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  • : Blog von Volker Wollny
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  • Publizist und Freier Dozent, von Hause aus Ingenieur sowie gelernter Mechaniker und gelernter Maurer, Querdenker, Naturfreund und -nutzer, technisch interessiert aber auch technikkritisch, glaube nicht alles was mir erzählt wird.
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Andreas Quiring  

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Biohof-Gemeinschaft Baum des Lebens

13. Dezember 2008 6 13 /12 /Dezember /2008 18:49

In den letzten Jahren und Jahrzehnten sind bei uns Tiere aufgetaucht, die es früher hier nicht oder nicht mehr gab. Sie bereichern oft die Strecken von Jägern und Anglern und/oder erfreuen Naturbeobachter, sorgen aber teilweise auch für Ärger durch Schaden, den sie anrichten. Tatsächlich sind die neuen Bürger unserer Tierwelt in manchen Fällen ökologische Problemkinder.

 

Ein von den meisten freudig begrüßter Heimkehrer, der aber nicht nur Freunde hat: der Biber (Foto: Tom Smylie, U.S. Fish & Wildlife Service)

 

Der Biber macht Ärger

 Grundsätzlich ist es natürlich zu begrüßen, wenn verschwundene Tierarten in einen Lebensraum zurückkehren. Nicht immer geht es dabei aber ohne Ärger ab. Ein Beispiel dafür ist der Biber: Gerade im Bereich der Gewässer haben die Umweltschutzmaßnahmen der letzten Jahrzehnte erfreulicg gut gegriffen. Erheblich verbesserte  Wasserqualität und die Renaturierung von Ufern haben ihm Lebensräume zurückgegeben, so dass er sich weit stärker wieder ausgebreitet hat, als die Naturschützer zu hoffen gewagt hatten.

 Doch schon gibt es Ärger mit Meister Bockert, wie ihn die Fabel nennt: Nicht nur der Mensch, sondern auch Tiere verändern ihren Lebensraum. Und das gilt im hohen Maße auch für den Biber mit siner Bautätigkeit. Bauern beklagen Schäden an Ufergrundstücken durch die Höhlen, die sich der Biber gräbt und auch die ökologisch eher positive Wiedervernässung durch seinen Dammbau wird nicht immer auf Gegenliebe bei den Landwirten stoßen.

 

 Biberdamm in der Eifel: Die Vernässung des Bodens durch den angestiegenen Wasserspiegel verbessert sicherlich den Lebensraum, wird aber nicht unbedingt überall auf Gegenliebe stoßen (Bildquelle: Wikimedia)

 

 Daher schimpfe die Bauern auch schon seit Jahren und verlangen, dass der Biber wieder auf die Liste der jagdbaren Tiere gesetzt wird und ein Schusszeit bekommt. Manche Jäger würden das vielleicht begrüßen, die meisten werden jedoch ohne großes Bedauern auf diese Bereicherung der Jagdkarte verzichten können: Der Biber ist nämlich mit den heute als waidgerecht geltenden Methoden nur mühselig  zu bejagen: Ausrotten konnte man ihn früher nur deshalb, weil man seinen Lebensraum zerstörte und üble Tricks anwandte, die heute keiner mehr will; außerdem ist er heute kaum mehr zu verwerten, denn wer isst schon Bibefleisch?

 Tatsächlich geht das Gezerfe um den Biber schon seit Jahren; bisher ist die Welt durch ihn aber noch nicht untergegangen. Eine Entschädigung der Grunstückseigentümer wäre jedoch zu überlegen: Einesteils kann man sich zwar eigentlich nicht beschweren, wenn man durch Renaturierung einen Nutzen verliert, den man nur dadurch hatte, dass vorher ein unnatürlicher Zustand herrschte. Andererseits haben die Bauern aber die Nutzung solcher Grundstücke begonnen, als noch kein Biber in Sicht war, womöglich im Einzelfall sogar im Rahmen der Flurbereinigung im Tausch gegen uferferne Grundstücke erhalten. Auf jeden Fall aber können und müssen wir uns Umweltschutz und Erhalt von Ökosystemen leisten und gleichzeitig die Landwirtschaft erhalten, so dass man die Bauern ruhig entschädigen kann, zumal sie wichtige Verbündete im Kampf gegen die Zerstörung unserer Umwelt durch wirtschaftliche Interessen sind.

 

Das Wildschwein kam von alleine zurück

 Das Schwarzwild ist eine bei uns wirklich bodenständige Wildart. Es ist ein typischer Waldbewohner und daher in alten Zeiten praktisch überall in den weiten Wäldern zuhause gewesen, welche in unserem Land die natürliche Endstufe der Vegetation darstellen.

