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  • : Blog von Volker Wollny
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  • Publizist und Freier Dozent, von Hause aus Ingenieur sowie gelernter Mechaniker und gelernter Maurer, Querdenker, Naturfreund und -nutzer, technisch interessiert aber auch technikkritisch, glaube nicht alles was mir erzählt wird.
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Andreas Quiring  

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Biohof-Gemeinschaft Baum des Lebens

30. Januar 2011 7 30 /01 /Januar /2011 12:24

Vor einer Woche erschoss in Plochingen am Neckar im Großraum Stuttgart eine Frau ihren Mann mit ihrer Pistole, vermutlich aus Angst um ihre Kinder. Als Sportschützin war sie legal im Besitz dieser Waffe. Das ist natürlich ein gefundenes Fressen für Menschen, die Patentlösungen wollen und nur zu gerne bereit sind, den Sack zu schlagen, wenn sie sich an den Esel nicht herantrauen.

   Ein besonders erbärmliches Stück Journalismus hat sich in diesem Zusammenhang die Internet-Postille „Spiegel Online“ geleistet, welche niveaumäßig auch sonst einer bekannten, von geistigen Kleinverbrauchern zur Meinungsbildung herangezogenen überregionalen Tageszeitung immer ähnlicher wird. Bereits gleich am Anfang des Elaborates wird klar, dass die Autorin, eine gewisse Julia Jüttner, offenbar keine Ahnung hat, wo Plochingen liegt und wie es dort aussieht, wenn sie die kleine, aber selbständige Industriestadt im Ballungsraum am mittleren Neckar als „ländlichen Vorort von Stuttgart“ bezeichnet. Genauso könnte man auch in Castrop-Rauxel einen ländlichen Vorort von Essen sehen.

   Das jedoch nur am Rande. Die Darstellung der Frau, dass sie ihre Kinder vor Gewalt schützen wollte, wird gleich im ersten Satz in Frage gestellt: „Wollte Sabine W. nur ihre Kinder schützen?“ Zum einen sieht man förmlich das Wort „wirklich“ zwischen dem Namen der Frau und dem Wörtchen „nur“. Andererseits klingt der Satz aber auch nach Unzurechnungsfähigkeit und tierischem Instinkt, etwa wie wenn ein Hund jemanden gebissen hat, weil er „nur seine Menschen verteidigen wollte“.

Einer hat es ja schon immer gewusst

   Interessant wird es, wenn man erfährt, dass der Bruder des Erschossenen einer von den sattsam bekannten Leuten ist, die „es ja schon immer gewusst“ haben. Er, so sagt er, sei von Anfang an dagegen gewesen, dass Thomas W. und seine Frau zuhause „Waffen horteten“. Genannt wird übrigens auch die Stückzahl, die das unglaubliche Waffendepot der Eheleute W. ausmachte: Ganze vier Sportpistolen für zwei Schützen. Ob ein Journalist eine solche Aussage eines aufgeregten Betroffenen zitiert, sollte er sich überlegen. Wenn er sie wie Julia Jüttner oder der eventuelle Kollege, der ihren Bericht redigiert und druckfertig gemacht hat, sich zu Eigen macht und sogar für einen Zwischentitel verwendet („Im Keller hortete das Ehepaar W. vier Sportpistolen“), gehörte das in die Rubrik „unfreiwilliger Humor“, wenn es nicht eine so traurige Sache wäre.

   Der ob des immensen Waffenlagers von vier Pistolen im brüderlichen Hause so besorgte Mensch diente sich dann bereits am Tage nach der grausigen Bestätigung seiner schlimmsten Befürchtungen einem gewissen Hardy Schober an. Den kennt zwar niemand, aber als Vorsitzender der Bürgerinitiative „Aktionsbündnis Winnenden“ versucht er immer noch, mithilfe der traurigen Geschehnisse vom März 2009 von sich reden zu machen: Er möchte seine und die psychischen Probleme seiner Adepten vom Staat gelöst haben – natürlich in Form eines umfassenden Verbotes von Waffen in Bürgerhand.

   Das Interessante daran ist, dass sowohl Hardy Schober als auch der schlaue und vorauswissende Bruder von Thomas W. als Bewohner des Großraum Stuttgarts die psychosozialen Verhältnisse dort eigentlich kennen sollte, auf die ich seinerzeit in meinem Artikel zu der Schulschießerei von Winnenden ausführlich eingegangen bin. Dass sich die dortigen, durch die Dauerkrise der letzten Jahr noch verschärften Probleme nicht mit einem Schusswaffenverbot lösen lassen, sollte jedem klar sein, der einen IQ größer als 50 besitzt.

