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  • Publizist und Freier Dozent, von Hause aus Ingenieur sowie gelernter Mechaniker und gelernter Maurer, Querdenker, Naturfreund und -nutzer, technisch interessiert aber auch technikkritisch, glaube nicht alles was mir erzählt wird.
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Andreas Quiring  

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Biohof-Gemeinschaft Baum des Lebens

1. November 2011 2 01 /11 /November /2011 11:12

Der November ist der Totenmonat. Schon Ende Oktober machen die Gärtner Überstunden, um den vielen Grabschmuck herzustellen, den die Leute für Allerheiligen bestellen. Die Bäume werden kahl, es wird kälter, dunkler und der Nebel tut ein übriges dazu, die Stimmung düster werden zu lassen.

Kahler Baum Feldkreuz Bank im Herbst 

   Auch diese Zeit gehört zum Jahreslauf, auch wenn die Geschäftswelt versucht sie auszublenden und, kaum dass die Sommerferien vorbei sind, anfängt Weihnachtskram zu verkaufen. Ich mochte den Herbst und den Nebel übrigens schon als Kind. Die Welt um uns herum wird klein, überschaubar und heimelig, wenn wir bei Nebel aus dem Fenster sehen oder spazierengehen.

   Die Natur geht schlafen, die letzten Blätter fallen von den Bäumen. Natürlich sieht alles ein wenig traurig aus, so kahl und grau. Dazu passen besinnliche Gedanken, auch solche an den Tod, an Menschen, die einmal waren und nicht mehr sind und auch daran, das wir einmal nicht mehr sein werden.

     Vieles Einzelne stirbt, aber das große Ganze geht lediglich schlafen. Der Schnee, der hoffentlich bald kommt, ist kein Leichentuch, sondern eine warme Bettdecke für alles, was darunter dem nächsten Frühling entgegen schläft. Schon Ende November kommt aber bei näherem Hinsehen mit dem ersten Adventssonntag, der bereits auf Weihnachten, auf die Sonnwende und damit auf das neue Frühjahr weist, der erste kleine Hinweis darauf, dass Herbst und Winter, genausowenig wie der Tod, etwas endgültiges sind.

     Aber erst müssen wir durch durch den Totenmonat. Wer versucht, sich da drum herum zu mogeln und sich den düsteren Tagen nicht stellen will, nimmt sich auch ein Stück weit die Freude am Advent und an Weihnachten.

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29. Oktober 2011 6 29 /10 /Oktober /2011 09:37

herbstwald

  Heute nacht wird mal wieder die Zeit umgestellt, und natürlich wird wieder hier und da und dorten darüber gejodelt, wie blöd, wie ungesund und wie was weiß ich was noch der Wechsel zwischen Normal- und Sommerzeit doch sei. Also, ich habe keine Probleme damit, sondern finde die Sommerzeit sogar sehr angenehm. Es ist doch schließlich ganz normal, wenn man in der hellen Jahrezeit ein wenig früher aus den Federn kriecht als in der dunklen.

  Ich will mich hier jetzt nicht weiter darüber verbreiten, weil ich das letztes Jahr bereits im Frühjahr und im Herbst in zwei Artikeln hier auf dem Blog getan habe. Also, auch wenn ich natürlich Herbst und Winter genauso genieße, wie Frühling und Sommer: Ich freue mich schon wieder auf das nächste Frühjahr und die Sommerzeit. Also, liebe Journalisten-Kollegen: Genießt die Jahrezeiten, freut Euch des Lebens und lasst das blöde Gebarme über die Zeitumstellung!

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23. Oktober 2011 7 23 /10 /Oktober /2011 14:06

Wir leben, so hört man öfter, in Zeiten des Turbo- oder Raubtierkapitalismus – und das sei der Grund für die alltägliche Abzocke, die Verarmung breiter Bevölkerungschichten und das Verschwinden des Mittelstandes. Kapitalismus, so wusste Marx, führt zur Verelendung. Möglich wurde der Kapitalismus, so die Historiker, durch die Industrialisierung. Aber was genau ist Kapitalismus,wie funktioniert er und was ist das Problem dabei?

   „Im Kapitalismus beutet der Mensch den Menschen aus, im Sozialismus ist es umgekehrt“, lautet ein abgedroschener Kalauer, der allerdings mehr über das Wesen des Menschen als über die Funktionsweise gesellschaftlicher Systeme aussagt. „Im Kapitalismus besitzt der Kapitalist die Produktionsmittel und enthält dem Arbeiter den Mehrwert vor“, ist ein Schlagwort, das zwar tatsächlich etwas über den Kapitalismus als gesellschaftliches System aussagt, aber nicht ausreicht, um das Phänomen des Turbokapitalismus und seiner Folgen zu erklären.

   Richtiger wäre zu sagen: „Kapitalismus ist, wenn mit Geld Geld verdient wird.“ Das, was wir derzeit täglich aus Mainstream- und (hoffentlich auch) alternativen Medien über die „Finanzindustrie“ mitbekommen, passt zu dieser Aussage und legt nahe, dass es die Sache trifft. Allerdings ist diese Aussage selbst nur die Oberfläche, man sollte sie doch ein wenig hinterfragen und erforschen, wie Kapitalismus eigentlich funktioniert.

Kapitalismus und Feudalismus

   Soweit sich die Ausbeutung von arbeitenden Menschen durch Kapitalisten je allein oder überwiegend auf das Eigentum an den Produktionsmitteln – Maschinen, Fabriken usw. - gestützt hat, unterscheidet er sich nicht wirklich vom Feudalismus. Dem Kapitalist aus der Gründerzeit mit Zigarre und Zylinderhut ist der Eigentümer der Fabrik und entscheidet, wer bei ihm arbeiten darf. Da es mehr Arbeitskräfte gibt, als er benötigt, bestimmt er - Vogel friss oder stirb – den Preis der Arbeit. Wer nicht für den vom Unternehmer gebotenen Lohn arbeiten will, braucht ja schließlich nicht zu kommen. Deswegen kann der Fabrikant den Arbeiter um den so genannten Mehrwert prellen, also um den Betrag, den die Wertschöpfung des Arbeiters seinen Lohn übersteigt.

Barmen1870

So wie das Bild der Industrielandschaft...

 

   Diese Form des Kapitalismus unterscheidet sich jedoch nicht wesentlich vom Feudalismus. Auch in diesem System hatte der Ausbeuter, der Grundherr in diesem Falle, die Verfügungsgewalt über die Produktionsmittel. Wenn ihm das Land auch in vielen Fällen gar nicht selbst gehörte, weil er damit nur belehnt war, spielt das keine Rolle. Er hatte in jedem Falle die augenblicklich Verfügungsgewalt und konnte mit seinen Bauern machen was er wollte, so dass diese gezwungen waren, für das zu arbeiten, was der Grundherr ihnen nicht in Form von Abgaben abpresste. Dass die Bauern, anders als die Arbeiter im Kapitalismus, nicht nur aus praktischen Gründen, sondern auch rechtlich gezwungen waren, bei ihrem Ausbeuter zu bleiben, spielt dabei eigentlich gar keine Rolle.

   In beiden beschriebenen Fällen tragen die Ausbeuter auch gewisse unternehmerische Risiken. Sie können Verluste erleiden, die sie nur in gewissen Grenzen auf die Arbeiter bzw. Bauern abwälzen können. Ein Fabrikherr kann bei schlechter Marktlage zwar die Löhne kürzen, um seinen Gewinn nicht schmälern zu müssen. Wenn er aber gar nichts mehr verkaufen kann, ist er am Ende. Genauso kann der Feudalherr zwar trotz schlechter Ernte die üblichen Abgaben verlangen. Wenn aber etwa aufgrund einer außerordentlichen Naturkatastrophe oder Kriegseinwirkung gar nichts geerntet wird, bekommt auch er nichts. Wenn der Fabrikherr falsche unternehmerische Entscheidungen trifft, kann er sich ruinieren und auch ein Feudalherr kann sicherlich Fehler machen, die ihn sein Lehen kosten.

Ist der Kapitalismus schlecht?

   Der Kapitalismus in der beschriebenen Form ist, das darf man sagen, gar nicht einmal so schlecht. Die Entwicklung im 19. Jahrhundert ging ja dahin, dass immer mehr Fabriken gebaut und immer mehr Arbeiter gebraucht wurden, nicht nur ungelernte, sondern auch Facharbeiter. Dadurch sowie durch Solidarität und Organisation gelangten die Arbeiter in eine Position, in der sie gewisse Möglichkeiten hatten, über ihren Lohn zu verhandeln. Man muss auch bedenken, das in einem Land, das größtenteils für den Eigenbedarf produziert, die Arbeiter des einen Unternehmens das kaufen müssen, was andere Unternehmen produzieren. Daher hat der Unternehmer ein gewisses Interesse daran, dass die Arbeiter Geld verdienen, auch wenn der einzelne Fabrikant natürlich am liebsten möchte, dass nur die anderen mehr Lohn zahlen. Der Umstand, dass dies bei uns heute nicht mehr so ist, spielt für unsere derzeitige Lage übrigens auch eine Rolle, aber das habe ich in einem anderen Artikel bereits untersucht und will es daher hier nicht vertiefen.

   Man neigt heute in gewisser Weise dazu, die Kaiserzeit mit dem Dritten Reich über einen Kamm zu scheren. Dabei wird dann nicht nur vergessen, dass sich die Menschen damals bereits mehr und mehr demokratische Rechte erstritten, sondern auch, dass es bereits damals einen – zwar noch sehr bescheiden, aber immerhin – wachsenden Wohlstand auch bei Arbeitern gab. Dass ein gut verdienender Facharbeiter damals weniger hatte als heute ein Hartz-4-Empfänger, liegt daran, dass die Produktivität natürlich damals wesentlich geringer war als heute.

   Daher meine Aussage, dass der oben gedachte Kapitalismus gar nicht so schlecht sei. Vor allem ist es aber auch so, dass in einem solchen System immer ein gewisser Spielraum für das Erkämpfen von Teilhabe da ist. Diesen Spielraum gibt es jedoch im heute real existierenden Kapitalismus kaum noch wie wir gleich sehen werden.

Der moderne Kapitalismus oder Turbokapitalismus

     Wie der moderne Kapitalismus funktioniert und wie er sich vom „Kapitalismus alter Schule“ unterscheidet, macht man sich am besten an einem Beispiel klar. Nehmen wir an, jemand hat 500.000 Euro bar verfügbar und überlegt sich, was er mit diesem Geld anfangen könnte. Zunächst denkt er daran, sich selbständig zu machen und das Geld in die notwendige Ausrüstung zu investieren. Bei näherem Hinsehen stellt er jedoch fest, dass dies keine so gute Idee sei: Als Unternehmer trägt er ja Risiken. Wenn seine Pläne nicht aufgehen, kann er alles verlieren. Und außerdem müsste er als Unternehmer ja auch noch arbeiten, was ja schließlich nicht angeht, wenn man 500.000 Euro hat.

   Nun hat dieser Zeitgenosse einen Bekannten, der sich auch gerne selbständig machen würde, weil er mit seiner Situation als Arbeitnehmer unzufrieden ist. Er möchte mehr Geld verdienen, ein höheres Sozialprestige genießen und ist auch bereit, dafür entsprechend zu arbeiten. Er besitzt zwar ein Haus im Wert von 500.000 Euro, hat aber kaum nennenswert Bargeld für den Start in die eigene Existenz. Jetzt schlägt unser erster Freund ihm ein Geschäft vor: Er leiht ihm seine 500.000 Euro zu 7% Zins p.a. Als Sicherheit akzeptiert er das Haus.

Aalen004

... hat sich auch der Kapitalismus gewandelt

 

   Das ist so ziemlich das beste Geschäft, dass unser schlauer Geldbesitzer machen konnte. Er hat jetzt aus seinem Geld ein Einkommen von 35.000 Euro im Jahr, ohne dass er dafür zu arbeiten braucht. Wenn das neue Geschäft von seinem Schuldner gut anläuft, wird dieser den Kredit in der vorgesehenen Zeit abbezahlen können, der Gläubiger hat dann sein Geld plus Zinsen zurück und kann nach einem neuen derartigen Geschäft Ausschau halten, wenn nicht gar der alte Schuldner dieses Geld gleich wieder ausleihen will, um sein Geschäft zu erweitern.

   Läuft es weniger gut und unser Existenzgründer nimmt nur soviel ein, dass er gerade mal die Zinsen bezahlen, nicht jedoch tilgen kann, ist das für den Gläubiger auch kein Problem: Solange die eigentliche Schuld noch in voller Höhe besteht, kassiert er ja auch jedes Jahr den Zins in voller Höhe.

   Schlecht zu schlafen braucht er auch nicht, denn wenn das Geschäft unseres Jungunternehmers irgendwann je so schlecht gehen sollte, dass der nicht mehr zahlen kann, sagt der Gläubiger ganz freundlich: „Mach dir mal kein Sorgen. Du gibst mir einfach dein Haus und dann bist du deine Schulden los....“ So hat er sein ursprünglich eingesetztes Kapital in Form des Hauses zurück, dass er, wenn er will, veräußern und den Erlös wiederum investieren kann. Und selbstverständlich hat er über die Jahre eine ganze Stange Geld in Form von Zinsen eingestrichen, ohne dass er dafür arbeiten musste.

   Unser Jungunternehmer hingegen hat die A....karte gezogen: Er hat jahrelang geschuftet, schaut dafür mit dem Ofenrohr ins Gebirge und sein Haus ist auch noch weg. Dafür weiß er aber jetzt genau, was Kapitalismus ist: „Kapitalismus ist, wenn mit Geld Geld verdient wird.“ Der Clou dabei: Es wird nicht nur der Arbeiter, sondern auch noch der Unternehmer ausgebeutet.

Ein Problem unserer Wirtschaft

   Zugegeben, dieses Beispiel ist ein wenig vereinfacht. In der Realität wäre sehr wahrscheinlich eine Bank dazwischen geschaltet, so dass der Gläubiger den Schuldner gar nicht zu kennen braucht. Dieser hätte sich das Geld von der Bank geliehen, dass der andere dort angelegt hat. Die entscheidende Wirkung dieses Mechanismus bleibt jedoch bestehen: Wer Geld hat, gründet nicht, sondern lässt gründen und kassiert Zinsen. So geht er keinerlei Risiko ein: Egal, ob die Firmen, in denen sein Geld letztendlich steckt, gut oder schlecht läuft, seine Zinsen verlangt er so oder so.