 

Auch das Wildschwein ist in viele seiner alten Lebensräume zurückgekehrt, worüber aber einige Leute nicht so ganz glücklich sind

 

 Mit der fortschreitenden Besiedelung wurden immer mehr Wälder gerodet und durch Übernutzung zerstört, so dass sein Lebensraum immer mehr beschnitten wurde. Weil es in der Landwirtschaft zu Schaden geht, wurde es in neuerer Zeit auch erbarmungslos verfolgt, so dass es vor einigen Jahrzehnten aus vielen Teilen Deutschlands komplett verschwunden war.

 Durch Verändrungen in der Landwirtschaft, vor allem durch den großflächigen Maisanbau, verbesserte sich seine Nahrungsgrundlage aber so stark, dass es sich viele seiner Lebensräume zurückerobert und sich dort auch stark vermehrt hat. Das anpassungsfähige Wildschwein ging aber noch weiter: Ursprünglich ein typischer Bewohner großer, zusammenhängender Wälder, treibt es sich heute sogar schon in Städten herum! Vielerorts ist es daher zu einer Plage geworden, nicht nur, weil es schwere Schäden, vor allem an Mais, Weizen und Grünland anrichtet, sondern auch, weil es ein Überträger der Schweinepest ist und damit Hausschweinhaltungen gefährdet.

 

Zwei Neubürger

Im Gegensatz zum Biber ist der Waschbär ganz neu bei uns eingebürgert worden. Er kam zunächst in europäische Pelzfarmen, brach von dort aus, wurde zum Teil auch ausgesetzt und begann sich zu verbreiten. Das erste Auftreten von Waschbären in Deutschland liegt schon Jahrzehnte zurück, heute ist er in weiten Teilen Deutschland zu finden. Über seine Populationsdichte herrscht geteilte Meinung: Während die einen ihn schon überall in Massen sehen, behaupten die anderen, das in den Medien bis zu zehnfach überhöhte Dichten genannt würden.

 

 Der Wascchbär wurde ganz neu bei uns eingebürgert (Bild: Darkone, Wikimedia, lizensiert nach CC-SA)

 

Neubürger im Tierreich, sogenannte Neozoen, sind eine potentielle Gefahr für ein Ökosystem, müssen aber nicht unbeding tatsächlich schädlich sein. Auch hierüber herrschen im Einzelfall unterschiedliche Ansichten. Auf jeden Fall aber ist der Waschbär ein findiger und anpasungsfähiger Geselle, der sich ohne größere Probleme auch neue Lebensräume erobern kann. Nicht nur in seiner Urheimat der USA, sonden auch bei uns ist er deswegen mehr und mehr auch im städtischen Bereich zu finden.

 

Obwohl er dem Waschbar sehr ähnlich sieht, ist er kein naher Verwandter von ihm: der Enok ode Marderhund

(Dieses Bild basiert auf dem Bild Capreolus capreolus (Marek Szczepanek)aus der freien Mediendatenbank Wikimedia Commons und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. Der Urheber des Bildes ist Manfred Dohmen.)

 Der Enok oder Marderhund ist ein zweiter Neubürger, den man recht leicht mit dem Waschbär verwechseln kann: Anders als dieser gehört er, wie unser Fuchs, zu den Hunden, während der Waschbär bei den Kleinbären eingeordntet wird. Der Enok stammt ursprünglich aus Ostasien, kam durch Aussetzung in den Westen der Sowjetunion und hat sich von dort bis nach Deutschland verbreitet. Hier ist er in Mecklenburg-Vorpommern und Brendenburg recht verbreitet, kommt aber auch in den anderen Bundesländern vor.

 Dass er sich bei uns wohl fühlt, liegt auch daran, dass er hier keine natürlichen Feinde hat. Außerdem ist er, wie sein Verwandter, der Fuchs, de facto ein Allesfresser, auch wenn beide nach der zoologichen Systematik bei den Raubtieren eingeordenet sind. Anders als der Fuchs jagt der Enok aber nicht, sondern sammelt sein Nahrung eher in der Art des Dachses. In seinem Nahrungsspektrum sehen aber viele auch ein Gefahr, denn er frisst unter anderem auch Gelege und Junge höhlen- und bodenbrütender Vögel. Nach der Berner Konvention soll daher seien Ausbreitung streng kontrolliert werden.

 

Ersatz und Verdrängung von heimischen Tieren durch nahe ausländische Verwandte

 Teilweise besiedeln Neoozoen auch die Lebensräume von nahen einheimischen Verwandten, die daraus verdrängt wurden. Ein Beispiel hierfür ist der Nerz. Der europäische Nerz ist sehr selten geworden und lebt nur noch an wenigen Stellen. Ein Teil seiner Biotope wurde vom amerikanischen Nerz besiedelt. Das problematisch hieran ist, dass der amerikanische Nerz oder Mink robuster ist als sein europäischer Verwandter und nicht nur bereits von diesem verlassene Lebensräume besiedelt, sondern ihn auch daraus verdrängt.

