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  • Publizist und Freier Dozent, von Hause aus Ingenieur sowie gelernter Mechaniker und gelernter Maurer, Querdenker, Naturfreund und -nutzer, technisch interessiert aber auch technikkritisch, glaube nicht alles was mir erzählt wird.
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Andreas Quiring  

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Biohof-Gemeinschaft Baum des Lebens

7. Februar 2009 6 07 /02 /Februar /2009 13:42

Lepus europaeus, der Feldhase, ist in der Fabel als „Meister Lampe“ bekannt und eines der bekanntesten Tiere unserer Heimat. Trotzdem verwechseln ihn viele Leute mit seinem – gar nicht mal so nahen – Verwandten, dem Wildkaninchen. Auch dessen domestizierte Form, das Hauskaninchen, wird oft, aber fälschlicherweise als „Stallhase“ bezeichnet. Hasen und Kaninchen sind jedoch zwei völlig unterschiedliche Arten, die lediglich zur gleichen biologischen Familie, jedoch zu unterschiedlichen Gattungen gehören.

Als früher sehr häufiges Wild findet man den Hasen natürlich auch häufig in Darstellungen von Jagdkünstlern, wie hier von Walter Heubach

Lebensraum
Außer in Europa kommt der Feldhase auch im angrenzenden Asien und in Nordafrika vor. Er ist eigentlich ein Steppentier, das bei uns mit dem Aufkommen des Ackerbaus und den dadurch entstehenden Feldfluren Fuß fassen konnte. Dementsprechend sind die Lebensraumanforderung des Hasen, der es vor allem gerne warm und trocken mag. Vor allem für seinen Nachwuchs sind Nässe und Kälte das pure Gift. Sein erster Satz Junge, der im Spätwinter oder zeitigen Frühjahr geboren wird, hat daher nur geringe Überlebenschancen. Aus dem gleichen Grund sind warme, trockene Jahre gute und nasskalte Jahre schlechte Hasenjahre.

Artenreiche Vegation wie man sie auf nicht zu früh gemähten Wiesen findet ist, ist unerlässich für das Wohlbefinden des Hasen

Wenn man den Hasen auch hin und wieder im Wald findet, ist doch sein eigentlicher Lebensraum die Agrarlandschaft. Sie bietet ihm, die richtigen, steppenähnlichen Bedingungen, auch wenn er stark unter den Veränderungen der letzten Jahrzehnte zu leiden hat.

 

Ernährung und Lebensweise
Leider ist das bei uns ehemals sehr verbreitete Tier in den letzten Jahrzehnten selten geworden. Das liegt nicht an der Jagd, sondern an der Veränderung seines Lebensraumes, der bäuerlichen Kulturlandschaft. Dazu kommt, dass eben diese Veränderung gleichzeitig einige seiner Fressfeinde begünstigt, wie etwa den Fuchs.

 

Der Feldhase ist eigentlich eine sehr häufige Art, derzeit aber duch Umweltveränderungen dezimiert und gefährdet (Bild: Nordelch, Wikimedia, lizensiert nach GNU FDL)

Der Hase ist ein vornehmlich nachtaktives Tier. Tagsüber ruht er in seinem Lager, der so genannten Sasse. Sie kann sich an Wald- oder Heckenrändern, aber auch im freien Feld befinden. Dabei liegt er immer mit dem Kopf in Windrichtung um herannahende Gefahren wittern zu können. Abends verlässt er sein Bett und geht auf Nahrungssuche.

Der Hase benötigt zu seinem Wohlbefinden die so genannte „Hasenapotheke“, die sprichwörtlichen „siebenundsiebzig Kräutlein“, wobei diese Zahl jedoch nicht wörtlich zu nehmen ist. Wichtig ist für ihn aber in der Tat, dass er eine große Anzahl verschiedener Futterpflanzen benötigt, die ihm eine ausgewogene Ernährung ermöglicht und ihn gesund erhält.

Deswegen leidet der Feldhase besonders unter der Artenverarmung in unserer Feldflur. Große Monokulturen und Herbizide spielen hier eine Rolle; aber ein wichtiger Grund ist auch der frühe Grasschnitt zur Herstellung von Silage. Über Jahrhunderte wurde bei uns auf den Wiesen erst im Juni Heu gemacht, so das sich auf den Wiesen eine Artengemeinschaft bildete, die aus Pflanzen bestand, die bis dahin ihre Samen gebildet hatte. Außerdem blieb auch die Nachkommenschaft der Hasen jedes Jahr bis zu diesem Zeitpunkt unbehelligt von menschlichen Eingriffen.