   Durch diese Form des Kapitalismus entsteht eine ganz andere Art von Klima, indem sich die Unternehmer bewegen. Ein „Kapitalist alter Schule“, dem die Fabrik selbst gehört, kann natürlich das Geld, was der Fabrikant auf Pump in Form von Zinsen für seine Schulden abführen muss, selbst einstecken. Er kann es reinvestieren und/oder Rücklagen bilden, mit denen er auch einmal über eine geschäftliche Flaute kommt, ohne wertvolle Fachkräfte entlassen zu müssen und eventuell auch besser bezahlen um bessere Leute zu bekommen. Kurz, er kann sein Unternehmen mit Blick auf die Zukunft und mit der gewissen Kontinuität führen, die das Kennzeichen einer soliden Firma ist.

   Der neumodische Fabrikant auf Pump hingegen hat seine Schulden im Genick und muss ständig auf kurzfristige Profite sehen, damit er seinen Kredit bedienen kann, anstatt auch Geld in Dinge zu stecken, die sich mittel- und langfristig auszahlen. Wenn das Geschäft gerade einmal nicht brummt, hechelt er den Zinsterminen hinterher und ist wesentlich schneller gezwungen, auch gute und wichtige Mitarbeiter zu entlassen.

   Genau das merkt man aber auch im Unternehmen: Wenn das auf kurzfristigen Profit aus sein muss, kann es seine Mitarbeiter nicht angemessen pflegen. Wenn man Mitarbeiter jedoch nicht hegt und pflegen, leidet die Arbeitszufriedenheit. Die Arbeitszufriedenheit jedoch ist der entscheidende Faktor für die Qualität der Erzeugnisse, auch wenn das nicht in der ISO 9000 ff. steht.

Arbeitnehmerrechte aushebeln leicht gemacht

   Wie hieraus klar wir, beutet der moderne Kapitalismus nicht nur den Arbeiter, sondern auch den Unternehmer aus. Da dieser aber nicht Unternehmer geworden ist, um zu darben, und auch die Möglichkeiten dazu hat, wälzt er seine Lasten auf seine Arbeiter ab. Er beutet sie einfach noch schärfer aus, damit ihm trotz schlechterer Bedingungen möglichst so viel bleibt, wie er sich eben unter dem angemessenen Einkommen eines Unternehmers vorstellt.

   Natürlich kommt es nicht besonders gut bei den Mitarbeitern an, wenn man heute aufgrund der schlechten Wirtschaftslage den Lohn kürzt und morgen schon wieder einmal mit einem fabrikneuen Daimler aufkreuzt. Sie können dagegen jedoch nichts machen, denn erstens gibt es genug Leute, die man einstellen kann, wenn welche die Nase voll haben und gehen. Zweitens ist es anderswo auch nicht besser.

   So verliert natürlich auch die schärfste Waffe des Werktätigen ihre Wirkung, der Streik. Wenn ein Unternehmer selbst, zwar auf hohem Niveau aber eben doch, von der Hand in den Mund lebt, kann man ihn kaputt streiken, ohne dass er höhere Löhne zahlt – ganz einfach, weil er nicht kann. Er ist im Grunde nicht mehr als ein gut bezahlter Großknecht der Anleger, deren Geld über die Bankkredite im Unternehmen steckt. Die verlangen ihre Zinsen nämlich so oder so, ob es dem Unternehmen schlecht oder gut geht.  Wenn man so will, ist die Trennung von Unternehmer und Kapitalgeber der Turbolader, der den "Kapitalismus alter Schule" vom Turbo-Kapitalismus unterscheidet.

   Da die Gelder der Anleger durch die Banken gebündelt und wieder verteilt werden, macht es noch nicht einmal etwas aus, wenn bei dieser Wirtschaftsform hin und wieder ein Unternehmen Pleite macht: Die Forderungsausfälle, die dann entstehen werden zumindest zu erheblichen Teilen durch die Sicherheiten gedeckt, welche die Fabrikanten auf Pump stellen mussten; ein weiterer Teil kommt aus der Verwertung des Sachvermögens bei der Insolvenz zurück. Und wenn am Schluss doch noch je ein paar Verluste übrig bleiben, wird das durch das mehr als kompensiert, was die verbleibenden Unternehmen in diesem System mit ihren Zinsen mehr an Gewinn ranschaffen als im „Kapitalismus alter Schule“.

Die Sinnlosigkeit dieses Systems

   Im Prinzip genauso wie der Mittelstand mit seinen Fabrikanten auf Pump funktionieren die Großunternehmen, die von Managern geführt werden und „Investoren“ gehören. Der Manager hat auch hier nicht für einen realen Wert, also echte Wirtschaftskraft seines Unternehmens zu sorgen, sondern für Shareholder Value, also angeblich verbesserte Rentabilität, die in Wirklichkeit meist eine Schädigung bedeutet, etwa wenn man Leute entlässt, damit Knowhow wegwirft und auf längere Sicht die Leistungsfähigkeit aushöhlt.

   Die Effekte dieses Systems kennen wir: Unternehmerische Entscheidungen werden nicht im Hinblick auf die nachhaltige Wirtschaftskraft eines Unternehmens getroffen, sondern dienen lediglich kurzfristigen Gewinnen, die oft genug bei näherem Hinsehen lediglich auf dem Papier gemacht werden. Der „Investor“ ist nicht an der längerfristigen Tragfähigkeit eines Unternehmens interessiert; er zieht einfach   sein Geld heraus, wenn die Rendite nicht mehr stimmt; was dann mit der Firma passiert, spielt für ihn keine Rolle.

   Das eigentlich Perverse an dieser Sache ist, dass heute, anders als im Feudalismus und im frühen Kapitalismus, gar nicht mehr persönliches Wohlleben der Zweck der Ausbeutung ist. Ob ein Unternehmen zehn oder hundert Milliarden wert ist, macht im Grunde für die Manager und Investoren schon gar mehr nichts aus: Sie haben so oder so alles, was man für Geld kaufen kann.

     Was bleibt, ist bei genauem Hinsehen lediglich ein sich Aufgeilen an immer höheren Zahlen, also nichts Anderes als ein Dienst am Götzen Mammon – und das auf Kosten der arbeitenden Menschen und derer die gerne arbeiten würden, aber in diesem System keinen Platz mehr haben, weil sie zwar längerfristig ein Gewinn für ein richtiges Unternehmen wären, aber den Shareholder Value nicht kurzfristig erhöhen. Und hinter all dem steckt in letzter Konsequenz der Zins, denn nur der ermöglicht es, mit Geld Geld zu verdienen.

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22. Oktober 2011 6 22 /10 /Oktober /2011 12:33

Mittlerweile sollte eigentlich jeder mitbekommen haben, dass sowohl unser Staat als auch die Wirtschaft in Schulden zu ersticken drohen. Das hauptsächliche Problem dabei ist der Zins, der nicht nur diese Schulden in der Gesamtheit ständig wachsen lässt, sondern den Geldumlauf massiv behindert, was der eigentlich Grund dafür ist, dass in der Wirtschaft „nicht mehr so richtig was geht“.

   Die Aussage ist zwar richtig, aber schwammig. Was unsere Verschuldung jedoch tatsächlich bewirkt, kann man abschätzen, wenn man die Zinslast in Zahlen betrachtet und ins Verhältnis zu Bevölkerungszahl und Einkommen setzt.

Die Staatsschulden

   Unser Staat hat derzeit etwa Zwei Billionen Euro Schulden. Letztes Jahr waren es gut 63 Milliarden Euro die er an Zins zu bezahlen hatte, wobei die Höhe der Schulden letztes Jahr noch niedriger war. Mit 800 Euro pro Jahr und Einwohner, das entspricht zwischen 65 und 70 Euro pro Monat darf man für dieses Jahr also rechnen.

   Jetzt muss man sich nur noch überlegen, was der Staat mit diesem Geld anfangen könnte. Wenn Eltern für ein Baby jeden Monat diese Summe ausbezahlt bekommen würden, wären damit die Pampers und ein erheblicher Teil der Babynahrung, wenn nicht gar alles, bezahlt. Wenn ein Kindergartengruppe mit 20 Kindern 1300 oder 1400 Euro im Monat zusätzlich bekäme, wäre der Träger sicherlich auch nicht böse, genauso wenig wie eine Schule mit 500 Kindern über zusätzliche monatliche Mittel in Höhe von an die 35000 Tausend Euro.

   800 Euro im Jahr würden eine ordentliche Brille für einen Erwachsenen bedeuten oder alle zehn Jahre zusammen mit dem, was die Kasse immerhin für Zahnersatz auch so noch zahlt, eine recht ansehnliche Esszimmerrenovierung. Diese Überlegungen könnte man beliebig fortsetzen, wenn man nicht auch so schon sehen könnte, wo das Geld bleibt, das der Staat uns durch Kürzung von Sozialausgaben in den letzten Jahrzehnten nach und nach abgezwackt hat.

Die übrigen Schulden

   Außer den Staatsschulden gibt es in Deutschland aber auch noch etwa sechs Billionen Euro andere Schulden, die auf Privatleuten, Firmen und anderen juristischen Personen lasten. Diese Schulden verzinsen sich mit einem im Durchschnitt wesentlich höheren Zinssatz als die Kredite des Staates. Rechnet man mit einem Zinssatz von etwa 8% sind das 480 Milliarden Euro pro Jahr oder 6000 Euro pro Jahr und Kopf, die wir Zinsen bezahlen. Das ist ein Schätzwert, da ich hierfür keine aktuellen Zahlen finden konnte. Ich weiß aber, dass die Zinslast bereits 2001 bei 382 Mrd. Euro pro Jahr lag; daher dürfte meine Schätzung nicht ganz schlecht liegen.

   Da nun der Durchschnittsmensch in Deutschland ca. 16000 Euro pro Jahr ausgibt und die gesamten Zinsen aus diesem Betrag bezahlt werden müssen, bedeutet das, das wir im Durchschnitt 37,5% unseres Geldes für Zinsen ausgeben. Das kann auch wiederum nicht allzu abwegig sein, denn Bernd Senf gab bereits für 1997 für diesen Anteil 30% an. Rechen wir aber der Einfachheit halber mit 33% bzw. einem Drittel.

   Natürlich stecken in diesem Anteil nicht nur die Kreditzinsen, die man für Hypotheken-, Konsumenten-, Disposition- und was weiß ich für Kredite direkt bezahlt. Wer selbst Schulden hat, ist in dieser Hinsicht noch viel ärmer dran als der Durchschnitt. Wer keine Schulden hat, ist besser dran, aber er bezahlt über die Preise der Waren und Dienstleistungen, die er bezieht, die Zinsen der Unternehmen mit, welche am Produktions- und Verteilungsprozess beteiligt sind. Für die sind nämlich diese Zinsen Kosten, welche in die Preiskalkulationen eingehen: Wenn man beispielsweise einen Liter Milch im Supermarkt kauft, steckt in dessen Preis unter vielem anderem ein Anteil am Zins, denn der Fuhrunternehmer, der die Milch angeliefert hat, für die Finanzierung des LKWs bezahlt, genauso wie der Zins, denn der Hersteller der Milchtüte für die Kredite auf seinen Maschinen bezahlt und noch vieles mehr.

Eine interessante Rechnung

   Ein Drittel durchschnittlicher Zinsanteil in den Preisen bedeutet nun aber nichts anderes, als dass wir im Durchschnitt ein Drittel weniger für unser Arbeitseinkommen kaufen können, als wir bekämen, wenn kein Zins auf der Wirtschaft lasten würde. Das wiederum bedeutet, dass uns durch den Zins ein Drittel der Werte vorenthalten wird, der uns als unser Anteil an der Wertschöpfung der gesamten Wirtschaft zusteht!

   Da nun aber der Kehrwert von 2/3 nach Adam Riese 3/2 oder 1 ½ ist, bedeutet das wiederum, dass wir im Durchschnitt um die Hälfte mehr für unseren Arbeitslohn kaufen könnten, wenn der Zins nicht wäre, also real, d.h. kaufkraftmäßig das 1½ fache verdienen würden. Wenn man sich das einmal klar gemacht hat, wundert man sich auch nicht mehr darüber, dass wir in den letzten Jahrzehnten zwar unsere Produktivität durch technischen Fortschritt und höhere Arbeitsbelastung immens gesteigert haben, dafür aber real (also an der Kaufkraft gemessen) kaum mehr verdienen.

 

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16. Oktober 2011 7 16 /10 /Oktober /2011 11:35

Was vor kurzem in den „Qualitätsmedien“ noch ein absolutes Tabu war, wird jetzt offen diskutiert: Eine Staatspleite Griechenlands. Es heißt jetzt auch, dass bereits Mittel bereitgestellt würden, um die Banken zu retten, die von einer Insolvenz Griechenlands in den Abgrund gerissen würden. Daran gewöhnt, von der hohen Obrigkeit und den Mainstream-Medien ständig Unfug erzählt zu bekommen, sollte man sich einmal darüber ein paar klare Gedanken machen, was tatsächlich passieren würde, wenn Banken Pleite gehen, weil Forderungen an Griechenland ausfallen.
   Angst ist ein probates Mittel um Macht auszuüben. Das Androhen fürchterlichster Katastrophen, um die Masse der Menschen gefügig zu machen, hat eine reichhaltige Tradition. Bei näherem Hinsehen sind die angeblichen Gefahren, die drohen, wenn sich das Volk nicht so und so verhält bzw. die Machthaber nicht das und das machen, in Wirklichkeit meist überhaupt nicht vorhanden.

Was man uns so erzählt

   Ein Beispiel ist die (angeblich menschengemachte) Erwärmung des Klimas. Der Zustand des Nordpolareises sei Besorgnis erregend und uns drohten die schlimmsten Dinge, wenn es auf unserer alten Erde noch etwas wärmer würde.

   Interessant in diesem Zusammenhang ist, dass jeder, der nur ein bisschen Ahnung von Geschichte hat, weiß, dass es vor ungefähr tausend Jahren noch deutlich wärmer war, als heute. Abgesehen davon, dass damals die Ausdehnung des Polareises noch wesentlich geringer gewesen sein muss als heute, deswegen aber keineswegs die Eisbären ausgestorben sind, heißt diese Zeit bei den Historikern jedoch nicht etwa „mittelalterliche Klimakatastrophe“ sondern „mittelalterliches Klimaoptimum“.
   Weder stand damals Norddeutschland unter Wasser, noch war Südeuropa eine einzige Wüste. Dafür konnte man auf Grönland Ackerbau und Viehzucht betreiben, in England und Norddeutschland Wein pflanzen und in ganz Europa so wohlhabend werden, dass man sich die tollsten Kirchen, Rathäuser und dergleichen bauen konnte. Dass dabei sehr wahrscheinlich auch ein sinnvolleres Geldsystem eine Rolle gespielt hat, sei hier nur am Rande erwähnt.

