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  • : Blog von Volker Wollny
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  • Publizist und Freier Dozent, von Hause aus Ingenieur sowie gelernter Mechaniker und gelernter Maurer, Querdenker, Naturfreund und -nutzer, technisch interessiert aber auch technikkritisch, glaube nicht alles was mir erzählt wird.
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Andreas Quiring  

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Biohof-Gemeinschaft Baum des Lebens

20. Februar 2010 6 20 /02 /Februar /2010 13:45

 Derzeit herrsche, so kann man in den Medien erfahren, eine Wirtschaftskrise. Sie, so hört man überall, sei verantwortlich für Geldmangel, Arbeitslosigkeit, Kurzarbeit - kurz: dafür, dass die Bürger (sprich die kleinen Leute, aber nur die) den Gürtel enger schnallen müssten. Komischerweise sind jedoch durch die Vorgänge, die zur Wirtschaftskrise geführt haben, gar keine wirklichen Werte vernichte worden: Es gab keine Missernte, es sind keine Fabriken abgebrannt, es ist niemand arbeitsunfähig geworden, keine Bergwerke abgesoffen. Alle Sachwerte und alles, mit dem Werte erzeugen kann,  ist noch da, aber trotzdem geht auf einmal nichts mehr.  Daher stellt sich derzeit eigentlich jedem die Frage, was eine Wirtschaftskrise nun ist und von was sie eigentlich kommt.


"Tate, mechtest du erklärn mir wos dos is, "prosperity" und "crisis" fragt der kleine Dovidl aus New York seinen Vater, der Börsenbroker an der Wallstreet ist.

  "No," sagt der Vater, "dos mecht sein ganz einfach zu erklärn: prosperity, dos is Champagner, Varietee und leichte Meedchen, crisis, dos  is Dosenbier, Fernsehn und deine Mame".


Was prosperity und crisis, also Aufschwung und Krise eigentlich sind, genauer gesagt, wo sie herkommen, möchte wohl so mancher wissen. Leider gibt uns der uralte jüdische Witz, der mir dazu eingefallen ist und den ich mir nicht verkneifen konnte. auch keine wirkliche Aufklärung, da er nur die Auswirkungen von Aufschwung und Krise erklärt, nicht aber die Mechanismen, die sie entstehen lassen.

  Wirtschaftskrisen werden von den meisten Leuten als quasi gottgegeben hingenommen, genauso wie die Grausamkeiten, die man ihnen damit begründet zufügt. Es ist eben Krise, man kann keine Lohnforderungen stellen, weil der Arbeitgeber selbst nichts hat und man muss ja sowieso froh sein, wenn man in diesen Zeiten noch einen Arbeitsplatz hat. Diese verbreitete Einstellung kommt nicht von ungefähr, sie ist erwünscht und deswegen sagt auch niemand, wo Wirtschaftskrisen tatsächlich herkommen, sondern verschleiert die Tatsachen mit finanztechnischen Fachausdrücken und viele schlauem Geschwätz von Zyklen, gesamtwirtschaftlichen Entwicklungen und dergleichen.

Im Grunde ist es aber ganz einfach zu verstehen, woher eine Wirtschaftskrise kommt - und genau deswegen sagt es auch niemand klar und eindeutig: Wer nämlich versteht, woher eine Wirtschaftskrise kommt, sieht auch ganz klar, was der Fehler an unserem hochgelobten Wirtschaftssystem ist und und kommt dahinter, warum es ihm immer schlechter geht während ganz bestimmte Unternehmen Rekordgewinne machen. Das darf natürlich nicht sein, denn das System braucht gläubige Untertanen, die es akzeptieren, dass nun einmal schlechte Zeiten sind und man ja im Übrigen sowieso keinen Anspruch darauf hat, dass man mit seiner Arbeit genug für ein akzeptables Leben verdienen kann.

Die Rolle(n) des Geldes

Um zu verstehen, wie und warum eine Wirtschaftskrise entsteht, muss man wissen, was Geld ist und was es tut bzw. tun soll - und vor allem auch, was es nicht tun soll.

