Overblog Folge diesem Blog
Edit post Administration Create my blog

Über Diesen Blog

  • : Blog von Volker Wollny
  • Blog von Volker Wollny
  • : Hier gibt's jede Menge Informationen über heikle und weniger heikle, aber immer interessante Themen: Jagd, Waffen, Fischen, Selbermachen, Garten, Geld Sparen, Freizeit, Hobby, Kultur und was sonst noch dazu gehört
  • Kontakt

Profil

  • Fokko
  • Publizist und Freier Dozent, von Hause aus Ingenieur sowie gelernter Mechaniker und gelernter Maurer, Querdenker, Naturfreund und -nutzer, technisch interessiert aber auch technikkritisch, glaube nicht alles was mir erzählt wird.
  • Publizist und Freier Dozent, von Hause aus Ingenieur sowie gelernter Mechaniker und gelernter Maurer, Querdenker, Naturfreund und -nutzer, technisch interessiert aber auch technikkritisch, glaube nicht alles was mir erzählt wird.

Website:

Im Blog Suchen:

Newsletter abonnieren

Hier geht's zu Fokkos Selbstversorger-Newsletter:
Klicken!

Non-Blog-Sites

Andreas Quiring  

IT / EDV - Lösungen
Theodor-Veiel-Str. 17
70374 Stuttgart - Bad Cannstatt

Biohof-Gemeinschaft Baum des Lebens

31. Dezember 2008 3 31 /12 /Dezember /2008 21:26

Viele Menschen halten das Reh für "die Frau vom Hirsch", was aber nicht stimmt. Das Reh ist zwar mit dem Rothirsch verwandt, aber eine eigene Art, bei der es natürlich Männchen und Weibchen gibt. Es ist eine unserer häufigsten Wildarten und ist praktisch überall in Deutschland vorhanden. Obwohl es der Redensart zufolge scheu sein soll, kann es immer wieder auch von Spaziergängern beobachtet werden.

Ein weibliches Reh in einem Rapsacker (Bild: Hedwig von Ebbe, PD)

Aus der Familie der Hirsche

 Das Reh heißt mit wissenschaftlichem Namen capreolus capereolus und gehört zur Familie der Hirsche (Cervidae) aber nicht wie der Rothirsch zur Unterfamilie der Echthirsche, sondern zu den Trughirschen. Zu diesen gehört unter anderem auch der Elch, mit dem es von der Systematik her eher verwandt ist als mit dem Rothirsch. Diese systematische Einordnung des Rehs gründet sich auf die Form von Relikten der zurückgebildeten Mittelfußknochen, anhand derer Trug- und Echthirsche unterschieden werden. Von der sonstigen Anatomie her weißt das Reh jedoch auch Merkmale der Echthrische auf, so dass es durchaus Argumente gegen diese Einordnung gibt.

 Ausgewachsene männliche Rehe werden etwa 15...30 kg schwer, bis gut einen Meter lang und erreichen eine Schulterhöhe von bis zu 90 cm; weibliche Stücke sind etwa 10..15% schwächer. Die Farbe der Decke - so lautet der waidmännische Ausdruck für das Fell - ist im Sommer rotbraun, im Winter fast grau.

 Der Lebensraum des Rehs ist eigentlich die Waldrandzone, für die sein Körperbau auch ausgelegt ist: Es ist relativ klein, hinten etwas höher als vorne und hat kein ausladendes Geweih, so dass es sich auch in dichtem Buschwerk recht gut bewegen kann. Rehe fühlen sich aber auch in der Feldflur wohl, sofern es genügend Deckung in Form von Gebüschen, Hecken und Feldgehölzen gibt.

Zwei weibliche Rehe (Gemälde von Franz Marc)

 Im Winter finden sich Rehe zu kleinen Rudeln, der Fachausdruck heißt "Sprünge", zusammen. Ab Mai etwa beziehen die Böcke ihre Einstände, als ihre Reviere und verteideigen sie gegen gleichgeschlehtliche Eindringlinge. Da weniger dominante Böcke von rabiateren verjagt werden, sind um diese Jahreszeit viel Böcke unterwegs, so dass man jetzt gerne auf einen "Maibock" ins Revier geht. Die Geißen setzen bald darauf  ihre Kitze und halten sich dann eher einzeln und in deren Nähe auf.

Als Mitglied der Familie der Hirsche trägt das Reh auch ein Geweih, das gemeinsame Merkmal dieser Tierarten. In der Jägersprache wird das Geweih des Rehes allerdings als Gehörn bezeichnet, im bajuwarischen Sprachraum früher auch als "Gewichtl". Es handelt sich biologisch gesehen jedoch in der Tat um ein Geweih, denn es wird jedes Jahr neu gebildet und wächst nicht wie die Hörner der Boviden (z.B. des Muffels) lebenslang weiter.