   Als dann schließlich das Klima in der so genannten kleinen Eiszeit wieder abkühlte – also das passierte, was man mit Glühbirnenverbot und Klima-Abzocksteuern erreichen will – brach über Europa ein tatsächlich finsteres Zeitalter herein: Der Dreißigjährige und andere Kriege, Missernten, Hungersnöte, Bauernaufstände usw. waren die historischen Ereignisse jener Zeit. Und ebenfalls nur am Rande, obwohl es uns zum eigentlichen Thema zurückbringt: Kriminelle Kaufleute hatten es geschafft, das sinnvolle Geldsystem des Mittelalters durch ein System mit Zins und Zinseszins zu ersetzen.

   Vergleicht man die historische Wirklichkeit also mit dem was man uns über Klimaerwärmung erzählt, stellt man fest, dass uns da kompletter Humbug aufgetischt wird. Das macht natürlich die Behauptungen unserer Öberen über die fürchterlichen Folgen einer Griechenland- und daraus folgender Bankenpleite ebenfalls sehr verdächtig. Grund genug, einmal nüchtern zu untersuchen, was bei einem solchen Crash tatsächlich passieren würde und was die Folgen wären.

Wie eine (Staats-)Pleite funktioniert

   Im Prinzip ist Griechenland bereits jetzt Pleite. Der Konkurs tritt nach buchhalterischen Verständnis dann ein, wenn jemand mehr Schulden hat, als sein Eigentum wert ist. In der Praxis dann, wenn er seine Schulden nicht mehr bedienen kann – und das ist bei Griechenland ja zweifelsohne der Fall.

   Der Konkurs eines Schuldners bedeutet, dass man im Extremfall mehr oder weniger alles verliert, was man von dem betreffenden Schuldner zu bekommen hatten. Um zu retten, was noch zu retten ist, kann man nun im Rahmen eines Konkursverfahrens verschiedene Dinge tun. Die radikalste Vorgehensweise ist, den kompletten Besitz des Schuldners zu Geld zu machen, normalerweise im Rahmen von Versteigerungen, und den Erlös unter den Gläubigern aufzuteilen.

   Einen Staat kann man jedoch nicht gut komplett verscherbeln, obwohl das in schleichender Form schon seit langem und nicht nur mit Griechenland passiert: Die so genannten Privatisierungen von Staatseigentum – Post, Bahn etc. - sind nichts anderes als Notverkäufe um den Geldmangel zu mildern, der durch die Staatsverschuldung entsteht. Auch wenn immer behauptet wird, das Privatisierungen gemacht würden, weil die entsprechenden Staatsbetriebe privatwirtschaftlich effizienter arbeiten würden.

   Zurück zum Thema: Eine komplette Abwicklung eines insolventen Staates ist nicht machbar, aber man kann das tun, was man beim Konkurs von Firmen auch manchmal tut, um sie dennoch zu erhalten: Man erleichtert die Schuldenlast. Das kann durch einen (teilweisen) Erlass der Schulden, durch Erleichterung der Bedingungen – kleinere Raten, längere Laufzeit – und/oder einem Verkauf von Teilen des Betriebsvermögens geschehen, so dass die Firma bzw. der Staat wieder in die Lage kommt, seine Schuldendienste aus den laufenden Einnahmen zu leisten.

Eine (Staats-)Pleite aus betriebswirtschaftlicher Sicht

   Die Gläubiger eines Staates oder eines Unternehmens, das insolvent wird verlieren natürlich meist Geld: Bei Totalverlust oder Reduzierung der Forderung auf die Konkursdividende auf jeden Fall; bei teilweisem Forderungsverzicht oder Streckung von Krediten könnte es im Endeffekt darauf hinauslaufen, dass die Gläubiger schlussendlich doch noch alles bekommen oder eventuell sogar besser abschneiden, letzteres nämlich wenn die Firma wieder auf die Beine kommt und man mit ihr wieder lukrative Geschäfte machen kann.

   Zunächst jedoch ist die Insolvenz eines Schuldners aus betriebswirtschaftlicher, nämlich aus der Sicht der Gläubiger im allgemeinen ein Nachteil: Man bekommt Geld, das man jetzt haben sollte gar nicht mehr, nur teilweise oder erst später. Vorteile hat man zu diesem Zeitpunkt allenfalls, wenn man sich aus dem Sachvermögen des Schuldners irgendwelche Sahnestückchen sichern kann.

Eine (Staats-)Pleite aus volkswirtschaftlicher Sicht

   Aus volkswirtschaftlicher Sicht hat eine Unternehmenspleite unterschiedliche Folgen: Als erstes denkt man da natürlich an den Verlust von Arbeitsplätzen beim Schrumpfen oder Verschwinden des Unternehmens. Weil dieses Argument immer sehr pauschal, sehr unreflektiert und auch ein Stück weit eher emotional – in Bezug auf die persönlichen Probleme der „freigesetzten“ Arbeitskräfte behandelt wird, soll hier kurz umrissen werden, was der Verlust von Arbeitsplätzen volkswirtschaftlich in erster Instanz bedeutet: Wenn ein Betrieb verschwindet, verschwindet vor allem seine Wertschöpfung; es liegen sowohl die Arbeitskraft der Entlassenen als auch die Kapazitäten der Produktionsmittel brach.

   Das bedeutet nun, dass die Wirtschaftsleistung sinkt, es wird weniger produziert und es kann daher weniger verteilt werden. Auf der Ebene des Geldes bildet sich dieser realwirtschaftliche Zusammenhang dahingehend ab, dass die weiterhin arbeitenden Menschen über Transferleistungen wie Arbeitslosengeld die Arbeitslosen mit unterhalten müssen.

   Im Fall einer Staatspleite bzw. bereits bei schlechter wirtschaftlicher Lage eines EU-Landes sieht das ganz ähnlich aus. Wir in den Geberländern der EU arbeiten ganz einfach für die Leute in den Nehmerländern mit, wie man in meinem Artikel über den so genannten Gemeinsamen Markt sehen kann – das tun wir aber schon lange.

   Bei genauem Hinsehen ist es also volkswirtschaftlich sinnvoll, sich von solchen Ländern zu trennen. Dass man das nicht tut, liegt daran, dass eben einzelne Unternehmen – sowohl der produzierenden als vor allem auch der Finanzwirtschaft – davon profitieren. Für sie ist es egal, dass das, was sie an zusätzlichen Geschäften aufgrund des Gemeinsamen Marktes mit schwachen EU-Ländern machen können, letztendlich von der Allgemeinheit in den wirtschaftlich stärkeren Ländern bezahlt wird.

   Soviel zu den realwirtschaftlichen Zusammenhängen. Um nun aber verstehen zu können, was eine Insolvenz und die daraus entstehenden Forderungsausfälle tatsächlich bewirken, muss man wissen, wie Geld funktioniert und wie es heute gehandhabt wird. Für den, der das nicht weiß, steht es z.B. in diesem Artikel.

Schuldenrückzahlung und Geldmenge

   Wer nun weiß, dass das umlaufende Geld im Prinzip vollständig aus Krediten stammt ist, versteht auch, dass die Rückzahlung von Schulden in sehr vielen Fällen die umlaufende Geldmenge vermindert. Man muss hier verschiedene Arten von Schulden unterscheiden:

   Geld, mit dem Schulden bezahlt werden, die auf Lieferungen beruhen, also aufgelaufene Rechnungen, Mietschulden und dergleichen, kommt in aller Regel schnell wieder in Umlauf, da der Gläubiger es ja wieder für Betriebsausgaben und in Form von Gewinn für sich selbst verwendet – bis auf einen eventuellen Teil dieses Gewinnes, der angelegt, also gehortet wird. Das gleiche gilt natürlich auch für rückständige Löhne und Gehälter.

   Geld, mit dem Bankkredite abbezahlt werden, die aus der Geldschöpfung der Zentral- und Geschäftsbanken stammen, hingegen füllt die Löcher im buchhalterischen Nirwana auf, die bei der Geldschöpfung durch Kreditvergabe entstanden sind. Dieses Geld verschwindet völlig aus dem Umlauf, dabei vermindern sich zwar die gesamten Schulden, aber eben auch die umlaufende Geldmenge.

   Dann gibt es noch Schulden, die letztendlich aus Geldanlagen von Privatleuten und Institutionen stammen, die keine Banken sind. Das sind zum Beispiel Staatsanleihen, aber auch der Teil von Bankkrediten, der aus Einlagen der Bankkunden anstatt aus der Zentralbank- und Giralgeldschöpfung stammt. Bezahlt man solche Schulden, vermindern sich zunächst die Gesamtschulden, aber auch die umlaufende Geldmenge. Dieses Geld gelangt in der Regel bald erneut in den Umlauf, weil der Anleger es ja wiederum verleiht, allerdings wieder gegen Zinsen und Rückzahlung.

   Auch das Geld aus Krediten, die von Banken geschöpft wurden und das daher bei der Rückzahlung im buchhalterischen Nirwana verschwindet, gelangt bei näherem Hinsehen gewissermaßen wieder in den Umlauf: Da die Schöpfung von Zentralbankgeld von gewissen Faktoren begrenzt ist, bedeutet die Rückzahlung von solchen Krediten in der Regel, dass neues Zentralbankgeld geschöpft werden kann, aus dem dann durch die wundersame Geldververmehrung der Geschäftsbanken, wieder die vielfache Menge an Giralgeld entsteht, dass aber eben mit Zinsen belastet und zurückzuzahlen ist.

   Auf den ersten Blick ändert die Rückzahlung von Schulden also zunächst nichts an der Geldmenge: Das Geld mit dem Lieferantenrechnungen und dergleichen bezahlt wird, wird wieder ausgegeben. Das Geld mit dem Anleihen von Anlegern zurückgezahlt werden, wird erneut angelegt, also verliehen und gelangt so erneut in den Umlauf. Für das Geld, mit dem Bankkredite zurückgezahlt werden und das dabei buchhalterisch verschwindet, kann neues Geld geschöpft werden. Auch das Geld, dass als Zinsen aus dem Umlauf an Anleger und Banken bezahlt wird, gelangt wieder in den Umlauf, denn es wird ja wieder angelegt bzw. verliehen.

Eine (Staats-)Pleite und ihre Auswirkungen auf die umlaufende Geldmenge

   Bei einer Pleite werden also ganz einfach Schulden nicht oder nicht vollständig bezahlt. Das kann zweifelsohne im Falle von Lieferantenrechnungen für die Gläubiger sehr weitreichende Folgen haben: Wenn das insolvente Unternehmen beispielsweise einem verhältnismäßig kleinen Lieferanten ein verhältnismäßig große Summe schuldet, kann das für diesen das Aus bedeuten. Jeder hat ja wohl schon von kleinen, an sich gesunden Unternehmen gehört, die aufgrund von Forderungsausfällen über die Wupper gegangen sind. Außerdem ist es natürlich eine Gemeinheit, wenn Menschen auf diese Weise um die Früchte ihrer Arbeit gebracht werden. An der umlaufenden Geldmenge ändert sich jedoch in einem solchen Falle nichts wie ich bereits oben gezeigt habe.

   Was aber passiert, wenn Banken und Geldanleger Geld durch einen Konkurs verlieren? Weiter oben sind wir dieser Frage ja bereits nachgegangen: Theoretisch eigentlich ebenfalls nichts, jedenfalls nicht, wenn das Geld im anderen falle aus dem Hort der Anleger erneut verliehen bzw. für im buchhalterischen Nirwana verschwundenes altes Kreditgeld neues geschöpft wird.

   Die Betonung liegt dabei jedoch auf dem „wenn“. Konkurse finden typischer Weise in wirtschaftlich schlechteren Zeiten statt. Dann sind zum einen Verleiher weniger geneigt Kredite zu vergeben, zum anderen trauen sich Privatpersonen und Unternehmen nicht so leicht, finanzielle Verpflichtungen einzugehen. Es kommt also weniger Geld durch Kreditvergabe in Umlauf; Geld, dass durch Rückzahlung von Krediten aus dem Umlauf verschwindet, wird daher nicht mehr vollständig durch neues Geld ersetzt. Damit verringert sich die umlaufende Geldmenge, was sich natürlich ungut auf die Realwirtschaft auswirkt und die wirtschaftliche Wetterlage weiter verschlechtert.

   Und jetzt kommt der interessante Effekt einer Insolvenz, über den kaum gesprochen wird: Wenn Schulden nicht bezahlt werden, bleibt die entsprechende Geldmenge im Umlauf. Das bedeutet nichts anderes, als dass im Prinzip Geld entsteht, welches nicht mehr durch Zinsen belastet ist und auch nicht mehr zurückgezahlt werden muss!

   Wenn Kredite nicht zurück bezahlt werden, wird also nicht nur in Zeiten der Rezession die Verringerung der umlaufenden Geldmenge gebremst, die auftritt wenn weniger neue Kredite gewährt als alte zurückgezahlt werden. Es wird in jedem Falle der entsprechende Anteil der umlaufenden Geldmenge von Zinsen und Rückzahlungspflicht befreit. 

   Das klingt im Grunde unglaublich, ist aber nur logisch, wenn man sich klar darüber ist, dass in unserem System Geld durch Schulden entsteht und durch Rückzahlung von Schulden wieder verschwindet. Ein konkretes Beispiel macht den Zusammenhang klar: Ein Unternehmen baut eine neue Fabrikhalle und finanziert diese mit einem Bankkredit in Höhe von einer Million Euro. Bei der Kreditaufnahme entsteht diese Million Euro aus dem buchhalterischen Nirwana und kommt in Umlauf, wenn das Unternehmen die Rechnungen der Firmen bezahlt, welch die Halle gebaut haben. Dadurch wird die umlaufende Geldmenge erhöht. Das Geld zirkuliert jetzt und muss von der Firma zurück verdient werden, damit sie ihre Schulden bezahlen kann. Dadurch verschwindet die ursprünglich ausgeliehene Million im buchhalterischen Nirwana, aus dem sie bei der Kreditaufnahme ja erschaffen worden war und die umlaufende Geldmenge schrumpft um diesen Betrag. Außerdem werden die Zinsen und Gebühren aus dem Kredit ebenfalls dem Umlauf entzogen, landen allerdings nicht im buchhalterischen Nirwana, sondern – im großen Geldsack der Bank, in ihrem Eigenkapital nämlich.

   Geht das Unternehmen nun in Konkurs, hat die Bank dieses Geld gesehen. Das bedeutet, dass sie es dem Umlauf nicht mehr entziehen kann und auch die Zinsen nicht mehr, die darauf bereits entstanden sind und bis zur Rückzahlung des Kredites noch angefallen wären. Dadurch hat sich die umlaufende Geldmenge quasi erhöht, weil die sonst erfolgte Verminderung um die Kreditsumme plus Zinsen durch den Konkurs des Schuldners ausgeblieben ist. Oder anders ausgedrückt: Durch den Konkurs ist im Umlauf Geld entstanden, dass weder verzinst noch zurückgezahlt werden muss.