Geld ist ganz einfach ein Tauschmittel, ein Werkzeug, das den Austausch von Waren und Dienstleistungen erleichtert, nicht mehr und nicht weniger. Es ist aber auch ein Schatzmittel, denn man kann eingenommenes Geld eine Weile aufheben und sich erst später etwas dafür kaufen.

Wie Geld funktioniert 

Stellen wir uns vor, ein Bauer hätte eine schlachtreifes Kalb und ein kaputtes Scheunendach. Der Wert des Kalbes würde etwa dem Aufwand für die Reparatur entsprechen und so hätte der Bauer im Grunde keine Not, sofern der Zimmermann, der ihm das Dach reparieren könnte, gerade ein Kalb gebrauchen könnte.

Ist das jedoch nicht der Fall, wird es schwierig: Der Bauer würde vielleicht zum Schuster gehen, der ein Kalb gebrauchen und ihm dafür ein paar Schuhe geben könnte. Die Schuhe würden vielleicht dem Schmied passen, der bereit wäre eine Axt dafür herzugeben. Diese Axt schließlich könnte der Zimmermann gebrauchen und wäre willens, dafür das Scheunendach unseres Bauern zu reparieren.

Man sieht, dass ohne Geld die zwei simplen Transaktionen, ein Kalb zu verkaufen und eine Dachreparatur in Auftrag zu geben, einen immensen Aufwand kosten würden. Viel Zeit also, die dem Bauern dann bei seiner eigentlichen Tätigkeit, der Landwirtschaft fehlen würde.

Mit Geld wäre die ganze Transaktion wesentlich leichter gegangen: Der Bauer hätte das Kalb dem Schuster verkauft und den Zimmermann mit dem Erlös bezahlt. Dass dann vielleicht auch der Schuster das Geld mit der Anfertigung von Schuhen für den Schmied und der wiederum mit der Axt für den Zimmermann verdient hätte, hätte für den Bauern keine Rolle gespielt, weil er sich darum nicht hätte kümmern müssen.

Mit Geld wäre jedoch noch eine andere Variante der Geschichte möglich: Der Bauer hätte das Kalb auch ohne kaputtes Scheunendach verkaufen und den Erlös zunächst aufheben können, bis vielleicht der Schaden am Dach entstanden oder vielleicht statt dessen der Geburtstag seiner Frau gekommen wäre, zu dem er ihr ein neues Kleid geschenkt hätte.

Was ist Geld wert?

Wenn auch das gedachte Geld des Bauern, vielleicht ein Taler, in unserem Beispiel scheinbar wahlweise ein Kalb, ein paar Schuhe, eine Dachreparatur, eine Axt oder ein Kleid "wert" ist, muss man sich dennoch im Klaren sein, dass Geld keinerlei Eigenwert besitzt. Das klingt für manchen vielleicht etwas komisch, wird aber sofort klar, wenn man sich vorstellt, dass der Bauer sein Kalb für Geld verkauft hätte, dann aber niemand da wäre, der willens und in der Lage ist, ihm etwas für dieses Geld zu verkaufen. Dann wäre das Geld wertlos, den unser Bauer könnte es weder essen, noch damit den kaputten Balken an seinem Scheunendach ersetzen.

Geld hat also keinen eigenen Wert, es ist lediglich ein Hilfsmittel für den Austausch von Waren, es spielt die Rolle eines Tauschmittels. Geld ist, wenn man es genau betrachtet, lediglich eine Art Informationsträger: Es zeigt an, dass sein Besitzer etwas geliefert hat und nun berechtigt ist, etwas in etwa gleichwertiges zu beziehen.

  Das Geld ermöglicht es aber auch, das Erbringen der eigenen Leistung vom Beziehen einer fremden Leistung zeitlich und räumlich zu trennen, gewissermaßen den Wert der eigenen, erbrachten Leistung aufzuheben. In diesem Falle spielt das Geld die Rolle eines Schatzmittels. Allerdings wird es hier bereits problematisch wie wir gleich sehen werden. Aber auch in diesem Falle ist das Geld im Grunde wiederum lediglich ein Informationsträger, der anzeigt, dass sein Besitzer Wert geschaffen hat und jetzt berechtigt ist, welche zu erhalten.