   Allerdings ist es nur zu verständlich, dass man sich nicht gerne mit den eigentlichen komplexen Problemen auseinandersetzt, wenn man eine griffigen Sündenbock zur Hand hat, wie es das (bei uns ja sowieso in unerträglichem Maße eingeschränkte) Recht des Bürgers auf Waffenbesitz darstellt. Und dass dies einem Staatsapparat in den Kram passt, der zunehmend Grund zur Annahme hat, dass ihm die eigenen Bürger womöglich demnächst ans Hemd gehen und bereits paranoid reagiert, wie man im Herbst in Stuttgart gesehen hat, nimmt nicht Wunders. Genauso wenig, wie man darüber staunen müsste, dass systemtreue Medien mit in diese Kerbe hauen.

Eine alter Trick lässt grüßen

   Übrigens lässt sich hier wieder eine probate Vorgehensweise erkennen, die bereits vor über 80 Jahren ein gewisser Adolf Hitler in seinem bekannten Standardwerk für Demagogen „Mein Kampf“ denjenigen empfahl, die unter Ausnutzung demokratischer Strukturen an die Macht gelangen wollen: Man nehme einige wenige der vielen komplexen Probleme, breche sie auf mundgerecht verkürzte Darstellungen herunter und entwickle Patentlösungen dafür. Die kleide man in einfache Schlagworte, die man ständig wiederholt.

   So in etwa empfahl es der zu Landsberg in Festungshaft brummende „Böhmische Gefreite“ bereits in den Zwanzigern. Als man ihn wieder laufen ließ, bewies er die Funktionsfähigkeit seiner theoretischen Überlegungen – mit den bekannten furchtbaren Folgen für Millionen von Menschen. Natürlich gibt das keiner zu, aber genau nach diesem Muster wird das Volk auch heute noch verdummt: Und eine obrigkeitstreue Presse hilft mit Artikeln wie dem der ehren werten Julia Jüttner nach Kräften mit.

Kollektive Schusswaffen-Phobie

   Bislang ist es nur eine Hypothese, basiert jedoch auf den Aussagen der Frau und den Verlautbarungen der Polizei nach auch auf einigen Indizien: Sabine W. erschoss ihren Mann, um ihre Kinder zu schützen. Nun ist zu untersuchen, inwiefern das stimmt und ob aus ihrer Sicht in dieser Lage andere Abhilfe nicht möglich war.

   Denkbar, dass Sabine W. überzogen reagiert hat. Vielleicht ist ihr Mann nur vergleichsweise „harmlos“ ausgerastet und sie war übernervös, geriet in Panik reagierte unangemessen. In diesem Falle wäre sie nicht geeignet, eine Schusswaffe zu besitzen. Das hätten die Schutzmechanismen unseres Waffenrechtes verhindern müssen – sie hätten in diesem Falle also versagt. Das will aber nichts heißen, denn jeder Schutzmechanismus kann einmal versagen. Auch wenn das so selten geschieht, wie in diesem Falle: Die Straftaten gegen das Leben, die in Deutschland mit legal besessenen Schusswaffen begangen werden, sind statistisch praktisch irrelevant. Es kommt niemand auf die Idee, Autos oder Flugzeuge zu verbieten, wenn es Tote gegeben hat, weil Sicherheitssysteme versagten. Wenn aber alle heilige Zeit jemand mit einer legal besessenen Schusswaffe erschossenen wird, kriechen sofort die Waffen-in-Bürgerhand-sind-böse-Schreier aus ihren Löchern und fordern weitere Einschränkungen des bei uns sowieso schon kaum noch vorhandenen natürlichen Recht des Bürgers auf Waffenbesitz.

Ein neuer, alter Bekannter

   Im besagten Artikel auf SPON taucht übrigens ein Name auf, den man wohl eher weniger kennt, wenn man Jäger oder Sportschütze ist. Mir jedoch ist er beileibe nicht unbekannt, da ich bei dem von der Sache in Winnenden angefachten Medienrummel doppelt betroffen war: Nicht nur als Jäger und Verfechter des Bürgerrechtes auf Waffenbesitz, sondern auch als freier Mensch, der sich hin und wieder erlaubt, ein böses, böses süchtig machendes Killerspiel zu spielen, nämlich World of Warcraft.