   In der Praxis würde allerdings das für die Halle verwendete Geld nicht in voller Höhe zu unverzinstem und nicht rückzahlbaren, also gewissermaßen „freiem“ Geld im Umlauf werden, es sei den, der Schuldner hätte die Bank nach allen Regeln der Kunst ausgetrickst, so dass sie nicht die Hand auf die Halle legen kann. Wenn die Bank jedoch durch die Verwertung der Halle ihre Forderung nicht vollständig decken kann, wird dennoch Geld in der entsprechenden Höhe frei, genauso wie wenn die Halle in die Konkursmasse kommt und die Bank daraus nur einen Teil ihrer Forderung in Form einer Konkursdividende bezahlt bekommt. Der gleiche Effekt entsteht natürlich auch, wenn im Rahmen eines Konkursverfahrens das Unternehmen erhalten werden soll und Forderungen zum Teil erlassen werden.

   Leider ist der Effekt eines Konkurses in den Dimensionen eines mittelständischen Unternehmens auf die umlaufende Geldmenge sehr gering. Würden sich hingegen soviel Konkurse ereignen, dass sie eine spürbare Wirkung auf die umlaufende Geldmenge hätten, würde das noch einen anderen Effekt haben: Dann würde nämlich das Risiko bei der Kreditvergabe entsprechend ansteigen, was höhere Zinssätze und geringere Bereitschaft Kredite zu vergeben als Folge hätte – und damit natürlich eine Reduzierung der umlaufenden Geldmenge mit den bekannten Folgen für die Realwirtschaft.

   Trotzdem gibt es diesen Effekt und man sollte ihn kennen, wenn man sich über die Insolvenz von Staaten Gedanken macht. Bei sehr großen Konkursen kann dieser Effekt nämlich tatsächlich eine spürbare Rolle spielen.

Warum ist Griechenland pleite?

   Griechenland hat Schulden, weil es mehr importiert als exportiert hat. Normalerweise sollt man seine Importe mit den Erlösen seiner Exporte bezahlen und eine ausgeglichene Handelsbilanz haben. Exportüberschüsse sind eigentlich auch nicht gut, aber aufgrund unseres Geldsystems brauchen wir sie, genauso wie wir aufgrund der Geldschöpfung durch Kredite ständiges Wirtschaftswachstum brauchen. Wie das zusammenhängt, kann man in diesem Artikel und in dem über die Funktionsweise des so genannten gemeinsamen Marktes nachlesen.

   Besonders übel ist jedoch eine passive Handelsbilanz, bei der die Importe die Exporte überwiegen, denn dabei verschuldet ein Land sich unweigerlich. Griechenland hat mehr Geld für Importe ausgegeben als es mit Exporten eingenommen hat. Wenn man mehr ausgibt als man einnimmt, geht zuerst das Sparbuch drauf und dann macht man Schulden.

   Griechenland hatte kein Sparbuch, daher lieh sich seine Regierung gleich Geld – und zwar Euros. Das ging ganz einfach, weil man ja ein Euroland war und Staatsanleihen in Euro emittieren konnte. Über die Gehälter von beim Staat beschäftigten Personen und sonstige Staatsausgaben kamen die gepumpten Euros unter die Leute und wurden verwendet um sich Dinge zu kaufen, vor allem auch importierte Dinge.

   Das war natürlich very nice für die Unternehmen in denjenigen Ländern der Eurozone, die ordentlich etwas zu exportieren haben. Die konnten nun die Euros einnehmen, welche sich die Griechen gepumpt hatten, was natürlich die umlaufende Geldmenge in diesen Ländern vermehrte, was ja der Wirtschaft unter den gegebenen Umständen – ständige Verknappung des zirkulierenden Geldes durch Zinsbelastung – recht gut tat.

   Ständig pumpen und mehr ausgeben, als man einnimmt geht allerdings nur eine begrenzte Zeit. Irgendwann kann man dann seine Schuldendienste nicht mehr leisten – und genau das ist Griechenland passiert.

Was passiert, wenn Griechenland auch offiziell pleite geht?

   Wenn Griechenland pleite geht, passiert im Prinzip das gleiche wie bei einer Unternehmenspleite oder einer Privatinsolvenz: Die Schulden werden ganz oder teilweise nicht mehr zurück bezahlt. Dann schauen zwar einige Leute, die bis jetzt dachten, sie hätten Geld, mit dem Ofenrohr ins Gebirge – nämlich diejenigen, die dieses Geld in griechischen Staatsanleihen stecken haben, aber es tritt auch der bereits beschriebene Effekt auf, dass Geld im Umlauf bleibt, dass durch die Bezahlung der Schulden aus diesem verschwunden wäre – also im Prinzip ein positiver Effekt für die Wirtschaft.

   Will man die Pleite Griechenlands verhindern, kann man das nur tun, indem man ihm Geld gibt, um sein Schulden zu bezahlen. Ob man dieses Geld gleich mit schwarzer Kreide in den Schornstein schreibt oder ob Griechenland es angeblich irgendwann einmal zurückzahlt, spielt dabei überhaupt keine Geige.

   Abgesehen davon, dass die Rückzahlung solcher Hilfen mehr als fraglich wäre, müsste das Geld so oder so jetzt aufgebracht werden und zwar aus Steuermitteln. Diese Steuermittel könnte der Staat dann jedoch nicht für andere Aufgaben verwenden. Dass dies bedeuten würde, dass der Staat von dringend notwendigen Straßenreparaturen über den Kauf von Computern für Schulen bis zur Zahlung von Fördergeldern für die Forschung Dinge unterlassen müsste, die er sonst tun könnte ist dabei noch das kleinste Übel. Das tatsächliche Problem dabei ist, dass dadurch bei uns Geld nicht in den Umlauf gelangt, das ohne Griechenlandhilfen bei uns in den Umlauf gelangt wäre und Geld ersetzt hätte, dass durch Schuldendienste aus dem Umlauf verschwindet.

   Fehlendes Geld im Umlauf bedeutet aber nichts anderes als Rezession. Der Staat müsste sich dann das Geld für Konjunkturprogramme dann wiederum leihen und das in einer Zeit, in dem er sowieso schon bis über die Ohren verschuldet ist und damit die sich so bereits immer schneller drehende Abwärtsspirale von Schulden uns Zins zusätzlich beschleunigen.

   Anders ausgedrückt: Die Leute, die Griechenland Geld geliehen haben, haben mit Zitronen gehandelt. Durch die Griechenlandhilfen ersetzten wir diesen Leuten indirekt ihre Verluste und müssen uns dann von ihnen wiederum das Geld leihen, das wir ihnen geschenkt haben, damit wir wieder welches im Umlauf haben und die Wirtschaft funktioniert.

Und was passiert dann mit den Banken?

   De facto ist Griechenland bereits pleite, denn das ist man, wenn man seine Schuldendienste nicht mehr leisten kann. Offiziell ist es das jedoch noch nicht und daher gelten seine Anleihen noch als Werte. Nehmen wir einfach der Einfachheit halber an, dass die griechischen Staatsschulden vollständig für null und nichtig erklärt würden und überlegen uns, was dann passieren würde. Bei einem nur teilweisen Erlass würden diese Effekte dann einfach in entsprechend schwächeren Maße auftreten.

Bank01

So würde die Bilanz einer Bank vereinfacht aussehen, wenn man sie wie ein Nichtbank-Unternehmen bilanzieren würde, was man in diesem Fall der Einfachheit halber machen kann. Was man leicht erkennt: Wenn der gelbe Bereich in der linken Säule schrumpft, weil Geldanlagen ihren Wert verlieren, wird die rechte Säule insgesamt niedriger. Weil  die linke Säule immer gleich hoch sein muss wie die rechte, schwindet zunächst das Eigenkapital der Bank. Wenn die rechte Säule niedriger wird als der rote Teil der linken, ist die Bank pleite.

     

   Wenn die griechischen Staatsanleihen nichts mehr wert sind, weil man Griechenland seine Schulden erlassen hat, verlieren die Besitzer Teile ihres Vermögens, nämlich das Geld, das sie in die Anleihen gesteckt haben. Für Privatanleger ist das bitter, für Banken kann es den Konkurs bedeuten.

     Ein Bank ist nämlich einfach ausgedrückt ein Konstrukt aus eigenem Geld, Verbindlichkeiten und Forderungen.  Die Forderungen sind das Geld das sie angelegt, also als Kredite verliehen, in Wertpapiere und was weiß ich alles gesteckt hat. Die Verbindlichkleiten sind das Geld, das die Kunden „auf der Bank haben“ sowie Kredite, die die Bank selbst aufgenommen hat. Das eigene Geld ist das Geld, das der Bank selbst gehört und kurszfirstig verfügbar ist wie z.b. das Bargeld im Tresor. Damit die Bank gesund ist, müssen das eigene Geld der Bank und die Forderungen mindestens soviel betragen wie die Verbindlichkeiten. Die Summe, um die die Forderungen und das eigene Geld der Bank die Forderungen, also die Einlagen der Kunden, übersteigen, ist das Eigenkapital, also der  Teil der Bank, der den Eigentümern der Bank selbst gehört. Die Verbindlichkeiten, also die Einlagen und selbst aufgenommen Kredite sind das Fremdkapital.  

   Wenn nun ein Teil der Forderungen aus griechischen Staatsanleihen besteht und diese wertlos werden, sinkt natürlich der Gesamtwert auf dieser Seite der Bilanz um den Betrag der in diesen Anleihen gesteckt hat. Wenn der Restwert zusammen mit dem Eigenkapital nun weniger ist, als die Einlagen der Bank betragen, ist sie pleite. Und zwar ganz einfach deswegen, weil sie weniger Geld hat, als ihre Kunden ihr insgesamt als Einlagen anvertraut haben.

   Das wäre im Grunde auch nicht weiter schlimm, den vor allem haben dann Leute Geld verloren, die soviel davon haben, dass sie es horten und dem Umlauf entziehen. Es ist realwirtschaftlich gesehen nämlich kein Schaden wenn solche Leute einen Teil ihres Vermögens verlieren. Das Dumme an der Sache ist aber, dass die Banken im heutigen Wirtschaftsleben mittels der bargeldlosen Zahlungsmethoden auch für den Geldumlauf sorgen. Daher lassen Banken, die ihre Schalter schließen, weil sie pleite sind, den Geldumlauf und damit die reale Wirtschaft stocken.

Was könnte der Staat tun?

   Der Staat könnte in so einem Fall mit gesetzlichen Regelungen in der Art von Notstandsverordnungen für einen Notbetrieb bei von einer derartigen Pleite betroffenen Banken sorgen, der die einzige sinnvolle Aufgabe der Banken, nämlich den Zahlungsverkehr zunächst sicherstellt. Wenn die Girokunden einer solchen Bank dann neue Bankverbindungen haben, so dass sie wieder Zahlungen empfangen und tätigen können, könnte man das Institut dann geordnet in Konkurs gehen lassen.

   Eventuell könnte man eine solche Bank auch zu retten versuchen, indem man einfach per Gesetz die verzinslichen Geldanlagen bei dieser Bank – also die Forderungen ihrer Kunden – um soviel kürzt, wie die Verluste durch griechische Staatsanleihen betragen. Damit wäre dann die Bilanz der Bank wiederum in Ordnung. Allerdings würde eine solche Bank vermutlich den daraus folgenden Imageverlust nicht überleben, weil sie anschließend an Kundemangel eingehen würde.

Was der Staat womöglich tatsächlich tut

     Tatsächlich steht jedoch zu befürchten, dass der Staat nicht die Geldanleger rasiert, sondern einfach den Banken soviel Geld schenkt, dass ihr eigenes Geld so viel wird, dass es zusammen mit den verbliebenen Geldanlagen wieder mindestens soviel ist, wie die Guthaben der Kunden betragen.

   Das dazu notwendige Geld kommt natürlich aus unseren Steuern und wird an notwendigen Dingen eingespart. Die Effekte sind dann im Prinzip die gleichen, wie sie oben in Bezug auf die Schuldenhilfe für Griechenland beschrieben wurden.

Fazit

   Eine Staatspleite Griechenlands muss unsere Wirtschaft keineswegs wirklich schädigen. Sie wird es aber tun, wenn unser Staat darauf in einer Weise reagiert, welche große Geldvermögen schützt, anstatt den Geldumlauf in der Realwirtschaft sicherzustellen.

   Da dies aber sehr wahrscheinlich versucht werden wird, wäre eine komplette „Kernschmelze“ vorzuziehen. In diesem Falle würden im Prinzip die Geldvermögen in die Schulden stürzen und sich gegenseitig vernichten wie Materie und Antimaterie. Zum Schluss wäre dann lediglich noch das Bargeld in den Portemonnaies, Sparstrümpfen und Kassenschubladen übrig, dass aber bei weitem nicht für den täglichen Zahlungsverkehr ausreichen würde.

   Das wäre dann natürlich das Ende des Euro und – hoffentlich – auch der EU. Nach dem was man bereits seit längerer Zeit aus immer ernster zu nehmenden Quellen hört, rechnen nicht nur Deutschland, sondern auch andere Euro-Staaten mit einer solchen Möglichkeit und haben womöglich tatsächlich bereits ihre neuen alten Währungen in der Schublade.

   Tatsächlich würden eine Währungsreform und die Zerschlagung der EU zwar eine Menge Geldvermögen vernichten, dafür aber der Realwirtschaft einen neuen Anfang ermöglichen, auch wenn kaum zu hoffen steht, dass man die durch eine Kernschmelze der Finanzwirtschaft entstehenden Chance auf eine sinnvolle Reform des Geldsystems nutzen wird.

   Altersarmut von Leuten, die bei einer Währungsreform ihre Ersparnisse verlieren, wäre dabei übrigens auch kaum zu befürchten zumindest nicht aus sachlichen Gründen. Erstens sind die in Geldwertanlagen angelegten Ersparnisse solcher Leute bereits jetzt weg, zweitens können wir unsere Rentner in 30 Jahren nicht mit dem Geld ernähren, das sie heute haben sondern müssen dass mit der realen Wertschöpfung tun, die unsere Wirtschaft dann zu leisten im Stande sein wird und die wir entsprechend verteilen müssen. Aber das ist bereits wieder eine Geschichte über eine andere Lüge...