Arbeitet Geld?

Man hört immer wieder, das Geld arbeiten müsse. Stimmt das oder stimmt das nicht? Kann und/oder muss Geld arbeiten? Die Antwort lautet: Ja und Nein. Es kommt nämlich darauf an, was man unter dem Arbeiten des Geldes versteht.

Wenn man Arbeit als "seinen Zweck erfüllen" interpretiert, so wie ein Dynamo arbeitet, wenn er Strom erzeugt und ein Schreiner, wenn er Möbel baut, dann lautet die Antwort: Ja. Geld muss arbeiten indem es seinen Zweck erfüllt. Und der besteht darin, von Hand zu Hand zu gehen und den Austausch von Waren und Dienstleistungen - also Handel und damit letztendlich Wirtschaft - zu ermöglichen.

Versteht man unter Arbeit jedoch das Schaffen von Werten, muss die Antwort lauten: Nein! Geld ist weder ein Stück Boden, auf dem etwas wächst noch eine Kuh, die Milch gibt, noch eine Maschine, die Waren produziert. Da dies aber in aller Regel gemeint ist, wenn man davon spricht, dass Geld arbeite, handelt es sich bei der Behauptung, dass Geld arbeiten können und/oder müsse um eine der größten Lügen der Weltgeschichte: Wo angeblich und scheinbar Geld arbeitet, arbeiten in Wirklichkeit Menschen, die um den Wert ihrer Arbeit betrogen werden.

  Die tatsächliche Arbeit des Geldes, nämlich als Tauschmittel zu fungieren, ist jedoch unerlässlich für eine entwickelte Wirtschaft. Ohne Geld würde es notfalls in einem mittelalterlichen Dorf - wo unsere Geschichte mit dem Bauern, dem Kalb und dem defekten Scheunendach hätte passieren können - mit einem Haufen Bauern und ein paar wenigen Handwerkern klappen. Es kann aber in einer modernen Wirtschaft nicht funktionieren, wo jeder einzelne nur ganz bestimmte Dinge macht, vielleicht auf der einen Seite lediglich eine ganz bestimmte Art von Maschinen für ganz bestimmte Unternehmen herstellt - oder vielleicht sogar nur bestimmte Teile dafür - und auf der anderen Seite eine Vielzahl von Waren und Dienstleistungen für den beruflichen und privaten Gebrauch beziehen will. Hier kann nicht mehr Gut gegen Gut getauscht werden, sondern man benötigt das Geld als Zwischenmittel. Diese "Arbeit" des Geldes ist also unerlässlich.

Geld ist also nicht etwa das Blut, sondern die Nerven der Wirtschaft: Wie bereits gesagt, transportiert es die Information, das jemand in einem bestimmten Umfange geliefert und/oder geleistet hat und daher berechtigt ist, Leistungen und Lieferungen in Anspruch zu nehmen. So wie ein höherer Organismus nicht ohne Nerven existieren kann, kann auch eine entwickelte Wirtschaft nicht ohne Geld stattfinden.

Warum Geld scheinbar arbeiten kann

Dass man Geld scheinbar - oder genauer gesagt mit seiner Hilfe andere Leute - für sich arbeiten lassen kann, hat einen einfachen Grund: Den Zins. Zins ist eine Art Miete für Geld und so wird das Nehmen von Zinsen auch moralisch damit gerechtfertigt, dass der Kreditgeber ja anstatt Geld zu verleihen, etwas dafür kaufen und nutzen oder auch vermieten könne. Das ist zwar vordergründig richtig, doch hat der Zins zwei üble Eigenschaften: Er vermehrt die Geldmenge und er ist ein Anreiz, Geld zu horten und "anzulegen".

Es ist wenigen klar, dass sich Geld durchaus unkontrolliert vermehren kann. Dass das Herstellen von Geld nur dem Staat möglich sei, ist ein böser Irrtum: Jeder der einigermaßen kreditwürdig ist, kann im Prinzip Geld herstellen und zwar dann, wenn er etwas auf Pump kauft und z.B. über eine Bank finanziert Dem Lieferanten wird dann bei der Bank die Kaufsumme gutgeschrieben und kann von ihm ausgegeben werden, genauso, wie wenn der Käufer die Ware mit tatsächlichem Geld bezahlt hätte.

