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  • Publizist und Freier Dozent, von Hause aus Ingenieur sowie gelernter Mechaniker und gelernter Maurer, Querdenker, Naturfreund und -nutzer, technisch interessiert aber auch technikkritisch, glaube nicht alles was mir erzählt wird.
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Andreas Quiring  

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Biohof-Gemeinschaft Baum des Lebens

20. Dezember 2008 6 20 /12 /Dezember /2008 20:12

Im Winter und im zeitigen Frühjahr ist die traditionelle Zeit für den Obstbaumschnitt. Wenn man sich anschaut, was so alles an Obstbäumen in der Gegend herum steht, fragt man sich, wo die Leute eigentlich das Schneiden gelernt haben. Bei den meisten heißt die einzige Schnittregel wohl: "Schhneide alles ab, was zufällig vor deine Säge oder Schere kommt, aber nicht zuviel." So jedenfalls sehen die Baumungetüme aus, die man ihn vielen Gärten sieht.

 Dabei ist der Obstbaumschnitt im Grunde eine ganz einfache Sache; es gibt einige wenige, einfache Grundregeln, die man beachten muss.

 

 

Auf dieser Skizze sind im Grunde alle wichtigen Regeln für den Baumschnitt zu erkennen

  Grundsätzlich kann man Bäume das ganze Jahr schneiden. Im Winter ist es jedoch einfacher, da es keine Blätter gibt, die das Geäst verdecken und man daher besser sieht, was man tut. Viele Leute denken, dass man Bäume deswegen im Winter schneidet, weil sie dann nicht im Saft stehen und nicht oder wenig bluten. Das ist zwar richtig, aber dem steht entgegen, dass sich der Baum im "Winterschlaf" weniger gut gegen eindringende Krankheitserreger wehren kann, von denen es - zugegeben - aber wiederum im Sommer mehr gibt.

   So oder so macht man also zumindest nichts falsch, wenn man im Winter schneidet - ausgenommen Kirschen, denn die bluten beim Winterschnitt gerne und werden daher nach der Ernte, also im Juni geschnitten. Was sehr oft falsch gemacht wird, ist nicht das "Wann", sondern das "Wie". Vor allem auch wird in aller Regel eher zu wenig als zu viel geschnitten

Um es richtig zu machen, muss man wissen, wie ein Baum wächst und trägt, was aber beileibe kein Hexenwerk ist.

 

Wo und warum entsteht ein neuer Trieb?

 Zunächst einmal steigt der Saft im Baum immer nach oben. Das muss so sein, denn ein Baum wächst ja an seinen Trieben in die Länge und kommt daher nur nach oben, wenn die obersten Triebe am besten mit Saft versorgt werden. Aus diesem Grund wird an einem beschnittenen, aufwärts weisenden Trieb auch immer das letzte Auge vor dem Schnitt austreiben. Die Augen sind Anhäufungen von Wachstumszellen in der Rinde, welche neue Triebe bilden können. Solange sie nicht austreiben, nennt man sie auch schlafende Augen.

 Daraus folgt schon einmal eine einfache Regel, mit der man die Richtung festlegen kann, in die ein Zweig wachsen soll: Man schneidet ihn ganz einfach so ab, dass das letzte Auge vor dem Schnitt in diejenige Richtung zeigt, in die der Zweig weiter wachsen soll. Aus genau diesem Grund entsteht auch bei manchen Bäumen der Stockausschlag nach dem Fällen: Alle Bäume, die unterhalb der Höhe noch schlafende Augen haben, in der man normalerweise den Fällschnitt ansetzt, können aus dem Stotzen wieder austreiben.

 Sämtliche Äste, Zweige und auch der Stamm besitzen an ihrer Oberfläche solche Augen. Aufgrund der genannten Regel kann man daher auch an einer beliebigen Stelle mit einem schlafenden Auge einen neuen Trieb aus dem Baum herauskitzeln: Man kerbt einfach die Rinde oberhalb des Auges bis auf das Holz ein. Damit stoppt man den Saftfluss am Auge vorbei. Der Saft staut sich und regt das Auge zum Austreiben an.