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14. Oktober 2011 5 14 /10 /Oktober /2011 17:46

Seit vielen Jahren hören wir die gebetsmühlenartige Wiederholung von Phrasen, die besagen, dass wir Wirtschaftswachstum brauchten und das Exportüberschüsse etwas Gutes seien. Tatsächlich kann man aber keinen realwirtschaftlichen Grund dafür finden, dass ein ständiges Wachstum der Wirtschaft erforderlich wäre. Genauso ist eine positive Handelsbilanz, also ein Exportüberschuss, realwirtschaftlich gesehen, nicht nützlich, sondern schädlich.

   Wirtschaftswachstum ist natürlich eine schöne Sache, jedenfalls solange es nicht auf Kosten unserer Lebensgrundlage, nämlich dieses Planeten und seiner Ökologie geht und schon gar nicht auf Kosten von Menschen in anderen Teilen dieser Welt, die für unseren Wohlstand bezahlen müssen. Es ist aber keineswegs notwendig, damit eine Wirtschaft überleben kann – jedenfalls nicht, wenn alles mit rechten Dingen zugeht.

   Exportüberschüsse sind aus realwirtschaftlicher Sicht ebenfalls Blödsinn. Normalerweise exportiert man Dinge, um sich andere Dinge kaufen zu können, die man nicht selbst herstellen kann. Für die selbst erzeugten Waren, die man im Land nicht mehr kaufen kann, weil man sie exportiert hat, sind Importwaren ins Land gekommen. Gleichzeitig hat man das mit Exporten eingenommene Geld wieder für Importe ausgegeben. Am Verhältnis zwischen Geld und Waren im Inland hat sich nichts geändert, Geldwert und Preise bleiben stabil.

   Exportiert man hingegen wertmäßig mehr als man importiert, hat man im Inneren weniger Ware und mehr Geld. Das bedeutet aber steigende Preise, so dass die größere Geldmenge für die kleinere Warenmenge ausgegeben werden muss. Im Endeffekt hat man also Waren im Wert des Exportüberschusses verschenkt und sonst nichts. Auch das gilt immer, wenn alles mit rechten Dingen zugeht.

   Nun ist es aber tatsächlich so, dass wir ohne Wirtschaftswachstum und Exportüberschüsse nicht auskommen. Also geht ganz offensichtlich etwas nicht mit rechten Dingen zu. Um herauszufinden, was das nun ist, was da nicht stimmt, muss man sich klar machen, wie sich unser Geldsystem auf unsere Wirtschaft auswirkt.

Warum Wirtschaftswachstum (scheinbar) notwendig ist

   Ein Geldsystem wie das unsere, bei dem Geld nur durch Kreditaufnahme in Umlauf kommt, funktioniert nur, solange die Wirtschaft wächst und zwar immer um mehr als der durchschnittliche Zinssatz beträgt. Um das zu verstehen muss man den Mechanismus der Geldschöpfung kennen. Wer noch nicht weiß, wie der funktioniert, kann das in diesem Artikel nachlesen.

  Wenn man nun weiß, wie Geld gemacht wird, kann man auch verstehen, warum dazu ständiges Wirtschaftswachstum notwendig ist: Das durch Kredite in Umlauf gekommene Geld verschwindet bei der Rückzahlung und muss erneut ausgeliehen werden, damit Geld im Umlauf ist. Das umlaufende Geld reicht aber nur für die Tilgung der Kredite, also die Rückzahlung der ursprünglich ausgeliehenen Summen. Für den darüber hinaus fälligen Zins ist dann kein Geld mehr vorhanden. Damit der Zins auch noch bezahlt werden kann, muss ständig mehr Geld ausgeliehen werden.

   Da dieser Prozess der immer höheren Verschuldung kontinuierlich abläuft, ist nicht so leicht zu erkennen, wie er funktioniert. Leichter zu verstehen wird das Ganze, wenn man sich den Ablauf nicht kontinuierlich, sondern in einzelne Runden aufgeteilt vorstellt: Am Anfang der ersten Runde kommt eine Menge X an Geld dadurch in Umlauf, dass es als Kredit zu 5% p.a. Zins geschöpft wird. Am Ende der Runde müssen alle Schulden zurückgezahlt werden. Dafür reicht das vorhandene Geld jedoch nicht aus, denn es ist ja nur soviel im Umlauf, wie ursprünglich ausgeliehen wurde, nämlich die Menge X. Die ebenfalls fälligen Zinsen in Höhe von 5% der Menge X können nicht bezahlt werden.

   Damit nun der nächsten Runde wieder genauso viel Geld im Umlauf ist wie in der ersten, muss außer der Summe X noch einmal 5% von X ausgeliehen werden, damit die Zinsen aus der ersten Runden bezahlt werden können und trotzdem wieder die Menge X an Geld im Umlauf ist. Von Runde zu Runde wachsen so die Schulden und können systembedingt niemals vollständig zurückbezahlt werden. Dass dieser Vorgang nun in der Realität kontinuierlich abläuft und nicht in Runden, ändert an der Funktionsweise nichts.

  Damit die Kredite, durch die unser Geld in Umlauf kommt, aber auch abgesichert sind, müssen diejenigen, die sich das Geld ausleihen, „gut“ für die jeweiligen Summen sein, also über so genannte Bonität verfügen. Bonität bedeutet ganz allgemein, dass jemand (voraussichtlich) in einer Lage ist, eine bestimmt Summe, die er sich leiht, auch zurückzuzahlen. Er muss gewisse Sicherheiten zu bieten haben. Das kann ein Sachwert wie ein Haus sein, denn man als Sicherheit einsetzt, aber auch immaterielle Dinge, wie ein gut bezahlter Arbeitsplatz, ein Patent oder eine tragfähig erscheinende Geschäftsidee.

   Diese Dinge, die Banken und Investoren bewegen, Geld zu verleihen, sind aber im Endeffekt auch genau die Dinge, die in der Summe den Wert einer (Volks-)Wirtschaft ausmachen: Ihr Potential, Güter und Dienstleistungen zu erzeugen, also reale Werte zu schöpfen.

   Da nun die Geldsummen, die ausgeliehen werden müssen, ständig größer werden, muss auch die Bonität der Firmen und Privatpersonen, die sich dieses Geld ausleihen ständig größer werden. Und das bedeutet nichts anderes, als das der Wert der gesamten Wirtschaft ständig wachsen muss, damit die Schulden, aus denen die ständig wachsende Geldmenge generiert wird, gedeckt bleiben. Und genau das ist der Grund, aus dem wir ständiges Wirtschaftswachstum brauchen.

   Die Sache mit dem Schuldgeld hat aber noch einen weiteren Haken: Damit das, was die reale Wirtschaft produzieren kann, auch gekauft werden kann, muss immer genug Geld im Umlauf sein. Wenn die Wirtschaft also wächst, müssen nicht nur immer neue Schulden aufgenommen – also Fiat Money, Kreditgeld geschöpft – werden, um die Zinsen zu bezahlen; es muss auch noch zusätzliches Geld geschöpft werden, damit sich die umlaufende Geldmenge vermehrt und die von der wachsenden Wirtschaft zusätzlich produzierten Güter auch gekauft werden können.

  Dummerweise hat in unserem System nun aber, obwohl die gesamte Geldmenge ständig wächst, die umlaufende Geldmenge die Neigung zu schrumpfen. Das kommt daher, dass aus ihr ja ständig der Zins für die Kredite abfließt, durch die überhaupt erst Geld im Umlauf ist.

  Dieser Effekt ist bei einer jungen Währung zunächst sehr gering, vor allem, wenn gleichzeitig auch für die Wirtschaft noch genug Raum zum Wachsen da ist. Das war bei uns nach dem zweiten Weltkrieg der Fall. Je länger die Sache mit der Geldschöpfung durch Schulden läuft um so schwieriger wird es jedoch. Wer schon eine Weile auf der Welt ist, hat sicher beobachtet, dass es schon seit längerer Zeit immer schwieriger wird, Geld zu verdienen. Das liegt ganz einfach daran, dass immer mehr von dem Geld, das einer ausgibt und ein anderer einnimmt nicht wiederum ausgegeben werden kann, sondern für Zinszahlungen verwendet werden muss. Dieser Anteil des Geldes verschwindet auf dem Umlauf, weil er entweder durch die Rückzahlung von Bankkrediten verschwindet oder in die Geldhorte von Anlegern geht, von wo er nur durch erneute Ausleihe wieder in den Umlauf kommen kann.

(Schuld-)Geldmenge und Rezession

   Das System der Geldschöpfung aus Schulden hat noch einen weiteren üblen Haken: Es reagiert sehr sensibel auf Schwankungen des Wirtschaftswachstums. Wenn sich aus irgendeinem Grund die wirtschaftlichen Aussichten eintrüben verschlechtert sich sozusagen die Bonität der ganzen Wirtschaft und es wird nicht mehr so viel Geld verliehen.

  Das lässt sich ohne weiteres auch im Kleinen beobachten: Wenn die gesamtwirtschaftliche Lage schlechter zu werden droht, sind auch die Aussichten einzelner Firmen schlechter, so dass die Banken ihnen weniger Geld leihen. Gleichzeitig werden Arbeitsplätze unsicher, und da Banker natürlich wissen, bei welchen Firmen Arbeitsplätze wackeln, werden sie deren Beschäftigten nicht mehr so leicht und so viel Geld für ein neues Auto oder dergleichen leihen. Wird einer gar arbeitslos, wird er kaum mehr einen Kredit bekommen (oder auch gar keinen aufnehmen wollen) und eine Firma, die Absatzeinbrüche zu verzeichnen hat, wird ebenfalls schlechter dran sein, wenn sie etwas finanziert haben will als ein mit vollen Auftragsbüchern.

  Da aber die die bestehenden Schulden weiter bezahlt werden müssen, verschwindet auch weiterhin Geld aus dem Umlauf. Dieses wird jetzt jedoch nicht mehr vollständig durch neue Kredite ersetzt, da die Bonität der Kreditkunden gesunken ist und weniger Geld verliehen wird. Daher vermindert sich die umlaufende Geldmenge, was nichts anderes bedeutet, als dass es weniger zu verdienen gibt. Dadurch verschlechtern sich die Gewinnaussichten der Firmen und die Aussichten der Privatleute auf Erhalt oder gar Verbesserung ihrer Einkommen.

  Schlechtere Verdienstmöglichkeiten von Firmen und Privatleuten bedeuten jedoch nichts anders als eine Verschlechterung ihrer Bonität, so dass noch weniger Geld verliehen wird und die umlaufende Geldmenge noch weiter schrumpft – und damit wiederum die Verdienstmöglichkeiten und so weiter und so fort...

  Bei einer jungen Währung und viel verbleibenden Raum zum Wirtschaftswachstum wird sich auch dieser Mechanismus noch nicht so stark aus. Daher kommt die Wirtschaft in dieser Phase auch relativ leicht wieder aus der Rezession heraus wenn es durch Dinge wie technische Fortschritte oder dergleichen Impulse gibt, die zunächst zumindest für einen Teil der Wirtschaft bessere Aussichten bedeuten. Die betreffenden Unternehmen haben durch ihre bessere Aussichten wieder eine bessere Bonität, und bekommen wieder eher und mehr Geld geliehen, das dadurch unter die Leute kommt und bessere Verdienstmöglichkeiten und damit auch Bonität für weitere Firmen bedeutet. Das gleiche passiert natürlich auch auf der Ebene der Privatleute: Arbeitsplätze werden sicherer, so dass deren Inhaber sich wieder eher Geld für neue Autos oder Möbel leihen oder gar bauen, Arbeitslose bekommen Jobs und stellen wieder solvente Kreditkunden dar.

  Je länger das System aber bereits läuft, umso tiefer werden solche Rezessionen und um so schwerer werden sie überwunden. Das kann man am Auf und Ab der Wirtschaft in den letzten 40, 50 Jahren sehen, schon allein daran, dass die Arbeitslosigkeit auf die Länge immer weiter gestiegen ist. Dass wir noch nicht ganz abgestürzt sind, liegt im Prinzip nur daran, dass durch den immensen technischen Fortschritt und dadurch, dass wir immer härter schuften, gleichzeitig unsere Produktivität unglaublich gesteigert haben. Und nicht zuletzt auch daran, dass Leute in Asien unseren Konsumkram, also Hightech-Krempel, Klamotten, sogar Möbel und was weiß ich was noch alles für Hungerlöhne zusammennageln.

Die Notwendigkeit von Exportüberschüssen und Globalisierung

   Auch dass wir Exportüberschüsse brauchen lässt sich als Folge des Systems der Geldschöpfung durch Schulden ganz einfach erklären: Die über die Kosten unserer Importe hinausgehenden Exporterlöse können die umlaufende Geldmenge ganz einfach deswegen nicht erhöhen, weil sie komplett für Zinszahlungen benötigt werden.

   Hätten wir keinen Exportüberschuss, wäre das Geld im Umlauf noch knapper. Wir verscherbeln also ständig Ergebnisse unserer Arbeit ins Ausland, nur um damit die Zinsen für das Geld zu bezahlen, dass wir uns leihen müssen, damit wir welches im Umlauf haben und unsere eigenen Güter austauschen können.

  Auch die angeblich notwendige Globalisierung ist nur eine Folge der Geldschöpfung durch Kreditaufnahme. Wenn ein solches System eine gewisse Zeit gelaufen ist, ist im Prinzip die komplette Wirtschaft an Banken und Investoren verpfändet. Das muss nicht einmal ausdrücklich geschehen, sondern passiert eigentlich ganz automatisch bei jeder Kreditaufnahme: Wenn ein Banker jemandem, sagen wir, einen Konsumentenkredit oder auch eine Kontoüberziehung von 5000 Eurillos gewährt, ohne formell eine Sicherheit zu verlangen, tut er das, weil er weiß, dass er sich dieses Geld im Ernstfall recht leicht auf dem Wege der Lohnpfändung zurückholen kann. Damit hat der Kreditnehmer also, ohne das ausdrücklich zu sagen, im Prinzip seine Arbeitskraft verpfändet.

  Etwas, das bereits verpfändet ist, kann man nicht noch einmal verpfänden. Wenn ein Land aufgrund seiner Geldschöpfung durch Kredite also komplett verpfändet ist, können die Banker und Investoren dort also kein Geld mehr aus Schulden erzeugen.

   Da dies mittlerweile praktisch in der ganzen Alten und Neuen Welt der Fall ist, muss nun die Dritte Welt herhalten. Man erzeugt Geld, indem man armen Ländern Kredite auf Werte gibt, die sie besitzen, aber aufgrund ihrer Armut nicht selbst nutzen können. Für das so entstandene Geld verkauft man ihnen irgendwelchen Krempel. Dann lässt man sie irgendwelches Zeug produzieren, für dass man ihnen möglichst wenig bezahlt, damit man möglichst viel davon für die Zinsen bekommt, die einem das Land bezahlen muss. Gleichzeitig hat man dann auch noch billige Produkte, mit denen man die Schuldsklaven in den Industrieländern bei Laune halten kann.

