Overblog Folge diesem Blog
Edit post Administration Create my blog

Über Diesen Blog

  • : Blog von Volker Wollny
  • Blog von Volker Wollny
  • : Hier gibt's jede Menge Informationen über heikle und weniger heikle, aber immer interessante Themen: Jagd, Waffen, Fischen, Selbermachen, Garten, Geld Sparen, Freizeit, Hobby, Kultur und was sonst noch dazu gehört
  • Kontakt

Profil

  • Fokko
  • Publizist und Freier Dozent, von Hause aus Ingenieur sowie gelernter Mechaniker und gelernter Maurer, Querdenker, Naturfreund und -nutzer, technisch interessiert aber auch technikkritisch, glaube nicht alles was mir erzählt wird.
  • Publizist und Freier Dozent, von Hause aus Ingenieur sowie gelernter Mechaniker und gelernter Maurer, Querdenker, Naturfreund und -nutzer, technisch interessiert aber auch technikkritisch, glaube nicht alles was mir erzählt wird.

Website:

Im Blog Suchen:

Newsletter abonnieren

Hier geht's zu Fokkos Selbstversorger-Newsletter:
Klicken!

Non-Blog-Sites

Andreas Quiring  

IT / EDV - Lösungen
Theodor-Veiel-Str. 17
70374 Stuttgart - Bad Cannstatt

Biohof-Gemeinschaft Baum des Lebens

13. Januar 2009 2 13 /01 /Januar /2009 14:22

Heimwerken ist keine Erfindung der Nachkriegszeit. Auch zu Kaisers Zeiten gab es schon Leute, die in ihrer Freizeit mit Säge,  Hammer und anderen Utensilien werkelten und dabei vor kaum einer Arbeit zurückschreckten. Einen Einblick in das, was Selbermacher vor 80 oder 100 Jahren so alles in Angriff nahmen,  gibt das "Werkbuch fürs Haus", das der Oberingenicus Eberhard Schnetzler damals herausgab. Offenbar war dieses Standardwerk des erbamungslosen Heimwerkers sehr beliebt, denn es erlebte mehrere Auflagen und sicherlich gibt es auch heute noch alte Leute, die sich aus ihrer Jugendzeit an den "Schnetzler" erinnern.

 

Mein Exemplar des "Schnetzlers" dürfte aus den frühen 20ern, vielleicht auch noch aus der Kaiserzeit stammen. Die Kolorierung des Hammers auf dem Titelbild ist natürlich nicht original sondern wurde von mir im jugendlichen Unverstand  mit Hilfe von Wachsmalkreiden vorgenommen

Ein Sperrmüllfund...

 Es muss in den späten 60ern des vorigen Jahrhunderts gewesen sein, als ich mein Exemplar des "Schnetzlers" in die Finger bekam. Wie alle richtigen Buben aus der Nachbarschaft wühlte ich damals gerne im Sperrmüll und brachte absonderliche Dinge mit nach Hause, so dass mein Vater mir schon Sicherungsverwahrung in Form von pauschalem Hausarrest an jedem Sperrmülltag angedroht hatte. Es kam aber nie so weit und an einem solchen Spermülltag fand ich mein Exemplar des "Werkbuches fürs Haus von Eberhard Schnetzler". Auch heute noch hat dieses Buch seinen festen Platz in meiner Bibliothek, auch wenn es leider schon lange am Auseinanderfallen ist.

 Über Eberhard Schnetzler selbst konnte ich bisher leider nichts in Erfahrung bringen, es gibt noch nicht einmal einen Wikipedia-Eintrag über ihn. Im Netz präsent ist er aber in Form seiner Bücher, die andauernd bei eBay und auf den Seiten aller möglicher Antiquariate angeboten werden. Immer wieder findet man die verschiedenen Auflagen von "Werkbuch fürs Haus", "Elektrotechnisches Experimentierbuch", "Der junge Maschinenbauer" und "Der junge Elektriker". Dass noch so viele Exemplare dieser Bücher vorhanden sind, lässt darauf schließen, dass er zu seiner Zeit ein beliebter und erfolgreichr Autor war.

Eine einfache Drehbank der damaligen Zeit, wie sie im "Schnetzler" abgebildet und beschrieben ist: So mancher Bastler wäre auc heute noch froh über eine solche Maschine 

Ein Buch für jedermann

 Dass sich das Buch an ein breites Publikum richtete, erkennt man auch daran, dass es nicht besonders aufwändig ausgestattet war: Es kommt in einem einfachen Pappeinband daher und its mit Klammern geheftet, wird also verhältnismäßig preisgünstig gewesen sein. Erschienen ist es bei der Union Deutsche Veragsgesellschaft; leider wurden damals noch keine Erscheinungsjahre in den Büchern angeben, man erfährt lediglich, dass es sich bei meinem Exemplar um eines der 26. Auflage handelt. Ich schätze, dass es aus der Zeit kurz vor oder kurz nach dem ersten Weltkrieg stammt. Die hohe Nummer der Auflage lässt übrigens auch wieder darauf schließen, das dieses Buch sehr beliebt war.

