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  • : Blog von Volker Wollny
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  • Publizist und Freier Dozent, von Hause aus Ingenieur sowie gelernter Mechaniker und gelernter Maurer, Querdenker, Naturfreund und -nutzer, technisch interessiert aber auch technikkritisch, glaube nicht alles was mir erzählt wird.
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Andreas Quiring  

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Biohof-Gemeinschaft Baum des Lebens

13. März 2009 5 13 /03 /März /2009 17:17

Da geht ein ganz gewöhnlicher junger Mann an einem ganz gewöhnlichen Tag mit einer ganz gewöhnlichen Pistole in eine ganz gewöhnliche Schule und fängt an, Leute zu erschießen.Kurz darauf sind die Medien voll davon. Zunächst weiß man noch gar nichts, dann von neun, dann von elf, dann von fünfzehn Toten. Insgesamt sind es sechzehn – den Täter mitgerechnet, der sich zum Schluss selbst erschießt. Was bleibt ist die Frage: Warum?

Winnenden, ein nettes Städtchen im Schwabenland: Auch ein (scheinbares) Idyll kann von brutaler Gewalt betroffen sein (Bild: Carlsberg1988, Wikipedia, PD)

 Natürlich ist das Geschrei in den Medien groß, ein gefundeneres Fressen gibt es für Journailleure nicht. Jeder Schreiberling und jeder Radio- bzw. TV-Laberer weiß, dass er sich in den nächsten Tagen keine großen Gedanken machen muss, womit er jede Menge Hunde hinter ihren Öfen hervor locken kann um Auflage, Einschaltquote oder Pageviews und damit die Werbeeinnahmen satt zu steigern.

Jeder weiß was dazu...

  Es ist auch die Stunde der sonst nicht oder wenig beachteten, die jetzt ihren Weizen blühen sehen und sich als kompetente Sündenbockfinder und -in-die-Wüste-Jager profilieren: Der SPD-Kandidat des Wahlkreises – Vertreter der ewigen zweiten Sieger im traditionell stramm schwarzen Ländle – geht mit Geplärre nach einem Verbot des privaten Waffenbesitzes auf Stimmenfang, was peinlich an die Sorte Versicherungsvertreter erinnert, die eifrig die Todesanzeigen studieren um trauernden Witwen die Finanzen neu zu „ordnen“ und dabei das eine oder andere Geschäftchen abzuschließen.

Eine Pistole der Marke Beretta: Mit einem ähnlichen Modell schoss Tim K. um sich (Bild: US Army)

 Auch aus dem anderen Lager ist populistisches Gebarme zu vernehmen: Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann, wohl noch paralysiert vom Schock der letzten Landtagswahl und um neues Profil ringend, outet einen anderen Schuldigen: Nicht die herumliegende Pistole des Vaters habe fünfzehn Menschen und sich selbst erschossen, sondern die bösen, bösen „Killerspiele“ seien es gewesen. Und die müsse man natürlich strengstens verbieten.

 Angie, das Bundesmerkel gibt sich berufsbetroffen, weiß aber nicht einmal den Namen des Ortes - von „Winnendingen“ spricht sie. Ganz schön peinlich, so betroffen und Anteil nehmend gibt sie sich und weiß dann noch nicht einmal wirklich wo das schreckliche Ereignis stattgefunden hat.Vielleicht hat sie ja aber auch nur „Winnenden, Kreis Waiblingen“mit der im harten, schnellen Politikgechäft gebotenen Effizienz zusammengezogen, um hurtig wieder zu ihren Akten zurück eilen  zu können, wo sie weltrettende Maßnahmen, wie Hartz-IV-Kürzungen und Abstriche an Arbeitnehmerrechten auszuarbeiten hat?

 Abends ist dann die Stunde der zweiten Garnitur: Ein Richter, der Vater zweier Buben ist, die dass Erfurter Shooting überlebt hatten und dessen daraus entstandener Ruhm längst verblasst ist, trachtet, diesen bei Maybrit Illner wieder aufzufrischen: Er darf Jürgen Kohlheim, Vertreter des Deutschen Schützenbundes, medial hinrichten, wozu das geschätzte Publikum (oder sind es womöglich bezahlte Claqeure wie weiland in Ilja Richters Disco?) frenetisch „Kreuzige ihn, Kreuzige ihn“ schreit.. äh, nein ich meine natürlich: den kräftigsten Applaus des Abends spendet.

Natürlich sind immer Dinge schuld und nicht wir selber

 Eine herumliegende Pistole erschießt keine Leute. Und auch Rambo steigt nicht aus dem Fernsehapparat um in der Realität herumzuballern, genausowenig wie das die virtuellen Knülche aus Counterstrike oder Battleground tun.Das müsste jedem klar sein, aber es ist halt eine so verlockend simple Erklärung, die das Patentrezept so herrlich nahe legt: Weg mit den bösen „Killerspielen“! Weg mit den bösen Waffen in Bürgerhand! Tun wir das, wird es auch keine Blutbäder á la Winnenden und Erfurt mehr geben.

Ein paar Jagdgewehre: Natürlich möchten einige Spinner und Wichtigtuer jetzt wieder einmal den Privaten Waffenbesitz möglichst vollständig verbieten

 Als Schlagzeilen für gewisse Zeitungen und zu Wahlkampfparolen mag solche Argumentation vielleicht taugen. Einer genaueren logischen Untersuchung hält sie jedoch leider nicht stand: Wenn eine Pistole auch noch so offen herumliegt, gehört zu einem zünftigen Blutbad immer noch einer, der sie in die Hand nimmt, anlegt und abdrückt. Und bei so einem muss gehörig etwa schief gelaufen sein und zwar nicht erst seit gestern.

War es die Waffe?

 Im Zusammenhang mit dem Winnender Shooting wurde ja auch wieder einmal erwähnt, dass die Pläne zu solchen Taten über lange Zeit reifen. Und solch ein lange gereifter Plan gründet sich nicht auf Vaters zufällig herumliegende Pistole.Die wird gegebenen Falls dankbar zur Kenntnis genommen und in die Pläne mit einbezogen. Keineswegs jedoch wird ihr Fehlen aufgrund Verbotes privaten Waffenbesitzes oder eines sorgfältigeren Besitzers eine solche Bluttat verhindern: Wer vorhat einen ganz großen Abgang mit Knalleffekten und Blutspritzen hinzulegen, lässt sich von solchen Kleinigkeiten, wie es die Beschaffung einer Waffe ist, nicht abhalten. Schließlich ist es für einen  aufgeweckten Teenager heutzutage kein Problem, ein geeignetes Schießeisen unbürokratisch beim nächsten multikulturellen Waffendealer zu erstehen.

Waren es die „Killerspiele“?

 Gut, es war also nicht die Waffe, es war der Täter – und damit letztendlich dessen Kopf. Und dort, im Oberstübchen des Tim K., könnte ja der Plan aufgrund des virtuellen Ballerns bei Counterstrike und Co entstanden sein, oder etwa nicht? Gab´s da nicht so etwas wie „Herabsetzung der Hemmschwelle“ und „Einüben von Verhaltensweisen“?

 Dazu kann ich jetzt leider zunächst nur mein persönliche Erfahrung heranziehen: Ich habe im Warcraft-Universum einige Tausend, oder sogar Zehntausende Humanoide wie Menschen, Zwerge, Orks, Goblins usw. mit Schusswaffen, Bögen, Armbrüsten, Äxten und dergleichen sowie auch mit Magie virtuell niedergemetzelt. Ich habe das - noch ein bisschen realistischer -  auch einmal mit Battlefield, einem typischen Ego-Shooter probiert, was mir aber sehr schnell langweilig wurde.

"Killerspiel" World of Warcraft: Angeblich senkt  virtuelles Killen die Hemmschwelle vor dem realen Töten. Nachweisen konnte das aber bisher niemand, es bleibt bei Geschwafel und Vermutungen.

 Außerdem habe ich – und zwar real – in meinem Leben schon eine ganze Reihe von Tieren vom Rotauge bis zum Wildschwein getötet, in der Regel damit ich oder andere sie essen konnten. Komischerweise bringe ich es aber trotzdem nicht übers Herz, eine Stubenfliege zu erschlagen und störe mich daran, beim Gärtnern überzählige Sämlinge „töten“ zu müssen. Und, ob es mir - außer anderen Jägern – jemand glaubt oder nicht: Wenn ich auf der Jagd Beute gemacht habe, ist da immer noch ein gewisser Beigeschmack von schlechtem Gewissen. So what? Abstumpfung? Erniedrigte Hemmschwelle?

 Es gibt weltweit Millionen Menschen, die „Killerspiele“ spielen. Und nur ganz selten geht einer davon her und bringt in der realen Welt mit realen Waffen reale Leute um. Es mag stimmen, dass Leute wie Tim K. oft oder meinetwegen sogar meistens vorher „Killerspiele“ gezockt haben. Das war dann aber nicht die Ursache, sondern lediglich ein Symptom.

 Denkbar ist, dass solche Leute einschlägige Computerspiele und Filme gerne als eine Art Ersatzbefriedigung einsetzen, bis sie dann zur realen Tat schreiten. Das Bedürfnis zu töten war aber schon lange vorher da und hatte ganz andere Ursachen. Anders herum betrachtet: Wäre es nicht eine Horrorvorstellung, anzunehmen, dass wir alle so labil und latent gefährlich sind, dass so ein Unfug wie ein Computerspiel uns von friedliebenden,harmlosen und nützlichen Zeitgenossen zu blutrünstigen und selbstzerstörerischen Monstern mutieren lässt?