  Geld entsteht also nicht nur auf der Notenpresse der staatlichen Zentralbank, sondern auch durch die so genannte Kreditschöpfung von Banken. Im Grunde kann eine Bank sogar Geld verleihen, das sie gar nicht hat. Außerdem entsteht Geld auch durch Zins. Dass dies geschehen kann, liegt daran, dass ein (heutzutage sogar sehr großer) Teil des umlaufenden Geldes gar nicht in Form von Banknoten und Münzen existieren muss und existiert, sondern lediglich in Form von Guthaben und Forderungen, dem so genannten Buchgeld.

Während der Staat die Menge des physischen Geldes sehr leicht kontrollieren kann, weil er ja entscheidet ob Geld gedruckt und geprägt wird oder nicht, hat er auf die Menge des vorhandenen Buchgeldes sehr, sehr wenig Einfluss. Es gibt dafür zwar Instrumente, doch sind die recht wenig wirksam und wenn es für die Geschäfte der Banken opportun ist, sind diese in der Praxis trotz Mindesteinlagen, Diskont- und Lombardsatz in der Lage, eigentlich beliebig viel Buchgeld zu erzeugen.

  Kurz und gut: Banken können Buchgeld durch Kreditschöpfung und Zins erzeugen. Zins ist sozusagen die Miete für geliehenes Geld und dadurch gleichzeitig der Anreiz, Geld zu verleihen. Wer Geld hat, kann also damit Geld verdienen, indem er es gegen Zins verleiht. Derjenige, der sich das Geld ausleiht, investiert es, arbeitet mit den Investitionen - z.B. Maschinen oder eine Ladeneinrichtung - und verdient dadurch wiederum Geld von dem er - hoffentlich - den Zins und die Tilgung des Kredits bezahlen kann. Für denjenigen, der das Geld verleiht, sieht es also so aus, als ob das Geld arbeiten würde, während es in Wirklichkeit der Kreditnehmer ist, der arbeitet.

Warum sich Geld an wenigen Orten sammelt

Wir erinnern uns: Der Besitz von Geld ist nichts anderes als eine Art Anzeiger dafür, dass jemand irgendwelche Leistungen erbracht, also am großen Kuchen "Sozialprodukt" mit gebacken hat und deswegen berechtigt ist, Leistungen zu beziehen, sich also eine bestimmte Menge vom Kuchen abzuschneiden. Das Geld macht dieses Recht der Teilhabe am Sozialprodukt übertragbar und es daher auch möglich, dieses Teilhaberecht ohne Gegenleistung weiterzugeben, etwa in Form von Renten, Arbeitslosengeld, Taschengeld, Stipendien usw.

  Auch bei der Zinszahlung fließt Geld, ohne dass dabei Waren oder Dienstleistungen bewegt werden. Wer Geld verleiht, erwirbt mit dem Zins also das Recht, sich vom Kuchen  des Sozialproduktes etwas abzuschneiden, ohne dass er an diesem Kuchen mit gebacken hat. Er lebt also auf Kosten anderer. Einkommen ohne Arbeit gibt es schon lange, den auch in der Feudalzeit mussten die Untertanen Abgaben an die Adeligen bezahlen, die also auf Kosten der einfachen Leute lebten.

Im modernen Kapitalismus ist das aber noch etwas anders. Die Feudalherren in alten Zeiten brachten in aller Regel das Geld, das sie ihren Untertanen abknöpften auch schnell wieder unter die Leute, indem sie es für Prunkbauten, Gärten, protzige Feste und auch sonst für einen aufwendigen Lebensstil ausgaben. Daher hatten zwar die einen wenig und die anderen viel, aber weil das Geld floss, lief die Wirtschaft.

Auch in den Anfangszeiten des Kapitalismus war das im Prinzip noch so: Von dem verhältnismäßig Wenigem, was produziert wurde, nahmen die Kapitalisten den Werktätigen zwar viel weg, indem sie wenig Geld für viel Arbeit bezahlten. Sie gaben das Geld aber, ähnlich wie die Feudalherren zuvor, schnell wieder für Dienstboten, Häuser, Pferde und dergleichen aus, so dass der Fluss des Geldes und damit das Funktionieren der Wirtschaft gewährleistet war.