   Damals machte einer von sich reden, nach dem bis dahin kein Hahn gekräht hatte: Ein gewisser Christian Pfeiffer, Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen. Dieser Zeitgenosse erregte seinerzeit unter anderem dadurch Aufsehen, dass er sich zu einer Behauptung verstieg, die das Computerspiel World of Warcraft assotiativ in die Nähe des gefährlichen Rauschgiftes Kokain brachte. Eine Aussage, die ihn sowohl fachlich als auch pädagogisch für jeden einigermaßen denkenden Menschen ins absolute Aus katapultierte – falls ein solcher ihn je auch nur im entferntesten Ernst genommen hätte.

   Dieser Mensch wird nun auch von Julia Jüttner in ihrem SPON-Artikel zitiert. Und zwar mit einer uns legalen Waffenbesitzer nur allzu bekannten Plattheit, nämlich der von den vielen Waffen und den vielen erschossenen Leuten in den USA. Wenn ein besorgter Gutmensch, bei dem der Eifer, mit dem er für ein Anliegen eintritt, seine diesbezügliche Sachkenntnis bei Weitem übersteigt, dieses Scheinargument auf der selbstgebastelten Homepage oder in irgendwelchen obskuren Webforen aufs Tapet bringt, kann man Verständnis haben.

   Von einem einschlägigen Wissenschaftler sollte man jedoch annehmen, dass er in der Lage ist, derartige scheinbare Zusammenhänge kritisch zu beleuchten. Ich will jetzt hier nicht zum x-sten Male beleuchten, warum die Zahlenspielerei mit Waffenbesitzern und Schusswaffentoten in den USA eine halbe Wahrheit ist, die ja bekanntlich meist eine ganze Lüge darstellt. Und auch nur kurz an die Schweiz erinnern, die de facto eine mindestens ebenso hohe Schusswaffendichte aufweist wie die USA und gleichzeitig die gleiche niedrige Mordrate wie die Niederlande, wo fast niemand ein Schießeisen hat.

   Ein böswillig denkender Mensch könnte nun den Eindruck haben, dass dieser Mann mit aller Gewalt von sich reden machen und auch wieder dabei sein will, obwohl im Plochinger Fall weit und breit kein Killerspiel zusehen ist. Es geht mir primär jedoch um etwas anderes: Seinerzeit las ich in Foren, in denen sich Computerspieler dagegen wehrten, als potentielle Massenmörder diffamiert und in ihrer Medienfreiheit beschnitten zu werden, den üblichen Dummlall über die bösen, bösen Schusswaffen. Und ich müsste meine Waidgenossen und Schützenbrüder sehr schlecht kennen, wen nicht an Jägestammtischen und in Schützenhäusern weidlich gegen die bösen, bösen Killerspiele gewettert worden wäre.

   Es ist tatsächlich interessant, was man so mitbekommt, wenn man vielseitig ist und dann öfter mal zwischen allen Stühlen sitzt, weil man gleichzeitig mehr als einer von irgendwelchen Gruppen angehört, die sich nicht leiden können. Ich bin Jäger, war früher Reiter und habe heute noch zwei dem Pferdebazillus verfallene Damen im Hause. Muss ich sagen, dass ich das Geschimpfe der Jäger über die Reiter genauso kenne, wie das Gegenstück? Ich habe einen Fischereischein und diverse Bootsführerscheine...

   Das Schlimme dabei: Wo zwei sich streiten gibt es zumeist einen hämisch lachenden Dritten. In diesem Zusammenhang ist es der Moloch der regulierungswütigen und verbotsgeilen Bürokratur und der Profitgeier, die hinter ihr steckt. Während die Reiter und Jäger, die Bootsfahrer und die Angler sich gegenseitig zerfleischen, die einen lachen wenn das Rauchen verboten wird, die anderen wenn Drachenflieger mehr Krankenkassenbeitrag bezahlen sollen, die dritten, wenn Leute, die ihre Kinder mit ihrem Auto fahren lassen mehr für die Kfz-Haftpflicht bezahlen müssen und noch wieder andere, wenn Kommunisten nicht Lehrer werden dürfen, kann derjenige, der etwas weiter denkt, schon die langen Gesichter aller sehen, wenn sie alle als aus der Landschaft geschützte, bis aufs Blut ausgesogene, ihrer Informations- und Meinungsfreiheit beraubte Zombies dasitzen.