 

 

Der amerikanische Nerz ist ein gefährlicher Konkurrent seines europäischen Verwandten, da er ihn aus seinem Lebensraum verdrängen kann. (Bild: U.S. NPS)

 

 Ebenfalls Konkurrenz aus der Neuen Welt hat unser Flusskrebs bekommen. Er leidet stark unter Gewässerverschmutzung, insbesondere unter Insektiziden. Nachdem sich die Gewässerqualität wieder verbessert

hatte, wurden die verlassenen Biotope teilweise mit amerikanischen Krebsen besiedelt. Dies geschah teilweise in Form von gezielten Besatz-Aktionen, zum Teil aber auch unkontrolliert: Amerikanische Flusskrebsarten werden von Aquarianern gehalten und manchmal  auch ausgesetzt. Gelangen sie in geeignete Gewässer, können sie freie Lebensräume besiedeln, aber auch gefährlich für einheimische Krebse werden, die hier noch oder wieder leben. Die amerikanischen Arten übertagen nämlich eine gefährliche Pilzkrankheit, die man als Krebspest bezeichnet.

 

Der Europäische Flusskrebs wird nicht nur durch Umweltschäden bedroht, sondern auch durch seine amerikanischen Verwandten (Bild: Parc Vosges Nord, lizensiert nach GNU FDL)

 

Neozoen sind nichts neues

Die Einwanderung von neuen Tierarten gibt es aber keineswegs erst seit dem Industriezeitalter mit seinen Umweltveränderungen und starkem internationalen Austausch von Menschen, Waren und DIenstleistungen. Abgesehen von radikalen Veränderungen durch den Wechsel von Eis und Warmzeiten und den dadurch verursachten Veränderungen in der Pflanzen und Tierwelt sind auch in geschichtlicher Zeit immer wieder neue Tierarten aufgrund von Umweltveränderungen und/oder dem Zutun des Menschen aufgetraucht.  Das Damwild, eine kleine Hirschart, wurde zum Beispiel als Zierwild für die Parks von Fürsten ins Land geholt, gelangte irgendwann auch in die freie Wildbahn und fühlt sich dort vielerorts sehr wohl ohne dabei besonders negativ aufzufallen; es wertet sogar viele Jagdreviere auf, denn für einen Jäger ist ein Damhirsch zwar kein Rothirsch, aber er rangiert allemal höher als ein Rehbock. Ähnliches gilt für das Sikawild, einen kleinen Verwndten des Rotwildes.

 

 Unsere Feldflur und auch unser Wald sind keine Natur- sondern Kulturlandschaften. Daher muss das Gleichgewicht in Ihnen auch vom Menschen durch Pflege gehalten werden.

 

 Ein anderes Beispiel ist das Kaninchen, welches im Mittelalter von Mönchen bei uns eingeführt wurde und geeignete Lebensräume fand: Weil es sich so sehr vermehrt, dass seine Fruchtbarkeit schon sprichwörtlich geworden ist, wurde das von so manchem als Jagdwild geschätzte Tier vielerorts zur Plage. Seuchenzüge dezimierten es dann vor Jahren, mittlerweile ist es wohl wieder auf dem Wege der Besserung.

 Der typische Lebensraum von Meister Lampe, dem Feldhasen, wurde bei uns erst vom Menschen geschaffen. Die kleinräumige bäuerliche Feldflur der vergangenen Jahrhunderte ist der Lebensraum, der seiner  eigentlichen Heimat, der Steppe, ähnlich genug ist, dass er dort große Besätze bilden konnte. Mit den Verändrungen in der Landwirtschaft der letzten Jahrzehnte ist er jetzt jedoch leider arg in Bedrängnis geraten.

 Insgesamt regelt sich inder Natur einiges von selbst, jedoch nicht alles. In reinen Naturlandschaften, stellt sich meist auch nach Katastropenen wieder ein Gleichgewicht ein. Selbst (scheinbar) unberührte Naturreservate werden aber von der Zivilisation beeinflusst, da sie ihre Beziehungen zu Nachbarbiotopen beeinträchtig. In der Kulturlandschaft schließlich, die vom Menschen geschaffen wurde, muss der Mensch durch geeignete Maßnahmen das Gleichgwicht erhalten, will er nicht, dass wertvolle Lebensräume verloren gehen. Und dazu gehört auch, dass er Neozoen im Auge behält.

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