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  • Publizist und Freier Dozent, von Hause aus Ingenieur sowie gelernter Mechaniker und gelernter Maurer, Querdenker, Naturfreund und -nutzer, technisch interessiert aber auch technikkritisch, glaube nicht alles was mir erzählt wird.
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Andreas Quiring  

IT / EDV - Lösungen
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Biohof-Gemeinschaft Baum des Lebens

26. Januar 2009 1 26 /01 /Januar /2009 14:11

Es ist schon unglaublich, was der Mensch seinem typischen Ausdrucksmittel, der Sprache anzutun in der Lage ist: Öffnet man heute eine Zeitung, schaltet die Glotzkiste ein oder hört auch nur manchem klugsprecherischen Zeitgenossen zu, hört man zuweilen Wortschöpfungen, bei denen man sich nur an den Kopf fassen kann. Das schlimmste dabei sind noch nicht einmal die Worte an sich, sondern die Ignoranz, welche ihre Benutzer durch den jeweiligen Gebrauch erkennen lassen.

Sie weiß genauso wenig, wie die meisten, die es benutzen, dass sie die Namensgeberin eines derzeit beliebten Modewortes ist (Bildquelle: Wikimedia, PD)

 Eine der Grundregeln sprachlichen Ausdrucks besagt, dass man nur Worte verwenden sollte, deren Bedeutung man auch kennt. Allerdings scheint dies heute nicht mehr allzu viele Schreiber und Specher zu interessieren. Eines der besten Beispiele hierfür ist der Quantensprung: Wenn einer von der zeitgeistigen Journaille es ganz besonders bombastisch haben und ausdrücken möchte, dass etwas ein riesiger Fortschritt ist, bezeichnet er es als Quantensprung. Was er dabei übersieht: Ein Quantensprung ist in Wirklichkeit eine winzig kleine Veränderung  im subatomaren Bereich, der Übergang von einem Quantenzustand zum anderen nämlich.

 Ein ähnlicher Quatsch ist die heute üblich gewordene Benutzung des Begriffs "Untiefen". Damit bezeichnet der trendige Schreiberling unheimlich tiefe Abgründe. Hätte er in ein Wörterbuch geguckt, wüsste er was er für Blödsinn schreibt: Untiefen sind seichte Stellen in Gewässern; eigentlich sollte dass aber auch ohne Wörterbuch klar sein, denn im Deutschen bezeichnet die Vorsilbe "Un-" ganz allgemein das Gegenteil einer Sache.

  Seichtes sprachgestalterisch grandios zu vertiefen und Mücken kunstgerecht in Elefanten zu verwandeln scheint übrigens nicht nur in puncto Wortwahl zu den Kernkompetenzen zeitgemäßen Medienschaffens zu gehören, sondern auch bei der Auswahl und Bearbeitung der Themen. Wenn die Wissenschaft mal wieder etwas festgestellt hat, was längst banales Alltagswissen ist, wird daraus eine bahnbrechende Entdeckung - wenn nicht wieder einmal ein Quantensprung. Soviele Blätter, HTML-Seiten und Sendeminuten sind zu füllen, dass es wohl gar nicht genug Stoff gibt. Auf jeden Fall keinen, den man dem Leser, Zuschauer oder Hörer zumuten möchte. Wirklich brisantes und wissenswertes scheint für die meisten Medien tabu zu sein; den Konsumenten nicht zum Nachdenken zu anzuregen oberstes Gebot. Denken ist nämlich mindestens so schädlich wie Rauchen.
Diese Leute wissen hoffentlich, was eine Untiefe wirklich ist.... (Bildquelle: Wikimedia, PD)

 Immer gut für Sensationen, die keine sind, ist auch das Wetter. Wie gut, dass wir es haben: Aus einem ganz normalen Naturvorgang, der Abfolge von wärmeren und kühleren Perioden kann man eine Klimakatastrophe, aus moderaten Minusgraden im Januar einen Extremwinter und aus ein paar  zentimetern Neuschnee ein Schneechaos bombastisieren. Im Bezug auf das Wetter gibt es auch ein neues, ganz besonders lustiges Modewort, das "Schneegriesel". Vor allem, wenn es, wie auch schon gehört, in der Abart "Schneegegriesel" verwendet wird, zeigt sich wider einmal blanke Ignoranz. Das Schneegriesel hat nämlich absolut nichts mit Gries zu tun, sondern mit Rieseln. Es ist nichts anderes als das von bayerischen Nachrichtensprechern populär gemachte Schnee-G'riasl, also Schnee-Geriesel.