 Das wäre ungefähr so realistisch, wie die Geschichte von Gustav Meyrink, in der das bloße Hören des Wortes „Ämälän“ die Leute in violette Schleimkegel verwandelt.  Was aber ist dann der Grund, dafür, dass jemand derart ausrastet, hergeht und einfach so irgendwelche oder auch bestimmte Leute erschießt?

Wo ist jetzt der Sündenbock?

 Eigentlich sollte man den Braten ja riechen, denn er stinkt schon lange. Aber, wie schloss schon Christian Morgensterns Palmström messerscharf? „... dass nicht sein kann, was nicht sein darf!“ Natürlich darf es nicht sein, dass ein unauffälliger, funktionierender junger Mann aus einem unauffälligen, funktionierenden Elternhaus in einem unauffälligen, funktionierenden Städtchen, hergeht, fünfzehn Menschen und schließlich sich selbst erschießt. Da müssen böse Computerspiele, vielleicht auch Gewaltvideos und natürlich eine herumliegende Pistole Schuld gewesen sein

 „Unauffällig“, „funktionierend“ - das sind die Schlüsselworte, die ein wenig Licht auf die Hintergründe werfen. Es war nicht der stadtbekannte, jugendliche Schläger, der geschossen hat. Es war auch nicht der Dealer vom Bahnhofsklo oder der Chef der örtlichen Türkengang. Genauso wenig wie es irgend ein sonstiger offensichtlicher Dropout, ein Loser oder ein kriminelles Element war. Es war nicht einmal ein bekannter Spinner, kein abgedrehter Freak und auch nicht der Klassenkasper.

 Es war ein ganz gewöhnlicher junger Mann.Nett, höflich, aus gutem Elternhaus.

Wo passiert „so etwas“?

In einem der Medienberichte war die Rede davon, dass das Massaker „in der Provinz“ stattgefunden hätte. Das wirft ein falsches Licht auf die Sache. Winnenden ist in der Tat eine kleine Stadt mit eingemeindeten Dörfern. In einem dieser Teilorte lebte auch Tim K., der Todesschütze. Allerdings darf man sich von dem äußerlichen ländlichen Idyll nicht täuschen lassen: Winnenden gehört zum Großraum Stuttgart, zum Ballungsraum Mittlerer Neckar, einer der industrialisiertesten und dichtest besiedelten Regionen Deutschlands.

Luftbild der Columbine Highschool: Wenn man den Amerikanern ihre Fehler nachmacht, bekommt man auch deren Folgen zu spüren (Bild U.S. Geological Survey, PD)

 Entsprechend beengend sind dort die Lebensverhältnisse. Es ist das Daimler-Land, wo viele Firmen eine Lungenentzündung bekommen, wenn Daimler mal hustet. Wohnraum ist teuer, auf den Straßen gibt es kilometerlange Staus, für die Freizeit Massenangebote. Die verhältnismäßig guten Löhne werden durch die hohen Lebenshaltungskosten aufgezehrt, das „Häusle“- wenn es denn für eines reicht – kann nur mit Mühen abbezahlt werden.

 Wer „beim Daimler schafft“ hat oft den Gewinn aus dem Verkauf des jährlichen Rabattwagens in die Hypothekenraten einkalkuliert. Deswegen werden Farbe, Modell und Ausstattung des Jahreswagens nach Markterfordernissen gewählt, alles mit Schonbezügen geschützt und jeder Kilometer, den man fährt, genau überlegt, damit ein möglichst hoher Wiederverkaufspreis erzielt wird.

 Kurz: Kein Platz, an dem man besonders gut individuell leben kann. Hier passt man sich an, streckt sich nach der Decke wenn man dazu gehören will. Man funktioniert und fällt nicht auf. Auch schon als junger Mensch. Auch schon als Kind.

Tun wir denn nicht genug für unsere Kinder?

 Und das ist das große Problem unserer Zeit: Wir vergewaltigen unsere Kinder. Nicht nur in Ballungsräumen wie dem Mittleren Neckarraum, zu dem Winnenden gehört. An solchen Orten ist es für Kindern nur besonders schlimm, weil die räumliche Enge die Einengung durch Schule und Elternhaus noch erheblich verschärft.

 Einen Sozialarbeiter, Streitschlichter und eine „engagierte Direktorin“ gibt es an der ach so vorbildlichen Albertville Realschule. Und ganz sicher auch „Gender Mainstreaming“, die Methode, Männer psychisch zu kastrieren, noch bevor sie die Chance hatten, Männer zu werden. Man könnte fast meinen, es sei von der Schule in jenem bekannten Springfield die Rede, von dem niemand weiß, in welchem Bundesstaat es liegt, dafür aber, dass dort die Kinder ganz besonders sorgfältig im Sinne der Political Correctness US-amerikanischer Observanz erzogen werden.

 Als ich ein Teenager war, arbeiteten wir neben der Schule für gutes Geld um uns Bier und Mopeds leisten zu können, die ganz schlauen schon für Führerschein und Auto bzw. Motorrad. Heute sollen die Kids in den Ferien für lau „Praktika“ ableisten, um etwas vielleichter als die ganz armen Schweine eine Lehrstelle zu bekommen.

 Wenn es im Kindergarten zwischen den Kids mal knallt, kommt die Tante und lamentiert: „Wir lösen unsere Probleme ohne Gewalt“ und wenn es in der Schule mal scheppert gibt es gleich Rektoratsarrest. Vergessen wird dabei: Erst mit etwa zehn Jahren ist bei Kindern die Sprache voll ausgebildet. Wie sollen da Vierjährige ihre Anliegen argumentativ durchsetzen können? Das Raufen ist hier der ganz natürliche Weg der Streitschlichtung, zumal Kinder sich dabei auch kaum jemals gegenseitig ernsthaft verletzen.

 Selbst „Männer um die Zehn“ tragen ihre Meinungsverschiedenheiten von Natur aus noch mit den Fäusten auf dem Schulhof aus und nicht vor einem „Streitschlichter“, während die gleichaltrigen jungen Damen da schon etwas weiter sind. Das ist alles ganz normal und selbst bei den Jungs im Mopedalter kracht es ganz einfach dann und wann. Davon geht die Welt nicht unter und es hat auch nichts mit Jugendgewalt zu tun.

Was Kinder wirklich brauchen

 Und vor allem brauchen Kinder außer natürlich jeder Menge Zuwendung eins: Freiräume, Freiräume und noch mal Freiräume. Einen Wald, einen stillgelegten Steinbruch oder dergleichen und keine „Bewegungsangebote im Rahmen der Sporterziehung“. Hammer, Nägel und Bretter sind besser als jedes „Kreativangebot“. Ein richtiger Junge kann mit neun oder zehn ein Feuer anzünden, einen Drachen in die Luft bringen, weiß, wie man einen Nagel richtig einschlägt und einen Papierflieger so faltet, dass er auch tatsächlich fliegt. Er weiß auch, wie man Grillen fängt und dass man die dann wieder davon hopsen lässt und nicht umbringt.

Das nennt man heute zu Recht  "Schwarze Pädagogik". Ob der Psychoterror, den man stattdessen heute auf Kinder ausübt, um sie passen für dei Schablone zu machen, jedoch besser ist, sei einmal dahin gestellt...

 Und wenn ein Mädchen das gleiche können möchte und kann, ist es umso besser, denn hier ist Gleichberechtigung durchaus am richtigen Platz. Gleichberichtigung heißt nämlich, dass Frauen alles das tun dürfen was Männer auch dürfen, aber es nicht müssen.

 Und was wissen neun- und zehnjährige Kinder heute? Dass sie Leistung bringen müssen, damit es die richtige Schulempfehlung gibt und sie nicht in der Hauptschule „enden“. Dass man in einer globalisierten Welt funktionieren muss, wenn man nicht als Hartz-IV-Empfänger sein Leben fristen möchte. Und dass man nichts machen darf, was einem selbst eingefallen ist und das Spaß macht.Und den dann eventuell noch fehlenden Rest der Verblödungsarbeit leistet zuverlässig das Fernsehprogramm.

Wundert sich eigentlich noch jemand?

 Eigentlich reicht die flache Hand schon nicht mehr, um sich damit vor den Kopf zu schlagen, damit man es glaubt, wenn man manche Dinge hört. Ein zölliges Brett wäre da schon angemessener, wenn man zum Beispiel in seinen Schädel bringen will, dass bei Kindern, die man früher als lebhaft oder kleine Wildfänge bezeichnet hat, heute ADS, das so genannte „Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom“ diagnostiziert wird. Aber flach auf den Boden legt man sich, wenn man dann auch noch erfährt, dass so etwas „therapiebedürftig“ sei und mit Psychopharmaka behandelt werden müsse. Energie, Vitalität und Lebensfreude bei Kindern sind also heutzutage eine behandlungsbedürftige Krankheit.

 Wer wundert sich da eigentlich wenn aus kleinen Exemplaren der wunderbaren Spezies Mensch äußerlich angepasste, scheinbar wohlfunktionierende Jasager werden? Und wer wundert sich, dass solche naturwidrig abgerichteten Zombies gerne einmal Funktionsstörungen aufweisen?

