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  • : Blog von Volker Wollny
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  • Publizist und Freier Dozent, von Hause aus Ingenieur sowie gelernter Mechaniker und gelernter Maurer, Querdenker, Naturfreund und -nutzer, technisch interessiert aber auch technikkritisch, glaube nicht alles was mir erzählt wird.
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Andreas Quiring  

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Biohof-Gemeinschaft Baum des Lebens

14. Mai 2010 5 14 /05 /Mai /2010 00:00

In den bisherigen Folgen meiner Artikelserie "Wo kommt eigentlich das Geld her?" haben wir einiges über den Ursprung und frühere Formen des Geldes erfahren und gesehen, dass es als universelles Tauschmittel sehr nützlich ist, weil es den Fluss von Waren und Dienstleistungen gegenüber dem Tauschhandel mit Naturalien stark erleichtert. Außerdem haben wir entsetzt erfahren, wie Banken Buchgeld in praktisch beliebiger Menge aus dem Nichts entstehen lassen, ohne dass dafür auch nur der mindeste Gegenwert vorhanden zu sein braucht.

Teil I

Teil II

Teil III

Das übersehene Loch in der Zinstheorie

   Die herkömmliche Wirtschaftstheorie sieht den Zins gewissermaßen als Entsprechung der Produkte, die mit Produktionsmitteln hergestellt werden, die dem Kapital entstprechen, mit denen man sie bezahlt hat. Dabei wird jedoch ein wichtiger Sachverhalt übersehen: Waren, egal ob es sich dabei um Konsumgüter wie Brötchen und Zigaretten handelt oder um Investitionsgüter, also Maschinen und dergleichen, leben nicht ewig. Geld jedoch nutzt sich nicht ab, es kann höchstens durch Inflation an Wert verlieren. Und das spielt eine große Rolle, wie wir gleich sehen werden und zwar zusammen mit einem zweiten Sachverhalt, der ebenfalls übersehen wird.

   Wir haben festgestellt, dass das Geld, welches Herr Schulze sich geliehen und in Umlauf gebracht hat, dadurch besteht, dass Herr Schulze Schulden bei der Bank hat. Diese Schulden wachsen durch die Zinsen an und können mit den 10 0000 Euro, die durch Herrn Schulzes Kreditaufnahme in Umlauf gebracht wurden, nicht mehr bezahlt werden. 

   Das bedeutet nichts anderes, als das Herr Schulze, wenn er den Kredit samt Zinsen zurückzahlen will, sich das Geld für die Zinsen entweder wo anders ausleihen oder aber Geld verdienen muss, dass sich jemand anders ausgeliehen hat. Buchgeld kann nämlich tatsächlich nur durch Kreditaufnahme bei einer Bank entstehen. Egal wie man es dreht und wendet, es läuft immer darauf hinaus, dass das insgesamt vorhandene Geld durch Schulden bei Banken entstanden ist, aber nie ausreicht, diese Schulden auch zurückzuzahlen, da die Schulden durch den Zins ganz von alleine ständig wachsen, die vorhandene Geldmenge jedoch nur durch neue Kreditaufnahme vermehrt werden kann.

   Nehmen wir einfach einmal an, jeder würde hergehen, sein ganzes Geld nehmen und damit eigene oder Schulden anderer Leute bezahlen, wären zwar die ursprünglich aufgenommenen Kreditsummen bezahlt, nicht jedoch die aufgelaufenen Zinsen. Die würden sich dann weiter verzinsen, ohne dass überhaupt noch Geld da wäre, um die alten und neuen Zinsen zu bezahlen, denn das vorhandene Geld wäre durch die Rückzahlung der Schulden ja verschwunden.

Geldvermehrung und Wirtschaftswachstum

   Zins und Zinseszins fallen nun jedoch nicht nur an, wenn Banken Geld verleihen, sondern auch, wenn Geld angelegt wird. Das Kapital der Anleger erzeugt, ebenso wie die Bankkredite Zinsen, also Forderungen, denen kein Geld gegenübersteht, mit dem sie bezahlt werden können. Damit dieses von Geld verdiente Geld ausgegeben werden kann, muss irgendwo wiederum irgendjemand Kredit bei einer Bank aufnehmen, was natürlich auch wieder Zins und Zinseszins verursacht.