Heutzutage, im modernen Kapitalismus sind viele Unternehmen gar nicht mehr damit beschäftigt, Waren zu produzieren, sondern sie verleihen Geld gegen Zins, sind so genannte Investoren, die ihr Geld damit verdienen, dass sie anderen Leuten Geld leihen, die damit Investitionen für ihre Geschäfte bezahlen. Von dem Geld, das sie dort verdienen, müssen sie dann die Zinsen für ihre Kredite bezahlen.

Der Zins mehrt nun natürlich das Geld der Investoren und Banken, die so noch mehr Geld verleihen und noch mehr Zinsen verdienen können. Dadurch sammelt sich das Geld mehr und mehr bei den Banken und Investoren. Diese haben und verdienen schließlich viel, viel mehr Geld als sie jemals ausgeben können, zumal sie heutzutage ja nicht mehr einem dicken Kapitalisten mit Zigarre und goldener Uhrkette gehören, der sein leistungsloses Einkommen verprasst und damit das Geld wieder unter die Leute bringt, sondern irgendwelche Gesellschaften sind, die ihren Teilhabern möglichst wenig Rendite bezahlen um als Gesellschaft möglichst hohe Gewinne zu erzielen und immer mehr Kapital anzuhäufen.

Eines der großen Probleme dabei ist, dass der Zins für einen Kredit unabhängig davon entsteht, ob mit dem investierten Geld auch etwas produziert werden kann. Auch wenn ein auf Pump finanziertes Geschäft schlecht geht, wird der Zins auf die Kredite fällig; es entsteht Geld, das durch keine Waren gedeckt ist, die von der Firma produziert und in Umlauf gebracht worden wären.

Eine Blase entsteht       

  Ein weiteres Problem sind Spekulationen. Wenn jemand eine Sache billig einkauft, weil sie im Augenblick wenig wert ist, und hofft, dass sie mehr wert wird und er sie teuer verkaufen kann, nennt man das eine Spekulation. Man kann zum Beispiel einem Bauern im Winter seine Weizenernte vom nächsten Sommer abkaufen und dabei hoffen, dass der Weizen dann teurer verkauft werden kann, als man ihn jetzt einkauft. Das nennt man ein Spekulation auf Hausse, auf ein Preishoch. Man kann auch im Winter Weizen verkaufen, den man gar nicht selbst produziert und auch nicht eingekauft hat, aber zur Erntezeit zu liefern verspricht. Das nennt man einen Leerverkauf und man hofft dabei, dass man zur Erntezeit Weizen zu einem billigeren Preis kaufen kann, als man ihn im Winter verkauft hat und an der Differenz verdient. Das nennt man auf Baisse (auf ein Preistief) spekulieren.

Das gleiche funktioniert nicht nur mit allen möglichen Waren, die schwankende Preise haben, sondern auch mit Aktien und mit Währungen. Heutzutage geht man sogar so weit, dass man gar keine wirklichen Waren, ausländisches Geld oder Aktien mehr handelt, sondern Rechte, Waren, Aktien oder Währungen in bestimmten Mengen zu bestimmten Zeitpunkten zu kaufen oder zu verkaufen. Das nennt man Optionshandel und es ist bei  genauem Hinsehen überhaupt kein Handel mehr. sondern nichts weiter als ein Wette auf den Preis eines Gutes zu einem bestimmten Zeitpunkt - also ganz ordinäres Glücksspiel.