 Natürlich geht nicht jeder zeitgemäß zurechtgestutzte Plastikmensch irgendwann her und ballert um sich. Das sind Extremfälle, die dann und wann auftreten. In der Regel geht es weit weniger dramatisch ab; normalerweise hält es sich soweit in Grenzen, dass man es ganz gut kaschieren kann.:

 Dass unsere Unternehmen nicht zuletzt deswegen keinen Fuß mehr auf den Boden bekommen, weil Zombies nicht kreativ sind, fällt erst gar nicht auf, denn schließlich sind ja alle so. Dass man säuft und Tabletten nimmt, ist auch schon ganz normal, genauso wie das Tyrannisieren der Familie nicht mehr besonders aus der Norm fällt. Und auch Prügelexzesse an Ehefrauen und Kindern kann man in der Regel wenigstens notdürftig unter der Decke halten.

 Ab und zu haut es halt den einen oder anderen raus. Der eine stürzt mit Alkohol ab, der andere mit Drogen, wieder ein anderer wird zum Penner oder hängt sich gleich auf. Und dann und wann rastet halt mal einer richtig aus, bringt seine Familie um – oder geht in seine alte Schule und schießt um sich....

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11. März 2009 3 11 /03 /März /2009 09:58

Windjammerromantik, Traumreisen auf Luxusyachten, knallharter Regattasport - Segeln hat viele Seiten und ist so individuell wie die Menschen, die sich diesem Sport verschrieben haben. Ursprünglich einmal war die Seefahrt eine Notwendigkeit, harter Broterwerb für Menschen, die oft keine andere Möglichkeit hatten, ihren Lebensunterhalt zu fristen. Heute ist daraus ein Hobby geworden, man muss nicht mehr segeln sondern darf, wobei moderne technische Hilfsmittel viele Gefahren der Seefahrt überschau- und kalkulierbar machen.

 

Segeln ist ein vielseitige Sache: Vom geruhsamen Schippern auf einem Traditionsschiff bis zur knallharten Regatta mit HiTech-Material reicht die Spanne. dazwischen dürfte für jeden eine passende Art lliegen, Wind, Wasser und Wellen zu erleben...

Die ersten Hobby-Segler

 Im so genannten Goldenen Jahrhundert, der Blütezeit des holländischen Fernhandels, entdeckten wohlhabende Kaufleute, dass man auch zum Spaß segeln kann. Ihre Vergnügungssegler stammten von für das Wattenmeer geeigneten plattbodigen Arbeitsbooten ab, die Seitenschwerter besaßen und als Jachten bezeichnet wurden. Direkte Nachkommen dieser Jachten haben auch heute noch viele Freunde und man sieht sie mittlerweile nicht nur in den Niederlanden sondern an der ganzen Nordseeküste und in manchen anderen flachen Gewässern. Übrigens hat auch die niederländische Königin keine riesige Luxsyacht, sondern ein recht bürgerliches und bescheidenes, traditionelles Plattbodenschiffchen, das auf den Namen "De Groene Draak" (Der Grüne Drache) hört.

Segelromantik pur:  Sonnenuntergang auf dem Bodensee

 Irgendwann schenkten holländische Kaufleute dem englischen König eine der bei ihnen gebräuchlichen Jachten. Der war hellauf begeistert von dem Schiffchen und nervte den ganzen Hofstaat damit, dass er oft schon in aller Herrgottsfrühe aufstand und auf sein Schiff ging, wobei ihn die Offiziellen natürlich begleiten mussten. Auch wenn die Hofschranzen nicht so begeistert waren, machten viele begüterte Engländer es ihrem König nach. Sie legten sich Vergnügungschiffe zu und begannen irgendwann auch um die Wette zu segeln: Aus der Jacht wurde die Yacht und aus dem Vergnügungsegeln der Segelsport.

 Aus den handlichen Vergnügungsbooten wurden riesige Luxusyachten, die sich nur wirklich reiche Leute leisten konnten. Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts kamen wieder kleinere Boote für weniger betuchte Leute auf und es bildete sich das, was die "richtigen" Yachties damals gönnerhaft-herablassend als "Kleinsegelsport" bezeichneten und was sich zum heutigen Segeln für jedermann entwickelte.

Hier geht`s knallhart zur Sache: Auf einem Plattbodenschiff bei Wind gegen Strom im Wattenmeer vor dem Afsluitdijk

Segeln lernen

 Um Segeln zu lernen muss man nicht unbedingt an die Küste und auch nicht an einen großen See wie den Bodensee oder die bayerischen Seen. Auch an vielen kleineren Seen, fast überall in unserem Land, gibt es die notwendigen Einrichtungen und oft auch einen Segelclub. Manche Segelvereine veranstalten Segelkurse, die z.B. zum Sportbootführerschein (SBF) Binnen Segel und Motor führen, dem amtlichen Führerschein für kleine Boote. Der SBF Binnen Motor ist vorgeschrieben, wenn man ein Boot mit einem (Hilfs-)Motor von mehr als 5 PS Leistung führen will, der SBF Binnen Segel ist freiwillig. Es empfiehlt sich jedoch, beide Prüfungen abzulegen, wenn man schon einen Kurs macht. Kurse kann man außer bei Vereinen, wo sie in der Regel recht preiswert sind, auch bei kommerziellen Bootschulen machen, die es auch im Binnenland fast in jeder größeren Stadt gibt.

Auch im Hafen ist es schön...

 Während  in anderen Bundesländern alle Segelboote führerscheinfrei sind, benötigt man in Berlin für alle Boote und Surfbretter mit mehr als 3 qm Segelfläche und für alle maschinengetriebenen Fahrzeuge unabhängig von der Antriebsleistung den SBF Binnen Segel bzw. Motor.

 Einen Sonderfall stellt der Bodensee dar: Hier gibt es eine eigene "internationale" Schifffahrtsordnung, die von Deutschland, Österreich und der Schweiz gemeinsam erlassen worden ist. Sie schreibt einen eigenen Führerschein vor, das Bodenseeschifferpatent. Für Wassersportler gibt es hier die Klasse A für Motorbotte über 6 PS und die Klasse D für Segler über 12 qm Segelfläche. Diese beiden Führerscheine bekommt man ohne weitere Probleme auch in die Sportbootführerscheine Binnen Segel bzw. Motor umgeschrieben.

 Wer also in Reichweite des Schwäbischen Meeres wohnt, ist gut beraten, wenn er seinen ersten "nassen" Führerschein dort erwirbt, zumal er dabei noch einen weiteren Vorteil nutzen kann: Auf Wunsch kann man die praktische Patent-Prüfung mit dem Motorboot auch nach den Prüfungsanforderungen des Sportbootführerschein See ablegen. In diesem Falle braucht man nur noch die zugehörige theoretische Prüfung abzulegen um auch noch diesen Schein zu bekommen.

Ganz harte segeln auch im Winter...

 Außer dem für Maschinenfahrzeuge über 5 PS amtlich vorgeschriebenen SBF See gibt es noch amtliche und nichtamtliche Segelscheine für Küsten- und Hochseesegeler. Sie sind freiwillig, werden aber in der Regel von Vercharterern verlangt, diese Scheine erwirbt man in der Regel bei Segelschulen auf entsprechenden Törns, welche auch gleich die erforderlichen Seemeilen bringen und mit einem Prüfungstag abschließen.

 Und wie sieht es mit dem Zeitaufwand aus? Motorbootscheine sind relativ schnell gemacht, beim Segeln dauert es etwas länger. Das liegt nicht zuletzt daran, dass zu einer Segelstunde nicht nur ein Termin wie beim Motorboot. sondern auch der richtige WInd gehört und man daher die Manöver unter Segel oft nicht so zügig und systematisch üben kann wie unter Maschine. Gut beraten ist man, wenn man im Frühjahr mit dem Segelkurs beginnt, denn dann sollte es bis zur Urlaubszeit mit dem Schein klappen.

 

Segelboote, Segeltörns

 Man muss nicht unbedingt ein eigenes Schiff (so nennen Wassersportler auch das kleinste Boot) besitzen um zu segeln. Viele Vereine haben vereinseigene Jollen, die man als Mitglied benutzen kann. Ein einfache Jolle ist gebraucht meist recht günstig zu bekommen und auch ein kleine Yacht muss nicht unbedingt unerschwinglich sein. Wer sich kein eigenes Boot kaufen will, kann auch tage-, wochenend- oder wochenweise Yachten chartern.

 Wer es sich noch nicht zutraut, eigenverantwortlich als Skipper, also als Schiffsführer zu segeln, kann auch bei einem semi- oder ganz professionellen Skipper einen Platz auf einem Törn buchen.  Solche Törns gibt es auch für Anfänger, so dass man hier auch mal in die Seefahrt hinein schnuppern kann, bevor man überhaupt ernsthaft daran denkt, einen Schein zu machen.

Plattbodenschiffe im Hafen von Hoorn in den Niederlanden

 Vor allem die Törns auf den großen niederländischen Plattbodenseglern sind für Leute ausgelegt, die (noch) nicht viel vom Segeln verstehen. Wenn man eine größere Gruppe zusammenbekommt oder sich einer solchen anchließen kann, bekommt man hier sehr viel für sein Geld. Die Unterbringung ist einfach und für die Verpflegung sorgt die Crew selbst. Dafür ist man bei diesen Törns mit ca. 200 Euro pro Person und Woche dabei, wozu noch die Bordkasse für die Verpflegung kommt. Typischer Weise sind diese Schiffe für ca. 20 bis 30 Törngäste ausgelegt, eignen sich also für Schulklassen, Vereinsausflüge und dergleichen. Inwieweit die Gäste beim Segeln mithelfen, richtet sich hier nach deren Wünschen: Es handelt sich bei den typischen Plattbodenschiffen um alte Frachtsegler, deren Ladräume für die Gäste ausgebaut sind. Sie sind dafür ausgelegt, dass sie von einem Schiffer und seinem Maat gesegelt werden können, was früher die übliche Besatzung war. Mithilfe von den Gästen ist aber sehr gern gesehen und steigert das Segelerlebnis und den Spaß an der Sache erheblich.