 

Gefährdung
Da heute bereits im Mai für Silage Gras geschnitten wird, sind diejenigen Pflanzen die Verlierer, die erst später aussamen. Sie verschwinden und fehlen dann auf dem Speisezettel von Meister Lampe. Dadurch leidet seine Gesundheit, in der Folge natürlich auch seine Überlebenschance und damit seine Häufigkeit. Dazu kommt, dass durch das maschinelle Mähen ganz junge Hasen getötet werden, die noch in der Sasse gesäugt werden und nicht flüchten können.Ebenfalls äußerst ungünstig ist, dass mit moderner Mähtechnik das Gras extrem kurz über dem Boden abgeschnitten werden kann, den jungen Hasen also keine Chance bleibt, den Messern zu entgehen.

Flüchtender Hase: Seine kräftigen Hinterläufe ermöglichen ihm blitzschnelles Beschleunigen (Bild: Rosenzweig. lizensiert nach GNU FDL)

Diese Praxis des frühen und extrem kurzen Grasmähens ist übrigens auch tödlich für bodenbrütende Vögel. Leider hat sie sich durch die an sich sehr positive Zunahme der energetischen Biomassenutzung in Biogasanlagen noch verstärkt. Die Bauern schneiden sich übrigens mit dem kurzen Mähen auch noch ins eigene Fleisch: Wie bei Pflanzen allgemein üblich, sitzen auch in den Wiesenpflanzen die Reserven im unteren Bereich. Was zu kurz geschnitten wird wächst daher schlecht nach.

Für den Hasen ist es also immer ein Glück, wenn irgendwo noch ein Stück Wiesenland in traditioneller Weise zur Heuproduktion genutzt wird. Vor allem auch Pferdehalter pachten sich öfter eine Wiese um Heu für ihre Pferde zu gewinnen und helfen damit, oft wohl ohne es überhaupt zu wissen, dem Hasen. Das sollten wir Jäger – nebenbei gesagt - bedenken, wenn wir uns das nächste Mal über Reiter ärgern.

 

Körperbau und Sinne
Hasen werden etwa 60 bis 70 cm lang und etwa fünf, kapitale Exemplare auch bis zu acht Kilogramm schwer. Lepus europaeus ist ein Fluchttier, das seinen Fressfeinden dadurch zu entgehen trachtet, möglichst schnell eine möglichst große Entfernung zwischen sie und sich zu bringen. Das schlägt sich natürlich in seinem Körperbau nieder: Mit seinen im Verhältnis zur Größe sehr stark ausgeprägten Hinterbeinen kann er nicht nur aus der Ruhelage extrem stark beschleunigen, sondern auch Sprünge machen, um die ihn so manches Raubtier beneidet: Bis zu drei Meter hoch und bis zu sieben Meter weit kann ein Hase springen.

 

Schädel eines Hasen (aus einem alten Biologiebuch)

Diese Fähigkeiten erlauben es ihm, seine Tarnung voll auszureizen. Mit seiner bräunlichen bis rotbräunlichen Decke ist er in seiner Sasse, der Bodenkuhle, in der er ruht, recht gut getarnt, zudem er sich dabei auch noch dicht an den Boden drückt. Bei Annäherung einer Gefahr hält er lange aus und saust erst im allerletzten Moment mit rasender Geschwindigkeit davon. Dabei erreicht er gut und gerne seine 50, ja kurzzeitig sogar bis zu 70 km/h. Gleichzeitig ist er in der Lage, blitzschnell seine Richtung zu ändern, was als Hakenschlagen bezeichnet wird. Mit dieser Strategie hat er eine gute Chance, seinen Verfolgern zu entkommen und zu überleben wenn er einmal in seiner Sasse aufgespürt wird.

Mit seinen wesentlich weniger stark entwickelten Vorderläufen kann er jedoch nicht in der Art schreiten, wie es Vierbeiner mit gleich stark entwickelten Vorder- und Hintergliedmaßen tun. Wenn er sich langsam bewegt hoppelt er daher in der bekannten und typischen Weise.