Oft werden solche Spekulationen auch gar nicht mit eigenem, sondern mit geliehenem Geld gemacht. Insgesamt entsteht durch diese Art von Geschäften eine ungeheuerliche Menge von Buchgeld, das sich bei Banken und Investoren ansammelt. Da diese aber auch Geld verleihen, kommt Geld in Umlauf, welches zunächst noch für Liquidität in der Wirtschaft sorgt. Allerdings nur zunächst: Das geliehene Geld muss ja mit Zinsen zurückgezahlt werden und so sammelt sich noch mehr Geld aus der Wirtschaft bei Banken und Investoren. Gerät nun ein Kreditnehmer aufgrund schlechter Marktlage in Zahlungsverzug, muss er noch mehr Zinsen bezahlen, die er gar nicht verdient, also auch wieder schuldig bleiben muss. Diese Schulden sind auf der Seite der Kreditgeber aber Forderungen und damit Buchgeld. So entsteht bei den Banken und Investoren eine immer größere Blase aus Buchgeld, das schon lange nicht mehr durch Waren gedeckt ist.

Die Blase platzt

Eine gewisse Zeit lang geht eine solche Geschichte gut. Es herrscht im Grunde bereits schon lange Inflation, da das Geld sich stärker vermehrt als das, was man dafür kaufen kann. Das fällt aber nicht auf, da dieses überschüssige Geld bei den Banken und Investoren ist, die damit nichts nachfragen, sondern immer mehr davon anhäufen. So lange noch Kredite gewährt werden können, läuft eine solche Wirtschaft sogar einigermaßen. Aufgrund der Zinslast können produzierende Unternehmen in solche einem Falle jedoch immer geringere Löhne bezahlen, was im Rahmen von Sparmaßnahmen dann immer wieder zu Entlassungen und damit zu Nachfrageausfällen führt. Es führt aber auch zu tatsächlichen und Quasi-Lohnkürzungen über stagnierende Löhne bei steigenden Preisen, Änderungskündigungen, Übergang von eigenen Beschäftigten zu Leiharbeitskräften. Da die Banken jedoch ungeheure Mengen von Geld haben, können sie in dieser Phase nicht nur Unternehmen, sondern auch den Privatleuten Geld leihen, so dass immer noch eine gewisse Liquidität besteht, auch wenn die Wirtschaft durch zu wenig frei verfügbares Geld bereits merklich gebremst wird.

Man muss jetzt im Kopf haben, dass das Geld der Banken zu einem erheblichen, ja wohl zum überwiegenden Teil aus Forderungen besteht, die nur so lange bares Geld bedeuten, wie man davon ausgehen kann, dass die jeweiligen Schuldner sie auch irgendwann bezahlen können. Brechen nun ein paar große Schuldner, vielleicht sogar nur ein einziger besonders großer, zusammen, sind die Forderungen seiner Gläubiger an ihn nichts mehr wert. Das Buchgeld verschwindet, so wie es aus dem Nichts gekommen ist, auch wieder genau dorthin. Es entsteht nun eine Kettenreaktion, denn auch die Forderungen der Gläubiger der Gläubiger eines zusammengebrochenen Unternehmens an diese Gläubiger sind nichts mehr wert und die der der Gläubiger der Gläubiger der Gläubiger ebenfalls - und so weiter und so weiter.

  Da aber aufgrund dessen, dass die Banken den größten Teil des Geldes schon lange an sich gezogen haben und Liquidität, also Kaufkraft, in der Wirtschaft  nur noch aufgrund der Kredite - natürlich auch weit überwiegend in Form von Buchgeld - vorhanden ist, verschwindet diese Liquidität in dem Moment, wenn die Banken keine Kredite mehr geben können, weil sie selbst aufgrund geplatzter Forderungen weniger Buchgeld besitzen.

Nun fehlt jedem das geliehene Geld, mit dem er sonst bei anderen gekauft hat und der Fluss der Waren und Dienstleistungen stockt, obwohl wie eingangs erwähnt nach wie vor alles noch vorhanden ist, was zur Produktion von Waren und dem Erbringen von Dienstleistungen erforderlich ist. Anders ausgedrückt: Eine Volkswirtschaft, die aufgrund ihre Kapazitäten eigentlich ungeheure Mengen von Gütern produzieren sowie jedem Arbeit und Verdienst geben könnte, ist zur Untätigkeit verurteilt, weil Banken und Investoren durch ihre Geschäfte das eigentlich vollkommen wertlose aber für den Fluss der Güter unerlässliche Geld haben verschwinden lassen.

Und diesen Zustand nennt man Wirtschaftskrise.