 Oberhalb dieser "Einsteigerklasse" gibt es jede Menge Segelreisen bis hin zu Kreuzfahrten auf luxuriös ausgestatten Windjammern, Ferntörns und gar Weltumsegelungen auf kleinen und großen Schiffen. Neben den kommerziellen Angeboten gibt es auch Mitsegelgelegenheiten, von denen man über Segelbörsen im Internet oder auch durch persönliche Kontakte erfahren kann.

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10. März 2009 2 10 /03 /März /2009 08:07

Fantasy liegt im Trend. In den letzten Jahren sind einige neue Bücher zu diesem Thema erschienen und viele davon verkaufen sich gut bis sehr gut. Eines, dass mir persönlich gut gefallen hat, habe ich unlängst auf meinem Fantasy-Blog besprochen:

Stan Nicholls: Die Orks

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Published by Fokko - in Lesen
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10. März 2009 2 10 /03 /März /2009 08:01

"Seien wir ehrlich: Leben ist wirklich lebensgefährlich!" So dichtete schon vor Jahrzehnten Erich Kästner. Und es scheint sich auch zu bestätigen, wenn wir den Fernsehapparat oder das Radio einschalten, in die Zeitung oder das Internet sehen: Unglücksfälle, Verbrechen, Krieg, Krankheit, Tod überall... Haben wir da überhaupt noch eine Chance die nächsten Tage zu überleben?

 Natürlich ist das Leben sogar mehr als lebensgefährlich, denn es endet in aller Regel mit dem Tod. In der Tat können wir uns nie sicher sein, dass uns nicht im nächsten Moment ein Dachziegel auf den Kopf fällt, das Haus unter uns zusammenbricht oder ein Auto uns überfährt.

 Andererseits: Der Mann, der das nette Gedicht über das lebensgefährliche Leben schrieb, wurde immerhin 75 Jahre alt. Er überlebte als oppositioneller Schriftsteller die Nazizeit, obwohl er trotzig in Deutschland blieb und nicht, wie viele seiner Kollegen, ins Exil ging. Nach 1945 waren aber seine dunklen Jahren zu Ende und er durfte als erfolgreicher Künstler noch nahezu 30 Jahre leben und arbeiten.

 Selbstverständlich existieren die Gefahren, die oben genannt wurden. Aber - Hand aufs Herz: Wieviele Leute kannten wir, denen ein Dachziegel auf den Kopf gefallen oder unter denen da Haus zusammengebrochen ist? Natürlich ist das Risiko eines Autounfalls, eine Fluzeugabsturzes oder eines Eisenbahnunglücks sogar noch etwas größer, aber wie groß ist es denn wirklich?

 Beim Konsum der täglichen Nachrichten werden wir Opfer einer verzerrten Sicht auf die Realität. "Bad news are good news" heißt eine makabre Grundregel für Journalisten. Schlechte Nachrichten kommen gut an, die Leute lesen nun einmal gerne von möglichst vielen Toten, Zerstörung, Leid und Elend. Deswegen wird von Flugzeugabstürzen, Eisenbahnunglücken und schweren Autounfällen berichtet. Was wir dagegen gar nicht wahrnehmen ist, wieviel Menschen täglich mit dem Flugzeug oder der Eisenbahn reisen und wohlbehalten ankommen. Und auch nicht, wieviele auf der Autobahn zur Arbeit fahren und abends gesund und munter zu ihren Familien heimkehren.

 Nicht anders verhält es sich mit Krankheiten: Es wird darüber berichtet, wieviel Menschen an Krebs, an einem Herzinfarkt oder an einem Schlaganfall sterben - aber nicht darüber, wieviel Menschen pumpergesund sind und uralt werden. Und wir werden heute älter denn je.

 Wo also ist das Problem? In unseren eigene Köpfen! Natürlich muss man sich darüber klar sein, dass das Leben jeden Augenblick zu Ende sein kann und deswegen tut man gut daran, seine Sache mit Gott geregelt zu haben. Natürlich sagt Paulus, dass wir unsere Pläne immer mit dem Zusatz "So Gott will und wir leben" versehen wollen. Trotzdem dürfen wir uns aber an unserem Leben freuen und müssen nicht ständig Angst davor haben, dass es uns im nächsten Augenblick oder morgen schon erwischen könnte. Denn dieses Risiko ist zwar immer da, aber doch zum Glück ziemlich gering.

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7. März 2009 6 07 /03 /März /2009 14:45

Baum und Steinmarder sind die beiden in Europa vorkommenden Vertreter der Gattung martes, der echten Marder. Sie sehen sich körperlich ähnlich, stellen aber zwei verschiedene Arten dar, auch wenn es bei ihrem Verhalten und vom Beutespektrum her wiederum Parallelen gibt.  

Walter Heubach protraitierte hier den Baummarder in seinem Lebensraum, dem Geäst des Waldes.

Verbreitung und Lebensraum

 Am stärksten unterscheiden sich unsere beiden Marder hinsichtlich ihrer Lebensräume, auch wenn sich ihre geographische Verbreitung stark ähnelt. Beide kommen in weiten Teilen Europas und (West-)Asien vor, wobei der Steinmarder (martes foina) z.B. auch im Hochgebirge bis 4000, in der Mongolei und im Himalaja lebt sowie auf der iberischen Halbinsel, wo der Baummarder (martes martes) nicht überall vorkommt, welcher auch im Gebirge nur bis zur Baumgrenze lebt.

 Die Unterschiede zwischen den Verbreitungsgebieten der beiden Marderarten dürften sich im wesentlichen aus den verschiedenen Ansprüchen erklären, welche die beiden Arten an ihre Lebensräume stellen. Wie für Marder im allgemeinen üblich, bewohnt der Baum- oder Edelmarder am liebsten Waldgebiete; speziell Laub- und Laubmischwälder sind sein bevorzugter Lebensraum. Seltener trifft man ihn in großen, waldähnlichen Parkanlagen an. Daher wird man ihn auch nicht in Gegenden finden, wo es keinen Wald gibt, wie etwa auf Island und im Gebirge oberhalb der Waldgrenze.

 

Hier sieht man, warum der Baummarder auch Gelbkehlchen heißt: Der gelbe Kehlfleck, sein typisches Erkennungszeichen, ist bei diesem Exemplar im Winterbalg besonders gut zu sehen (Bild: Dani Kropivnik, lizensiert nach GNU FDL)

 Der Steinmarder hingegen bewohnt als einziger Echter Marder (Gattung martes) die eher offene Landschaft, kann aber auch in felsigem Gelände leben. Daher kommt er im Gebirge auch höher hinauf und ist in Gegenden vertreten, wo es generell keinen Wald gibt. Im Gegensatz zum Baummarder ist er ein Kulturfolger; er kommt auch in Dörfern und sogar mitten in der Stadt vor.

 

Ein Stein- oder Hausmarder im Sommerbalg: Der weiße Kehlfleck ist gut zu erkennen (Bild: Franco Atirador, lizensiert nach GNU FDL)

 Hier gibt es für den Steinmarder Wohnmöglichkeiten in Gebäuden, wie z.B. auf Dachböden, in Scheunen, Schuppen und dergleichen. Im Feld findet er unter Steinhaufen, in den Höhlen anderer Tiere und an ähnlichen Orten Unterschlupf. Der Baummarder lebt in Baumhöhlen, Eichhörnchennestern und verlassenen Greifvogelhorsten.

Keine der beiden Arten gräbt jedoch selbst Höhlen oder legt sonstige Baue an. Beim genauen Hinsehen stellt man übrigens fest, dass sich hier zwei nahe Verwandte auf unterschiedliche Lebensräume in etwa dem gleichen Verbreitungsgebiet spezialisiert haben. Seltsamerweise kommt auf den Britischen Inseln zwar de Baum- nicht jedoch der Steinmarder vor.

Anatomie und äußere Erscheinung

 

Porträt eines Baumarders aus einer alten Ausgabe von Brehms Tierleben

 Auch äußerlich sind sich unsere beiden Marderarten recht ähnlich. Beide haben ein braunes Fell, welches im Winter eher ins schokoladefarbene, im Sommer dagegen eher ins rötliche geht und einem hellen Kehlfleck, an dem sie sich auch unterscheiden lassen. Der des Baummarders ist gelblich und unten abgerundet, daher auch der manchmal verwendete Name „Gelbkehlchen“. Der Kehlfleck seines Cousins, des Steinmarders ist eher weiß, gerne gegabelt und kann sich bis auf die Vorderläufe ziehen; er kann aber bei einigen asiatischen Populationen auch fehlen.

 

Ein Steinmarder im Winterbalg in einem seiner typischen Lebensräume, offenbar nämlich in irgendeinem Nebengäude eines Landwirtschaftlichen Anwesens (Bild: Zefram, lizensiert nach GNU FDL)

 Verwechseln kann man die beiden Arten in der Praxis vor allem dann, wenn sie einem ausgestopft auf dem Tisch bei der Jägerprüfung begegnen. In freier Wildbahn hingegen ist in der Regel schon aufgrund der Umgebung klar, um welchen der beiden es sich handeln muss: Im Feld oder in menschlichen Siedlungen wird einem kaum ein Baummarder begegnen, im Wald hingegen darf man davon ausgehen, dass es sich um einen solchen handelt, wenn man einen Marder sieht.