   Kurz und gut: Durch Zins und Zinseszins vermehrt sich also ständig die vorhandene Geldmenge. Was sich zunächst nicht vermehrt, sind die Güter, die zwar ständig hergestellt werden, jedoch auch ständig verbraucht werden. Da aber der Wert unseres Geldes durch die Güter repräsentiert wird, die man damit kaufen kann, würde das Geld, wenn es sich einfach so durch Zins vermehrt wie es das tut, ständig an Wert verlieren. Damit das nicht passiert, müssen immer mehr und immer mehr Güter hergestellt werden, sprich, die Wirtschaft muss ständig wachsen.

   Jeder Mensch, der einigermaßen zu denken in der Lage ist, wird sich wohl schon einmal gefragt haben, wieso die Wirtschaft eigentlich ständig wachsen muss, obwohl wir schon lange alles haben, was wir brauchen. Die Antwort lautet schlicht und einfach: Weil sich das Geld durch Zins und Zinseszins ständig vermehrt und seinen Wert verliert wenn die Wirtschaft nicht genauso wächst wie das Geld respektive die Schulden, durch die es entstanden ist.

   Das geht sogar am Anfang auch gut, denn zunächst wachsen die Schulden nur langsam und die Wirtschaft kann mit ihrem Wachstum noch mithalten, vor allem, wenn es, wie bei uns nach dem Zweiten Weltkrieg an allen Ecken und Enden fehlt und noch lange nicht jeder alles hat, was er haben möchte. Zu diesem Zeitpunkt sind dann Lohnerhöhungen und Arbeitsverkürzungen drin, Konsumgüter werden billiger und jedem geht es immer besser. 

   Da sich die Geldmenge und damit die Schulden jedoch nicht linear, sondern exponentiell vermehrt und von keinen Gegenkräften gebremst wird, überholt das Geldwachstum jedoch irgendwann das Wachstum der realen Wirtschaft. Dieses kann nämlich zwar am Anfang auch immer schneller werden, da es der gleichen natürlichen Wachstumsfunktion folgt wie Zins und Zinseszins, wird aber, wie das Wachstum von Tieren und Pflanzen irgendwann durch natürliche Gegenkräfte gebremst und flacht sich ab: Bäume wachsen nicht in den Himmel, verzinste Geldbeträge jedoch sehr wohl.

   Dummerweise fließt das Geld aus Zins und Zinseszins dabei immer nur in eine Richtung: Dahin, wo schon viel Geld ist, vor allem zu den Banken, aber auch zu anderen Geldanlegern. Da die Besitzer dieses Geldes es jedoch nicht ausgeben, weil sie gar nicht soviel ausgeben können, wie sie durch Zinsen bekommen, fehlt dieses Geld im Kreislauf. Weil man jedoch Geld im Kreislauf benötigt, damit Waren und Dienstleistungen fließen können, gerät die Wirtschaft ins Stocken – es fehlt an Liquidität. Diejenigen die etwas benötigen, haben kein Geld und diejenigen, die das Geld haben, benötigen nichts, kaufen nichts und bringen dadurch auch kein zusätzliches Geld mehr in Umlauf.

Die Zinsschraube

   Um nun doch wieder etwas Liquidität zu schaffen, werden weitere Kredite aufgenommen, die für noch mehr Schulden und damit für noch mehr Zins und Zinseszins sorgen. Schließlich können zum Beispiel Firmen nur noch investieren, wenn sie dies auf Kredit tun. Da die Zinsen für diese Kredite aus den Einnahmen für die Produkte bezahlt werden müssen, stecken sie in deren Preisen und müssen schlussendlich von den Käufern bezahlt werden. Andererseits muss aufgrund der Kreditzinsen auch gespart werden, denn zu teuer kann man aufgrund der Konkurrenz ja auch nicht werden. An den Löhnen tut man das und nicht zuletzt auch in der Fertigung - und dadurch, wenn das auch abgestritten wird, nicht zuletzt an der Qualität.