Sind Kinder eigentlich nichts wert?

   Zurück zu Sabine W., die möglicherweise überreagiert und einen übergesetzlichen Notstand überzogen haben könnte. Dabei ist aber folgendes zu bedenken: Gewalt gegen Kinder ist absolut inakzeptabel. Darüber gibt es keine Diskussion. Und wenn ein erwachsener Mann ein zweijähriges Kind mit Gewalt gegen eine Glasscheibe drückt, ist das noch einmal etwas ganz anderes als eine gegenüber einem Kind ausgerutschte Hand, obwohl schon die im Grunde einen Menschen disqualifiziert.

   Der Schutzinstinkt einer Mutter ist nun aber eine Art Urgewalt und das ist normalerweise auch gut so. Ich persönlich kenne eine Frau, die, ohne nur eine Sekunde nachzudenken, im November ihrem Kind hinterher gesprungen ist, das ins eiskalte Wasser gefallen war. Ob das Kind überlebt hätte, wenn die Frau nicht so gehandelt und sich selbst dabei in Lebensgefahr gebracht hätte, ist fraglich. Schutz bedarf oft schneller Reaktionen. Hier Abwägen und Nachdenken zu fordern, wie das bei Gericht gerne im Nachhinein getan wird, ist genau genommen unbillig.

   Auch das muss in Rechnung gezogen werden: Es gibt Dinge, mit denen spielt man ganz einfach nicht. Der Schutztrieb einer Frau im Bezug auf ihre Kinder gehört dazu. Offenbar hat Thomas W. das übersehen, was man ihm vielleicht in unserer der Natur entfremdeten Welt der stromlinienförmig normierten Menschen noch nicht einmal zum Vorwurf machen kann. Dann müsste man sagen: Eine tragische Verkettung von unglücklichen Umständen hat zu einem vermeintlichen übergesetzlichen Notstand geführt. Auch die Frage, ob nicht ein bloßes Bedrohen mit der Waffe zum Abwenden der Gefahr für Leib und Leben der Kinder ausreichend gewesen wäre, ist unter diesem Aspekt zu sehen.

   Unbeschadet der Frage, ob die Reaktion von Sabine W. angemessen war: Fakt ist, dass Thomas W. nach den bisherigen Erkenntnissen zunächst eindeutig Täter war und dann – vielleicht – auch Opfer wurde. Es ist in den letzten Jahrzehnten jedoch bei Gericht und vor allem auch in den Medien offenbar Mode geworden, diesen Umstand regelmäßig zu vergessen, wenn jemand einen anderen verletzt oder getötet hat, um sich und/oder Andere zu schützen.

   Bisher ist noch nicht bekannt geworden, was genau alles den tödlichen Schüssen unmittelbar und über einen längeren Zeitraum vorausgegangen war. Wir wissen nicht, ob das Verhalten des Mannes, für das er am Sonntag mit seinem Leben bezahlte, nicht der Endpunkt eines langen Martyriums einer Mutter und ihrer Kinder war. Ob nicht gar Drohungen und Taten vorausgegangen waren, Umstände bestanden, welche die Mutter ernsthaft für das Leben ihre Kinder fürchten ließen. Dass die Familie nach außen hin unauffällig war, hat hier gar nichts zu besagen, denn man muss, wie Reinhard Mey es schon vor Jahren in einem seiner Lieder tat, bei jeder schönen Fassade auch die Frage stellen, wie es „bei Hempels unterm Bett“ aussieht.

Auch ohne Sachkenntnis schrei(b)t sich's gut

   Unter diesem Blickwinkel kann man einem Hardy Schober und anderen von den Geschehnissen in Winnenden direkt betroffenen Menschen nur eine starke Blicktrübung aufgrund selbst erlittenen Leides zugute halten, wenn eine Behauptung wie diese aufgestellt wird: „Wenn unsere Forderungen akzeptiert worden wären, wäre die Tat in Plochingen vermutlich nicht geschehen.“ Wenn ein Journalist jedoch eine solche Aussage kommentarlos kolportiert und nicht als Meinung einer bestimmten Person oder Gruppe kennzeichnet, disqualifiziert er sich selbst. Man könnte nämlich mit der gleichen Berechtigung auch sagen: „Wenn solchen dümmlichen Forderungen von Gutmenschen entsprochen worden wäre, wären jetzt wahrscheinlich fünf Kinder tot und möglicherweise auch noch ihre Mutter.“