 Der Steinmarder ist eine häufige Tierart, was besonders manche Autofahrer zu beklagen haben, an deren Vehikel er Kabel und Schläuche zerbissen hat, was er hin und wieder tut. Der Baummarder hingegen ist recht selten und wird mittlerweile als gefährdete Tierart angesehen.

 Beide Arten haben als typische Marder langgestreckte Körper, wobei der Steinmarder mit 40-54 cm Länge, zuzüglich des bis zu 30 cm langen Schwanzes und bis zu 2.3 kg Gewicht gedrungener ist als der etwas längere, aber nur bis zu 1,8 kg schwere Baummarder.

 Das Gebiss weist beide Arten als Mitglieder der Ordnung Carnivora, also der Raubtiere aus. Beide Marderarten besitzen die gleiche Zahnformel; benutzen ihre Gebisse und sonstigen Raubtierfähigkeiten auch tatsächlich zur Jagd.

Lebensweise und Ernährung

 Wie sein Name bereit vermuten lässt, ist der Baummarder ein Baumbewohner und zwar der einzige unter den echten Mardern. Er kann gut klettern und springen wobei ihm sein Schwanz als Balancierhilfe dient.

 

Ob der Steinmarder wohl wirklich so frech ist, sich mit einem Adler anzulegen? (Gemälde von Carl Martin Ebersberg )

Der Steinmarder kann ein Kletterfähigkeiten in seinem Lebensraum ebenfalls oft gut gebrauchen. In Siedlungen ist er beispielsweise recht gerne auf Dachböden und Dächern unterwegs. Deswegen wird er manchmal auch Haus- oder Dachmarder genannt.

 Sowohl der Baum- als auch der Steinmarder sind de facto Allesfresser, wobei der Schwerpunkt jedoch bei beiden eher auf der tierischen Nahrung liegt. Sie sammeln letztere zum Teil, wie etwa in Form von Eiern, fangen und schlagen aber auch kleiner Beutetiere. Im Sommer jedoch steht bei beiden Arten vermehrt pflanzliches auf dem Speisezettel, speziell die jeweiligen Beeren der Saison. Sommers wie Winters gehen beide Marderarten ihrem Nahrungserwerb in der Dämmerung und bei Nacht nach. 

Ein Baummarder in seinem Sommerbalg (Bild: Totodu74, PD)

 Das Sozialverhalten der beiden Marder ist ebenfalls sehr ähnlich bzw. sogar gleich. Sie sind Einzelgänger, die außerhalb der Paarungszeit Artgenossen meiden und beanspruchen Reviere, die sie mit Sekreten aus Duftdrüsen markieren.

Der Marder, ein blutrünstiger Mordbube? 

 Was die Größe der erbeuteten Tiere angeht, herrscht allerhand Uneinigkeit: Während man dem Baummarder in Riesenthals Jagdlexikon von 1916 noch ohne weiteres zutraut selbst Rehkitze zu meucheln, erfährt man aus zeitgenössischen, eher weniger jagdfreundlichen Quellen heute, dass er sich nicht an Tiere über der Größe einer Maus heranwage. Die Wahrheit dürfte wohl in der Mitte liegen. Manche Leute schätzen den Steinmarder wenn schon nicht als Haus- so doch als Hofgenossen, da er auch Ratten vertilgt. Das dürfte durchaus realistisch sein und auch (junge) Hasen liegen sicher nicht außerhalb des Bereiches er Möglichkeiten beider Marderarten.

 Man muss bei Spekulationen über die Größe der Beutetiere eines Beutegreifers immer im Hinterkopf haben, dass dieser im Regelfalle seine Möglichkeiten beim Beutefang nicht ausreizt. Ein Raubtier jagt, um zu überleben und sucht wie jedes Tier immer den ökonomischsten Weg. Solange genug kleine und schwache Tiere da sind, geht ein (oppoturnistischer) Beutegreifer keine großen und/oder wehrhaften an. Abgesehen von der Verletzungsgefahr ist auch ein lediglich daneben gelungener Angriff für ihn auch ein äußerst schlechtes Geschäft: AußerSpesen nix gewesen, er hat Kalorien verbraucht, aber keine gewonnen. Deswegen stört er sich auch nicht an kranken Beutetieren, sondern nimmt sie als "billigere" Mahlzeit sogar bevorzugt

Fortpflanzung

 Die Ranz, Paarungszeit unserer Maader liegt im Hochsommer, bei Steinmardern auch schon früher. Die geräuschvollen Paarungsrituale des Steinmarders mit ihren Rivalenkämpfen und wilden Verfolgungsjagden bekommt man in Sommernächten öfter, vor allem akustisch, oft mit. Im Schwäbischen gibt es daher auch die Redensart vom „Schreien wie Dachmarder“. Baummarder treiben die gleichen Spiele, nur bekommen es weniger Leute mit, da das Gelbkehlchen ja leider selten ist und tief im Wald lebt.

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Und noch ein Steinmarder im Winterkleid, aus dieser Perspektive ist allerdings der Kehlfeck nicht zu erkennen (Bild
Neil Phillips, lizensiert nach CC Namensnennung)

 Unsere beiden Marderarten weisen eine Keimruhe von mehreren Monaten auf; die eigentliche Tragzeit beträgt, der Größe der Tiere entsprechend nur ca. einen Monat. Die jeweils etwa drei oder vier Jungen kommen im Frühjahr zur Welt und werden crica zwei Monate gesäugt. Sie bleiben über den Sommer bei der Fähe und werden im Herbst selbständig.Im zweiten oder dritten Jahr pflanzen sie sich dann selbst fort.

 Natürlich stellt sich bei zwei so nahe verwandten und ähnlichen Arten die Frage, ob sie sich bastardisieren. In Riesenthals Jagdlexikon von 1916 wird dies in der Tat für möglich gehalten. Dort wird auch angegeben, dass man Baummarder zur Ranzzeit auch in Siedlungsnähe antreffen könne, da sie von den Schreien ranzender Fähen angelockt würden. Aktuelle Quellen jedoch verneinen durch die Bank die Möglichkeit, dass sich Baum- und Steinmarder verbastardisieren.

Bedeutung für den Menschen

 Beide heimische Marderarten unterliegen dem Jagdrecht. Man kann ihre Pelze verwenden, wobei der des Baummarders, den man auch Edelmarder nennt, begehrter ist. Der Steinmarder geht gern einmal in Geflügelställe, wo er richtige Massaker anrichten kann. Dabei interessiert ihn eigentlich gar nicht das Geflügel, sondern die Eier. Wenn er aber durch die Panik des Federviehs selbst unter Stress gerät, reagiert er, indem er ein Blutbad anrichtet.

 Heutzutage fällt der Steinmarder, wie bereit erwähnt, in Wohnungebieten oft unangenehm auf, weil er Schläuche und Kabel an geparkten Autos zerbeißt. Der Baummarder hingegen gerät mit dem Menschen praktisch gar nicht in Konflikt, da er sich weitab von menschlichen Ansiedlungen aufhält und aufgrund seiner Seltenheit auch nicht viel Schaden an Klein- und Jungwild anrichten kann.

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4. März 2009 3 04 /03 /März /2009 12:10

Katzen sind faszinierende Wesen, so sagen jedenfalls Katzenliebhaber. Geheimnisvoll sind sie allemal. Keiner weiß, was in ihren hübschen Köpfen vorgeht, die sie so bezaubernd an unseren Händen reiben können. Oder doch? Akif Pirincci jedenfalls lässt in seinem Katzenkrimi „Felidae“ ein Spitzohr aus dem Nähkästchen plaudern.

Nach beinahe zwei Jahrzehnten schon fast ein Klassiker: „Felidae“ von Akif Pirinci, hier das Titelbild einer älteren Buchgemeinhafts-Lizenzausgabe ist mittlerweile auch als Taschenbuch erhältlich 


 Francis heißt der Protagonist und Held dieses Buches. Er ist ein äußerlich ganz gewöhnlicher – gibt es überhaupt ganz gewöhnliche Katzen? - schwarzer Kater mit viel Selbstbewusstsein, genauso viel Köpfchen und einer abgeklärten, geradezu philosophischen Sicht auf das Leben. Er lebt bei dem mehr als nur übergewichtigen Junggesellen Gustav, einem gelernten Archäologen, der sich aber als Schreiberling von Kurzromanen für Frauenzeitschriften über Wasser halten muss.

 Gustav spielt jedoch nur eine Nebenrolle in der Geschichte; meist muss er als abschreckendes Beispiel dafür herhalten, wie haushoch die Katzen uns Menschen überlegen sind. Wir sind nämlich aus kätzischer Sicht  zu nicht viel mehr als zum Dosen Öffnen zu gebrauchen.

 Francis ist hochgebildet und sich dessen bewusst, dass seine Art in früheren Zeiten als göttlich verehrt, später aber auch als teuflisch verfolgt wurde. Seine Bildung hat er sich großenteils dadurch erworben, dass er Gustav beim Lesen über die Schulter geschaut hat.

 Von anderen Katzen wird Francis differenziert wahrgenommen; einerseits gilt er als Klugscheisser, andererseits ist er es, dem sie folgen, wenn Köpfchen gefragt ist. So auch, als sich eine Serie geheimnisvoller Todesfälle unter den Katzen der Nachbarschaft ereignet.

