei, ab dem 14. Jahrhundert lassen sich neben den Zeidlern auch schon Imkerzünfte nachweisen. Man imkerte damals mit Bienenkörben; die Honigernte bedeutete auch das Ende des Bienvolkes. Da man ja keinen billigen Zucker als Austausch für den Honig hatte, konnte man die abgeernteten Völker nicht über den Winter bringen. Daher spielte es auch keine Rolle, dass mit der Honigernte auch das Bienennest im Korb zerstört wurde.

  Diese Art der Imkerei findet man heute noch in der Lüneburge Heide. Sie bedingt, dass der Imker sein Völker im Frühsommer durch Schwärmen vermehrt; er hat also jedes Jahr neue Bienenvölker. Dass sich diese recht wenig produktive Art der Imkerei noch einigermaßen halten konnte, liegt wohl daran, dass die Heideblüte erst im Spätsommer/Frühherbst stattfindet, wenn die anderen Imker das Bienenjahr bereits beenden. Die Bienenvölker der Heideimker haben daher länger Zeit, stark genug zu werdem um lohnenden Mengen Honig zu sammeln.

 

Moderne Imkerei

 Seitdem Zucker billig verfügbar ist, kann man den Bienen diesen als Ersatz für den entnommenen Honig geben. Außerdem braucht man Beuten, aus denen man den Honig entnehmen kann, ohne das Bienenvolk zu zerstören. Das funktioniert, weil die Bienen Honig und Brut einigermaßen getrennt halten und man so die Waben mit dem Honig entnehmen kann, ohne die Brut zu beschädigen. Da bei dieser Art zu Imkern, die Bienenvölker bereits mit voller Stärke in das Frühjahr starten, kann man (wenn alles gut geht) bereits im Juni das erste Mal Honig ernten, der dann aus dem Nektar von Blütenpflanzen gemacht ist und Blütenhonig heißt. Mehr oder weniger sortenreine Honige erreicht der Imker, in dem er seine Bienen in der jeweiligen Blütezeit zu großen Beständen einer Blütenpflanze bringt, z.B. an einen Rapsacker oder in ein Obstbaugebiet. Diese Technik bezeichnen die Imker als Wandern.

Heutzutage lässt man die Bienen ihre Waben in spezielle Rahmen bauen und erhält so ein "zerlegbares" Bienennest

 Wenn die Hauptblütezeit im Frühjahr vorbei ist, beginnen die Bienen den Honigtau von Bäumen zu sammeln, das sind die stark zuckerhaltigen Ausscheidungen der Blattläuse. Daraus wird dann der Waldhonig, der im Hoch- oder Spätsommer geernte wird. Das Angebot an Honigtau schwankt von Jahr zu Jahr und damit auch das Angebot an Waldhonig, so wie das Aufkommen des Blütenhonigs mit den Bedingungen für die Blütenentwicklung steht und fällt.

 Im Spätsommer oder Frühherbst füttert man die Bienen dann mit Zuckerwasser. Auch aus diesem können sie eine Art Honig machen, mit dem sie dann über den Winter kommen.

 

Bienenzucht, Landwirtschaft und Ökosystem

 Die Honigbiene ist ein wichtiger Bestäuber für einen großen Teil unserer Kulturpflanzen. Das war früher kein Problem, da die Bienenhaltung eigentlich zu jeder Landwirtschaft gehörte. Mittlerweile sind Imker jedoch rar geworden, so dass Bauern es meist gerne erlauben, dass Imker ihre Beuten an Ihre Obstwiesen stellen oder ihre Rapsäcker anwandern. Gerade auch für die ökologisch wertvollen Streuobstwiesen sind Bienen wichtig, man kann durchaus sagen : Wer A(pfelsaft aus heimischer Produktion) trinken will, muss also auch B(ienenhonig vom lokalen Imker) essen. Auch für die Blütenpflanzen der ebenfalls wichtigen Feldhecken dürfte die Biene eine große Rolle spielen.

Die Honigbiene ist ein wichtiger Bestäuber der Obstbäume und hilft daher den ökologisch wichtigen Streuobstwiesen

 

  Mangelware kann die Bestäubungsleistung der Bienen aber auch in Wohngebieten mit Nutzgärten sein. Leider muss durch die übertriebene Angst vor Bienenstichen der Hobbyimker hier vielerorts mit Gegenwind rechnen, obwohl die Bienenhaltung - zumindest im kleinen, nichtgewerblichen Rahmen - auch im Garten möglich und zulässig ist. Wer über Nachbars Bienen meckert und sich damit durchsetzt, braucht sich also nachher nicht zu wundern, wenn seine gehätschelten Obstbäume nicht mehr so schön tragen wie vorher.

 Vor allem aber sollte man seinen Honig vom örtlichen Imker kaufen. Dort ist er auch nicht nennenswert teurer als im Supermarkt und man weiß, dass man heimische Qualität hat - und nicht irgendetwas aus Argentinien, Mexiko, Brasilien oder gar Indien. Vo allem aber hilft man dabei unserer heimischen Kulturlandschaft.

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