  Mit diesem Mechanismus kann man unterentwickelte Länder uferlos ausbeuten. Man muss lediglich aufpassen, dass diese Länder nie ihre Schulden los werden. Wenn sie nämlich keinen Schuldendienst in Devisen (sprich: US-Dollars) mehr zu leisten hätten, wäen sie auch nicht mehr gezwungen, ihre ganzes realwirtschaftliches Potential auf die Produktion von Gütern zu verwenden, die sie gegen diese Devisen zu einem diktierten und natürlich viel zu niedrigen Preis verkaufen müssen. Dann könnten sie ihre Arbeitskraft und ihre Ressourcen nämlich dazu verwenden, eine Wirtschaft aufzubauen, die ihre eigenen Bedürfnisse erfüllt – und eventuell sogar selbst am Weltmarkt als ernstzunehmender Spieler aufzutreten. Dass deswegen bestimmte Leute den immer wieder geforderten Schuldenschnitt oder den kompletten Schuldenerlass für Drittweltländer fürchten wie der Leibhaftige das Weihwasser, braucht daher auch nicht zu verwundern.

   Ein Beispiel für diese Methode ist Burkina Faso: Dieses arme afrikanische Land ist gezwungen, Baumwolle, Baumwolle und noch einmal Baumwolle anzubauen und zu einem Spottpreis zu verkaufen, um die Zinsen für seine Auslandsschulden zu bezahlen. Daher können die Leute dort keine vielseitige Wirtschaft aufbauen, die ihre eigenen Bedürfnisse deckt und bleiben daher arm wie Kirchenmäuse.

   Mit meinem bekannt losen Mundwerk bin ich in Versuchung, Globalisierung folgender Maßen zu definieren: Vor 150 Jahren hat man ohne Globalisierung in Afrika Neger geklaut um sie zuhause für sich arbeiten zu lassen, heute hat man mit der Globalisierung ganz Afrika geklaut und lässt die Neger dort für sich arbeiten...

 

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12. Oktober 2011 3 12 /10 /Oktober /2011 10:16

„Über Geld spricht man nicht: Entweder man hat es, dann braucht man nicht darüber zu sprechen oder man hat es nicht, dann kann man nicht darüber sprechen.“ Trotzdem wird in den letzten Tagen und Wochen sehr viel über Geld gesprochen, über den Euro nämlich, darüber, ob er es noch lange macht und auch darüber ob wir vielleicht schon demnächst unsere gute, alte D-Mark zurück bekommen. Banken sollen krachen, wenn Griechenland Konkurs anmeldet und das soll dann für uns alle gar fürchterlich sein. Schaurige Aussichten, aber auch eine gute Gelegenheit, sich ein paar Gedanken darüber zu machen, wie Banken und Geld eigentlich funktionieren.

    Geld ist furchtbar wichtig in unserer Gesellschaft. Jeder möchte es haben, wer wenig hat, gibt es nicht gerne aus und angeblich macht es zwar nicht glücklich, beruhigt jedoch. Was aber ist Geld, welche Rolle spielt es tatsächlich und warum brauchen wir es so nötig?

Was Geld tatsächlich ist

   Geld ist in letzter Konsequenz nichts anderes als eine Hilfskonstruktion für den Tauschhandel. Der Besitz einer bestimmten Summe (Bar-)Geld bedeutet nichts anderes, als dass der Besitzer gewisse Leistungen erbracht hat und nun das Recht hat, andere Leistungen im gleichen Wert zu beziehen. Theoretisch könnte man anstatt Münzen und Banknoten zu verwenden, auch Buch darüber führen, was jeder einzelne leistet und bezieht. Nichts anderes geschieht ja beim bargeldlosen Zahlungsverkehr – und zum Beispiel auch in Tauschringen.

   Beim Bargeldverkehr erspart man sich die zentrale Buchführung, indem man gewissermaßen am Mann vermerkt, was er beziehen darf: Münzen und Banknoten sind nichts anderes als Merker oder Signale dafür, dass ihr Besitzer das Recht hat, Leistungen in einem bestimmten Wert zu beziehen. Macht er nun von diesem Recht Gebrauch und kauft etwas, gibt er eine entsprechende Menge dieser Merker an den Verkäufer weiter, indem er die Ware oder Leistung bezahlt. Damit hat er Ansprüche in der entsprechenden Menge aufgebraucht. Dafür hat jetzt der Verkäufer das Geld in der Tasche, was das Kennzeichen dafür ist, dass er seinerseits geleistet hat und berechtigt ist, zu beziehen.

   Gleichzeitig ist das Geld ein (zwar zuweilen doch recht subjektiver, aber immerhin doch einer) Maßstab für den Wert von Dingen. Wie viele Hühner ist ein Schwein wert? Wie viele Kartoffeln gibt man für einen Zentner Getreide? Wie viele Fernsehapparate für eine Auto? Die Währungseinheit – Gulden, Krone, Mark usw. - stellt eine Einheit für den Wert von Dingen dar und macht sie vergleichbar, indem man den Preis einer Ware oder Dienstleistung darin ausdrückt.

  Auf diese Art und Weise ermöglicht das Geld einen problemlosen Tauschhandel um praktisch beliebig viele Ecken, ohne dass sich die Beteiligten untereinander kennen oder gar direkt miteinander kommunizieren müssen. Schon ab einer recht einfachen Arbeitsteilung in einer Wirtschaft funktioniert es gar nicht anders.

  Natürlich hat Geld aus sich selbst heraus keinen Wert. Dass ein Hunderteuroschein eben einhundert Euro wert ist, liegt lediglich daran, dass es Leute gibt, die ihn im Austausch für Waren oder Dienstleistungen annehmen. Trotzdem darf es an Geld nicht fehlen, es muss immer genug davon und zwar in ausreichend kleiner Stückelung im Umlauf sein. Und zwar genau so viel, dass damit alle Dinge bezahlt werden können, die in dem Zeitraum hergestellt werden, in dem das ganze Geld durchschnittlich einmal weitergegeben wird. Ist das nicht der Fall, werden Werte nicht geschöpft, die geschöpft werden könnten, sprich: Die Möglichkeiten der Realwirtschaft werden nicht ausgenutzt, wir haben weniger als wir haben könnten.

Wie Geld entsteht

   Wie Geld funktioniert, wenn es einmal im Umlauf ist, ist jetzt also klar. Wie jedoch entsteht es und wie gelangt es in den Umlauf?

   Früher verwendet man Dinge als Geld, die nicht ganz einfach zu bekommen waren: Gold, bestimmte Muscheln oder auch Salz, von dem übrigens das Wort „Salär“ herkommt. Diese Arten von Geld entstanden logischerweise dadurch, dass jemand die entsprechenden Dinge aus der Natur gewann, wofür einiger Aufwand und/oder Glück notwendig war. Daher war die Geldmenge immer begrenzt und das Geld behielt seinen Wert. Ein Problem dabei war, dass die vorhandene Geldmenge von Faktoren wie dem Erfolg der Goldgräber begrenzt war, die nichts mit der Leistungsfähigkeit der Wirtschaft zu tun hatten. Man konnte daher die Geldmenge nicht der jeweiligen wirtschaftlichen Leistung anpassen.

   Eine Lösung für dieses Problem ist die Schöpfung von Geld ohne Eigenwert: (Scheide-)Münzen und Geldscheine werden einfach geprägt bzw. gedruckt und sind selbst wesentlich weniger wert als ihr Nennwert. Man kann sie daher in praktisch beliebiger Menge herstellen. Ein verantwortungsvoller Staat wird natürlich dafür sorgen, dass nicht zuviel davon unter die Leute kommt. Deswegen war Geldfälschung auch schon immer ein schweres Verbrechen, das strengstens verfolgt wurde.

  Bereits die alten Römer kannten Scheidemünzen, also Münzen, deren Metallwert nicht dem Nennwert entsprach. Da sie im Gegensatz zu Kurantmünzen, deren Metallwert dem Nennwert entspricht, in praktisch beliebiger Anzahl hergestellt werden konnten, konnte der Staat die Geldmenge der Wirtschaftsleistung jederzeit anpassen. Dadurch wurde verhindert, dass Mangel an umlaufendem Geld die von den realwirtschaftschlichen Gegebenheiten her mögliche Wirtschaftsleistung ausbremste.

Wie das Geld unter die Leute kommen sollte

   Geld wird also in der Münze oder der Banknotendruckerei gemacht. Aber wie gelangt es in den Umlauf?

   Die meisten Leute haben eine schwammige Vorstellung in die Richtung, dass der Staat das Geld „irgendwie“ unter die Leute bringt. Tatsächlich sollte es auch so sein, dass der Staat neu geschaffenes Geld in Form von Staatsausgaben unter die Leute bringt. Er braucht das im Prinzip nur einmal zu tun, den das ausgegebene Geld gelangt ja immer wieder in Form von Steuern zu ihm zurück und kann erneut ausgegeben werden.

   In der Praxis kann es nun passieren, dass die Wirtschaft wächst und mehr Geld im Umlauf benötigt wird, damit die zusätzlich entstehenden Werte auch gekauft werden können. Dann kann der Staat zusätzliches Geld in Umlauf bringen, das er auch neu herstellen kann, wenn sein Vorrat nicht mehr ausreicht. Schrumpft die Wirtschaft, kann der Staat aber auch einen größeren Teil der eingenommen Steuern zurückbehalten indem er die Staatsausgaben senkt. Wenn dann die Wirtschaft wieder wächst und im Umlauf mehr Geld gebraucht wird, kann er seine Ausgaben erhöhen.

   So hat der Staat immer die volle Kontrolle über die Geldmenge und kann dafür sorgen, dass immer genau soviel Geld im Umlauf ist, wie benötigt wird, damit alles, was aufgrund der vorhandenen Kapazitäten in der Wirtschaft erzeugt werden kann, auch gekauft werden kann und damit auch erzeugt wird. Der Staat muss sich bei diesem System auch nie verschulden, denn er kann – in einem vernünftigen Rahmen, versteht sich – jederzeit Geld erzeugen, wenn er es braucht.

   Wenn der Staat nun aufgrund unvorhergesehener größerer Ausgaben – etwa Beihilfen für Opfer einer Naturkatastrophe – mehr Geld erzeugt, als er eigentlich sollte, ist das auch nicht weiter schlimm: Es entsteht dann eine gewisse Inflation. Inflation, so sagt man, sei Diebstahl, da sich der einzelne Bürger weniger von seinem Geld kaufen kann, als ihm aufgrund der dafür erbrachten Leistungen zusteht wenn zwischenzeitlich die Preise gestiegen sind. Das stimmt jedoch nur, wenn der Staat das „zuviel“ erzeugte Geld für unlautere Zwecke verwendet, indem er zum Beispiel Einzelne sich daran bereichern lässt. Verwendet er dieses zusätzlich Geld hingegen nur für legitime Ausgaben, ist diese Inflation sogar eine sehr gerechte Sache: Es wird dabei ja ganz automatisch jedem im Rahmen seines Geldvermögens genommen.

   Halt! Im Rahmen seines Geldvermögens? Dann werden ja die bevorzugt, die ihr Vermögen in Form von Sachwerten besitzen und daher nicht von der Inflation rasiert werden! Ist das nicht ungerecht? Keineswegs: Wer sein Geld in Sachwerten, zum Beispiel in Häusern oder Fabriken angelegt hat, oder sich auch nur ein neues Auto oder einen Fernsehapparat gekauft hat, hat es weitergeben, seinen Teil also dazu beigetragen, dass es im Umlauf bleibt und Wertschöpfung stattfinden kann. Oder wie man landläufig sagt: Er hat für Arbeit gesorgt.

   Wer Geld jedoch hortet, schadet der Wirtschaft, weil dieses Geld im Umlauf fehlt. Dadurch wird die Wertschöpfung ausgebremst. Oder anders ausgedrückt: Wer Geld hortet, erzeugt Arbeitslosigkeit. Da ist es nur gerecht, wenn solche Leute durch Inflation überproportional gerupft werden.

  Tatsächlich funktionierte dieses System des vom Staat geschöpften Geldes nicht nur bei den alten Römern, sondern auch zum Beispiel in den USA im letzten Jahrhundert. Tatsächlich würde es auch heute bei uns funktionieren, auch wenn das allermeiste Geld im Umlauf kein Bargeld sondern Buchgeld ist: Anstelle der Geldschöpfung mit Münze und Notenpresse können ohne weiteres auch Gutschriften bei der Zentralbank treten.

  Da dieses System des vom Staat „erzeugten“ Geldes jedoch eine einigermaßen gerechte Teilhabe aller an der Wertschöpfung der Wirtschaft ermöglicht, gefiel es denen nicht, die Geld verdienen wollen, ohne dafür zu arbeiten: Den Bankern und sonstigen Geldverleihern. Die suchten daher nach einem System, mit dem man die arbeitenden Menschen ständig schröpfen kann.

Wie das Geld nicht unter die Leute kommen sollte

   Viele Leute glauben ja, dass die Regierung das Geld in etwa so in Umlauf bringt wie oben beschrieben. Tatsache ist jedoch, dass Banken und „Investoren“ so nicht die immensen Gewinne einstreichen könnten, die sie tatsächlich machen. Deswegen kommt das Geld auch auf eine ganz andere Art unter Leute. Die traurige Wahrheit: Geld kommt in unserem System nur in Umlauf, wenn sich jemand welches ausleiht.

  Neues Geld entsteht zunächst dadurch, dass Geschäftsbanken sich bei der Zentralbank Geld leihen. Diese schöpft das Geld gewissermaßen aus dem Nichts, so wie der Geldwert von Banknoten und Scheidemünzen ja auch beim Drucken praktisch aus dem Nichts entsteht. Die Geschäftsbanken verleihen das von der Zentralbank geliehene Geld an Kreditkunden weiter und dadurch kommt es unter die Leute, da die bei der Bank aufgenommenen Kredite ja benutzt werden, um Dinge zu kaufen.

   Im 19. Jahrhundert gab es in den USA übrigens einen Kampf zwischen den beiden Systemen der Geldschöpfung. Es gibt Historiker, die sagen, dass hinter einigen Mordanschlägen auf Präsidenten und Präsidentschaftkandidaten die Bankenlobby steckte, welche natürlich wollte, dass die Geldschöpfung nicht beim Staat lag, sondern bei den Banken. Es wird außerdem auch behauptet, dass Präsident John F. Kennedy deswegen umgebracht wurde, weil er die Geldschöpfung wieder in die Hände des Staates legen wollte.