 Francis und Gustav sind gerade in einem Viertel aus der Zeit der Jahrhundertwende zugezogen, das gerade wieder in Mode gekommen ist. Das Haus, in dem sie wohnen ist das letzte im Viertel, welches noch nicht renoviert wurde, und wirkt als könnte es jeden Moment in sich zusammenstürzen. Gustav hat ehrgeizige Renovierungspläne, während Francis einfach nur entsetzt ist.

 Als er die Gegend erkundet, findet er die erste, furchtbar zugerichtete Katzenleiche. Weitere mysteriöse Todesfälle unter den Katzen folgen. Francis geht der Sache nach und findet heraus, dass sich in dem alten Gemäuer, welches er mit seinem „Dosenöffner“ bewohnt, vor einiger Zeit grauenvolle Dinge abgespielt haben, die bis in die Gegenwart nachwirken.

„Felidae“ ist ein packend geschriebener Roman, den man durchaus als Horror-Krimi bezeichnen kann, obwohl er gleichzeitig auch recht amüsant ist. Dass von den schrecklichen Ereignissen „nur“ Katzen betroffen sind, vergisst der Leser schnell, denn der Protagonist Francis lässt ihn die Welt aus der Katzenperspektive sehen.

 Nicht nur die spannenden Handlung macht das Buch lesenswert, sondern auch die interessanten Informationen über Katzen, die zum Teil bereits geschickt in die Handlung eingebaut sind und zusätzlich von einem recht umfangreichen Anhang ergänzt werden. Dort finden sich Anmerkungen, die auch interessante Fakten über das geheimnisvolle Haustier enthält, die sicher nicht jeder Katzenliebhaber kennt.

„Felidae“ ist bereits 1990 erschienen, jedoch immer noch erhältlich. Der Vorteil dabei: Wer Lust auf mehr bekommt, muss nicht auf die weiteren Bände warten. Akif Pirincis Roman war nämlich der Auftakt zu einer ganzen Reihe Katzenkrimis mit Klugscheisser Francis. Die jeweils in sich abgeschlossenen Abenteuer sind mittlerweile alle erschienen und genauso lesenswert wie der erste Band. Ein echter Lesegenuss (nicht nur) für Katzenliebhaber!

Akif Pirinci
Felidae
Taschenbuch, 287 S.
Goldmann
ISBN 3442092981

 Buchsuche
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2. März 2009 1 02 /03 /März /2009 14:54

Ein katholischer Priester, ein evangelischer Pfarrer mit sehr modernen Ansichten und ein Prediger von einer Pfingstlergemeinde, alle drei aus dem Ländle treffen sich am See Genezareth. Da sie, trotz gewisser konfessioneller Unterschiede, dennoch alle Christen und auch Schwaben sind, beschließen sie, den Tag gemeinsam zu nutzen - und zwar mit einer gemütlichen Bootspartie.

 Als sie ein Stück entfernt vom Ufer faul im Boot vor sich hin dümpeln, bekommen sie Durst. Am Ufer steht ein Kiosk und verheißt eiskalte Limonade. Da es ihnen zu umständlich ist, wieder zur weit entfernten  Anlegestelle zu rudern, zum Kiosk zu laufen und dann auch noch den ganzen Weg zurück zu machen, verkneifen sie sich zunächst jedoch ihr Verlangen.

 Als der Durst aber immer stärker wird, erinnern sie sich daran, dass Jesus hier vor 2000 Jahren über das Wasser gelaufen sei. So kommt die Frage auf, ob ihnen das wohl auch möglich wäre?

 Der Pfingstler meint: "Es steht geschrieben, dass der Glaube alles möglich macht!" Er steigt aus dem Boot, läuft über das Wasser zum Kiosk und kehrt mit einer großen Flasche eiskalter Limonade zurück.

 Es dauert jedoch nicht lange, da ist die Limonade aus und die drei Schwaben bekommen schon bald wieder Durst. Der katholische Priester denkt sich: "Was der Ketzer kann, kann ich auch!" Er steigt also aus dem Boot, läuft zum Kiosk und holt Nachschub.

 Doch auch diese Flasche ist bald geleert und nun gerät der evangelische Pfarrer, der es schon die ganze Zeit nicht fassen kann, in Zugzwang. Er versucht es schließlich auch, fällt jedoch sofort mit einem lauten Klatschen ins Wasser.

 Meint der Pfingstler zum Priester: "Hano, bei ihrem evangelischen Kollegen scheint es ja wohl erheblich am Glauben zu mangeln..."

 Der Preister erwidert: "Ja mein Sohn, aber der Glaube allein tut es nicht, man muss auch wissen, wo die Steine liegen."

 Drauf der Pfingstler verwundert: "Welche Steine?"

 

 

 

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1. März 2009 7 01 /03 /März /2009 17:53

Der Nabu, der Naturschutzbund Deutschlund e.V. ist uns Jägern natürlich nicht besonders wohlgesonnen, das wissen wir. Um so netter, dass Gregor Beyer,  Leiter des Informationszentrums Blumberger Mühle im Norden Brandenburgs uns trotzdem Tipps gibt.

Wildschweine sind schlaue Tiere und nicht gerade leicht zu bejagen, da ist jeder fundierte Tipp willkommen

Gegenüber dem Hamburger Abendblatt erwähnte der gute Mann, nicht nur die uns ja bekannte Tatsache, das die Sauen sehr wohl wissen, was es bedeutet wenn ein Auto herfährt und die schlägt, sondern gibt noch einen wichtigeren Tipp:

"Ich habe selbst schon beobachtet, wie die Leitbache aus dem Unterholz kommt und misstrauisch kontrolliert, ob der Hochsitz besetzt ist. Sieht sie die Hände des Jägers dort oben, treibt sie ihre Rotte außer Schussweite."

Ob das wohl jeder gewusst hat? Es ist logisch, denn die hellen Hände fallen auf. Aber von selbst bin ich da noch nicht draufgekommen. Man lernt nie aus. Danke für den Tipp, Herr Beyer!

Vielleicht ist der Herr Beyer aber auch selbst Jäger, was eine Mitgliedschaft im Nabu ja nicht unbedingt ausschließt und umgekehrt. Viele von uns haben ja auch schon erlebt, dass man gerade mit den Nabu-Leuten an der Basis oft recht gut auskommen und sogar zusammenarbeiten kann.

Und hier geht es zu dem Artikel: "Wildschweine tricksen Jäger aus"

 Übrigens ist der Artikel ganz o.k., besser jedenfalls als das, was die Herren und Damen Journailleure (ich darf das sagen, bin ja selber einer) leider dann und wann über uns absondern.

Und noch was lustiges ist an der Sache:Der Beitrag wurde von den Fellbeisser Tierschutznachrichten verlinkt, wo ich ihn auch gefunden habe. Ob die den Text wirklich richtig gelesen haben oder nur die Überschrift? Es wird darin nämlich keineswegs die Notwendigkeit der Jagd bestritten, eher ist das Gegenteil der Fall.


Update 01.03.09: Mittlerweile habe ich erfahren, dass ich mit meiner Vermutung, dass Gregor Beyer selbst ein Jäger ist, richtig lag. Wie gesagt: An der Basis des Nabu gibt es in der Tat Leute, mit denen man auskommen kann. Die Ideologen findet man eher unter den Grüntischsitzern in den oberen Etagen, die von der praktischen Naturschutzarbeit ihrer Basis wohl kaum eine Ahnung haben.

Da wollen wir froh sein, dass es wenigsten an der Basis meist zwischen Jägern und Nabu-Leuten klappt!

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28. Februar 2009 6 28 /02 /Februar /2009 14:39

Wer auf die Jagd geht, weiß, dass nicht alle Menschen damit einverstanden sind, was er tut. Manche wollen davon nur ganz einfach nichts wissen, andere jedoch bezeichnen ihn als Tiermörder. Und auch unter den letzteren gibt es nicht wenige, die trotzdem mit gutem Appetit ihr Wiener Schnitzel oder ihren Schweinebraten verzehren, ohne darüber nachzudenken, dass die auch einmal herumgelaufen sind und mehr oder weniger fröhlich  gemuht bzw. gegrunzt haben.

 Ein wunderbarer Maimorgen, die Luft ist frisch und die Vögel zwitschern. Es ist gerade hell geworden und eine wundervolle Ruhe liegt über der Waldlichtung. Zwischen den Stämmen im angrenzenden Hochwald ist es noch stark dämmerig. Ein Rehbock tritt auf die Lichtung, sichert, kann keine Gefahr entdecken. Ruhig beginnt er das taunasse Gras abzuzupfen und äst sich langsam zur Mitte der Lichtung hin.

 Plötzlich ertönt ein scharfer Pfiff. Der Bock wirft das Haupt auf - da kracht auch schon der Schuss. Die Vorderläufe knicken dem Rehbock ein, er wird wieder hoch, wendet sich um und will dorthin  zurück flüchten, wo er hergekommen ist. Aber er schafft es nicht mehr. Ein wenig schlegelt er noch im taufeuchten Gras, dann kommt der Tod...

Geht hier ein Lustmörder frevelnd seinen verwerflichen Gelüsten nach? (Bild: A.K.)

 

 Gerade erst ist der LKW auf den Hof gerollt. Schon sind die Schweine abgeladen und werden in die Halle getrieben. Natürlich wollen sie da nicht hinein. Schweine sind intelligente und sensible Tiere, sie ahnen, was ihnen blüht.