   Der Zins ist also schlussendlich der Grund dafür, dass wir für immer mehr Arbeit immer weniger Geld bekommen und für immer mehr Geld immer ärgeren Schund angedreht bekommen. Selbst wer es bisher noch geschafft hat, schuldenfrei zu bleiben, bezahlt über die Preise der Dinge, die er kauft, jede Menge Zinsen an die Leute, denen das ganze Geld gehört, dass er nicht hat.

   Wer sich, wie jeder, der nur ein wenig denken kann, schon einmal die Frage gestellt hat, warum wir trotz ständig wachsende Wirtschaft immer weniger bekommen, hat nun die Antwort: Mehr Sozialprodukt bedeutet natürlich mehr für den einzelnen, denn wenn durch das Wirtschaftswachstum der Kuchen größer wird, wird auch jedes Stückchen größer. Wenn aber durch den Zinseszins bereits ein immer größeres Stück vorab an die Geldbesitzer geht und daher immer weniger an die Arbeitenden zu verteilen ist, wird trotz größerem Kuchen das Stückchen des Einzelnen immer kleiner und kleiner.

   Dass es uns zu Wirtschaftswunderzeiten verhältnismäßig besser ging und unser Lebensstandard ständig stieg wohingegen er heute stagniert oder sinkt, liegt nicht nur an der Umstrukturierung unserer Industrie, an der EU und an der Globalisierung, sondern vor allem auch am Zinseszins, wobei diese Dinge jedoch zusammenhängen. Die Globalisierung, welche den Niedergang unserer Konsumgüterindustrie verursacht hat, ist zum Teil auch eine Folge der Zinsschraube: Irgendwo muss das ständig wachsende Kapital ja hin.

   Wo führt das Ganze nun aber hin? Und was kann der Einzelne tun um sich aus der Zinssklaverei zu befreien? Darüber werden wir und im fünften und letzten Teil dieser Artikelserie Gedanken machen.

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Kommentare

Joachim 05/15/2010 11:42


Ja, Buchgeld wird sowieso "gelöscht" sobald ein Kredit zurückgezahlt wird.
Allerdings ist es korrekt wenn der Staat Vermögenssteuer und höhere Erbschaftssteuern erhebt. Nur so kann man die Unterschiede zwischen Reich und Arm mildern. Mit einer MwSt-Erhöhung sind Menschen
mit geringerem Einkommen prozentual eben höher betroffen.


H.Hoffmann 05/14/2010 11:46


Meine Schlußfolgerung zur Lösung dieses Problems lautet: Einführung einer Vermögenssteuer (natürlich mit Freibetrag), drastische Erhöhung der Erbschaftssteuer. Wobei der Staat das Buchgeld
zumindest teilweise einfach löschen sollte anstatt es für eigene Ausgaben zu nutzen.


Fokko 05/14/2010 12:09



Leider ist das nicht so einfach. Der Staat hat dieses Buchgeld nämlich nicht, sondern er schuldet es. Löschung würde also eine Annullierung der Staatsschulden bedeuten. Das würde zwar zunächst
für "Luft" sorgen, aber, abgesehen von dem Geschrei (und Schlimmerem) der Gläubiger vom Bundesschätzchenbesitzer bis zur Großbank, würde das gleiche Spiel dann wieder von vorne losgehen und nach
einer gewissen Zeit wären wir dann wieder da, wo wir jetzt sind.


Und die Steuern? In der Tat erhöht der Staat ständig die Steuern und kürzt seine Leistungen an die Bürger, weil immer mehr Geld für die Zinsen der Staatsschulden draufgeht. Wobei das ein weiteres
Problem (oder, wenn man so will, einen weiteren Aspekt der Zinsproblematik) darstellt: Die Steuern belasten Unternehmen und Privathaushalte und behindern dadurch die Wirtschaft.


Die einzige Lösung: Beseitigung der Zinsproblematik und zwar nicht durch ein Zinsverbot, sondern durch Freigeld. Nur so wäre der Abbau der Staats- und sämtlicher anderer Schulden möglich, wobei
eine generelle Streichung der Schulden oder eine Beseitigung auf kaltem Wege durch Währungsreform natürlich den Start erheblich erleichtern würde.   


 


 



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