 

Verteilung der Hauptäste

Weil ein Trieb, Zweig oder Ast immer von den Saftbahnen versorgt wird, die sich unter ihm befinden, müssen die Hauptäste gleichmäßig um den Stamm herum verteilt sein. Wenn ein Ast genau über einem anderen sitzt, klaut der untere dem oberen den Saft. Wie man aus der Draufsicht in der Skizze oben erkennen kann, erzieht man einen jungen Baum so, dass er drei Hauptäste ausbildet, die gleichmäßig um den Stamm herum verteilt sind. Außerdem müssen sie in verschiedenen Höhen ansetzen, damit sich auch noch Saft um sie herumschleichen und den Stamm oberhalb der Hauptäste versorgen kann.

 

Wann trägt ein Ast und wann wächst er in die Höhe?

 Eine weitere Grundregel des Baumschnitts besagt, dass ein waagerechter Ast trägt und ein senkrechter weiter nach oben wächst. Warum das so ist, ist klar: Der Saft will immer nach oben, fließt also in einem senkrechten Ast an den Stellen vorbei, an denen sich Blüten und damit Früchte bilden sollen.

Da man bei einem jungen Baum will, dass er sowohl nach oben wächst, als auch möglichst bald Früchte trägt, geht man einen Kompromiss ein und lässt die Äste unter etwa 45° nach oben wachsen. Zu flache Äste bindet man nach oben, am besten mit "steifer Schnur" (sieht aus wie Bindfaden, hat aber innen einen Draht, gibt's im Fachhandel). Zu steile Äste spreizt man mit einem Hölzchen nach unten. Dazu nimmt man am besten ein Hollunderästchen; wenn man das mit der Schere von zwei Seiten spitz zuschneidet, bekommt es eine Art Gabel, weil es hohl ist.

 

Wenn ein Baum erst einmal Jahre oder gar Jahrzehnte irgenwie gewachsen ist, kann man ihn, wenn überhaupt, nicht auf einmal auf Vordermann bringen. Man wendet dann die Schnittregeln eben an, so gut es geht und verteilt den Schnitt auf mehrere Jahre.

 Aus dem gleichen Grunde wachsen Wasserreiser (die senkrechten Triebe auf der Oberseite der Äste) lediglich nutzlos in ungeahnte Höhen ohne je zu tragen. Man sollte sie nicht abschneiden, denn dann kommen gleich mehrere zur Beerdigung und man hat fünf Wasserreiser, wo vorher eines war. Deswegen reisst man sie aus,damit das Wachstumsgewebe des jeweiligen Auges zerstört und ein erneutes Austreiben unterbunden wird. Wenn sie sich nicht ausreissen lassen, muss man das Wachstumsgewebe des Auges mit wegschneiden.

 

Saftwaage und WInkel der Krone

 Das Gesetz vom Saft, der immer nach oben geht, bewirkt, dass Äste, deren Spitze höher liegt als die von anderen Ästen, besser versorgt werden und diesen davon wachsen. Aus diesem Grund müssen die Spitzen der Äste eines "Stockwerks" immer auf der gleichen Höhe liegen. Das nennt man die "Saftwaage", sie ist in der Skizze oben durch die waagerechte, gestrichelte Linie angedeutet.

 Damit der Terminaltrieb, die Spitze des Baumes also, und die Äste im richtigen Verhältnis versorgt werden und wachsen, muss man den richtigen Kronenwinkel einhalten. Die "Dachneigung" der Baumkrone sollte etwa 45° haben, wie auch in der Skizze oben zu sehen ist.

 

Junge und alte Bäume

 Damit hätten wir auch schon die wichtigsten Regeln für den Schnitt (von Hoch- und Halbstämmen) zusammen:

1) 3 Hauptäste
2) verschieden hohe Ansätze
3) gleichmäßig um den Stamm verteilt
4) Waagerechte Äste tragen, senkrechte gehen in die Höhe => 45°, wenn man beides will
5) "Dachneigung" der Krone ca. 45°
6) "Saaftwaage": Der höchste Trieb zieht den meisten Saft
7) Das höchste Auge am Trieb wird austreiben

 Wenn man einen jungen Baum erzieht, wendet man diese Regel rigoros an. Bei älteren Bäumen geht das natürlich nicht mehr, dann muss man eben so gut es geht, den Regeln entsprechend schneiden. In diesem Fall sollte man auch noch wissen, das ein Baum, der stark zurückgeschnitten wurde, auch wieder stark austreibt. Größere "Umbaumaßnahmen" verteilt man also besser auf mehrere Jahre.

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Published by Fokko - in Garten
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