In der Halle steht ein Mann mit einer großen Zange. Mit der packt er den Kopf eines jeden Schweins und schaltet den Strom ein. Ein paar Tausend Volt fetzen durch das Gehirn des Tieres. Es zuckt, bricht dann zusammen. Ein anderer Mann packt das Schwein, hängt es an den Hinterfüßen auf und säbelt ihm die Kehle durch. Blut strömt heraus, die weiße Gummischürze und die weißen Stiefel des Mannes sind über und über damit besudelt.

 Nach dem Ausbluten kommen die Schweine in das kochend heiße Wasser des Brühbades. Da wacht eines wieder auf, zappelt, quiekt. Ein Lehrling kreischt in Panik: "Das lebt noch, das lebt noch..." - "Du blöder Hund, stell Dich nicht so an!" brüllt der Geselle. Er nimmt den Spalter und schlägt auf das Tier ein, das nicht aufhören will zu zappeln und zu quieken. Erst der dritte, oder vierte Schlag hat ihm den Schädel so weit zertrümmert, dass es jetzt still im Wasser treibt wie seine Geschwister...

 

Leben ohne zu töten?

 Es gibt eine Menge Menschen, die lehnen beide beschriebenen Szenen ab, weil sie der Meinung sind, der Mensch habe kein Recht, Tiere zu essen. Das ist konsequent und man muss ein solche Meinung zunächst einmal respektieren, auch wenn man sie nicht teilt. Das Problem ist, dass solche Menschen oft versuchen, anderen ihre Meinung aufzuzwingen.

 

Für Vegetarier erlaubt, für Veganer verboten: Honig, Eier, Milch...

 

   Bei den "Nicht-Tieressern" muss man zwei Gruppen unterscheiden: Vegetarier und Veganer. Vegetarier essen lediglich kein Fleisch und keinen Fisch, verwenden jedoch Produkte von lebenden Tieren wie Eier, Milch und Honig. Das ist der anderen Gruppe, den Veganern, nicht konsequent genug. Sie lehnen jede Tiernutzung ab, zum einen aus dem prinzipiellen Grund, dass sie es für Ausbeutung des Tieres ansehen, zum anderen deswegen, weil auch die Gewinnung der Produkte vom lebenden Tier in der Regel nicht ohne Todesfällen abgeht:

 Im Prinzip dürfte es tatsächlich recht einfach sein, nach Art der Vegetarier auf Fleisch zu verzichten: Bei einer entsprechenden Mischung von pflanzlichen Nahrungsmitteln und der Ergänzung mit tierischen Eiweißen und Fetten aus Eiern und Milchprodukten dürften wohl kaum Mangelerscheinungen auftreten und ein Mensch der sich so ernährt lebt sicher tatsächlich gesünder als die Masse der Fleischesser. Wer das also aus Rücksicht auf seine Gesundheit so macht, wird damit wohl nicht schlecht fahren.

 Allerdings wird es ihm auch nicht schaden dann und wann ein wenig Fleisch zu essen. Mit dem Verzicht auf Fleisch verhindert er nämlich das Töten von Tieren nicht: In der Milchviehhaltung fallen Kälber gewissermaßen als Abfallprodukt an und werden - gemästet und geschlachtet. Hühner, die keine Eier mehr legen können, bekommen höchsten bei einer etwas verschrobenen Öko-Familienmutti das Gnadenbrot, in der Regel wandern sie in die Suppe. Und selbst bei der Imkerei werden immer wieder Bienen getötet, sei es als "Kollateralschaden" bei der Pflege und Honiggewinnung, sei es gezielt zur Krankheitsbekämpfung. Davon, dass das Gros der Vegetarier auch sonst jede Menge Produkte verwendet, für die Tiere gestorben sind - man denke mal nur an Leder - wollen wir hier erst gar nicht reden.

Vom Eise befreit... Kaum spielt das Wetter mit, zieht es den zivilisationsgebleichten und weichgespülten Städter hinaus zu Mutter Natur, wie hier am weißen Kocher bei Aalen-Unterkochen. Es sei ihm gegönnt, zumal es sein gutes Recht ist. Problematisch jedoch ist, dass ihm oft nicht so recht gefallen mag, was der Jäger dort tut...

  Wer also aus Tierliebe "nichts isst, was einen anschauen kann", betrügt sich im Grunde lediglich selbst. Auf dieser Tatsache setzt die Argumentation der Veganer auf, der anderen Gruppe vom Menschen, die aus Tierliebe auf das Töten von Tieren verzichten möchten. Sie wollen konsequent auf Tiernutzung verzichten; viele von Ihnen lehnen es sogar ab, einen Hund oder eine Katze zu halten. Außer dem selbstverständlichen Verzicht auf Fleisch bedeutet dies: Keine Milch, keine Eier, kein Honig, kein Leder...

 Kein Leder? Aus was sind denn dann die Schuhe dieser Leute? Aus Bast vielleicht? Aus was ihre Taschen und Koffer? Aus Leinen und Holz? Die Antwort wird die meisten erstaunen: Viele Veganer argumentieren nämlich damit, dass es heute genügend Kunststoffe gibt, die Leder ersetzen können. Damit beißt sich ihre Anschauung jedoch mit derjenigen der Umweltschützer, Bio- und Öko-Freaks, unter denen man ja die meisten Vegetarier findet und die natürlich aus Umwelt- und Gesundheitsgründen (und keineswegs ganz zu Unrecht!) gegen Kunststoffe sind. Offenbar steckt der Öko-Fundi in der Misere, dass er zumindest eines seiner Anliegen opfern muss: Entweder unterstützt er die Tiermörder-Mafia oder die petrochemische Industrie...  Diese Dogmenkollision hindert beide Gruppierungen jedoch nicht, sich darin einig zusein, wo sie einen ihrer Hauptfeinde ausgemacht zu haben vermeinen: Im bösen, grünen Mann nämlich, der durch den Wald schleicht und herzige Tierlein meuchelt.

 Mit diesem Bild vom bösen Tiermörder transportieren die beiden Gruppen der Fleischverzichter Teile ihrer Ideologien nun auch zu einer dritten Gruppe von Leuten, die Probleme mit der Jagd haben. Das sind Leute, die oft von der Natur nicht viel Ahnung haben aber doch gerne zu ihr zurück wollen, wenn auch in der Regel möglichst nicht zu Fuß. Diese Leute sind meist in der Stadt aufgewachsen und nicht selten von dort aufs Land gezogen, zumindest pilgern sie des Sonntags dorthin um sich in Wald und Flur zu ergötzen und ihren Kindern das Reh zu zeigen, das ja bekanntlich die Frau vom großen Hirsch ist.

  Dort kommen Sie dann zuweilen mit dem in Berührung, was der Jäger tut. Manchmal - ja, natürlich, auch unter Jägern gibt es Arschlöcher - treffen sie mit einem üblen Exemplar dieser Gattung zusammen, der im Gefühle vermeintlicher Polizeigewalt den Bürger des Waldes verweisen möchte oder gar droht ihm den Hund zu erschießen. Solch eine Begegnung braucht es meist noch nicht

Das Töten von Tieren um zu essen gehört zum Leben. Es schadet auch ganz und gar nichts wenn Kinder das frühzeitig erfahren


 einmal, fast jeder kennt einen, der einen kennt, dem so etwas widerfahren sei. Und, schließlich, das müssen ja doch wohl ganz gefühllose und rohe Burschen sein: Die hocken im Hinterhalt und nieten die nichts ahnenden, friedlichen und fröhlichen Tierlein ab....

 

Unheimliche Begegnung in der Morgenstunde

 Einer ist vielleicht Naturliebhaber und Frühaufsteher, geht schon morgens mit seinem Hund im Wald spazieren. Dort wird er Zeuge einer Szene, wie sie als erste der beiden am Anfang dieses Textes geschildert wird: Da geht doch einer tatsächlich her und bringt in aller Öffentlichkeit das um, was er essen will. Und noch dazu so ein niedliches Reh! Das passt nicht in die Gefühlswelt des urbanen Gutmenschen. Der Tod ist etwas das man versteckt. Einer der das Gewehr an die Backe nimmt, kalten Blutes zielt, abdrückt und tötet - und das in aller Öffentlichkeit und im friedlichen Wald...

 Was geht in so einem eigentlich vor? Schließlich kann er jetzt nicht am erlegten Stück stehen ohne sich darüber klar zu sein, das jedes Leben einmal zu Ende geht, auch seines. Dies nicht zu verdrängen ist ja geradezu obszön! Das passt nicht in unsere Zeit! Warum ist das eigentlich noch nicht verboten?

 Kopfschüttelnd geht unser Naturfreund jetzt nach Hause und erzählt beim Frühstück seiner Frau von dem skandalösen Tun des grünen Unholds. Auf dem Tisch stehen Eier von Käfighühnern und Schinken, der sehr gut von dem Schwein aus der zweiten der beiden zu Anfang geschilderten Szenen stammen könnte. Und in den nächsten Ferien fährt die Familie auf den österreichischen Bergbauernhof, damit die Kinder auch mal mit Tieren zusammen sein können. Mit den netten Haflingerfohlen etwa, die es dort jedes Jahr gibt und die am Saisonende zum Schlachten nach Italien kommen, weil im nächsten Jahr für die kleinen Gäste wieder neue, ganz junge Kuscheltiere her müssen...

 

Ist der Jäger nun ein Mörder?