   Das Geld, dass ursprünglich von der Zentralbank geschöpft wurde, heißt übrigens Zentralbankgeld . Das Tollste daran ist, dass es sich in der Hand der Geschäftsbanken wie ein Stall voll Kaninchen auf wundersame Weise vermehrt.

   Wie aber geht nun das?

Giralgeld oder die wundersame Geldvermehrung

  Wenn eine Bank beispielsweise 100 Millionen als Kredit von der Zentralbank erhalten hat, darf sie diese Geld bis auf einen bestimmten Prozentsatz weiter verleihen. Den gesetzlich vorgeschriebenen Prozentsatz, den die Bank zurückhalten muss, nennt man Mindestreserve. Wenn die Mindestreserve zum Beispiel 50% beträgt, kann sie 50 Millionen davon an ihre Kunden verleihen.

  Dieses als Kredit verliehene Geld wird natürlich dafür verwendet, etwas zu bezahlen. Sprich: jemand nimmt es ein. Der legt es auf seine Bank und schafft dieser Bank damit eine Einlage von 50 Millionen, die wiederum bis auf die Mindestreserve verliehen werden und bringt damit weitere 25 Millionen in Umlauf. Die 50 Millionen bleiben dabei zur vollen Verfügung des Kontoinhabers, denn er kann sie jederzeit abheben.

  Das gleiche passiert mit den neuen 25 Millionen: Auch sie landen als Einlage wieder bei einer Bank, die dadurch 12,5 Millionen verleihen kann. Im nächsten Schritt sind es dann 6,25 Millionen, dann 3,125 Millionen und so weiter. Man müsste diese Reihe (½ + ¼ + 1/8 + 1/16 + 1/32 + … +1/n) unendlich weiterführen um tatsächlich auf die Zahl Eins zu kommen. Doch bereits nach einigen Schritten ist man sehr Nahe an der Eins, so dass man sagen kann, das aus der ursprünglichen Mengen Zentralbankgeld durch diesen Mechanismus noch einmal die gleiche Menge an so genanntem Giralgeld entstanden ist.

  Wäre die Mindestreserve nun tatsächlich 50%, würde also (knapp) soviel Giralgeld in Umlauf kommen, wie ursprünglich Zentralbankgeld ausgeliehen wurde, da man die Mindestreserve genau genommen nicht zur umlaufenden Geldmenge rechnen darf, da sie ja definitionsgemäß nicht ausgegeben werden darf.

  Nun beträgt die Mindestreserve aber keine 50% sondern sehr viel weniger. Bei einer Mindestreserve von 10% beispielsweise würde mit der Reihe (0,9 + 0,81 + 0,721 +...) aus dem Zentralbankgeld bereits knapp die neunfache Menge an Giralgeld entstehen. Tatsächlich aber haben wir derzeit im Euroraum eine Mindestreserve von 2%, so dass aus dem ursprünglich ausgeliehenen Zentralbankgeld annähernd die 50fache Menge an Giralgeld wird.

Die Rolle des Zinses oder: Wer soll das bezahlen?

  Das Problem bei dieser Geldschöpfung über Kredite ist das folgende: Vom Staat einmal geschöpftes Geld bleibt quasi immer und ewig im Umlauf, es macht lediglich immer wieder einmal vorübergehend in der Staatskasse Station, was dem Staat gleichzeitig ein hohes Maß an Kontrolle über die Geldmenge gibt, da er sie über das Verhältnis zwischen Steuern und Staatsausgaben regulieren kann. Bei der Geldschöpfung per Kredit hingegen verschwindet das Geld immer wieder, denn die Kredite müssen ja irgendwann einmal zurückgezahlt werden.

  Damit trotz dieser Rückzahlungspflicht beim kreditgeschöpften Geld immer Geld im Umlauf ist, muss die Zentralbank ständig neue Kredite gewähren – oder umgekehrt betrachtet: Würden alle Schulden zurückbezahlt, wäre kein Geld mehr im Umlauf. Denn so wie das Zentralbankgeld aus dem Nichts entsteht und sich durch Weiterverleih auf wundersame Weise zur -zigfachen Menge Giralgeld vermehrt schnurrt es bei der Rückzahlung der Kredite wieder zur ursprünglichen Menge Zentralbankgeld ein, die dann durch Rückzahlung des ursprünglichen Kredits an die Zentralbank wiederum im buchhalterischen Nirwana verschwindet.

   Es kommt aber noch besser: Bis hierher wäre das Geldsystem zwar unsinnig, würde den Banken jedoch nichts einbringen. Deswegen verlangen sie für das verliehene Geld eine Art Miete, den Zins. Das beginnt bei der Zentralbank, die für die Kredite an die Geschäftsbanken einen bestimmten Zinssatz verlangt. Dieser Zinssatz ist im übrigen praktisch das einzige Mittel, mit dem die Geldmenge bei diesem System gesteuert werden kann – und auch nur von der Zentralbank und nicht etwa von der Regierung, die nämlich der Zentralbank letztendlich genau nichts zu sagen hat.

   Die Geschäftsbanken verleihen das von der Zentralbank geliehene Geld nun zu einem höheren Zinssatz an ihre Kunden weiter. Außerdem verleihen sie die Einlagen ihrer Kunden weiter, natürlich ebenfalls zu einem Zinssatz, der natürlich auch wieder höher ist als der, den sie für die Einlagen bezahlen.

   Das Problem bei der Sache mit dem Zins ist nun das folgende: Das durch die ursprüngliche Schöpfung von Zentralbankgeld und dessen Vermehrung zu einem Vielfachen an Giralgeld in Umlauf gebrachte Geld reicht genau aus, um alle bei seiner Entstehung gewährten Kredite zu tilgen. Für den Zins, der zusätzlich fällig ist, ist gar kein Geld mehr da. Daher können niemals alle Kreditnehmer ihre Kredite aus dem umlaufenden Geld zurück bezahlen.

  Natürlich bringen viele auf Kredit gemachte Investitionen mehr ein, als für Zins und Tilgung erforderlich ist und die entsprechenden Unternehmen machen Gewinne. Das kann aber niemals bei allen gleichzeitig der Fall sein. Es ist wie bei der berühmten Reise nach Jerusalem, bei der immer ein Stuhl weniger da ist als Mitspieler.

  Damit nun alle Kredite doch zurückgezahlt werden können, muss immer irgendjemand zusätzliches Geld aufnehmen. Mittlerweile sind das schon lange nicht mehr nur Firmen, sondern auch Privatleute, die sich Geld für Konsumgüter leihen. Tatsächlich können weder private noch geschäftliche Kreditnehmer diese Kredite je vollständig zurückzahlen, denn verdient werden kann immer nur das Geld, das im Umlauf ist. Und das reicht genau für die ursprünglich aufgenommenen Kreditsummen, nicht jedoch für die Zinsen.

   Außerdem muss der Staat, anders als wenn er das Geld selbst schöpft, bei kreditgeschöpftem Geld Schulden machen, wenn er einmal einen höheren Geldbedarf hat als aus den Steuereinnahmen zu decken ist. Ist das einmal passiert, wird er kaum jemals wieder davon wegkommen, wie man derzeit bei uns nur zu deutlich sieht.

Woran Banken verdienen

  Die Zinsen sind natürlich gleichzeitig der Verdienst der Banken. Anstatt aber wie anständige Leute ihren verdientes Geld wieder auszugeben, damit andere es erneut verdienen können, verleihen sie es lediglich. Dadurch kommt es zwar zunächst auch wieder in Umlauf, verschwindet aber daraus wieder, weil die Kredite ja zurückgezahlt werden müssen. Und auch hier ist für die Zinsen kein Geld im Umlauf vorhanden; damit sie bezahlt werden können, muss wiederum neues Geld als Kredit geschöpft werden.

  Wenn eine Währung noch jung ist, wie unsere D-Mark zur Zeit des Wirtschaftswunders ist der Unterschied zwischen der im Umlauf befindlichen Geldsumme und den Schulden noch gering. Da aber ständig mehr Geld aufgenommen wird als zurückgezahlt wird, wachsen die Schulden in einer progressiven Kurve: Erst sehr flach, dann steiler und steiler und zum Schluss schießen sie fast senkrecht nach oben.

Und die Geldanleger?

  Auch das Horten von Geld in so genannten Geldanlagen, in denen es „arbeiten“ soll, erzeugt den den gleichen Effekt wir die „Geschäfte“ der Banken. Man könnte auch ganz grob sagen, Geldanleger beteiligen sich an der Abzocke der Banken. Dass sie – vor allem die kleinen – im Krisenfall als erstes über die Klinge springen und selbst über die Löffel balbiert werden, steht jedoch auf einem anderen Blatt. Zu erörtern, wie man mit Geldanlagen andere beklaut oder auch selbst beklaut wird, würde den Rahmen dieses Artikel jedoch sprengen.

Wirtschaftskraft und Geldumlauf heute

   Zusammenfassend lässt sich sagen: Aufgrund des Zinses und der Art unserer Geldschöpfung, also systemisch bedingt, ist ständig weniger Geld im Umlauf als dafür nötig wäre, dass die Realwirtschaft ihre volle Kraft entfalten könnte. Wenn eine Währung noch „jung“ ist, wie unsere D-Mark zur Wirtschaftswunderzeit, ist dieses zu wenig noch so gering, dass er nicht weiter auffällt. Je mehr jedoch durch die Wirkung des Zinses Geldvermögen und Schulden wachsen, umso mehr Geld zieht der Zins aus dem Umlauf und bremst damit die Wirtschaft immer stärker aus.

   Derzeit – und nicht erst seit gestern - sind wir in einem Bereich der Zins- und Schuldenkurve, in dem das Wirtschaftswachstum mit dem Wachstum der Schulden nicht mehr mithalten kann. Der Ausverkauf von Volkseigentum, die so genannten Privatisierungen von Post, Bahn etc. also, die wachsende Staatsverschuldung bei gleichzeitigen Sozialabbau und die Notwendigkeit, (realwirtschaftlich nicht sinnvolle) Exportüberschüsse zu erzielen, rühren allesamt daher, das man versucht die ausufernden Zinsen doch noch irgendwie bezahlen zu können.

   Und so langsam sind wir in der Lage eines Bauern, der seine Kühe verkaufen muss, um die Raten für die Melkmaschine zu bezahlen. Es klingt zwar nach einer verkürzten, sektiererischen Pauschalerklärung zum Verkauf einer Patenlösung für sämtliches Erdenweh, aber es ist wahr: der Grund für unser wirtschaftlichen Probleme ist einzig und allein das System der Geldschöpfung durch die Banken mithilfe verzinslicher Kredite bzw. der Zins überhaupt.

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3. Oktober 2011 1 03 /10 /Oktober /2011 10:16

Euro und EU sind angeblich „alternativlos“, hören wir derzeit ständig; der gemeinsame Markt sei von existenzieller Wichtigkeit und der Löwenanteil unserer Exporte würde in Länder der EU gehen. Zeit also, sich einmal klar zu machen, was Währungsunion und gemeinsamer Markt eigentlich bewirken und wie sie funktionieren.

    Wir, also Deutschland, würden, so wird uns ferner derzeit erzählt, am meisten vom Gemeinsamen Markt profitieren und müssten daher jetzt Opfer bringen – also zahlen – damit Euro, EU und der Gemeinsame Markt gerettet würden. Da scheint insofern richtig zu sein, als das wir tatsächlich sehr viel Umsatz mit Ländern dieses Gemeinsamen Marktes machen. Als kleiner Mann merkt man jedoch nichts von den Vorteilen dieser Eurozone, jedenfalls nicht in Form von mehr Geld in der Tasche – so wie ja auch der jüngste „Aufschwung“ nicht in dieser Form bei uns angekommen ist. Was also ist faul an der Sache mit dem Euro und der Eurozone,dem so genannten Gemeinsamen Markt?

Der Wert einer Währung

   Um das „Wunder“ der tollen Umsätze und Gewinne zu erklären, die in letzter Zeiten mit Exporten in Länder gemacht wurden, mit denen früher nichts oder nicht viel zu verdienen war, muss man sich zunächst einmal klar machen, wie Währungen eigentlich funktionieren. Der (Außen-)Wert der Währung eines Landes, ihr Wechselkurs, ist – abgesehen von Einflüssen durch Spekulationen – davon abhängig, inwiefern das jeweilige Land Dinge liefern kann, die in anderen Ländern gefragt sind.

   Wir in Deutschland stellen allerhand Dinge her, die im Ausland gerne gekauft werden. Daher nahm man zu ihrer Zeit unsere DM gerne überall an; schließlich konnte man dafür viele schöne Dinge bekommen. Anders ist es etwa mit pakistanischen Rupien oder türkischen Lire: Diese Länder haben nicht viel, dass sie ins Ausland verkaufen können, daher will niemand ihr Geld haben, es hat daher auch einen niedrigen Wechselkurs.

Terms of Trade

   Das bedeutet realwirtschaftlich betrachtet nichts anderes als dass solche Länder viel von ihren eigenen (wenig gefragten) Waren hergeben müssen um wenig (begehrte) Waren aus anderen Ländern zu bekommen. Dieses Verhältnis nennt man übrigens auch „Terms of Trade“. Die Terms of Trade kann z.B. an solchen Dingen ablesen wie der Menge Kaffee, die ein äthiopischer Kaffeepflanzer erzeugen muss, um sich einen Traktor aus Europa zu kaufen.

   Auch in Europa gab es Länder, die schlechtere Terms of Trade hatten. Man erkannte sie daran, dass man dort billig Urlaub machen konnte, weil man dort für sein Geld viel mehr bekam als bei uns. Griechenland und Italien zum Beispiel waren solche Ländern. Ich war beispielsweise 1973 einmal in Italien und musste für eine Lira etwa 0,4 Pf. bezahlen. Die von mir damals gefühlte Kaufkraft einer Lira war aber in etwa die eines ganzen Pfennigs – zumindest hinsichtlich der Dinge, für die ich als voll verpflegter Zeltlagerteilnehmer mein Geld so ausgab: Zigaretten, Getränke, Kneipe, Eis... Mit Nahrungsmitteln, Restaurantbesuchen, Übernachtungen usw. kann es jedoch nicht sehr viel anders gewesen sein, denn sonst wäre Italien ja kein billiges Urlaubsland gewesen.