 Ein Gehörn hat beim Reh normalerweise nur das männliche Tier, der Bock. Weibliche Rehe heißen bei uns in Süddeutschland Geißen, in Norddeutschland Ricken. Ausnahmsweise können auch Geißen mal ein Gehörn haben, z.B. kommt das bei alten Stücken vor, die nicht mehr fruchtbar sind. Das ist eine Folge der hormonellen Umstellung; man sich das etwa so vorstellen, wie den "Witwenbart" bei Menschenfrauen, ein Damenbart, der sich durch die verminderrte Produktion weiblicher Hormone nach den Wechseljahren einstellen kann.

Junge Rehe nennt man im ersten Jahr Kitze, sie weisen ganz am Anfang die bekannte "Bambi"-Zeichnung auf (Bild: Zumthie, PD)

Nahrung

 Wie seine ganzen Verwandten aus der Familie der Cervidae ist das Reh ein Wiederkäuer und gehört daher mit anderen Familien, wie etwa den Boviden (Rinderartige) zur Unterordnung der Wiederkäuer und zur Ordnung der Paarhufer. Innerhalb der Wiederkäuer ordnet man das Reh beim Typ des Konzentratselektierers ein. Das bedeutet, dass es gezielt nährstoffreiche Pflanzenteile aufnimmt, also junge Triebe, Knospen und dergleichen, im Gegensatz zu Rauhfutterfressern, die mit weniger gehaltvollem Futter, wie z.B. trockenem Gras, auskommen, wenn sie nur entsprechend große Mengen davon erhalten.

 Seine Vorliebe für junge Triebe macht das Reh auch bei Förstern und Waldbesitzern unbeliebt: Es frisst, die Jäger sagen:äst, nämlich gerne die Spitzen von jungen Bäumen ab, die man als Terminaltriebe bezeichnet. Ein solcher Baum muss zwar nicht unbedingt absterben, bekommt aber eine Verkrüppelung oder gabelt sich, weil einer (oder auch zwei oder gar mehrere) der obersten Seitentriebe in diesem Fall die Rolle des Terminaltriebes übernimmt. Ein solcher Baum sieht zwar interessant aus und ist biologisch gesund, liefert aber keinen "Schreinerstamm" fürs Sägewerk, sondern nur noch Brennholz.

 Herzlose Förster, bei denen die Devise "Wald vor Wild" geht, nennen das Reh deswegen oft den "kleinen, roten Waldfresser" und finden, dass "nur ein totes Reh ein gutes Reh" sei. Es gibt aber auch Jäger, die das Rehwild hätscheln und tätcheln, weil es für sie der Hirsch des kleinen Mannes ist. Da ist der Ärger zwischen den beiden Arten von Grünen Männern natürlich vorprogrammiert: Vor allem behaupten die Jäger gerne, dass es keine Rehe mehr gäbe, weil die bitterbösen Förster alle tot geschossen hätten. Warum man heutzutage nicht mehr so viel Rehe sieht, steht im Artikel "Die verschwundenen Rehe".

 Vernünftige Förster - und auch die gibt es Gott sei Dank noch - gestehen dem Reh jedoch auch ein Lebensrecht zu, schließlich gehört es zu unseren Ökosystemen, wie viele andere Tierarten auch. Vernünftige Jäger sehen ein, dass es nicht zu viel Rehe geben darf, weil der Wald ja schließlich anständiges Holz produzieren soll - und lassen sich von den Förstern zur Rehwildjagd einladen. (Die, die immer auf die Förster schimpfen, gehen aber schon auch hin, wenn sie eingeladen werden, so groß ist die Abneigung dann auch wieder nicht.)

 

Jagd auf Rehwild

 Die Förster schießen die Rehe vor allem bei Drückjagden. Dabei lässt man ein paar Treiber und Hunde durch den Wald marschieren, die sich aber nicht so laut gebärden sollen wie bei einer Treibjagd auf Hasen und Füchse, sondern eher wie Spaziergänger oder Pilzsammler. Dadurch werden die Rehe nicht so erschreckt, dass sie in panischer Flucht davon preschen, sondern treten eine Art geordneten Rückzug an. Debei benutzen sie ihre Wechsel (also ihre Wege), die der Revierleiter natürlich kennt und dort sein Jagdgäste hin gestellt hat. Weil die Rehe nicht besonders schnell kommen, kann der Schütze sie gut ansprechen, also sehen, ob da ein Reh kommt, dass er schießen darf. Im Spätherbst und Winter, wenn die Drückjagden sind, darf man nämlich keine Böcke schießen und auch keine Geißen, die Kitze haben.