 Ganz klar ist eines: Ein Tier das man essen will, muss man töten. Der moderne Mensch leistet sich den Luxus, dieses Töten zu delegieren, zu verstecken, zu verdrängen. Tod und Grauen des Schlachthauses werden züchtig verborgen hinter dem Chromnickelstahl der Fleischtheke und dem bunten Etikett der Würstchendose. Die meisten derjenigen, die latent gegen Jagd und Jäger sind, stören sich nicht am Horror der Massentierhaltung, essen Fleisch aus dem Schlachthof und Eier aus Hühner-KZs. Sie haben im Grunde außer Gefühlsduseleien ("arme Tiere", "böser Jäger", "Meuchelmord" etc.)keine Argumente gegen die Jagd, wählen aber oftmals Parteien, die von radikalen Tierrechtlern beeinflusst und gegen die Jagd sind bzw. müssen zumindest als Stimmvieh von den anderen Parteien in diese Richtung bedient werden.

Ein erlegter Frischling, ein Ferkel vom Wildschwein: Natürlich ist das kein schöner Anblick, aber das ist der Tod selten oder nie. Dieses Stück Wild hat jedoch besser gelebt als ein Hausschwein

Die radikalen Tierrechtler, in der Regel sind sie Veganer, jedoch meinen Argumente zu haben. Sie stellen die Behauptung auf, dass das Töten von Tieren genauso verwerflich sei, wie das Töten von Menschen. Es gibt hier übrigens im wesentlichen zwei Gruppen, die sich auch noch gegenseitig spinnefeind sind und von zwei ganz unterschiedlichen, ja sogar gegensätzlichen Standpunkten aus argumentieren: Die eine Gruppe der Jagdgegner besteht aus Atheisten, die andere aus religiösen Fanatikern.

  Die religiösen Fanatiker behaupten, dass Gott dem Menschen verboten hätte, Tiere zu töten. Das ist eine recht haltlose Behauptung, denn in keiner der heiligen Schriften der Weltreligionen findet sich ein solches Verbot. Wohl steht in der Schöpfungsgeschichte in unserer Bibel, dass Gott den Menschen die Früchte der Bäume zur Nahrung bestimmt hat, aber das war noch im Paradies. Bei den Propheten findet sich die Vision vom Friedensreich, wo der Löwe neben dem Lamm Gras frisst und ein Knabe beide hütet. Das erste jedoch war vor dem Sündenfall, das zweite wird nach der Wiederkunft Christi sein. Wir leben in der Zeit dazwischen, in der gefallenen Welt, zu welcher der Tod gehört und in der man praktisch nicht leben kann ohne Tiere zu töten. Dass Gott das Töten von Tieren zu Nahrungszwecken nicht verbietet, geht schon aus den Speise- und Opfervorschriften des Alten Testaments hervor. Und auch im Neuen Testament wird Fleisch gegessen, sogar Jesus tut das. Selbst nach seiner Auferstehung isst er übrigens noch an einer Stelle einen gebratenen Fisch. Ein Verbot des Fleischessens lässt sich so ohne weiteres aus der Bibel wohl kaum ableiten.Das gleiche gilt für die Bhagavad Gita und erst recht für den Koran

  Diese Klippe umschiffen die Jagdgegner und Veganer der atheistischen Fakultät elegant, indem sie ganz einfach Religion für ungültig und für Volksverdummung erklären. Sie heben den Unterschied zwischen Mensch und Tier auf und stellen fest, dass der Mensch auch nur aus der gleichen Ursuppe komme wie die Tiere. Folglich hätte er kein Recht, sich über sie zu erheben und sich die Erde untertan zu machen.

 Diese Argumentation klingt zunächst griffig, hat aber schon einmal den Haken, dass sie die Frage aufwirft, warum der Mensch dann als ganz normaler Bestandteil der Ursuppe nicht am großen Weltenspiel des Fressens und Gefressenwerdens teilnehmen dürfe? Daraufhin kommen dann in der Regel schwammige Argumentationsversuche mit Ethik und Vernunft, die wir im Gegensatz(!) zum (uns doch angeblich gleichwertigen) Tier hätten.

 Wenn man jedoch die Existenz eines Gottes in Abrede stellt, wer legt dann die ethischen Maßstäbe fest? Vor wem soll sich der Mensch dann verantworten müssen? Wenn es keinen Gott gäbe, dann gäbe es auch keine Moral, weil dann auch keine Autorität da wäre, die berechtigt ist moralische Regeln aufzustellen. Jeder könnte dann mit dem Recht des Stärkeren das tun, woran andere nicht in der Lage sind ihn zu hindern, so wie das etwa bei Nietzsches Philosophie der Fall ist.

 Es zeigt sich bei ein wenig Nachdenken also ganz klar: Weder mit noch ohne Annahme eines Gottes lässt sich belegen, dass das Töten von Tieren zur Nutzung durch Menschen unmoralisch wäre. Es verbleibt also die Frage, ob denn dann, wenn schon die Tierhaltung und das Schlachten akzeptabel und moralisch gerechtfertigt sind, nicht doch wenigstens das Töten von wild lebenden Tieren heimtückisch und gemein wäre?

Auch dieses Jungrind ist für den Teller des Verbrauchers bestimmt. Ob er vorher noch eine ähnliche Lebensqualität haben wird wie ein Stück Wild?

 Nun, jedes Lebewesen will wohl leben. Aber das Fressen und gefressen Werden ist nun einmal Bestandteil der Natur. Wenn es nicht der Jäger ist, der ein Stück Wild tötet, dann wird es eventuell einem Raubtier zur Beute oder wird das Opfer von Parasiten. Das vom Jäger waidgerecht erlegte Wild ist in der Regel noch besser dran als das, welches einem Raubtier zum Opfer fällt, denn der heutige Jäger kann es sich leisten, möglichst schnell und schmerzlos zu töten, denn er hat die technischen Mittel dazu, ist nicht unbedingt auf seine Beute angewiesen und kann daher auch einmal auf die Erlegung verzichten, wenn ein sicherer Schuss nicht möglich ist.

  In jedem Falle ist das Wild besser dran, als das Nutzvieh. Es verbringt sein Leben in Freiheit und in einem weitgehend artgerechten Lebensraum, was man von Nutzvieh nicht behaupten kann. Unter diesem Aspekt betrachtet kann man ein Stück Wildpret also mit einem besseren Gewissen essen als ein Stück Fleisch von einem Haustier. Und wenn man selbst Fleisch isst, kann man dann den, der es beschafft, sei es der Metzger oder der Jäger, als Mörder bezeichnen?

  Wer Tierleid verhindern möchte, erreicht dies nicht, indem er die Jagd bekämpft. Die Jagd liefert, wie Bauernhöfe mit artgerechter Haltung und Schlachtung auf dem Hof, Fleisch von Tieren, die ein lebenswertes Leben und ein relativ schmerzloses und angstfreies Ende gehabt haben. Natürlich ist solches Fleisch teurer als das industriell erzeugte. Wir müssen aber nicht so viel Fleisch essen, wie das bei uns üblich ist. Wer weniger Fleisch, dafür aber Wildpret und Fleisch aus artgerechter Haltung kauft, gibt auch nicht mehr aus, verhindert aber tatsächlich Tierleid und tut seiner Gesundheit etwas Gutes.


Update 01.03.08: Hier steht übrigens ein Artikel, der die vegane Ernährung und ihre Vorzüge preist: veggie atzen

Ich habe natürlich dort auch per Kommentar diesen Beitrag verlinkt und bin gespannt, ob der Betreiber diesen Kommentar auch freischaltet... ;-)

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27. Februar 2009 5 27 /02 /Februar /2009 18:24

Dieser Witz wird leider meist einer verkürzten und verballhornten Form erzählt. Vielleicht liegt das daran, dass sich viele Leute nicht alle drei Verse des Gedichtes merken können, das den Kern der Geschichte bildet. Die komplette Fassung lautet folgendermaßen:

Die Kinder bekommen in der Schule in Deutsch als Hausaufgabe auf, ein Gedicht zu schreiben. Und zwar soll dieses Gedicht drei Verse mit je vier Zeilen haben, wobei in jedem Vers das Wort "wahrscheinlich" vorkommt.

Bei Fritzchen zuhause hat man einen Bauernhof. Er setzt sich ans Wohnzimmerfenster und guckt auf den Hof, in der Hoffnung, dass dort etwas passieren wird, was ihm als Stoff zu seinem Gedicht dienen kann.

Er wartet noch nicht lange, da geht die Magd mit einem Korb über den Hof zur Scheune und verschwindet. Fritzchen denkt sich: "Aha, das ist schon mein erster Vers" und schreibt:

Die Magd geht über'n Hof
Sie ist jung und scheu
Sie trägt den großen Kretzen
Wahrscheinlich holt sie Heu.

Kurz darauf geht der Knecht mit einer Gabel über den Hof, ebenfalls zur Scheune. "Gut," denkt sich Fritzchen, "das ist bereits der Stoff für den zweiten Vers." Er schreibt:

Der Knecht geht über'n Hof
Er ist jung und froh
Er trägt die große Gabel
Wahrscheinlich holt er Stroh.

Jetzt passiert ein ganze Weile gar nichts. Fritzchen wird irgendwann ungeduldigt, schlüpft aus dem Haus, pirscht sich über den Hof und guckt durch eine Ritze des Scheunentors. Er nickt kurz, kommt zurück und schreibt seinen dritten und letzten Vers:

Die Magd liegt tot am Boden
Der Knecht auf ihrem Bauch
Er zappelt noch ein wenig
Wahrscheinlich stirbt er auch...

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