Export in Länder mit schlechten Terms of Trade

   Das Problem mit dem Export in Länder mit schlechten Terms of Trade ist nun das, dass deren Währungen nicht stabil sind, sondern meist im Kurs fallen. Wenn man nun in ein solches Land exportiert ist dabei nicht viel zu verdienen: Für den Preis in Drachmen, den man beispielsweise für eine Lieferung nach Griechenland vereinbart hatte, bekam man nach Lieferung der Ware und Erhalt der Bezahlung weniger DM als man mit dem Wechselkurs zum Zeitpunkt der Lieferung kalkuliert hatte.

   Im Prinzip war es bei Lieferung in Länder wie Griechenland also so, als wenn man einen armen Kunden hat, dem man jeweils nachträglich von der Rechnung etwas erlassen muss, weil er nicht in der Lage ist, den vollen Preis zu bezahlen. Dass solche Länder so keine interessanten Märkte für Firmen aus den wirtschaftlich starken Ländern sind, lässt sich leicht denken.

Das (scheinbare) Wunder des Euro

   Nun wollen Firmen jedoch möglichst viel verdienen, müssen dazu möglichst viel umsetzen und sind daher immer daran interessiert, neue Märkte zu erschließen. Die ärmeren EU Länder wären tolle Märkte gewesen, nur bestand mit ihnen da beschriebene Problem, dass man schließlich mit dem Euro – und zuvor schon ansatzweise mit der Währungsschlange – „löste“.

   Nachdem jetzt beispielsweise auch Griechenland den Euro hatte, konnte man bei einem Exportgeschäft mit einem griechischen Unternehmen einen Preis vereinbaren, liefern und nahm dann mit Bezahlung der Rechnung die vereinbarte Summe ohne Kursverluste auch tatsächlich ein. Dadurch war für deutsche Unternehmen mit Exporten nach Griechenland und ähnliche Länder der Eurozone alles in bester Ordnung, man konnte mit diesen Ländern endlich auch einmal richtig Geld verdienen.

Eine gemeine Frage und eine unangenehme Tatsache

   Nun kam aber wohl niemand – zumindest keiner, dem man dafür in den Medien ein echtes Podium gab – auf die Idee, zu fragen, wieso Länder wie Griechenland jetzt auf einmal zahlungskräftige Kunden, also tolle Märkte waren. Schließlich hatte die Einführung des Euro nichts, aber auch gar nichts an der griechischen Realwirtschaft geändert: Die erzeugte nämlich jetzt auch nicht mehr im Ausland Gefragtes als vorher.

  Man muss bei derartigen Betrachtungen nämlich immer eines im Auge behalten: Handel ist immer Tauschhandel, auch wenn das in Zeiten von Finanzierungen, Geldanlagen und angeblich „arbeitendem“ Geld gerne vergessen wird. Der Umstand, dass man Geld als Hilfsmittel einsetzt, ändert nichts an der Tatsache, dass ein Land mit schwacher Realwirtschaft nur wenig im Austausch gegen importierte Güter geben kann. Das ist nicht anders als bei einem Bauernhof zu Zeiten des Tauschhandels. Wer auf seinem Hof, z.B. aufgrund geringer Größe und/oder schlechter Klima- und Bodenbedingungen nur wenig und mäßig Gefragtes produzieren konnte, konnte dafür auch nur wenig von den Gütern eintauschen, die er nicht selbst herstellte und war daher in der gleichen Lage, in der heute Länder mit wenig entwickelter Realwirtschaft sind.

Was der Euro bewirkte

   Nun ist also klar, dass die scheinbar guten Geschäfte, die man mit Griechenland seit der Einführung des Euro machen konnte, ganz einfach nicht gedeckt waren: Griechenland hat von den stärkeren EU-Ländern Güter bekommen, ohne dass diese dafür im gleichen Wert Güter aus Griechenland bezogen hätten. Im Grunde haben wir daher Güter, also Waren und Dienstleitungen dorthin geliefert, ohne dafür voll bezahlt zu werden.

   Trotzdem haben die Unternehmen, die nach Griechenland exportiert haben, zunächst nichts verloren. Das liegt daran, dass die Griechen dafür in Euro bezahlt haben und nicht wie früher in Drachmen. Die Tatsache, dass man einen Teil der nach Griechenland gelieferten Güter in letzter Konsequenz verschenkt hat, ganz einfach weil wir mehr exportieren als importieren, fiel so zunächst überhaupt nicht auf.

Die Rolle der Banken und des Zinses

   Warum ist diese Sache eigentlich nicht aufgefallen? Das lässt sich erklären, wenn man die Rolle des Zinses berücksichtigt und die Tatsache, dass auch wir, die wirtschaftlich stärkeren EU-Länder, hoch verschuldet sind. Dadurch floss ein großer Teil der Einnahmen aus Exporten nach Griechenland aus den Kassen der exportierenden Länder in Form von Zinsen zu Banken und „Investoren“.

   Diese Geld konnte daher nicht in Form von Lohn an die Arbeitnehmer verteilt werden. Das ist übrigens nicht nur bei Exporten nach Griechenland der Fall, sondern ganz allgemein: Weil immer mehr Geld als Zins aus dem Umlauf abfließt, hat niemand mehr welches. Das schmälert schon einmal die Einnahmen der Unternehmen, weil sie immer billiger werden müssen, da niemand mehr Geld hat. Von den verbleibenden Einnahmen müssen aber auch die Unternehmen immer mehr Zinsen bezahlen, so dass immer weniger für die Löhne übrig bleibt. Das ist der Grund dafür, dass wir immer mehr für immer weniger Geld arbeiten sollen.

   Wäre der Zins nicht, hätte übrigens die ganze Sache mit dem Euro-Beitritt von Griechenland und den anderen wirtschaftlich schwächeren Staaten vielleicht sogar klappen können: Mit den Euros aus den Erlösen der Exportgeschäfte mit diesen Ländern hätte man genau dort ja wieder Waren nachfragen können. Dass dies auch tatsächlich passiert wäre, dafür hätte man ja eventuell mit geeigneten EU-Subventionen sorgen können.

   Vielleicht war das ja in etwa auch so gedacht. Unter den gegebenen Umständen jedoch konnte es so nicht klappen, da zu viel von den Exporterlösen aus schwächeren Ländern durch den Zins aus dem Geldkreislauf abgezogen wurde und zu wenig unter die Leute kam, als dass dadurch zusätzliche Nachfrage nach Gütern aus Griechenland und Co. entstehen konnte, die eine Entwicklung der Realwirtschaften dieser Länder stimuliert hätte.

Wohlstand auf Pump

   Ehrlich gesagt, mir geht das Messer in der Tasche auf, wenn ich höre, dass der Masse der einfachen Leute in einem Land gesagt wird, sie hätten „über ihre Verhältnisse“ gelebt. Genau das haben die Griechen jedoch getan, was jedoch keineswegs rechtfertigt, die griechischen Normalbürger als „Pleite-Griechen“ zu diffamieren: Zum einen kann man es keinem Arbeitnehmer vorwerfen, wenn er das Geld annimmt, das man ihm für seine Arbeit bietet bzw. wenn er dafür so viel verlangt, wie er nur bekommen kann. Zum anderen blieb den Griechen ja gar nichts anderes übrig, denn natürlich stiegen mit der Einführung des Euros dort auch die Preise.

   Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass mehr Geld aus Griechenland in die Kassen der Unternehmen in anderen EU-Ländern floss, als griechische Unternehmen mit Exporten ins Land brachten. Es flossen also auch mehr Güter nach Griechenland, als die Griechen nach außen lieferten. Trotzdem sah alles toll aus, denn die Exporte der Länder mit stärkeren Realwirtschaften wurden ja auf heller und Pfennig bezahlt. Da wir die stärksten Hersteller von Gütern in der EU sind, sah es daher natürlich so aus, als wenn wir tatsächlich vom Euro und dem Gemeinsamen Markt erheblich profitierten.

   Die große Frage, die allerdings keiner stellte, ist nun die, woher nun das ganze Geld kam, dass die Griechen für Importe ausgaben, aber gar nicht mit Exporten verdienten.Die traurige Wahrheit: Es war gepumpt.

   Dadurch, dass Griechenland im Euro war, konnte der griechische Staat auch Kredite in Euro aufnehmen. Über die Gehälter von Beschäftigten bei der Öffentlichen Hand und sonstige Staatsausgaben kamen diese gepumpten Euros unter die Leute und erzeugten die Nachfrage nach Importgütern – ließ Länder wie Deutschland also (scheinbar) von der Eurozone profitieren.

Irgendwann ist der Ofen aus

   Der griechischen Volkswirtschaft ging es also wie einem einzelnen Menschen, der sich mit geliehenem Geld mehr leistet als seinem Einkommen entspricht: Das geht ein Weile gut, denn zunächst kann er die bereits laufenden Kredite, wie seine überzogenen Ausgaben auch, aus immer neuen Krediten bedienen. Irgendwann wachsen ihm jedoch die Schulden über den Kopf und es kommt die große Pleite.

   Und genau das ist auch Griechenland passiert. Erschwerend kam hinzu, dass wie gesagt Griechenland kaum Möglichkeiten hatte, sich die für Importe ausgegebenen Euros von uns wieder zurück zu verdienen. Selbst wenn Griechenland von seiner Realwirtschaft her in der Lage gewesen wäre, verstärkt Güter in den Euroraum zu verkaufen, hätte das nicht geklappt: Ein großer Teil der von dort zu uns kommenden Euros landete durch unsere eigene Überschuldung in Form von Zins bei Banken und „Investoren“ und nicht in unseren Taschen, wo sie Nachfrage nach griechischen Gütern hätten erzeugen können.

   Wir hatten also kaum Möglichkeiten, die Griechen die Euros wieder zurück zu verdienen zu lassen, die wir von ihnen für unsere Exportgüter bekamen. Stattdessen mussten sie, wenn die Party weitergehen sollte, sich diese von genau den Banken und Investoren leihen, die sie uns aus der Tasche gezogen hatten. Und natürlich bleibt die Frage, ob Griechenland, selbst wenn uns mehr von den Exporterlösen geblieben wäre, auf absehbare Zeit in die Lage gekommen wäre, ausreichend zu exportieren, um seine Importe aus Exporterlösen bezahlen zu können.

Wer bezahlt die Zeche?

   Da nun der Punkt erreicht wurde, an dem die Griechen ihre Kredite nicht mehr bedienen konnten, ist das ganze Kartenhaus zusammengefallen. Die Forderungen an Griechenland leiden Not.

   Wenn ein ordentlicher Kaufmann mit Zitronen gehandelt hat, indem er jemandem Kredit gewährt hat, der ihn dann nicht bezahlen kann, muss er die Not leidenden Forderungen abschreiben. Es ist nun eben eine ganz normale Sache, dass man, wenn man verdienen will, unternehmerische Risiken selbst zu übernehmen und die Folgen zu tragen hat, wenn ein Geschäft nicht so ausgeht, wie man das gerne gehabt hätte. Nicht so jedoch die Banken: Die schreien jetzt lauthals nach dem Staat, damit er ihnen mit unseren Steuergeldern ihre Verluste ersetzt.

Seriös beschissen

   Man muss ja schon direkt den Hut davor ziehen, wie seriös wir mit dem Euro und der Eurozone, dem so genannten Gemeinsamen Markt beschissen werden. Seriös in dem Sinne, dass bei der ganzen Chose gegen kein einziges Gesetz verstoßen wurde und alles ganz toll und reell aussah, obwohl wir, die einfachen arbeitenden Menschen dabei nach Strich und Faden beschissen wurden: Wir haben den realwirtschaftlich schwächeren Ländern der Eurozone von uns erzeugte Güter geliefert, ohne dafür von ihnen erzeugte Güter im gleichen Wert zurück bekommen zu haben. Und jetzt sollen wir auch noch der Finanzindustrie den Schaden ersetzen, den sie davon hat, Geld an Länder verliehen zu haben, die es nicht zurückzahlen können. Geld noch dazu, dass sie uns in Form von Zinsen vorher aus der Tasche gezogen hat.

 

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23. September 2011 5 23 /09 /September /2011 16:20

Ein Team von Forschern an der TU Chemnitz entwickelt derzeit gerade Solarzellen, die ganz einfach auf Paier gedruckt werden. Erste Erfolge haben sich bereits eingestellt; mit den bisher hergestellten Zellen können bereits kleine elektronische Geräte betrieben werden wie Versuche zeigten.

   Der Clou dabei: Die Zellen werden auf ganz normales Papier gedruckt und zwar mit ganz gewöhnlicher Drucktechnik, da sich die verwendeten Schichten wie ganz normale Druckfarbe verwenden lassen. Das Drucken findet unter ganz gewöhnlichen Umgebungsbedingungen statt und kann von jeder Druckerei ausgeführt werden. Ein Reinraum wie man ihn bisher noch bei der Solarzellenproduktion benötigt ist dazu nämlich nicht erforderlich. Am Ende ihres Lebens können die gedruckten Solarzellen wie Verpackungsmaterial aus Papierwerkstoffen als Altpapier entsorgt werden.

  Ein Nachteil der neuen Solarzellen, deren Name 3PV (Printed Paper PhotoVoltaics) lautet, ist ihre bisher noch geringe Lebensdauer und der ebenfalls derzeit noch geringe Wirkungsgrad. Letzteren wollen die Forscher noch deutlich verbessern und die kurze Lebensdauer wird durch den günstigen Preis aufgewogen.

 

Mehr Informationen zu der neuen Technik gibt es auf der 3PV-Website

 

 

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12. September 2011 1 12 /09 /September /2011 10:39

Es ist schon unglaublich, was Journalisten so alles verzapfen: "Der Hirsch erlag nach Polizeiangaben seinen Verletzungen", steht in einem SPON-Artikel über einen Wildfunfall mit einem Intercity auf der Bahnstrecke  zwischen Berlin und Hamburg. Offenbar kann man es dem Leser nicht mehr zumuten, den bei Tieren angebrachten deutschen Ausdruck "verenden" zu lesen.

   Lächerlich auf den ersten Blick, bei genauem Hinsehen aber auch problematisch: Selbstverständlich haben auch Tiere Lebensrecht und Würde, aber es besteht dennoch ein Unterschied zum Menschen. Wenn man den mit übertriebener Wertschätzung des Tieres verwischt, setzt damit gleichzeitig den Menschen herab.

   Sprache ist nun eben einmal immer auch Denke. Die Geringschätzung des Menschen ist auch tatsächlich bezeichnend für unsere heutige Gesellschaft und vor allen den Umgang der Öberen mit dem Volk: Fahrgäste werden zu "Beförderungsfällen", Mitarbeiter zu "Humankapital" und Stadtteile werden "beschult", was mich immer daran erinnert, dass man früher Fuchsbauten begaste. Aber ein Hirsch darf nicht verenden, er muss seinen Verletzungen erliegen.

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Published by Fokko - in Sprache
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