Hier fühlen Rehe sich wohl: Dichtes Unterholz oder Gebüsch sind ihr eigentlicher Lebensraum

 Die andere übliche Art der Rehwildjagd ist der Ansitz. Der Jäger setzt sich dort, wo er vermutet, dass Rehe kommen, auf einen Hochsitz oder eine andere Sitzgelegenheit. Man kann auf Rehe auch pirschen; dazu schleicht man durch den Wald dahin, wo sich Rehe aufhalten. Das kann man sich heute aber nicht mehr oft gönnen. Die Jagdreviere sind so klein geworden, dass man bei häufigem Pirschen zu oft die selbe Gegend beunruhigt und die Rehe - und anderes Wild - dauerhaft vergrämt, also verjagt. Man sagt deswegen: "Es sind schon mehr Reviere leer gepirscht worden als leer geschossen".

 Wie bei vielen anderen WIldarten auch, jagt man bei den Rehen die männlichen besonders gerne in ihrer Paarungszeit. Bei den Rehen heißt sie Brunft oder Blattzeit und ist Ende Juli, Anfang August. Man nutzt dabei die bekannte Tatsache aus, dass bei männlichen Wesen meist das Gehirn auf Sparbetrieb schaltet, wenn zwei Stockwerk tiefer bestimmte Relais fallen und sie sich dann gut austricksen lassen. Menschliche Männer kostet dieser Effekt zuweilen die Brieftasche, Rehböcke dagegen sind schlimmer dran, für sie endet Liebesbrunst zum falschen Zeitpunkt meist tödlich.

 Der geschickte Jäger macht mit den Lippen, auf einem Buchenblatt (deswegen "Blattzeit" und "Blattjagd") oder auf einem besonderen Instrument bestimmte Lautäußerungen des Rehs nach: Er fiept wie eine Geiß oder ein Kitz (der Bock denkt dann nämlich: "Wo ein Kitz ist, ist auch ein Geiß"). Oder er ahmt den Ruf nach, den die Geiß ausstößt, wenn sie zunächst (wie die meisten Frauen), uninteressiert tut und vor dem Rehbock davon rennt; dann denkt der Rehbock: "Da ist ja schon einer zugange, na warte!", genauso wie wenn der Jäger das Zorngeschrei des Bockes nachmacht.

 Hat der Jäger die jeweilige Lautäuerßung gut nachgemacht und/oder ist der sexuelle Notstand beim Bock entsprechend ausgeprägt und hat er - vor allem - den Jäger nicht gewittert, kann es sein, dass er den letzten Fehler seines Lebens macht und dem verlockenden Geräusch nach geht...

 

Fortpflanzung

 Natürlich kostet nicht jeder Paarungsversuch den Bock das Leben, sonst gäbe es ja keine Kitze mehr. Wird einer geschossen, ist das für die Population nicht weiter schlimm, denn es findet sich immer ein anderer, der den Job übernimmt, da Rehwild keine festen Paarbindungen eingeht. Aus dem gleichen Grund schimpfen die Förster auch auf Jäger, die nur Böcke erlegen und nach alter Väter SItte "nicht auf Frauen und Kinder schießen". Die Jagd auf männliche Stücke tut der Bestandsentwicklung nämlich keinen Abbruch, da man nie alle erwischt und die verbleibenden ohne Probleme den Job der verblichenen Artgenossen mit erledigen und daher  trotzdem alle weiblichen zu ihrem Nachwuchs kommen.

 War der Beschlag, so nennt der Jäger die Paarung, erfolgreich, passiert - zunächst einmal gar nichts. Der Keim, die befruchtete Eizelle also, ruht erst einmal ohne sich weiter zu entwickeln. Erst um Weihnachten herum beginnt die Frucht zu wachsen. Das liegt daran, dass die eigentliche Tragzeit beim Reh aus biologischen Gründen etwa fünf Monate beträgt und - wie bei den meisten unserer Tiere - das späte Frühjahr ein guter Zeitpunkt zum Setzen der Kitze ist, da sie dann bis zum Herbst genügend Zeit haben, groß genug zu werden um im WInter eine reelle Überlebenschance zu haben.

Trotzdem jährlich Hunderttausende von Rehen geschossen werden, nimmt ihre Zahl kaum ab

 Aus diesen Gründen müsste die Rehbrunft also um Weihnachten stattfinden. Da die Blattzeit aber für den Bock eine recht stressige Zeit ist, würde er sie mit hoher Wahrscheinlichkeit in der kalten Jahreszeit nicht überleben. Selbst für den viel größeren Rothirsch hat sein Brunftstress im Herbst oft tödliche Folgen, wenn er sich vor dem WInetr nicht mehr davon erholen kann. So aber hat der Rehbock nach der Blattzeit noch genügend Gelegenheit, sich wieder ordentlich Feist, also Fett, anzufressen um gut über den WInter zu kommen.