   Umgekehrt wird also ein mindestens ebenso schöner Schuh daraus, abgesehen davon, dass es sich eindeutig um eine von Kriminologen bekanntlich ganz allgemein als nicht verhinderbar angesehene, so genannte Beziehungstat handelt. Anders ausgedrückt: Wäre keine Pistole zur Hand gewesen, hätte die Frau ein Küchenmesser oder einen Kerzenleuchter erwischt um für ihre Kinder die Sicherheit herzustellen. Man muss der Journalistin also vorwerfen, dass sie über etwas geschrieben hat, über das sie weder Hintergrundwissen besitzt, noch sorgfältig recherchiert hat – oder aber, was noch schlimmer wäre, Dinge wider besseres Wissen geschrieben hat.

Eine Mutter wird vorverurteilt

   Auch an Ausgewogenheit mangelt es nicht nur Julia Jüttner, sondern auch den ganzen anderen Journailleuren in diesem Fall. Die andere Seite der Medaille kommt nämlich in der Berichterstattung überhaupt nicht vor: Wie, wenn sich im Verfahren herausstellt, dass Sabine W. vollkommen rechtmäßig gehandelt und auf die im vorliegenden Fall einzig mögliche Art und Weise mit ihrer Waffe das Leben ihrer Kinder gerettet hat? Und zwar um den Preis, sich selbst unglücklich gemacht zu haben, denn wer möchte damit leben, seinen ehemals wahrscheinlich sogar geliebten Ehemann und Vater seiner Kinder erschossen zu haben, auch wenn der sich zu einem totalen Monster entwickelt hatte?

   Mit einem für die Berichterstattung in diesem und ähnlichen Fällen leider nur zu typischen Artikel, wie ihn Julia Jüttner hier abgeliefert hat, wird Sabine W. eindeutig vorverurteilt. Das hat mit Journalismus nichts mehr zu tun, auch wenn es durchaus im Sinne des Verdummungs- und Bevormundungsapparates ist, dessen sich die unheilige Allianz aus Staats- und Wirtschaftsmacht heutzutage bedient. Die fünffache Mutter aus Plochingen hat sowieso nur eine geringe Chance auf gerechte Würdigung ihrer Tat, denn sie hat getan, was dieser Staat nicht toleriert: Sie ist selbstverantwortlich mit Gewalt gegen eine Bedrohung vorgegangen. Diese kleine Chance wird ihr durch eine solche Vorverurteilung in den Medien noch weiter erheblich geschmälert. Und selbst wenn Sabine W. je trotz allem freigesprochen und ihr bescheinigt wird, dass sie gehandelt hat wie sie handeln musste, wird – und darauf wette ich meinen Jägerhut gegen ein Papiermützchen von McDonalds – davon nicht viel in den Medien zu hören sein.

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Kommentare

Dominik 02/01/2011 14:45


Vollste Zustimmung und Gratulation zur Site!


PanPagan 01/31/2011 15:20


Sehr gut analysiert. Das reißt den "Möchtegern-Journalisten" die Maske vom Gesicht. Dieser Spiegel-Artikel ist, wohlwollend betrachtet, schlampige Arbeit, im schlimmsten Fall heuchlerische
Vorverurteilung und Manipulation - (ebenso wie damals der unsägliche "Bewaffnete Republik Deutschland - Artikel"). Über Pfeiffer braucht man eigentlich kein Wort mehr verlieren. Der wird sogar von
seinen Fachkollegen heftig angegriffen. Leider gilt er als "Experte" ... eine Bezeichnung, die kaum jemand mal hinterfragt oder gar prüft.


Katja Triebel 01/30/2011 16:11


100% Zustimmung. Ich habe Ihren Artikel bei der Facebookgruppe Waffenlobby gepostet und werden dies auch bei WO und PL unterbringen.

Besonders die Abschnitte: Sind Kinder gar nichts wert und Vorverurteilung einer Mutter sprechen mir aus dem Herzen.


Fokko 01/31/2011 11:17



Freut mich! Danke! Supi, dass Du dass weiterverbreitest!



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