Hasenspur im Schnee (Bildquelle: PD)

Sein Kopf ist ebenfalls seiner Lebensweise gut angepasst: Die seitliche Lage der Augen erlaubt ihm Rundumsicht, wobei aber die Sicht nach vorne in den unscharfen Randbereichen der Gesichtsfelder der beiden Augen liegt. Außerdem ist der Hase kurzsichtig. Typisch für ihn sind die langen Löffel, mit denen er sehr gut hören kann.

Was wenig bekannt ist: Auch die Witterung, das Riechvermögen ist beim Hasen gut ausgeprägt und dient auch zur Partnererkennung in der Rammelzeit. Er verfügt zudem über Duftdrüsen, deren Sekret er teilweise auch zur Fellpflege verwendet, wenn er sich putzt.

Seine Fresswerkzeuge entsprechen seiner Nahrung. Die gespaltene Oberlippe („Hasenscharte“) und die langen Vorderzähne eignen sich gut dafür, die vielerlei Arten pflanzlicher Nahrung abzuäsen, die er benötigt.

 

Fortpflanzung
Da der Hase, vor allem in jungen Jahren, recht gefährlich lebt, muss er auch eine hohe Fortpflanzungsrate aufweisen. Das ist tatsächlich der Fall, seine hohe Vermehrungsrate hat ihn sogar zum Fruchtbarkeitssymbol gemacht.

Der Hase sorgt nicht nur einmal, sondern gleich mehrere Male pro Jahr für Nachwuchs. Ab Januar wird die Häsin regelmäßig etwa alle 38 Tage für einen Tag „heiß“. Eine solche Häsin zieht die Rammler an, woraufhin sich das langwierige Paarungsspiel entwickelt. Dabei finden Rivalenkämpfe zwischen den Bewerben und Verfolgungsjagden statt.

Junger Hase (Gemälde von Albrecht Dürer)

Am Schluss bleibt dabei immer ein Rammler als Sieger übrig, dessen Preis in einem Begattungsakt mit der Häsin besteht. Das hat den Zweck, dass möglichst nur die stärksten und schnellsten Rammler zur Fortpflanzung gelangen. Nach einer kurzen Erholungsphase beginnt der Hasensex dann von neuem, so dass die Häsin an einem solchen heißen Tag mehrfach und auch von mehreren Rüden begattet werden kann.

Die Tragzeit beträgt etwa 42 Tage, wobei die Häsin kurz vor der Geburt schon wieder heiß wird und begattet werden kann. Sie kann nämlich ohne weiteres auch Embryonen in zwei verschiedenen Entwicklungsstadien tragen. In der Zeit zwischen den heißen Tagen hat die Häsin oft einen männlichen Hasen als Begleiter.

Die Jungen kommen behaart und sehend zur Welt und werden in einer Bodenkuhle abgelegt. Die Mutter kommt am Abend kurz zum Säugen, gelegentlich auch ein zweites Mal am Morgen. Dabei bleibt sie jeweils nur kurz, damit das Risiko gering bleibt, dass sie durch ihren stärkeren Geruch Fressfeinde anlockt. In dieser Zeit duldet die Häsin auch keinen männlichen Artgenossen in ihrer Nähe und schmettert deren Annäherungsversuche rigoros ab. Nach einigen Wochen können die jungen Hasen dann selbständig ihre Nahrung suchen und starten in ein Hasenleben, dass etwa zwölf Jahre dauern kann, wenn nicht ein Beutegreifer, eine Krankheit, der Straßenverkehr oder die Flinte des Jägers es vorzeitig beenden.

 

Der Hase in der Folklore

Der Hase ist ein sehr volkstümliches Tier, das als Meister Lampe in den Fabeln auftaucht und für viele Sprichwörter herhalten muss. Er gilt auch als Fruchtbarkeitssymbol und ist damit neben dem Ei typisch für die Osterzeit geworden. In afrikanischen Tiergeschichten wird er als sogar als schlau dargestellt, ähnlich dem knitzen Altrammler Mümmelmann aus den Geschichten von Hermann Löns.

Dass der Hase ein volkstümlicher Sympathieträger ist, mag daran liegen, dass der „kleine Mann“ sich in gewisser Weise in ihm wiedererkennen kann: Ständig bedroht von übermächtigen Feinden, gegen die er sich nicht wehren kann, ist er darauf angewiesen, ständig auf dem Quivive zu sein und seinen Widersachern durch Tricks, prompte Reaktion und Schnelligkeit zu entgehen um zu überleben.

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