Das Mittel, welches der Staat gegen die Wirtschaftskrise anwendet ist haarsträubend: Er schenkt den Banken Geld, ersetzt daher den Banken das schlechte Geld, das sie verloren haben, durch gutes Geld, welches er den Steuerzahler abgenommen hat. Da die Banken damit wieder Kredite geben können, entsteht Liquidität, Waren und Dienstleistungen können wieder fließen - bis zur nächsten Wirtschaftskrise. Würde der Staat das Geld anstatt den Banken, den Unternehmern und Privatleuten geben, würde dies ebenfalls für Liquidität und damit für Konjunktur sorgen, wäre das Problem genauso gelöst. So jedoch müssen die Leute - das muss man sich einmal sinnig geben - sich ihr eigenes Geld von den Banken leihen, damit die Wirtschaft angekurbelt wird!      

Es gäbe übrigens durchaus einfache Möglichkeiten, diese Situation zu ändern. Sie alle aber haben eines gemeinsam: Sie würden die Macht der Banken und Investoren  brechen und ihre Geldquellen versiegen lassen. Und genau deswegen verhindern die eigentlichen Inhaber der Macht, die Banken und Investoren, mit Hilfe ihrer Lakaien, den Politikern, dass man diese Möglichkeiten nutzt.  Und genau deswegen werden uns Banken und Investoren als Lösungen des Problems verkauft, das in Wirklichkeit genau sie selbst sind.

Weitere Gedanken zum Thema finden sich übrigens auch auf der Rheingold-Website  

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Kommentare

Andreas Zech 02/28/2010 02:45


Aktion - Move Your Money - JETZT in Deutschland

Hallo,

schön dass es Blogsysteme wie WordPress gibt und Google. Diese Aktion sucht und braucht Unterstützer.

Wir von attac Frechen haben schnell gehandelt und mit der folgenden Webseite

www.Move-Your-Money.org

diese registriert und zeigt derzeit auf unseren Artikel dieser Regionalgruppe Frechen im Rhein-Erft-Kreis an der Stadtgrenze zu Köln.

Wir suchen Unterstützer in jeder Form, sei es dankenswerter Weise einem Kommentar oder mit tatkräftiger Unterstützung im Web, Flyer, Logo-Entwicklung etc. und natürlich im Weitersagen und Schreiben
von Blogs.

Wäre toll hier aus dem Netz Hilfe zu erhalten, um endlich das Kasino zu schließen.

Wir sind die Tröpchen, die zum reißenden Fluß werden und ganze Felsen zum Einsturz bringen! Mach mit !

Wir können mehr erreichen, als wir es von unseren Politikern immer wünschen und dies nur in Form von wählen oder Nichtwählen.

Gruss
Andreas Zech

attac Frechen
www.attac-frechen.de


Dr. Helmuth Herterich 02/21/2010 22:28


Wirklich gut!

Zum Dilemma des Geldes und des Zinses folgende Geschichte:
Iwan der Holzfäller möchte sich besaufen, hat aber derzeit nicht den dafür notwendigen Rubel.
Er geht zum Geldverleiher (in der Originalgeschichte war es der Dorfjude) und fragt ihn: "Kannst Du mir bis zur Holzernte im Winter einen Rubel leihen? Ich möchte mich besaufen."
Der Geldverleiher: "Hier hast Du den Rubel; musst mir aber im Winter den Rubel plus 1 Rubel Zins, also 2 Rubel zurückzahlen. Und Deine Axt lässt Du hier als Pfand!"
Iwan ist einverstanden, nimmt den Rubel und will gehen.
Da sagt der Geldverleiher: "Gib mir schonmal 1 Rubel; dann musst Du im Winter nur noch 1 Rubel und nicht 2 zurückzahlen."
Iwan steht dann vor der Hütte des Geldverleihers und murmelt: "Jetzt habe ich kein Geld für den Rausch; meine Axt ist weg und im Winter muss ich noch einen Rubel zahlen. Seltsam!"


Laufende Kosten zu hoch?

Zu hohe Stromrechnung? Gas zu teuer? Internetkosten inakzeptabel?

 

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