 Auch ein in Feuchtgebieten mitunter bedrohtes, im Biotop der Schwäbischen Sprache jedoch quicklebendiges Tier entging der Verballhornung durch ignorante Zeitg(klein-)geister nicht: Die Kröte. Das Modewort "Grottenschlecht" haben sich nämlich Nichtschwaben aus dem Sprachschatz der Schwaben gemaust ohne zu verstehen was es bedeutet. "Krottamend" leitet sich nicht von einer Höhlung im Gestein, sondern vom genannten Froschlurch ab, der im Schwäbischen "Krott" heißt, wobei in der korrekten Aussprache das "K" stark an ein "G" anklingt.. Krötenschlecht zugehört hat also derjenige, der den Ausdruck ins Hochsdeutsche verschleppte, wenn nicht gar ein Schwabe schuld war, der hochdeutsch mit schwäbischem Akzent sprach und dabei das "K" als Mittelding zwischen "G" und "K" aussprach, wie eben sein schwäbisches Maul gewachsen war.

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Kommentare

Moritz Reiter 08/12/2009 15:01

Wer sich über die Sprachkompetenz anderer Leute echauffiert, sollte aber ganz besonders darauf achten, wenigstens die leidige das-dass-Verwendung richtig hinzubekommen: "Untiefen sind seichte Stellen in Gewässern; eigentlich sollte dass aber auch ohne Wörterbuch klar sein, denn im Deutschen usw."

Harald Effenberg 02/01/2009 13:38

"Winzig kleine Veränderungen" gab es schon vor Planck, dazu hätte er keine neue Theorie der
Quantelung entwickeln müssen. Das Bemerkenswerte am Quantensprung ist gerade der übergangslose Wechsel von einem Zustand in einen anderen, und in diesem Sinn wird der Begriff im Allgemeinen auch "von der zeitgeistigen Journaille" benutzt.

Oft hilft es, in ein Buch zu schauen, bevor man seinen Mitmenschen Ignoranz vorwirft. Zu Fragen der deutschen Sprache bietet sich da der Duden an:
http://www.duden.de/duden-suche/werke/fx/000/173/Untiefe.173219.html
Auch Wikipedia ist meistens ein guter erster Anlaufpunkt für weitergehende Recherchen:
http://de.wikipedia.org/wiki/Untiefe

Harald Effenberg

Oliver Naumann 01/27/2009 16:09

"Untiefe" in der Bedeutung "große Tiefe" ist zwar nicht allein im Duden, sondern sogar schon bei Grimm verzeichnet, aber es sollte ja auch ohne Wörterbuch klar sein, daß die Bedeutung von Wörtern per Konsens der Sprechergemeinschaft festgelegt wird.

Von daher finde ich es halbwegs unaufregend, wenn eine Einzelperson sagt, wir Millionen Muttersprachler seien zu blöd für unsere eigene Sprache - Hauptsache, wir verstehen einander noch.

Übrigens dachte ich immer, man verwendete das Wort "Quantensprung", um deutlich zu machen, daß es sich bei dem Geschehenen nicht um das Resultat einer allmählichen Entwicklung, sondern um einen übergangslosen Fortschritt handelte. Auf den albernen Gedanken, daß sich das irgendwie auf die Größendimension beziehen könnte, wäre ich ohne den Kommentar gar nicht gekommen.

Ralina 01/26/2009 16:20

Wow! Wieder was dazu gelernt. Worte wie Untiefen fand ich auch schon immer recht sinnfrei. Aber woher das Wort "Grottenschlecht" kommt, wusste ich nicht...

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