 Im Vorwort erklärt der Verfasser auch, dass sein Werk speziell für die Bedürfnisse der Liebhaberhandwerkerei geschrieben sei und damit eine Lücke fülle, da die vorhandene Literatur zur wenig auf die beschränkten Möglichkeiten von Bastlern einginge. Diese müssten nicht, wie Profis, über einen Berufszweig alles, sondern von jedem das wichtigste wissen. Tatsächlich beschäftigt sich das Buch auch mit einer ganzen Reihe verschiedener Materialien, Arbeitstechniken und Werkzeugen, die eben für einen damaligen Heimwerker in Frage kamen.

 

Der Urahn der elektronisch gesteuerten Schlagborhmaschine: Die Bohrwinde

Vergnüglich und lehrreich

 Wenn man in der Lage ist, die damals für Bücher übliche Fraktur zu lesen, was aber nicht besonders schwierig ist, kann man einen Haufen Spaß an diesem Buch haben und darüber hinaus auch noch dies und das lernen. Was Schnetzler z.B. über die EInrichtung einer Heimwerkstatt zu sagen weiß, hat im Prinzip heute noch Gültigkeit und auch die Handwerkzeuge, die er beschreibt sehen heute noch praktisch genauso aus. Andererseits ist es aber auch interessant etwas über Geräte von damals zu erfahren, welche es heute nicht mehr gibt, wie etwa Lötrohr und Lötlampe.

 Weiterhin gibt Schnetzler Ratschläge, wie man allerlei ausgediente Gegenstände ausschlachtet um die Materialien zu gewinnen und wie man sie verwenden kann.Papier, Holz und Metall spricht er an, ohne allerding näher auf die Eigenschaften der Materialien einzugehen. Auch in den späteren Kapiteln über die Verarbeitung der einzelnen Werkstoffe verzichtet er auf werkstoffkundliche Feinheiten, sondern erläutert nur das wesentliche, wobei sich im Kapitel "Entwürfe, Konstruktionen, Berechnungen" neben allerhand Formeln und Maßeinheiten auch noch einige Angaben über Stoffwerte finden, wie z.B. den spezifischen Widerstand von Kupferdraht oder die Dichte von Ahornholz..

 

Gnadenlose Basteleien

 Schmunzeln wird man vor allem bei den Bastelvorschlägen, die sich weiter hinten im Buch finden. Da gibt es zum Beispiel eine Fernzündung für Gaslampen, eine batteriebetriebene Treppenhausbeleuchtung und eine handbetriebene, zentrale Staubsaugeranlage. Abenteuerlich mutet uns heute die Bauanleitung für eine Azetylenbeleuctungsanlage samt Entwickler an. Wer heute so etwas bauen würde, bekäme sicher jede Menge Ärger mit den Behörden.

 

So etwas sollte man heute lieber nicht mehr bauen: Ein Azetylenentwickler. Größere Exemplare gab es früher auch in Schlosserein und Schmieden, mittlerweile sind sie komplett durch Azetylen aus der Gasflasche ersetzt.

 Interessant sind übrigens auch die Beschreibungen und Abbildungen zur damals gebräuchlichen Haustechnik: Gasheizhofen, Gasbadeofen, elektrische Klingeln, Gasbeleuchtung und noch ein paar Dinge mehr, die es großenteils heute nicht mehr gibt, findet man im entsprechenden Kapitel.

 

Fazit

 Insgesamt ist das Blättern und Schmörkern im "Schnetzler" ein echtes nostaligsiches Vergnügen, bei dem man auch noch dies und das lernt. Wer Spaß an alter technischer Literatur hat, wird an diesem Buch sicher seine helle Freude haben. Es ist auch noch ohne weiteres zu bekommen, denn wie bereits erwähnt, sind noch jede Menge Exemplare im Umlauf und werden in Anitquariaten und bei eBay verkauft. Ein gute Quelle für antiquarische Bücher jeden Alters allgemein ist übrigens das Zentrale Verzeichnis Antiquarischer Bücher ZVAB. Hier kann man fast jedes deutchsprachige Buch finden, da dort eine riesige Anzahl von Antiquariaten angeschlossen ist.

Diesen Post teilen

Repost 0
Published by Fokko - in Lesen
Kommentiere diesen Post

Kommentare

Tobias 01/04/2011 15:03


Wirklich toll zu sehen, wie damals zu Hause gearbeitet wurde. Kenn das bloß durch Erzählungen von meinem Opa. Werde ihm bei Gelegenheut mal diesen Beitrag zeigen, der ist bestimmt auch begeistert.
Liebe Grüße


Tini Meier 07/21/2010 11:40


Kann ich Andy nur Recht geben. Habe sowas genau für ein Projekt in der Uni gesucht. Tausend Dank.


Andy 11/03/2009 13:07


Hallo,
wirklich interessante Infos und beeindruckende Bilder. Toll zusammengestellt.

Gruß Andy


Laufende Kosten zu hoch?

Zu hohe Stromrechnung? Gas zu teuer? Internetkosten inakzeptabel?

 

Vergleichen hilft Sparen!