 Bis man vor etwa 150 Jahren mit Hilfe des Mikroskops nachweisen konnte, dass beim Rehwild diese Keimruhe stattfindet, war die Rätselei unter den Jägern groß. Es gab damals in Fachzeitschriften und dergleichen heiße Diskussionen über dieses Mysterium. EIn gängige Theorie war, dass die Blattzeit nur eine Scheinbrunft sei und das Rehwild sich im Dezember noch einmal heimlich, still und leise der Paarung hingebe, wobei dann tatsächlich der Nachwuchs gezeugt werde. Eine solche Nachbrunft gibt es beim Reh übrigens tatsächlich ab und zu; dann nämlich, wenn eine Geiß bei der regulären Brunft nicht aufgenommen hat, kann sie im Dezember noch einmal brunftig werden. Wahrscheinlich wurde das ab und zu beobachtet, was dann zur Theorie der stillen Brunft im Winter geführt haben mag.

 Auf jeden Fall aber setzt die Geiß im späten Frühjahr oder Frühsommer ihre Kitze. In der Regel sind es zwei, seltener eines oder gar drei. Am Anfang legt sie ihre Kitze immer ab, wenn sie selbst äst und kommt immer wieder bei ihnen vorbei um sie zu säugen. Aus Gründender "Risikostreuung" legt die Rehmutter ihre Kitze auch nie zusammen ab. Da sie das aber auch gerne in Wiesen tut und man dort heute bereits sehr früh mäht sind die Kitze sehr gefährdet.

 Abgesehen von den durch den Menschen verursachten Gefahren des Ausmähens und natürlich des Straßenverkehrs haben Rehkitze - wie große Säuger im allgemeinen - eine recht gute Überlebenschance. Im Laufe des Herbstes und des Winters werden sie immer unabhängiger von ihrer Mutter und nehmen im Jahr nach ihrer Geburt, als Schmalreh bzw. Schmalgeiß oder Jährlingsbock bereits an der Brunft teil, so dass das weibliche Reh mit zwei Jahren das erste Mal Mutter und damit zu einer Geiß wird.

 

Das Gehörn

 Das männliche Kitz entwickelt bereits im Herbst seines Geburtsjahres sein erstes, in der Regel noch unscheinbares Gehörn. Dieses wird nach einer Weile abgeworfen, worauf ein neues zu wachsen beginnt, welches dann regulär im Winter abgeworfen und neu gebildet wird. Wir der Rehbock älter, wirft er sein Gehörn immer früher ab und hat auch früher ein neues. Manche jungen Reböcke behalten ihr erstes Gehörn auch bis zum Herbst des nächsten Jahres und werfen es etwa dann ab, wenn die anderen das  zweite Gehörn abwerfen, überspringen also einen Gehörnabwurf.

 Das Gehörn - eigentlich ist es ja, wie gesagt, ein Geweih - ist eine Knochenbildung. Solange es wächst, ist es von einer Haut überzogen, der so genannten Basthaut. Sie stirbt ab, wenn das Gehörn voll entwickelt ist und der Bock streift sie durch Schlagen und Scheuern gegen Zweige und junge Baumstämmchen ab, er fegt, wie der Jäger sagt.  Dabei wird die Rinde in charakteristischer Weise beschädigt, so dass man anhand dieser Fegestellen sehen kann, wo ein Rehbock seinen EInstand hat, also "wohnt". Ist das Gehörn ganz frei von der Basthaut, sagt man, der Bock habe verfegt.

 Das erste Gehörn besteht meist nur aus zwei Spießen, einen solchen Bock nennt man Spießer. Später wird das Gehörn größer und bekommt mehr Enden, bei zwei Enden pro Stange spricht man von einem Gabler, bei dreien von einem Sechser. Wird der Bock älter, schiebt er wieder weniger gute Gehörne, man sagt, dass er dann zurücksetzt. Mehr als sechs Enden sind selten, wenn es sie gibt, sind sie meist die Folge von Verletzungen des Gehörns beim Wachsen oder der Rosenstöcke, der Knochenanlagen aus denen das Gehörn herauswächst.

Buchsuche zum Thema 

Diesen Post teilen

Repost 0

Kommentare

Laufende Kosten zu hoch?

Zu hohe Stromrechnung? Gas zu teuer? Internetkosten inakzeptabel?

 

Vergleichen hilft Sparen!